Inhaltverzeichnis
Die Einleitung 3
1-Der Glaube und das Verb glauben 4
2-Der Unglaube und die Ungläubigen 6
3- Der Heilige Krieg 9
4- Orthodoxie und Orthodoxe 12
5-Schlussfolgerung 14
Literaturverzeichnis 15
2
Die Einleitung
Der Islam hat in der Welt in den letzten Jahrhunderten an Bedeutung gewonnen. Einerseits durch weltökonomische Faktoren, wie die Erdöl-Wirtschaft oder die Expansion der Märkten im Fernen und Nahen Osten, oder durch weltpolitische Faktoren, wie die zahlreichen Konflikten in der Welt, die in Gebieten stattfinden, die überwiegend von Muslimen bevölkert sind. Aber nicht nur die Globalisierung der Wirtschaft oder die Konflikte und Krisen spielen eine Rolle in der Zunahme der Wichtigkeit der Religion des Islam in der Welt. Im Westen (wenn man das Wort verwenden darf) kommt noch der Faktor der Immigration dazu. Dieses Phänomen hat zu der direkten Konfrontation bzw. Begegnung dieser Religion und ihrer Anhänger mit den westlichen Kulturen, Weltanschauungen usw. geführt. Diese Auseinandersetzung fand auf mehreren Ebenen statt. Eine davon ist die sprachliche. Die europäischen Sprachen sind in der Mehrheit säkularisierte Sprachen. Ein gleicher Begriff dient oft zur der Bezeichnung von einer von Religion zu Religion unterschiedlichen Erscheinung. Sie trägt je nach der jeweiligen Religion andere weltliche bzw. theologische Bedeutungen, sie bezieht sich auf unterschiedliche Quellen und vor allem die Erscheinung selbst ist in ihren äußerlichen sowie inneren Merkmalen anders.
Die deutsche Sprache entgeht dieser Problematik nicht. Sie neigt auch zur Verwendung von Begriffen, die einerseits säkular benutzt werden, aber anderseits aus einer kirchlichen Tradition stammen. Die christlichen Begriffe, die man in der Verwendung säkularisiert hat, haben ihre Konnotationen trotzdem nicht verloren. Von daher fragt man sich, in weit diese Begriffe dem Islam, der von einer arabischen Sprachtradition herkommt, gerecht werden. Sind sie überhaupt korrekt, spiegeln sie tatsächlich den ursprünglichen Sinn der jeweiligen Erscheinungen in der islamischen Religion. Wenn nein, welche Alternativen bieten sich in der deutschen Sprache? Muss man arabische Wörter eindeutschen oder Begriffe neu schöpfen? Um dieses Thema, das eine Magisterarbeit, ja eine Doktorarbeit wert ist, zu versuchen zu problematisieren, werde ich paar Begriffe, die oft im deutschen Sprachgebrauch verwendet werden, um islamische Phänomenen zu bezeichnen, darstellen. Ich werde den deutschen sowie den arabischen (ursprünglichen) Begriff darstellen und letztlich vergleichen, inwieweit die beiden Begriffe übereinstimmen.
3
1-Der Glaube und das Verb "glauben"
Der Unglaube und Glaube sind zwei Begriffe, die bis jetzt noch nicht die Wortkraft und keine nähere Definition des arabisch-islamisch geprägten Begriffs wiedergegeben haben. Im Meyers Lexikon steht über Glaube folgendes: innere Gewissheit, die keines Beweises bedarf; Grundelement des religiösen Lebens, das für die Existenz des religiösen Menschen schlechthin entscheidend ist. G. bedeutet primär [gefühlsmäßiges] Vertrauen, feste Zuversicht und nicht ausschließlich ein Führ-Wahr-Halten außerirdischer, transzendenter Gegebenheiten. 1 Im lateinischen Sprachgebrauch wird crēdo als Synonym für diesen deutschen Begriff benutzt, er kann vertrauen, jmd. oder einer Sache vertrauen, trauen, Zutrauen schenken, 2 , aber auch etwas glauben oder von der Wahrheit einer Sache überzeugt sein, heißen. 3 . Diese zweite Erklärung ist die nächste zum Arabischen, Ibnu Manūr schrieb in Lisān al- ’arab :
"Die Leute des Wissens aus den Sprachwissenschaftlern und andere sind darüber einig, dass Īmān , etwas für wahr halten, heißt." Al-Ğurğāni bestätigt die oben genannte Erklärung in seinem Buch "at-Ta’rifāt". Über Īman schrieb er:
5
:
Aus der Sicht der Scharī’a heißt es: Etwas mit dem Herzen glauben (al-i’tiqād) und es mit der Zunge bestätigen.
Bemerkenswert hier ist das Wort al-i’tiqād. Es stammt aus ’aqada (etwas binden). Er gibt uns eine bildliche Darstellung des Aktes des Glaubens. Es ist eine Bindung einer Idee, Gegebenheit oder Vorstellung an das Herz.
Der Begriff Glaube und die arabischen Formen Īmān oder I’tiqād überschneiden sich in manchen Punkten, sodass man den deutschen Begriff "Glauben" schon aus reiner sprachlicher
1 Meyers Lexikon (Digitale Form)
2 Vgl. Georges-LDHW Bd. 1, S. 1737 3 Vgl. Georges-LDHW Bd. 1, S. 1740 4 Ibnu Mandūr 1998, S. 141 5 Al-Ğurgāni 2006, S. 41 6 Ibid.
4
Sicht benutzen darf. Allerdings wird das Wort unpassend, wenn man es in einem islamischen Kontext verwendet.
Denn Īman aus islamischer Sicht heißt mehr als "etwas für wahr halten", es ist auch die Bestätigung durch die Zunge wie schon erwähnt, aber auch die Verwirklichung dieser an das Herz gebundenen für wahr gehaltenen Gegebenheiten. Die Verwirklichung findet in Form von Taten bzw. dem Handeln statt.
Das sagt Ibnu Mandūr schon am Anfang der Erklärung des Begriffes:
Az-zağāğ definierte den Begriff Imān wie folgend: al-Imān ist, dass man die Unterwerfung gegenüber der Šarī’a und gegenüber dem, was der Prophet (salla allahu alayi wa-sallam) gebracht hat, zeigt. Es im Herzen bindet (i’tiqāduhu) und mit dem Herzen für wahr halten (taśdīquhu). Wer diese Eigenschaft hat und keinen Zweifel daran hat, so ist er ein Mu‘min Muslim. Der Mu‘min ist auch derjenige der die Vollziehung der (religiösen) Pflichten als obligatorisch sieht.
Auf dieser Ebene wird die Verwendung des Begriffes Glaube für einen Akt, der das Glauben und die Bezeugung sowie das Handeln umfasst, überflüssig.
Das Arabische Wort, das am nächsten zum deutschen Begriff "Glaube" ist, ist Taśdīq. Das Wort Taśdīq ist nicht wie das Wort Īman religiös beladen.
Die Verwendung des Wortes Glaube oder des Verbs glauben als Übersetzung für Iman und āmana, ist, meiner Meinung nach, richtig solang man nicht auf einer islamischen Ebene sich bewegt.
Ich glaube an dem Sieg Das ist richtig als Übersetzung. Aber in einem Satz wie:
O ihr, die geglaubt haben, wird die Verwendung von "glauben an" unpassend.
7 Ibnu Mandūr 1998, S. 141
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Ali Ghandour, 2008, Die Christianisierung der Wortwahl, Munich, GRIN Publishing GmbH
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