INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG. 2
2. GRUNDBEGRIFFE. 3
2.1 THEORIE OPERATIV GESCHLOSSENER SYSTEME / AUTOPOIESIS. 3
2.2 DIE UNTERSCHEIDUNG VON MEDIUM UND FORM AM BEISPIEL SPRACHE 4
2.3 STRUKTURELLE KOPPLUNG. 6
3 KOMMUNIKATION ALS DREISTELLIGER SELEKTIONSPROZESS 9
3.1 DIE EBENE DER INFORMATION 9
3.2 DIE EBENE DER MITTEILUNG. 10
3.3. DIE EBENE DES VERSTEHENS / ANSCHLUSSKOMMUNIKATION 11
3.4 DIE VIERTE SELEKTION: JA ODER NEIN 12
3.5 DIE UNWAHRSCHEINLICHKEIT VON KOMMUNIKATION 13
4. FAZIT. 15
5. LITERATURVERZEICHNIS 16
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1. EINLEITUNG
Schon in der Luhmann - Habermas Debatte schien für den unkundigen Betrachter durch, welch fundamentaler Unterschied in den jeweiligen Kommunikationsmodellen liegt. Profiliert Habermas auf der einen Seite Kommunikation als die Suche nach Konsens, als gelungene Kommunikation, welche erst dann als solche gilt, wenn der kommunikative Akt besondere Grundregeln befolgt, so steht auf der anderen Seite Luhmanns Auffassung, die besagt, dass Kommunikation immer dann stattfindet, wenn sie stattfindet, gleichgültig, ob sie in den Konsens oder Dissens führt, oder anders ausgedrückt: Kommunikation ist nicht abhängig von ihrem sozialen Gelingen.
Auch in seinen Rückgriffen auf George Spencer Brown und die phänomenologischen Grundlagen Husserls, und der daraus resultierenden Ablehnung eines klassischen, nach Input-Output Regeln funktionierenden Sender-Empfänger Modells, schlägt Luhmann eine Schneise durch die Historie klassischer Kommunikationsmodelle. In seiner Annahme, auch bei Kommunikation handelt es sich um ein autopoietisches System, welches sich durch eigene Operationen dauerhaft reproduziert und dem daraus resultierenden Folgegedanken, dass soziale Systeme sich über Kommunikation erschaffen und ausdifferenzieren, legt er das Fundament seiner Gesellschaftstheorie, deren Wirkungsgeschichte bis heute anhält. So ist die Gesellschaft nach Luhmann nur über Kommunikation, durch Kommunikation und nur auf der Grundlage von Kommunikation zu verstehen, so dass die Operationsweise der Selbstbeschreibung einer Gesellschaft einhergeht mit ihrem Selbsterhalt, beides auf der Grundlage von Kommunikation. Dass sich die Theorie damit als ihre eigene Schießbude etabliert, ist eine ihrer faszinierendsten Eigenschaften und befruchtete mit ihren Thesen die Kommunikationswissenschaft, Pädagogik und Organisationssoziologie, um hier nur einige wenige zu nennen.
Ziel dieser Hausarbeit ist es das Kommunikationsmodell Niklas Luhmanns auf der Grundlage einiger Prämissen und Vorbedingungen zu beschreiben.
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2. GRUNDBEGRIFFE
Das Kommunikationsmodell Niklas Luhmanns lässt sich nur auf der Grundlage seiner Grundprämissen erklären. Ohne die Theorie operativ geschlossener, autopoietischer Systeme, ohne den Begriff der strukturellen Kopplung und ohne die Unterscheidung von Medium und Form tun sich Widersprüchlichkeiten auf, die Luhmanns Theorie als schnell zu widerlegen oder abstrus erscheinen lassen. Auch lösen sich unter Zuhilfenahme dieser Annahmen sperrige Blockaden, die aus einer unreflektierten Betrachtung klassischer Luhmann - Zitate, wie: „Kommunikation kann nur mit Kommunikation kommunizieren.“ resultieren, und beim Betrachter auf den ersten Blick Unverständnis erzeugen.
2.1 THEORIE OPERATIV GESCHLOSSENER SYSTEME /
AUTOPOIESIS
Soziale Systeme, seien es Funktionssysteme wie die Politik oder Wirtschaft, sei es die normale Unterhaltung zwischen zwei Anwesenden, etablieren sich über ihre Differenz zur Umwelt. Von einem System kann immer nur dann die Rede sein, wenn es sich um ein System innerhalb einer Umwelt handelt, welches gezwungen ist, die auf sie einprasselnde unendliche Komplexität zu reduzieren, um handlungs- und überlebensfähig zu bleiben. Die Reduktion der Komplexität von außen geht einher mit dem Aufbau von Komplexität nach innen, so dass sich ein System in sich selbst immer weiter ausdifferenzieren muss und kann. Die System-Umwelt Differenz beschreibt Luhmann daher als „[…] die Unterscheidung, die ein System konstituiert“ (Luhmann, 2006a, S.92).
Die Unterscheidung von System und Umwelt wird durch das System selbst vollzogen. Durch systemeigene Operationen zieht das System seine Grenzen, unterscheidet sich von seiner Umwelt und erzeugt sich eben durch diese systemspezifischen Operationen immer wieder selbst. Erhaltung der Stabilität nach innen geht einher mit der Aufrechterhaltung der System - Umwelt Differenz nach außen. Operationen können immer nur innerhalb des Systems laufen, da Operationen in der Umwelt des Systems die behauptete Differenz auflösen würden (Luhmann, 2006a, S.92).
Damit wird auch klar, dass so etwas wie Erkenntnis immer nur innerhalb eines Systems stattfinden kann. Die Theorie operativ geschlossener Systeme schließt aus, dass ein System außerhalb seiner Systemgrenzen operieren, und damit Einfluss auf seine Umwelt nehmen
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kann. Dazu Luhmann: „Erkenntnis ist nicht nur möglich, obwohl, sondern weil das System operativ geschlossen ist“ (Luhmann, 2006a, S.93).
Dass dadurch das System nicht determiniert ist, klärt Luhmann in Rückgriff auf Begrifflichkeiten Heinz von Foersters, welcher zwischen „trivialen“ und „nichttrivialen Maschinen“ unterscheidet. Sind „triviale Maschinen“ durch ein einfach strukturiertes Input-Output Verhältnis gekennzeichnet, so schalten „nichttriviale Maschinen“ ihren eigenen Zustand selbstreferentiell mit ein, bevor sie Output generieren. Sind „triviale Maschinen“ durch ihre Programme und Operationen in sich selbst determiniert, erzeugen strukturell komplexe Systeme, eben aufgrund ihrer Komplexität immer neue Handlungsmöglichkeiten, um auf immer neue Ansprüche zu reagieren, oder, um es anders zu formulieren: In dem Maße, in welchem man ein System als strukturdeterminiert beschreiben kann, beschreibt man gleichzeitig dessen Freiheitsgrad und umgekehrt. Dazu Luhmann: „Je reicher das Strukturvolumen ist, umso größer ist die Vielfalt und umso stärker ist das System für sich selber auch als Determinator des eigenen Zustandes und der eigenen Operationen erkennbar. Andererseits ist das Gegenteil auch wahr“ (Luhmann, 2006a, S.105-108). Der Begriff der Autopoiesis bezeichnet das bisher Beschriebene. Ein System kann seine eigenen Operationen nur durch das Netzwerk eigener Operationen erzeugen, es spaltet sich ab von seiner Umwelt. Es kann nicht mit der Umwelt direkt in Kontakt treten, ohne seine operative Geschlossenheit zu verlieren. Es konstituiert und erhält sich über sich selbst, es strebt nach Stabilität (Luhmann, 1987, S.58).
Systeme dieser Art sind ausdifferenzierte Funktionssysteme wie Wirtschaft, Recht oder Politik, aber auch psychische Systeme gelten als autopoietisch, und existieren demnach in sich als unabhängig von den sie umgebenden sozialen Systemen. Bevor ich auf den Begriff der strukturellen Kopplung komme, welcher beschreibt, inwiefern autopoietische Systeme sich gegenseitig beeinflussen, gilt es die Begriffe von Medium und Form am Beispiel der Sprache zu unterscheiden, nicht zuletzt um aufzuzeigen, inwiefern der Begriff des Sinns als Grundbedingung der Reduzierung von Komplexität gilt.
2.2 DIE UNTERSCHEIDUNG VON MEDIUM UND FORM AM BEISPIEL
SPRACHE
„Sinn ist eine potente Form der Reduktion von Komplexität, der Auflösung eines erzwungenen Selektionsproblems“ (Luhmann, 2006a, S.237).
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Arbeit zitieren:
Michael Kazmierski, 2008, Information, Mitteilung, Verstehen, München, GRIN Verlag GmbH
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