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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S 3
2. Ethnische Grundlagen Rußlands S 4
3. Peter der Große S 6
3.1. Außenpolitik S 8
3.2. Innenpolitische Reformen S 9
3.3. Bewertung der Regierungszeit Peters II. S 14
4. Peters Nachfolger S 15
5. Katharina die Große S 17
5.1. Innenpolitische Reformen S 19
5.2. Außenpolitik S 20
5.3. Bewertung der Regierungszeit Katharinas II. S 24
6.Resümee S 25
Literaturverzeichnis S 27
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1. Einleitung
Gehört Rußland zu Europa?
Aus geographischer Sicht ist diese Frage leicht zu beantworten. Für den Geographen wird der europäische Teil Rußlands durch das Uralgebirge begrenzt.
Aus historischer Perspektive jedoch ist die Zugehörigkeit Rußlands zu Europa differenziert zu betrachten, denn sowohl das Verhältnis zwischen Rußland und Europa als auch der Europabegriff an sich haben im Laufe der Geschichte einen steten Wandel vollzogen. Im Verständnis der Antike umfaßte der Europabegriff den Kulturraum der griechischen und schließlich der römischen Welt. Nach dem Untergang des Römischen Reiches identifizierte sich das Christliche Abendland, der Christliche Okzident, der sich auch mit den Begriffen der res publica christiana, Reichsidee und Eclesia-Gedanke definierte, als eine Einheit. Sowohl die islamische Welt, als auch das oströmische Byzanz - und somit auch das griechisch-orthodoxe Rußland - waren aus diesem Kulturkreis ausgeschlossen. Das russische Reich wurde lange Zeit zu Asien gezählt und galt als außerhalb des eigentlichen Christentums liegende Macht. Der moderne Europabegriff wurde erst im 15. und 16. Jahrhundert geprägt. Er wurde auf das Staatensystem der Neuzeit, das Europa zwischen Hegemonie und Gleichgewicht der großen Mächte, bezogen. Im Zeitalter der Aufklärung schließlich erhielt der Europabegriff eine genauere Definition: Europa wurde als der „kleinste, aber aufgeklärteste und gesittetste Erdteil” bezeichnet. 1 Die Frage nach der Zugehörigkeit Rußlands zu Europa und nach dem Verhältnis zwischen Rußland und Europa ist bis ins 20. Jahrhundert viel diskutiert worden. Wie Georg von Rauch in dem Aufsatz Rußland und Europa formuliert: „Das Problem Ruß-land und Europa birgt eine besondere Dynamik; der geschichtliche Ablauf, sowohl auf dem politischen als auch auf dem kulturellen Felde, deckt dem Betrachter wechselnde Konstellationen auf. Europa ist keine konstante Größe. Und Europa ist in sich mannigfaltig differenziert; diese Differenziertheit verändert sich stetig. Das Verhältnis Rußlands zu Europa, seine Stellung innerhalb Europas oder neben Europa, hat Wirkungen nicht nur auf Rußland, sondern auf Europa.” 2 Insbesondere unter der Herrschaft der Zaren Peter II. und Katharina II. fand in Rußland ein prägnanter Wandel dieser Konstellationen statt. Sowohl außenpolitisch als auch wirtschaftlich und kulturell fand eine Annäherung an Europa statt. Wird von Peter dem Großen gesprochen, wird zumeist die bildliche Formulierung zitiert, Peter habe durch die Gründung St. Petersburgs ein Fenster nach Europa aufgestoßen. Diese viel
1 Geyer, Dietrich. Russland und Europa in historischer Perspektive. In Otmar, Franz (Hg). Europa und Russland - Das Europaische Haus? S. 10
2 Von Rauch, Georg. Russland und Europa. In: Studien ueber das Verhältnis Russlands zu Europa. Darmstadt 1964, S.202
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zitierte Formulierung wurde den Rußland- Briefen des Grafen Francesco Algarotti entnommen, der 1769 schrieb: „Pétersbourg est la fenêtre par laquelle la Russie regarde en Europe.” 3
Katharina hingegen galt in den zeitgenössischen europäischen Fürstenhäusern als aufgeklärte Monarchin, die den Status des russischen Staates als europäische Großmacht ausbaute. Ruß-land war seit dem 18. Jahrhundert nicht mehr aus dem europäischen Mächtesystem wegzudenken.
Doch wie war das Verhältnis zwischen Rußland und Europa zur Zeit Friedrichs des Großen? Wie veränderten sich die außenpolitischen Beziehungen und Konstellationen unter der Herrschaft der beiden Zaren?
Was bedeutete Rußlands Weg nach Europa, die forcierte russische Europäisierung, für das russische Volk? Welche Auswirkungen hatten die Reformen der beiden Zaren für die breite Masse der Bevölkerung?
Wie wurde die Verwestlichung des russischen Reiches von den übrigen Westmächten aufgenommen?
Betrachten wir zunächst die ethnischen Grundlagen des russischen Reiches, die russische Ge-sellschaftsordnung und das Verhältnis des Moskauer Staates zu Europa vor der Zeit Peters des Großen.
3 Neumann- Hoditz, Reinhold. Iwan der Schreckliche und Peter der Grosse. Hamburg 1994, S. 110, Vgl Algarotti, France- sco. Lettres du comte Algarotti sur la Russie. Neuchâtel 1770
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2. Ethnische Grundlagen Rußlands
Am Anfang der russischen Staatsgeschichte steht die Entstehung der ethnischen Gruppe der Russen im Laufe des Mittelalters. Obwohl diese das osteuropäische Tafel-land niemals alleine besiedelt haben, sondern Rußland seit jeher ein Vielvölkerstaat gewesen ist, geht der Name Rußlands zurück auf den normannischen Stamm der Wäranger, von den Slawen Rus’ genannt, welcher am Ende des ersten Jahrtausends einen wichtigen Anstoß zur ersten slawischen Staatenbildung gab. Bald gingen die Normannen in der slawischen Bevölkerungsmehrheit auf, doch der Name der Rus’ blieb im ethnischen wie im politischen Sinn für den größten Teil der Ostslawen bis zum 17. Jahrhundert erhalten. 4 Bereits durch die Christianisierung des Kiewer Reiches im Jahr 988, welche zu einer Zeit erfolgte, als die baltischen Völker noch nicht christlich waren, entstanden enge religiöse und kulturelle Bande zu dem übrigen christlichen Europa. Der Kiewer Hof um 1000 war durch enge dynastische Verbindungen mit dem übrigen christlichen Europa verknüpft. Im Jahr 1047 jedoch brachte das große Schisma der Kirche eine religiöse und zugleich kulturelle Abgrenzung Rußlands von dem christlichen Abendland. „Eine Kluft der Entfremdung und des Mißverstehens tat sich zwischen der westlichen lateinischen und der östlichen griechischen Kirche auf, von denen sich jede als die rechtgläubige betrachtete. Der Begriff des Abendlandes, dem Rußland nicht zugehörig war, gewann von nun an an Bedeutung. Innerhalb des Abendlandes bildeten sich gemeinsame Grundzüge des Denkens, der Wertordnung, der Lebensformen, an denen Rußland nur bedingt teilhatte.” 5 Als Rußland im Jahr 1230 unter die Herrschaft der Tataren fiel, starben die Beziehungen zum christlichen Abendland, insbesondere in dem weiten russischen Hinterland östlich des Urals, nahezu ab. Als ein wesentliches Merkmal des russischen Ethnos gewann der orthodoxe Glaube an Bedeutung. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich die orthodoxe Kirche zu einer Art Nationalkirche. Im 14. Jahrhundert gelang es den Moskauer Großfürsten, ihre Souveränität wiederherzustellen: Der Sieg des Großfürsten Dimitri Iwanowitsch gegen das Tatarenchanat der Goldenen Horde im Jahr 1380 leitete die Rückdrängung der 1480 formell beendeten mongolischen Oberherrschaft ein. Der Moskauer Staat hatte sich seit Mitte des 14. Jahrhunderts in der Moskauer Region entwickelt und wird als „zentraler Faktor für die Formierung eines russischen Ethnos und später einer russischen Nation” 6 bezeichnet. Seit diesem Zeitpunkt verdichtete sich die wirtschaftliche und kulturelle Annäherung zwischen dem christlichen Erdkreis und dem Moskauer Staat. Durch die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung mit der Ostkirche und das Bestreben, Moskau in eine gemeinsame Abwehr- front gegen die ungläubigen Osmanen einordnen zu können, nahm es für die europäische Poli-
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tik an Bedeutung zu. Im 16. Jahrhundert begann der Begriff Rossija, Rußland, die Bezeichnung des Moskauer Staates zu ersetzen, und wurde im späten 17. Jahrhundert zur offiziellen Bezeichnung des Zarenreiches.
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, dem Zeitalter der Großen Wirren, schied Rußland für nahezu ein Menschenalter als handelnder Faktor aus den politischen Überlegungen der europäischen Staaten aus. Erst durch den Sieg der nationalrussischen Erhebung und der Ernennung Michail Romanovs zum Zaren, wurde die Zeit der Smutna beendet und der Weg nach Europa war für Rußland geebnet. 7
Besonders unter der Regierung Peters I., dessen Lebensziel es war, Rußland in ein den westlichen Großmächten ebenbürtiges Imperium zu verwandeln 8 , und Katharina II., fand in der russischen Politik eine starke forcierte, jedoch differenziert zu betrachtende, Europäisierung statt.
Es ist jedoch zu vermerken, daß es sich bei diesem Prozeß, zumindest in den westlichen Teilen des Landes, um eine Re-Europäisierung handelte. „Es war ein altes christliches Land und ein europäisches Volk, das jetzt erneut in politische und kulturelle Zusammenhänge einbezogen wurde, denen Antike und Christentum die gemeinsamen Grundlagen gegeben hatten.” 9
3. Peter der Große
Mit dem Herrschaftsantritt Peters II. 1689 war zunächst noch nicht erkennbar, daß für Ruß-land eine „neue Epoche” eingeleitet werden sollte.
Es ist nicht anzunehmen, daß Peter von Anfang an einem festen Reformplan nachgegangen ist, denn nicht einmal der Begriff „Reform” kommt in seinen Gesetzen vor. 10 Erst gegen Ende seiner Regierungszeit bekam sein Gesetzeswerk einen systematischen Charakter. Vielmehr hat es den Anschein, als ob der Zar infolge außenpolitischer Verpflichtungen zu ersten Reformen gezwungen wurde. Das Drängen der Alliierten auf erneute Aktionen gegen die Türken am Schwarzen Meer nach dem Scheitern der Krim- Feldzüge führte zu einem Ausbau von Heer und Flotte: Seitdem 1686 zwischen Polen und Rußland, aufgrund der gemeinsamen Interessen gegenüber der Türkei, ein ewiger Friede unterzeichnet worden war,
4 Kappler, Andreas. Russische Geschichte. Muenchen 1997. S.13
5 Von Rauch, Georg. Russland und Europa, S.202
6 Ebd. S.14
7 Von Rauch, Georg. Russland und Europa, S. 205
8 Kappler, Andreas. Russische Geschichte. Muenchen 1997. S.25
9 Von Rauch, S.205
10 Torke, Hans-Joachim. Einfuehrung in die Geschichte Russlands. Muenchen 1997. S.107
Quote paper:
Sabine Niefer, 2002, Rußlands Weg nach Europa, Munich, GRIN Publishing GmbH
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