1 LEHRPLAN
1.1 BILDUNGS- UND LEHRAUFGABE
Die Bildnerische Erziehung soll dem Schüler die Möglichkeit geben, in den Bereichen Grafik, Malerei, Plastik/Objekt und Raum, Fotografie und Film/Video, Spiel und Aktion lust- und erlebnisbetont aktiv zu werden.
Sie soll den Schüler mit Werkmitteln, Verfahren und bildnerischen Ausdrucksmöglichkeiten in den angeführten Bereichen vertraut machen, sodass er sich auf bildnerische Weise mitteilen, bildnerische Mitteilungen anderer verstehen und dadurch Erfahrungen über sich selbst sowie über seine engere und weitere Umwelt sammeln kann.
Sie soll die Wahrnehmungsfähigkeit/Sensibilität, Vorstellungskraft, Kombinationsfähigkeit und Erfindungsgabe des Schülers stärken und kreatives Verhalten ermöglichen und fördern.
Sie soll den Schüler befähigen, sich mit visuell und/oder mit dem Tastsinn erfahrbaren Objekten, Erscheinungen und Vorgängen seiner Umwelt möglichst vorurteilsfrei und kritisch auseinander zu setzen.
Sie soll den Schüler die eigene Wandlungsfähigkeit und die Veränderbarkeit der Umwelt erfahren lassen und ihm Möglichkeiten demokratischen Handelns eröffnen (insbesondere in den Bereichen soziales Verhalten, Friedenserziehung, Umweltschutz, Medienerziehung, Konsumverhalten). 1.2 DIDAKTISCHE GRUNDSÄTZE
Die individuellen bildnerischen Äußerungen des Schülers sind anzuerkennen. Die gesamte unterrichtliche Tätigkeit in der Bildnerischen Erziehung soll von einer positiven Erwartungshaltung getragen sein. Wertungen des Lehrers sind vor allem im Sinne einer positiven Verstärkung einzusetzen.
Wesentliche Inhalte der Bildnerischen Erziehung sollen vor allem die reale Lebenssituation des Schülers und seine unmittelbare soziale Umwelt sein, aber auch Irreales, Fantastisches und Utopisches. Dabei sollen der Zusammenhang und die Wechselwirkung von praktischen bildnerischen Lösungen und der Alltagsbewältigung bewusst gemacht werden.
Wo immer es in der Bildnerischen Erziehung möglich ist, sollen kooperatives Tun und Verhalten erlebt werden (Stärkung des Anpassungs-/Durchsetzungsvermögens durch
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gemeinsames Planen, Entwerfen und Durchführen; Toleranz; konstruktive Kritik; Bereitschaft, zu helfen und sich helfen zu lassen).
Jede didaktische Entscheidung in der Bildnerischen Erziehung soll sich nicht nur an fachlichen Gesichtspunkten orientieren, sondern vor allem daran, wie die Gesamtpersönlichkeit des Schülers am wirksamsten gefördert werden kann (z.B. Förderung der Erlebnistiefe, der Ausdrucksfähigkeit, der Selbstständigkeit; der visumotorischen Koordination). Die Bildnerische Erziehung soll einzelne Lebensbereiche in größeren
Sinnzusammenhängen erschließen und einsichtig machen. So, wie die einzelnen Bereiche des Faches selbst nicht scharf voneinander abgegrenzt zu denken sind, so erfordern auch viele Projekte ein bereichs- und fächerübergreifendes Vorgehen (zB Spiele, Aktionen, Dokumentationen).
Ebenso soll auch die zeitliche Begrenzung von Einzelaufgaben und Projekten flexibel gehandhabt, auf die jeweiligen Erfordernisse abgestimmt und nicht in jedem Fall dem Stundentakt angepasst werden (allenfalls Blockung bei Einhaltung der Gesamtstundenzahl).
Die praktische Tätigkeit soll auf allen Stufen dominieren. Der bewusste Einsatz der Gestaltungsmittel ist mit zunehmendem Reifegrad des Schülers allmählich zu steigern, ebenso der reflektorische Anteil, wobei fachliche Begriffe einzuführen sind. Der Schüler soll durch lustbetonte Verstärkung und durch realen Lebensbezug der Lerninhalte aktiviert werden. Der Unterrichtsertrag wird durch Reflexion gesteigert und durch Ausstellungen,
Atelier-, Galerie- und Museumsbesuche, Dokumentationen, Protokolle und Auswertung von Lehrausgängen zusätzlich gesichert.
Die Reihenfolge der fünf Teilbereiche stellt keine Rangordnung dar, sie sind als gleichwertig anzusehen.
Die Gliederung des Lehrstoffes der Bereiche Grafik, Malerei, Plastik/Objekt und Raum liegt folgender Aufbau zu Grunde: - freies, spontanes Gestalten;
- Erweiterung des kindlichen Bestandes an Ausdrucksformen; - bildnerische Mitteilungen und Formung von Inhalten; - Erprobung und Anwendung von Werkmitteln und Techniken;
- reflektorische Auseinandersetzung mit bildnerischen Aktivitäten und Produkten und schließlich
- Handlungsfähigkeit des Schülers durch Anwendung des Gelernten. Quelle: http://www.bmbwk.gv.at/medienpool/3993/VS7T_Bildnerz.pdf [27.4.2005]
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2 Das didaktische Feld der Kunst- und Werkbetrachtung
Wohl dominiert im Kunstunterricht der Grundschule die Eigenproduktion des Schülers, doch darf dadurch die Kunstbetrachtung nicht zu kurz kommen. Kinder haben Interesse und Freude am Betrachten von Bildern und Objekten. Die Ziele dürfen jedoch nicht zu hoch gesteckt werden. Das zentrale Ziel der Kunst- und Werkbetrachtung ist die erlebnismäßige Begegnung des Schülers mit dem Werk. Der Lehrer kann zufrieden sein, wenn sich die Schüler von einem Bild im Gefühlsbereich angesprochen fühlen und sich bei einzelnen ein persönliches Verhältnis zum Kulturbereich „Bildende Kunst“ anzubahnen beginnt, das vielleicht über die Schulzeit hinaus anhält.
Ein Verstehen, Erfassen des Kunstwerkes im tieferen Sinn kann bsd. vom Grundschüler nicht erwartet werden. Es geht auch bei realistischer Kunst niemals nur um die Nachahmung der Natur. Jeder Künstler will mit seinem Kunstwerk etwas zum Ausdruck bringen, das aber nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. Charakteristische Merkmale der inhaltlichen und formalen Beschaffenheit des Kunstwerks lassen eine stilistische Klassifizierung zu. Man unterscheidet zwischen folgenden Schwerpunkten einer systematischen Bild- bzw. Objektbetrachtung: 1. Inhalt WAS ist zu sehen?
Thema / Gegenstand der Darstellung: Porträt, Landschaft etc.) gibt meistens den Titel des Bildes vor 2. Technik
Materialauswahl und Bearbeitungsvorgang Gattung 3. Form
WIE ist das Bild gemalt, dargestellt bzw. aufgebaut? charakteristische Gestaltungs- und Kompositionsmerkmale („Handschrift“ des Malers)
Stil (naturalistisch, impressionistisch, expressionistisch etc.)
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Rückschlüsse auf die Epoche / den Maler - Auswahl des Gegenständlichen - Größenverhältnisse und Anordnung des Gegenständlichen - Wahl und Anordnung der Farben - Wahl der Formen - Wahl der Technik 4. Aussage (Gehalt) WAS will / WILL der Künstler etwas sagen? WORAN erinnert uns etwas? (Deutung / Sinnerschließung) Interpretation allgemeiner / individueller Symbole Subjektive Reaktionen zu Beginn oder zum Schluss der Betrachtung 3 Ziele der Kunst- und Werkbetrachtung
Was im Verlauf der Betrachtung erreicht werden soll, ist eine Annäherung an das Werk, eine Ahnung von dessen Aussagerichtung und Aussagekraft. Der Schüler lernt nicht, Kunst zu qualifizieren, aber Kunst anzunehmen, auf Kunst zu antworten. Das Werk soll als Kunstwerk ins Bewusstsein gehoben werden, aber es soll nicht im verbal-logischen Sinne erklärt werden. Gerade die Unerklärbarkeit des Werkes soll ins Bewusstsein dringen. Widersprüchliches darf bestehen bleiben. Kunst- und Werkbetrachtung will...
... Kinder zu einem ganzheitlichen Kunstverständnis führen und ihr Wissen erweitern.
Verständnis für Kunstwerke erfordert ein bestimmtes Wissen. Kinder müssen über Informationen und Begriffe verfügen (über Kunst im Allgemeinen und dieses Werk im Besonderen), um Wahrnehmungen zu beschreiben und zu begründen. Dazu müssen Kinder lernen, bewusst wahrzunehmen, zu beobachten, zu beschreiben, zu interpretieren. Dazu müssen Kinder aber auch über Erfahrungen mit und Wissen um Farbe, Licht, Linie und andere künstlerische Elemente verfügen. Lehrer müssen sich Informationen verschaffen und ihr Wissen zur Verfügung stellen (gleichzeitig aber auch gegenwärtig sein, dass die Kinder u.U. sehr viel im Bild
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entdecken werden, was sie selbst gar nicht gesehen haben…). Lehrer müssen viel über ein Werk und den Künstler wissen, aber sie müssen den Kindern nicht alles -und vor allem nicht (referierend) vorab - auch mitteilen. Wichtig ist das Kennenlernen der - gebräuchlichsten Materialien und Techniken. - möglichen Darstellungsinhalte. - wichtigsten Gestaltungsgesetze.
... Scheu und Schwellenangst vor Kunstgeschichte, Galerien, Museen und Künstlern nehmen.
... Kindern über das vertiefte Kunsterlebnis einen Zugang zur Welt der Erwachsenen ermöglichen.
... Fantasie und Kreativität durch die Betrachtung und Verinnerlichung eines Gemäldes fördern.
Bildbetrachtung eröffnet vielfältige Chancen, die kindliche Fantasie anzuregen, Kinder zu eigenem produktivem Gestalten zu motivieren. Das Betrachten von Bildern kann einen Ausgangspunkt im Hinblick auf eine bildnerische Themenstellung schaffen. Jedoch sollte es nicht primär um Nachgestalten (z.B. Kunstwerk als Vorlage), sondern vielmehr um individuell produktives Tun gehen („Neu-Schaffen“unter einem neuen oder variierten Aspekt - über Gestaltungen der Kinder). Über die unvoreingenommene Begegnung mit Kunstwerken und Künstlern gewinnen Kinder Eindrücke von der Vielfalt der Bildwelten und können Gemeinsamkeiten zwischen ihrem eigenen Schaffen und dem der Künstler entdecken. ... über das Erleben von Bildinhalten soziales und emotionales Verhalten der Kinder fördern.
... Kinder zu ästhetischem Empfinden und zu Kunstgenuss hinführen. ... Kinder zum eigenen Kunstschaffen anregen.
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... die Sinne im Betrachten, bildnerischen Gestalten und im Spiel sensibilisieren bzw. schulen.
Gespräche über Kunstwerke (auch Schülerarbeiten) sind geeignet, die Wahrnehmung zu schulen und genaues Betrachten zu üben: - formal in Bezug auf Farben, Formen und Bildaufteilung, - bildnerisch in Bezug auf Komposition und Ideenreichtum. Durch gezieltes, differenzierendes Wahrnehmen, Beschreiben, Beurteilen und Vergleichen werden im weitesten Sinne ästhetisches Bewusstsein und Urteilskraft angebahnt bzw. erweitert. Langes und genaues Betrachten eines Bildes fördert die Konzentration. Die Kinder können sich in das Bild vertiefen, lernen, Details zu erkennen und lernen überhaupt genau zu schauen.
Produktive Aneignungsverfahren bieten sich unterstützend an, das Betrachten von Bildern muss aber nicht immer auch in konkret-praktisches Tun münden, es kann als Wahrnehmungsübung auch eine eigene Stellung im Unterricht einnehmen und immer auch in kurzen Sequenzen im Unterricht praktiziert werden. ... den Kindern vielfältige Sprechanlässe bieten. Eine Wechselwirkung zwischen dem Lernen, Kunst zu machen, und dem Lernen, Kunst zu erkennen und zu verstehen, sollte Kunstunterricht bestimmen. Bilder bieten - nicht nur im Lernbereich Kunst (!) - vielfältige Sprechanlässe. Das Gespräch über ein Bild ist gleichzeitig Prozess und Produkt des Unterrichts. Die Kinder erweitern ihren sprachlichen Ausdruck z.B. beim Beschreiben ihrer Wahrnehmungen, beim Benennen von Farben, Formen und deren Lagebezeichnungen, beim Vergleich von Bildern, beim Beschreiben einzelner Elemente oder Schildern inhaltlicher Aussagen.
Das jeweilige Bild wird dabei nicht als zu analysierendes Objekt betrachtet, sondern als etwas, dem man persönlich begegnet: Gespräche über Kunstwerke sind gleichzeitig auch Gespräche mit ihnen. Gespräche über Bilder sind darüber hinaus nicht nur auf Worte begrenzt: Die Sprache Hände zum Zeigen, Unterstreichen, Illustrieren, die Mimik zum Lachen fließen ein. ... den Kindern verschiedene Wege für Begegnungen mit Kunst eröffnen. Das Gespräch über Bilder und mit Kunstwerken sollte wie eine festliche, die Neugier und Aufmerksamkeit weckende Ouvertüre eröffnet werden. Für die Begegnung mit
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dem Werk (im Museum vor dem Original oder über Reproduktionen, Dias, Farbfolien) gibt es vielfältige Möglichkeiten: - Werkvergleich
- „entwickeltes Betrachten“ - vom Undeutlichen zum Deutlichen (Schärfe bzw. Unschärfe bei der Diaprojektion)
- „entdeckende Kunstbetrachtung“ (Bildteile werden sukzessive aufgedeckt) - „aktive Kunstbetrachtung“ als Impuls für eigene (Nach- / Um)Gestaltungen Hierbei können der Künstler (Zeit, Alter, Stil, Geschichte) und das Kunstwerk angesprochen werden:
unter formalen Aspekten (Farben, Formen, Anordnung etc.) unter inhaltlichen Aspekten (Wirkung, Deutung, Assoziationen, Titel und Geschichten erfinden / schreiben) 4 Zur Stoffauswahl
Das Volksschulkind begegnet dem Kunstwerk mit Interesse und oft mit Staunen. Es ist neugierig und will allerlei wissen, wobei sein Fragetrieb v.a. das Geschehen auf den Bildern anzielt.
Über die Auswahlkriterien der Werke, die man den Kindern zeigen sollte, gibt die Psychologie nur wenige brauchbare Hinweise. Obwohl der Lehrer somit auf seine eigenen Überlegungen, Versuche und Erfahrungen angewiesen ist, sollte er doch immer seinen Schülern Gelegenheit bieten, sich mit Kunstwerken auseinander setzen zu können.
Bei der Betrachtung geht es primär um Einzelwerke. Die Auswahl erfolgt unter den Gesichtspunkten der unterrichtlichen Voraussetzung und des Exemplarischen. Das Werk muss so beschaffen sein, dass die Schüler leichten Zugang zu ihm finden können, dass sein Inhalt klar und übersichtlich und seine Bildstruktur eindeutig ist. Die Szenen sollten nicht zu umfassend und kompliziert sein. Selbstverständlich sprechen Bilder mit freundlichem, optimistischem Inhalt besonders an, ebenso Bilder mit Märchenszenen und solche mit fantastischem Inhalt. Im Hinblick auf die formale Seite der für Grundschüler geeigneten Bilder gilt: Die Bilder müssen klar, deutlich und übersichtlich sein. Das Kind muss alles gut
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Arbeit zitieren:
Olivia Frey, 2005, Kunst- und Werkbetrachtung in der Grundschule, München, GRIN Verlag GmbH
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