Inhaltsangabe
1. Einleitung
S. 2
2. Die Anti-Springer-Kampagne
S. 3
2.1. Gründe für die Anti-Springer-Kampagne 3
2.2. Das Axel Springer Imperium 4
2.3. Die Anti-Springer Aktionen der Studenten 5
3. Der Studentenführer’ Rudi Dutschke 8
3.1. Rudi Dutschkes Weg von Ostdeutschland
nach West-Berlin 8
3.2. Das Attentat auf Rudi Dutschke 9
3.3. Der Täter Josef Bachmann 10
4. Die Osterkrawalle im Jahr 1968
S. 13
4.1. Der Protest in West-Berlin 14
4.1.1. Gründonnerstag, der 11. April 1968 14
4.1.2. Karfreitag, der 12. April 1968 15
4.1.3. Ostersamstag bis Ostermontag,
13.-15. April 1968 15
4.2. Der Protest außerhalb Berlins 15
4.3. Der internationale Protest 17
5. Schlussgedanke
S. 18
6. Quellen- und Literaturangabe
S. 20
1
1. Einleitung
In der vorliegenden Seminararbeit sollen drei Aspekte der 68er Bewegung beleuchtet werden, die auf eine bestimmte Weise miteinander zusammen hängen. Die Osterunruhen waren die Folge des Mordanschlags auf Rudi Dutschke. (?) Der Anschlag wiederum war die Folge der Verhetzung der Studenten. (?) Die Anti-Springer-Kampagne kann als Folge der Verhetzung der Studenten gesehen werden. (?) Diese Aussagen klingen auf den ersten Blick logisch, müssen aber, wie das Fragezeichen andeuten soll, nicht die letzte Wahrheit sein. Von einer anderen Seite betrachtet, spiegelten die Diffamierungen der Studenten in den Zeitungen die Meinung eines großen Teils der Bevölkerung wieder und waren ein verbales Mittel des Springer-Verlags, sich gegen die Anti-Springer-Kampagne zu wehren. Das Attentat auf den Anführer der Studenten könnte ein hilfloser Versuch gewesen sein, die Spaltung der Bevölkerung aus Angst vor einem Bürgerkrieg zu beenden. Doch bevor derartige Diskussionen angestellt und Schlüsse gezogen werden können, ist es notwendig die genauen Ereignisse zu betrachten. Wie und warum es zu der so genannten Anti-Springer-Kampagne kam, wer auf den Studentenführer schoss und wie die Studentenschaft im Einzelnen darauf reagierte, werden einige der Fragen sein, die mit der Seminararbeit beantwortet werden sollen. Beginnend bei der Anti-Springer-Kampagne, da diese zeitlich eher anfängt, werden das Attentat auf Rudi Dutschke und die darauf folgenden Osterkrawalle in und außerhalb der BRD zur Sprache kommen.
2
2. Die Anti-Springer-Kampagne
2.1. Gründe für die Anti-Springer-Kampagne
Mit dem Begriff Anti-Springer-Kampagne wurden sämtliche von der Studentenschaft gestellte Forderungen und durchgeführte Aktionen bezeichnet, die gegen den Axel Springer Verlag gerichtet waren. Für diese gab es verschiedene Anlässe; zum einen warf man Axel Springer vor, dass er weitestgehend ein Pressemonopol besäße, welches er des Öfteren zur Verhetzung der studentischen Protestler einsetzte. Die 1952 gegründete Bild Zeitung zum Beispiel unterstütze offensichtlich die amerikanische Politik, „bejubelte Übergriffe auf die Neue Linke“ und ermutigte sogar dazu mit Schlagzeilen, wie „Überlasst nicht die ganze Drecksarbeit der Polizei“. 1 Weiterhin warf man den Springerschen Presseerzeugnissen antikommunistische Tendenzen und Ausländerfeindlichkeit vor, Volksherhetzung, 2 sowie unzählige Lügen, die zur Verschärfung des kalten Krieges führten. 3 Zeitzeugen kritisierten, dass durch die Größe seines Konzerns und die Auflagenstärke seiner Zeitungen, die Pressefreiheit im Sinne des 5. Artikels des Grundgesetzes „bereits zur Fiktion geworden sei“. 4 Einzigartig für die BRD wäre auch die Tatsache, dass dem Axel Springer Verlag mit seiner Auflagenhöhe keine gleichgewichtigen Konkurrenten gegenüberstanden, wie das beispielsweise in den USA und in Großbritannien der Fall war. 5 Dies hätte eine Uniformität der Berichterstattung in den gesellschaftspolitischen und in den weltpolitischen Fragen zur Folge gehabt. 6 Das Pressemonopol Axel Springers zeigte sich, laut den Kritikern, darin, dass er auf dem Gebiet der überregional verbreiteten Tageszeitungen führend war, regional die Tagespresse in Hamburg und Berlin beherrschte, den Markt der Sonntagszeitungen zu 90% innehatte und insgesamt einen 30%igen Anteil an der Gesamtauflage der Zeitungen in der BRD hatte. 7 In ihrem gemeinsamen Buch „Rebellion der Studenten oder Die neue Opposition“ schrieb Bernd Rabehl: „ Der [Springer] Konzern hatte sehr gut begriffen, daß den Arbeitern und Angestellten an einer detaillierten Information à la Süddeutsche Zeitung
1 Vgl.: Mark Kurlansky: 1968. Das Jahr, das die Welt veränderte, Köln 2005, S. 180.
2 Ebd.
3 Vgl.: Franz Knipping, Jeder vierte zahlt an Axel Cäsar Springer, Berlin 1963, S. 6.
4 Vgl.: Arno Klönne: Ein Super-Hugenberg, in: Imperium Springer. Macht & Manipulation, Köln 1968, S. 11 &15.
5 Vgl.: Klönne, S. 13.
6 Vgl.: Richard Burkhardt: Konzentrationsvorgänge in der Presse der BRD und die Position Springers, in: Imperium Springer. Macht & Manipulation, Köln 1968, S. 28.
7 Vgl.: Burkhardt, S. 30.
3
nichts gelegen war (...).“(sic) 8 Besonders die Bild Zeitung war ganz auf die geistige Trägheit des Lesers fixiert. „Der Nachkriegs-Mentalität großer Bevölkerungskreise entsprach es, daß eine Zeitung angeboten wurde, die sich leicht und schnell lesen ließ und die weder Denken noch Konsequenzen verlangte.“ (sic) 9 Dazu passt ein Zitat von Axel Springer, in dem es heißt: „Ich war mir seit Kriegsende darüber klar, daß der deutsche Leser eines auf keinen Fall wollte, nämlich nachdenken, und darauf habe ich meine Zeitungen eingestellt.“ (sic) 10
Kurz zusammengefasst wurde der Springer-Verlag hauptsächlich aufgrund seiner spezifisch politischen Tendenz und seiner Vormachtstellung gegenüber anderen Presseerzeugnissen kritisiert.
2.2. Das Axel Springer Imperium
Als Sohn eines Zeitungsverlegers baute sich Axel Springer ein Presseimperium auf, das in den 60er Jahren in der BRD mit Abstand das größte war. 1952 erwarb er zunächst von den Briten und später vom Senat der Hansestadt Lizenzen für Zeitungen und Zeitschriften. 11 Ab dem 24. Juni desselben Jahres erscheint nun regelmäßig die Bild Zeitung. 12 Zu dem Pressekonzern, der in den 60ern etwa 12000 Beschäftigte zählte, gehörten u.a. Bild am Sonntag, Hör zu, Die Welt, Welt am Sonntag, Hamburger Abendblatt, BZ und verschiedene andere Zeitungen und Zeitschriften; 19 insgesamt. Auch auf dem Markt der Jugendzeitschriften war der Springer-Konzern führend. Im Juli 1965 kaufte Axel Springer das Teenager-Magazin Bravo vom Münchner Verleger Helmut Kindler auf. Ein Jahr später erwarb er vom Hamburger Heinrich Bauer Verlag die Zeitschriften Twen und OK. Damit kamen nach Schätzungen etwa „45% der Jugend-und Spätjugendzeitschriften aus dem Hause Springer“. 13 Axel Springers damals einzigartige Anteile an den Gesamtauflagen der Presseerzeugnisse sahen laut Richard Burkhardt, der Ende der 60er Leiter der Abteilung Wirtschaft und Technik beim Hauptvorstand der Industriegewerkschaft Druck und Papier war, folgendermaßen aus: bei der Tagespresse - 29,4%, bei der Tagespresse in Berlin - 70%, bei den
8 Uwe Bergmann/Rudi Dutschke/Wolfgang Lefèvre/Bernd Rabehl: Rebellion der Studenten oder Die neue Opposition, Hamburg 1968, S. 174.
9 Burkhardt, S. 43.
10 Axel Springer Zitat, in: Franz Knipping, Jeder vierte zahlt an Axel Cäsar Springer, Berlin 1963, S. 23.
11 Vgl.: Burkhardt, S 38.
12 Vgl.: Knipping, S. 38.
13 Vgl.: Art. Passt ihr wirklich zusammen? In: Der Spiegel, Nr. 7/1968, S. 65.
4
Publikumszeitschriften - 16%, bei den aktuellen Sonntagszeitungen - 90%, bei den Programmzeitschriften - 57,6%. 14
2.3. Die Anti-Springer Aktionen der Studenten
Die Veröffentlichung der BZ anlässlich der Erschießung Benno Ohnesorgs hatte 1967 heftige Unruhen zur Folge. In der Zeitung, die am nächsten Tag erschien, war unter einem Foto des erschossenen Benno Ohnesorgs zu lesen, er sei das Opfer gewalttätiger Demonstranten geworden. Tatsächlich war der Student jedoch von einem Polizisten getötet worden. 15 In der Bild Zeitung, die wie die BZ, zum Springer-Verlag gehörte, war in der Ausgabe vom 3. Juni 1967 zu lesen: „Ein junger Mann ist gestern in Berlin gestorben. Er wurde Opfer von Krawallen, die politisch Halbstarke inszenierten. Gestern haben in Berlin Krawallmacher zugeschlagen, die sich für Demonstranten halten. Ihnen genügt der Krawall nicht mehr. Sie müssen Blut sehen. Sie schwenken die rote Fahne. Hier hören der Spaß und der Kompromiß und die demokratische Toleranz auf. Wir haben etwas gegen SA-Methoden. Die Deutschen brauchen keine rote und keine braune SA. Sie wollen keine Schlägerkolonnen, sondern Frieden.“(sic) 16 Diese Berichterstattung passte zum Denken vieler, die das Verhalten der Protestler für die Eskalation der Gewalt am 2. Juni 1967 verantwortlich machten. Im Jahr darauf schien es für die Neue Linke, als hätte ihnen die Springer-Presse den Krieg erklärt, „indem sie nach repressiven Gesetzen zur Beschneidung des Demonstrationsrechts rief und ein härteres Auftreten gegen Demonstranten forderte, die Springer selbst als ‚Terroristen’ bezeichnete.“ 17 1967 erschien in der 29. Ausgabe der Zeitschrift Der Spiegel ein Interview mit Rudi Dutschke, in welchem er die Enteignung des Springer-Konzerns forderte. Weiterhin verkündete der Studentenführer: „Wir werden zu Tausenden vor dem Springer-Druckhaus durch passive Formen des Widerstandes die Auslieferungsprozedur verhindern.“ 18 Am 23. November 1967 fand in der TU Berlin eine Veranstaltung über eine geplante Anti-Springer-Kampagne statt.
14 Vgl.: Burkhardt, S. 40.
15 Vgl.: Ulrich Chaussy: Die drei Leben des Rudi Dutschke. Eine Biographie, Frankfurt am Main 1985, S. 145.
16 Chaussy, S. 147.
17 Vgl.: Kurlansky, S. 181.
18 Rudi Dutschke, Art. Wir fordern die Enteignung Axel Springers, in: Der Spiegel, Nr. 29/1967, S. 31.
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Anna-Maria Stolze, 2006, Die Anti-Springer-Kampagne, München, GRIN Verlag GmbH
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