Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 4
1 Südostasien vor der Kolonisation. 5
1.1 Die Anfänge bis zu den ersten Staatenbildungen (10.000 v. Chr. bis 5.000
n. Chr.) 5
1.3 Reiche entstehen 7
1.3.1 Dong-Song und der chinesische Einfluss 7
1.3.2 Frühe Gemeinwesen auf dem Festland: Champa und Funan 8
1.3.3 Frühe Gemeinwesen auf dem Festland: malaiische Halbinsel 9
1.4 Die Reiche vom 5. bis 15. Jahrhundert 10
1.4.1 state formation-Phase: Die drei Stufen 10
1.4.2 Machterhalt durch Glaubenspfad und Vergöttlichung 12
1.4.3 Der Beginn einer neuen Zeit: Bedrohung durch die Mongolen 13
1.4.4 Aufstieg und Fall von Reichen 14
1.4.4.1 Festland. 14
1.4.4.2 Archipel. 18
2 Südostasien während der Kolonialzeit 22
2.1 Südostasien und Europa um 1500 22
2.2 Die iberischen Mächte. 24
2.3 Aufstieg der Niederländischen Ostindienkompanie. 25
2.4 Der Beginn des Staatskolonialismus 27
2.5 Konsolidierung 28
2.6 Die Blütezeit des Imperialismus 30
2
3 Südostasien nach der Kolonisation: Dekolonisierung und
Widerstandsbewegungen 32
3.1 Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen: Südostasien wird unabhängig. 32
3.2 Die Unabhängigkeit 33
4 Fazit 38
Literatur 39
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Einleitung
„Hinterindien“ - der damalige Terminus in Westeuropa und Amerika - oder Südostasien, ein Raum mit einer langen Geschichte und reichhaltigen Kultur, ist im Bewusstsein des Westens lange Zeit nicht in Erscheinung getreten. Als in jüngster Zeit die kommunistische Bedrohung auf Südostasien überzuschwappen drohte, intervenierte der Westen - in diesem Fall die USA - in Vietnam. Aber bereits lange davor zeigten die Europäer ein großes Interesse an Südostasien. Dieses Interesse war hauptsächlich wirtschaftlicher Art und betraf die dortigen Ressourcen an. Nicht immer hatten alle Staaten zur gleichen Zeit miteinander Konflikte, denn ihre Kolonien waren sehr oft weit auf dem Globus verstreut und somit auch ihr Aufwand und Einfluss nicht immer optimal auf die südostasiatischen Kolonien ausgerichtet. Aber auch auf dem südostasiatischen Kontinent selbst ging es um den kulturellen und wirtschaftlichen Austausch, was sich an der kulturellen Durchdringung des größten Teils der Gesellschaften in Südostasien mit dem Buddhismus und der wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeit von China, zumindest auf dem größten Teil des Festlandes, immer wieder zeigte. Auch die inneren Angelegenheiten wurden ausgetragen, als die Staatsgrenzen nicht wie heute eindeutig auf einer Landkarte nachweisbar gewesen waren. Oft waren es blutige und zerstörerische innere Auseinandersetzungen, die die damaligen Staaten mit ihren angrenzenden Nachbarn ausfochten und nicht selten kam es vor, dass Vasallenstaaten dann zu den Mächtigen und die mächtigen Staaten zu Vasallen schrumpften. Dabei ging es um Macht und Einfluss und Usurpatoren und Könige schienen sich zu gleichen. Schon in der Frühzeit gab es eine Thronfolge und klare Hierarchien in den Gesellschaften, die zu Teilen religiös und ländlich geprägt, aber auch auf sehr beeindruckende Weise ihre Kunstfertigkeit zu Tage bringen konnten (z.B. die Tempel von Angkor und die Anlagen von Pagan).
Eine weitere Schwierigkeit stellt die geschichtliche Einteilung dar. Wenn wir von der Frühzeit oder dem Mittelalter sprechen, so haben wir immer eine eurozentrische Sichtweise im Kopf. Im südostasiatischen Raum kann man dies nicht eins zu eins übernehmen, geschweige denn die geschichtliche und territoriale Abfolge damit in jene Zeiten einteilen. Daher ist in der Wissenschaft und der Literatur oft versucht worden die eurozentrische Geschichtsperspektive abzulegen.
4
1 Südostasien vor der Kolonisation
1.1 Die Anfänge bis zu den ersten Staatenbildungen (10.000 v. Chr. bis 5.000
n. Chr.)
Um verstehen zu können, wie und warum die ersten Wanderungen von Norden nach Süden in den südostasiatischen Teil Asiens stattgefunden haben, ist es notwendig sich mit der Geographie des Raumes auseinander zu setzen. Er ist grob in zwei Teile geteilt: In einen großen insularen Teil und einen großen kontinentalen Teil mit der malaiischen Halbinsel, welches weit in den insularen Bereich hineinragt. Von China ragen verschiedene Gebirge und Berge in südlicher und eine südöstlicher Richtung hinein. Mit abnehmender Höhe reichen sie bis in die Inselwelt Südostasiens. Auf dem Kontinent begrenzen sie die Täler und die Deltas der großen Flüsse Irrawadi, Salween, Chaophraya, Mekong und des Roten Flusses. Im fruchtbaren Tiefland und auf den Inseln hat die Landwirtschaft begünstigt durch den Monsun, die hohen tropischen Temperaturen und die wiederkehrende Überflutung des Mekong durch den großen See Tonle Sap in Kambodscha, ihren Vorrang. In dieser Gegend konnten sich hoch entwickelte Gesellschaften und gut organisierte Staaten zu einem frühen Zeitpunkt entwickeln. Die Gebirge im Norden sind im allgemeinen durch ihre Nord -Süd-Achse schwer zu überqueren und man ist gezwungen sie entweder in West-oder Ostrichtung zu überwinden. Als Ergebnis war das Hochland eine natürliche Begrenzung und politischer und kultureller Puffer zu den Zentren im Flachland. Die Einwohner des Hochlandes waren meistens ethnische Minderheiten und lebten relativ isoliert in kleinen sozialen und politischen Einheiten. [VILLIERS 2001: 13f.]. Im maritimen Bereich Südostasiens hingegen gab es keine geographischen Barrieren, die den Verkehr behinderten, es fanden sogar enge gegenseitige Beziehungen zwischen den Inseln statt. Fürstentümer und Königreiche entwickelten sich, die größten auf Sumatra, Malaya, und Java [PLUVIER 1995: 7]. Die ersten Bewohner der großräumigen und in sich gegliederten Region, von denen wir überhaupt sichere Kenntnisse haben, waren die weddiden oder australoiden Völker. Zu ihnen gehören auch die australischen Aborigines, die jedoch in kleinen, isolierten Gruppen überlebt haben: Darunter fallen die Bergstämme Senoi und Sekai auf der malaiischen Halbinsel und einzelne Gruppen auf Südsulawesi und weiterer kleiner Gebiete Südostasiens. Von etwa 5.000 v. Chr. an wanderten aus Südchina weitere Gruppen mit einer höher entwickelten mesolithischen Kultur in dieses Gebiet ein. Dazu kann man die Semang in Kedah und Perak oder die Akit Sumatras zählen. Diese Völker ließen sich dann
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vor allem an den Küsten und in den Tälern, Deltas und Mündungen der Flüsse nieder, wo wilder Reis in den Frischwassersümpfen zu ernten und Fisch stets im Überfluss vorhanden war. Da man Fisch durch Salz konservieren und Reis in der trockenen Jahreszeit leicht konnte, kam es bald zu dauerhaften Siedlungen und zur Kultivierung des Landes. In der Zeit zwischen 10.000 und 5.000 v. Chr. erwarben diese Völker zwei wichtige Fähigkeiten: Das Schleifen und Polieren von Steinwerkzeugen und die Herstellung von gebrannten Töpferwaren. Kulturen mit diesen Errungenschaften waren die Son Vi (um 18.000 bis 9.000 v. Chr.), die Hoa Binh (ab ca. 9.000 v.Chr.) und die Bac So (ab ca. 8.000 v. Chr.), benannt nach den Fundorten im heutigen Norden Vietnams, wo die frühesten Relikte entsprechender Tätigkeiten entdeckt werden konnten. Sesshaftigkeit kann vorausgesetzt werden, da die Zerbrechlichkeit von Töpferwaren, in denen Lebensmittel aufbewahrt wurden, für Nomadenvölker hinderlich gewesen wäre. Weiteres Merkmal von Sesshaftigkeit sind die Errichtung von Unterkünften, die Arbeitsteilung, das Anhäufen materieller Besitztümer und damit die Bildung von Gemeinschaften, in denen eine Hierarchie herrscht. Weiterhin gab es neben diesen sesshaften Gemeinschaften auch Jäger-Sammler-Gruppen. Im dritten und zweiten Jahrtausend v. Chr. wanderten austroasiatisch- und austronesischsprachige (malayo-polynesisch-sprachige) Völker vom Jangzi-Tal langsam südwärts in die Täler des Brahmaputra, Irrawady, Chaophraya, Mekong und Roten Flusses. Sie brachten eine neolithische, auf animistischen Religionen basierende Kultur mit. Darin verwurzelt war die Verehrung von Ahnen und hochgelegenen Orten, die Kopfjagd, der Bau von Steinpyramiden und Terrassen für den Ahnenkult und heilige Zeremonien und die Errichtung von Megalithen und horizontalen Steinplatten als Gedenkstätten für die Toten. Reste dieser megalithischen Kultur sind bis heute auf Nias sowie auf einigen der kleinen Sundainseln anzutreffen (Sumba und Flores). Die genannten Völker stellten ein breites Spektrum von Steinwerkzeugen und Geräten her, errichteten Häuser auf Bambus- oder Holzpfählen und trugen Kleidung aus Rinde. Sie hielten auch domestizierte Rinder, Schweine und Hunde und betrieben Reisanbau auf ständig bewässerten Feldern, was sie sich bereits im Jahr 5.000 v. Chr. im Jangzi-Tal angeeignet und mitgebracht haben [BELLWOOD 1992: 109ff]. Nachvollziehbar werden die Wanderungen nach Süden und Osten, wenn man die Verteilung der austroasiatischen und austronesischen Sprachen in der Region betrachtet. Die austroasiatischen Sprachen, zu denen Mon, Khmer und Munda gehören, werden in weiten Teilen des Festlandes Südostasiens gesprochen. Zu den Sprachen der
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austronesischen Gruppe gehören Cham, das man in Zentral- und Südvietnam findet, und die meisten Sprachen der südostasiatischen Inseln sowie Polynesiens und Taiwans [NOTHOFER 1999: 67f.].
Die frühesten eindeutigen Belege dafür, dass inzwischen auch die Verhüttung und Legierung von Kupfer und Zinn für die Herstellung von Bronze sowie die Technik des Gießens in zweischaligen Formen allmählich Verbreitung fanden, führen uns nach Südchina und Nordvietnam. Sie stammen aus der Zeit zwischen 1.500 und 1.000 v. Chr.., gingen mit gesellschaftlichem Wandel einher und trugen dazu bei, dass sich einzelne autonome Siedlungen oder Gemeinschaften zu politischen komplexeren Häuptlingstümern entwickeln konnten. Von ca. 500 v. Chr. an nehmen Größe, Bandbreite, Feinheit und Menge von Bronzeerzeugnissen zu und an vielen Orten findet die Verarbeitung von Eisen statt. Die Herstellung so vieler und zugleich gefragter Produkte brachte auch eine Steigerung des regionalen Tausches und große Entfernung mit sich. Dies führte wiederum zu einer stärkeren Konzentration von Macht und Reichtum in Händen von Eliten, die die Handelsnetze kontrollierten. In mehreren Grabstätten bei Dong Son am Südufer des Ma-Flusses in der vietnamesischen Provinz Than Hoa wurden zahlreiche Bronzegegenstände gefunden, welche aus der Zeit um 600 v. Chr. stammen. Darunter auch fein verzierte Gegenstände [BELLWOOD 1992: 121f.]. Die Herstellung solcher Gegenstände setzt eine hohe Spezialisierung und das Vorhandensein von großen Mengen an Rohmaterial voraus. Jenes und die weite Verbreitung dieser Gegenstände über große Entfernungen setzt wiederum eine strukturierte Gesellschaft voraus, die die Produktion und den Handel mit diesen Gütern organisieren können. Somit lässt sich feststellen, dass mit der Einführung der Bronzetechnik die Bildung von „Protostaaten“ einherging oder zumindest die Voraussetzungen dafür geschaffen wurde. Es existierten besonders an den Küsten und Flussuferns zahlreiche kleine, befestigte Siedlungen, die zum Teil Attribute eines Staates aufwiesen. [BELLWOOD 1992: 135ff].
1.3 Reiche entstehen
1.3.1 Dong-Song und der chinesische Einfluss
Bereits im 2. Jhrt. v. Chr. dehnte China seine Macht bis zu den Küsten der heutigen Provinzen Guangdong und Guangxi aus. Auch das Tal und Delta des Roten Flusses gerieten unter chinesischen Einfluss. In diesem fruchtbaren Gebiet befand sich das Zentrum der Dong-Song-Kultur (weiter oben bereits erwähnt). Hier lief zugleich der
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Handel zwischen den Küstenorten rings um den Golf von Tongking und dem heutigen Yünnan zusammen. Dies wiederum schuf die Vorrausetzung für die Entstehung eines großen Staates, Nam Viet. Es erstreckte sich bald entlang der Küste von Guangxi und Guangdong über Tongking bis zur Nordküste Annams. Im Jahre 111 v. Chr. hingegen verleibte Kaiser Wudi der Han-Dynastie sich diesen Staat ein, machte daraus eine chinesische Provinz und nannte sie Jiaozhi und öffnete somit die südliche Seeroute für den chinesischen Handel. Weiterhin konnten eine stark wachsende Bevölkerung ernährt werden, indem von der chinesischen Provinzverwaltung große Marschlandgebiete entwässert und somit für den Ackerbau nutzbar gemacht wurden [VILLIERS 2001: 32f.].
1.3.2 Frühe Gemeinwesen auf dem Festland: Champa und Funan Der schmale Küstenstreifen Zentralvietnams südlich von Bac Bo bis Kap Nay war von den Cham besetzt. Im Gegensatz zu ihren Nachbarn, den Vietnamesen, Mon und Khmer, sprechen die Cham eine austronesische, den indonesischen Sprachen verwandte Sprache. Außerdem hatten sie wohl stets engere Verbindungen zu ihren Nachbarn im indonesischen Archipel als zum Festland. Wahrscheinlich erscheint, dass es sich um Einwanderer von den südostasiatischen Inseln handelt. Ausgrabungen konnten zeigen, dass es in diesem Küstenbereich in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrtausends v. Chr. mehrere Gemeinwesen gegeben haben muss, die sich durch die Verwendung von Eisen, den Austausch exotischer Glas- und Edelsteinschmucks und die ungewöhnliche Praxis der Leichenverbrennung und Urnenbestattung ausgezeichnet haben. Aus chinesischen Quellen ist zu erfahren, dass das gesamte Gebiet unter dem Namen Linyi bekannt war. Ferner wird es als ein Königreich bezeichnet, was aber zu bezweifeln ist, da Linyi um diese Zeit eher aus vielen kleinen Häuptlings- und Fürstentümern bestanden haben muss [TAYLOR 1992: 148f.]. Es waren Enklaven die von den Gebirgsausläufern der Truong-Son-Kette runter zum Meer gebildet wurden und einzig ihre gemeinsame austronesische Sprache und ihre Abneigung gegen den chinesischen Einfluss mögeneine Gemeinsamkeiten dargestellt haben [OSBORNE 2000: 39f.]. Da die Cham-Siedlungen aufgrund der geographisch schlechten Lage zwischen steilen Hängen, zerklüfteten Bergen und dem Meer eingezwängt lagen, war es für sie einfacher den Austausch miteinander über See als über Land zu bewältigen. Diese Faktoren erklären auch zum Teil die Wichtigkeit des Seehandels für das Wirtschaftsleben der Cham, haben aber wohl zugleich die Entstehung eines einheitlichen Cham-Staates verhindert. [VILLIERS 2001: 119ff].
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Arbeit zitieren:
Erkan Yilmazer, 2008, Die geschichtliche und räumlich-territoriale Entwicklung Südostasiens, München, GRIN Verlag GmbH
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