Inhalt
1 Einleitung 3
2 Terminologische Erläuterungen 4
2.1 Sprachlicher Zweifelsfall 4
2.2 Apostroph. 5
2.2.1 Auslassungen 5
2.2.2 Namen 6
3 Formen des Apostrophgebrauchs 8
3.1 Elisionsapostroph. 8
3.2 Stammform-Apostroph 10
4 Reflexion der Entwicklungstendenzen des Apostrophgebrauchs in
ausgew ählten Bereichen 12
4.1 Printmedien und Internet. 12
4.2 Linguistische Forschung 13
5 Fazit 18
Literaturverzeichnis 21
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1 Einleitung
Ist der Apostroph ein sprachlicher Zweifelsfall? Wenn man sich verschiedene Beispiele aus dem Alltag, der Werbung und im Internet anschaut, dann muss diese Frage eindeutig mit ja beantwortet werden. So fällt auf, dass Schreiber den Apostroph außerhalb konventionell gültiger orthographischen Regeln verwenden. Dafür sind u. a. folgende Beispiele evident: Vorfeiertag’s Party (gefunden auf einem Werbeplakat in Halle/Saale), Gebackenes Dorschfilet mit Erdäpf’lsalat (vgl. Pitha 2009), Gleich um’s Eck’ (ebd.), Snack’s (ebd.), Unsere Hit’s des Monat’s (vgl. Fuchs 2009), Bauer’n-Hof (ebd.), Chicken Snack’s (ebd.), Top-Job’s für Ingenieure und Techniker (ebd.), Bitte kein Geschirr in die Büro’s mitnehmen. Danke (ebd.), American PIZZA’S BURGER’S STEAK’S (ebd.), high light’s (ebd.), LADIE’S AND MEN’S JEAN’S (ebd.), Hier tanken Truck’s (ebd.), Beatel’s Fan (ebd.), 18 MINI REIBI’S (ebd.), Info’s zur Zahngesundheit (ebd.), Fan’s der luft- und wassergekühlten Auto’s (ebd.), Eiskarte für Kit’s (ebd.), Kaufe alles aus Oma'ß Zeiten! (vgl. Hofmann), Hand’y Akku (ebd.), Birkel-Nudel’n (ebd.), Morgen’s gebracht bis Abend’s gemacht (ebd.) sowie Tantes ’s Fiffi (ebd.).
Daraus ergeben sich folgende Fragestellungen: Warum wird in den eben genannten Beispielen ein Apostroph gesetzt? Welche Gebrauchsvorgaben zum Apostroph gibt es? Welche Entwicklungstendenzen des Apostrophgebrauchs sind erkennbar?
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, den Apostroph als sprachlichen Zweifelsfall und seine Relevanz in Öffentlichkeit und Linguistik zu untersuchen. Dazu erläutere ich zunächst die Begriffe sprachlicher Zweifelsfall und Apostroph, die für diese Arbeit grundlegend sind, um deren Bedeutung und ein transparenteres Begriffsverständnis herauszuarbeiten. Anschließend betrachte ich zwei Gebrauchsformen des Apostrophs - den Elisions- und den Stammformapostroph - näher und arbeite deren Charakteristika und kommunikative bzw. orthografische Besonderheiten heraus. Im dritten und letzten Teil werden aktuelle Entwicklungstendenzen des Apostrophgebrauchs in Printmedien und Internet sowie der Linguistik dargestellt.
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2 Terminologische Erläuterungen
2.1 Sprachlicher Zweifelsfall
Was ist ein sprachlicher Zweifelsfall? Klein definiert hierzu:
In diesem Zusammenhang geht Wolf Peter Klein auch auf die Identifikation und Klassifikation von Zweifelsfällen ein. Für die Identifikation führt er sechs Möglichkeiten auf. Dazu zählen: das Sichten von Datenbanken und Erfahrungsberichten von Sprachberatungsstellen wie die DUDEN-Sprachberatung, das Aachener grammatische Telefon, das Essener Sprachtelefon etc.; die Durchsicht bereits existierender Zweifelsfallsammlungen; die Analyse natürlicher metasprachlicher Thematisierungen von Zweifelsfällen; weiterhin Umfragen und empirische Erhebungen zur Existenz von Zweifelsfällen; auch die Analyse von Hinweisen auf Zweifelsfälle in existierenden Grammatiken und Wörterbüchern; sowie die Befragung der eigenen Sprachkompetenz („Sprachgefühl“) (vgl. Klein 2003: 13ff.). Klein weist zu Recht darauf hin, dass das Sprachgefühl eines Sprechers und die Konsultation von Zweifelsfallsammlungen eine erste Orientierungsmöglichkeit über sprachliche Zweifelsfälle bilden sollten, bevor weitere Wege gegangen werden (vgl. Klein 2003: 15). Eine Klassifikation sprachlicher Zweifelsfälle kann nach drei Dimensionen erfolgen. Diese umfassen: erstens, die Klassifizierung nach der Systemebene, d. h. ob phonetische, orthographische, morphologische (Flexion, Wortbildung), syntaktische, lexikalische, semantische oder pragmatische Zweifelsfälle untersucht werden; zweitens, die Klassifizierung nach der Entstehungsursache, bei der Zweifelsfälle aufgrund von Sprachwandel, Sprachkontakt,
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Regiolekten/Dialekten, Fachsprachen, Stillagen, Regelkonflikten im Sprachsystem oder gesellschaftlich relevanten metasprachlichen Interventionen auftreten können; sowie drittens, eine Klassfikation nach den Klärungsmöglichkeiten, die die Kriterien Frequenz und Gebrauchskontext berücksichtigt (vgl. Klein 2003: 15ff.).
2.2 Apostroph
Die Verwendung des Apostrophs erstreckt sich auf zwei große Bereiche, den Bereich der Auslassungen und den Bereich der Namen. Im Folgenden gehe ich näher auf diese beiden Bereiche ein und arbeite die Gebrauchsvorgaben zum Apostroph heraus.
2.2.1 Auslassungen
Verbindlich muss ein Apostroph bei Wörtern oder Auslassungen gesetzt werden, „wenn die verkürzten Wortformen sonst schwer lesbar oder missverständlich wären“ (Dudenredaktion 2006: 35). Dies betrifft z. B. Formen, die in der dichterischen Sprache verwendet werden: „Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll …“, „Dass aber der Wein von Ewigkeit sei, daran zweifl’ ich nicht …“ (ebd.).
In folgenden Fällen braucht er dagegen nicht gesetzt zu werden (vgl. ebd.):
• wenn im Wortinneren ein unbetontes e entfällt (d. h. Synkope vorliegt), wie bei ich wechsle, statt ich wechsele;
• eine Apokope, d. h. der Wegfall eines unbetonten e am Wortende vorliegt, z. B. bei: Das hör (anstatt höre) ich gern., Ich lass (anstatt lasse) das nicht zu. sowie Leg (anstatt lege) den Mantel ab.;
• wenn eine verkürzte, aber häufig gebrauchte Nebenform eines Adjektivs oder Substantivs verwendet wird, z. B. bei Bursch/Bursche, öd/öde, trüb/trübe, heut/heute;
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• sowie bei ungebeugter Verwendung eines Pronomens oder Adjektivs in Fügungen, wie in den Beispielen um gut (anstatt gutes) Wetter bitten, ruhig (anstatt ruhiges) Blut bewahren und Wir wollen sein ein einzig (anstatt einziges) Volk von Brüdern … deutlich wird.
Einem Schreiber wird das Setzten eines Apostrophs freigestellt, „wenn Wörter der gesprochenen Sprache mit Auslassungen schriftlich wiedergeben werden und sonst schwer verständlich sind“ (Dudenredaktion 2006: 35). Das betrifft Fälle wie: So ’n Blödsinn!, Nimm ’ne andere Farbe., Da fährt sich’s schlecht. und Wir gehen in ’n Zirkus.
Nicht gesetzt wird der Apostroph in der Regel in folgenden Fällen:
• bei Verschmelzungen von Präpositionen und Artikel: ans, aufs, durchs, fürs, am, vorn, zur etc.;
• bei r- beginnenden Kürzungen von Wörtern wie herauf, herein, heran, herüber: Bitte reich mir mal das Buch rüber., Was für ein Reinfall!, Runter vom Balkon!;
• bei bestimmten Wörtern mundartlicher Herkunft: Brettl, Rosl, Dirndl, Hansl;
• sowie bei umgangssprachlichen Verbindungen aus Verb oder Konjunktion und dem Pronomen es: Nimms (häufig auch: Nimm’s) nicht so schwer., Wie gehts (häufig auch: geht’s) dir? (vgl. Dudenredaktion 2006: 36). Wenn der Apostroph bei Wörtern Auslassungen im Wortinneren markiert, muss er gesetzt werden, z. B. bei D’dorf (für: Düsseldorf), M’gladbach (für: Mönchengladbach), Lu’hafen (für Ludwigshafen) und Ku’damm (für: Kurfürstendamm) (vgl. Sick 2006).
2.2.2 Namen
Bei Namen wird der Apostroph verwendet, um den Genitiv von Namen, die auf s, ss, ß, tz, z, x enden und ohne Artikel stehen, zu kennzeichnen. Dies wird u. a. in folgenden Beispielen deutlich: Ringelnatz‘ Gedichte, Le Mains‘ Umgebung, Augustinus‘ Philosophie, Grass‘ Blechtrommel. Deshalb darf der Apostroph nicht in Beispielen gesetzt werden, wie die Gedichte des Hans Sachs, das
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Arbeit zitieren:
Sven Bonitz, 2009, Zweifelsfall Apostroph – Grund zum Verzweifeln?, München, GRIN Verlag GmbH
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