Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 1
1.1 Methodische Vorgehensweise 1
2. Theoretische Überlegungen: Subkultur, Stil, sprachliche Stilisierung 2
2.1 Begriffsklärung: Jugendsubkulturen 2
2.2 Begriffsklärung: Stil 4
2.2.1 Kommunikativer sozialer Stil 6
2.3 Stilisierung 7
2.4 Kommunikative und sprachliche Herstellung von Identität 9
2.5 Jugendsprache und Medien 10
2.6 Jugendsprache und ihre Merkmale 11
2.6.1 Jugendsprache - eine Mediensprache? 12
3. Halbstarke und Jugendkultur in den 50er Jahren 13
3.1 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen in den 50ern 14
4. Die sprachliche Herstellung von jugendkultureller Identität in Songtexten 15
4.1 Sprachlich-stilistische Merkmale der Texte 16
4.2 Sprecherrollen und Identitäten in den Songtexten 18
4.3 Charakterisierung männlicher und weiblicher Identität 19
4.4 Bricolage-Prinzip 22
5. Die Stilisierung und sprachliche Darstellung Halbstarker in den Medien 23
5.1 Die Presse 23
5.2 Merkmale der Stilisierung in Musikmagazinen: die BRAVO 25
6. Rückblick 28
Bibliographie 30
Sprachliche Darstellung und kommunikative Herstellung von jugendkulturellen Identitäten
1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit der sprachlichen Darstellung und kommunikativen Herstellung von jugendkulturellen Identitäten in Bezug auf die Halbstarken- und Rock’n’ Roll-Kultur der 50er Jahre beschäftigen. Jugendliche haben sich seit Jahrhunderten bereits immer wieder gruppiert und bestimmte soziale Identitäten angenommen sowie stilistische Eigenheiten wie Sprache, Kleidung und Musik als gruppenspezifische Merkmale herausgebildet, die sie dezidiert von anderen Jugendgruppen abgrenzen. Einerseits nutzen sie dabei einen bestimmten sprachlichen Code und inszenieren ihre Szene ganz bewusst, andererseits werden diese Subkulturen spätestens seit den 50er Jahren und dem Aufkommen von Fanzines wie der BRAVO im August 1956 auch von den Medien inszeniert, stilisiert und verkommerzialisiert. Einzelne, für eine Subkultur spezifische Merkmale wie ein bestimmter Kleidungs- oder Sprachstil, werden als ‚Besonderheiten’ medial vermarktet und verbreitet - aus ihnen werden Konsumgüter. Somit können andere jugendliche Medienkonsumenten wiederum Identifikationsmöglichkeiten mit diese Subkultur erhalten. Auch eine negative Berichterstattung dient oftmals der Stilisierung einer Kultur und sie trägt ebenso zu ihrer Verbreitung bei. Problematisch ist gerade dieser Umstand im Hinblick auf die Halbstarken-Subkultur, da diese oft als Inbegriff von Krawall und Kriminalität gesehen und von der Presse als ‚Problemjugend’ dargestellt wurde. Der Fokus dieser Arbeit liegt auf der Analyse sprachlicher Stilisierung und Inszenierung jugendkultureller Identität in (Song)Texten der Rock’n’Roll-und Halbstarken-Kultur, andererseits aber auch auf der kommunikativen Herstellung von Halbstarken-Identität durch Presseberichte und das Musikmagazin BRAVO. Die Halbstarken-Kultur wird meist in Verbindung mit der Rock’n’Roll-Kultur gesehen, da die halbstarken Jugendlichen aus dem deutschen Arbeitermilieu vor allem diese neue ‚wilde’ Musikrichtung aus den USA begeistert aufnahmen. Rock’n’Roll wurde zu einem neuen Lebensgefühl der Jugendlichen, die sich von den starren Automatismen des Nachkriegsalltags, der als biedermeierhaft empfundenen deutschen Schlager- und Volksmusik- sowie Heimattradition eingeengt fühlten und die sich von der Erwachsenenwelt dezidiert abgrenzen wollten.
1.1 Methodische Vorgehensweise
Im Kapitel ‚Theoretische’ Überlegungen werde ich unter Bezugnahme auf den aktuellen soziolinguistischen Forschungsstand einen Überblick über die Termini Subkultur, Stil, Stilisierung, jugendkulturelle Identitäten und damit eine theoretische Grundlage zur weiteren Analyse erarbeiten. Im dritten Kapitel der vorliegenden Arbeit werde ich mich mit der sprachlichen Darstellung und kommunikativen Herstellung von jugendlicher Identität beschäftigen. Dazu werde ich einerseits Songtexte des deutschen Rock‛n’Roll von Peter Kraus und Ted Herold hinsichtlich der sprachlichen Gestaltung und Stilisierung jugendlicher Identität von Seiten der
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Jugendlichen selbst analysieren; andererseits werde ich mich mit der Stilisierung der jugendkulturellen Identität durch die Medien, vor allem unter Bezugnahme auf Zeitungsberichte und Abhandlungen über das ‛Problem Halbstarke’, befassen. Nicht zuletzt möchte ich auch einige ausgewählte Titelseiten der BRAVO aus den 50ern bezüglich der Herstellung jugendkultureller Identität untersuchen. Dabei soll die Untersuchung der sprachlichen Gestaltung und Herstellung von Identität im Vordergrund stehen. Ich habe bewusst deutschsprachige Songtexte ausgewählt, da ich die jugendkulturelle Identität der deutschen Halbstarken der 1950er herausarbeiten möchte. Dies ist vor dem Hintergrund der Zeitgeschichte besonders interessant, da in den 50er Jahren bei vielen Jugendlichen ein Bruch mit der deutschen ‚Heimatfilm-, Schlager und Kitschtradition’ zu verzeichnen war, der durch die Orientierung an US-amerikanischen Vorbilder herbeigeführt wurde.
2. Theoretische Überlegungen: Subkultur, Stil, sprachliche Stilisierung
In diesem Kapitel werde ich mich mit der theoretischen Annäherung an das Thema „Jugendkulturelle Identitäten und deren kommunikative und sprachliche Dar- bzw. Herstellung“ beschäftigen. Es ist bedeutsam, die Analyse der kommunikativen Herstellung von Identität durch die Jugendlichen selbst einerseits und durch die Medien andererseits anhand von soziolinguistischer Theorie zu fundieren. Was sind Subkulturen, wie erklärt sich die Formierung eines bestimmten ‚Stils’, ganz gleich ob es sich um einen Kleidungs-, Musik- oder Sprechstil handelt? Was sind kommunikative soziale Stile, wie werden sie von Soziolinguisten erklärt? Wie lässt sich der Prozess der Herstellung einer sozialen und jugendkulturellen Identität erklären?
2.1 Begriffsklärung: Jugendsubkulturen
Jugendkulturen werden von der Forschung als Subkulturen verstanden, sie sind
„internationale, globale Stilgemeinschaften, die sich seit der Nachkriegszeit über alle sprachlichen und geographischen Barrieren hinweg konstituieren“ 1 .
Subkulturen sind gegenüber der „in einer Gesellschaft dominanten Kultur oder hegemonialen Kultur untergeordnet“ 2 , sie haben eine Stammkultur sowie eine hegemoniale Kultur als doppelten Bezugspunkt. Subkulturen sind folglich „doppelt artikuliert“ 3 . Beispiel: Die Halbstarken haben die Arbeiterschaft als Stammkultur, d.h. aus der Arbeiterkultur heraus formierten und gruppierten sich die Halbstarken und dies im Widerstand gegen die hegemoniale Kultur, das Bürgertum, dem sie mit Verachtung und Herabschätzung begegneten. Stammkultur und hegemoniale Kultur
1 Richard, Birgit. Information online. http://www.birgitrichard.de/goth/texte/fraus.htm (8.3.2008)
2 Hepp, Adreas. Cultural Studies und Medienanalyse. Eine Einführung, Opladen: Westdeutscher Verlag 1999. 187.
3 Ebda. 187.
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stehen immer in einem Verhältnis zueinander, da die Stammkultur die Basis ist, aus der heraus sich eine Jugendkultur formiert und die hegemoniale Kultur die ‚herrschende Klasse’, gegen die sie sich formiert. Gleichzeitig jedoch gruppiert sich eine Jugendkultur wie die der Halbstarken auch gegen die Stammkultur, aus der sie erwächst. Die Halbstarken lehnten nicht nur den ‚Softie-Jazz’ als Zentralmedium der bildungsbürgerlichen Jugendlichen ab, sie wandten sich gleichzeitig gegen die als bieder und kitschig empfundene Schlagertradition, der ihre Eltern verfallen waren. Gleichzeitig übernahmen sie gewisse kulturelle Muster wie z.B. ein bestimmtes Freizeitverhalten aus der Stammkultur und verbanden sie mit der eigenen Subkultur. Hepp schreibt, dass nach der modernen Konzeption von ‛Jugendkultur als Subkultur’ diese entgegen veralteter Vorstellungen nicht einfach nur kommerziell ausgebeutet und medial manipuliert sei, dass sie darüber hinaus mehr als nur ein reines Marktphänomen sei 4 . Man geht vielmehr davon aus, dass Medien für die Jugendlichen selbst symbolische Ressourcen sind, die es auszuschöpfen gilt und
„die es ihnen ermöglichen, eigene Erfahrungen in medienbezogenen Jugendkulturen auszudrücken“ 5
Das heißt, dass Jugendkulturen sich auch durch das, was ihnen die Medien bieten, weiterentwickeln. Darüber hinaus ist das von Hepp vorgestellte Konzept von Jugendkultur als Subkultur gegen ein heute überholtes Verständnis von Jugendkultur als eigener Klasse und Entität gerichtet 6 . Jugendkultur formiert sich aus einem Stilgefüge heraus, ist aber dennoch nicht als ein in sich geschlossenes Gebilde zu sehen, da sie sich unter stetigen Einflüssen von außen weiterentwickelt. Um eine Jugendkultur nach dem modernen Verständnis zu beschreiben, bedarf es eines sehr „komplexen Begriffsgefüges“ 7 . Wichtige Begriffe sind dabei die der Homologie und des Stils, wobei Stil zunächst „primär als ein Freizeitphänomen“ 8 angesehen wird. Diese Verbindung von Stil als Freizeitphänomen stammt aus der Stammkultur der meisten Jugendkulturen, der Arbeiterkultur, die sich seit dem 19. Jahrhundert entwickelt hat. In ihrer Freizeit können die Arbeiter sich von der körperlich belastenden Arbeit erholen und Vergnügungen nachgehen. Diese Freizeit ist jedoch nicht von der Arbeit losgelöst, sondern
„die Freizeitvergnügen [sind] in ihren kulturellen Mustern ‚homolog’ zu der Arbeitswelt“ 9 .
4 Hepp 1999. 187.
5 Information online. http://netchurch.wordpress.com/2008/02/27/jugend-als-zielgruppe/ (10.3.2008)
6 Hepp 1999. 187.
7 Ebda. 187.
8 Ebda. 187.
9 Ebda. 187
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Das heißt, dass Freizeit nicht ein zur Arbeitswelt abgegrenztes Phänomen ist, sondern Freizeitvergnügen sind in ihrem kulturellen Mustern homolog zur Arbeitswelt 10 . Dadurch werden Arbeits- und Freizeitwelt, eigentlich zwei voneinander getrennte Bereiche, ihrem Muster oder auch ihrer Struktur nach in einer Übereinstimmung gesehen 11 . Als Homologie weisen diese Strukturen in ihrer Gesamtheit auf die sozialen Eigenheiten einer Gruppe hin.
2.2 Begriffsklärung: Stil
In Subkulturen ist Stil ein Indiz für eine bestimmte Gruppenidentität; dabei ist wichtigstes Merkmal für die Gruppenidentität meist ein Stilensemble aus verschiedenen Einzelstilen wie Aussehen, Musik, Kleidung, Accessoires, Graffiti, Sprüche und Satzstrukturen. 12 Der Gruppenstil ist relativ einheitlich. Sprachliche Besonderheiten formieren nach innen eine Gruppenzugehörigkeit, grenzen die Gruppe jedoch nach außen gegen andere soziale Identitäten ab. Ein bestimmter Stil entwickelt sich nicht aus dem Nichts, sondern durch eine Aneinanderreihung von Gegenständen oder Objekten, d.h. durch die Bricolage bereits bestehender Objekte. Dieser Prozess ist nichts anderes als eine
„Rekontextualisierung ‚innerhalb eines Gesamtsystems von Bedeutung, das bereits vorrangige und sedimentierte, den gebrauchten Objekten anhaftende Bedeutungen enthält“ 13 .
Durch die Bricolage werden diese Objekte in neue Kontexte gesetzt; sie werden einer Transformation unterzogen, durch die „die primären Objektbedeutungen transformiert werden“ 14 . Hepp verdeutlicht dies am Stil des Punks: sie kombinieren aus verschiedenen Konsumobjekten 15 „[einen, Anm. der Verf.] gegen Konsum gerichteten Stil des Punk-Seins“ 16 . Nach Neumann können jugendliche Sprechstile dann als
„ein Ergebnis ‚der schöpfertischen (sic!) Stilbastelei im Sinne einer Selektion, Transformation und Rekontextualisierung sprachlicher Elemente aus der Matrix der Standardsprache’“ 17
beschrieben werden. Die zentrale Funktion des Stils nach Hepps Auffassung
10 Hepp 1999. 187.
11 Vgl. Information online. http://netchurch.wordpress.com/2008/02/27/jugend-als-zielgruppe/ (10.3.2008)
12 Schlobinski, Peter/Kohl, Gabi/Ludewigt, Irmgard. Jugendsprache. Fiktion und Wirklichkeit, Opladen: Westdeutscher Verlag 1993. 42.
13 Hepp 1999. 188.
14 Ebda. 188.
15 Zum Beispiel können solche Konsumobjekte Sicherheitsnadeln, Leokleidung, bunt gefärbte Haare, Schuhe mit extrem hohen Absätzen, Stachelhalsbänder, neonfarbene Kleidung etc. sein, die zusammen kombiniert einen bestimmten Stil, in diesem Fall den Punkstil ergeben.
16 Hepp 1999. 188.
17 Androutsopoulos, Jannis K. Deutsche Jugendsprache. Untersuchungen zu ihren Strukturen und Funktionen, Berlin u.a.: Lang 1999. 36.
Sprachliche Darstellung und kommunikative Herstellung von jugendkulturellen Identitäten
„ist dabei die Abgrenzung der Gruppenidentität gegenüber anderen Gruppierungen“ 18 .
Ein Stil dient folglich als Ausdruck der Abgrenzung und Individualität einer Gruppe: Durch den subkulturellen Stil werden die Grenzen einer Gruppenmitgliedschaft gegenüber anderen Gruppen festgelegt. Die Funktion der Medien bei der Beschreibung von Jugendkultur ist dabei nicht einfach zu beantworten: Neben der medialen Verbreitung eines Stils einerseits forciert sie gleichzeitig auch seine Auflösung in einen „Konsumstil“ 19 . Beispiel: die Halbstarken-Kultur zeichnete sich nach außen u.a. durch Haartolle, Lederjacke, Motorrad-Liebe, betont lässiges Auftreten, Aufbegehren gegenüber Erwachsenen und Vorliebe für Rock ‛n’ Roll-Musik aus. Die Medien trugen zur Stilisierung der Halbstarken-Kultur als Lederjacke-Haartollen-Motorrad-Kultur bei, indem sie ihn durch entsprechende Berichte verbreitete. Dabei spielte es keine Rolle, ob dies positiv-werbende Berichte über die Rock’n’ Roll-Musik und die neusten Trends auf dem Mode- und Musikmarkt oder abschreckend-negative Berichte über Halbstarken-Krawalle bzw. Jugendkriminalität waren. Jegliche Form der öffentlichen Berichterstattung trug dazu bei, dass ein bestimmtes Bild der Halbstarken verbreitet wurde - und die Halbstarken somit zu einer bestimmten Subkultur stigmatisiert wurden. Damit boten die Medien vielen Jugendlichen eine Möglichkeit zur Identifikation mit den Halbstarken und schufen ebenso einen Anreiz, sich eben jene begehrten ‚Halbstarken-Objekte’ zu beschaffen. Sie sahen in diesem Halbstarken-Stil das Potential zur Vermarktung. Indem sie über die Halbstarken berichteten, wurden die für den ‚Halbstarken-„Stil“’ typischen Attribute wie Kleidung und Haarfrisur begehrte Konsumgüter. Stile sind des Weiteren als „komplexe Interaktions- und Interpretationsressourcen“ 20 zu verstehen. Durch die Medien beispielsweise werden Lebensstile aufgelöst bzw. einzelne „Elemente aus dem sozialen Kontext der ursprünglichen Stil-Bricolage herausgenommen“ 21 und zu einem neuen „Symbol von ‚Jugendlichkeit’“ 22 verkauft. Der Prozess der der Stilbildung mithilfe des Bricolage-Prinzips kann dann von neuem beginnen. Zwar sind die einzelnen Stilträger, das heißt soziale Gruppen, voneinander durch ihre Stile abgegrenzt, dennoch kann es auch zur Aneignung einzelner Stil-Objekte durch andere Subkulturen kommen. Durch eventuelle Stilmixe, -brüche und/oder -wechsel werden Jugendkulturen bzw. soziale Identitäten wiederum unterschiedlichen Kontexten ausgesetzt.
18 Hepp 1999. 188.
19 Ebda. 188.
20 Information online: gais.ids-mannheim.de/information/glossar/stil.pdf (8.3.2008)
21 Hepp 1999. 190.
22 Ebda. 190.
Sprachliche Darstellung und kommunikative Herstellung von jugendkulturellen Identitäten
2.2.1 Kommunikativer sozialer Stil
Nach der Definition des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) Mannheim ist der kommunikative soziale Stil
„die Verknüpfung einzelner Ausdrucksformen kommunikativen Verhaltens zu einem konsistenten (nicht konstanten!) ‚Bild’, welches mit sozialer Bedeutung und Differenzierung verbunden wird. Stil zeichnet sich durch Kontinuität und situationsübergreifende Rekurrenz aus. Stilbildung ist ein ständiger dynamischer Prozess kultureller Arbeit durch die Beteiligten“ 23 .
Soziale Stile werden im Rahmen von Kommunikation und in Verbindung mit sozialen Strukturen erschaffen. Die Sprecher einer Gruppe haben meist keine Wahl zwischen alternativen Stilen, wenn sie die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe ausdrücken wollen. Bei der Bildung eines sozialen Stils laufen verschiedene Prozesse ab: nach Werner Kallmeyer ist dies die Abgrenzung nach außen durch sprachliche und stilistische Kontrastierung, die sprachliche Verdichtung und Festlegung des stilistischen Sinns nach bestimmten sozialen Kategorien und die Idealisierung in Form von Leitbildern 24 . Kommunikative soziale Stile sind auch Grundlage für das Verständnis von Sprachvariation und -entwicklung, da
„Stile die Praxis von Sprachvariation prägen und die Eigenschaften der Sprachentwicklung beeinflussen“ 25 .
Sie liefern ein besseres Verständnis für die sozialen Prozesse von Zusammenschluss von Individuen in einer Gruppe und Ausgrenzung von anderen Individuen aus dieser Gruppe: „Stilbildung hat daher Indikatorfunktion für soziale Prozesse“ 26 . Des Weiteren sind kommunikative soziale Stile „’sozial bedeutsame Eigenschaften des sprachlichen Verhaltens’“ 27 . Das soziale Wissen, auf das Stile bauen, wird erst durch Kommunikation und visuelle Gestaltung deutlich: die Gestaltung von Webseiten, das Layout und die Gestaltung der Printanteile in Zeitungen/Zeitschriften beispielsweise „fungieren dabei als Kontextualisierungshinweise“ 28 . In der Sprachforschung sind bestimmte Sprechmuster der Jugendlichen Gegenstand der Analyse. Sprechweisen sind situativ gebunden und werden in der Sprachforschung als Sprechstile bezeichnet. Der Begriff des Sprechstils ist eine Erweiterung zu dem des (Musik-, Kleidungs-)Stils; in der Sprache ist „Stil allein bezogen…auf die sprechsprachliche Performanz“ 29 , jedoch kann jedes
23 Definition online: gais.ids-mannheim.de/information/glossar/stil.pdf (8.3.2008)
24 Kallmeyer, zitiert nach ebda. (8.3.2008)
25 Kallmeyer, zitiert nach ebda (8.3.2008)
26 Ebda.
27 Kallmeyer 1995:1, zitiert nach: www.ds.uzh.ch/spitzmueller/docs/praes-tokio-2007-03-01.pdf (9.3.2008)
28 Information online. Ebda. (9.3.2008)
29 Schlobinski et al. 1993. 40.
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Saskia Kutscheidt, 2008, Sprachliche Darstellung und kommunikative Herstellung von jugendkulturellen Identitäten, München, GRIN Verlag GmbH
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