Abbildungsverzeichnis 3
Tabellenverzeichnis. 3
1. Einleitung und Forschungsstand 4
2. Theoretischer Hintergrund 7
2.1. Irreguläre Migration. 7
2.2. Irreguläre Wirtschaftsmigranten 10
2.3. Irreguläre Migration und Globalisierung 11
2.4. R.E. Park: Die Stadt als Mosaik kleiner Welten 12
2.5. I. Oswald: Migration als Versetzung des Lebensmittelpunkts. 15
3. Irreguläre Migration nach Spanien. 17
3.1. Wandel vom Auswanderungsland zum Einwanderungsland 18
3.2. Undokumentierte Wirtschaftsmigration aus Afrika 20
3.3. Legalisierung. 23
4. Die spanischen Städte im Blickfeld von undokumentierter Migration aus Afrika. 24
4.1. Allgemeine Charakteristika des Wohnungsmarktes 25
4.2. Mögliche Verteilungsformen undokumentierter Migranten in Städten 26
4.3. Wohnformen 26
4.4. Auswirkungen von undokumentierter Migration auf die spanischen Städte 27
4.5. Afrikanische Einwanderungsgeschichte Madrids 29
5. Das Stadtviertel Embajadores/ Lavapiés 31
5.1. Historische Entwicklung bis heute. 32
5.2. Wohnungsmarkt und Gebäudestruktur 35
5.3. Stadtpolitik: Revitalisierungspläne 36
5.4. Zuwanderung 37
5.5. Lavapiés ein Ghetto? - Das Konzept „Patchwork-Raum“ 37
6. Konzeption der Studie 39
6.1. Forschungsansatz: quantitative vs. qualitative Forschung 39
6.2. Untersuchungsmethoden. 40
6.3. Auswahl des Untersuchungslandes/ -ortes. 42
6.4. Auswahl des Stadtviertels Embajadores/ Lavapiés. 43
6.5. Zugang und Auswahl der Befragten 45
6.6. Interviewweise 49
6.7. Pretest. 49
1
7. Auswertung der Untersuchungsergebnisse der Hauptuntersuchung 51
7.1. Stichprobenbeschreibung 51
7.2. Motive für die Migration 55
7.3. Gründe für die Niederlassung in Embajadores/ Lavapiés. 56
7.3.1. Warum kommen undokumentierte afrikanische Migranten nach Embajadores/ Lavapiés? 57
7.3.2. Warum verlassen undokumentierte afrikanische Migranten Embajadores/ Lavapiés nicht? 59
7.4. Wohnen 60
7.4.1. Wohnungssuche. 61
7.4.2. Wohndauer in aktueller Unterkunft/ bisherige Umzüge. 63
7.4.3. Mitbewohner 65
7.4.4. Wohnausstattung und Miete 66
7.4.5. Verhältnis zum Vermieter. 68
7.4.6. Zwischenfazit: Faktoren des Wohnens irregulärer afrikanischer Migranten 68
7.5. Arbeit 71
7.5.1. Arbeitsbereiche von undokumentierten Migranten 72
7.5.2. Zur gegenwärtigen Arbeitssituation der Befragten 72
7.5.3. Arbeitsweg. 75
7.5.4. Zwischenfazit: Faktoren der Arbeit irregulärer afrikanischer Migranten 75
7.6. Soziale Kontakte 78
7.6.1. Landleute und Nationalitäten in vergleichbarer Situation. 79
7.6.2. Freizeitgestaltung. 79
7.6.3. Spanische Nachbarn und alteingesessene Bevölkerung 81
7.6.4. Zwischenfazit: Faktoren sozialer Beziehungen irregulärer afrikanischer Migranten 82
7.7. Assoziationen. 83
7.7.1. Assoziation von Landsleuten 84
7.7.2. Spanische Organisationen zur Unterstützung von Migranten. 85
7.7.3. Zwischenfazit: Die Bedeutung von spanischen und Organisationen der Landsleute. 86
7.8. Rückkehr vs. endgültige Niederlassung. 86
7.8.1. Migrationserfolg und Wohnpräferenzen für die Zukunft. 87
7.8.2. Gründe für das Verbleiben im Zielland. 88
7.8.3. Zwischenfazit: Rückkehr vs. Niederlassung 89
8. Fazit 91
9. Literaturverzeichnis. 98
10. Anhang 108
10.1. Fragebogen
10.2. Pretest
10.3. Protokoll der Interviews mit Vertretern den Assoziationen von Guinea und Senegal im
Vergleich
2
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Entwicklung der Zuwanderungszahlen 18
Abbildung 2: Entwicklung der Einwanderung aus Afrika 20
Abbildung 3: Das Stadtviertel Embajadores/ Lavapiés 31
Abbildung 4: Foto einer corrala 33
Abbildung 5: Entwicklung der Bevölkerungsentwicklung in Embajadores/ 34 Lavapiés
Abbildung 6: Ausländeranteil in Embajadores 44
Abbildung 7: Anteil der Afrikaner in Embajadores 45
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Familienstand 51
Tabelle 2: Aufenthaltsdauer in Spanien bzw. Madrid 54
Tabelle 3: Unterstützung bei der Wohnungssuche 61
Tabelle 4: Probleme bei der Wohnungssuche 62
Tabelle 5: Wohndauer in der aktuellen Unterkunft 63
Tabelle 6: Wechsel von Mitbewohnern 65
Tabelle 7: Wohnungsausstattung 66
Tabelle 8: Miete pro Monat 67
Tabelle 9: Verhältnis zum Vermieter 68
Tabelle 10: Unterstützung bei der Arbeitssuche 74
Tabelle 11: Monatliches Einkommen 74
Tabelle 12: Freunde/ Bekannte 78
Tabelle 13: Regelmäßiges Einladen von Freunden/Familie in die Wohnung 79
Tabelle 14: Wohnort in der Zukunft 87
3
1. Einleitung und Forschungsstand
Die südlichen Staaten der Europäischen Union, allen voran Spanien, haben sich im letzten Jahrzehnt von Auswanderungsländern bzw. Transitstaaten zu Anziehungspunkten für undokumentierte Wirtschaftsmigranten aus Afrika entwickelt. Zwischen Anfang Januar und Ende Juni 2006 wurden allein 11.000 boat people auf bzw. vor den Kanarischen Inseln aufgegriffen.
„Illegal immigration is growing at international and European level.“, konstatierte die Europäische Kommission in einem Richtlinienpapier aus dem Jahre 2002. Die Antwort auf dieses - als Problem wahrgenommene - Phänomen sind verstärkte Sicherungen der Außengrenzen der Europäischen Union und die Etablierung restriktiver
Zuwanderungspolitiken seitens der Mitgliedstaaten. Die Anzahl der Versuche einer irregulären Einwanderung nach Spanien haben sich trotz aller Maßnahmen, bisher nicht verringert - im Gegenteil.
Die Globalisierung der Wirtschaft, die geographische Lage Spaniens und dessen Wirtschaftswachstum sowie eine ausgedehnte Schattenökonomie haben es als Ziel für undokumentierte Zuwanderung vom afrikanischen Kontinent nur bestärkt. Afrikanern bleibt im Regelfall nur der Weg der irregulären Einreise, da der Großteil ökonomischen Motiven, aufgrund von wirtschaftlichen Miseren im Herkunftsland und/ oder persönlicher finanzieller Not, folgt und so nicht auf die Erwirkung eines Aufenthaltstitel hoffen kann.
Während in Spanien lebende Bürger der Europäischen Union in den spanischen Mittelmeerregionen dominieren, gehen Afrikaner aufgrund der vielfältigen
Beschäftigungsmöglichkeiten bevorzugt in die großen Ballungsräume Madrid und Barcelona (Netzwerk Migration in Europa/ Bundeszentrale für Politische Bildung/ Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut 2003: 4f.). Die Organisation Medicos del Mundo schätzt, dass mehr als die Hälfte der irregulären Einwanderer in Madrid und Barcelona leben 1 . Der spanischen Hauptstadt Madrid kommt eine besondere Bedeutung zu. Binnen kürzester Zeit wurde sie zum Ziel für Zuwanderung und hat mit Barcelona, welches der traditionelle Richtungspunkt für Zuwanderung war, gleichgezogen.
1 Die Entwicklung der Zuwanderungszahlen ist sehr gut auf der Seite des Instituto Nacional de Estadística, unter der Rubrik demografía y población, dargestellt, www.ine.es.
4
In dieser Arbeit werden mittels einer empirischen Studie afrikanische Migranten, genauer Guineer und Senegalesen, welche ohne Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis im Madrider Stadtviertel Embajadores/Lavapiés leben, befragt. Folgende Forschungsfragen stehen dabei
1.) Warum konzentrieren sich afrikanische Einwanderer ohne regulären Aufenthaltsstatus in einem bestimmten Quartier in der Stadt und warum bleiben sie dort, obwohl sie an anderen Orten vermeintlich bessere Lebensbedingungen vorfinden könnten?
2.) Welchen Einfluss hat das Wohnquartier Embajadores/Lavapiés auf die Teilhabemöglichkeiten von afrikanischen Migranten ohne regulären Aufenthaltsstatus in den Dimensionen Wohnen, Arbeiten und soziale Einbindung? Wie sind die genannten Dimensionen beschaffen?
3.) Wird im Zuge der Stabilisierung 2 der Lebenssituation irregulärer afrikanischer Migranten durch die Einbindung in Wohnen, Arbeit und soziale Netze ihr als temporär intendierter Aufenthalt zu einem dauerhaften Aufenthalt?
Der Forschungsstand zu undokumentierter Migration ist sehr überschaubar. Die ersten Länderstudien zur Lebenssituation irregulärer Migranten entstanden im Auftrag des International Jesuit Refugee Service für Deutschland (Alt 1999), Großbritannien (Anderson 1999) und Spanien (Olabuénaga/ Ruiz Vieytez/ Vicente Torrado 1999). In der Zwischenzeit liegen ähnliche Studien für nahezu alle europäischen Länder vor 3 . Die jeweils durchgeführten Untersuchungen waren durchweg qualitativ angelegt und dienten der Gewinnung profunder Informationen über das Leben undokumentierter Migranten in den entsprechenden Ländern.
Der Stand der Forschung über die Charakteristika irregulärer Migration nach Spanien insbesondere aus Afrika ist sehr spärlich, auch wenn sich die Zahl der Studien seit dem Jahre 2000 signifikant erhöht hat. Vorrangig wurde die Situation undokumentierter Migranten in den ländlichen Regionen Spaniens wie Andalusien oder Murcia untersucht (Escribano
2 Das Wort ‚Integration’ wird in der vorliegenden Arbeit bewusst vermieden. Aufgrund des fehlenden Aufenthaltstatus der irregulären Migranten ist eine Integration nach offiziellen Maßstäben nicht möglich. Daher ist es sinnvoller von Stabilisierung und Teilhabe in den wichtigsten Bereichen Integrationsbereichen: Wohnen, Arbeit und sozialen Kontakten zu sprechen.
3 Informationen und Literaturhinweise zu allen europäischen Ländern sind zu finden unter www.focusmigration.de oder www.european-migration-network.org.
5
Izquierdo 1996a). Ansätze in der Analyse der Wohn- und Lebenssituation von irregulären Migranten in den Städten bieten Gimenéz Romeo (1993 a/b) für Madrid und Moreras (1999) für Barcelona 4 .
Den Zusammenhang zwischen Globalisierung und der Veränderung des zu untersuchenden Stadtgebiets Embajadores/ Lavapiés untersucht die Studie „Globalización, inmigración transnacional y reestructuración de la región metropolitana de Madrid. Estudio del barrio Embajadores” (2006) von Barañano Cid, Riesco Sanz, Romero Bachiller und García López. Die Autoren untersuchen die Transformation historischer Stadtviertel durch die Niederlassung von Migranten.
Zum Aufbau der Arbeit. Angesichts des begrenzten Forschungsstandes werden im nachfolgenden Kapitel Ansätze zur Theoriebildung für irreguläre Migration vorgestellt. Weiterhin soll die Wahl der stadtsoziologischen Perspektive Robert E. Parks der Chicagoer-Schule erläutert werden. Zur Umsetzung der Studie wurde der Analyseansatz von Ingrid Oswald gewählt. Auch er soll in Kapitel zwei vorgestellt werden. Anschließend steht die irreguläre Migration nach Spanien und ihre Auswirkungen auf die Städte im Mittelpunkt (Kap. 3 und 4). Das fünfte Kapitel widmet sich der Vorstellung des Erhebungsgebietes Embajadores/ Lavapiés. Die Besonderheiten dieses Stadtviertels sollen anhand der historischen Entwicklung, der Entwicklung der Bevölkerung und der Gebäudestruktur verdeutlicht werden. Mit Kapitel sechs beginnt der methodische Teil der Arbeit. Im Zentrum steht die Beschreibung und Erklärung der konzeptionellen Grundlagen der durchgeführten Untersuchung, die Begründung der Auswahl der Methode, des Untersuchungsgebiets und der Befragtengruppe. Ebenso werden die Ergebnisse des Pretests vorgestellt. Im Kapitel sieben werden nachfolgend die Untersuchungsergebnisse gegliedert und unter anderem nach den Dimensionen Wohnen, Arbeiten und sozialen Kontakten ausgewertet. Das Fazit der Arbeit gilt dann der Beantwortung der Forschungsfragen anhand der gewonnenen Daten und Erkenntnisse.
4 Weitere Literaturtitel und im Besonderen aktuellere Aufsätze zu diesem Thema können unter www.dialnet.unirioja.es, recherchiert werden. Hier werden wissenschaftlichen Artikel und Publikationen von spanischen Autoren zusammengetragen und stetig aktualisiert.
6
2. Theoretischer Hintergrund
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit irregulärer Migration ist relativ jung und befindet sich noch im Theoriebildungsprozess. Zu Beginn dieses Kapitels wird daher versucht, die Charakteristika von ‚irregulärer Migration’ und ‚irregulären Wirtschaftsmigranten’ grob zu umreißen. Daran anschließend soll der Zusammenhang zwischen irregulärer Migration und Globalisierung verdeutlicht werden.
Robert E. Park entwickelte das Modell des Mosaiks kleiner Welten. Ihm entsprechend bilden Zuwanderer in Städten lokale Gemeinschaften, die sich auf der Basis der Kultur des Herkunftslandes bilden und die für die Individuen eine solidarische Basis für weitere Integrationsschritte bieten. Nach der Vorstellung des Modells wird aufgezeigt, worin dessen Bedeutung und Anwendung in der vorliegenden Studie liegt. Den Abschluss des Kapitels bildet die Vorstellung des Analyseansatzes ‚Migration als Versetzung des Lebensmittelpunktes’ von Ingrid Oswald.
2.1. Irreguläre Migration
Eine allgemein gültige Definition für „irreguläre Migration“ gibt es in der wissenschaftlichen und politischen Diskussion bisher nicht. In der Regel dominiert der Begriff der „illegalen Migration“. Die Formulierung „illegal“ wird meist sehr einseitig verstanden, indem sie sich allein auf den fehlenden Aufenthaltsstatus bezieht. Der häufig verwendete Begriff der ‚Illegalität’ von Menschen verweist jedoch auf mehrere Sachverhalte: die illegale Einreise, den illegalen Aufenthalt und/oder die illegale Beschäftigung, sowie den Versuch der Migranten ihr Handeln rechtsförmiger Beobachtung zu entziehen (vgl. Bommes 2006: 95). Hinsichtlich der Bezeichnung dieses Migrationstyps herrscht bisher ebenso keine Einigung. Die Bezeichnungen reichen von „Illegalen“, „irregulären, undokumentierten Migranten oder Flüchtlinge“ über „sans papier“ bis zu „Statuslosen“ (Anderson 2003: 4). Jörg Alt entscheidet sich „mangels einer geeigneten begrifflichen Alternative“ dazu, für seine Studien in Deutschland den Begriff „Illegale“ zu verwenden (Alt 2003: 19) 5 .
5 Damit schließt sich Jörg Alt wissentlich der Erklärung von Lederer und Nickel, die sie in ihrem Aufsatz „Illegale Ausländerbeschäftigung in der Bundesrepublik Deutschland“ (1997) geben, an: „Der Begriff ‚illegal’ wird im folgenden anderen, verwandten Termini vorgezogen, da die jeweiligen (ausländer-) rechtlichen Bestimmungen eines Staates die Kontextbedingungen für die Lebenswelt von Zuwanderern definieren -
7
In der hier vorliegenden Studie hingegen werden ausschließlich die Begriffe „irregulär“ und „undokumentiert“ verwendet. Sie sollen den omnipräsenten Begriff „illegal“ differenzieren, um Sachverhalte genauer spezifizieren zu können und von der negativen Konnotation im Sinne einer Kriminalisierung wegzugehen.
Irreguläre Migranten stellen heterogene Zuwanderungsgruppen mit unterschiedlichen Motiven, Chancen und Möglichkeiten zur Verwirklichung ihres Migrationsziels dar (vgl. Bommes 2006: 102). Tampino benennt sechs Formen, wie Menschen in eine aufenthalts- und arbeitstechnische ‚Illegalität’ geraten können (vgl. 2000: 16f.) Die wichtigsten zwei sind die undokumentierte Einreise und das Ablaufen eines gültigen Visums (visa overstayers). Düvell fügt eine weitere Kategorie hinzu - die der Kinder von irregulären Migranten, die im Zielland der Migration geboren wurden. Sie haben keine Landesgrenze undokumentiert überquert, besitzen aber dennoch keine gültigen Papiere (vgl. Düvell 2006: 143).
Irreguläre Migration folgt theoretisch ähnlichen Aspekten wie reguläre Migration. In der wissenschaftlichen Diskussion existiert eine Vielzahl von Definitionen für den Begriff „Migration“ 6 . Auf der soziologischen Ebene eignet sich gerade zur Charakterisierung und Erklärung irregulärer Migration die Verwendung einer komplexen Begriffsbeschreibung. Sie sollte auf der Basis des durchgeführten Literaturstudiums (mindestens) die folgenden fünf Dimensionen umfassen.
1.) Die Motive und Ursachen für irreguläre Migration entstehen im Zusammenspiel von kulturellen, politischen, wirtschaftlichen, religiösen, demographischen, ökologischen, ethnischen und sozialen Problemen im Herkunftsland (push-factor) und/ oder Einkommensunterschieden und Arbeitsplatzangeboten in Zielregionen (pull-factor) 7 . Die Entscheidung für Migration kann auch durch Kettenmigration ausgelöst werden 8 . Kettenmigration und Push- und Pull Modelle betonen die aktive Rolle des rationalen handelnden Individuums im Migrationsprozess. Die Wechselwirkung der Sende- und Empfängerländer zur Bestimmung von Größe, Richtung und Dauer des
insbesondere, wenn sie illegal sind. Andere, verwandte Begriffe, wie irreguläre, unkontrollierte, klandestine oder undokumentierte Migration geben nicht wieder, das sich diese Zuwanderungsgruppe von anderen Typen staatliche legalisierter Migration … im Kern dadurch unterscheidet, dass alleinig ihre Aufenthalt im Zielland einen Rechtsverstoß darstellt; dadurch stehen sie außerhalb der ‚Rechtsgemeinschaft’“(zitiert nach Alt 2003: 19f.).
6 Eine Zusammenstellung von verbreiteten Definitionen von Migration finden sich bei Oswald 2007, S. 16 ff.
7 Eine gute Übersicht über die wichtigsten Theorien und Forschungsansätze zu Migration bietet Parnreiter, 2000.
8 Erläuterungen zu Kettenmigration finden sich bei Han 2005, S. 13ff.
8
Migrationsstroms werden nicht berücksichtig. Die Einnahme eines Blickwinkels, welcher Sende- wie Empfängerstaaten ebenso wie das Individuum und sein soziales Umfeld betrachten ist daher wichtig. Die Bestimmung, ob es sich um eine (halbwegs) freiwillige oder erzwungene Wanderung handelt, ist vor allem deshalb von Bedeutung, da oft per se bei Wirtschaftsmigranten eine freiwillige Migration unterstellt wird.
2.) Die Frage nach dem Sinn, dem beabsichtigten Zweck der Migration (z.B. Suche nach Sicherheit, Vertreibung, Arbeit, Studium, Verschleppung) und dem erhofften Sollzustand, der durch die Migration erreicht werden soll, ist zur Erklärung des Migrationsprozesses heranzuziehen (vgl. Giménez Romero 2003: 20).
3.) Die räumliche Dimension beschreibt nicht nur, ob es sich um Binnenmigration oder
Internationale Migration handelt. Mit zunehmender geographischer Distanz wird nicht nur die Versetzung des Lebensmittelpunktes wahrscheinlicher. Es erhöht sich im Regelfall auch die Fremdheit der Kultur und Gewohnheiten, es wird eine andere Sprache gesprochen und das bekannte soziale Beziehungsgeflecht verändert sich. „Aus illegaler Migration … resultieren spezifische Wanderungs- und Niederlassungsformen“ (Bommes 2006: 102f.).
4.) Die zeitliche Dimension gibt an, ob das Migrationsvorhaben temporär oder dauerhaft
angelegt ist, was die Bestimmung der Migrationform (z.B. Pendelmigration) und Gestaltung erleichtert. Hierbei ist es wichtig zu erkennen, dass Migration ein Prozess ist, der in einem zeitlichen Kontinuum stattfindet (vgl. Oswald 2007: 13f.).
5.) Die psychische Dimension beinhaltet, dass die Planung und Durchführung eines Migrationsvorhabens eine große persönliche und psychische Leistung erfordert. Die Ankunft im Zielland markiert nicht den Endpunkt von Migration. Der „ zeitintensivere und schwierige Teil der ‚inneren psychosozialen Migration’ (beginnt) erst nach der ‚äußeren physischen Migration’“ (Han 2005: 8)
9
2.2. Irreguläre Wirtschaftsmigranten
Wie für die „irreguläre Migration“ existiert auch für irreguläre Wirtschaftsmigranten noch keine allgemein akzeptierte Definition. In der sozialwissenschaftlichen Literatur sind bisher nur wenige Ansätze zur Definition und Beschreibung zu finden. Mit der Aussage, dass dieser Migrantentyp weder gezwungen noch wirklich freiwillig wandert, legt Ingrid Oswald ein erstes Charakteristikum fest (vgl. 2007: 153).
In den Medien ist überwiegend die Rede von Armuts- und Wirtschaftsflüchtlingen, ohne diesen Migrantentyp differenzierter zu betrachten. Diese Art der Bezeichnung wird hier bewusst vermieden.
Die einzige international gültige Rechtskategorie, die die Gruppe der Flüchtlinge definiert und Kriterien für den Erhalt eines Aufenthaltstatus beinhaltet, ist die Genfer Flüchtlingskonvention aus dem Jahr 1951 9 . Ökonomisch motivierte Migranten aus Afrika erfüllen diese nicht Kriterien. Aus diesem Grund ist in der vorliegenden Arbeit von „Wirtschaftmigranten“ die Rede.
1.) Zum einen erweist sich die Bezeichnung Migrant aufgrund der Neutralität dieses Begriffes in der vorliegenden Studie als weitaus angemessener.
2.) Desweiteren verdeutlicht die erste Silbe „Wirtschaft-“ auf die (wenn auch nicht ausschließlich) ökonomischen Motive hinter der Migrationsentscheidung.
3.) Beim hier gewählten Terminus „Wirtschaftsmigrant“ können auch andere Gründe, wie beispielsweise das Erreichen einer langfristigen ökonomischen Stabilität oder der Steigerung der Lebensqualität, als mit entscheidend für die Migration angeführt werden (vgl. Aparicio Gómez 2002: 31).
4.) Der Wirtschaftsmigrant ist jung, kommt aus ärmeren Ländern (vgl. Gómez Fayrén/ Bel Adell 2000: 23) und ist der Migrationstyp, auf den sich viele Abschirmungsmaßnahmen von Industriestaaten bzw. der Europäischen Union, wie die verstärkte Grenzsicherung und die Etablierung restriktive Zuwanderungspolitiken, richten. Dem Wirtschaftsmigrant bleibt daher meist nur die undokumentierte Einreise.
9 Fernández Sánchez (2002) gibt einen guten Überblick über die Rechte aller Migranten, mit oder ohne Aufenthaltstitel. Gleichzeitig zeigt und erklärt er, warum diese Rechte praktisch nicht von Bedeutung sind.
10
2.3. Irreguläre Migration und Globalisierung
Seit den 1970er Jahren steht der Begriff Globalisierung in der politischen Diskussion für die zunehmende internationale wirtschaftliche, politische und kulturelle Verflechtung. Es gilt der überwiegend freie Verkehr von Waren, Kapital und Dienstleistungen, aber nur eingeschränkt der für Menschen. Global cities (vgl. Sassen 2001) wie London, Paris und Brüssel ziehen Migranten als wirtschaftliche und politische Knotenpunkte an. So bewegen sich Menschen auch im Rahmen von globalen Arbeitsmärkten.
Die Globalisierung und die internationale Migration stehen in einem engen Zusammenhang (vgl. Düvell 2006: 192). Die geographische Mobilität von Menschen ist an sich kein neues Phänomen. Das Neuartige an der Migration im 21. Jahrhundert ist die veränderte Struktur der internationalen/ transkontinentalen ökonomisch motivierten Migrationsprozesse. Die gegenwärtige Dynamik von Migration entsteht durch die Relativierung von räumlichen Distanzen im Zuge des stetig besser ausgebauten Verkehrssystems bei sinkenden Transportkosten. Die weltweite mediale Vernetzung durch den kontinuierlichen Ausbau des weltweiten Telefonnetzes und Internetverkehrs ermöglicht die Übertragung von Bildern über das Fernsehen und das Internet bis in die ärmsten Gegenden in Echt-Zeit-Kommunikation. Einkommensunterschiede, wirtschaftliche Miseren, Arbeitslosigkeit, Armut rücken so bei den Betroffenen stärker ins Bewusstsein und verstärken die Migrationsentscheidung (vgl. Düvell 2006: 191ff.). Dies bezieht sich insbesondere auf die Bevölkerungsschichten, vor denen sich die Staaten der Europäischen Union durch restriktive Zuwanderungspolitiken abzuschirmen versuchen.
Die stetige Erweiterung und Verbesserung der weltweiten Kommunikationsmedien führen zum Aufbau von internationalen Migrationsketten. So verläuft die Planung des Migrationsprojekts mit Hilfe bereits migrierter Familienangehöriger, Freunde und Bekannte. Die mediale Vernetzung hilft das Migrationsvorhaben mit Hilfe bereits migrierter Familienangehöriger, Freunden und Bekannten zu planen und auch undokumentiert Grenzen zu überwinden. Durch den Ausbau des weltweiten Transportsystems sinken die logistischen und finanziellen Kosten einer Einwanderung. Nach der Ankunft im Zielland kann der Kontakt durch diverse Kommunikationsmedien einfach und kostengünstig zur Familie im Herkunftsland gehalten werden. Das Verlassen des Herkunftslandes bedeutet daher nicht mehr zwangsläufig neben dem physischen auch ein soziales Gehen (vgl. Aparicio Gómez 2002: 33). Weiterhin lässt sich die Herausbildung transnationaler Räume beobachten, wie im Fall der Menschen aus Kapverden (vgl. Giménez Romero 2003: 45f.).
11
Das internationale Migrationsgeschehen im Zeichen der Globalisierung ist durch eine Zunahme der regionalen und der globalen Wanderungen gekennzeichnet. Intraregionale Wanderungen sind quantitativ erheblich bedeutsamer. Nur ein sehr kleiner Teil von ihnen kommt nach Europa. Die Ärmsten der Armen hingegen migrieren aufgrund fehlender Möglichkeiten nicht (vgl. Giménez Romero 2003: 47).
Die irreguläre Migration ist eng mit Globalisierungsprozessen verknüpft. Sie wird oft als unerwünschte Folge der Globalisierung gesehen. Der Anstieg der irregulären Zuwanderung wird hingegen oftmals als Autoritätsverlust des Herkunfts- und Ziellandes interpretiert. Bestimmte Wanderungen, wie die irregulären Wirtschaftsmigranten aus Afrika, werden zudem partiell als Bedrohung der „nationalen Identität“ aufgefasst (vgl. Angenendt 2006: 43) und zur Rechtfertigung der Abschirmung benutzt, wodurch sich das persönliche Migrationsrisiko jedes Zuwanderers erhöht hat.
2.4. R.E. Park: Die Stadt als Mosaik kleiner Welten
Die Grundlagen der systematischen Untersuchung der Auswirkungen von Migration auf die Stadtentwicklung entwickelte in den 1920er Jahren die Chicago-School in den USA. Im von Park/ Burgess und McKenzie geschriebenen Buch The city (1967/1925) wird das von Park entwickelte humanökologische Konzept erweitert. Parks Anliegen war es Gesetzmäßigkeiten für die durch Zuwanderung schnell wachsenden Städte in den 1920er Jahren zu finden. Vorbild für seine Untersuchungen stellten naturwissenschaftliche Arbeiten aus der Tier- und Pflanzenwelt dar. Das Interesse Parks lag in seinen stadtsoziologischen Untersuchungen allerdings weniger auf der Erklärung des Phänomens Stadt, er wollte „das Leben in der modernen Gesellschaft, für das die Großstädte paradigmatisch stehen“ erklären (Christmann 2007: 81).
Durch Zuwanderung waren Großstädte entstanden. Die Urbanisierung bedeutete für Park, dass sich die vom Land stammenden Individuen als Großstädter von ihrer traditionellen Kultur, die ihnen Schranken und Hindernisse auferlegt hatte, entfernten. Nach Park birgt diese Entwicklung eine Gefahr für das Individuum und die soziale Ordnung der Stadt. Seine zentrale Forschungsfrage lautete daher: Wie ist das Leben in der Großstadt möglich?
Von essentieller Bedeutung erweist sich für die vorliegende Studie, der von Park identifizierte funktionale Zusammenhang zwischen Segregation und Gemeinschaftsbildung. Der
12
Unverträglichkeit des Fremden entgegnet der Städter nicht durch distanziertes Verhalten, wie Simmel ausführt, sondern mit räumlicher Distanz. Soziale Distanz wird zu räumlicher Distanz bei Park. Die Stadt entwickelt sich zu einem ‚Mosaik kleiner Welten’. Es handelt sich um Welten die einander berühren, sich aber nicht durchdringen.
Zuwanderer suchen sich in der Stadt Gebiete, wo sie auf Menschen mit ähnlicher Herkunft, Werten und Einstellungen treffen. Folglich lebt die Großstadtbevölkerung weitgehend ethnisch und kulturell homogen segregiert in natural areas. Sie sind gekennzeichnet durch eigene Normen, Traditionen und Verhaltensmuster. Natural areas entstehen ohne Fremdeinwirkung, „sie sind das Ergebnis eines unwillkürlichen Prozesses des Zusammenfindens von Individuen mit ähnlichen Bedürfnissen, die in ihrer Daseinsfürsorge in Konkurrenz mit anderen Individuen stehen“ (Christmann 2007: 79). Demnach können sich natural areas verändern. Bewohner von natural areas können in neue Stadtgebiete eindringen, wo bereits andere Bevölkerungsgruppen leben (Invasion) und sie verdrängen (Sukzession). Die natural areas basieren auf einer biotischen Ordnung auf der Basis von zwischen den Individuen existierenden Kommunikationsbeziehungen. Die kulturelle Ordnung wirkt auf die Bewohner und sozialisiert sie. Neuankömmlinge werden in die formellen und informellen ökonomischen, psychischen und sozialen Unterstützungssysteme der Gemeinschaft aufgenommen (vgl. Häußermann/ Siebel 2001: 10).
Natural areas sind mehr als nur zweckrationale Gemeinschaften. Sie geben auch ein Gefühl von Vertrauen, Freundschaft und Heimat, was insbesondere in der schwierigen Zeit nach der Ankunft bedeutend ist. Die Basis für Vertrauen ist ethnische-kulturelle Homogenität, ein gemeinsamer Lebensstil, gleiche Überzeugungen sowie ähnliche sozialstrukturelle Merkmale. Die ethnische community einer natural area übt zudem soziale Kontrolle aus, weswegen sie auch als moral regions bezeichnet wurden (vgl. Park 1984: 45).
Die individuelle Freiheit des Zugewanderten liegt darin, sich durch beruflichen Erfolg und das Erreichen ökonomischer Stabilität aus dem engmaschigen Netz der community in den natural areas zu lösen und diese zu verlassen. Mit der Integration in die politischen, sozialen und kulturellen Systeme der Gesamtstadt setzt ein Prozess der Entfremdung zwischen Zuwanderer und community ein. Die natural areas fungieren als Brücke zur Gesamtstadt. Nach Park fügen sich die Zuwanderer in die Gesamtgesellschaft ein. Die verschiedenen Herkunftskulturen verändern diese - der Melting-Pot entsteht.
13
Park stellte fest, dass das Bestehen von natural areas am Beispiel von Migrantenvierteln leicht deutlich wird, weil dort unter anderem der Zusammenhalt und der Erhalt von Traditionen besonders erkennbar sind (vgl. Christmann 2007: 80).
Das Modell der Einwandererstadt von Park ist für diese Studie in vierfacher Hinsicht von Bedeutung.
Erstens können mit der Anwendung des humanökologischen Konzepts in einer stadtsoziologischen Betrachtung Segregation, Invasion und Sukzession in Stadträume erklärt werden. Aus dieser Überlegung heraus lässt sich ableiten, warum sich irreguläre afrikanische Einwanderer in einem bestimmten Stadtquartier konzentrieren und es lassen sich Veränderungen in Quartieren durch Zuwanderung besser verstehen.
Zweitens bilden Zuwanderer nach Park ethnisch homogene Nachbarschaften. Neuankömmlinge suchen in der Stadt nach Quartieren, wo ihre Landsleute bereits ansässig sind. Park unterscheidet hier nicht explizit zwischen Zuwanderern mit und ohne Papiere. Dennoch lässt sich vermuten, dass sich auch irreguläre Zuwanderer dort niederlassen. Diese Annahme ist wichtig für die räumliche Verortung und zur Kontaktaufnahme mit irrregulären Migranten während des Erhebungsprozesses der vorliegenden Untersuchung.
Drittens gibt Parks Charakterisierung der natural areas Auskunft über die Beschaffenheit der community und deren internen sozialen Beziehungen. Die ethnischen communities stützen die Neuankömmlinge sozial, ökonomisch und psychisch. Ihre Lebenssituation stabilisiert sich. Sie bilden gleichsam ein Aufnahmelager, in dem die ersten Schritte in der neuen Umgebung eingeübt, aber auch überwacht werden. Die Basis für vertrauensvolle und enge Beziehungen ist die ethnische, d.h. kulturelle Homogenität, ein gemeinsamer Lebensstil und ein Set von gemeinsamen Überzeugungen.
Viertens fungieren natural areas als Brücke zur Gesamtstadt. Letztendlich verlassen die Zuwanderer ein Quartiers oder einer ethnischen Nachbarschaft. Bedeutend ist hier einerseits die Integrationsfunktion, der natural areas, andererseits die Hervorhebung des Prozesscharakters von Migration.
14
Aus der Darstellung lassen sich folgende Hypothesen formulieren.
1.) Die bestehenden sozialen Kontakte irregulärer afrikanischer Wirtschaftsmigranten aus Guinea und Senegal konzentrieren sich im Madrider Stadtviertel
Embajadores/Lavapiés, wodurch sie ihren ersten Wohnort dort haben.
2.) Die Beschaffenheit des Stadtviertel Embajadores/ Lavapiés ermöglicht den irregulären Migranten aus Guinea und Senegal den Zugang zu Wohnen, Arbeiten und sozialen Kontakten.
3.) Undokumentierte Migranten aus Guinea und Senegal erfahren
Unterstützungsleistungen überwiegend durch die eigene ethnische Gruppe im Stadtquartier.
4.) Auf lange Sicht fungieren ethnische communities als Brücke zur Gesamtstadt. Trotz fehlendem Aufenthaltstitel, aber durch das Erlangen einer stabilen Lebenssituation verlassen undokumentierte afrikanische Einwanderer das Quartier.
2.5. I. Oswald: Migration als Versetzung des Lebensmittelpunkts
Die Soziologin Ingrid Oswald stellt in ihrem im Jahr 2007 erschienenen Buch „Migrationsoziologie“ den Analyseansatz ‚Migration als Versetzung des Lebensmittelpunktes’ vor. Der Lebensmittelpunkt wird hier nicht zwangsläufig mit dem Wohnort oder Hauptwohnsitz gleichgesetzt. Das Lebensmittelpunkt-Modell ist sehr offen und variabel angelegt. Durch die Benennung der Dimensionen Wohnen, Familie, Arbeit/Einkommen, soziales Netz sowie kulturelle und politische Orientierung als die fünf konstitutiven Elemente eines Lebensmittelpunktes wird der Forschungsrahmen nur grob festgesetzt. Oswald betont, dass einzelne Dimensionen „- je nach Perspektive - in der Forschung hervorgehoben oder zurückgestellt werden können“ (Oswald 2007: 15). Ebenso ist es ihr wichtig auf den Prozesscharakter von Migration hinzuweisen (vgl. Oswald 2007: 15f.). Geographische und rechtliche Elemente werden nicht überbetont, sodass sich das Modell auch zur Erklärung irregulärer Migration eignet (vgl. Oswald 2007: 18). Weiterhin wird keine empirische
15
Herangehensweise an eine migrationsoziologische Fragestellung vorgeschrieben. Stattdessen erlaubt das Lebensmittelpunkt-Konzept empirische Vielfalt. Ein weiterer Vorteil ist, dass nicht nur die Perspektive der Migranten bzw. die der Gesamtgesellschaft betrachtet werden können, sondern auch die der Milieus, wo Migration stattfindet. Zuwanderung kann in städtischen Quartieren beispielsweise soziodemographische Auswirkungen oder Konflikte mit der eingesessenen Bevölkerung hervorrufen.
Mit dem Konzept lässt sich ein breites Feld von Motivationen seitens der Zuwanderer untersuchen, ohne auf zu stark vereinfachende Erklärungen wie bei den Push- und Pull-Modellen zurückgreifen zu müssen. Zudem werden Deutungsansätze gegeben, warum Menschen an einem bestimmten Ort bleiben, obwohl es vermeintliche Orte mit besseren Lebensbedingungen gibt.
Die Bedeutung des Lebensmittelpunkt-Modells für die vorliegende Studie, liegt darin, dass es die Charakterisierung der Lebensumstände irregulärer Migranten in analytisch getrennten Bereichen ermöglicht. Diese Trennung ermöglicht es zu erklären, warum irreguläre Migration die Integration in einzelne Lebensbereiche der Zielgesellschaft ermöglich, verhindert, erschwert bzw. scheinbar nicht erfordert. Durch die methodische Offenheit des Konzepts kann die empirische Vorgehensweise direkt an die Untersuchungsgruppe der irregulären Migranten aus Afrika angepasst werden.
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3. Irreguläre Migration nach Spanien
Die Länder Spanien und Italien gelten aufgrund der geographischen Nähe zu Afrika als die Eingangstore für irreguläre Migration in die Europäische Union. Spanien befindet sich nur 13 Kilometer von Afrika entfernt. Die Straße von Gibraltar ist nach zahlreichen tödlichen Unfällen, deren genaue Zahl nur vermutet werden kann, längst als die Straße des Todes bekannt. Die undokumentierte Einreise der boat people ist das vorrangige Bild der irregulären Migration aus Afrika, welches über die Medien projiziert wird. Die Zahl der irregulär in Spanien lebenden Lateinamerikaner ist weitaus höher als die der Afrikaner. Ihre Einreise vollzieht sich im Regelfall mit einem Touristenvisum und dem Verbleiben in Spanien nach dessen Ablauf (visa over stayers).
Die Zahl undokumentierter in Spanien lebenden Migranten wird auf 500.000 bis eine Million geschätzt (vgl. Düvall 2006: 146; vgl. SOS Racismo 2007a: 6). Im Jahr 1991 ging man von 5.600 bis 9.200 irregulären Migranten aus (vgl. Giménez Romero 1993b: 261). Migranten, die unregistriert die Grenze übertreten, haben Spanien nicht zwangsläufig als Migrationsziel. Bis zum Jahre 2000 galt Spanien nur als Eingangstor und Transitstaat. Viele Migranten wanderten innerhalb von Migrationssystemen, die im Zusammenhang mit der europäischen Kolonialgeschichte stehen. Spanien verfügte über keine wichtigen Kolonien in Afrika. Die klassischen Kolonialmächte und Ziele von Migration waren Frankreich und Großbritannien.
Bestehende Netzwerke der Migranten können ebenso der Auslöser für Migration sein. Neuere Entwicklungen zeigen allerdings, dass die wachsende und stabile Wirtschaft, die Nachfrage nach Arbeitskräften, eine ausgedehnte Schattenökonomie und die steigende Lebensqualität Spanien zunehmend zum Migrationsziel für Zuwanderung aus Afrika machten (vgl. Aparicio/ Rornos 2003: 216ff.).
Dieses Kapitel beginnt mit der Darstellung des Wandels Spaniens vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland. Im Anschluss daran liegt der Fokus auf der irregulären Migration aus Afrika und den Reaktionen und Maßnahmen der spanischen Regierung auf dieses relativ neue Phänomen. Im letzten Abschnitt soll das Legalisierungsprogramm für irreguläre Migranten vorgestellt und kurz umrissen werden.
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3.1. Wandel vom Auswanderungsland zum Einwanderungsland
Bis in die 1990er Jahre war Spanien ein klassisches Auswanderungsland. Im Zuge der Kolonialmigration vom 16. bis zum 19. Jahrhundert zog es weit mehr als zwei Millionen Spanier nach Lateinamerika. Während der Zeit des spanischen Bürgerkrieges (1936-1938) und der bis zum Jahre 1975 anhaltenden Diktatur unter General Francisco Franco war Spanien weitestgehend isoliert von Europa. In dieser Zeit, genauer von 1960 bist 1975, wurden weitere zwei Millionen Spanier nach Mittel- und Westeuropa als Gastarbeiter angeworben (vgl. Netzwerk Migration in Europa/ Bundeszentrale für Politische Bildung/ Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut 2003: 1f.). Erst der Tod Francos und damit die Errichtung einer parlamentarischen Demokratie unter Betonung des sozialen und politischen Rechtsstaats im Jahre 1978 veranlasste viele Spanier zur Rückkehr. Die Einwanderungszahlen von Nichtspaniern gewannen in den 1980er Jahre erstmals an quantitativer Relevanz. Allerdings waren sie im Vergleich zu vielen west- und zentraleuropäischen Ländern wie
Deutschland und Frankreich, die sich nach dem zweiten Weltkrieg zu den Haupteinwanderungsländern entwickelt unbedeutend. Der Beitritt zur Europäischen
Union bzw. der damaligen
Europäischen Gemeinschaft im Jahre 1986 half Spanien die
Isolation und die Folgen der Franco-Diktatur zu überwinden. Es folgten der wirtschaftliche Aufstieg und die Verbesserung des Lebensstandards. In den 1990er Jahren wurden die Einwanderungszahlen nach Spanien erstmals als alarmierend betrachtet. Die Zahl der in Spanien gemeldeten Zuwanderer verdoppelte sich von 393.100 im Jahr 1992 auf 801.329 im Jahre 1999 10 . Bis zum Jahr 2006 erhöhte sich die Zahl der in Spanien registrierten Zuwanderer auf 3.021.808 Personen. Insgesamt 21,9 Prozent der Zuwanderer kamen im Jahre 2006 aus der Europäischen Union. Hier handelte es sich im Regelfall um eine
10 Alle folgend genannten Daten in diesem Kapitel entstammen den Anuarios Estadísticos de Extranjería de
Inmigración, welche auf der Internetpräsenz des Ministerio de Trabajo y Asuntos Sociales/ Secretaría de Inmigración y Enmigración abrufbar sind, www.extranjeros.mtas.es.
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„unproblematische“ Zuwanderungsgruppe, beispielsweise Europäer im Ruhestand, welche sich überwiegend auf den kanarischen Inseln oder Balearen, sowie in der Küstennähe niederlassen.
Lateinamerikaner stellen die größte Zuwanderungsgruppe mit 35,3 Prozent dar. Aufgrund der kolonialen Verbundenheit zu Spanien haben sie im Regelfall keine Probleme eine Einreiserlaubnis zu bekommen. Der Weg der Lateinamerikaner in die aufenthaltsrechtliche Illegalität erfolgt meist durch das Ablaufen der Aufenthaltsgenehmigung (visa-overstayers) Der Anteil afrikanischer Einwanderung liegt derzeit bei 23,5 Prozent. Weniger bedeutende Zuwanderungsgruppen kommen aus asiatischen Ländern mit 6,6 Prozent oder aus Ozeanien mit 0,1 Prozent. Madrid und Katalonien vereinen mit 19,1 Prozent beziehungsweise 21,3 Prozent insgesamt 40,4 Prozent der in Spanien lebenden und gemeldeten Zuwanderer auf sich. An dritter und vierter Stellen stehen das ‚Land’ Valencia (13,6 %) und Andalusien (12,2 %).
Die wachsende Einwanderung und vor allem die irreguläre Migration sind für Spanien relativ neue Phänomene. Auf die erhöhten Einwanderungszahlen, deren Besonderheit vor allem im sprunghaften Anstieg liegt, reagierte die spanische Regierung bisher mit Abwehr. Die Zuwanderungsbedingungen wurden verschärft und ebenso die Maßnahmen der verstärkten Grenzsicherung gegen die undokumentierte Einreise über den Seeweg ausgeweitet. Als Spanien mit seinem ersten Zuwanderungsgesetz aus dem Jahre 1985 begann Einwanderungspolitik zu betreiben, war von Integration lange Zeit keine Rede. Die Herausforderung der Regierung Spaniens heute liegt in der Notwendigkeit der Erkenntnis, sich einzugestehen zum Zielland von Migration geworden zu sein, um entsprechende Integrationspolitiken zu veranlassen und nach Lösungen für die undokumentierte Migration suchen, die nicht darin bestehen die Grenzanlagen zu verstärken 11 .
11 Ein interessanter Artikel zu diesem Thema findet sich unter www.tagesschau.de/ausland/meldung159160.html vom 28.09.2005 mit dem Titel: Exklave Melilla in Nordafrika. Spanien verstärkt nach Flüchtlingsansturm Grenze, Zugriff am 12. November 2007.
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3.2. Undokumentierte Wirtschaftsmigration aus Afrika
Afrikanische Wirtschaftsmigranten, wie unter dem Punkt 2.2, dargestellt, haben durch die verschärften Grenzkontrollen und die restriktiven Zuwanderungspolitiken trotz wirtschaftlicher Miseren bei gleichzeitigen politischen Unruhen in ihren Herkunftsländern kaum eine Chance einen Aufenthaltstitel zu erwirken. Es bleibt ihnen nur der Versuch der undokumentierten Einwanderung. Die afrikanische Wirtschaftsmigration nach Europa ist im Vergleich zu andern Zuwanderungsgruppen quantitativ weniger bedeutend. Nichtsdestotrotz, wird die Abschirmung Spaniens von den traditionellen Einwanderungsländern im Rahmen der Europäischen Union nicht nur gefördert, sondern auch gefordert. Seit dem Wegfall der Grenzkontrollen im Jahre 1995 im Zuge der Verwirklichung des europäischen Binnenmarktes, welcher den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen ermöglicht, sehen es die klassischen Einwanderungsländer als evident an, dass Migranten nach dem undokumentierten Grenzübertritt in entsprechenden Ländern der Europäischen Union ihr Ziel sehen.
Die aufenthaltsrechtliche Illegalität von afrikanischen Migranten ist nicht zwangsläufig das Ergebnis eines unregistrierten Grenzübertritts oft mit Hilfe von Schleuserorganisationen. Für Afrikaner sind auch folgende Einreisemöglichkeiten denkbar: erstens die so genannte scheinlegale Einreise durch das Vorlegen falscher Dokumente zur Täuschung der Kontrollbeamten oder zweitens die Einreise mit einem Visum, beispielsweise als Tourist oder zum Studieren, welches dann abläuft, der Inhaber aber nicht in sein Land zurückkehrt. Für Afrikaner ist es im Regelfall schwierig ein Visum für Spanien zu bekommen, daher ist der Anteil jener, die diesen Einreiseweg nutzen, als gering anzusehen.
Die afrikanische Einwanderung
begann Mitte der 1970er Jahre mit dem Ende der Franco-Diktatur. insbesondere im Vergleich mit anderen Zuwanderungsgruppenwar sie nicht von großer Bedeutung. Die Grenzen der
spanischen Enklaven Ceuta und Melilla
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durchlässig (vgl. Pérez 2004: 9ff.).
Eine Einwanderungskontrolle wurde kaum betrieben. Bereits in dieser Zeit ließ sich der Großteil der afrikanischen Einwanderung auf wirtschaftliche Motive zurückzuführen (vgl. Llamas/ Martínez Pardo 1997: 67).
Die Migration aus Afrika ist aufgrund der kurzen Einwanderungsgeschichte noch nicht gefestigt. Insbesondere die ökonomische Migration befindet sich im ersten Migrationszyklus (vgl. Arango Vila-Belda 2002: 61). Gegenwärtig werden Migrationsnetze und -ketten aufgebaut. Eine zweite Generation gibt es nur in Ausnahmefällen. Männer sind überproportional vertreten (vgl. Arango Vila-Belda 2002: 61).
Das Besondere der afrikanischen Einwanderung liegt darin, dass angesichts der wenigen und eher unbedeutenden ehemaligen spanischen Kolonien in Afrika, die afrikanische Einwanderungsgruppe überrepräsentiert ist. Während die Anzahl der afrikanischen Einwanderer mit Aufenthaltserlaubnis im Jahr 1992 bereits bei 71.292 lag, vergrößerte sie sich sprunghaft seit Mitte der Neunzier und lag 2006 so bei 709.174 Personen. Mit Blick auf die irregulären Migranten innerhalb Gruppe der in Spanien lebenden Afrikaner lässt sich deren Anteil für das Jahr 2004 47,2 Prozent schätzen (vgl. Bravo/ Hernando de Larramendi 2006: 211).
Zur Unterbindung der gestiegenen Zahl der Versuche der irregulären Einreise reagierte die spanische Regierung mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen, beispielsweise der Einrichtung des integrierten Außenüberwachungssystems (SIVE - Sistema Integrado de Vigilancia Exterior) zur Grenzsicherung der andalusischen Küste. Weiterhin verstärkte die Regierung die Zusammenarbeit mit Marokko. Insgesamt wurden bereits im Jahre 1999 eine Million Afrikaner an Spaniens Grenzen abgewiesen (vgl. Netzwerk Migration in Europa 2000). Aufgrund dennoch steigender Zahlen der Aufgriffe bat die spanische Regierung im Jahre 2005 die Europäische Union zur Bewältigung der irregulären Migration um Hilfe. Als Reaktion darauf wurden Grenzpatrouillen der Europäischen Union eingesetzt, die den Küstenstreifen vor Mauretanien, Senegal und Kapverden überwachen. Die Europäische Union unterstützt zudem den spanischen Afrikaplan. Er sieht vor, diplomatische Vertretungen in Westafrika zur Aufklärung und Abschreckung potentieller Migranten einzurichten. Weiterhin wurden Initiativen für weitere Rückübernahmeabkommen aufgebaut. Bilaterale Abkommen bestehen mit Nigeria, Algerien, Guinea Bissau, Gambia, Guinea und Mauretanien, sowie Rücknahmeabkommen mit Senegal und Mali. Trotz aller Maßnahmen ist die Zahl der versuchten und gelungenen Einreiseversuche steigend. Die spanischen Enklaven Ceuta und Melilla sind nach verstärkten Grenzschutzmaßnahmen weniger Anlaufpunkt. Gleiches gilt für
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Marokko. Das Abkommen mit der spanischen Regierung beinhaltet die Verhinderung der klandestinischen Einreise von marokkanischem Gebiet zu den Kanarischen Inseln bzw. zum spanischen Festland.
Die gewünschte Abschreckung wurde nicht erreicht, da die Zuwanderungswilligen ihre Einreisearten an die neuen Gegebenheiten angepasst haben. Einerseits verstecken sich die Migranten wochen- oder monatelang in der Wüste Westsaharas, um auf den richtigen Augenblick zu warten. In dieser Zeit bauen sie teilweise die Boote, die für die Überfahrt benötigt werden, aus notdürftigen Materialien, welche sie von den Schleuserorganisationen erhalten (vgl. S.O.S. Racismo 2005: 105). Andererseits wird seit 2006 eine Veränderung der Reiserouten deutlich. Die boat people starten heute von der mauretanischen oder senegalesischen Küste. Die 1.200 bis über 1.500 km lange Überfahrt dauert etwas sieben bis neun Tage. Schätzungen der Herkunftsländer zufolge kommen etwa 20 bis 40 Prozent der Bootsinsassen dabei ums Leben (vgl. Netzwerk Migration in Europa 2006). Es wird mehr und mehr deutlich, dass alle Abschreckungsmaßnahmen nur die Dauer bis zum irregulären Grenzübertritt verlängert haben, der Migrationsdruck, aber nach wie vor unverändert bzw. sogar größer ist.
Nach einer missglückten Einreise und somit dem Aufgriff durch die spanische Polizei werden die Migranten auf das spanische Festland gebracht. Dort erhalten sie einen Ausweisungsbescheid mit dem Datum ihrer Ausweisung. Sie werden allerdings nicht bis zum entsprechenden Datum festgehalten bzw. kommen nicht in Abschiebehaft. Nach der Ankunft auf der spanischen Halbinsel haben die aufgegriffenen afrikanischen Migranten die Möglichkeit für maximal 40 Tage in ein Aufnahmecenter (CIE - centros de internamiento de extranjeros) zu gehen. Der Großteil der Migranten verschwindet sofort nach Ankunft auf dem spanischen Festland oder nach den ersten Tagen im Aufnahmecamp. Letztere befinden sich aufgrund fehlender Transparenz in stetiger Kritik. Zudem wird der Leitung dieser Center ihnen vorgeworfen, die Migranten schlecht über ihre Möglichkeiten zu informieren, wie beispielsweise Aufenthaltsgenehmigungen erworben werden können oder welche sozialen Hilfseinrichtungen existieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die irreguläre Migration aus Afrika nicht mit verstärkten Grenzsicherungen und restriktiven Zuwanderungspolitiken abwenden lässt. Die Formen undokumentierter Einreise sind variabel und die Einreisewilligen flexibel und gewillt auch längere und gefährlichere Migrationsrouten zu wählen, um ihre Idee vom besseren Leben für sich und ihre Familien durch den Gang nach Europa verwirklichen zu können.
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3.3. Legalisierung
Die restriktive Migrationspolitik der konservativen spanischen Partei Partido Popular wurde trotz des Regierungswechsels im März 2004 durch die sozialistische Regierung unter Präsident José Luis Rodríguez Zapatero weitergeführt, allerdings unter dem Vorbehalt die Situation der undokumentierten bereits in Spanien lebenden Migranten zu verbessern. Ende 2004 beschloss die Regierung eine neue Regelung zur Legalisierung irregulärer Zuwanderer in Spanien. Nach ihr erhalten Migranten eine vorläufige Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung, wenn sie bereits ein Jahr in Spanien leben und einen Arbeitsvertrag über mindestens ein halbes Jahr mit zu entrichtenden Sozialleistungen vorweisen können. Immigranten, die sich mindestens zwei Jahre im Inland aufgehalten und davon mindestens ein Jahr gearbeitet haben, können eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung beantragen 12 . Am 7. Mai 2005 endete das dreimonatige Sonderverfahren zur Legalisierung irregulärer Zuwanderer. Es wurden knapp 700.000 Anträge gestellt. Hauptantragssteller waren Lateinamerikaner.
Von dem Legalisierungsprozess haben Afrikaner am wenigsten profitiert. Sie sind größtenteils nicht gemeldet und besitzen meist ihren Ausweisungsbescheid als einziges Dokument, welches ihre Aufenthaltsdauer in Spanien zeigt, aber im Legalisierungsprozess nicht berücksichtigt wird.
Im Fall der afrikanischen Einwanderung produzieren die Legalisierungsprozesse keinen, wie in den Medien dargestellt, efecto alarma. Dieser trifft bedingt auf die Lateinamerikaner zu. Der Großteil der Afrikaner kann im Unterschied zu Lateinamerikanern eine zeitlich passende Einreise aufgrund der restriktiven Einreisebestimmungen nur schwer planen. Auch eine Einreise über den Seeweg fordert eine gewisse logistische und finanzielle Vorbereitung. Es sind nicht die Aussicht auf Papiere, sondern der informelle Arbeitsmarkt in Spanien und die Hoffnung auf das erwartete bessere Leben ausschlaggebend für die Migrationsentscheidung (vgl. Posada García 2007: 194).
12 Mehr Informationen über den Legalisierungsprozess auf der Homepage des Ministerio de Trabajo y Asuntos Sociales, Secretaría de Estado de Inmigración y Emigración, www.mtas.es/migraciones/proceso2005/default.htm
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4. Die spanischen Städte im Blickfeld von undokumentierter Migration aus Afrika
In Spanien herrscht ein deutlicher Stadt-Land-Unterschied, kein Kontinuum. Dieser ist das Ergebnis der Landflucht im Zuge der industriellen Revolution Ende des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts und der Franco-Diktatur 13 . Von den innerspanischen Migrationsströmen profitierten überwiegend Madrid und Barcelona. Beide Städte sind die einzigen in Spanien mit mehr als einer Million Einwohnern.
Die Internationalisierung der spanischen Wirtschaft verstärkte die Konzentration der Wirtschaftstätigkeit in den Metropolen Barcelona und Madrid. Das Wirtschaftswachstum führte zu einer erhöhten Nachfrage nach Arbeitskräften, die oft nicht durch die einheimischen Arbeitskräfte gesättigt werden konnte (vgl. Han 2005a: 261), wie dies im Bauwesen oder im Gastronomiebereich der Fall war. Weiterhin entstand durch den wachsenden Wohlstand eine erhöhte Nachfrage an für Spanier überwiegend unattraktiven Arbeitsplätzen, beispielsweise im häuslichen Bereich. Die Nachfrage in den genannten Wirtschaftszweigen ist teilweise informell organisiert und somit einer der Hauptanziehungspunkte (pull factor) für Migranten, die ihren Lebensmittelpunkt temporär oder für immer verlagern wollen. Örtlich befinden sich die Angebote im Regelfall in Städten, verstärkt in Großstädten wie Madrid oder Barcelona. Aufgrund der Arbeitsmöglichkeiten gehen undokumentierte Wirtschaftsmigranten somit tendenziell in Städte. Ein weiterer Vorteil von Städten gegenüber kleineren Gemeinden ist der ausdifferenzierte Wohnungsmarkt. Er bietet irregulären Migranten verschiedene Wohnmöglichkeiten und Nischen. Weiterhin bevorzugen irreguläre Migranten große Städte, weil es einfacher ist in ihnen unentdeckt zu leben (vgl. Gómez Quintero 2002: 121; Oswald 2007: 169). Nachteilig am Leben in der Stadt ist die direkte Konfrontation der irregulären Migranten mit dem Konkurrenzkampf um Ressourcen wie Wohnen oder Arbeit (vgl. Cebrián 1998: 154).
Pendelmigration findet sich vorwiegend in den ländlichen Gebieten wieder, wo undokumentierte Migranten als Erntehelfer eingesetzt werden. Sie stammen meist aus dem Maghreb, zunehmend aber auch aus Osteuropa.
13 Eine gute Übersicht über die einzelnen Phasen der Landflucht bietet die Arbeit von Slomp H. J.: La despoblación del medio rural español aus dem Jahr 2004, abrufbar unter www.despoblacionaragon.nl.
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Mit der Vorstellung der Charakteristika und Besonderheiten des spanischen Wohnungsmarkts beginnt dieses Kapitel. Im Anschluss wird auf die Verteilung undokumentierter afrikanischer Migranten in den spanischen Städten, sowie auf deren Wohnformen eingegangen. Im darauf folgenden Abschnitt werden Mutmaßungen über die Auswirkungen von irregulärer afrikanischer Migration auf die Städte getroffen. Das Kapitel endet mit der Vorstellung der afrikanischen Einwanderungsgeschichte Madrids.
4.1. Allgemeine Charakteristika des Wohnungsmarktes
Der spanische Wohnungsmarkt ist durch einen sehr hohen Anteil an Eigentumswohnungen gekennzeichnet. Mit nur 14 Prozent weist Spanien im europäischen Vergleich das kleinste Segment an mietbarem Wohnraum auf (vgl. Leal 1996: 128). Ende 2006 lag der Anteil an Mietwohnungen bei 1.791.475. Madrid steht mit 18,5 Prozent nach Katalonien mit 25,7 Prozent im innerspanischen Vergleich für den höchsten Anteil an Mitwohnungen an zweiter Stelle (vgl. Ministerio de Vivienda 2007: 2). Der durchschnittliche Quadratmeterpreis liegt bei 7,20 Euro. Madrid gilt mit einem Durchschnitt von 11,38 Euro pro Quadratmeter einer Mietwohnung als teuerste Stadt Spaniens (vgl. Ministerio de Vivienda 2007: 4). Mit dem Beitritt Spaniens zur Europäischen Union im Jahre 1986 stiegen die Wohnungspreise enorm an. Die spanische Eigentumsmentalität wird auch durch den einfachen Zugang zu Hypotheken zur Wohnungsfinanzierung und durch die Förderung des Privateigentums mittels Steueranreizen unterstützt. Weiterhin gilt der Kauf von Wohnraum als Kapitalanlage, was mit dafür verantwortlich ist, dass Spanien das europäische Land mit den meisten leer stehenden Wohnungen darstellt (vgl. Llamas/ Martínez Pardo 1997: 66).
Schwierigkeiten aufgrund der kontinuierlich steigenden Wohnungspreise, sei es für Kauf oder Anmietung, besitzen insbesondere sozialschwächere Bevölkerungsschichten, zu denen irreguläre Wirtschaftsmigranten zweifellos zählen. Wohnraum für diese
Bevölkerungsgruppen steht nur begrenzt zur Verfügung, denn Spanien hat nicht nur die niedrigste Rate an Mietwohnungen, sondern auch den geringsten Anteil an öffentlich gefördertem Wohnraum (vgl. Llamas/ Martínez Pardo 1997: 66). Das Resultat sind zunehmende Verdrängungsprozesse von Bevölkerungsgruppen in die städtischen Randgebiete bzw. die Akzeptanz schlechter Wohnbedingungen in den historischen zentral gelegenen Wohnvierteln.
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4.2. Mögliche Verteilungsformen undokumentierter Migranten in Städten
Wie bereits darstellt, ist der Anteil an Mietwohnungen auf dem spanischen Wohnungsmarkt sehr gering. Zwangsläufig konzentrieren sich undokumentierte Migranten in Stadtvierteln, wo ein Angebot an mietbarem Wohnraum für irreguläre Migranten besteht und die Mieten bezahlbar sind. In Madrid wie Barcelona entsprechen diese Stadtviertel den alten Arbeiterquartieren Lavapiés bzw. Raval im jeweiligen Stadtzentrum. Bis Mitte der 1990er Jahre waren diese Viertel durch Abwertung gekennzeichnet und boten genügend Möglichkeiten zur Niederlassung. Im Zuge von Aufwertungsprozessen sind die Wohnmöglichkeiten nach wie vor größer als in anderen Vierteln trotz der Verkleinerung dieses Segments.
Undokumentierte Wirtschaftsmigranten können ebenso in peripheren Stadtvierteln wohnen. Ausschlaggebend für die Verteilung von irregulären Migranten sind soziale Beziehungen über Migrationsketten. Migrationsprozesse werden oftmals in räumlichen Konzentrationen der Zuwanderer sichtbar 14 . Jene, die ohne Kontaktpersonen in der Stadt ankommen, lassen sich vorzugsweise dort nieder, wo bereits Landsleute leben. Stadtviertel mit einer hohen Zuwandererkonzentration können somit eine Signalfunktion haben. Die Migranten erhoffen sich durch die Niederlassung in solchen Vierteln die landsmannschaftliche Unterstützung beim Zugang zu Wohnen und Arbeiten und zur Eingliederung in die Aufnahmegesellschaft (vgl. Han 2005a: 260).
Nicht jedes Wohnquartier ist für die Niederlassung irregulärer Migranten geeignet. Es muss den Zugang zu den wichtigsten Ressourcen Wohnen und Arbeiten ermöglichen (vgl. Giménez Romero 1993b: 272). Stadtviertel mit einer hohen Konzentration von Landsmännern auf engem Raum, wie im Fall der alten städtischen Arbeiterquartiere, erleichtern den Aufbau sozialer Netze, welche für den Zugang zu Wohnen und Arbeiten essentiell sind.
4.3. Wohnformen
Undokumentierte Wirtschaftsmigranten aus Afrika stehen am untersten Ende der Wohnungsversorgung. Die Aufnahme der Migranten, das Ankommen in der „neuen Welt“ findet in Stadtvierteln statt, wo bereits andere sozial marginalisierte Gruppen wohnen und die
14 Vor der Allgemeingültigkeit dieser Aussage muss nach Veiga Martínez gewarnt werden (1999: 119). Bei einigen Migrantengruppen spielen soziale Netze eine große Rolle, bei anderen Nationalitäten weniger.
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Ausländerdichte sehr hoch ist. Dies passiert meist in den urbanen Stadtzentren. Irreguläre afrikanische Migranten können nicht auf öffentliche Angebote zurückgreifen. Ihre Einwanderungsgeschichte ist relativ kurz, daher sind die verwandtschaftlichen Netze nicht so stark ausgebaut wie bei den Lateinamerikanern. Die Solidarität unter den Landmännern erweist sich daher als sehr wichtig.
Die Wohnmöglichkeiten für irreguläre afrikanische Migranten sind vielfältig. Abgesehen von Obdachlosigkeit besteht die Möglichkeit beim Arbeitgeber, in Wohngemeinschaften, mit Familienangehörigen oder übergangsweise in Klöstern oder sozialen Einrichtungen (beispielsweise vom Roten Kreuz) zu wohnen.
In Bezug auf den Wohnungsmarkt sind undokumentierte afrikanische Migranten auf Nischen angewiesen. Die Wohnungen, die Migranten mieten, sind in der Regel kleiner und schlechter ausgestattet als diejenigen von Spaniern. Die Miete hingegen ist teilweise genauso hoch, weswegen oft eine Überbelegung der Wohnung zur Mietreduzierung in Kauf genommen wird.
Meist handelt es sich bei den Wohnungen um infravivienda, sprich: um Gebäude und Wohnungen in baulich schlechtem Zustand, die Mängel bei den Installationen aufweisen und deren Inneneinrichtung sich meist auf das Nötigste beschränkt. Es handelt sich um Orte ohne Identität, sprich ohne persönlich gestaltete Komponenten, die eigentlich nur zum Übergang dienen. Wohnungen des Typs infravivienda befinden sich vorrangig in den historischen Stadtkernen und werden überwiegend von Wirtschaftsmigranten bewohnt (vgl. Leal, Jesús 1996: 134).
In den letzen Jahren sind neue Wohnformen hinzugekommen. Der barraquismo invisible umfasst das Wohnen in der Kanalisation, Balkone zum Mieten, verlassene Häuser, Fabrikhallen und Abbruchhäuser (vgl. Augado Cudola/ Cerrillo Martínez 2005: 35). Eine weitere Wohnform ist cama caliente. Wohnungsbesitzer vermieten keine Zimmer, sondern Betten und dies nur zum Schlafen - für genau acht Stunden.
4.4. Auswirkungen von undokumentierter Migration auf die spanischen Städte
Es ist wahrscheinlich, dass irreguläre Migration in sozialstrukturellen Kontexten, wie einem Wohnquartier, Effekte hervorruft (vgl. Bommes 2006: 101). Die Auswirkungen undokumentierter afrikanischer Migration auf die spanischen Städte und Stadtviertel sind schwierig zu erfassen. Anhand der Literatur zu legalen Zuwanderern (z.B. Oswald 2007;
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Düvell 2006; Giménez Romeo 1993 a/b;) lassen sich folgende Mutmaßungen bezüglich irregulärer Migration treffen:
Erstens werden durch den Prozess der ethnischen Konzentration Migranten mit Aufenthaltstitel im städtischen Raum sichtbar. Über soziale Beziehungen oder über die Signalfunktion eines Stadtviertels werden undokumentierte afrikanische Migranten angezogen. Ein sozialer Wandel tritt ein. Die ‚neuen Nachbarn’ fallen schon allein aufgrund ihrer Hautfarbe auf.
Zweitens bewirkt die Anwesenheit irregulärer afrikanischer Migranten Konflikte mit der Mehrheitsgesellschaft. Es können Fremdenfeindlichkeiten oder Nachbarschaftskonflikte entstehen. Ob die Migranten durch diese als irregulär identifiziert werden oder nicht, spielt zunächst keine Rolle für die Entstehung von Vorurteilen und das Üben von sozialer Distanz gegenüber den ‚neuen Nachbarn’.
Drittens haben irreguläre afrikanische Migranten Einfluss auf den demographischen Wandel eines Stadtviertels. Sie steigern die Heterogenität der Quartiersbevölkerung. Die Veränderung der Zusammensetzung der Bevölkerung eines Stadtviertels lässt sich aber nur bedingt feststellen. Es fehlen Daten bezüglich Größe und Zusammensetzung der Gruppen irregulärer Migranten. Auf der Basis von bisherigen Studien lässt sich eine Tendenz zur Verjüngung der Alterstruktur vermuten.
Viertens tritt ein räumlicher Wandel ein. Öffentliche Plätze erhalten neue Funktionen. Sie werden zum Treffpunkt undokumentierter Migranten und somit zum essentiellen Ort der Arbeitsvermittlung und zum Informationsaustausch. Die Pflege sozialer Kontakte gehört zur Überlebensstrategie irregulärer afrikanischer Wirtschaftsmigranten, welche aufgrund einer relativ kurzen Einwanderungsgeschichte der jeweiligen Nationalität nicht auf ausgeprägte Familiennetzwerke zurückgreifen können.
Fünftens lässt sich ein kultureller Wandel verzeichnen. Die Niederlassung von irregulären Migranten aus Afrika zusammen mit anderen Migranten, die über eine Aufenthaltsgenehmigung verfügen, verändert die Identität von Stadtvierteln. Es entstehen Stadtviertel mit einem multikulturellen Charakter, welcher von der alteingesessenen Bevölkerung oft negativ aufgefasst wird
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Sechstens unterstützen undokumentierte Migranten das ethnische Gewerbe und ihre Berechtigung in einem Stadtviertel, wo die Konzentration von irregulären Migranten als hoch eingeschätzt wird, indem sie als Käufer auftreten.
4.5. Afrikanische Einwanderungsgeschichte Madrids
Madrid verfügt über weniger Erfahrung im Bereich Zuwanderung als Barcelona bzw. Katalonien, welche traditionell Anziehungsorte für Migranten aus Afrika sind. Ende der 1990er Jahre ließ sich eine drastische Zunahme der Zahl an Zuwanderern verzeichnen, welche weit über den Werten für Barcelona lag (vgl. Llamas/ Martínez Pardo 1997: 67).
In den 1970er Jahren kamen die ersten Migranten aus Afrika nach Madrid. Quantitativ war ihre Anzahl nicht bedeutend. Sie kamen überwiegend aus ökonomischen Motiven und konnten sich ohne größere Probleme in den Arbeitsmarkt eingliedern. Heute sind viele mit Spaniern verheiratet oder leben mit ihren Familien aus dem Herkunftsland in Madrid, integriert in die spanische Gesellschaft.
Seit den 1980er lässt sich ein quantitativ bedeutsamer Anstieg der Zuwanderung aus Afrika insbesondere aus Kapverden, Mozambique, Guinea Bissau und Angola beobachten. Die sich belebende spanischen Wirtschaft nach dem Ende der Franco-Diktatur wird als Hauptgrund für diese Entwicklung angesehen (vgl. Giménez Romero 1993b: 267). Im Jahre 1988 begann die Zuwanderung von Senegalesen nach Madrid. Viele kamen von den kanarischen Inseln, wo sie zuvor in der Fischerei tätig waren. Das Profil der afrikanischen Migranten trägt seitdem drei vorrangige Merkmale: die Zuwanderer sind überwiegend jung, männlich und allein stehend (vgl. Giménez Romero 1993b: 268). Die Haupteinwanderungsländer seit Beginn der 1990er sind Angola und Nigeria, Senegal und Liberia. Die sich vergrößernde Zuwanderung erklärt sich mit der wachsenden Attraktivität Spaniens als Migrationsziel, mit der schlechten politischen und ökonomischen Situation in den Herkunftsländern sowie der Sättigung der traditionellen Einwanderungsländer wie Frankreich, die zunehmend versuchten, sich vor weiterer Einwanderung abzuschirmen. Im Jahre 2000 hat die Phase der undokumentierten afrikanischen Migration begonnen. Viele Afrikaner versuchen den unregistrierten Grenzübertritt, da die Möglichkeiten Asyl oder einen anderen Aufenthaltsstatus zu erhalten, durch die restriktiven Zuwanderungspolitiken, wie verstärkte Grenzkontrollen und der Einschränkung der Möglichkeiten einen Aufenthaltsstatus
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zu erwirken, stark begrenzt wurden, wohingegen die Anziehungskraft der Europäischen Union unangefochten weiter besteht.
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5. Das Stadtviertel Embajadores/ Lavapiés
Das Stadtviertel Embajadores ist eines von fünf Stadtvierteln des Madrider Bezirks Centro. Als zweitgrößtes Stadtviertel erstreckt es sich über eine Fläche von 101,11 Hektar (vgl. Anuario Estadístico 2006). Die Bevölkerungsdichte liegt bei 500 Personen pro Quadratmeter. Besser bekannt ist
Embajadores unter ursprünglichen Namen: Lavapiés. Das gelegene Embajadores/ Lavapiés ist eines der Stadtviertel Madrids. Mehr als 50 Nationalitäten
sind Teil dieses „barrio multiéthnico“ (Vega 1999: 108) Embajadores/ Lavapiés ist bekannt für sein multikulturelles Ambiente und Restaurants mit Küchen aus aller Welt. Es existiert eine starke Verbundenheit und Identifizierung der alteingesessenen Bevölkerung, aber auch der dort lebenden Migranten mit ihrem Stadtviertel (vgl. Giménez Romero 2000, o.S.). Im ehemaligen Arbeiterviertel gehört auch heute noch der Großteil der einheimischen Bevölkerung zur unteren Mittelklasse bzw. Unterklasse. Mit 16 Prozent Arbeitslosigkeit verdeutlichen sich die sozialen Problemlagen im Stadtviertel (vgl. Censos de Población y Vivienda 2001). Das Bildungsniveau weist zwei Spitzen auf. Zum einen verfügen 12,3 Prozent der Bevölkerung über keine Schulbildung und 19,8 Prozent über eine elementare Schulbildung von sechs Jahren. Demgegenüber besitzen 20,2 Prozent der Quartiersbevölkerung einen Universitätsabschluss (vgl. Censos de Población y Vivienda 2001). Die Zahl der Bewohner mit höherer Bildung ist seit den letzten Jahren ansteigend und wird ersten Gentrifizierungstendenzen zugeordnet.
Generell ist Embajadores/ Lavapiés in den letzten Jahren intensiven Veränderungen ausgesetzt. Die Bevölkerungszusammensetzung wird durch den fortwährenden Zuzug von
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Migranten stetig heterogener. Der Prozess der Multikulturalisierung hat sichtbare Auswirkungen auf die Gewerbestruktur. Traditionelles Gewerbe, wie Schuster- oder Eisenwarengeschäfte, werden verkauft oder neu an Migranten vermietet, die dort Geschäfte errichten, welche sich vorrangig an Migranten als Käufer richten.
Das fünfte Kapitel widmet sich der Beschreibung und Herausarbeitung der Besonderheiten von Embajadores/ Lavapiés. Als erstes soll die historische Entwicklung von Embajadores/ Lavapiés bis heute insbesondere in Bezug auf seine Bewohner dargelegt werden. Anschließend werden der Wohnungsmarkt und die Gebäudestruktur vorgesellt. Die hier bestehenden Probleme haben Revitalisierungs- und Sanierungspläne seitens der Stadtpolitik nötig werden lassen. Sie werden im nächsten Abschnitt vorgestellt. Nach einer kurzen Ausführung über die Zuwanderung nach Embajadores/ Lavapiés endet dieses Kapitel mit einem Exkurs zur wissenschaftlichen Diskussion über die Existenz von Ghettos in Spanien im Zusammenhang mit der Vorstellung des Konzepts „Patchwork-Raum“ für Embajadores/ Lavapiés.
5.1. Historische Entwicklung bis heute
Das heutige Stadtviertel Lavapiés entwickelte sich im 7. Jahrhundert aus einem Viertel, welches ehemals außerhalb der Stadtmauer Madrids lag. Mit der Verlegung der Parlaments im Jahr 1561 und der Residenz aus dem nahe gelegenen Toledo im Jahr 1588 durch Felipe II. begann der Aufstieg Madrids. Madrid wurde de facto zur offiziellen Hauptstadt Spaniens, was es - abgesehen von einer kleinen Unterbrechung von 1601 bis 1606 - bis zum heutigen Tag geblieben ist. Im Jahre 1620 erfolgte die Eingliederung Lavapiés in die Stadt. Seitdem ist es als Stadtviertel bekannt. Eine abgegrenzte Verwaltungseinheit stellte Lavapiés erstmals im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts dar. Während des Zeitalters der Aufklärung entstanden in Lavapiés Fabriken und erste Werkstätten. Seit dem 19. Jahrhundert und der Zeit des Madrileñismo verbindet die Bewohner eine starke Verbundenheit mit Lavapiés 15 . Im 19. und 20. Jahrhundert während des Prozesses der Städtebildung im Zuge der Industriellen Revolution fand die erste namentliche Erwähnung Lavapiés’ statt. Tausende
15 Mehr Informationen zur historischen Entwicklung von Lavapiés finden sich in der Publikation «Lavapiés: Pasado, presente y futuro de un barrio cosmopolita» von Bernardo Veskler, 2004.
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Menschen aus ländlichen Regionen strömten nach Madrid, um Arbeit zu suchen. Zur Wohnraumversorgung wurde jeder freie Platz bebaut. Das Städtewachstum und die Bautätigkeiten in Lavapiés, welches sich räumlich nicht ausdehnen konnte, verliefen weitgehend unkontrolliert. Der vorherrschende Bautyp war die „corrala“. Die ersten corralas wurden bereits Anfang des 16. Jahrhunderts gebaut.
Die corrala war der vorherrschende Bautyp in Lavapiés zur Zeit der Industrialisierung. Jede corrala hatte zwei zentrale Merkmale: einen Innenhof und Galeriegänge, die den Zugang zu den Wohnungen ermöglichten. Jede Wohnung war nicht mehr als 30 m 2 groß, oft waren es nur 20 m 2 . In ihnen gab es im Regelfall zwei Schlafzimmer, eine Küche und ein Durchgangszimmer bzw. Flur, der als Esszimmer diente. Sanitäre Anlagen teilten sich alle Bewohner einer Etage. Es gab kein Bad, keine Heizung, wenig Licht und die Belüftung war schlecht (García 2007: o.S.). In den überbelegten Wohnungen lebten die Landflüchtlinge und ökonomisch schlecht gestellten Personen. Viele Familien teilten sich die kleinen Wohnungen. Ein Familienleben in Wohnungen, die einen abgeschlossen Lebensraum zur Gesellschaft darstellten, war nur wenigen vorbehalten (vgl. Giménez Romero 2006: o.S.). Diese Zeit gab Lavapies die Charakteristika, die es bis heute behalten hat. Lavapiés ist ein Viertel für Leute mit begrenzten ökonomischen Ressourcen. Sie leben marginalisiert und unter schlechten Wohnbedingungen.
Im Jahre 1970 verschwand Lavapiés als Bezirk und wird fortan Embajadores zugeordnet, welches neben Justicia, Palacio, Cortes, Universidad und Sol als Teilgebiet zum Bezirk Centro gehört.
Mit der Verlegung der Fabriken für die Herstellung von Bier, Tabak und Autos in den peripheren Raum verließen viele Menschen Embajadores/ Lavapiés. Das demographische Altern des Viertels wird seit den 1970er Jahren deutlich. Trotz Abwanderung bleibt die hohe Wohn- und Bevölkerungsdichte erhalten. Im Jahre 1970 lebten 76.537 Einwohner in Embajadores/ Lavapiés 16 . Trotz des Verlustes von knapp 24.000 Einwohnern bis zum Jahre 2006, wo die Bevölkerungszahl bei 52.792 lag, befindet sich die Bevölkerungsdichte weit über dem Madrider Durchschnitt. Im Gegenzug zur steigenden Zahl der Migranten in Embajadores/ Lavapiés sinkt die Zahl der Spanier. Der Ausländeranteil der dort lebenden Spanier wuchs von 0,82 Prozent im Jahre 1977 auf 35,16 Prozent mit 18,563 gemeldeten Migranten im Jahre 2006 an. Zu dieser Zahl lässt sich ein nicht unbeträchtlicher Teil undokumentierter Migranten zählen.
16 Alle im folgenden Abschnitt genannten Daten entstammen dem Padrón Munical de Habitantes, abrufbar unter www.munimadrid.es.
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Der verstärkte Zuzug von Migranten seit den 1990er Jahren kann den Wegzug von Spanier nicht ausgleichen, löste aber einen demographischen, sozialen und ökonomischen Wandel in Embajadores/ Lavapiés aus. In die freien Wohnungen ziehen Migranten. Embajadores/ Lavapiés entwickelt sich zu einem Anziehungspunkt für Migranten mit geringen ökonomischen Ressourcen. Die Migranten haben das Viertel und die
corralas
wieder bevölkert und den Altersdurchschnitt verringert. Es ist aber wichtig zu betonen, dass sich Embajadores/ Lavapiés bereits im soziodemographischen Wandel befand, bevor Zuwanderer begannen sich dort niederzulassen. Ebenso ist die Abwertung der Wohnungen und des Quartiert nicht der Ankunft von Migranten geschuldet, sondern das Ergebnis der jahrelangen Nicht-Investierung seitens der privaten Inhaber bzw. der öffentliche Hand. Mit der zunehmenden
Anzahl von Migranten in Embajadores/ Lavapiés und revitalisierte sich nicht soziodemographische Zusammensetzung der Bevölkerung, sondern auch Gewerbestruktur. Der Sektor traditionellen Gewerbes verringerte sich bei gleichzeitiger Etablierung neuer Läden, welche von Migranten betrieben werden und sich an diese richten, wie beispielsweise Modegeschäfte, Geschenkläden, Frisörläden oder Restaurants. Im Vergleich zum Jahre 2002 erhöhte sich die Anzahl ethnischer Gewerbe von 407 auf 641 im Jahre 2005. Mehr als 60 Prozent der Gewerbe werden von Chinesen betrieben. Sie verkaufen zumeist Textilien, Elektroartikel oder Lebensmittel. Afrikaner waren im Jahre 2002 mit 25 Geschäften, was einem Anteil von vier Prozent entspricht, in Embajadores/ Lavapiés vertreten (vgl. Riesco Sanz 2007: 8f.).
Die Identität des Stadtviertels wird zunehmend als eine ‚multikulturelle’ wahrgenommen, wodurch sich zunehmend junge, gut ausgebildete, kinderlose Spanier in Embajadores/ Lavapiés niederlassen. Einige Autoren sehen in ihnen Pioniere und sprechen von ersten Gentrifizierungstendenzen (vgl. Giménez Romero 2006, o.S.). Sie schätzen die Zentralität, die
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günstigen Mietpreise, das Authentische des Viertels sowie die multikulturelle Mischung. Von einer einsetzenden Gentrifzierung lässt sich jedoch allenfalls für den nördlichen, zentrumsnäheren Teil Embajadores/ Lavapiés sprechen. Das Herz Lavapiés’ und das Erhebungsgebiet dieser Studie sind, wie später erkennbar wird, nicht davon betroffen.
5.2. Wohnungsmarkt und Gebäudestruktur
In Embajadores/ Lavapies gibt es entsprechend den Daten der Censos de Población y Vivienda (2001) insgesamt 2.132 Gebäude. Von diesen sind 1.766 vorrangig für das Wohnen bestimmt und gestaltet. Der Großteil dieser Häuser, 841 an der Zahl (47,2 %), wurde vor dem 19. Jahrhundert erbaut. Es handelt sich dabei überwiegend um corralas. Zwischen 1900 und 1950 kamen weitere 592 Häuser (33,5 %) zum heutigen Gebäudebestand in Embajadores/ Lavapiés hinzu. Allein 333 Gebäude (18,9 %) wurden nach dem Jahr 1950 erbaut. Bei den Besitzern der Wohnhäuser und Wohnungen handelt es sich zu 99 Prozent um private Eigentümer. Lediglich ein Prozent obliegt Handelsgesellschaften. Die Stadt Madrid verfügt über kein Gebäude. Diese Eigentumsverhältnisse erklären zum Teil den Zustand der Häuser. Allein 42,5 Prozent der Gebäude befinden sich nach vielen Jahren fehlender Investitionen durch die Eigentümer in einem sehr schlechten bis mangelhaften Zustand. Nur 14 Prozent der Gebäude beziehen Warmwasser aus der zentralen Versorgung.
In Embajadores gibt es 28.818 Wohnungen. Davon sind 18.991 als Erstwohnungen gemeldet und von durchschnittlich 2,18 Personen bewohnt. Die Wohnungsanzahl ist herausragend, da der Durchschnitt für den Stadtteil Centro bei 9.404 Hauptwohnungen liegt. Weiterhin sind 2.858 Wohnungen als Zweitwohnungen gemeldet. Weitere 6.527 Wohnungen stehen offiziell leer. Von diesen wurden 4.577 Wohnungen vor 1900 und zwischen 1920 und 1950 gebaut.
Von den 18.991 Erstwohnungen sind 42 Prozent als infravivienda klassifiziert, d.h. sie verfügen über bauliche Mängel und Probleme mit den Installationen. Es handelt es sich hier zumeist um die corralas. Bei 14 Prozent dieser Wohnungen sind diese Mängel schwerwiegend. In diesem Wohnsegment befinden sich überwiegend Migranten, insbesondere jene ohne Aufenthaltstitel eine Unterkunft.
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Allein 12 Prozent der Erstwohnungen verfügen über eine Zentralheizung. Ein Heizapparat wird in 43,5 Prozent der Wohnungen zur Wärmeerzeugung genutzt. Der Quadratmeterpreis für Wohnungen aus zweiter Hand in Embajadores/ Lavapiés lag 2005 bei 3,852 Euro pro m 2 . Das bedeutet einen Anstieg von 13,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch ist Embajadores/ Lavapiés der mit Abstand günstigste Stadtteil im Zentrum Madrids.
5.3. Stadtpolitik: Revitalisierungspläne
Wie bereits dargestellt, wurde fast die Mehrheit der Gebäude in Embajadores/ Lavapiés vor dem 19. Jahrhundert gebaut. Fehlende Investitionen zum Erhalt und zur Modernisierung der Gebäude und Wohnungen seitens der überwiegend privaten Eigentümer über Jahrzehnte führten letztlich zur Degradierung des Stadtviertels (vgl. Giménez Romero 2000, o.S.) . Auf die schlechten Wohn- und Lebensbedingungen in Embajadores/ Lavapiés reagierte die Stadt Madrid im Jahre 1997 erstmals im Rahmen einer Kooperation mit dem Wohnungsbauministerium und dem Land Madrid zur Umsetzung des Plan Estratégico de Revitalización del Centro Urbano.
Mehr als die Hälfte von Embajadores/ Lavapiés’ wurde als dringliches Gebiet für Erneuerungen eingestuft. Innerhalb von zwei Arbeitsphasen, 1998 bis 2003 sowie 2003 bis 2008, sollen Grundstandards bezüglich Belüftung, Licht, sanitärer Einrichtung, Installationen wie Gas, Wasser und Strom hergestellt sowie eine Verbesserung des Umfelds, des Ambientes und der Wiederbelebung der historischen und kulturellen Identität erreicht werden. Für die Restaurierung von Gebäuden und Wohnungen ist ein Investitionsvolumen von 26,6 Millionen Euro plus die Eigenbeteiligung der privaten Eigentümer, was oftmals nicht unproblematisch ist, angesetzt. Zur Gestaltung öffentlicher Plätze und zur Verbesserung der Infrastruktur stehen 14 Millionen Euro zur Verfügung 17 .
17 Mehr Informationen finden sich bei der Dirección general de arquitectura y vivienda, Consejería de medio ambiente y ordenación del territorio unter www.munimadrid.es.
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5.4. Zuwanderung
Im Jahre 2006 verfügte Embajadores/ Lavapiés über den zweithöchsten Ausländeranteil unter allen den Madrider Stadtvierteln mit 34,17 Prozent nach San Christobal, einem peripher gelegenen Stadtgebiet 18 . Besonders an Embajadores/ Lavapiés ist die hohe Konzentration an Zuwanderern auf relativ wenig Raum. Am stärksten vertreten sind Mittel- und Südamerikaner mit 15,53 Prozent. An zweiter Stelle stehen Afrikaner mit einer Einwanderung von 5,08 Prozent. Bürger der Europäischen Union sind keine relevante Zuwanderungsgruppe.
Das Stadtviertel Embajadores/ Lavapiés wird in der wissenschaftlichen Literatur mit undokumentierter Zuwanderung aus Afrika in Verbindung gebracht (vgl. Giménez Romero 2000). Maßgeblich für diese Vermutung ist die zunehmende Präsenz von Afrikanern im Stadtraum, welche die Zahlen der Einwohnermelderegister nicht widerspiegeln.
5.5. Lavapiés ein Ghetto? - Das Konzept „Patchwork-Raum“
In der spanischen sozialwissenschaftlichen Forschung wird viel über die Bildung von Migranten-Ghettos diskutiert (z.B. Chulilla Cano/ Azagra Albericio 2005; Veiga Martínez 1999; Cebrián 1998; Giménez Romero 1993b). Letztendlich kamen alle Autoren zu dem Schluss, dass in Spanien keine Bildung von Ghettos beobachtbar ist. Giménez Romero spricht von punktuellen Konzentrationen, allenfalls Enklaven oder Kolonien, und betont, dass die Verwendung des Wortes Ghetto der Realität nicht entspräche (vgl. Giménez Romero 1993b: 272). Hinsichtlich der Bevölkerungszusammensetzung liege immer eine Mischung von Spaniern und Migranten vor, so Veiga Martínez (vgl. 1999: 23, 119). Die Autoren Chulilla Cano und Azagra Albericio stellen eher eine Tendenz zur Präsenz multipler Gemeinschaften in städtischen Vierteln fest und entwickelten das Konzept espacio patchwork am Beispiel von Embajadores/ Lavapiés (vgl. Chulilla Cano/ Azagra Albericio 2005: 65ff.).
Embajadores/ Lavapiés hat in den letzten 15 Jahren eine Wiederbelebung und Neudefinierung des öffentlichen Raum durch die Anwesenheit unterschiedlicher Migrantengruppen erfahren. Das Konzept espacio patchwork meint nicht nur die räumliche Konzentration verschiedener
18 Alle Daten in diesem Abschnitt sind abrufbar auf der offiziellen Webpräsenz der Stadt Madrid, www.munimadrid.es.
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Gruppen, sondern geht von Individuen aus, die ein Stadtviertel durch ihre Aktionen und Perzeptionen neu gestalten.
Konträr zum Konzept espacio patchwork steht der espacio patchwork desequilibrado. Hier wird der öffentliche Raum in einem Stadtquartier durch die Dominanz einer Migrantengruppe besetzt und nach ihren Vorstellungen verändert. Andere Gruppen müssen sich diesem Prozess unterordnen.
In Bezug auf irreguläre Zuwanderung ist von einem espacio patchwork desequilibrado zu sprechen. Die einzelnen Gruppen besetzen unterschiedliche öffentliche Räume. Wie die im späteren Verlauf dargestellten Untersuchungsergebnisse zeigen werden, sind die Kontakte zwischen den Migrantengruppen und der Einwanderungsgesellschaft sehr gering und oftmals von Distanz, Misstrauen und Ablehnung geprägt.
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6. Konzeption der Studie
Mittels einer Vielzahl von angewandten Methoden, in deren Zentrum ein teilstandardisierter Fragebogen stand, wurden in der vorliegenden Studie undokumentierte Migranten im Madrider Stadtteil Embajadores/Lavapiés befragt. Aufgrund der Schwierigkeit des Zugangs zur Befragtengruppe und der schlechten Datenlage handelt es sich um eine explorative Studie. Die gewonnenen Ergebnisse sind aufgrund der geringen Fallzahl von 21 nicht repräsentativ.
In diesem Kapitel sollen beginnend die konzeptionellen Grundüberlegungen zur Wahl des quantitativen Forschungsansatzes erläutert und die Untersuchungsmethode vorgestellt werden. Im Anschluss wird die Auswahl von Spanien als Untersuchungsland und des Madrider Stadtviertels Embajadores/ Lavapiés als Befragungsort begründet. Methodische Überlegungen und praktische Erfahrungen zum Zugang, zur Auswahl und zur Interviewweise der Befragten sowie die Änderungen des Fragebogens nach der Durchführung eines Pretests werden im letzten Teil des Kapitels vorgestellt.
6.1. Forschungsansatz: quantitative vs. qualitative Forschung
Ein qualitativer Forschungszugang wird gewählt, um einen Einblick in ein kaum erforschtes Feld zu erhalten. Mittels (biographischen) Interviews oder (teilnehmenden) Beobachtungen sollen tiefgehende Informationen gesammelt sowie Hintergründe und Zusammenhänge erfasst werden. Trotz bestehenden Verfahren der Erhebung und Auswertung qualitativ erhobener Daten wird diesen Verfahren oftmals Subjektivität und fehlende Vergleichbarkeit unterstellt. Im Fall der Studie zu undokumentierten Migranten in München von Philip Anderson unter Mitarbeit von Jörg Alt wurde zudem weitgehend bewusst auf die Erhebung soziodemographischer Merkmale verzichtet, um die Anonymität der Befragten zu gewähren (vgl. Anderson 2003: 14).
In der quantitativen Forschung geht es um die Verteilung bestimmter Eigenschaften in der Bevölkerung bzw. einer Bevölkerungsgruppe durch die systematische Messung und Auswertung von sozialen Fakten mit Hilfe verschiedener Erhebungsinstrumente (vgl. Oswald 2007 24f.).
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Die Forschungslage für undokumentierte Migranten in Europa ist noch nicht ausreichend fundiert. Inzwischen liegen jedoch für fast alle europäischen Länder qualitative Studien zur Situation von undokumentierten Migranten vor. Die gewonnenen Daten weisen ähnliche Muster auf 19 . Der Stand der qualitativen Forschung ist ausreichend um Hypothesen abzuleiten. Die Durchführung eines linearen Forschungsprozesses, von einem theoretischen Problem ausgehend, ist daher möglich. Die gewonnen Daten können einen Handlungsbedarf abschätzen und die bisher fehlende Basis für Integrationsstrategien sein. Das die zu erwartende Fallzahl nicht sehr hoch sein wird, ist nicht zwangsläufig negativ zu sehen. Die Befragtengruppe ist eher klein ist und es besteht ein erschwerter Zugang 20 . Diese Studie soll einen Anfang der quantitativen Forschung in diesem Feld bilden. Aufgrund begrenzter ökonomischer und zeitlicher Ressourcen ist die Studie explorativ angelegt und nicht repräsentativ, folgt man den Aussagen von Schnell, Hill und Esser (vgl. 2005: 204ff.). Nach Ansicht der Autorin der vorliegenden Arbeit sind die später vorgestellten Ergebnisse wenigstens als teilweise repräsentativ zu erachten. Im Sinne des Ansatzes „weniger ist mehr“ (vgl. Alt 2003: 48) ist nicht nur die Anzahl der geführten Interviews ausschlaggebend, sondern ebenso deren Qualität, da in diesem brisanten Forschungsfeld hohe Fallzahlen nicht zu erwarten sind. Trotz des Vorbehalts eingeschränkter Repräsentativität soll die vorgelegte Studie dazu dienen, einen Betrag zur Entwicklung eines Forschungsdesigns für weiterführende und größer angelegte Studien darzulegen 21 . Ebenso sollen Daten kreiert werden, an die, mit höheren finanziellen, personellen und ökonomischen Ressourcen ausgestattete, Untersuchungen anknüpfen können.
6.2. Untersuchungsmethoden
Im Zentrum der Erhebung steht ein teilstandardisierter Fragebogen. Mit ihm sollen vergleichbare Daten erhoben werden. Aufgrund der Komplexität des Themas und der Schwierigkeit des Zugangs werden weitere, im folgenden vorgesellte Methoden angewendet, welche durch eine Perspektiventriangulation mit der Gegenüberstellung von
19 Auflistung verschiedener Studien unter Forschungsstand in Kapitel 1
20 Betrachtet man die Befragtengruppen der Studien von Jörg Alt in Leipzig, München und Berlin, von denen Schlüsse auf die Lebenssituation von undokumentierten Migranten im Allgemeinen geschlossen werden, zeigt sich, dass für viele Herkunftsregionen wie Lateinamerika mit drei oder Afrika südlich der Sahara nur mit fünf von insgesamt 97 Interviews vertreten sind. Ost- und Mitteleuropäer sind hingegen überproportional vertreten mit 55 geführten Interviews (vgl. Alt 2003: 52).
21 Die Autorin empfiehlt ein einheitliches Forschungsdesign zu entwickeln, welches in der europäischen Forschung angewendet wird, um die Daten trotz geringer Fallzahlen vergleichbar macht.
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Vergleichsgruppen (vgl. Alt 2003: 39) vervollständigt werden soll. Die Befragtengruppen beschränken sich auf zwei Nationalitäten: entsprechend der Kontakthäufigkeit während der Feldforschung konkret auf Guinea und Senegal. Mit Hilfe von Interviews mit Vertretern der Assoziationen von Guinea und Senegal sollen außerdem Hintergrundinformationen und neue Entwicklungen innerhalb der Migrantengruppen erfasst werden. Der Befragung vorausgegangen ist eine zweiwöchige Feldforschungsphase. In dieser Zeit standen das ‚sich ein Bild machen’ und die Kontaktaufnahme im Vordergrund. Durch nichtteilnehmende Beobachtungen im Quartier an zentralen Plätzen, Quartiersbegehungen und regelmäßigem Aufsuchen von Cafés, welche als Treffpunkt für eine Migrantengruppe fungierten, kam es zu ersten informellen Gesprächen. Weiterhin wurden nach dem Vorbild der Studien von Jörg Alt Kontaktpersonen bzw. Schlüsselpersonen für Einwanderer aus Guinea und Senegal akquiriert (vgl. Alt 2003: 62). Sie sind wichtig für die Vermittlung von potentiellen Interviewpartnern, sie überprüfen die Glaubwürdigkeit der gemachten Aussagen, stellen Kontextwissen zur Verfügung und fungieren wie im Fall von den guineerischen Einwanderern als Übersetzer des Fragebogens in verschiedene regionale Dialekte.
Die Entscheidung gegen ein qualitatives Vorgehen fiel innerhalb der Feldforschungszeit. Die ersten Kontakte mit der zu untersuchenden Gruppe zeigten, dass eine Interviewführung aufgrund von sprachlichen Problemen kaum möglich war. Obwohl viele undokumentierte Migranten aus frankophonen Ländern stammen und teils schon mehre Jahre in Spanien leben, war in vielen Fällen nur unter großen Mühen eine Konversation auf Französisch oder Spanisch möglich. Der Großteil sprach landesübliche Dialekte. Im Fall von Senegal ist dies Wolof und bei den Guineern Fulfulde, Malinke und Susu.
Eine Interviewführung auch mit einem lockeren Interviewstil wäre, wie Vorgespräche ergaben und wie mir meine Kontaktpersonen rieten, nicht sinnvoll. Undokumentierte selber entscheiden zu lassen, worüber sie sprechen wollen, würde viele Fragen unbeantwortet lassen. Ein teilstandardisierter Fragebogen, welcher auch qualitative Elemente enthält, steht für mehr Anonymität und macht es für undokumentierte afrikanische Migranten einfacher auch heikle Fragen zu beantworten, insbesondere was persönliche Daten und Daten zur Arbeitssituation betrifft.
Aus den Erkenntnissen der ersten Literaturrecherche, Gesprächen mit Kontaktpersonen und ersten Quartiersbeobachtungen wurde ein Fragebogen entwickelt, der vielseitig einsetzbar ist. Erstens - soweit dies möglich - sollte der Fragebogen mit den Befragten zusammen ausgefüllt.
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Aufgabe des Interviewers war es die entsprechenden Antworten im Fragebogen zu markierten oder beim selbstständigen Ausfüllen durch den Befragten bei eventuellen Fragen Hilfestellung zu leisten sowie bei unbeantworteten Fragen diese erneut anzusprechen. Bei einem Gespräch galt es neue Informationen zu notieren.
Wie sich während der ersten Annäherung an die Untersuchungsgruppe herausstellte, verfügten viele der befragten Senegalesen und Guineer nur über eine elementare Schulbildung und hatten daher Probleme mit dem Lesen und Schreiben. Einige waren Analphabeten. In diesem zweiten Fall wurden die Fragen der Interviewer vorgelesen. Weiterhin ergab die erste Feldforschung, dass Personen der Befragtengruppe den Wunsch äußerten, den Fragebogen mit nach Hause nehmen zu wollen. Einerseits, weil es ihnen im geplanten Befragungsmoment an Zeit fehlte und andererseits, weil sie jemanden kennen würden, der über gute Französischkenntnisse verfüge und ihnen beim Ausfüllen des Fragebogens helfen konnte. Aus diesem Grund verfügt der Fragebogen über ein Anschreiben. Um eine repräsentativere, sprich höhere Fallzahl zu erreichen, wurden außerdem einige Fragebögen in Geschäften platziert, deren Inhaber Guineer oder Senegalesen sind und sich in ihren Produkten vorrangig an die eigene Bevölkerungsgruppe richten. Nach Gesprächen mit dem jeweiligen Besitzer und der Erklärung des Vorhabens durch die Autorin erklärten sich alle Personen bereit, die Fragebögen an Bekannte ohne regulären Aufenthaltsstatus weiterzuleiten.
6.3. Auswahl des Untersuchungslandes/ -ortes
Vergleicht man die Zuwanderungszahlen in den südlichen Ländern Europas wird schnell deutlich, dass Spanien das Land mit der höchsten Anzahl an versuchten unregistrierten Grenzübertritten in die Festung Europa ist 22 . Spaniens Wandel zum Einwanderungsland hat sich vom ehemaligen Transitstaat als südliches Land der Europäischen Union zum Zielland von Migration entwickelt. Wie bereits in Kapitel vier dargestellt, bewirkt die Internationalisierung der spanischen Wirtschaft die verstärkte die Konzentration der Wirtschaftstätigkeit in den Metropolen Barcelona und Madrid. Migranten mit ökonomischen Motiven gehen tendenziell in Städte ökonomisch motiviert (vgl. Chulilla Cano/ Azagra
22 Genauere Informationen finden sich unter www.migration-info.de. Die Seite stellt eine Kooperation zwischen dem Netzwerk für Migration in Europa, der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Hamburger WeltWirtschaftsInstitut.
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Albericio 2005: 19). In ihnen finden sich verschiedene Beschäftigungs- und Wohnmöglichkeiten. Weiterhin ermöglichen Städte es irregulären Migranten unentdeckt zu leben (vgl. Gómez Quintero 2002: 121).
In den letzten Jahren kamen viele Migranten nach Madrid und weniger nach Barcelona, welche traditionell als bevorzugte Einwanderungsregion galt. Médicos del Mundo schätzen dass im Jahre 1997 50.000 irreguläre Migranten in Madrid wohnten (vgl. Llamas/ Martínez Pardo 1997: 67) - eine Zahl, die sich bis heute mehr als verdreifacht haben müsste. Mehr als die Hälfte aller irregulären Einwanderer leben in Madrid oder Barcelona (vgl. Llamas/ Martínez Pardo 1997: 67), wobei Madrid als Hauptanziehungspunkt für Migration aus Afrika gilt (vgl. D’Ocón 1993: 153) Auch ländliche Regionen in Andalusien und Murcia weisen hohe Konzentrationen von undokumentierten Migranten auf.
Madrid wurde als Untersuchungsstadt gewählt, weil es aufgrund seiner geographischen Lage weniger als Barcelona zum Transit nach Frankreich geeignet ist. Dies legt die Vermutung nahe, dass irreguläre afrikanische Einwanderer eine Lebensmittelpunktverlagerung nach Madrid anstreben könnten. Die Daten sprechen für die Zunahme der irregulären afrikanischen Migration insbesondere nach Madrid. Dieses Phänomen ist im Moment weder beschreiben noch erklärt. Es gibt keine Studien zu irregulären Migranten in der Madrid. Der Forschungsbedarf ist entsprechend hoch.
6.4. Auswahl des Stadtviertels Embajadores/ Lavapiés
Migrationsbewegungen werden oftmals in räumlichen Konzentrationen der Zuwanderer in städtischen Gebieten in den so genannten ehemaligen transitorischen Zonen sichtbar (vgl. Han 2005: 258). Es lässt sich daher annehmen, dass sich undokumentierte afrikanische Einwohner in ehemaligen Arbeitervierteln im Zentrum niederlassen, welche nach Jahren fehlender Investitionen degradiert wurden. Weiterhin ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sich Migranten aufgrund von Migrationsketten in Vierteln niederlassen, wo bereits eine hohe Konzentration ihrer Nationalität vorherrscht und unter Umständen bereits Verwandtschaftsverhältnisse oder Freundschaftsverhältnisse bestehen. Teilweise existiert, wie bereits angesprochen, eine Signalfunktion des Viertels. Diesen zwei Ausgangsannahmen entsprechend zeigt sich im Madrider Stadtviertel Embajadores/ Lavapiés die größte Zahl registrierter Migranten, auch afrikanischer, im
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Innenstadtraum. Wie Abbildung sechs zeigt, liegt der Ausländeranteil teilweise über 50 Prozent.
Abb. 6 Ausländeranteil in Embajadores in Prozent, Quelle: Dirección General de Estadística, Daten vom 1. November 2006, www.ine.es.
Über die letzten Jahre haben sich in Madrid Ähnlichkeiten zu ethnischen Kolonien gezeigt. Schwarzafrikaner 23 sind mit weniger als zwei Prozent der ausländischen Bevölkerung in Embajadores/ Lavapiés (vgl. Padrón Municpal de Habitantes 2007) keine stark ins Gewicht fallende Zuwanderungsgruppe. Das Besondere ist ihre Präsenz in Embajadores. Sie tragen zur Veränderung der symbolischen und physischen Identität des Viertels bei (vgl. Barañano Cid u.a. 2004). Ecuadorianer stellen im Viertel die größte Zuwanderungsgruppe dar, sind jedoch nicht sichtbar. Eine afrikanische Kolonie unter Ausschluss von Menschen aus dem Maghreb lässt sich im Innenstadtraum nur im Stadtviertel Embajadores nachweisen. Genauer gesagt: im Dreieck zwischen c/ Amparo, Mesón de Paredes und Lavapiés (vgl. Giménez Romero 2000, o.S.). In diesen Kolonien sind 80 von 100 Prozent der Bewohner ohne regulären Aufenthaltstitel (vgl. Giménez Romero 1993b: 273). Das geschilderte Dreieck entspricht den Verwaltungseinheiten 034, 0,35, 042, 043, 048, 050 und soll daher das Erhebungsgebiet der vorliegenden Studie sein.
23 Schwarzafrika bezeichnet den Teil des afrikanischen Kontinents, der sich südlich der Sahara befindet.
Gelegentlich wird auch der Begriff Subsahara-Afrika verwendet werden. Für Embajadores sind allein folgende Länder relevant: Burkina Faso, Angola, Kap Verde, Kamerun, Kongo, Elfenbeinküste, Gambia, Ghana. Guinea Bissau, Äquatorialguinea, Liberia, Madagaskar, Mali, Mozambique, Nigeria, Südafrika, Senegal, Sudan, Tansania, Togo.
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Abb. 7 Anteil der Afrikaner in Embajadores in Prozent, Quelle: Dirección General de Estadística, Daten vom 1. November 2006, www.ine.es.
Im in der Abbildung sieben markierten Untersuchungsgebiet leben 38,3 Prozent der Guineer und 47,23 Prozent der Senegalesen, die in Embajadores/ Lavapiés gemeldet sind. Der Rest lebt in den Zonen um das Erhebungsgebiet. Das Erhebungsgebiet stimmt weitgehend mit dem traditionellen Stadtviertel Lavapiés überein. Weiterhin enthält es die wichtigsten öffentlichen Plätze Plaza de Lavapiés und Plaza de Cabestreros, die als Treffpunkt für Migranten gelten: Oftmals wird in der Literatur die Bedeutung von öffentlichen Plätzen als Treffpunkt für Migranten geschildert.
Ein weiterer Punkt, der für Embajadores/ Lavapiés als Untersuchungsgebiet spricht, ist die räumliche Begrenztheit, was die Kontaktwahrscheinlichkeit erhöht.
6.5. Zugang und Auswahl der Befragten
Zuerst wird die Auswahl der Grundgesamtheit vorgestellt und begründet. Anschließend werden der Zugang und die Überlegungen zur Auswahl der Befragtengruppen erläutert.
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Bestimmung der Grundgesamtheit
Im Zentrum dieser Studie steht die Forschung zur Auswirkung der Wohnsituation auf die Lebensbedingungen irregulärer Wirtschaftsflüchtlinge aus Afrika. Im Zuge der Feldforschung lag die Kontakthäufigkeit bei undokumentierten männlichen Migranten aus Guinea und dem Senegal am höchsten. Außerdem gehören Guinea wie Senegal zu den frankophonen Ländern, was die Möglichkeit der Verständigung auf Französisch theoretisch ermöglichte. Beide Nationalitäten lassen sich, wie die Ergebnisse der Studie später untermauern werden, dem Typus des Wirtschaftsmigranten zuordnen. Beide Länder sind relativ befriedet, daher handelt es sich im Regelfall nicht um politische Flüchtlinge oder Kriegsflüchtlinge. Im Senegal leben 54 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. In Guinea sind es 47 Prozent 24 . Es besteht eine ökonomische Not. Der Madrider Soziologe Giménez Romero stellte in seiner Studie zu Migranten in Madrid bereits im Jahre 1993 fest, dass es sich bei Embajadores/ Lavapiés, um eine Enklave der Senegalesen handelt. Diese leben in gemieteten Wohnungen oder Pensionen. Eine familiäre Neuordnung findet, so Giménez Romero, nicht statt, da die meist jungen und allein stehenden Senegalesen zu wirtschaftlichen Zwecken nach Spanien kommen (vgl. 1993b: 271ff.).
In Embajadores/ Lavapiés sind von 17.468 registrierten Zuwanderern im Jahre 2006 nur 1.018 Schwarzafrikaner 25 . Davon kommen 60 aus Guinea und 794 aus Senegal. Diese Gruppe ist über die Jahre stark gewachsen. Guineer sind nach den Senegalesen die zweitstärkste Population an Schwarzafrikanern in Embajadores/ Lavapiés. Zudem ist die hohe Zahl an Undokumentierten zu beachten, auf 10 registrierte Migranten kommen etwa acht unregistrierte (vgl. Giménez Romero 1993b: 263).
Die höchste räumliche Konzentration der Senegalesen findet im Stadtquartier Embajadores/ Lavapiés statt. Dreiviertel der offiziell registrierten Senegalesen sind männlich. Letzteres gilt auch für die Guineer. Allerdings leben diese in der Stadt verstreuter. Hohe Konzentrationen finden sich in Vierteln, die sich ans Stadtzentrum anschließen, wie Carabanchel oder Villaverde.
24 Daten aus dem World Factbook 2007 der CIA, www.cia.gov/library/publications/the-worldfactbook/index.html.
25 Die Daten in diesem Abschnitt stammen aus dem Padrón Municipal de Habiantes vom 1. Januar 2007 (vorläufige Daten), abrufbar unter www.munimadrid.es.
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Zugang
Im Zuge der Feldforschung im Zeitraum von 4. bis 17. Juni 2007 erfolgte die Entwicklung von Strategien zur Lokalisierung der zu Befragenden. Die Senegalesen mit und ohne Aufenthaltstitel sind im Erhebungsgebiet sehr präsent. Insbesondere auf öffentlichen Plätzen, wie dem Plaza de Cabestrero, wo sie, wie sich im Verlauf der Feldforschung herausstellte, auf Arbeitsangebote warteten, verlief die erste Kontaktaufnahme in Form von informellen Gesprächen relativ unproblematisch trotz großen Verständnisschwierigkeiten. Auf ihren irregulären Aufenthaltsstatus angesprochen, reagierten Senegalesen freundlich und waren zu Aussagen bezüglich ihrer Lebenssituation bereit.
Guineer sind seltener im öffentlichen Raum anzutreffen. Der erste Zugang erfolgte durch den regelmäßigen Besuch der Bar Le Foutah - nach ihren Aussagen das einzige von Guineern betriebene Café in Madrid - sowie über die Gesprächssuche in Lebensmittelläden, ebenfalls von Guineern geführt. Die Kontaktaufnahme zu den Guineern verlief unproblematisch. Sie ließen sich schnell für das Forschungsanliegen gewinnen und waren auskunftsbereit. Ausschlaggebend war, dass die geplanten Interviews im geschützten Umfeld der Bar Le Foutah stattfinden sollten, welche nicht von Spanier frequentiert ist. Die Suche nach Kontaktpersonen bzw. Schlüsselpersonen verlief erfolgreich. Es konnten je ein Senegalese bzw. Guineer für die Studie gewonnen werden. Sie vermittelten Kontakte zu weiteren undokumentierten Migranten und halfen, diese für das Projekt zu interessieren und zur Teilnahme zu motivieren. Die besondere Funktion der Schlüsselperson aus Guinea lag in der Übersetzung des Fragebogens in einen regionalen Dialekt. Das Zeigen von Präsenz und die Regelmäßigkeit des Aufsuchens des Plaza de Cabestreros sowie der Bar Le Foutah demonstrierte der Befragtengruppe die Ernsthaftigkeit des Forschungsanliegens. Viele der zu Befragenden sahen die Befragung als Teil ihrer Überlebensstrategie und ließen sich genau erklären, warum die Daten erhoben werden sollten und wozu sie dienen. Misstrauen und Angst vor einer polizeilichen Entdeckung spielten weniger eine Rolle. Eine ähnliche Erfahrung schildern auch Bilger und van Liempt, welche undokumentierte Migranten in den Niederlanden und Österreich befragten (vgl. Bilger/ van Liempt 2006: 176).
Weibliche Guineer oder Senegalesen wurden während der Feldforschungszeit nicht angetroffen 26 .
26 Dieser Umstand könnte bestätigen, dass die Wirtschaftsmigration aus Afrika ein männliches Phänomen ist
und die Zahl von Frauen, die ökonomischen Motiven folgen, aber nicht in die Bereiche Familienzusammenführung oder (Zwangs-)Prostitution fallen, quantitativ sehr gering ausfällt. Theoretisch
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Auswahl
Es handelt sich um eine Teilerhebung und keine Vollerhebung. Als Grundgesamtheit wurden männliche, irreguläre afrikanische Migranten aus Guinea oder dem Senegal, die in Embajadores wohnen, definiert. Bei irregulärer Wirtschaftsmigration handelt es sich um ein männliches Phänomen, daher die Beschränkung auf männliche zu befragende. Weiterhin wurden keine schwarzafrikanischen Frauen während der Feldforschung angetroffen. Der stadtsoziologischen Forschung entsprechend wurde, wie bereits dargestellt, eine Flächenstichprobe festgelegt (vgl. Schnell/ Hill/ Esser 2005: 283). Zur Lokalisierung kleiner Populationen, die nur ein bis fünf Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, wird mit der Technik des Screening über Melderregister und Adressdatenbanken gearbeitet, aus denen Zufallsstichproben gezogen werden (vgl. Schnell/ Hill/ Esser 2005: 294ff.). Im Fall der undokumentierten afrikanischen Migranten aus Guinea und Senegal ist dies nicht möglich, sodass auf eine willkürliche Auswahl nach genannten Kriterien zurückgegriffen werden muss. Die Entscheidung über die Aufnahme eines Elements der Grundgesamtheit in die Stichprobe erfolgt unkontrolliert nach dem geschilderten Auswahlplan. Aufgrund der Charakteristik des Forschungsfeldes ist dieses Vorgehen vertretbar. Als Konsequenz willkürlicher Auswahlen können Techniken der Inferenzstatistik nur unter Vorbehalt angewendet werden (vgl. Schnell/ Hill/ Esser 2005: 297). Diese Studie beschränkt sich in der Auswertung daher auf die Anwendung von deskriptiven Statistiken, wie beispielsweise die Bestimmung von Häufigkeiten. Nach Esser/Hill und Schnell ist keine Repräsentativität ohne Zufallsstichproben vorhanden (vgl. Schnell/ Hill/ Esser 2005: 204). In ihrem Lehrbuch „Methoden der empirischen Sozialforschung“ beziehen sie sich größtenteils auf große Erhebungen, wo echte Zufallsstichproben möglich sind. Für kleinere Studien sind ihre aufgestellten Kriterien zu starr formuliert, da auch hier eine quantitative empirische Sozialforschung angepasst an den Untersuchungsgegenstand zu guten Ergebnissen führen kann.
arbeiten afrikanische Frauen in anderen Beschäftigungszweigen als irreguläre männliche Migranten. Hier ist neben der Restauration vor allem die Arbeit im häuslichen Bereich anzuführen. Meist wohnen die Frauen als internas beim Arbeitgeber, weswegen keine räumliche Segregation vorliegt. Jene Familien wohnen zudem meist in sozioökonomisch besser gestellten Stadtvierteln.
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6.6. Interviewweise
Die Interviewsituation ließ sich kaum strukturieren. Der Interviewer war gefragt sich an die äußerlichen Gegebenheiten anzupassen und das vorrangige Ziel der Vollständigkeit des Ausfüllens des Fragebogens zu erreichen sowie relevante Zusatzinformationen zu erhalten. Nach der Kontaktaufnahme war es die Aufgabe des Interviewers den Befragten ausführlich zu informieren mit dem expliziten Hinweis, dass eine Partizipation nicht zwingend ist. Auch die Zusicherung der Anonymität der Daten sollte in den ersten Sätzen erfolgen. Der Aufbau von Glaubwürdigkeit, und eingeschränktem Vertrauen waren die Schlüsselmomente zur Überzeugung zur Teilnehme an der Studie. Zudem diente dieses Verfahren als Schutz vor falschen Angaben.
6.7. Pretest
Es ist unmöglich einen funktionalen und validen Fragebogen am Schreibtisch zu konstruieren. Ob die theoretischen Überlegungen und der Fragebogen verständlich, vollständig und handhabbar sind, sollte daher vor der Hauptuntersuchung im Feld getestet werden (vgl. Schnell/ Hill/ Esser 2005: 347).
Der Pretest fand vom 18. bis 24. Juni 2007 statt. Die Vermutung, dass dort, wo viele afrikanische Zuwanderer räumlich konzentriert leben, auch undokumentierte Migranten gleicher Nationalität vorrangig wohnen, bestätigte sich.
Weiterhin bestärkte der Pretest die Nutzung des Fragebogens als Erhebungsmethode: erstens aufgrund der Verständnisschwierigkeiten, da viele der Befragtengruppe nur regionale Dialekte sprachen und zweitens fiel es den Befragten leichter, im Pretest heikle Fragen zu beantworten, als derartige Informationen nachfolgend im Gespräch zu geben. Es bestanden zudem keine großen Probleme mit expliziten Antwortverweigerungen (item-nonresponse). Ein standardisierter Fragebogen schützt zudem weitgehend vor Antworten sozialer Erwünschtheit.
Nichtsdestotrotz musste der Fragebogen nach dem Pretest modifiziert werden. Es war notwenig den Fragebogen zu kürzen. Die zu Befragenden hatten generell wenig Zeit. Zudem war nach eineinhalb Stunden Befragung der Ermüdungsgrad, nicht zuletzt durch die Sprachprobleme, entsprechend hoch. Der Fragebogen wurde daher auf den wichtigsten
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Themenkomplex Wohnen gefolgt von Arbeiten sowie sozialer Einbindung reduziert. Ebenso verzichtet wurde auf die offenen Fragen, die fast nie beantwortet wurden, die Befragung aber wesentlich verlängerten. Die Befragungsdauer verringerte sich so auf 20 Minuten. Der Pretest zeigt, dass allzu viel Vorsicht bei der Formulierung von heiklen Fragen nicht notwendig ist und unnötige Eingangsfragen vermieden werden sollten. Es erwies sich beispielsweise als ratsamer direkt nach den Herkunftsort zu fragen, anstatt sich langsam über die Nennung von Regionen heranzutasten. Auch die Vereinfachung der Antwortkategorien auf ‚ja’, ‚nein’ und ‚teilweise’ war vonnöten. Der ursprüngliche Plan mit Hilfe von Itembatterien schnell und einfach viele Informationen abfragen zu können und dabei über Likertskalen zudem eine Wertung zu erhalten, stellte sich für die Befragten als zu schwierig heraus. Für viele war es der erste Fragebogen, den sie in ihrem Leben ausfüllten. Sprach- und Verständnisschwierigkeiten sind da natürlich. Unterschiedliche Erfahrungswelten lassen einen unterschiedlichen Bewertungsrahmen vermuten, sodass die Auswertung der Ergebnisse unter Umständen verfälscht worden wäre.
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7. Auswertung der Untersuchungsergebnisse der Hauptuntersuchung
Im Madrider Stadtteil Embajadores wurden Senegalesen und Guineer ohne regulären Aufenthaltsstatus mittels eines halbstandardisierten Fragebogens befragt. Nach einer dreizehntägigen Feldforschungsphase und der Durchführung eines Pretests im Juni 2007 erfolgte die Hauptuntersuchung in zwei Phasen, vom 25. Juni bis 21. Juli 2007 und vom 15. Oktober bis 25. Oktober 2007. Es konnten 21 Befragungen realisiert werden. In diesem Kapitel werden nun die Ergebnisse der Untersuchung vorgestellt und ausgewertet.
7.1. Stichprobenbeschreibung
Insgesamt wurden 21 Personen befragt. Von ihnen kamen 12 aus dem Senegal, sowie neun Personen aus Guinea. Alle Befragten waren, entsprechend der Festlegung der Grundgesamtheit, männlich, in Embajadores wohnend und ohne regulären Aufenthaltstitel.
Alter/ Familienstand
Das in Fachliteratur und insbesondere von den Medien gezeichnete Bild beschreibt den typischen Wirtschaftsmigranten, ohne meist diesen Ausdruck zu verwenden, als männlich, jung, ledig und kinderlos (vgl.
Gómez Fayrén/ Bel Adell 2000: 23). Für die befragten Senegalesen lässt sich diese Vorstellung bestätigen. Ihr Durchschnittsalter beträgt 25,3 Jahre und insgesamt 91,7 Prozent der befragten Senegalesen sind ledig und
kinderlos. Nur 8,3 Prozent sind verheiratet, allerdings lebt die Ehepartnerin im Herkunftsland.
Für die befragten Guineer zeigt sich ein differenziertes Bild. Das Durchschnittsalter von 23,8 Jahren liegt unter dem der Senegalesen, aber nur etwas mehr als die Hälfte der Guineer sind
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ledig. Bereits 22,2 Prozent sind verlobt und weitere 22,2 Prozent verheiratet. Die Hälfte der Gesamtzahl der verheirateten Guineer (11,1 %) lebt mit dem Partner in Spanien.
Herkunft
Der Großteil aller Befragten, insgesamt 61,9 Prozent, lebte vor der Migration nach Spanien in Städten. Von den Befragten aus Guinea kamen 66,7 Prozent aus Städten mit mehr als einer Million Einwohnern. Bei den Senegalesen sind es 58,8 Prozent. Die Daten zeigen, dass Wirtschaftsmigranten nicht zwangsläufig aus ländlichen Gegenden kommen, wie in der wissenschaftlichen Literatur oftmals dargestellt.
Aus Dörfern mit bis zu 1000 Einwohnern kommen 38,1 Prozent aller Befragten. Von den Befragten aus Guinea gaben 22,2 Prozent an, aus Orten mit zwischen 500 und 1.000 Einwohnern zu stammen. Die Hälfte davon (11,1 %) lebte vor der Migration in Orten mit weniger als 500 Einwohnern.
Für die Senegalesen zeigt sich bezüglich der regionalen Herkunft ein gemischtes Bild. Insgesamt kommen 41,7 Prozent der Befragten aus ländlichen Gegenden. Von ihnen stammen 16,7 Prozent aus Orten mit weniger als 500 Einwohnern und 25 Prozent aus Orten mit zwischen 500 und 1.000 Einwohnern.
Die Ergebnisse stehen im Zusammenhang mit Gegebenheiten in Guinea und Senegal. In Guinea leben etwa zwei Drittel der Bevölkerung in ländlichen Regionen. Nur ein Drittel der Guineer leben in Städten. Die einzige Stadt mit mehr als einer Million Einwohnern ist die Hauptstadt Conakry mit einer Bevölkerung von knapp zwei Millionen Menschen. Auch in Senegal übersteigt allein die Hauptstadt Dakar die Millionengrenze mit 2,5 Millionen Einwohnern. Die überwiegende Mehrheit der senegalesischen Bevölkerung hingegen lebt in Dörfern und ländlichen Gemeinden.
Die befragten Guineer, welche aus Dörfern mit bis zu 1.000 Einwohnern stammen, wohnten dort durchschnittlich mit 4,7 Personen in drei Zimmern. Sie schilderten eine traditionelle Lebensweise im Familienverband, welcher neben Eltern und Geschwistern auch weitere Familienmitglieder mit einschloss. Bei den befragten Guineer, welche vor ihrer Migration nach Spanien in einer Stadt, aller Wahrscheinlichkeit nach in Conakry lebten, variierten die Wohnformen. Die moderne Lebensweise der Zweigenerationenfamilie in einer abgeschlossen
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Wohnung lebte der überwiegende Teil (66,7 %) der guineerischen Befragten. Ein kleinerer Teil (16,7 %) wohnte bereits mit dem Ehepartner zusammen. Auch hier lebten durchschnittlich 4,7 Personen in drei Zimmern.
Die Befragten aus dem Senegal, welche aus ländlichen Regionen stammen, lebten durchschnittlich mit sieben Personen in 5,2 Räumen. Ebenso wie im Fall von Guinea erfolgte ein Wohnen im Familienverband, jedoch mit dem Unterschied, dass in 7,1 Prozent der Fälle auch Nicht-Familienmitglieder mit im Haushalt lebten. Für die Befragten aus Städten, die mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Hauptstadt Dakar kommen, sind die diesbezüglichen Wohnverhältnisse ähnlich wie auf dem Land. Hier teilen sich durchschnittlich 6,7 Personen vier Räume.
Bildung
Nach einer Studie von Carrasco (1999) wiesen afrikanische Migranten in Spanien - im Vergleich zu anderen Migrantengruppen - den geringsten Bildungsgrad auf. Entsprechen der Ergebnisse der Untersuchung verfügten 23,4 Prozent der in Spanien regulär lebenden Afrikaner über keine Schulbildung. Eine sechsjährige Schulbildung besaßen 39,9 Prozent. Allein 8,1 Prozent hatten einen Universitätsabschluss. Der spanische Soziologe Izquierdo Escribano kritisiert das Bild, dass Migranten aus Afrika allein ökonomische Interessen verfolgen, unterqualifiziert und Analphabeten sind (vgl. Izquierdo Escribano 2003: 293). Er plädiert für eine differenzierte Sichtweise.
Die Auswertung der erhobenen Daten der vorliegenden Studie, bestätigt, das oben beschriebene Bild nicht. Insgesamt 95 Prozent aller Befragten verfügen über eine Schulbildung. Im Fall von Guinea lag die durchschnittliche Anzahl an Schuljahren bei 6,4. Zudem haben 22 Prozent der Befragten eine Ausbildung, beispielsweise als Mechaniker absolviert.
Die Ergebnisse für die befragten Personen aus dem Senegal überraschten angesichts der Tatsache, dass die Analphabetenzahl in Senegal nach Angaben des World Factbook 2007 bei knapp 60 Prozent liegt. Die durchschnittliche Schulzeit betrug 8,4 Jahre. Dieses Resultat ist differenziert zu betrachten, da 72,7 Prozent der Befragten nur über eine elementare Schulbildung über sechs Jahre verfügten. Zwei Senegalesen der Befragtengruppe haben ein
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Hochschulstudium in Mathematik und Linguistik in ihrem Herkunftsland absolviert. Immerhin 12 Prozent verfügen über eine Ausbildung.
Die Ergebnisse treffen auf die Annahme zu, dass die Ärmsten der Armen nicht migrieren (vgl. Giménez Romero 2003: 47). Trotz dem Vorliegen bestimmter struktureller Voraussetzungen, wie Armut, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit wandert der Großteil der Menschen, die von diesen Umständen betroffen sind, nicht. Gründe dafür liegen im Fehlen bzw. einer nicht ausreichenden Ausprägung von logistischen, finanziellen und sozialen Fähigkeiten sowie der Einbettung in familiäre und freundschaftliche Netzwerke, welche zur Bewältigung der Lebenssituation im Herkunftsland beitragen und somit eine Migration ausgeschlossen wird (vgl. Düvell 2006: 123f.).
Aufenthaltsdauer in Spanien 27
In 57,1 Prozent der Fälle ist die Aufenthaltsdauer aller Befragten in Spanien mit der Aufenthaltsdauer in Madrid identisch. Konkret trifft dies bei den senegalesischen Befragten auf 83,4 Prozent zu. Es lässt sich daher stark annehmen, dass die Stadt Madrid demnach von ihnen von vornherein als Migrationsziel ausgewählt wurde. Die Mehrheit (66,7 %) der Senegalesen lebt erst zwischen drei Monaten und einem Jahr in Spanien bzw. Madrid. Der Anteil derer, die
bereits mehr als zwei Jahre in Spanien Madrid liegt nur bei 17,7 Prozent. gewonnenen Daten vermuten, dass es sich bei den
27 Zur Einreise: Die irreguläre Einreise kann nach den Vertretern der befragten Assoziationen von Guinea und Senegal auf drei Wegen erfolgen. Erstens mit einem Visum. Das kostet normalerweise um die 30 Euro und ist fast unmöglich zu erhalten. Der inoffizielle Preis beträgt zwischen 3.000 und 6.000 Euro. Zweitens bleibt die Überfahrt mit dem Boot. Die Kosten liegen hier zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Ein dritter Weg ist der der Einreise mit gefälschten Papieren. Zum einen gratis, beispielsweise durch das ‚Ausleihen’ von gültigen Papieren oder zum anderen gegen Bezahlung für die Nutzung oder die Fälschung.
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Senegalesen um eine junge Zuwanderungsgruppe handelt, welche sich im ersten Migrationszyklus befindet. Aufgrund der geringen Fallzahl kann diese Annahme jedoch weder bestätigt noch verworfen werden.
Für die befragten Guineer ergibt sich ein leicht konträres Bild. Die Auswertung der Fragebögen ergab, dass 44,4 Prozent der Guineer zwischen drei Monaten und einem Jahr in Spanien ebenso wie in Madrid leben. Für den Fall Madrid kommen weitere 11,1 Prozent derer hinzu, die sich erst seit weniger als drei Monaten in Madrid aufhalten. Im Vergleich zum Senegal leben die Guineer der Befragtengruppe bereits länger in Spanien. Anhand der Daten lässt sich eine Tendenz, nach Madrid zu ziehen, erkennen.
Erwerbstätigkeit
Fast 95 Prozent der Befragten gaben an, in Madrid bereits beschäftigt gewesen zu sein. Die Beschäftigungszweige variieren jeweils. Während die Befragten aus dem Senegal ihren Lebensunterhalt mit dem Straßenverkauf und temporären Arbeitsverhältnissen bestreiten, arbeiten Guineer in unterschiedlichen Bereichen. Ein Hauptarbeitsort liegt im Bauwesen.
7.2. Motive für die Migration
Es gibt verschiedene Motive, die zu einer Migration führen können: beispielsweise politische Verfolgung, Familienzusammenführung oder zu Studienzwecken. Im Fall der Wirtschaftsmigranten sind per Definition ökonomische Gründe ausschlaggebend. Teilweise ist es aber schwierig zwischen ökonomischen und politischen Motiven zu unterscheiden. Viele Afrikaner verlassen ihr Herkunftsland aufgrund von wirtschaftlichen Miseren, welche auch das Ergebnis von Korruption seitens der Regierung oder totalitären Regimes sein können.
Knapp 95 Prozent aller Befragten gaben an, aus ökonomischen Gründen ihr Land verlassen zu haben. Aufgrund von fehlenden Perspektiven im Herkunftsland steht die Migration für den Wunsch nach der Verbesserung der ökonomischen Position. Die Vertreter der Assoziationen von Guinea und Senegal bestätigen dieses Bild. Für Guinea, so der Vertreter der Assoziation,
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spielt außerdem die Familienzusammenführung eine wichtige Rolle. Weniger als fünf Prozent gaben als weiteren Grund, die Neugier auf eine andere Kultur an.
7.3. Gründe für die Niederlassung in Embajadores/ Lavapiés
Nach den Überlegungen der Chicago-School, hier insbesondere Burgess, konzentrieren sich Migranten in den transitorischen Zonen der Städte. Diese Zonen sind zumeist degradierte Stadtviertel im historischen Stadtkern, die im Zuge der Stadtentwicklung zur Zeit der Industrialisierung durch ein unkontrolliertes Städtewachstum geprägt waren. Embajadores/ Lavapiés ähnelte der zone of transition in den 70er Jahren (vgl. Veiga Martínez 1999: 97f.). Die Wohnungen und Häuser, meist corralas, waren von schlechter Qualität, und die Preise entsprachen dem sozioökonomischen Status der möglichen Mieter. Trotz städtebaulicher Neuerungen und Verbesserungen, nach Jahrzehnten fehlender Investitionen und Modernisierungen ist das Segment an dieser Art des Wohnraums bis heute erhalten geblieben. In Embajadores/ Lavapiés sind 42,5 Prozent der Wohnungen durch teilweise starke bauliche Mängel und schlechte bzw. fehlende Installationen gekennzeichnet (Censos de Población y Vivienda 2001).
Es wird per se davon ausgegangen, dass Migranten über stark begrenzte ökonomische Ressourcen verfügen und sich daher aufgrund der günstigeren Mieten den geschilderten Vierteln konzentrieren. Dort gibt es nicht nur günstigen Wohnraum, sondern auch einen informellen Wohnungsmarkt, sodass auch Migranten, insbesondere undokumentierte, eine Unterkunft finden können. Die angebotenen Wohnungen gehören zum unattraktivsten Wohnbestand und sind auf dem regulären Wohnungsmarkt im Regelfall nicht vermietbar. Oftmals versuchen sich Vermieter an der prekären Situation der irregulären Migranten zu bereichern (vgl. Leal, Jesús 1996: 133ff.; Veiga Martínez 1999: 14). Letztendlich kommt es zu einer Konzentration von Zuwanderern in Vierteln wie Embajadores/ Lavapiés. Entsprechend Park suchen neu angekommene Migranten bewusst nach diesen Vierteln bzw. Stadtquartieren. Insgesamt 90,5 Prozent der Befragten haben von Anfang an in Embajadores/ Lavapiés gewohnt. Im Fall der Senegalesen waren es, inklusive Umzügen im Viertel, sogar 100 Prozent. Für Guinea liegt der Wert bei 77,8 Prozent.
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7.3.1. Warum kommen undokumentierte afrikanische Migranten nach Embajadores/ Lavapiés?
Migranten mit und ohne Aufenthaltstitel haben die Tendenz sich in Stadtvierteln mit günstigeren Mieten für allerdings schlechteren Wohnraum zu konzentrieren (vgl. Cabera 2007: 151). Nicht jeder Stadtraum ist jedoch für die Niederlassung von undokumentierten Migranten geeignet. Der fehlende Aufenthaltstitel verschließt den Zugang zu öffentlichen Hilfesystemen. Ein Quartier muss daher den Zugang zu Wohnen, Arbeiten und zur sozialen Integration ermöglichen. Hier kommen im Regelfall nur zentral gelegene Stadtviertel in Frage. Embajadores/ Lavapiés ist nicht nur aufgrund seiner Zentralität, sondern auch durch seine Beschaffenheit ein Anziehungspunkt. Es ist ein Labyrinth welches das undokumentierte Leben sowie Aktivitäten wie Arbeiten oder Wohnen erleichtert (vgl. Cebrián 1998: 154).
Folgend sollen die vier wichtigsten Gründe, warum sich irreguläre Migranten in den historischen Stadtvierteln konzentrieren, aufgezeigt werden.
1. Regionale Wohnungsmärkte und Mietzahlungsfähigkeit
Der Wohnungsmarkt regulierte die soziale und räumliche Verteilung der Bevölkerung, sofern kein staatlicher Eingriff besteht. Undokumentierte Migranten haben keinen Zugang zu öffentlichen Unterstützungssystemen. Sie werden aufgrund ihrer Ressourcen in degradierte Stadtviertel gedrängt, wo die Mieten allgemein günstiger sind (vgl. Cebrián 1998: 154). Zudem besteht in Embajadores/ Lavapiés ein informeller Wohnungsmarkt (vgl. Barañano Cid u.a. 2006: 69). Die Mietpreise werden auch zum Stadtrand hin günstiger. Allerdings besteht ein erschwerter Zugang zur Ressource Arbeit und zur sozialen Integration.
2. Bestehende Migrationsketten/ Signalfunktion eines Viertels
Internationale Migrationsnetze bzw. -ketten bringen Menschen in ein Stadtviertel wie Embajadores/Lavapiés, weil dort bereits viele Landsleute wohnen. Migranten, auch undokumentierte, lassen sich dort vorzugsweise nieder, wo bereits Verwandte, Bekannte oder
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Landsleute leben. Sie erhoffen sich so die familiäre bzw. landsmannschaftliche Unterstützung bei der Eingliederung in die Aufnahmegesellschaft (vgl. Han 2005a: 260). Insgesamt 77,8 Prozent der befragten Guineer hatten bereits vor ihrer Ankunft Kontakte in Madrid. Im Fall der Senegalesen waren dies nur 33,3 Prozent, 66,7 Prozent hingegen nicht. Dennoch wohnten alle senegalesischen Befragten von Beginn an in Embajadores/ Lavapiés. Zur Erklärung: oftmals wirken hohe Konzentrationen von Zuwanderern als Signal und beeinflussen die Wahl des Wohnortes.
3. Arbeit und interurbane Mobilität
Im Zuge der Befragung zur Erstellung des Censos de Población y Vivienda (2001) bewerteten 18.275 von 18.991 befragten Haushalten die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr in Embajadores/ Lavapiés als gut. Diese gute Anbindung ist für die Lebenssituation von irregulären Migranten, insbesondere im Zusammenhang mit Arbeit, sehr wichtig. Insgesamt 75,2 Prozent der Senegalesen arbeiten außerhalb von Embajadores/ Lavapiés und meist im Straßenverkauf. Für sie ist es einerseits wichtig in Embajadores/ Lavapiés zu wohnen, weil sie dort die Möglichkeit haben, ihre Ware zu erwerben. Zum anderen besteht durch den Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr und die Nähe um Regional- und Fernverkehrsbahnhof Atocha, die Möglichkeit ihre Wahre in angrenzenden oder peripheren Stadtvierteln beziehungsweise auf den Märkten in Orten außerhalb Madrid zu verkaufen. In Embajadores hat sich ein informeller Arbeitsmarkt auf Plätzen wie dem bereits angesprochenen Plaza de Cabestreros herausgebildet, wo kurzfristig Unternehmen nach undokumentierten Arbeitskräften nachfragen. Weitere Arbeitsangebote bestehen beispielsweise in ethnischen Gewerben.
Zur interurbanen Mobilität in der Stadt nutzen Senegalesen zu 45,8 Prozent und Guineer zu 38,9 Prozent die U-Bahn.
4. Nähe zu Landsleuten
Irreguläre Migranten sind aufgrund ihrer instabilen Lebenssituation insbesondere in der Anfangszeit auf die Unterstützungsleistungen und die Solidarität von Landsleuten angewiesen. Sollten keine vorherigen sozialen Kontakte bestehen, suchen sie nach
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Stadtvierteln, wo bereits Angehörige ihrer Nationalität wohnen. Diese Suche beginnt in den Kernstädten und weniger in peripheren Stadtvierteln.
Der Fall der befragten Senegalesen zeigt, dass 66,7 Prozent vor ihrer Ankunft in Madrid über keine sozialen Kontakte verfügten und dennoch alle Befragten aus dem Senegal seit ihrer Ankunft in Embajadores/ Lavapiés wohnen - just in dem Stadtviertel, wo die höchste Konzentration an Senegalesen im Innenstadtraum vorliegt. Die Kontaktwahrscheinlichkeit ist dort am höchsten, wo die Ausländerpopulation relativ hoch ist und sich auf relativ wenig Raum konzentriert, wie dies bei Embajadores/ Lavapiés der Fall ist. Es handelt sich hier um eine freiwillige Segregation.
7.3.2. Warum verlassen undokumentierte afrikanische Migranten Embajadores/ Lavapiés nicht?
Die Soziologen Barañano Cid, Riesco Sanz, Romero Bachiller und García López benannten nach ihrer Befragung von legal in Embajadores/ Lavapiés lebenden Migranten im Jahre 2005/2006 verschiedene Gründe, warum diese ihre Stadtviertel nicht verlassen, obwohl sie in einem anderen Stadtteil besseres Lebensbedingungen erwarten könnten (vgl. 2006: 216). Als Hauptgründe gaben die Befragten an, dass sie sich in Embajadores/ Lavapiés wohlfühlen und mit den Versorgungsstrukturen zufrieden sind.
Von den in der vorliegenden Studie befragten irregulären afrikanischen Migranten fühlen sich, so das Ergebnis, 42,9 Prozent sehr wohl in Embajadores/ Lavapiés, 38,1 Prozent teilweise wohl und 19,0 Prozent fühlen sich nicht wohl. Guineer sind mit 55,6 Prozent dem Leben positiver gegenüber ihrem Stadtquartier eingesellt, als die befragten Senegalesen. Sie fühlen sich nur mit 33,3 Prozent sehr wohl bzw. 33,3 Prozent wohl in ihrer Wohnumgebung.
Bezüglich der Versorgungsstrukturen wurden Senegalesen und Guineer gefragt, wo sie im Krankheitsfall einen Arzt aufsuchen bzw. wo sie ihre Einkäufe für den täglichen Bedarf tätigen. Letzteres erledigen 95,2 Prozent der Befragten in Embajadores/ Lavapiés. Die Auswertung der Ergebnisse bezüglich des Krankheitsfalles ergab, dass 52,4 Prozent der Befragten in Embajadores/ Lavapiés einen Arzt aufsuchen würden. Im konkreten Fall sind dies 66,7 Prozent der Guineer und 41,7 Prozent der Senegalesen. Weiterhin zeigten die
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Ergebnisse, dass 38,1 Prozent nicht zum Arzt gehen würden. Bei den befragten Guineern betrifft dies 22,2 Prozent. Bei den Senegalesen liegt der Anteil bei 50,0 Prozent. Diese sehr hohe Zahl lässt sich auf die Unwissenheit oder das Misstrauen der Senegalesen zurückführen. Es ist in Spanien trotz fehlendem Aufenthaltstitel möglich, sich ins Melderegister eintragen zu lassen, um eine Krankenversicherungskarte zu erhalten.
Ebenso ist es den Befragten in Embajadores mit 71,4 Prozent möglich Bräuche sowie die Religion aus dem Herkunftsland zu praktizieren. Das trifft besonders auf die befragten Senegalesen (83,3 %), aber ebenso auf die Mehrheit der Guineer (55,6 %) zu. Letztere sind hier eher verhalten. So meinen 44,4 Prozent der Guineer, dass Embajadores/ Lavapiés teilweise das Praktizieren von Religion und Brauchtümern ermöglicht.
Der wichtigste Grund für das Wohnen in Embajadores/ Lavapiés ist, ob das Quartier das Leben in der aufenthaltsrechtlichen Illegalität ermöglicht und erleichtert. Von den befragten Senegalesen beantworteten 50 Prozent diese Frage mit ‚ja’ und 41,7 Prozent mit ‚teils teils’. Ein verhaltenes Bild zeigt sich im Fall der Guineer. Nur 11,1 Prozent stimmten der Frage komplett zu. Immerhin 55,6 Prozent antworteten mit ‚teils teils’. Die Ergebnisse zeigen dennoch, dass Embajadores/ Lavapiés so beschaffen ist, dass es irregulären afrikanischen Migranten Lebens- und Teilhabechancen aufzeigt.
Folgend sollen die dazu gehörenden Bereiche Wohnen, Arbeiten und Soziale Kontakte genauer betrachtet werden.
7.4. Wohnen
Irreguläre Migranten müssen sich aufgrund des fehlenden Aufenthaltstatus auf einem sehr unsicheren Wohnungsmarktmarkt bewegen und die ihnen gebotenen Wohnangebote nutzen. Die Eigentümer nutzen dies oftmals aus. Sie verlangen übermäßige Preise für schlechte Wohnungen. Teilweise vermieten sie nicht die Wohnung als ganzes, sondern nur Betten. Diese Wohnungen sind oftmals von Überbelegung und damit fehlender Privatheit gekennzeichnet.
Folgend werden die Untersuchungsergebnisse für die wichtigsten Aspekte die Wohnsituation irregulärer Migranten betreffend, dargestellt.
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7.4.1. Wohnungssuche
Der spanische Wohnungsmarkt ist gekennzeichnet durch die niedrigste Rate an Mietwohnungen in Europa sowie dem geringsten Anteil an öffentlich geförderten Wohnraum. Madrid ist zudem die teuerste Stadt Spaniens.
Undokumentierte Migranten haben keinen Zugang zu offiziellen Hilfssystemen zur Wohnungsbereitstellung. Von Diskriminierung beim Zugang zum Wohnungsmarkt sind Afrikaner mit Abstand am meisten betroffen (vgl. Cabera 2007: 156/ Colectivo IOE 2005: 212). Der NEP Housing Report 2003 stellt heraus, dass der Markt für angemessenen mietbaren Wohnraum für legale wie illegale Einwanderer sehr begrenzt ist. Mögliche Folgen können daher Obdachlosigkeit, die Besetzung von verlassenem oder
heruntergewirtschaftetem Wohnraum oder die Überbelegung von Wohnungen sein. Eine Unterkunft wird direkt nach der
Ankunft in Madrid benötigt, weswegen die Bedeutung sozialer Kontakte sehr hoch ist. Wie bereits dargestellt, verfügten 77,7 Prozent der Guineer und nur 33,3 Prozent der Senegalesen über vorherige Kontakte in Madrid. Der Mehrheit aller Befragten (66,7
Prozent) erhielten Hilfe von Freunden und Bekannten aus dem Herkunftsland bei der Wohnungssuche. Bei den irregulären Senegalesen ist diese Form der Unterstützung von besonders ausgeprägter Bedeutung, denn die erhobenen Daten zeigen, dass sie nur zu 8,3 Prozent auf Familienstrukturen zurückgreifen können.
Besondere Bedeutung hat auch die Unterstützung durch die Assoziation der Senegalesen. Der Vertreter der Assoziation sagte, dass auch sie informell Wohnraum an irreguläre Landsleute vermittelt.
Anders als bei den Senegalesen könnten die befragten Guineer mit 33,3 Prozent auf familiäre Unterstützung bei der Wohnungssuche verweisen.
Letztendlich jedoch ist die Hilfestellung von Freunden und Bekannten aus dem Herkunftsland bei Guineern wie Senegalesen für das Finden einer Wohnung entscheidend.
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Irreguläre Migranten müssen sich aufgrund fehlender Papiere auf dem informellen Wohnungsmarkt bewegen. Die Befragten gaben als Hauptprobleme bei der Wohnungssuche teure Mietpreise (25,0 %) und das Angebot an Wohnungen bzw. Zimmern in schlechtem Zustand (26,7 %) an.
Auch ein zu kleines Segment an zu mietenden Wohnungen wurde mit 21,7 Prozent als Hindernis zum Wohnungszugang angeführt. Die Annahme, informeller Wohnungsmarkt in Embajadores/ Lavapiés existiert, wird dadurch gestärkt, dass nur je
9,1 Prozent der Senegalesen Diskriminierungen aufgrund ihrer Herkunft erfahren mussten oder aufgrund von fehlenden Papieren abgewiesen wurden. Die Ergebnisse für die Guineer hingegen zeigen, dass ihnen mit 18,5 Prozent durch fehlende Papiere der Zugang zu einer Wohnung versperrt wurde. Dieser Umstand lässt vermuten, dass Senegalesen, die quantitativ eine größere Population darstellen, leichteren Zugang zum informellen Wohnungsmarkt finden als Guineer. Eine weitere Annahme wäre, die sich ebenso anhand der Daten nicht eindeutig klären lässt, dass sich die Verteilung der afrikanischen irregulären Migranten auf dem informellen Wohnungsmarkt grob nach Nationalitäten unterteilt. Dies ist nicht zwangsläufig ein bewusst intendierter Prozess. Durch die ausgeprägten sozialen Kontakte in den Migrantengruppen werden Wohnungen oder Zimmer aufgrund des
Informationsaustausches zuerst an Bekannte oder Freunde der eigenen Herkunft vermittelt. Ebenso spricht für die Existenz des informellen Wohnungsmarktes, dass es ein Angebot an Unterkunftsmöglichkeiten zu geben scheint. Insgesamt 52,4 Prozent aller Befragten, konkret 56,6 Prozent der Guineer und 50,0 Prozent der Senegalesen, verneinten die Frage, ob es sich bei ihrer derzeitigen Unterkunft um die einzige Möglichkeit handelte, die sich ihnen zur Unterbringung auftat.
Die Unterkunftsmöglichkeiten befinden sich mit 52,4 Prozent in Häusern, welche überwiegend von Spaniern bewohnt werden. Insgesamt 47,6 Prozent der Befragten gaben an, dass ein gleicher Anteil von Spaniern und Migranten bestehen würde. Auf keinen der Befragten trifft zu, dass mehr Migranten als Spanier ein Gebäude bewohnen würden. Die befragten Guineer wohnen mit 66,7 Prozent in Gebäuden, in denen gleichteilig Spanier und Migranten wohnen. Bei den Senegalesen ist dies umgekehrt. Mit einem Anteil von 33,3
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Prozent gaben sie an, dass die Mehrheit der anderen Mieter Spanier wären. Das Ergebnis zeigt, dass irreguläre Migranten nicht zwangsläufig separat wohnen. Dieser Umstand ist ein Resultat der Struktur des spanischen Wohnungsmarktes. Aufgrund des hohen Eigentümeranteils verlaufen Austauschprozesse der Bevölkerung in Stadtvierteln langsamer ab und sind mit großem Aufwand seitens der Wohnungs- und Gebäudeeigentümer, was beispielsweise den Wohnungsverkauf und das Finden eine neue Wohnung beinhaltet, verbunden.
Die Beziehungen zu den spanischen Nachbarn sind nur in 19,3 Prozent bei allen Befragten als gut anzusehen. Die befragten Guineer haben zu ihren Nachbarn ein besseres Verhältnis als die Senegalesen, denn nur 11,1 Prozent der Guineer sagen explizit, dass kein gutes Verhältnis besteht. Hingegen sind es bei den Senegalesen 41,7 Prozent. Die restlichen Befragten nehmen eine Mittelposition ein.
7.4.2. Wohndauer in aktueller Unterkunft/ bisherige Umzüge
Insgesamt 57,2 Prozent aller Befragten leben bis zu sechs Monate in ihrer aktuellen Unterkunft. Nur ein kleiner Teil von 9,6 Prozent wohnt zwischen einen Jahr und zwei Jahren am gleichen Ort. Auf
die Frage hin, ob sie der Ansicht sind, dass ihnen die langfristig sicher ist, antworteten Prozent Weitere 38,1 Prozent fühlen sich ihrer Wohnsituation
unsicher. Nur ein Teil von 23,8 Prozent der Befragten fühlt sich sicher, nicht überraschend die Unterkunft verlassen zu müssen.
Die Wohnunsicherheit bei den befragten Guineern ist mit 44,4 Prozent größer, als die der Senegalesen (33,3 %). Auffallend ist, dass oft Unsicherheit herrscht bzw. die Situation durch die Befragten nicht eingeschätzt werden kann. Die Frage, ob sie in ihrer aktuellen Unterkunft
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längerfristig bleiben können beantworten 41,7 Prozent der Senegalesen und 33,3 Prozent der Senegalesen mit ‚teils teils’.
Bisherige Forschungen zeigten, dass der Prozess der Niederlassung von irregulären Migranten von Mobilität gekennzeichnet und dementsprechend mit häufigen Wohnungswechseln verbunden ist. In Anbetracht der relativ kurzen Aufenthalts- und Wohndauer in Spanien der Befragten sind 57,1 Prozent bereits ein Mal umgezogen. Insgesamt 14,3 Prozent haben zwei Mal und 4,8 Prozent bereits mehr als vier Mal die Unterkunft gewechselt. Fallbezogen lässt sich feststellen, dass die Mehrheit der Guineer (66,7 %) und Senegalesen (50,0 Prozent) umgezogen ist. Zu vermuten wäre, dass zumindest ein Teil von Wohnformen wie cama caliente oder dem barraquismo invisible betroffen war und danach über den Aufbau sozialer Kontakte eine geeignetere Unterkunft gefunden hat. Bestärkt wird diese Annahme dadurch, dass 70,58 Prozent der Befragten angaben, dass sich ihre Wohnqualität durch den Umzug bzw. die Umzüge verbessert hätte. Bei den Guineern sind das 100,0 Prozent. Ihre aktuelle Wohnsituation betreffend sind 50,0 Prozent der Senegalesen zufrieden und 50,0 Prozent unzufrieden. Auf die Frage hin, ob die befragten Senegalesen aktuell nach einer anderen Unterkunft suchen würden, ergab sich exakt das gleiche Resultat. Für die Guineer zeigt sich ein ähnliches Bild. Insgesamt 44,4 Prozent sind mit ihrer Wohnsituation zufrieden, d.h. der überwiegende Teil ist unzufrieden (44,4 %) bis sehr unzufrieden (11,1 %). Von ihnen sind allerdings ‚nur’ 22,2 Prozent aktiv auf der Suche nach einer neuen Unterkunft.
Auf die konkrete Frage, ob die Befragten unter ihrer Wohnsituation leiden würden, antworteten 28,6 Prozent mit ‚ja’, 38,1 Prozent mit ‚teils teils’ und 33,3 Prozent mit ‚nein’. Dabei lässt sich feststellen, dass die befragten Senegalesen (33,4 %) stärker unter ihrer Wohnsituation leiden als Guineer (22,3 %). Der Anteil derer die ihre Wohnsituation als nicht belastend empfinden, ist bei Guineern und Senegalesen mit 33,3 Prozent jeweils gleich hoch. Insgesamt 52,4 Prozent aller Befragten sind nicht auf der Suche nach einem neuen Domizil. So ist aufgrund der Ergebnisse anzunehmen, dass es nicht sehr schwierig ist eine andere Unterkunft zu finden. Die Schwierigkeit besteht eher darin, eine wirklich bessere Unterkunft zu finden und aufgrund dessen die aktuelle Wohnsituation zu akzeptieren.
Allgemein befanden sich in 88,2 Prozent der Fälle die Unterkünfte ebenfalls in Embajadores/ Lavapiés - bei den Senegalesen sogar zu 100,0 Prozent. Im Fall der Guineer zu 75,0 Prozent. Als Hauptgrund für einen Wohnungswechsel gaben 57,1 Prozent der Befragten an, dass ihre
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vorherige Unterkunft zu teuer gewesen wäre. In 23,8 Prozent der Fälle musste die Unterkunft unfreiwillig verlassen werden.
Den Wunsch in der Zukunft in ein anderes Stadtviertel zu ziehen, hegen nur 33,4 Prozent aller Befragten. Bei Guineern (44,4 %) ist dieser Wunsch stärker ausgeprägt, als bei den Senegalesen (25,0 %). Der Großteil der in Madrid ansässigen Guineer wohnt in den peripheren Stadtvierteln Madrids. Angesichts dieser Tatsache liegt die Vermutung nahe, dass nach Erreichen einer als relativ stabil wahrgenommenen Lebenssituation die befragten Guineer ebenso in diese Viertel ziehen - nicht zuletzt aufgrund der dort herrschenden Wohnbedingungen.
7.4.3. Mitbewohner
Migranten leben meist beengter als Spanier (vgl. Veiga Martínez 1999: 18). Für die Befragtengruppe der irregulären Migranten zeigt sich folgendes Bild. Durchschnittlich wohnen 5,3 Personen in 3 Zimmern. Kein Befragter lebt allein in einer Wohnung. Ein Familienwohnen wurde in 8,3 Prozent der Fälle angegeben. In der Regel (91,7 %) leben irreguläre afrikanische Migranten mit Mitbewohnern gleicher Nationalität zusammen. In 83,3 Prozent der Fälle verfügen die Mitbewohner ebenso über keinen Aufenthaltstitel. Senegalesen leben beengter als Guineer mit durchschnittlich 6,3 Personen in 3,2 Zimmern (ohne Zählung von Bad und Küche). Die Wohnungen von Guineern sind ebenso überbelegt, aber im kleineren Rahmen mit 4,3 Personen in 2,8 Zimmern.
Im Durchschnitt beschreiben 61,9 Prozent aller Befragten das Verhältnis zu ihren Mitbewohnern als gut. Für Guinea
sind es konkret 61,9 Prozent und für die senegalesischen Befragten 58,3 Prozent. Allein 14,3 Prozent sehen ihre Beziehung zu den Mitbewohnern als schlecht an.
Interessant sind die Ergebnisse zur Frage, wie oft die Personen, mit denen der Befragte wohnt, wechseln würden. Entgegen der Erwartung findet ein häufiger Wechsel nur mit durchschnittlich 14,3 Prozent statt. Insbesondere bei den Senegalesen findet bei 50,0 Prozent
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der Befragten so gut wie kein Wechsel von Mitbewohnern statt. Die Besetzungen der Wohnungen scheinen für Guineer und Senegalesen relativ stabil. Da 57,1 Prozent der Befragten angaben, dass viele Wohnangebote zu teuer sind, lässt sich annehmen, dass deshalb die Überbelegung einer Wohnung akzeptiert wird, um den Mietpreis zu senken. Denkbar wäre ebenso, dass irreguläre Migranten aufgrund ihrer ökonomisch schwachen Position bereit sind, die Wohnbedingungen zu akzeptieren, da durch die Wohngemeinschaft nicht zuletzt die täglichen Lebensunterhaltskosten durch gemeinsames Essern oder für Sonstiges geteilt und somit Geld gespart werden kann. Außerdem besteht die Möglichkeit, im Notfall finanziell aufgefangen zu werden. Die befragten Vertreter der Assoziationen der Guineer und Senegalesen sprachen von einer großen Solidarität unter den Landsleuten. Abgesehen vom vermeintlichen ökonomischen Vorteil ist die Überbelegung der Wohnungen als kritisch zu sehen, da es nicht möglich ist Privatheit/ Privatsphäre zu entwickeln. Zudem kann ein Leben unter diesen Bedingungen ein Einrichten in die Aufnahmegesellschaft durch das Verharren im Bekannten verhindern (vgl. Giménez Romero 2003).
7.4.4. Wohnausstattung und Miete
Migranten und insbesondere irreguläre afrikanische Migranten steht nur ein kleines Wohnungssegment offen. Meist handelt es sich um unattraktiven Wohnraum, der durch bauliche
Unzulänglichkeiten Installationen gekennzeichnet ist. Das Embajadores/ Lavapiés entspricht quasi dem historischen Lavapiés, dessen Gebäuden, meist corralas, größtenteils Jahrhundert errichtet wurden.
Wirtschaftsmigranten wohnen meist in schlecht ausgestatteten Wohnungen (vgl. Llamas/ Martínez Pardo 1997: 70). Den baulichen Zustand und die Ausstattung ihrer Unterkunft schätzen 57,1 Prozent der Befragten als alt, im Sinne von mit Mängeln, ein. Guineer (55,6 %) und Senegalesen (58,3 %) sind in diesem Punkt relativ gleicher Ansicht. Bezüglich der
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Bewertung der Wohnungsausstattung wird deutlich, dass mit 85,7 Prozent nicht alle Befragten ein Bad in ihrer Wohnung haben. Das kann ein Indiz auf ein Wohnen in älteren corralas sein. Auch der Anteil der Wohnungen mit einer Heizung ist mit 9,5 Prozent sehr gering. Immerhin 28,6 Prozent verfügen über einen Heizapparat. Die Mehrheit der Befragten (52,4 %) gab an, keine Heizung zu besitzen.
Für Wohnungen mit technischen und baulichen Mängeln müssen Migranten, insbesondere irreguläre, aufgrund mangelnden Angebots oftmals einen „Ausländeraufschlag“ (vgl. Häußermann 2000: 209) bezahlen. Durchschnittlich zahlen 47,6 Prozent der Befragten zwischen 150 und 250 Euro Miete
pro Monat. In Anbetracht der Überbelegung der Wohnungen lässt sich dies als teuer einschätzen. Auch die befragten irregulären Migranten sind zu 47,6 Prozent der
Ansicht, dass die zahlende Miete zu hoch sei. Insbesondere die Senegalesen sehen ihre Unterkunft mit 58,3 Prozent als zu teuer an. Immerhin 25,0 Prozent meinen diesbezüglich ‚teils teils’ und 16,7 Prozent finden die Miete angemessen.
Für die befragten Guineer ergibt sich bezüglich der Miete ein interessantes Bild. Die Mehrheit (44,4 %) empfindet die verlangte Miete angemessen. Weitere 22,2 Prozent nehme eine Mittelposition ein, während 33,3 Prozent der Ansicht sind, die Miete würde zu hoch für die gebotene Wohnung bzw. Unterkunft sein.
Der Aufenthalt von irregulären Wirtschaftsmigranten gilt der Suche von Arbeit, dem Verdienen und dem Ansparen von Geld - im Fall der irregulären Wirtschaftsmigration aus Afrika zusätzlich der Unterstützung der Familie im Heimatland. Auf die Frage ob es die Prämisse der Befragten ist, so wenig Miete wie möglich zu zahlen, bejahten dies 52,4 Prozent. Weitere 42,9 Prozent konnten die Frage weder bejahen noch verneinen und nur 4,8 Prozent lehnten jene Prämisse ab. Im Besonderen wollen die Befragten aus dem Senegal zu 66,7 Prozent so wenig Geld wie möglich für ihre Unterkunft ausgeben. Bei den Guineern sind dies nur 33,3 Prozent, während 66,7 Prozent eine Mittelposition einnehmen.
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7.4.5. Verhältnis zum Vermieter
Die allmähliche Verringerung der Bevölkerung zwischen 1970 und 1993 sowie der schlechte Zustand der Häuser und Wohnungen im Stadtviertel Embajadores/ Lavapiés fungierten als starke Faktoren für die Niederlassung von Migranten. Es bestand eine Lücke an günstigen Wohnungen im Stadtzentrum, die Migranten für sich zu nutzen begannen. Die überwiegend privaten Eigentümer haben oft bis heute ihre Wohnungen nicht modernisiert und machen sich die Vulnerabilität der irregulären Migranten zu Nutze. Sie vermieten an die irregulären Migranten
unbewohnbare oder nicht dem heutigen entsprechende Wohnungen häufig zu überhöhten Preisen, sodass die
Vermietung gewinnbringender sein kann als eine Modernisierung oder der Verkauf (vgl. Veiga Martínez 1999: 14).
Die Stichprobe spiegelt dieses Phänomen nur begrenzt wieder. Insgesamt 57,1 Prozent der Befragten glauben, dass der Vermieter keinen ökonomischen Profit aus ihrem undokumentierten Aufenthalt schlagen will. Ihnen gegenüber stehen 19,0 Prozent, die der Ansicht sind, dass sich der Vermieter an ihnen bereichern möchte. Der Großteil der befragten Guineer (77,8 %) schätzt die Situation als ‚sowohl als auch’ ein, wohingegen 58,3 Prozent der Senegalesen klar sagen, dass sie sich ökonomisch nicht ausgenutzt fühlen. Mit 75,0 Prozent beschreiben sie ihr Verhältnis zum Vermieter als gut. Bei den Guineern sind dies mehr als Hälfte (55,6 %). Auch sie sehen 66,7 Prozent das Verhältnis zu ihrem Vermieter als gut an.
7.4.6. Zwischenfazit: Faktoren des Wohnens irregulärer afrikanischer Migranten
Eine Unterkunft wird direkt mit der Ankunft irregulärer Migranten in Madrid benötigt. Abgesehen von der Notwendigkeit ist Wohnen auch die Basis für die soziale Integration und Konsolidierung im Aufnahmeland. Es ist von Bedeutung für die Gewöhnung an das neue Umfeld, den Aufbau von möglichst heterogenen sozialen Kontakten, zur Erschließung von Möglichkeiten zur Arbeitsfindung und um eine lang- oder kurzfristige Planung für das Leben im bis dato fremden Land zu beginnen. Kurz gesagt, ein fester Wohnsitz, eine sichere und
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geregelte Wohnsituation sind fundamental für die Integration in die Mehrheitsgesellschaft (vgl. Augado Cudola/ Cerrillo Martínez 2005: 34; Leal 1996: 127). Irreguläre Migranten haben aufgrund des fehlenden Aufenthaltsstatus große Schwierigkeiten eine Unterkunft zu erhalten und eine geregelte Wohnsituation zu erreichen. Durch das Fehlen von Papieren können sie allein im informellen Wohnungssektor fündig werden. Die Wohnverhältnisse von irregulären afrikanischen Wirtschaftsmigranten variieren, sind aber nicht völlig verschieden - im Gegenteil. Die Ergebnisse der vorgelegten Studie zeigen, dass das Wohnen von irregulären Migranten durch folgende Faktoren gekennzeichnet sein kann.
1.) Aufgrund von fehlenden Papieren erfolgt kein Einbezug der irregulären Miganten in
öffentliche Unterstützungssysteme zur Wohnungsbereitstellung. Weiterhin herrscht oft Unwissenheit unter den undokumentierten Migranten über Hilfestellungen seitens NGOs und weiteren Organisationen. Verantwortlich für diese Situation sind mangelnde Sprachkenntnisse, was auch ein großes Problem in der Befragtengruppe darstellte, sowie Misstrauen gegenüber diesen Einrichtungen.
2.) Die Wohnungsversorgung irregulärer Migranten verläuft im Regelfall über einen informellen Wohnungsmarkt von privaten Eigentümern (vgl. Checa Olmos/ Arjona
Garrido 2006, 165). Das Wohnungsangebot beschränkt sich auf die Wohnungen, die auf dem normalen Wohnungsmarkt im Regelfall als unvermietbar gelten. Die Existenz dieses informellen Marktes bestätigten insgesamt 52,4 Prozent aller Befragten, indem sie die Frage vermeinten, ob es sich bei ihrer derzeitigen Unterkunft, um die einzige Möglichkeit handelte, unter der Betonung, dass es ein geringes Mitangebot besteht. Es wird deutlich, dass der informelle Wohnungsmarkt nur ein kleines Wohnungssegment umfasst, es aber ein Angebot gibt. Das Angebot ist charakterisiert durch teure Mietpreise und schlechtem Zustand, so die Befragten angesprochen auf ihre Probleme bei der Wohnungssuche. Diskriminierungen aufgrund der Herkunft erfuhren nur 6,7 Prozent der Befragten, was zeigt, dass das Mietsegment sich direkt an diese Klientel richtet.
Insgesamt 57,1 Prozent der Befragten sind bereits ein Mal umgezogen. Als Hauptgrund für einen Wohnungswechsel gaben 57,1 Prozent der Befragten an, dass ihre vorherige Unterkunft zu teuer gewesen wäre. Es herrscht eine mäßige Wohnzufriedenheit. Die schlechten Wohnbedingungen müssen aufgrund der fehlenden Angebotsvielfalt und meist unsicheren Arbeitsverhältnisse akzeptiert werden.
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3.) Die Bedeutung von Freunden und Bekannten ist für die Wohnungssuche sehr wichtig. Die Mehrheit aller Befragten erhielt Hilfe von Freunden und Bekannten aus dem Herkunftsland. Bei Migrantengruppen, die im ersten Migrationzyklus stehen und/ oder nur auf schwach ausgebildete Verwandtschaftsstrukturen in den Zielländern zurückgreifen können, ist diese Unterstützung elementar.
4.) Undokumentierte Migranten müssen sich in Akzeptanz schlechterer
Wohnbedingungen üben. Dies lässt sich zum einen auf mangelndes und variables Angebot und zum anderen auf ihre im Regelfall schwache ökonomische Position zurückführen. Irreguläre Migranten haben weniger Raum pro Person zur Verfügung als Spanier oder auch als legale Migranten. Durchschnittlich wohnen 5,3 Personen in drei Zimmern. Ein eigenes Zimmer haben nur die wenigsten. Die Wohnbedingungen sind oftmals gekennzeichnet durch eine schlechte Ausstattung, Dunkelheit, schlechte Belüftung, das Fehlen einer Heizung und teilweise auch das sanitärer Anlagen. Trotz der offensichtlichen Überlebelegung von Wohnungen und deren mangelhafter Ausstattung zahlt die Mehrheit der Befragten zwischen 150 und 250 Euro Miete pro Monat. Dieser Mietpreis liegt unter dem Madrider Durchschnitt, ist jedoch für die Wohnbedingungen viel zu hoch. Auf die Frage bezüglich des Wertes des Wohnens, ob es das Interesse der Befragten ist, so wenig Miete wie möglich zu zahlen, bejahten dies 52,4 Prozent. Hier spielt neben der ökonomisch meist unsicheren Position auch der Mythos der Rückkehr hinein. Die Annahme eines zeitlich begrenzten Aufenthaltes bewirkt die Akzeptanz schlechter Wohnbedingungen (vgl. Meier 2007: 4).
5.) Es bestehen Wunsch und Notwendigkeit des Wohnens mit Landsleuten. In 83,3 Prozent der Fälle verfügen die Mitbewohner ebenso über keinen Aufenthaltstitel. Im Durchschnitt beschreiben 61,9 Prozent aller Befragten das Verhältnis zu ihren Mitbewohnern als gut. Widererwarten sind die Mitbewohnerkonstellationen relativ konstant. Ein häufiger Austausch der Mitbewohner findet nur in 14,3 Prozent der Fälle statt. Durch das Zusammenziehen mit Landmännern, was meist zu Überbelegung der Wohnungen führt, werden die Lebensunterhaltskosten gesenkt. Weiterhin besteht ein kontinuierlicher Informationsaustausch und es baut sich ein Solidaritätsnetz auf, welches es im Notfall vermag, irreguläre Migranten finanziell aufzufangen.
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6.) Undokumentierte Migranten sind oftmals Übergangsnutzer, was zu Unsicherheiten bezüglich der Wohndauer führt und sich negativ auf Stabilisierung der Lebenssituation
auswirkt. Nur 23,8 Prozent der Befragten fühlt sich ihrer Unterkunft sicher.
7.) Die Gefahr der Diskriminierung durch den Vermieter bzw. Eigentümer ist stets präsent. Aufgrund des fehlenden Aufenthaltstitels sind irreguläre Migranten weitgehend schutzlos. Insgesamt 57,1 Prozent der Befragten glauben allerdings, dass der Vermieter keinen ökonomischen Profit aus ihrer Situation schlagen will. Im Gegenteil: 66,7 % der Befragten sehen Verhältnis zum Vermieter als gut an.
7.5. Arbeit
Insgesamt 95,0 Prozent der Befragten gaben ökonomische Motive als Hauptgrund für die Zuwanderung nach Spanien/ Madrid an. Aufgrund des fehlenden Aufenthaltsstatus haben irreguläre Migranten keinen Zugang zum regulären Arbeitsmarkt. Auf dem informellen Arbeitsmarkt sind sie oft von Ausbeutung betroffen (vgl. Cachón, Lorenzo 2003: 70). Die spanische Wirtschaft profitiert hingegen: erstens von der günstigen Arbeitskraft und zweitens weil viele Migranten bereits Qualifikationen durch Bildung, Ausbildung oder eine berufliche Tätigkeit im Herkunftsland mitbringen und so durch ihr Know How zum Wirtschaftswachstum beitragen (vgl. Cebrián 1998: 158).
Der irreguläre Arbeitsmarkt ist anders organisiert als jener der einheimischen Bevölkerung (vgl. Cachón, Lorenzo 2003: 70). Das split labour market Modell steht in der Tradition der neoklassischen ökonomischen Theorie. Ihr zufolge bieten sich Zuwanderer gezielt für geringer qualifizierte Positionen an, um diese dauerhaft zu besetzen (vgl. Oswald 2007: 117). Viele Unternehmer bevorzugen zudem undokumentierte Migranten, da ihre Arbeitskraft günstiger ist als jene der Einheimischen (vgl. Arango Vila-Belda 2002: 65). Sie füllen Nachfragelücken, wo der Arbeitsmarkt durch Einheimische noch nicht gesättigt ist, verdienen jedoch weniger (vgl. Arango Vila-Belda 2002: 65).
Das dual labour market Konzept erklärt die Zuwanderung von der Nachfrageseite aus. Zuwanderer werden gezielt für nicht dauerhafte, schlecht bezahlte Tätigkeiten angeworben. Ihnen wird ausreichend Einkommen versprochen, um Geld ins Heimatland schicken zu können (vgl. Oswald 2007: 117).
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Eine dritte Möglichkeit der Arbeitsplatzfindung ist die encalve economy, eine vierte die des selbstständigen Unternehmertums nach denen sich irreguläre Migranten eigene Nischen schaffen (vgl. Arango Vila-Belda 2002: 66).
Die Arbeitssituation irregulärer Migranten ist gekennzeichnet durch geringe Löhne, lange Arbeitszeiten und schließlich Zeiten der Arbeitslosigkeit (vgl. Cachón, Lorenzo 2003: 70). Undokumentierte Migranten müssen meist die Arbeit annehmen, die sich ihnen anbietet und befinden sich nicht in der Position, ihre Arbeitsbedingungen und ihr Gehalt auszuhandeln.
7.5.1. Arbeitsbereiche von undokumentierten Migranten
Die Hauptarbeitsbereiche für undokumentierte Migranten finden sich im
Dienstleistungsbereich, im Bauwesen sowie in ländlichen Regionen in der Landwirtschaft. Die Besetzung von Arbeitsbereichen steht oftmals im Zusammenhang mit der Nationalität, dem Geschlecht und der soziodemographischen Zusammensetzung einer Migrantengruppe (vgl. Fernández García, Mercedes 2002: 197). Während Lateinamerikaner eher im Dienstleistungsbereich arbeiten, sind Afrikaner überwiegend im Bauwesen und in der Landwirtschaft tätig. Einige Migrantengruppen haben Nischen auf dem Arbeitsmarkt gebildet. So haben Senegalesen beispielsweise den Bereich des Straßenverkauf fast ausschließlich für sich besetzt und sind überwiegend selbstständig tätig (vgl. Fernández García 2002: 195).
7.5.2. Zur gegenwärtigen Arbeitssituation der Befragten
Der Großteil der Befragen (95,2 %) hat bereits in Madrid gearbeitet. Für die Senegalesen liegt diese Quote bei 100,0 Prozent. Die Frage nach der Beschreibung der aktuellen Arbeit war für viele Befragen schwierig zu beantworten. Die Antwortbereitschaft war bei dieser Frage am geringsten. Es lassen sich daher nur Tendenzen feststellen. Guineer haben kein festes Beschäftigungsfeld, sind jedoch überwiegend im Bauwesen beschäftigt. Ein Befragter gab an Koch zu sein. Seit ein bis drei Monaten sind 42,8 Prozent der Guineer im Besitz ihrer Arbeit, der gleiche Anteil vier bis sieben Monate. Nur ein kleiner
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Teil von 14,3 Prozent führt die aktuelle Beschäftigung bereits mehr als zwei Jahre aus. Die Hälfte der Befragten hat den Arbeitsplatz kein Mal und 12,5 Prozent ein Mal gewechselt. Der Anteil derer, die bereits drei Mal ihren Arbeitsplatz gewechselt haben liegt bei 37,5 Prozent. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass Guineer keine Nischen für sich besetzt haben, sondern mit anderen irregulären Migranten um Arbeitsangebote auf dem informellen Arbeitsmarkt konkurrieren.
Insgesamt 83,33 Prozent der Senegalesen gaben an im Straßenverkauf zu arbeiten. Die restlichen 16,66 Prozent sagten, sie würden temporäre Arbeiten verrichten. Jene wurden überwiegend auf dem Plaza de Cabestreros angetroffen. Dieser Platz wird nicht nur zur sozialen Interaktion bzw. zum Informationsaustausch genutzt. Hier warteten die befragten Senegalesen auf Arbeitsangebote, die meist temporär ausgelegt sind 28 . Ihre aktuelle Tätigkeit führten 66,7 Prozent der senegalesischen Befragten zwischen vier und acht Monaten und 33,3 Prozent zwischen ein und eineinhalb Jahren aus.
Die Tätigkeit des Großteils der Senegalesen im Straßenverkauf als topmanta kann als eine Finanzierungsmöglichkeit für den Übergang gesehen, in anderen Fällen als Tätigkeit über Jahre ausgeführt werden. Von den Befragten haben 83 Prozent bisher nicht die Tätigkeit gewechselt. Es werden Zeitschriften, gebrannte CDs, DVDs oder Imitate von Gürteln, Parfums oder Sonnenbrillen bekannter Designermarken verkauft. Der Straßenverkauf durch die Senegalesen stellt eine typische Nische dar (vgl. Wabgou 2000: 11f.). Der Verkauf von Gütern direkt auf der Straße hat in Madrid eine lange Tradition. Bis Ende der 1980er Jahre wurde diese Tätigkeit von jungen Madridern sowie Roma und Sinti ausgeführt. Dann übernahmen Lateinamerikaner, vor allem Argentinier und Chilenen, diese Tätigkeit. Seit den 1990er Jahren begannen die Senegalesen nach und nach diesen Bereich für sich zu vereinnahmen. Der Straßenverkauf verfügte stets nur über ein geringes Prestige. Die mögliche polizeiliche Verfolgung stellt eine latente Gefahr während des Verkaufs für die Senegalesen dar. Dem Wohnquartier, sprich Embajadores/ Lavapiés, kommt hier eine wichtige Bedeutung zu. Dort laufen informelle Netze zusammen, die zur Beschaffung der angebotenen Ware notwendig sind.
28 Konrad Hofer nannte dies „Arbeitsstrich“ (1993: 113).
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Für das Finden von Arbeit spielen
Kontakte zu Freunden und Bekannten mit 68,4 Prozent eine zentrale Rolle bei Guineern (75,0 %) und Senegalesen (63,5 %). Unterstützung bei der
Arbeitssuche erhielten 27,3 Prozent der Senegalesen durch eine im Rahmen dieser Studie nicht weiter spezifizierbare Gruppe.
Im Fall von Guinea ist erkennbar, das auch hier bestehende Familienstrukturen bei der Suche nach Arbeit mit 25,0 Prozent unterstützend wirkten. Für die Senegalesen ist diese Form der Hilfe mit 9,2 Prozent weniger von Bedeutung.
Irreguläre Migranten halten sich in den unteren Lohnsektoren aus. Die überwiegende Mehrheit
verdient weniger als 1.000 Euro pro monatliche Einkommen der Senegalesen liegt mit 63,5 Prozent bei unter 500 Euro.
Damit sind sie ökonomisch schlechter gestellt als die Guineer, wo die Mehrheit mit 55,6 Prozente immerhin zwischen 500 und 1.000 Euro monatlich verdient. Nur ein kleiner Teil der Befragten (10,2 %) liegt im Lohnsegment von 1.000 bis 1.500 Euro. Die prekäre Arbeitssituation wird besonders deutlich, wenn die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in die Betrachtung mit einbezogen wird. Schwarzafrikaner nehmen längere Arbeitszeiten in Kauf (vgl. Cebrián 1998: 158). Die erhobenen Daten bestätigen dies nicht auf den ersten Blick, da diese Frage von vielen nicht beantwortet werden konnte aufgrund von temporären Arbeitsverhältnissen. Zudem haben irreguläre Migranten keinen festgelegten Stundensatz. Von den befragten Guineern arbeitete der Großteil zwischen 40 und 45 Stunden die Woche. In einem Fall war auch von 60 Stunden pro Woche die Rede. Ein ähnliches Bild zeigte sich auch für die Senegalesen. Einige der Befragten arbeiten oft sieben Tage die Woche im Straßenverkauf. Ihre Freizeit verbringen viele auf zentralen Plätzen, wo sich kurzfristig, wie bereits geschildert, Arbeitsmöglichkeiten ergeben können.
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7.5.3. Arbeitsweg
Insgesamt 75,0 Prozent der Senegalesen und 44,4 Prozent der Guineer arbeiten außerhalb von Embajadores/ Lavapiés. Insbesondere die Senegalesen, die überwiegend im Straßenverkauf arbeiten, sind zur intraurbanen Mobilität gezwungen. Sie nutzen zu 72,7 Prozent den öffentlichen Nahverkehr als Hauptfortbewegungsmedium. Sie sind im Durchschnitt zwischen 15 und 30 Minuten unterwegs. Allein 18,2 Prozent gehen zu Fuß zur Arbeit. Weitere 9,1 Prozent nutzen eine Mitfahrgelegenheit.
Die Guineer, die außerhalb von Embajadores/ Lavapiés tätig sind, nutzen wie die Senegalesen vorwiegend den öffentlichen Nahverkehr. Zum Erreichen ihrer Arbeit benötigen 25,0 Prozent 10 bis 15 Minuten und weitere 25,0 Prozent 30 bis 60 Minuten. Dieses Ergebnis zeigt, dass Guineer auch über von Embajadores/ Lavapiés räumlich entferntere Arbeitsplätze verfügen. Für Guineer und Senegalesen spielt die Nähe Embajadores/ Lavapiés zum Bahnhof Atocha, einem Knotenpunkt für die Metro und regionale Verbindungen, eine besondere Rolle. Interessant ist, dass die Guineer wie Senegalesen, die außerhalb arbeiten, den langen Fahrtweg auf sich nehmen und nach der Arbeit wieder nach Embajadores/ Lavapiés zurückkehren. Die Frage, ob sie die Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort störe, verneinten 75,0 Prozent der Guineer und 60,0 Prozent der Senegalesen. Allein 16,6 Prozent aller Befragten empfanden die räumliche Entfernung als Belastung.
7.5.4. Zwischenfazit: Faktoren der Arbeit irregulärer afrikanischer Migranten
Der Besitz von Arbeit stellt den vorrangigen Weg zur Finanzierung und Stabilisierung der Lebenssituation im Aufnahmeland dar. Ohne Arbeit oder allein mit temporären Arbeitsverhältnissen ist es für irreguläre Migranten schwierig ihre Position in anderen Dimensionen (z.B. Wohnen, Kontakte) dauerhaft zu stabilisieren (vgl. Pajares Alonso 2002: 533).
Der Zugang zum informellen Arbeitsmarkt kann ein erster Schritt auf dem Weg in den regulären Arbeitsmarkt darstellen und ist für den Erhalt eines Aufenthaltsstatus binnen eines Legalisierungsprogramms unerlässlich. Die Frage hier jedoch ist, ob die Bewegung auf dem informellen Arbeitsmarkt zur Stabilisierung der Lebenssituation beitragen kann, da dieser im Regelfall durch unsichere und schlecht bezahlte Arbeitsverhältnisse gekennzeichnet ist (vgl. Fernández García, Mercedes 2002: 187). Unternehmen bevorzugen oftmals irreguläre
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Migranten. Sie zahlen ihnen geringere Löhne und vergrößern ebenso durch die fehlende Notwendigkeit der Zahlung von Sozialabgaben ihren Gewinn. Es besteht eine Nachfrage nach dieser Form der Arbeitskraft, welche bis in die Herkunftsländer potentieller Migranten vordringt und als Pull-Faktor zur Einwanderung motiviert.
Irreguläre afrikanische Migranten finden sich oft in Beschäftigungszweigen, die für die Mehrheitsgesellschaft unattraktiv sind bzw. in denen sie gar nicht oder wenig mit Spaniern konkurrieren. Es handelt sich vorwiegend um die folgenden Bereiche: Landwirtschaft, Bauwesen, Restaurantwesen, Dienstleistungswesen sowie im häuslichen Bereich als Pflege-oder Putzkräfte. Afrikanische Migranten haben sich zudem eigene Berufsnischen entsprechend ihrer Nationalität geschaffen bzw. für sich eingenommen.
Der Großteil der befragten Personen (95,2 %) hat bereits in Madrid gearbeitet. Mit ihrer Arbeitssituation zufrieden sind 47,4 Prozent der Befragten. Guineer (62,5 %) stehen ihren Arbeitsverhältnissen positiver gegenüber als Senegalesen (36,3 %). Die befragten Senegalesen sind überwiegend unzufrieden (45,5 %) bis sehr unzufrieden (18,2 %). Der kleinere, aber nicht geringe Teil von 37,5 Prozent der Guineer ist ebenfalls unzufrieden mit der Arbeitssituation.
Folgend sollen die Faktoren, die für die Arbeitssituation irregulärer afrikanischer Wirtschaftsmigranten kennzeichnend sind, vorgesellt werden. Die Punkte eins bis fünf sind das Resultat der Auswertung der Untersuchungsergebnisse und Punkt sieben sowie Punkt acht eine Zusammenstellung anhand des Literaturstudiums.
1.) Es besteht die latente Gefahr des Entdecktwerdens und somit der Abschiebung ins Herkunftsland.
2.) Die Arbeitsbereiche irregulärer Migranten unterscheiden sich nach den Herkunftsländern. Die vorliegende Studie zeigt, dass irreguläre Guineer sich auf keinem bestimmten Arbeitssektor bewegen. Senegalesen hingegen sind ein typisches Beispiel für eine Nischenkultur im Sektor Arbeit. Sie sind fast zu 100 Prozent im Straßenverkauf tätig 29 .
29 Die irreguläre Wirtschaftsmigration ist ein überwiegend männliches Phänomen, aber das Geschlecht kann eine Rolle bei der Bewegung auf dem informellen Arbeitsmarkt spielen. Lateinamerikanerinnen ohne Aufenthaltsstatus arbeiten überwiegend im häuslichen (Aparicio/ Tornos 2003: 219)
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3.) Die Unterstützung von Freunden und Bekannten aus dem Herkunftsland ist für das Finden einer Arbeitsstelle von sehr hoher Bedeutung. Die Verwandtschaftsnetzwerke
und die Beziehungen von Migrantengruppen unterschiedlicher Nationalität sind demgegenüber meist nur sehr gering ausgeprägt. Der schnelle Zugang zu einer Arbeit zur Finanzierung der Lebenssituation ist daher unumgänglich.
4.) Irreguläre Migranten sind häufiger von schlechten Arbeitsverhältnissen und einer geringen Bezahlung betroffen als reguläre Migranten oder Spanier. Die meist geringen
Löhne machen es irregulären Migranten schwer, eine finanzielle Absicherung zu schaffen. Es ist häufig nicht sicher, ob der vereinbarte Lohn ausgezahlt wird. Das fehlende Aufenthaltsrecht der afrikanischen irregulären Migranten kann als Druckmittel gegen sie eingesetzt werden. Undokumentierte Migranten sind damit weitgehend schutzlos gegen Betrug und Unterbezahlung durch unseriöse Arbeitgeber ausgeliefert. Insgesamt 48,3 Prozent der Befragten verdienten weniger als 500 Euro im Monat. Die fehlenden 41,5 Prozent bekommen pro Monat zwischen 500 und 1.000 Euro. Diese Angaben sind unter Vorbehalt zu sehen, da gerade die irregulären Senegalesen im Straßenverkauf kein festes Einkommen vorweisen können 30 .
5.) Die Erhebung der soziodemographischen Daten der Befragten zeigt, dass irreguläre afrikanische Migranten nicht zwangsläufig unqualifizierte Arbeiter aus ländlichen Regionen sind. Das allgemeine Bildungsniveau liegt nicht sehr hoch, aber es regt zu
einer größeren Spezifizierung an, da sehr wohl einige Befragten eine Ausbildung oder einen Hochschulabschluss besitzen. Weiterhin stammt der Großteil der Befragten aus Städten.
6.) Irreguläre afrikanische Migranten sind in der Stadt sehr mobil. Längere Anfahrtswege zur Arbeitsstätte werden relativ problemlos in Kauf genommen. Der Großteil der Befragten arbeitet außerhalb des untersuchten Stadtviertels.
30 Nach Barbolla Camarero werden reguläre Migranten nicht zwangsläufig schlechter bezahlt als Spanier. Er ist der Ansicht, dass sich die Löhne der Migranten mit der Dauer des Beschäftigungsverhältnisses, denen der spanischen Beschäftigten angleichen werden (vgl. 2002: 175). Für irreguläre Migranten, die jahrelang der gleichen Beschäftigung nachgehen, ist diese Entwicklung nicht ausgeschlossen. Allerdings in der ersten Konsolidierungsphase sind die Lohnunterschiede für die geleisteten Wochenarbeitsstunden, wie die erhobenen Daten zeigen, evident.
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7.) Unsicherere Arbeitsverhältnisse und ein häufiger Arbeitsplatzwechsel sind weitere
Kennzeichen des informellen Arbeitsmarktes (vgl. Fernández García 2002: 187). Eine Entlassung ist jederzeit unangekündigt möglich. Es kann dann Tage oder Wochen dauern, bis eine neue sichere Arbeit gefunden wird. Ihr können viele temporäre Beschäftigungsverhältnisse vorausgehen.
8.) Bei vielen Beschäftigungsangeboten handelt es sich um körperlich schwere Arbeit oder um Arbeiten, die nicht nur schlecht bezahlt sind, sondern auch gefährlich für Leib und Leben sein können (vgl. Arango Vila-Belda 2002: 66).
7.6. Soziale Kontakte
Es besteht jedoch eine Tendenz
zur Migrantengruppen Stadtgebieten Benavides 2007: 3). Die Intensität variiert Herkunftslandes Aufenthaltsdauer.
Irreguläre Migranten sind keine Einzelgänger (vgl. Álvarez Benavides 2007: 3; Alt 2005: 38), Die Befragten, die nach Lavapiés kommen, haben Bruder, Cousin, Freund, der ihnen die Ankunft und die Anfangszeit erleichtert.
Die soziale Integration erfolgt über Bekanntschafts- oder Freundschaftsbeziehungen. Es entstehen informelle Beziehungen, welche essentiell für die ersten Monate irregulärer schwarzafrikanischer Migranten im Zielland sind (vgl. Wabgou 2000: 1). Sie müssen sich in der Aufnahmegesellschaft zurechtfinden, eine Arbeit finden und oft einen Kulturschock verarbeiten. Die Funktionalität der sozialen Netze von Migranten zeigt sich bei der Ermöglichung der Reise und der Einreise nach Spanien, der Hilfestellung zum Finden einer Unterkunft sowie einer Arbeit.
Die informellen Netze verstreuen sich diffus über das Stadtviertel Lavapiés (vgl. Álvarez Benavides 2007: 3). Sie sind ebenso von hoher Bedeutung zur Weiterführung der Kultur des
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Herkunftslandes. Auch wird die Ausbildung von Migrationsketten vorangetrieben. Migrantengruppen unterschiedlicher Herkunft mischen sich selten. Es besteht kein Konfliktverhältnis, sondern eher kein Verhältnis (vgl. Álvarez Benavides 2007: 7, Giménez Romero 1993b: 316). Einige Migrantengruppen finden öfter zusammen als andere, beispielsweise Anhänger des Islams welche sich in Gebetsräumen treffen.
7.6.1. Landleute und Nationalitäten in vergleichbarer Situation
Es besteht ein Zusammenhang zwischen den sozialen Netze der Einwanderer und dem Phänomen der räumlichen Konzentration. Auch in Embajadores/ Lavapiés lassen sich bereits community-artige räumliche Formationen ethnischer Minderheiten erkennen (vgl. Giménez Romero 1993a: 99). Insgesamt 76,2 Prozent der Befragten gaben an, dass die Mehrheit ihrer sozialen Kontakte in Embajadores/ Lavapiés wohnt. Nur 4,8 Prozent verneinten die Frage. Im Fall der Senegalesen sind dies 83,3 Prozent. Insgesamt 66,7 Prozent der Guineer haben den Großteil ihrer sozialen Kontakte in Embajadores/ Lavapiés. Weitere 33,3 Prozent sagen, dass sie ebenso viele Kontakte in Embajadores wie in anderen Stadtteilen hätten. Alle Befragten (100 %) zählen Menschen in ebenfalls irregulärer Situation zu ihren Freunden bzw. Bekannten. Bezüglich der gleichen Nationalität haben 95,2 Prozent der Befragten ebenso Kontakt zu Landsleuten mit einem regulären Aufenthaltsstatus. Die Daten für Guineer und Senegal sind hier in etwa gleich.
Der Kontakt zwischen den Migrantengruppen in Embajadores/ Lavapiés ist mit 28,6 Prozent nicht sehr weitreichend. Bemerkenswert ist, dass die Kontakte zu Menschen anderer Nationalität ohne Aufenthaltstitel mit 52,4 Prozent wiederum ausgeprägter sind.
besuchen Familie und Freunde in 71,4 Prozent der Fälle im Stadtviertel. Senegalesen (22,2 %)
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verlassen ihr Stadtquartier weniger als Guineer (16,7 %), um zu Freunden zu fahren. In ihren Wohnungen veranstalten nur 47,6 Prozent aller Befragten regelmäßige Treffen, die Befragten aus dem Senegal (66,7 %) im Übrigen öfter als die Guineer (22,2 %).
Nach Llamas und Martínez Pardo „entwickeln sich neue Formen der Aneignung des für Wohnen und Arbeiten bevorzugten Raumes, wodurch es [im öffentlichen Raum, A. d. V.] zu Treffpunkten der Einwanderer gleicher Nationalität oder geographischer Herkunft kommt. Diese Gruppen werden damit in der Gesellschaft stärker sichtbar“ (1997: 67). Den Großteil ihrer Freizeit verbringen afrikanische Migranten mit und ohne Aufenthaltstitel in ausgewählten Cafés oder Bars sowie auf öffentlichen Plätzen, wie dem Plaza de Cabestretros oder dem Plaza de Lavapiés. Im Fall der befragten Personen der vorliegenden Studie trifft dies auf 76,2 Prozent zu. Die Migrantengruppen treffen sich dort oder in Parks zum gemeinsamen Austausch, zur persönlichen Unterstützung und zur Information über mögliche Wohn- und Arbeitsangebote. Diese Treffpunkt machen die Migranten im urbanen Raum sichtbar und verändern letzteren (vgl. Chulilla Cano/ Azagra Albericio 2005: 65). Die Plätze und Parks erfahren neue Bedeutungen und fungieren immer weniger als Treffpunkt von Einheimischen. Dieser Umstand birgt Konfliktpotential, da sich die Aufnahmegesellschaft in einem Quartier oftmals zurückgedrängt fühlt. Bei der einheimischen Quartiersbevölkerung entsteht ein Gefühl von Unsicherheit, welches Distanz und Ablehnung fördert, wohingegen, die irregulären Migranten die Isolation von der Mehrheitsgesellschaft versuchen zu entgegnen, indem sich ihr soziales Umfeld innerhalb homogener sozialer Netzwerke der eigenen Nationalität abspielt. Der Rückzug in die ethnische Gemeinschaft ist auch zur psychischen Stabilisierung, beispielsweise zur Überwindung eines Kulturschocks, von Bedeutung. Diese Art der Freizeitgestaltung gehört durch das Knüpfen von Kontakten und der Gewinnung von Informationen zur Überlebensstrategie irregulärer afrikanischer Migranten.
Eine weitere Möglichkeit der Freizeitgestaltung ist das Fernsehen. Im Rahmen der durchgeführten Befragung wurden speziell zu diesem Thema keine Fragen gestellt. Entsprechend der sozialwissenschaftlicher Literatur lässt sich die Aussagte treffen, dass das Lernen der Sprache und die Begegnung mit der spanischen Kultur bzw. Lebensweise und Wertestruktur über das Fernsehen vollzieht. Es fungiert oftmals als einzige Verbindung zwischen Migranten und Mehrheitsgesellschaft (vgl. Solé 1996: 56).
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Nicht zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten der irregulären afrikanischen Migranten gehörten touristische Unternehmungen. Insgesamt 76,2 Prozent der Befragten, genauer 77,8 Prozent der Guineer und 75,0 Prozent der Senegalesen, gaben an, noch keine Sehenswürdigkeiten der Stadt Madrid besichtigt zu haben.
7.6.3. Spanische Nachbarn und alteingesessene Bevölkerung
Die alteingesessene Bevölkerung Embajadores/ Lavapiés übt sich in Skepsis gegenüber den „neuen Nachbarn“ (vgl. Barañano Cid u.a. 2006: Kap. 5). Bereits in einer quantitativen Studie von im Jahre 1996/1997 äußerten sich viele spanische Bewohner von Embajadores/Lavapiés besorgt über die zunehmende Präsenz von Migranten im Stadtviertel (vgl. Giménez Romero 2006: o.S.). Im Jahre 1996 lag der Ausländeranteil allerdings ‚erst’ bei fünf Prozent. Bis zum Jahre 2006 hatte sich dieser auf 35 Prozent erhöht.
Die spanischen Nachbarn drücken ihre Skepsis und Vorteile in sozialer Distanz aus. Sie ist oftmals das Ergebnis vom „schlechten Bild“ der irregulären Migranten meist aus Afrika, welches durch die Medien produziert wird auch wenn sie irreguläre Migranten per se nicht im öffentlichen Raum und Wohnumfeld von Migranten mit einem Aufenthaltsstatus unterscheiden können. Insbesondere die Verbindung von irregulärer Einwanderung, welche in den Medien nicht selten als eine wahre Invasion darstellt wird, und Kriminalität wird die Angst und die Ablehnung der alteingesessenen Bevölkerung verstärkt. Ebenso kann der physische, soziale, soziodemographische und gewerbliche Wandel, der sich in einer relativ kurzen Zeitspanne vollzog, viele alteingesessenen Spanier überfordern. Viele leiden unter dem Gefühl, dass das Lavapiés „im alten Sinn“ nicht mehr existiert (vgl. Barañano Cid u.a. 2006: 212).
Insgesamt 33,4 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Nachbarn oder die Quartierbevölkerung Probleme mit Migranten haben. Die Mehrheit der Befragtem (57,1 %) hingegen ist sich nicht sicher und antwortete mit ‚teils teils’. Nur 9,5 Prozent aller Befragten glauben, dass die spanische keine Quartiersbevölkerung Probleme mit ihrer Anwesenheit hat.
Irreguläre Migranten machen immer wieder Erfahrungen der Diskriminierung (vgl. Giménez Romero 1993b: 331). Durch die abwehrende und oft ablehnende Haltung der spanischen Quartiersbevölkerung ziehen sich die Migranten in ihre homogenen Netzwerke zurück, um
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Geringschätzungen etc. vorzubeugen. Teilweise liegt auch einen Kulturschock vor, so dass die Unterstützung der eigenen community und eine intensive Beziehung zu ihr gerade in der Anfangszeit sehr wichtig ist. Allerdings gaben immerhin 77,9 Prozent der Guineer an, dass sie Spanier kennen würden. Bei den Senegalesen sind dies nur 25,0 Prozent.
7.6.4. Zwischenfazit: Faktoren sozialer Beziehungen irregulärer afrikanischer Migranten
Die Ausbildung sozialer Kontakte und die Eingliederung in ein soziales Netz sind für Stabilisierung der Lebenssituation irregulärer afrikanischer Migranten, insbesondere in der Anfangszeit, von großer Bedeutung.
Die erhobenen Daten zeigten, dass niemand der Befragten mit dem Stand seiner sozialen Kontakte unzufrieden war. Im Gegenteil 81,0 Prozent waren zufrieden und 19,0 Prozent sogar sehr zufrieden 31 .
Die sozialen Beziehungen von irregulären afrikanischen Migranten sind nach Auswertung der Untersuchungsergebnisse durch folgende Faktoren gekennzeichnet.
1.) Afrikanische Migranten ohne regulären Aufenthaltsstatus leben selten isoliert. In der Regel sind sie in ein enges Netz homogener sozialer Kontakte eingebunden. Diese Kontakte beschränken sich auf Vertreter ihrer Nationalität. Überwiegend handelt es sich um Personen ohne Aufenthaltsstatus. Aber auch afrikanische Migranten mit legalem Aufenthaltsstatus gehören als wichtiger Teil zum Netzwerk. Die Angehörigen des Netzwerks sind jung, männlich und leben im Regelfall ohne Familie im Zielland.
2.) Die Einbindung in soziale Netze verläuft relativ schnell. Nicht alle irregulären afrikanischen Migranten verfügten vor ihrer Ankunft über soziale Kontakte. Wohl aber war auch für sie die Unterstützung von Landsleuten sehr wichtig für den Zugang zu Wohnen und Arbeiten.
3.) Die sozialen Netzwerke sind nahezu ethnisch homogen. Schwarzafrikaner unterschiedlicher Nationalitäten besonders ohne, aber auch mit Aufenthaltstitel
31 Die konkreten Angaben für Guinea und Senegal lauten: Guinea: 11,1 Prozent sehr zufrieden; 88,9 Prozent zufrieden / Senegal: 25,0 Prozent sehr zufrieden; 75,0 Prozent zufrieden.
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kennen einander, aber ihr vorrangiges soziales Umfeld sind Landsleute. Es besteht aber nicht zwangsläufig ein Konfliktverhältnis mit anderen ethnischen Gruppen 32 .
4.) Die vorwiegende Konzentration von irregulären afrikanischen Migranten auf bestimmte Straßenzüge bewirkt eine Sichtbarwerdung der afrikanischen Migranten -
mit oder ohne Aufenthaltstitel - im öffentlichen Raum. Plätze bekommen neue Bedeutungen. Sie werden zum Treffpunkt für Informationsaustausch, zum Ort der Vermittlung für temporäre Arbeitsangebote und somit Teil der Überlebensstrategie undokumentierter afrikanischer Einwanderer.
Soziale Kontakte werden des Weiteren in Bars/ Café, die von Spaniern nicht frequentiert werden, aufgebaut und vertieft.
5.) Die sozialen Kontakte zu Spaniern sind nicht sehr ausgeprägt. Wohl ist es möglich spanische Freunde zu haben. Sie gehören aber meist nicht zur direkten Nachbarschaft. Zu ihr besteht wenig Kontakt. Insbesondere die Zuwanderergruppen aus Afrika lösen Beunruhigung, Ablehnung und soziale Distanz bei den ‚Alteingessenen’ aus. Bestärkt durch die Medien und den sichtbaren physischen gewerblichen Wandel, sowie den Veränderungen des öffentlichen Raums bewirkt oft Unwohlsein ihrerseits.
7.7. Assoziationen
In Embajadores/ Lavapiés gibt es verschiedene Organisationen. Insgesamt 90,5 Prozent aller Befragten haben Kontakt zu Organisationen. Sie werden zum einen von Migranten meist mit Fokus auf die eigene Nationalität und zum anderen von Spaniern geleitet. Sie alles haben das Ziel, die Integration der Zuwanderer zu erleichtern. Die spanischen Organisationen bearbeiten die gleichen Aktionsbereich wie Migrantenassoziationen, sind aber im Regelfall professionalisierter oder auf bestimmte Themen und Handlungsfelder spezialisiert, wie die Bereitstellung von Angeboten zum Spracherwerb oder des juristischen Beistandes. Diese bestehenden Angebote werden von irregulären Migranten jedoch nur wenig benutzt. Sie sind
32 Der Vizepräsident der Assoziation der Senegalesen begründete den Umstand mit fehlendem Vertrauen in anderen Migrantengruppen und dem Vorbehalt, dass diese in Ernstfällen Informationen etc. vorenthalten würden, wenn es zu ihrem eigenen Vorteil wäre. Nur der eigenen Nationalität könne man vollständig vertrauen.
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eher Assoziationen 33 zugewandt, die von Angehörigen ihrer eigenen Nationalität geführt werden. Die Migrantenassoziationen bearbeiten ein breit gefächertes Handlungsspektrum. Die wichtigsten Assoziationen in Embajadores/ Lavapiés sind: Asociación de Bangladesh; Asociación de Senegaleses; IBN Batuta (Marokko) und die Asociación de comerciantes Chinos.
Die Migrantenassoziationen, die sich aus Migranten für Migranten bilden, werden von der wissenschaftlichen Forschung bezüglich ihrer Struktur und Handlungsfähigkeit als labil eingeschätzt (vgl. Giménez Romero 1993b: 102). Die Assoziationen von Schwarzafrikanern gelten diesbezüglich als besonders labil (vgl. Giménez Romero 1993b: 103).
7.7.1. Assoziation von Landsleuten
Die Bildung von Assoziationen ist ein Phänomen, welches seit den 1990er Jahren auftritt. Im Jahr 1990 wurde die erste schwarzafrikanische Assoziation von Zuwanderern aus Kapwerden gegründet wurde und war für alle Migranten frei zugänglich. Ein Jahr später formierten sich Senegalesen zu einer Assoziation. Es war der zweite Versuch. Der erste war gescheitet, sodass die Assoziation der Senegalesen sich diesmal vorrangig an Senegalesen richtete. Die gleiche Nationalität und ethnische Zugehörigkeit ist das zentrale zusammenhaltende Element der Assoziationen von Migranten. Insgesamt 100 Prozent der befragten Guineer haben Kontakt zu der Assoziation ihrer Nationalität. Im Fall der Senegalesen sind es immerhin 81,8 Prozent 34 .
Die organisatorische Struktur ist generell und so auch im Fall der Assoziation der Senegalesen und der der Guineer, hierarchisch. Beide Assoziationen haben keine feste Adresse. Der Zugang erfolgt über Bekannte. Zudem gibt es regelmäßige Treffen in Bars. Die Assoziationen sind zudem spanien- und teilweise europaweit organisiert. Auch bestehen Verbindungen zum Herkunftsland.
Jeder Guineer oder Senegalese ist durch den Besitz der jeweiligen Nationalität automatisch Mitglied. Im Fall der Assoziation der Senegalesen muss jeder Senegalese einen monatlichen
33 In der vorliegenden Arbeit wird der Begriff Assoziation, in Anlehnung an die im Spanische benutzte Bezeichnung asociación, für die Organisationen der Migranten benutzt.
34 Die nun folgenden Informationen in diesem Abschnitt wurden während der Interviews mit Vertretern der Assoziationen von Guinea und Senegal gesammelt. Für ausführlichere Informationen siehe Gesprächsprotokolle im Anhang.
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Mitgliedsbeitrag zwischen sechs und acht Euro bezahlen. Öffentliche Gelder zur Finanzierung der Assoziation werden nicht bezogen. Dies ist auch so gewollt, weil „dazu zu viele Daten offen gelegt werden müssten. Es müsste dargestellt werden, wofür die Gelder verwendet werden, meist für Büro, Personal, aber Ziel der Assoziation ist es direkt zu helfen und sich nicht mit anderem zu belasten.“, so der Vizepräsident der Assoziation der Senegalesen im Interview. Auch die Assoziation von Guinea bezieht keine öffentlichen Gelder, sondern finanziert sich durch private Spenden und Mitgliedsbeiträge von drei Euro monatlich 35 .
Die Hauptaufgaben beider Assoziationen liegen in der Unterbringung von Neuankömmlingen in Wohnungen von Bekannten und Freunden, die Hilfe bei der Arbeitssuche, die Leistung von rechtlichen Beistand, die finanzielle Unterstützung im Krankheitsfall oder bei sonstigen Angelegenheiten, die Hilfe bei der Einreise, auch mit gefälschten Papieren oder durch „Ausleihen“ von Papieren. Gleiches gilt für die Ausreise, bei dringenden Angelegenheiten im Herkunftsland und der erneuten Einreise, dem Kauf von Flugtickets, Fahrservice usw. Die Assoziationen fördern auch die Wahrung der eigenen Kultur, aber weniger die Integration und Teilhabe ihrer Mitglieder an spanischen Bräuchen und Festen.
7.7.2. Spanische Organisationen zur Unterstützung von Migranten
Zwischen den verschiedenen Migrantenassoziationen und spanischen Organisationen besteht wenig Kontakt. Es liegt kein konflikthaftes Verhältnis vor, es fehlt an Vertrauen und Notwendigkeit des Kontakts. Die Unterstützung spanischer Organisationen, die Angebote an irreguläre Migranten in Form von Sprachkursen und Rechtshilfen richten, wird von den Befragten kaum genutzt bzw. kaum gekannt 36 . Oftmals erreichen die Angebote die irregulären Migranten daher nicht. Immerhin 39,4 Prozent der in der vorliegenden Studie befragten Personen haben Kontakt zu spanischen Organisationen zur Unterstützung von Migranten. Konkret sind das 45,5 Prozent der Senegalesen und 33,3 Prozent der Guineer. Eine der bekanntesten spanischen Organisationen, die Hilfe für afrikanische Einwanderer anbietet, ist
35 Beim Todesfall eines Guineers in Madrid müssen 50 Euro von allen in Madrid lebenden Guineern gezahlt werden. Von anderen guineerische Organisationen in Spanien muss jedes Mitglied 20 Euro bezahlen. Das Prinzip ist reziprok.
36 Der Vertreter der Assoziation der Guineer versuchte diesen Umstand am Beispiel zu erläutern, dass Europäer ein Plakat, einen Zettel der öffentlich ausgehangen ist, lesen würden, Afrikaner hingegen nicht, erstens weil sie keine europäische Mentalität haben und zweitens weil sie vielleicht nicht lesen können
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KARIBU 37 , welche vielen Befragten auch ein Begriff war. Um welche Organisationen es sich konkret handelt, kann anhand der Daten nicht genauer spezifiziert werden.
7.7.3. Zwischenfazit: Die Bedeutung von spanischen und Organisationen der Landsleute
Die Assoziationen von Guinea und Senegal sind hauptsächlich in Embajadores/ Lavapiés tätig. Ihre Unterstützung insbesondere bezüglich der Versorgung mit Wohnraum ist gerade für diejenigen sehr wichtig, die über keine vorherigen sozialen Kontakte in Madrid verfügen. Die Bedeutung der Assoziationen spiegelt sich in ihrem Bekanntheitsgrad wider. Insgesamt 81,8 Prozent der Senegalesen und 100 Prozent der befragten Guineer haben Kontakt zur Assoziation ihres Landes. Dies ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil die Assoziationen keine offizielle Adresse haben 38 . Dadurch stehen die Assoziationen weniger unter Beobachtung und können auch „halblegale“ Tätigkeiten zur Unterstützung ihrer Landsleute durchführen.
7.8. Rückkehr vs. endgültige Niederlassung
Die irreguläre Wirtschaftsmigration aus Afrika beinhaltet nicht nur die geographische Mobilität, sprich den Wechsel des Wohnortes, sondern auch eine soziale Mobilität im Sinne eines Statuswechsels. Migration kann zu einer Statusverbesserung führen (vgl. Düvall 2006: 158), muss es aber nicht zwangsläufig. Die Entscheidung zur Rückkehr ins Herkunftsland steht mit letztgenanntem Punkt in enger Verbindung.
Im letzten Teil der Auswertung der Untersuchungsergebnisse wird dargelegt, in welchem Land die Befragten in der Zukunft leben möchten. Die Entscheidung über eine Rückkehr, das Verbleiben in Spanien oder der Gang in ein anderes Land der Europäischen Union liegt dabei teilweise nicht bei den Miganten selbst. Im zweiten Punkt werden daher freiwillige und unfreiwillige Gründe für das Verbleiben im Zielland erörtert.
37 Die offizielle Internetpräsenz von KARIBU ist: www.asociacionkaribu.org/, Zugriff am 21. November 2007.
38 Die Verfasserin der Arbeit, hat sich wie jeder der neu ohne Kontakte in Embajadores/ Lavapiés ankommt, bis zu den Verantwortlichen der Assoziationen ‚auf der Straße’ durchgefragt.
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7.8.1. Migrationserfolg und Wohnpräferenzen für die Zukunft
Der Migrationserfolg bezieht sich oftmals nicht nur auf das migrierte Individuum, sondern ebenso auf die Familie im Herkunftsland. Deren Lebenssituation wird aufgrund von finanziellen Überweisungen seitens des irregulären Migranten aus dem Zielland nicht zwangsläufig verbessert, aber eventuell stabilisiert. Unabhängig davon, ob Zahlungen ins Herkunftsland geleistet werden, kann sich ein Migrationserfolg bei irregulärer Migration nur bedingt und sehr verlangsamt im Vergleich zu legalen Migranten herstellen. Der irreguläre Status der afrikanischen Migranten macht sie verletzlich und somit potentiell zum Opfer von Ausbeutung im laboralen und residentiellen Bereich.
Irreguläre Wirtschaftsmigranten sind sich oft nicht über die emotionale Anforderung einer Migration im Klaren. Trotz der sozialen Einbindung in die Gruppen und Hilfssysteme ihrer Assoziation und sozialen Kontaktpunkten. im Zielland können Unzufriedenheit und Angst entstehen sowie das Gefühl, marginalisiert zu leben, belastend auf die Psyche wirken.
Mit ihrer Lebenssituation im Allgemeinen sind 66,7 Prozent der Befragten zufrieden, für Guinea und Senegal ergab sich hier das gleiche Ergebnis. Die Minderheit von 33,3 Prozent ist unzufrieden. Trotz der relativ positiven Einschätzung ihrer Lebenssituation möchten nur 33,3 Prozent der Befragten auch ihre
Zukunft in Madrid verbringen. Die Mehrzahl strebt mit 42,9 Prozent eine Rückkehr ins Herkunftsland an. Weiteren 19,0 Prozent ist die geographische Verortung Wohnorts
wünschen sich an einem Ort zu leben, wo es Arbeit für sie gibt und ihnen ein abgesichertes Leben möglich ist.
Es lassen sich zwei weitere Ergebnisse aus der Frage nach dem zukünftigen Wohnort ableiten. Erstens strebt keiner der Befragten den Umzug in ein anderes Land der Europäischen Union an, was belegt, dass Spanien für sie kein Transitstaat ist. Zweitens wird deutlich, dass es das Ziel des Großteils der Befragten ist in das Herkunftsland zurück zu gehen. Zwischen Guineern und Senegalesen bestehen geringfügige Unterschiede. Allerdings gaben 44,4 Prozent der Guineer im Vergleich zu 25,0 Prozent der Senegalesen an, in Madrid bleiben zu
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wollen. Hier bestehen demnach Differenzen zwischen den untersuchten Migrantengruppen. Der Zeitpunkt der Rückkehr ist erreicht, wie sich bei Nachgesprächen mit befragten Senegalesen wie Guineern ergab, wenn die Migration gelungen ist, Dieser Zeitpunkt wird vor allem dadurch charakterisiert, dass eine höhere finanzielle Summe angespart werden konnte.
7.8.2. Gründe für das Verbleiben im Zielland
Trotz des Wunsches nach der Rückkehr ins Herkunftsland ist diese oftmals aus verschiedenen Aspekten heraus nicht möglich. Engbersen und Burgers sprechen von einem illegal migration trap. Die Exit-Option irregulärer Migranten ist versperrt, da die legalen, sozialen und ökonomischen Hürden im Zielland sich als zu hoch herausstellen und das Migrationsziel nicht erreicht werden kann (vgl. Engbersen/Burgers 1994: 12). Eine Rückkehr ist ebenso mit hohen finanziellen und psychischen Kosten sowie mit hohem logistischen Aufwand verbunden.
Konkret können folgende acht Gründe für ein freiwilliges bzw. unfreiwilliges Verbleiben irregulärer afrikanischer Migranten im Zielland verantwortlich sein.
1.) Die Umstände im Herkunftsland, die zur Migrationsentscheidung geführt haben, wie Armut, Arbeitslosigkeit oder Perspektivlosigkeit, sind nach wie vor dominierend, so dass ein Verbleiben zur Bestreitung des Lebensunterhaltes im Zielland weiterhin von Nöten ist.
2.) Die Migranten wissen die Möglichkeiten zu schätzen, die ihnen im Zielland geboten werden, die Konsummöglichkeiten, die bestehen (vgl. Giménez Romero 2003: 48). Trotz oftmaliger Ausbeutung auf dem Arbeitsmarkt ist das Verbleiben im Zielland attraktiver als eine Rückkehr. Für irreguläre Wirtschaftstmigranten weniger bedeutend sind die Bildungsangebote für Kinder.
3.) Die restriktive Einreisebestimmungen und die starken Grenzsicherungsmaßnahmen haben die Kosten für eine erneute Einwanderung deutlich erhöht. Sie bewirken zudem, dass ebenso eine temporäre Rückkehr ins Herkunftsland fast unmöglich wird.
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4.) Der irregulären Wirtschaftsmigration geht oftmals eine Verschuldung zur Finanzierung des Migrationsvorhabens bei Freunden, Bekannten oder Schleppernetzen voraus, die noch getilgt werden muss und die daher eine Rückkehr verhindern.
5.) Aufgrund der ökonomischen Abhängigkeit der Familie oder anderen Personen von
regelmäßig geleisteten Zahlungen sieht sich die migrierte Person gezwungen im Zielland zu verbleiben.
6.) Der Aufenthalt im Zielland gibt dem Migranten trotz widriger Lebensumstände ein gutes Selbstwertgefühl. Es erfüllt ihn mit Stolz seine Familie im Herkunftsland unterstützen zu können.
7.) Das Migrationsziel wurde nicht erreicht. Es wurde nicht genug Geld verdient, um sich die gewünschte Existenz im Herkunftsland aufbauen zu können.
8.) Viele Migranten haben Angst vor einer Rückkehr. Wird der polizeiliche Weg gewählt, herrscht oft Unwissenheit über Abschiebeverfahren und es besteht die Angst eventuell ins Gefängnis zu müssen. Eine informell bzw. irregulär organisierte Rückkehr ist mit ähnlichen Risiken verbunden. Weiterhin kann Furcht vor den Schwierigkeiten der sozialen Eingewöhnung im Herkunftsland nach einer Rückkehr bestehen, da viele soziale Kontakte abgebrochen wurden.
7.8.3. Zwischenfazit: Rückkehr vs. Niederlassung
Während der Befragung wurde deutlich, dass die Mehrheit (42,9 %) plant ins Herkunftsland zurückzugehen, wobei der Zeitpunkt meist durch das wahrgenommene Erreichen des Migrationsziels bestimmt wird. Das heißt, dass genug Geld durch die Befragten verdient wurde, um sich eine Existenz im Herkunftsland aufzubauen. Der starke Rückkehrwunsch zeigt, dass die Befragten in ihren Herkunftsländern einen Ort mit Heimat verbinden, an den sie gern zurückgehen möchten. Betrachtet man erneut die Familienstrukturen, wird klar, dass die überwiegende Mehrheit im Herkunftsland in einer Zweigenerationenfamilie in einer abgeschlossenen Wohnung, wenn auch auf wenig Raum, auswuchs und gelebt hat. Trotz der ökonomischen Notlage, die letztendlich Auslöser für die Migration nach Europa war,
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verbleibt das Zuhause im Herkunftsland. Dieses wird über die Jahre im Zielland idealisiert, nicht zuletzt da irreguläre afrikanische Wirtschaftsmigranten sehr jung ihre soziale und kulturelle Umwelt durch die Migration gezwungenermaßen ändern Die
Lebensmittelpunktverlagerung wird daher nur temporär angestrebt. In persönlichen Gesprächen mit Guineern wie Senegalesen war oftmals von vier oder fünf Jahren die Rede. In der Realität handelt es sich dann oft um sieben oder acht Jahre, da das Erreichen des Migrationsziels ein langwieriger Prozess ist, was viele irreguläre Migranten unterschätzen. Die ständig verschärften Grenzsicherungsmaßnahmen der Europäischen Union und des spanischen Staates machen eine Rückkehr (unfreiwillig) noch schwieriger. Nach der Rückkehr, so der Vizepräsident der Assoziation der Senegalesen im Interview, wird oftmals eine Enttäuschung erlebt. Die Idealisierung bricht zusammen und die ökonomische Not der Familie und des Landes im Allgemeinen werden wieder präsent. So kann es sich als für die Migranten als schwierig erweisen sich wieder einzuleben 39 . Einige gehen zurück nach Spanien/ Madrid, so der Vertreter der Assoziation der Senegalesen im Interview. Der befragte Vertreter der Assoziation der Senegalesen in Madrid sprach vom „Mythos“, „vom Wer sein mit einer Ehefrau im Senegal“. Dazu erfolgt die kurzzeitige Rückkehr ins Herkunftsland, um sich eine Ehepartnerin zu suchen, welche im Herkunftsland verbleibt, da sie sonst sehen würde, dass die Lebenssituation Madrid nicht so glänzend ist wie erwartet. Jene 33,3 Prozent, die nicht zurück in ihr Herkunftsland migrieren möchten, könnten sich im Zielland eingerichtet, ihre Lebenssituation stabilisiert haben. Ebenso ist möglich, dass die Umstände, die zu einer Migration seitens der Befragten führten nach wie vor existent sind. Den Befragten (19,0 %), die ihren Wohnort als weniger wichtig empfinden, solange dieser ihnen den Zugang zu Arbeit und einem gesicherten Auskommen ermöglicht, ist es in Spanien (noch) nicht gelungen ihre Lebenssituation zu stabilisieren.
39 Der Vertreter der Assoziation der Guineer nannte dies kurz: „Keine Kollegen“.
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8. Fazit
Die Globalisierung steht in einem engen Zusammenhang zur irregulären Migration aus Afrika. Die sich stetig verbessernden Kommunikations- und Verkehrnetze haben der irregulären Migration eine neue Dynamik verliehen. Von Armut und wirtschaftlichen Miseren Betroffene verlassen ihr Herkunftsland, um in der Europäischen Union zu arbeiten und finanzielle Rücklagen zu bilden. Die verschärften Zuwanderungsbedingungen insbesondere für Afrikaner haben zum Anstieg der irregulären Migration als einzigen Zuwanderungsweg geführt. Ihre Migrationsziele haben sich verändert. Spanien als eines der südlichsten Länder hat sich seit Ende der 1970er Jahren kontinuierlich von einem Auswanderungs- bzw. Transitland zu einem Ziel für Migration entwickelt. Irreguläre Migranten konzentrieren sich dort vorwiegend in den Städten oder Ballungsräumen von Madrid und Barcelona oder in den ländlichen Gegenden Andalusiens.
Der Forschungsbedarf zu irregulären Migranten in der Stadt ist sehr hoch. Es gilt zu analysieren, warum sich irreguläre afrikanische Migranten in den Städten in bestimmten Quartieren leben.
Während der Interviewphasen war die Kontakthäufigkeit im Madrider Stadtviertel Embajadores/ Lavapiés mit irregulären afrikanischen Migranten sehr hoch. Die Vertreter der Assoziationen von Guinea und Senegal bestätigten die Vermutung, dass sich der überwiegende Teil irregulärer Migranten ihrer Nationalitäten in Embajadores/ Lavapiés konzentriert. Dass es sich beim Madrider Stadtviertel Embajadores/ Lavapiés um ein geeignetes Quartier für die (temporäre) Niederlassung von irregulären afrikanischen Migranten handelt, soll abschließend zusammenfassend durch die Beantwortung der Forschungsfragen dargestellt werden.
Beantwortung der Forschungsfragen
Im Sinne der ersten beiden Forschungsfragen soll anhand der ausgewerteten Daten der vorliegenden Studie verdeutlicht werden, warum sich irreguläre afrikanische Migranten in Embajadores/ Lavapiés konzentrieren und dort bleiben. Weiterhin ging es um die Klärung des Einflusses des Wohnquartiers Embajadores/ Lavapiés auf die Teilhabemöglichkeiten afrikanischer Migranten ohne regulären Aufenthaltsstatus in den Dimensionen Wohnen, Arbeiten, soziale Kontakte sowie deren Beschaffenheit.
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Für die Niederlassung in einem Stadtquartier Embajadores/ Lavapiés sind vorherige soziale Kontakte entscheidend. Die erste Hypothese nach der irregulärer afrikanischer Wirtschaftsmigranten aus Guinea und Senegal ihren ersten Wohnort aufgrund von bestehenden sozialen Kontakte in Embajadores haben, kann - mit der folgenden Anmerkung - angenommen werden. Die Untersuchungsergebnisse zeigen auch, dass nicht alle Befragten vor ihrer Ankunft in Spanien und Madrid über Beziehungen zu Bekannten oder Familienmitgliedern verfügten. Dem Stadtviertel Embajadores/ Lavapiés kann eine Signalfunktion für irreguläre Migranten ohne Kontakte zugeschrieben werden, vorwiegend aufgrund der hohen Dichte der dort lebenden Zuwanderer mit und ohne Aufenthaltsstatus. Insbesondere die Gruppe der Schwarzafrikaner und Marokkaner fallen im öffentlichen Raum auf. Wie bereits angesprochen ist nicht jedes Stadtquartier geeignet für die (temporäre) Niederlassung irregulärer Migranten. Die Eignung von Embajadores zeigt sich in folgenden drei Aspekten:
Erstens verfügt der Wohnungsmarkt in Embajadores/ Lavapiés über unattraktiven Wohnraum. Hier handelt es sich um einen alten Gebäudebestand, den corralas, die überwiegend in der Zeit der Industrialisierung gebaut wurden, um Hunderttausenden Landflüchtlingen eine Unterkunft zu geben. Sie waren der vorherrschende Bautyp dieser Zeit und den sozioökonomischen Möglichkeiten der damaligen Bewohner angepasst. Die folgenden Jahrzehnte über wurde der in dieser Zeit geschaffene Wohnraum nicht modernisiert, sondern stark vernachlässigt und ist heute oftmals in einem desolaten Zustand. Eine Vermietung auf dem regulären Wohnungsmarkt ist kaum möglich bzw. durch die zu erwartenden Mieteinnahmen nicht attraktiv.
Irreguläre Migranten, die aufgrund des fehlenden Aufenthaltstatus nicht auf dem regulären Wohnungsmarkt auftreten können, finden hier eine Unterkunft. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass sich nicht nur irreguläre Migranten in diesem Segment bewegen. Auch Migranten mit einem Aufenthaltsstatus sind aufgrund von Diskriminierungen auf dem Wohnungsmarkt teilweise darauf angewiesen, das Wohnungsangebot zu akzeptieren. Die Mieten liegen preislich unter denen in anderen Stadtvierteln in der Innenstadt, aber sind zu hoch für das Gebotene. So entstehen ethnische Konzentrationen, die dann wiederum für irreguläre Migranten als Signal wirken können, sollten sie nicht über soziale Beziehungen, sprich Kettenmigration, nach Embajadores/ Lavapiés kommen.
Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass es ein Angebot auf dem informellen Markt gibt, welches aber meist nur ein Wählen zwischen dem „geringeren Übel“ darstellt. Das
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Wohnsegment irregulärer Migranten weist, wie die Daten der Studie zeigen, gravierende Mängel in der baulichen Substanz und in den Installationen auf. Das Wohnen ist gekennzeichnet von Überbelegung.
Zweitens besteht die Bedeutung von Embajadores/ Lavapiés darin, dass das Quartier den irregulären afrikanischen Einwanderern den Zugang zu Wohnen, wie eben erklärt, und Arbeiten ermöglicht. Hier spielen soziale Kontakte die entscheidende Rolle. Die hohe Bevölkerungsdichte von Embajadores/ Lavapiés erleichtert die schnelle Kontaktaufnahme. Hier liegt ein entscheidender Vorteil gegenüber peripher gelegenen Stadtvierteln. Alle befragten Personen haben sich binnen Kürze ein soziales Netz aufbaut. Die bestehenden sozialen Kontakte waren sehr wichtig bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. Teilweise sind ebenso Familienstrukturen zur Unterstützung von Bedeutung.
Der Zugang zu Arbeit ist nicht minder fundamental. Im erhobenen Stadtgebiet haben sich Formen der Arbeitsfindung entwickelt. An Plätzen wie dem Plaza de Cabestreros werden temporäre Arbeitsangebote vermittelt. Das Zusammenlaufen von informellen Netzen in Embajadores/ Lavapiés dient zur Warenbeschaffung, wie im Fall der Senegalesen. Weiterhin bestehen Arbeitsangebote im ethnischen Gewerbe. Die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sowie die Nähe zum Bahnhof Atocha mit Regional- und Fernverkehr ermöglichen das Arbeiten auch außerhalb von Embajadores/ Lavapiés. Die Arbeitsbedingungen sind ähnlich die die Wohnbedingungen oftmals prekär und beispielsweise gekennzeichnet von schlechter Bezahlung, unsicheren Arbeitsverhältnissen und körperlich schwerer und teilweiser gefährlicher Arbeit.
Die Eignung des Stadtviertels zeigt sich auch darin, dass die Befragten, welche außerhalb von Embajadores/ Lavapiés arbeiten, nach der Arbeit ins Viertel zurückkehren, wahrscheinlich aufgrund der sozialen Kontakte, die wichtig sind für die weitere Vermittlung von Arbeitsangeboten oder weil der informelle Wohnungsmark auf Embajadores/ Lavapiés begrenzt ist.
Für den Zugang zu Wohnen und Arbeiten spielen soziale Kontakte, wie bereits gesagt, eine wichtige Rolle. Sie werden schnell geschlossen. Das nähere soziale Umfeld begrenzt sich zumeist auf Landsleute. Mit anderen Migrantengruppen besteht im Großen und Ganzen kein Konfliktverhältnis. Es bestehen Kontakte, aber sie sind nicht sehr ausgeprägt. Aufgrund der verletzlichen Situation der irregulären afrikanischen Migranten bauen sie auf die Solidarität und das Vertrauensverhältnis, welches sie nur mit Vertretern ihrer Nationalität zu haben
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glauben. Hier spielen auch kulturelle Aspekte, wie die gemeinsame Sprache, gemeinsame Erlebnisse gerade die der ersten Eingewöhnungsphase in Spanien, Interessen und Bräuche aus dem Herkunftsland eine Rolle. Es bestehen Parallelen zu den natural areas Das Erlernen kultureller Verhaltensweisen und Gewohnheiten des Aufnahmelandes verlangsamen sich hingegen.
Zwischen irregulären Migranten und der alteingessesenden Quartierbevölkerung gibt es Spannungen. Es existieren Vorurteile. Die Konzentration von Migranten mit und ohne Aufenthaltsstatus hat in Embajadores/ Lavapiés zu neuen Aneignungsformen des öffentlichen Raumes geführt. Öffentliche Plätze sind zu Treffpunkten zum sozialen Austausch und zur Arbeitsvermittlung von Migranten geworden. Die alteingesessene Quartiersbevölkerung fühlt sich zurückgedrängt und übt sich in Distanz und teilweise Ablehnung gegenüber den ‚neuen Nachbarn’.
Trotz der räumlichen Konzentration von afrikanischen Migranten mit und ohne Aufenthaltsstatus auf bestimmte Straßenzüge, und deren dortigen Sichtbarwerdung, kann von ethnischen Kolonien oder gar Parallelgesellschaften nicht die Rede sein. Spanier und irreguläre Migranten wohnen, wie die Daten zeigen in den gleichen Wohnhäusern. Eine soziale Distanz lässt sich im Sinne Parks aufgrund der Beschaffenheit des spanischen Wohnungsmarktes nur langsam in eine räumliche Distanz umwandeln.
Drittens zeigt sich die Eignung von Embajadores/Lavapiés in der Existenz von Versorgungsstrukturen für irreguläre afrikanische Migranten. Nicht nur die Versorgung mit Arbeit und Wohnen ist hier von Bedeutung, sondern auch die Existenz von ethnischen Gewerben zum Kauf von Nahrungsmitteln oder anderen Artikel aus den Herkunftsländern.
Es zeigt sich, dass die Aspekte Wohnen, Arbeiten und soziale Kontakte stark miteinander verknüpft sind. Für irreguläre afrikanische Migranten ist es schwierig in den Dimensionen Wohnen und Arbeiten erfolgreich zu sein, da sie aufgrund des fehlenden Aufenthaltsstatus keinen Zugang zu staatlichen Unterstützungsleisten zur Beschaffung von Wohnraum oder Arbeit haben. Die Einbindung in soziale Netzwerke ist daher von großer Bedeutung. Sie erleichtern nicht nur den Zugang zu den genannten Dimensionen, sie können irreguläre Migranten in Notsituationen finanzielle auffangen.
Die im Theorieteil formulierten Hypothesen zwei und drei, die einen Zusammenhang zwischen der Beschaffenheit des Madrider Stadtviertel Embajadores/ Lavapiés und dem
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Zugang irregulärer Migranten aus Guinea und Senegal zu Wohnen, Arbeiten und sozialen Kontakten annehmen, stellten sich als treffend heraus.
Die dritte Forschungsfrage beschäftigte sich damit, ob irreguläre afrikanische Migranten mit der Stabilisierung der Lebenssituation, genauer durch die Einbindung in Wohnen, Arbeit und soziale Netze ihr als temporär intendierte Aufenthalt zu einem dauerhaften wird und ob sie entsprechend der Theorie Parks das Quartier Embajadores/ Lavapiés verlassen.
Es zeigt sich, dass bei den Befragten noch von keiner Stabilisierung zu sprechen ist, auch wenn fast allen Befragten der Zugang zu Arbeiten und Wohnen gelungen ist. Die überwiegende Mehrheit der Befragten wohnt erst bis zu einem Jahr in Embajadores/ Lavapiés. Die Untersuchungsergebnisse und die geführten Interviews mit Vertretern der Assoziationen von Guinea und Senegal zeigen, dass eine Stabilisierung der Lebenssituation nicht, wie in der vierten Hypothese formuliert, zwangsläufig ein Verlassen des Quartiers bedeutet. Eine zunehmende Stabilisierung, vor allem im Fall der Senegalesen drückt sich in kleineren Schritten aus, beispielsweise über das Teilen der Unterkunft mit weniger Personen, der Erhalt eines eigenen Zimmers oder der Suche einer eigenen Wohnung in Embajadores/ Lavapiés. An dieser Stelle muss erneut betont werden, dass die irregulären Migrantengruppen unterschiedlich sind. Den Wunsch in der Zukunft in ein anderes Stadtviertel zu ziehen, hegen nur 33,4 Prozent aller Befragten. Bei Guineern (44,4 %) ist dieser Wunsch stärker ausgeprägt als bei den Senegalesen (25,0 %).
Für die Guineer ist die Entscheidung des Verlassens von Embajadores/ Lavapiés eher eine Möglichkeit als für die befragten Senegalesen. Die Guineer würden aller Wahrscheinlichkeit nach in an Embajadores/ Lavapiés angrenzende Stadtviertel umziehen, wo die Mehrheit ihrer Landsleute mit Aufenthaltsstatus wohnt, sollten sie nicht mehr darauf angewiesen sein neue Arbeits- und Wohnungsangebote zu akquirieren.
Bessere Wohnbedingungen und eine geregelte Arbeitssituation bedeuten also nicht zwangsläufig eine Integration in die Gesamtgesellschaft.
Dem Übergang in die Aufnahmegesellschaft steht ein starker Rückkehrwunsch gegenüber. Durch die instabile Lebenssituation der Befragten und die oftmalige Abhängigkeit der Familie im Herkunftsland bleibt das Ziel Geld zu verdienen stets präsent und verhindert wichtige Schritte zur Eingliederung in die Gesamtgesellschaft, wie das Lernen der spanischen Sprache.
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Prekäre Beschäftigungssituation, das Warten auf temporäre Arbeitsangebote an zentralen Plätzen. Überbelegte Wohnungen lassen zudem oft nicht den Raum zum Spracherwerb. Die Vorstellung der Rückkehr nach einer gelungenen ökonomischen Konsolidierung und der Bildung von Rücklagen zum Aufbau einer Existenz im Herkunftsland verwirklicht sich aufgrund der meist prekären Arbeitssituation zeitlich langsamer als vielfach angenommen. Auf den irregulären Migranten lastet zudem oft ein Erfolgsdruck, denn oft wurde den Angehörigen im Herkunftsland ein falsches Bild über die eigentlichen Lebensumstände suggeriert. Es ist nicht so, dass sich irreguläre Migranten per se nicht den Kontakt zur Aufnahmegesellschaft suchen.
Relevanz der Ergebnisse der Studie
Nach Caravajal gehören undokumentierte Migranten in Spanien zu den nicht gekannten, schlecht behandeltesten Bürgern einer Stadt im politischen und sozialen Sinn (vgl. 2004: 21). Die durchgeführte Studie zeigt, dass die Möglichkeit und auch Notwendigkeit besteht quantitative Untersuchungen durchzuführen. Die statistischen Daten, welche nach den Aspekten Wohnen, Arbeiten und soziale Kontakte entsprechend des Analyseansatzes von Oswald (2007) unterteilt wurden, lassen Raum für weitere gezielte qualitative Untersuchungen.
Die vorliegende Studie bewegt sich in einem kleinen Rahmen, aber es wurde eine Vorgehensweise aufgezeigt, die auch in einem größeren Maßstab umgesetzt werden kann. Anhand der gewonnen Daten können Strategien zur Stabilisierung der Lebenssituation von irregulären afrikanischen Migranten entwickelt werden. Diese müssten nicht bei null beginnen. Wie die erhoben Daten zeigten, bestehen bereits - wenn auch nicht sehr ausgeprägte - Kontakte zur Aufnahmegesellschaft. Auf der Seite der irregulären Migranten ließ sich keine bewusste Abschottung gegenüber der Mehrheitsgesellschaft trotz der Gefahr der polizeilichen Entdeckung identifizieren. Die Notwendigkeit der Erwerbstätigkeit verhindert das Inkontaktkommen. Das durch Medien und Politik vielfach produzierte negative Bild der irregulären Wirtschaftsmigration sorgt für zusätzliche Distanz der Mehrheitsgesellschaft. Zu wenig vor Augen gehalten wird sich, dass die irregulären afrikanischen Migranten quantitativ keine große und ebenso wenig eine durchweg unqualifizierte Gruppe darstellen. Zudem meistern sie allein ihre Lebenssituation, ohne dass der Aufnahmegesellschaft Kosten entstehen.
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Ausblick
Die Abschottungsmaßnahmen seitens der spanischen Regierung und der Europäischen Union durch Rückübernahmeabkommen, sowie einer auf europäische Ebene organisierten Grenzsicherung stellen keine adäquate und auch keine erfolgreiche Antwort auf den ‚Migrationsdruck’ dar. Im Gegenteil: momentan ist die Anzahl der Versuche der undokumentierten Zuwanderung aus Afrika so hoch wie nie.
Für die irregulären afrikanischen Wirtschaftmigranten konnte anhand der ausgewerteten Daten der Studie festgestellt werden, dass ein Großteil die Rückkehr ins Herkunftsland langfristig anstrebt. Vielen bleibt der Rückweg versperrt: erstens aufgrund der undurchlässigen Grenzen versperrt, was die Entfremdung vom Herkunftsland fördert und zum Verbleiben im Zielland als notwendige Entscheidung führt, zweitens durch die widrigen Arbeitsbedingungen, welche die Dauer bis zum Erreichen des Migrationziels, dem Ansparen eines finanziellen Polsters, verlängert und drittens weil oft die Gründe, die zum Verlassen des Herkunftslands führten, weiterhin vorherrschend sind. Die Regularisierungprogramme und die Unterstützung der Herkunftsländer sind eine erste Antwort. Speziell für irreguläre Wirtschaftsmigranten aus Afrika könnten zeitlich beschränkte Legalisierungen bei bestehenden Arbeitsverträgen einführt werden. Die Arbeitgeber können durch Anreize dazu motiviert und die Migranten so vor Ausbeutung bewahrt werden. Im Wohnbereich können die Daten zu gezielten Aktionen von Organisationen, die zahlreich im Stadtviertel Embajadores/ Lavapiés vertreten sind, verwendet werden.
Inwieweit diese exemplarisch genannten Handlungsfelder von weiterführenden Studien der vorliegenden Art tatsächlich adäquat profitieren, hängt nicht zuletzt vom sozio-politischen Willen auf unterschiedlichen Zuständigkeitsebenen ab. Dennoch: die Betrachtung der angeblich „Unsichtbaren“ ist ein bedeutender Schritt für die Entwicklung praktischer Stabilisierungsstrategien und die Vertiefung der städtesoziologischen Migrationsforschung.
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107
10. Anhang
10.1. Fragebogen
10.2. Pretest
10.3. Protokoll der Interviews mit Vertretern den Assoziationen von Guinea und Senegal im Vergleich
108
10.1. Fragebogen
UNIVERSITÉ HUMBOLDT DE BERLIN
INSTITUT DE SCIENCES SOCIALES
Institut de Sciences Sociales · Universitätsstraße 3 B · 10117 Berlín Secteur d'étude : Sociologie urbaine
Distingués messieurs et mesdames,
dans ma mémoire de mon travail fin de carrière dans l'Institut de Sciences Sociales du Humboldt Université de Berlin j'effectue une recherche scientifique de l'intégration d'immigrants à Madrid qui n'ont pas une situation régulière de résidence. C'est pour ceci que j'ai besoin de votre aide.
Comme vous savez par expérience propre, être orienté dans une ville aussi grande que Madrid s'avère souvent difficile et en plus est accompagné de beaucoup de problèmes. Les résultats de cette étude doivent aider à l'amélioration de l'intégration d'immigrants qui n'ont pas une situation réglé de résidence.
Pour cette raison votre expériences sont de grande importance pour mon projet. En remplissant ce questionnaire vous m'aideriez beaucoup à obtenir une information sur les problèmes particuliers qui succèdent aux immigrants en cherchant orientation dans une situation de vie nouvelle.
S'il vous plaît, lisez les questions attentivement et marquent avec une croix (par exemple: ⌧) la réponse correspondante. Tenez-vous compte qu'il est souvent possible de marquer plusieurs réponses. S'il n'y a pas de réponses pour marquer, écrivez la réponse dans la ligne discontinue. En choisissant la réponse "Un autre" vous avez la possibilité d'écrire votre réponse propre. Pour obtenir des bons résultats il est très important que toutes les questions soient repondues. Si une question certaine ne correspond pas avec votre situation actuelle, déjela la vide et répondez à la question suivante. Si vous avez des problèmes a remplir le questionnaire, il ait de vous diríjase à la personne dont vous avez reçu ce questionnaire. Je vous assure que votre données resteront dans l'anonymat et serviront seulement sólamenta pour des objectifs scientifiques. Les résultats de cette étude se résumeront des statistiques, c'est pourquoi il sera impossible d'obtenir des conclusions personnelles. Ce sera seulement moi qui analysera les questionnaires et je ne les fournirai pas à aucune autre personne, ni institution.
Je vous remercie beaucoup d'avance pour votre aide!
Heike Schulze
Finalement, permettez-nous de vous demander quelquels données personnelles générales.
MERCI BEAUCOUP!!!
10.2. Pretest
UNIVERSITÉ HUMBOLDT DE BERLIN
INSTITUT DE SCIENCES SOCIALES
Institut de Sciences Sociales · Universitätsstraße 3 B · 10117 Berlín Secteur d'étude : Sociologie urbaine
Distingués messieurs et mesdames,
dans ma mémoire de mon travail fin de carrière dans l'Institut de Sciences Sociales du Humboldt Université de Berlin j'effectue une recherche scientifique de l'intégration d'immigrants à Madrid qui n'ont pas une situation régulière de résidence. C'est pour ceci que j'ai besoin de votre aide.
Comme vous savez par expérience propre, être orienté dans une ville aussi grande que Madrid s'avère souvent difficile et en plus est accompagné de beaucoup de problèmes. Les résultats de cette étude doivent aider à l'amélioration de l'intégration d'immigrants qui n'ont pas une situation réglé de résidence.
Pour cette raison votre expériences sont de grande importance pour mon projet. En remplissant ce questionnaire vous m'aideriez beaucoup à obtenir une information sur les problèmes particuliers qui succèdent aux immigrants en cherchant orientation dans une situation de vie nouvelle.
S'il vous plaît, lisez les questions attentivement et marquent avec une croix (par exemple: ⌧) la réponse correspondante. Tenez-vous compte qu'il est souvent possible de marquer plusieurs réponses. S'il n'y a pas de réponses pour marquer, écrivez la réponse dans la ligne discontinue. En choisissant la réponse "Un autre" vous avez la possibilité d'écrire votre réponse propre. Pour obtenir des bons résultats il est très important que toutes les questions soient repondues. Si une question certaine ne correspond pas avec votre situation actuelle, déjela la vide et répondez à la question suivante. Si vous avez des problèmes a remplir le questionnaire, il ait de vous diríjase à la personne dont vous avez reçu ce questionnaire. Je vous assure que votre données resteront dans l'anonymat et serviront seulement sólamenta pour des objectifs scientifiques. Les résultats de cette étude se résumeront des statistiques, c'est pourquoi il sera impossible d'obtenir des conclusions personnelles. Ce sera seulement moi qui analysera les questionnaires et je ne les fournirai pas à aucune autre personne, ni institution.
Je vous remercie beaucoup d'avance pour votre aide!
Heike Schulze
10.3. Protokolle der Interviews mit den Assoziationen von Guinea und Senegal
Fragen zur Assoziation
1 Das Interview wurde auf Deutsch geführt.
Solidarität
Soziademographische Zusammensetzung
Einwanderungsgesichte im Fall vom Senegal
Soziale Kontakte
Arbeit zitieren:
Heike Schulze, 2008, Die Bedeutung des Madrider Stadtviertels Embajadores / Lavapiés für die Stabilisierung der Lebenssituation afrikanischer Migranten ohne regulären Aufenthaltsstatus, München, GRIN Verlag GmbH
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