Inhaltsverzeichnis
1 Leseleistungen der Schüler 5
1.1 Die PISA-Studie 2003 5
1.1.1 Die Erfassung der Lese-Kompetenz. 5
1.1.2 Ergebnisse im Bereich „Lese-Kompetenz“ 6
1.1.3 Konsequenzen für den Unterricht. 7
1.2 Studie von Dr. Karin Landerl, Universität Salzburg (2000) 8
1.2.1 Theoretischer Hintergrund. 8
1.2.2 Ablauf der Untersuchung. 8
1.2.3 Zusammenfassung. 11
2 Bildungsstandards im Kompetenzbereich „Lesen - Umgang mit Texten und
Medien “ (für die 4.Schulstufe) 11
3 Lesekompetenz. 14
3.1 1. Kompetenzstufe 15
„oberflächliches Verständnis einfacher Texte elementare Lesefähigkeiten“ 15
3.2 2. Kompetenzstufe 15
„Herstellen einfacher Verknüpfungen grobes Textverständnis“ 15
3.3 3. Kompetenzstufe 16
„Integration von Textelementen logische Schlussfolgerungen“ 16
3.4 4. Kompetenzstufe 16
„detailliertes Verständnis komplexer Texte bzw. externe Kenntnisse“ 16
3.5 5. Kompetenzstufe 16
4 Entwicklung von Lesestrategien 16
4.1 Nutzen von Buchstaben-Laut-Beziehungen. 17
4.2 Nutzen von bekannten Wörtern und Wort(teil)gestalten 17
4.3 Nutzen von syntaktischen Begrenzungen 18
4.4 Nutzen von Sinnstützen 18
5 Gezieltes Lesetraining. 20
5.1 Übungen zum strukturellen Lesen. 20
5.1.1 Beobachtungsübungen 20
5.1.2 Blitzkartenübungen 21
- 2 -
5.1.3 Übungen zum rhythmischen Lesen 21
Wortsuch übungen 21
5.1.4 Lesezinnen-Methode. 22
5.2 Übungen zum kohärenten Lesen 22
5.2.1 Cloze-Übungen 22
5.3 Wegstreichübungen. 23
5.3.1 Schlüsselwortübungen 24
5.3.2 Überschriften finden (Lead-Übung) 24
6 Was ist die passende Überschrift? 25
6.1.1 Leitfragentechnik. 25
6.1.2 Hilfe, mein Computer spielt verrückt 26
6.1.3 Aus Lesetexten werden Hypertexte. 26
7 Möglichkeiten einer kreativen Leseförderung 27
7.1 Lesemotivation. 27
7.2 Kreativer und konstruktiver Umgang mit Texten. 28
7.3 Leseförderung durch Kinderliteratur. 31
7.3.1 Vorstellen neuer Bücher durch den Lehrer 31
7.3.2 Unterrichtsmethodische Arbeit 31
7.3.3 Lesespiele. 32
7.3.4 Häusliche Lektüre 32
7.3.5 Vorlesen. 32
7.3.6 Bücherstunde oder „Freie Lesestunde“ 33
7.3.7 Bücherhitliste 33
7.3.8 „Buch-Steckbriefe“ (ab der 3. Klasse) 33
7.3.9 „Lesetagebuch“ bzw. „Lesemappe“ 33
7.3.10 Autorenlesungen 33
8 Didaktische Analyse. 34
9 Ablauf einer Autorenlesung. 34
9.1.1 Bücherschaukasten, „Gang-Bibliothek“ oder Buchausstellung 36
9.1.2 Lesefest in der Klasse / in der Schule 36
Organisation 36
M ögliche Programmpunkte 37
9.1.3 Elternarbeit. 38
9.1.4 Bibliothek und Bücherei. 39
- 3 -
9.2 Hypertext-Lesen. 39
9.2.1 Was ist ein Hypertext? 40
9.2.2 Wie ist ein Hypertext aufgebaut? 40
9.2.3 Verwendung von Hypertexten 41
9.2.4 Verfassen von Hypertexten 42
9.2.5 Wie verändern digitale Texte das Lesen und Schreiben? 42
Literaturangaben 44
- 4 -
1 Leseleistungen der Schüler
1.1 Die PISA-Studie 2003
Das „Programme for International Student Assessment” ist ein 1998 begonnenes, gemeinsames Projekt aller 30 OECD-Staaten. Es versteht sich als Programm zur Messung und zum internationalen Vergleich von Schülerleistungen. In einem 3-Jahres-Zyklus werden (seit PISA 2000) in diesen Ländern standardisierte Leistungsmessungen bei 15-/16-jährigen Schülern (am Ende der Pflichtschulzeit) durchgeführt. Die Tests und Fragebögen werden in zufällig ausgewählten Schulen angewendet.
Die Erfassung der Lese-Kompetenz war im Jahr 2000 der Schwerpunkt („Hauptdomäne“). In PISA 2003 war die Lese-Kompetenz eine „Nebendomäne“, d.h. sie umfasste 1/6 der Testaufgaben, die von rund 2500 Schülern bearbeitet wurden.
1.1.1 Die Erfassung der Lese-Kompetenz
Lese-Kompetenz wird als ein ständig wachsendes Repertoire an Kenntnissen, Fähigkeiten und Strategien gesehen, die lebenslang in verschiedenen Kontexten und durch Interaktion mit Altersgenossen erweitert werden.
Es wird nicht nur gemessen, ob 15-/16-jährige Schüler „technisch“ fähig sind, etwas zu lesen. Der Begriff „Lese-Kompetenz“ bezieht sich auf die Fähigkeit, eine große Bandbreite von geschriebenen Materialien in verschiedenen Situationen, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule, zu verstehen und darüber zu reflektieren. „Lese-Kompetenz heißt, geschriebene Texte zu verstehen, zu nutzen und über sie zu reflektieren, um eigene Ziele zu erreichen, das eigene Wissen und Potenzial weiterzuentwickeln und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“ (OECD, 1999; deutsche Übersetzung: Deutsches PISA-Konsortium, 2000).
Um die Lese-Kompetenz der Schüler zu erfassen, werden die ihnen vorgelegten Aufgaben nach bestimmten Kriterien ausgewählt:
Verschiedene Texttypen
- kontinuierliche (z.B. Beschreibungen, Darlegungen, Argumentationen)
- nichtkontinuierliche (z.B. Listen, Tabellen, Graphen oder Diagramme) Lese-Prozesse
PISA-Leseaufgaben umfassen die folgenden 5 Lese-Prozesse:
- Heraussuchen von Information
- Formen eines generellen Verständnisses dessen, was man gelesen hat
- 5 -
- Entwicklung einer Interpretation
- Reflektieren über und Evaluieren des Textinhaltes
- Reflektieren über und Evaluieren der Textform
Situationen / Lebensbereiche
- Texte für den privaten Gebrauch (Briefe, Biografien usw.)
- Texte für den öffentlichen Gebrauch (offizielle Dokumente, Werbung etc.)
- Texte für den Beruf und für Bildungszwecke (Manuale, Berichte usw.).
1.1.2 Ergebnisse im Bereich „Lese-Kompetenz“
Österreichs 15-/16-Jährige erzielten im Lese-Test von PISA 2003 durchschnittlich 491 Punkte, der Wert liegt unter dem OECD-Schnitt (494), unterscheidet sich aber davon nicht signifikant. Österreich gehört zu jenen 7 OECD-Ländern, deren Lesemittelwerte sich innerhalb von drei Jahren signifikant verschlechterten: Unser Wert fällt um 16 Punkte (von 507 auf 491 Punkte).
Unter allen 40 Teilnehmerstaaten bedeutet dies den 22. Rang, innerhalb der 29 OECD-Staaten Rang 19. In PISA 2000 nahmen wir noch den 10. Gesamtrang ein. Die Spitzengruppe im Lesen ist seit PISA 2000 sehr stabil geblieben: Finnland, Kanada, Neuseeland, Australien, Irland und Korea.
In Österreich erreichen nur 8% der Schüler die höchste Lese-Leistungsstufe (Kompetenzstufe 5). Den höchsten Schüleranteil bei Spitzenleistungen haben Neuseeland (16%), Finnland und Australien (je 15%).
Besser sind in unserem Umfeld die Deutschen (10%) und die Liechtensteiner (13%). Die Schweiz hat denselben Anteil wie Österreich - die Tschechische Republik (6%) und Ungarn (5%) jeweils einen etwas geringeren.
Fast alle guten Leser sind in den höheren Schulen zu finden (AHS - 62% / BHS - 45 % aller Schüler in den besten 2 Kompetenzstufen). In den Polytechnischen Schulen (54%) und in den Berufsschulen (39%) befinden sich viele Lese-Risikoschüler. Als Risikogruppe (besonders geringe Lese-Kompetenz) gelten Schüler auf Kompetenzstufe 1 und darunter. Die Größe der Risikogruppe hat sich in Österreich in wenigen Jahren von 14% auf etwas über 20% aller 15-/16-jährigen Schüler - und damit fast um die Hälfte - vergrößert, der drittgrößte Anstieg in PISA weltweit. In absoluten Zahlen sind das derzeit rund 18 000 Österreicher jährlich, die nach mind. 8
- 9 Schuljahren nicht ausreichend fließend und Sinn entnehmend lesen können.
- 6 -
Die Deutschen (22%) und Luxemburger (23%) schneiden ähnlich ab, während Liechtenstein (10%), die Schweiz (16%) und Irland (11%) besser liegen. Diese Gruppe ist in Finnland und Korea (je 6%) und Kanada (9%) am kleinsten.
1.1.3 Konsequenzen für den Unterricht
Die Bildungspolitik und Erziehungswissenschaften haben auf die Ergebnisse der PISA-Studie reagiert:
Zum einen wird die Bedeutung der Leseerziehung betont und Initiativen zur Förderung werden gesetzt (z.B. Aktion LESEFIT - Initiative der Bildungsministerin und des Buchklubs), zum anderen wird eine stärkere Ziel- und Ergebnisorientierung im Unterricht gefordert (Grundsatzerlass zum Unterrichtsprinzip Leseerziehung, Einführung von Bildungsstandards, Angebot von Lese-Screenings).
Unter dem Motto „Lesen können heißt lernen können“ hat das Bildungsministerium eine neue Leseinitiative gestartet, die ab dem Schuljahr 2002/2003 an Österreichs Schulen umgesetzt wurde. Folgende Schwerpunkte waren vorgesehen: Einbindung der Eltern in die Leseförderung
Früherkennung von Leseproblemen durch Lese-Screenings und individuelle Förderung
Entwicklung vielfältiger Leseförderungsprogramme und -materialien für differenzierenden und kreativen Leseunterricht sowie offenes Lernen „e-Reading“ - Lesedidaktik und Unterrichtsmodelle für das Lesen in den neuen Medien („Notebookklassen“)
Der Österreichische Buchklub ist mit der Konzeption und Durchführung beauftragt worden. Gemeinsam mit dem BMBWK und der Universität Salzburg koordiniert und entwickelt der Buchklub das Projekt mit folgenden Vorhaben: Entwicklung von Lesestandards, die sich am realitätsbezogenen Lesebegriff der PISA-Studie orientieren
angewandte Lese- und Lernforschung und ihre Umsetzung in der Schulpraxis und in der Lehrerfortbildung
Unter dem Stichwort „Neue Medien - Neues Lesen - Neues Lernen“ wird auf der Grundlage des PISA-Lesekompetenzbegriffes Lesen als Basis für lebenslanges Lernen vermittelt.
- 7 -
1.2 Studie von Dr. Karin Landerl, Universität Salzburg (2000)
1.2.1 Theoretischer Hintergrund
Die Leseforschung sieht phonologische Faktoren als Hauptursache für Leseschwierigkeiten. Häufig sind verbal-linguistische Defizite (z.B. mangelnde Kompetenz der Laut-Buchstabenzuordnung) vorhanden, die das Lesenlernen für Kinder erschweren. Visuelle Faktoren (z.B. Buchstabenrevisionen, wie „b“ und „d“ etc.) hingegen würden in der Häufigkeit ihres Auftretens überschätzt. In der Salzburger Studie wurde nur Bezug auf den phonologischen Ansatz genommen.
1.2.2 Ablauf der Untersuchung
Als Stichprobe der Studie wurden an 135 Schulen Österreichs insgesamt 2 604 Kinder (durchschnittlich 19,4 KK pro Klasse) am Ende der 3. Schulstufe (Durchschnittsalter 9,4 Jahre) getestet. Die Leistungen dieser Kinder im Leseverständnis, der Leseflüssigkeit sowie die Rechtschreibleistung in Form von Klassentests wurden geprüft. Eine zentrale Fragestellung war, wie die Entwicklung der Leseleistungen dieser österreichischen Stichprobe im internationalen Vergleich zu bewerten ist. Da aus sprachtechnischer Sicht ein Vergleich für deutschsprachige Kinder angemessen erschien, wurde die österreichische Stichprobe an der Stichprobe zur Normierung des HAMLET (Hamburger Lesetest, Lehmann, Peek & Poerschke, 1997) gemessen.
Der HAMLET, das Salzburger Lese-Screening und der Salzburger Rechtschreibtest wurden den Kindern üblicherweise in den ersten beiden Unterrichtseinheiten des ersten Testtages vorgelegt.
Aus linguistischer Sicht sind der HAMLET und das Salzburger Lese-Scrrening kein e diagnostischen Verfahren. Sie verraten ein Leistungsdefizit, sagen aber nichts über mögliche Ursachen oder gar empfehlenswerte Strategien zur individuellen Förderung aus. Für eine genaue Abklärung ist eine Einzeltestung bzw. eine differenzierte Diagnose der Schwächen der basalen Lesefertigkeit unabdingbar. Dafür wurde der Salzburger Lese- und Rechtschreibtest entwickelt.
- 8 -
Teil A: Screening der Lese- und Rechtschreibleistungen
Der HAMLET 3-4 ist ein Leseverständnistest, der aus insgesamt 10 Texten besteht. Zu jedem Text müssen 4 Multiple-Choice Fragen mit jeweils 4 Antwortalternativen beantwortet werden, woraus sich ein erreichbares Punktemaximum von 40 korrekt beantworteten Fragen ergibt. Nach einer Einführung durch den Testleiter hatten die Kinder zuerst 24 Minuten für die ersten 4 Texte und dann - nach einer Pause von 10 Minuten - weitere 40 Minuten für den 2. Teil der Texte zur Verfügung. Die Auswertung dieses Tests erlaubt eine Einteilung der Leseleistung in 5 Stufen des Leseverständnisses.
Das Salzburger Lese-Screening (SLS, nach Mayringer & Wimmer) ist ein Verfahren zur Feststellung der basalen Lesefertigkeit bzw. Leseflüssigkeit (= das fehlerfreie und
- je nach Klassenstufe - relativ schnelle und mühelose Lesen der Wörter eines Textes). Dies ist Voraussetzung für alle weiteren Lesefunktionen, wie z.B. Textverständnis. Die einfachen Sätze sollen rasch durchgelesen werden und auf ihre inhaltliche Richtigkeit bewertet werden (sinnerfassendes Lesen) . Da nur basales Weltwissen bei der Beurteilung der Sätze gebraucht wird, ist die Aufgabe ein Maß für Lesegenauigkeit und Lesegeschwindigkeit.
Der Rohwert des Tests ist die Anzahl der in 3 Minuten richtig bewerteten Sätze. Anhand der Normtabellen kann auch der so genannte Lesequotient (LQ) ermittelt werden. Die gewählte Skalierung des LQ entspricht jener des Intelligenzquotienten. Das Screening gibt Aufschluss über eine mögliche Leseschwäche einzelner Kinder oder den Leistungsstand einer ganzen Klasse (bereits im 1. Schuljahr).
Der Rechtschreibtest ist dem Salzburger Lese-Rechtschreibtest (SLRT, nach Landerl, Wimmer & Moser, 1997) entnommen; dabei sollen 24 Worte in einem Lückentext korrekt eingesetzt werden. Notiert wurden: nicht lauttreue Fehler, orthografische Fehler, sowie Groß- und Kleinschreibung. Der Test ist ab Ende der 1. Klasse einsetzbar.
Bei Störungen beim lautorientierten Schreiben und in weiterer Folge auch beim orthografisch korrekten Schreiben wird eine Schwäche der phonologischen Bewusstheit als eine der wesentlichsten Ursachen angesehen. Um diesen Zusammenhang zwischen Lesen und Schreiben und die daraus resultierenden Probleme mancher Kinder zu überprüfen, wurde der SLRT entwickelt.
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Arbeit zitieren:
Olivia Frey, 2005, Kreative Leseförderung in der Grundschule, München, GRIN Verlag GmbH
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