1 S 2
2 S 3
2 S 3
2 S 4
3 S 5
4 S 8
5 S 9
5 S 9
5 S 10
5 S 11
6 S 13
1. Einleitung
Die vorliegende Seminararbeit hat das Spiel und dessen Einsatz im Unterricht zum Thema. Ausgangspunkt wird dabei zunächst das Spiel als Grunderfahrung des Lebens sein. Es soll gezeigt werden, wie wichtig die Fähigkeit spielen zu können bereits im Kindesalter ist. Nach einigen grundsätzlichen Dingen zum Thema, wie beispielsweise die Merkmale und die Möglichkeiten eines Spiels, geht es um das Verhältnis von Spielen und Lernen, was ein interessantes Feld in Bezug auf die Schule ist. Es stellt sich die Frage, ob und wie durch das Spielen ein Lernzuwachs erreicht werden kann, ob dies immer die einzig erhoffte Wirkung ist und ob Spiele dabei für das Lernen und die Schule zweckentfremdet werden dürfen. Dazu wurden kontroverse Meinungen verschiedener Autoren gesammelt, die gleichermaßen Chancen wie Risiken im Gebrauch von Spielen für die Schule sehen. Im vierten Punkt wird beschrieben, zu welchem Zweck Spiele im Unterricht eingesetzt werden können – je nachdem, was durch diese erreicht werden soll. Der letzte Teil der Arbeit wurde dem Rollenspiel gewidmet. Dieses soll exemplarisch für andere Spiele etwas genauer beleuchtet werden. Dabei werden die Grundtypen, sowie Chancen und Grenzen des Rollenspiels beleuchtet. Das Thema Spiel wird sich also wie ein roter Faden durch die gesamte Arbeit ziehen; von seiner Grundbedeutung für die Entwicklung über allgemeine Informationen zum Einsatz im Unterricht bis hin zum konkreten Beispiel. Dabei soll deutlich werden, dass das Spiel nicht nur eine Methode, sondern auch ein Medium des Lernens sein kann. 1
1
Vgl.: E. Schmack: Spielendes Lernen – Lernendes Spielen, in: K. J. Kreuzer (Hg.), Handbuch der Spielpädagogik, Bd. 1, Düsseldorf 1983, S. 222.
2. Das Spiel
2.1. Spielen als Grunderfahrung des Lebens
Im Rahmen der Entwicklung ist das Spiel von entscheidender Bedeutung. Dies lässt sich zum Beispiel im Spielverhalten bei Tierkindern erkennen. Hermann Röhrs bemerkt hierzu unter der Überschrift „Spiel als ontologisches Prinzip“, dass „die Sozialisation der Jungtiere [...] weitgehend durch das Spiel in wechselnden Gruppierungen [erfolgt].“ 2 Deutlich wird dies,
wenn man beispielsweise einer jungen Katze beim Spielen zusieht, welche versucht, das Ende einer Schnur zu fangen. Spielerisch lernt diese ihre Bewegungen zu koordinieren, um als ausgewachsene Katze beim Jagen Erfolg zu haben. Tierkinder lernen demnach im Spiel für sie lebens- und überlebensnotwendige Dinge. Ähnlich verhält es sich bei den Menschenkindern. Auch für sie wird die Welt bzw. ihre Umwelt mittels des eigenen kindlichen Spiels erfahrbar. Richten wir den Blick etwa auf das Puppenspiel bei Kindern, so sehen wir, dass dort eine Scheinrealität bzw. eine Spielwelt aufgebaut wird, die die Ideale und Wertvorstellungen der Gesellschaft widerspiegeln. Die Welt erschließt sich den Kindern dabei durch den Umgang mit einem Modell der Wirklichkeit. In diesem ist es ihnen möglich Abenteuer, Ängste und Freuden frei und ungehemmt auf ihre eigene Weise anhand ihrer eigenen kindlichen Spielwelt zu erleben. 3
Für die Entwicklung ist diese Tatsache in soweit von Bedeutung, da das Spiel von den möglichen Konsequenzen einer Handlung befreit ist. „Es erlaubt ein Handeln à blanc, wie es Piaget nennt, das gleichsam simulativen Charakter trägt. Zum anderen erlaubt es Handlungsvariationen, die unter dem Druck der Realität nicht möglich wären, und die dennoch notwendig sind, um ein Wesen handlungsfähig zu machen.“ 4 Wenn man dies
wiederum am Beispiel der jungen Katze verdeutlichen wollte, so würde dies bedeuten, dass ein Nichtfangen des Schnurendes ohne negative Folgen bliebe, währenddessen das Nichtfangen bei der späteren Jagd letztendlich zum Verhungern der Katze führen würde. Die Breite der ontologischen Funktion des Spielens beschreibt Manfred Eigen folgendermaßen: „Entstammen nicht alle unsere Fähigkeiten dem Spiel? Zunächst dem Spiel der Muskeln und Gliedmaßen: Aus ziellosem Greifen und Strampeln wird präzis korrelierter Bewegungsablauf. Sodann dem Spiel der Sinne: Aus spielerischer Neugier wird tiefgreifendes Wissen, aus dem
2
H. Röhrs: Das Spiel – eine Grundbedingung des Lebens, in: K. J. Kreuzer (Hg.), Handbuch der Spielpädagogik, Bd. 1, Düsseldorf 1983, S. 44.
3 Aus der Mitschrift zu einem Referat zum Thema „Puppenspiel und Rollenspiel“. Genaue Quelle unbekannt. 4 H. Röhrs, a.a.O., S 44.
Spiel mit Farben, Formen und Klängen unvergängliches Kunstwerk...“ (sic) 5 Das Spielen
erweist sich somit als Motor der Entwicklung und als Ausgangsbasis für das Lernen.
2.2. Vorüberlegungen zum Einsatz des Spiels im Unterricht
Bevor über den Einsatz eines Spiels im Unterricht nachgedacht wird, sollten einige grundsätzliche Dinge darüber bekannt sein. Als erstes wäre dabei festzuhalten, dass das Spielen stets eine freiwillige Tätigkeit ist. Es gibt Menschen, die spielen gern und es gibt gleichwohl Menschen, die spielen überhaupt nicht. Dies sollte besonders bei der Planung eines Spiels im Klassenverband bedacht werden, da es unmöglich ist, jemanden zum Mitspielen zu zwingen. Wer nicht aus eigenem Impuls heraus spielen will, würde durch Zwang automatisch zum Spielverderber werden. Hierbei sollte allerdings auch der wahre Grund für die Verweigerung des Spiels hinterfragt werden. Es ist zu unterschieden, ob jemand generell nicht gern spielt oder ob der Grund darin liegt, dass das Spiel für „kindisch“ gehalten wird. Dies ist besonders bei jugendlichen Schülern und Schülerinnen zu beobachten. Mit zunehmendem Alter sinkt bei den meisten die Bereitschaft, sich auf Spiele einzulassen. Während Kinder im Grundschulalter vergleichsweise leicht für ein Spiel zu begeistern sind, müssen Schüler und Schülerinnen im Teenageralter deutlich mehr motiviert werden. 6 Ein
weiterer Grund kann sein, dass es der betreffenden Person schwer fällt, sich auf das jeweilige Spiel einzulassen. Problematisch wäre das beispielsweise bei einem Rollenspiel, bei dem sich der Schüler oder die Schülerin entweder nicht mit der Rolle identifizieren kann oder es ihm oder ihr unmöglich ist, sich in diese hinein zu versetzen. In diesen Fällen kann der Lehrer keinen Druck ausüben. Er „gibt lediglich die Anregung zum Spiel, erklärt die Durchführung und gibt evtl. Hilfestellungen.“ 7
Weiterhin versetzt sich derjenige, der spielt, in eine Fantasiewelt. Wie bereits im vorherigen Punkt angemerkt, verlässt man für die Dauer des Spiels die reale Welt und begibt sich in eine Spielwelt, die sich durch mindestens ein Fantasieelement von der wirklichen Welt unterscheidet. 8 Ein Element der Fantasie wäre, dass es sich bei dem Spiel nicht um den
Ernstfall, sondern um die Reproduktion einer Situation und deren mögliche Folgen handelt (siehe Piaget: „Handeln á blanc“). Ein anderes Fantasieelement kann die Spielhandlung selbst
5
Vgl, H. Röhrs, Das Spiel – eine Grundbedingung des Lebens, in: K. J. Kreuzer (Hg.), Handbuch der Spielpädagogik, Bd. 1, Düsseldorf 1983, S. 62.
6 Vgl.: H. Frör: Spielend bei der Sache. Spiele für Gruppen, München 1972, S. 9/11.
7 Vgl.: H. Frör, a.a.O., S. 9.
8 Vgl.: H. Frör: Spielend bei der Sache. Spiele für Gruppen, München 1972, S. 9.
Arbeit zitieren:
Anna-Maria Stolze, 2007, Das Spiel im Unterricht , München, GRIN Verlag GmbH
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