Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 3
2. Mythisches, Mythos, Mythologie Seite 4
3. Ansätze zu einer modernen Mythentheorie Seite 7
3.1 Campbells „Schöpferische Mythologie“ Seite 9
3.2 Blumenbergs „Arbeit am Mythos“ Seite 11
3.3 Hübner: „Die nicht endende Geschichte des Mythischen“ Seite 13
4. Der Begriff Mythos im alltäglichen Sprachgebrauch Seite 16
5. Fazit Seite 18
6. Literaturverzeichnis Seite 22
2
1. Einleitung
Mit dieser Hausarbeit möchte ich der Frage nach dem Mythos nachgehen. Was ist ein Mythos? Kann der Begriff Mythos überhaupt auf eine grundlegende Definition hingeführt werden? Im Raum schwebt die Annahme, dass auch heutzutage, in einer durch die Technik scheinbar größtenteils ent-mystifizierten Welt, verschiedene Mythen, vielleicht gerade Mythen der Technik, Einfluss auf die Menschen haben. Ich habe Bekannte gefragt was ein Mythos sei: Wunschvorstellungen, Idealbilder und Erinnerungen können, so wurde mir geantwortet, von Mythen beeinflusst, oder selbst sogar als solche verstanden werden. Eigentlich aber sei ein Mythos die Überlieferung, die Geschichte eines lange zurück liegenden Geschehens, gleich einer Sage. Die Tatsache, dass ein Jeder etwas zum Mythos zu sagen wusste und es mir daher sinnvoll erscheint, einen einzelnen Abschnitt dieser Arbeit dem Mythos im alltäglichen Sprachgebrauch zu geben zeigt, dass wir tatsächlich von Mythen umgeben sind. Auch in unserer heutigen Welt haben Mythen für alle Menschen eine große Bedeutung.
Es wird mir wohl kaum gelingen zu einer schlüssigen Definition zu kommen, zu groß ist das Definitionsgebiet, dass der Begriff Mythos abdecken kann. Aber anhand ausgewählter Literatur werde ich versuchen, dem modernen Mythenbild näher zu kommen. Dabei macht es Sinn, zunächst den Begriff an sich zu zerlegen und zu unterscheiden zwischen Mythischem, Mythos und der Mythologie, so wie es Christoph Jamme in „Gott an hat ein Gewand“, erschienen 1999 im Suhrkamp Verlag macht. Danach werde ich versuchen, basierend auf ausgewählten Texten der im Jahre 2003 erschienen Reclam-Ausgabe „Texte zur modernen Mythentheorie“, herausgegeben von Wilfried Barner, Anke Detken und Jörg Wesche, ein eindrückliches Bild moderner Mythentheorien zu zeichnen. Außerdem möchte ich einen Eindruck geben, in welchen Zusammenhängen das Wort Mythos gebraucht werden kann und wie es im gängigen Sprachgebrauch vorkommt. Abschließen werde ich diese Hausarbeit mit meinem Fazit.
Grundlage des folgenden Abschnitts ist Jammes Werk „Gott an hat ein Gewand“, anhand dessen werde ich die Unterschiede zwischen Mythischem, Mythos und Mythologie untersuchen.
3
2. Mythisches, Mythos, Mythologie
Christoph Jamme schlägt vor, auf die Zeit bis zum Beginn des Mesolithikums um etwa 10.000 v. Chr. den Begriff des Mythischen anzuwenden, um nicht vom Mythos zu sprechen. Denn ein Mythos bestehe nicht von einem Ursprung ausgehend fortlaufend gleich, sich nur den gegebenen Umständen anpassend. Sondern er bildet sich wie in Etappen immer neu im Bezug auf Errungenschaften und Fortschritt der Menschheit und die dadurch notwendig werdende Reflektion auf den neuen Zustand und die Daseinsbewältigung der Menschen. Ein Mythos ist für Kulturen also notwendig, um sich in ihrer weiterentwickelten Welt zu Recht zu finden. Das einzige, so Jamme, was sich aber in der Welt verändert, ist die Wahrnehmung der Wirklichkeit durch den Menschen, welche vom technischen Stand der Kultur abhängt. Die Vielfältigkeit und Verschiedenheit einzelner Mythen nimmt ab im Verhältnis zur Beherrschung der Natur durch den Menschen - Beherrschung der Natur durch Kulte, welche in der Gegenwart zelebriert werden, „…sich dabei auch alter mythischer Grundlagen bedienen,…“ 1 und diese umformen. Für eine Weitergabe von Mythen war die Schrift ursprünglich nicht notwendig, einige schriftlose Stämme gaben ihre Mythen über Jahrhunderte hinweg mündlich weiter. Die kultur-stiftende Funktion von Mythischem stellt Jamme heraus, in dem er schreibt, Mythisches sei „…in jedem Fall […] notwendig mit Kult bzw. Religion verbunden.“ 2 Das Vollziehen eines Rituals als Grundhandlung von Mythischem in alten Kulturen lässt vermuten, dass sogar mündliche Überlieferung eigentlich für Mythisches nicht zwangsläufig notwendig war. Das Mythische bekommt dadurch den Charakter einer in der Gegenwart stattfindenden und stets wiederholbaren, nicht nachahmbaren Handlung. Zur Zeit des Mythischen fand der Mythos in der Gegenwart statt, das oft zelebrierte Ritual war der Mythos, der Kultur stiftete weil er wichtiger Bestandteil im Leben der Menschen war. Später und auch im Christentum sind es Legenden, die Kultur stiften und zwar teilweise ritualisiert werden, aber das Ritual zu seinem Selbstzweck wurde abgelöst durch ein Ritual welches auf ein anderes Geschehen deutet.
1 Christoph Jamme: „Gott an hat ein Gewand“, Frankfurt am Main, 1999, S. 176.
2 dieses und folgendes Zitat: ebd. S. 179.
4
Obwohl Jamme den Begriff des Mythischen auf einen bestimmten Zeitraum (Paläolithikum) anwendet, versteht er das Mythische doch im Bezug auf den Mythos, als dessen Eigenschaft. Dies wird im folgendem Satz deutlich, in dem er darauf eingeht, dass ein Mythos sich nicht nur in Wort und Inhalt, sondern auch in einer Handlung vollziehen kann: „Für das Paläolithikum bedeutet diese Einheit von Mythos und Kult, daß die Frage nach dem Wesen und der Funktion des Mythischen hier unablösbar mit der Frage nach dem Wesen der Elementarreligionen verbunden ist.“ Für Christoph Jamme beginnt die eigentliche Epoche des Mythos mit den Erfahrungen von Defizit, welche die Menschen bei der neolithischen Revolution machten. Er geht in der Menschheitsgeschichte sehr weit zurück, um dem auf die Spur zu kommen, was ein Mythos ist. Dabei führt er das Mythische an der Stelle ein, als die Menschen mythische Handlungen begangen haben, bereits um sich ihrer selbst zu erinnern und um zu erziehen, als sie diese Handlungen aber noch nicht bewusst reflektiert haben.
Mit der Erfindung und Verbreitung der Schrift setzte ein rationales Denken ein: Der Logos stülpte sich über das mythologische Denken. Diese Umwandlung war in jeder Kultur ein langer Prozess, erst nach dem ein dichterischer Umgang mit der Schrift erlernt war, konnte ein Mythos verbreitet werden Das mythologische Sein wurde durch die rationale Sprache zum Mythos. Jamme schreibt: „Von einem Übergang vom Mythos zum Logos zu sprechen [sei] abwegig, …“ 3 , da Arnold Gehlen feststellte, dass Mythos selber Logos sei. Doch veränderte sich der Mythos als Mythisches zum Mythos, der als solcher bestimmt werden konnte. Die Menschen konnten nun nach geschriebenen Erzählungen suchen, diese kopieren, weitergeben und sich mit Fremden über das gleiche Schriftstück austauschen. In Machtpositionen konnten sie jetzt gezielt Mythen unter das Volk bringen; und diese gesamte Revolution konnte in der Schrift festgehalten werden: „Mythologische Handbücher hatten bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. Begonnen, die mythische Überlieferung in Poesie und Prosa einschließlich aller Varianten zu sammeln und teilweise zu deuten.“ 4 Es kam mit Erfindung der Schrift, der Möglichkeit Wissen zu speichern und weiter zu geben, zu einem viel mehr reflektierenden und rationaleren Umgang mit dem Mythischen. Dieser Umgang wurde der eigentliche Mythos. Dass die Zeit und die mit ihr einhergehenden Entwicklungen und Veränderungen den Begriff des Mythischen verändert haben, zeigt Jamme mit dem Satz, dass die Schrift „…das
3 ebd. S. 191.
4 ebd. S. 221.
5
Mythische überhaupt erst zum Mythos [hat] werden lassen.“ 5 Er weist darauf hin, dass mit dem Beginn der Schrift die Geschichte entstand und das Mythische endete. Mythen sind, im Unterschied zum Mythischen, die nach Erfindung der Schrift aufgezeichneten Geschichten von Göttern und göttlichen Wesen. Diejenigen, die etwas Mythisches überliefern tun dies durch die Schrift nicht mehr auf eine Art in der sie selbst im Geschehen stecken, so wie es bei mündlicher Überlieferung der Fall war, sondern es enthalten „…schon die ältesten Mythen […] kritische Distanz des Dichters gegenüber der Götterwelt…“ 6 . Mythen sind Teil eines zivilisatorischen Prozesses. Das gelebte Mythische wurde abgelöst durch den dichterischen Mythos. Nachdem Jamme vom Mythischen zum Mythos gekommen ist, erläutert er anschließend den Begriff der Mythologie: er schlägt vor den Begriff Mythologie ab dem Zusammenbruch der alten mythischen Tradition im 6. Jahrhundert für den Mythos zu verwenden. Dieser zeitliche Ablauf vom Mythischen über den Mythos hin zur Mythologie könnte vermuten lassen, dass die Philosophie die Mythologie ablöst, so wie die Mythologie den Mythos abgelöst hat. Dies ist laut Jamme aber nicht der Fall. Denn gerade durch die Unterscheidung vom altem Mythos und der anbrechenden Phase einer neuen Entwicklung des Mythos (jetzt Mythologie), würde klar, dass die Philosophie die Mythologie nicht ablöst, „… sondern daß beide Prozesse parallel laufen und einen gemeinsamen Ursprung haben.“ 7 Erst durch neue Mythen wurde das Mythische zum Mythos.
Die Kulturen erlebten mehr oder weniger zeitgleich und unabhängig von einander bedeutende Veränderungen und fingen an miteinander zu kommunizieren. Durch diese Kommunikation entstand die `Weltgeschichte´. Die Zivilisationen versuchten den anderen überlegen zu sein oder sich von den Anderen abzuheben, auch wenn es Zusammenschlüsse gab, so doch im Bewusstsein um die eigene Einzigartigkeit. Jamme bezieht den Begriff des Mythos stark auf das religiöse Denken, auf den Glauben der Menschen an Götter. Die Mythologie nährt den Glauben und hält ihn gleichzeitig aufrecht. Glauben nährt sich aus dem Bewusstsein des Glaubenden; aus der Welt die er verstehen kann und strahlt, in der Art wie er ihn empfangen hat, auf seine Welt und die der Anderen, auf seinen Glauben und den der Anderen zurück. Die letzte große Veränderung in der Entwicklung des Mythos sieht Jamme im, von Blumenberg eingeführten, `Monomythos´ des Christentums, der die Mythologie
5 ebd. S. 191.
6 ebd. S. 199.
7 ebd. S. 215.
6
Arbeit zitieren:
Max Harms, 2008, Moderne Mythentheorie. Was ist ein Mythos?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Definition und Bedeutung von Mythen
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Baum des Lebens - Baum der Erkenntnis
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Seminararbeit, 31 Seiten
Jahwe ... und seine Aschera - Eine Analyse der These eines Götterpaar...
Theologie - Biblische Theologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Wozu Politikwissenschaft - Sinn und Nutzen einer Disziplin
Politik - Didaktik, politische Bildung
Seminararbeit, 18 Seiten
Der Englische Garten im Schwetzinger Schlossgarten - Der Tempel der Bo...
Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege
Seminararbeit, 26 Seiten
Kreuzigung und Erwachen des Jesu von Nazareth - Starb Jesus wirklich a...
Eine alternative Hypothese übe...
Theologie - Systematische Theologie
Essay, 29 Seiten
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 24 Seiten
Gnosis - Welche Bedeutung kann oder muss der Gnosis zugetragen werden,...
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Facharbeit (Schule), 24 Seiten
Gott ist (wie) Feuer - Die Annäherung an den Gottesbegriff durch Metap...
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Wie Dan Browns "Sakrileg" zum Bestseller wurde
Quellen und gesellschaftliche ...
Bachelorarbeit, 35 Seiten
Zeugnisse spätantiker Gnosis
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Doktorarbeit / Dissertation, 172 Seiten
Die Prieurè de Sion - Geschichte einer Fälschung
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Der Kult des Sol und Sol Invictus - Entwicklung und Funktion des Kulte...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Max Harms hat den Text Moderne Mythentheorie. Was ist ein Mythos? veröffentlicht
Max Harms hat einen neuen Text hochgeladen
Figurationen der literarischen Moderne
Helmuth Kiesel zum 60. Geburts...
Carsten Dutt, Roman Luckscheiter
Anders denken, handeln, zusammenarbeiten
Auf neuen Wegen in die Arbeits...
Wigbert Biedenbach
Figures of Invention Figures of Invention: A History of Modern Patent ...
Alain Pottage, Brad Sherman
0 Kommentare