Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................... 2
Kürzelverzeichnis 3
Karte des Sudan 4
1. Einleitung 5
2. Moderne umweltverursachte Konflikte 6
3. Der Mensch und seine natürliche Umwelt in der Sahelzone - mit Blick auf den Sudan und
die Region Darfur 9
3.2.1 Wasser als limitierender Faktor 10
3.2.2 Desertifikation katalytische Effekte und das Gleichgewicht des Ökosystems 11
3.2.3 Das Wachstum der Bevölkerung Binnenmigration und die Zunahme der
Viehbestände 13
4. Die Krise in Darfur als ein ethnopolitisierter Konflikt und als ein Konflikt zwischen
Zentrum und Peripherie 16
5. Migrationskonflikte im Sudan 19
5.1 Regionalistische Migrationskonflikte 19
5.2 Grenzüberschreitender (Migrations-) Konflikt mit dem Tschad 21
6. Die Darfurkrise als Umweltkonflikt 22
7. Geopolitische Lage und Ölinteressen im Sudan 24
8. Chronik der letzten prägenden Ereignisse 28
9. Zwischenstand und Perspektiven für die Zukunft 29
10. Literaturverzeichnis 31
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Kürzelverzeichnis
ARFWS: Alliance of Revolutionary Forces AU: African Union AMIS: AU- Mission in der Region Darfur bpd: barrels per day CNPC: China National Petroleum Company DoP: Declaration of Principles GNOPC: Greater Nile Petroleum Company IGAD: International Authority for Development JEM: Justice and Equality Movement Km: Kilometer SLA/M: Sudan Liberation Army/Movement SPLA: Sudan People’s Liberation Army UN: United Nations UNMIS: UN- Mission im Südsudan USA: United States of America
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Karte des Sudan
Gefunden auf: http://www.mapsofworld.com/sudan/maps/sudan-map-political.jpg (Stand 18.
Oktober 2007)
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1. Einleitung
Diese Seminararbeit befasst sich mit dem Thema des Bürgerkrieges im Sudan, und wie gewalttätige Konflikte durch die Übernutzung der natürlichen Umwelt entstehen können. Im ersten Teil dieser Arbeit wird auf einen Text von Markus Ritter Bezug genommen, welcher sich mit der Theorie moderner, umweltverursachter Konflikte auseinander setzt. Mit diesem Grundwissen, wird folgend der Desertifikationsprozess in der Sahelzone und in der Region Darfur untersucht und es wird erläutert, worin die Ursachen für die Eskalation in Darfur zu suchen sind. Ansatzpunkte bilden hier die natürlichen Voraussetzungen in der Sahelzone, Veränderungen in der Landwirtschaft und die demographische Entwicklung. Nachdem der Desertifikationsprozess und seine Auswirkungen auf Mensch und Umwelt genau untersucht wurden, wird die Sicht auf den Bürgerkrieg im Sudan verschoben. Hauptaugenmerk liegt auch hier in der Region Darfur. Da die Situation in Darfur aber nur schwerlich ohne den Konflikt zwischen dem Nord- und Südsudan zu erfassen ist, wird auch dieser Konflikt angeschnitten. Weiter wird gezeigt, wie sich die Darfurkrise auf die Nachbarstaaten auszuweiten droht. Nachdem der Konflikt in Darfur und seine Ursachen ausführlich erörtert wurden, wird in einem weiteren Abschnitt diskutiert, ob und weshalb man bei der Darfurkrise von einem modernen, umweltverursachten Konflikt sprechen kann. Weiter werden die geopolitische Lage und die Erdölvorkommen des Sudans angesprochen, und es wird hinterfragt, wie diese beiden Punkte auf Grund der internationalen Politik mit dem Bürgerkrieg verflochten sind. Um die aktuellen Entwicklungen und die aktuelle Situation im Sudan besser einzuschätzen können, folgt eine Zusammenfassung der prägenden Ereignisse der letzen zehn Monate. Zum Schluss dieser Arbeit wird ein Fazit gezogen und mögliche Perspektiven oder Entwicklungen für die Zukunft werden thematisiert.
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2. Moderne, umweltverursachte Konflikte
Oftmals werden umweltverursachte Konflikte mit dem immer schneller ablaufenden Klimawandel in Verbindung gebracht. Dass die Hauptursache der Ausweitung der Wüsten nicht immer veränderten Klima liegen muss, zeigt Markus Ritter in seinem Essay „Konfliktstrategien – Wenn Ressourcen knapp sind“ (Mäder et al. 2004: S.81- 95). Die Hauptgründe der Verwüstung am nördlichen Rand der Sahara in Südmarokko sind im menschlichen Handeln zu suchen. In dieser Region stellen die Überweidung des Bodens durch Nutztiere, die Abrodung der Hölzer als Brennstoff und die Überkultivierung durch die Agrarwirtschaft die Ursache der immer bedrohlicher werdenden, sich ausbreitenden Wüste.
Ritter beschreibt, dass diese durch den Menschen ausgelösten Schäden am Nutzland zusammen mit natürlichen Umweltveränderungen regelrechte Konfliktursachen bieten können. Wenn wenig Regen fällt, geht die Desertifikation noch schneller vonstatten, da das Grundwasser vom Menschen übernutzt wird. Der Boden kann weiter erodieren. Ausserdem hat die Abholzung der Bäume zur Folge, dass sich Sicheldünen bilden, welche sich im Extremfall zu gefährlichen Wanderdünen umwandeln können. Folgen der Desertifikation sind Armut und Nahrungsmittelknappheit. Die neu entstandene Bedrohung durch die Umwelt zwingt Menschen zur Migration in andere Regionen. Diese Folgen der Desertifikation bergen mögliches Konfliktpotential. Die nicht nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen verschärft folglich jene Probleme weiter, deren Ursache in der Veränderung der klimatischen Gegebenheiten zu gründen scheint.
Ursachen für umweltverursachte Konflikte sind in einem Netzwerk von Mensch- Umwelt- Beziehungen zu finden. Während klassische umweltbedingte Konflikte durch fossile Ressourcen wie Erze oder Erdöl ausgelöst wurden, betreffen moderne Umweltkonflikte die Regenerierung oder die Knappheit der Existenz sichernden Umweltmedien. Zu diesen zählen sowohl Wasser und Böden, als auch die Vegetation und das Ackerland. Vor allem Staaten mit einem ausgeprägten Agrarsektor und einer Subsistenzwirtschaft sind von Umwelttransformationen betroffen. Ritter nennt vier soziale Effekte der ökologischen Degradation, welche zusammenwirken. Zuerst nimmt die landwirtschaftliche Produktivität ab. Diese Abnahme führt zur Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation und zwingt die Menschen zur Migration. Dies endet letztlich im Zusammenbruch der legitimierten
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politischen Institutionen und der sozialen Beziehungen. Dieser gesellschaftliche Kollaps provoziert Konfliktpotentiale. Gemäss Ritter wird die Umweltdegradation typischerweise nicht durch die nationalen Regierungen oder die Wirtschaftseliten verursacht, sondern durch die Bevölkerung im peripheren Raum. Anhand der weiter oben aufgeführten Ursachen der Umweltdegradation wird es offensichtlich, dass die von der Degradation betroffene Bevölkerung selbst ihren Teil zum Absterben der natürlichen Umwelt beiträgt.
Obwohl die Ressourcen knapp sind, zeigen sich moderne Umweltkonflikte oftmals nicht am Verteilungskampf um die überstrapazierten Ressourcen, sondern verlaufen entlang politischer Spannungs- oder Spaltungslinien. Es sind also Konflikte zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen, sozialen Klassen, Nationalitäten oder Ideologien.
Aufgrund der Globalisierungs- und Modernisierungsprozesse betreffen moderne, umweltbedingte Konflikte oftmals ganze Nationalstaaten, obwohl sie eher im peripheren Raum auftreten. Dafür werden von Ritter drei Gründe genannt. Erstens geraten die staatlichen und marktwirtschaftlichen Institutionen in Konflikt mit traditionellen Ordnungen; zweitens hat der moderne Staat nicht mehr die Autorität der traditionellen Institutionen; und drittens zeigen oftmals Krisen, welche durch den Klimawandel oder die Übernutzung der lebensnotwendigen Ressourcen entstehen, vorkoloniale Konfliktlinien wieder auf. Dass diese Konfliktlinien in Afrika oftmals nationale Grenzen überschreiten, ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Grenzen der afrikanischen Staaten meist ohne Rücksicht auf die traditionellen Ordnungen, die verschiedenen Stämme, Bevölkerungsgruppen, Religionen oder Kulturen gezogen wurden.
Um die Entstehung umweltbedingter Konflikte zu erklären, bedient sich Ritter zweier Thesen, welche sich im ENCOP – Projekt (Bächler 1996: 292ff.) finden. Die erste These besagt, dass sich umweltverursachte Konflikte in Krisenregionen der Entwicklungs- und Übergangsgesellschaften manifestieren. Massgebend ist dabei die Tatsache, ob Spannungslinien vorhanden sind, welche sich instrumentalisieren lassen und wodurch soziale, ethnische und machtpolitische Auseinandersetzungen entstehen oder vorangetrieben werden können. Sind Spannungslinien vorhanden, zeigen sie sich in einer Reihe verschiedener Konfliktkonstellationen:
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1: Zentrum- Peripherie- Konflikte: Bei dieser Konfliktkonstellation stehen die ländlichen Mangelräume Zentren nationaler Eliten und internationaler Investoren gegenüber.
2: Ethnopolitisierte Konflikte: Die Ethnien werden als Identifikationsmuster instrumentalisiert und als Mobilisierungselement zur Akzentuierung von Interessen in einem Ressourcenstreit benutzt.
3: Regionalistische Migrationskonflikte: Der Konflikt beruht auf der freiwilligen oder der erzwungenen Migration innerhalb eines Staates.
4: Grenzüberschreitende Migrationskonflikte: Die umweltbedingte Flucht einer betroffenen Bevölkerung führt zu Konflikten.
5: Demographisch verursachte Migrationskonflikte: Die Übernutzung der natürlichen Ressourcen stellt den Hauptgrund, weshalb Menschen emigrieren und weshalb Konflikte entstehen.
6: Internationale Konflikte über die Nutzung von Wasserreserven: Hierbei handelt es sich um Konflikte, bei welchen grenzüberschreitende Flussbecken eine zentrale Rolle einnehmen.
7: Fernwirkungskonflikte: Diese Konflikte werden durch den Klimawandel und die Zerstörung der Ozonschicht verursacht. Da sich bis anhin keine globalen Konfliktformationen gebildet haben, entzünden sie sich auf konkreter, ökoregionaler Ebene.
Während es sich bei den Punkten 1-3 um regionale oder nationale Konflikte handelt, sind die Konflikte bei den Punkten 4-6 grenzüberschreitend. Beim Punkt 7 sind die Konflikte sogar auf globale Ursachen zurückzuführen. Diese Konfliktkonstellationen genügen jedoch noch nicht, offene Kriege zu entfachen. In einer zweiten These werden deshalb fünf Faktoren genannt, von welchen mehrere zusammentreffen müssen, damit bewaffnete Konflikte entflammen:
1. Unausweichliche Lage der Akteure: Da Gruppen auf degradierte Ressourcen
angewiesen sind, geraten sie in eine unausweichliche und verzweifelte Lage.
2. Mangel an gesellschaftlichen Konfliktbearbeitungsmechanismen: Die
„Machtlosigkeit der Macht“ ist Ausdruck von Transformationsprozessen. Diese Machtlosigkeit erlaubt es nicht (mehr), gesellschaftliche Ziele wie eine nachhaltige Ressourcennutzung herbeizuführen.
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Quote paper:
Liz. Phil. I Marco Schmutz, 2007, Der Bürgerkrieg im Sudan: Die Darfurkrise als moderner, umweltbedingter Konflikt, Munich, GRIN Publishing GmbH
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