Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Grundkenntnisse über die Entwicklung des Wortes deutsch 2
2.1 Etymologie des Wortes deutsch 2
2.2 Besonderheit des Wortes deutsch 4
3 Forschungsansätze zur Entwicklung des Volksnamen deutsch 5
3.1 Jacob Grimms Grundsteinlegung 5
3.2 Weisgerbers „Dreifache Wurzel“ 6
4 ausgewählte Probleme in Bezug auf Weisgerbers Forschung 8
4.1 Franz Specht zum Bedeutungswandel von westfr. peudisk 8
4.2 Von germ. theudisk zu mlat. theodiscus? 9
4.3 Zur Semantik von ahd. diutisk 10
5 Fazit 11
Literaturverzeichnis 13
Monographien 13
Sammelbänder 13
Zeitschriftenaufsätze 14
Lexika 14
1 Einleitung
Diese Hausarbeit soll einen Überblick über die wichtigsten Forschungsansätze zur Entwicklung des Wortes deutsch geben. Genauer wird es um die Entwicklung zum Volksnamen deutsch gehen, die um das Jahr 1200 als abgeschlossen angesehen werden kann. Die eigentliche Forschungsschwierigkeit stellt der Übergang vom appellativen Adjektiv zum Eigennamen dar. Dieser Übergang soll in meiner Arbeit thematisiert werden. So möchte ich zunächst den Einstieg in das Thema über die Etymologie des Wortes deutsch und seine Besonderheiten bereiten. Im nächsten Schritt werde ich auf Jacob Grimm, den Begründer der Forschungen zum Wort deutsch und Johann Leo Weisgerber eingehen. Weisgerber setzte mit seiner Theorie von der “Dreifachen Wurzel“ Maßstäbe, die neben Erweiterungen, z.B. von Frings, natürlich auch Kritik erhalten hat. Im darauf folgenden Teil soll ein Überblick über ausgewählte Probleme in Bezug auf Weisgerbers Forschungsergebnisse gegeben werden. Denn nur so kann verdeutlicht werden, wie kompliziert und verworren der Weg zum Volksnamen deutsch war. Neben Diskussionen um die Semantik von ahd. diutisk und westfr. *peudisk wird es auch um die Existenzfrage eines germanischen Vorläufers des mlat. theodiscus gehen. Dabei werde ich einen Forschungszeitraum von über 150 Jahren untersuchen und auch auf die damit verbundenen politisch-ideologischen Einflüsse eingehen. Ziel der Arbeit ist es daher Klarheit in die Kontroverse um das Wort deutsch und dessen Entwicklung zum Volksnamen zu bringen.
2 Grundkenntnisse über die Entwicklung des Wortes deutsch
Zunächst soll ein Überblick über die Etymologie des Wortes deutsch und dessen Besonderheiten gegeben werden. In diesen Forschungspunkten sind sich die Sprachwissenschaftler einig und sie können als allgemein gültig angesehen werden. Um den folgenden Forschungsansätzen und Problembehandlungen besser folgen zu können, ist es notwendig die Grundlagen klar darzustellen, wie es in den nächsten Punkten geschehen wird.
2.1 Etymologie des Wortes deutsch
Der nun folgende Teil befasst sich mit der sprachlichen Entwicklung und Herkunft des Wortes deutsch. In diesem Punkt sind sich die Sprachforscher wie Weisgerber, Weisweiler, Moser und Frings weitgehend einig. Die Diskussion um die semantische
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Entwicklung wird allerdings erst einmal ausgeklammert und an späterer Stelle näher erläutert. Es sei nur soviel gesagt, dass zunächst eine Sprache bezeichnet wurde und erst sehr viel später ein Volk und Land.
Die sprachliche Entwicklung des Adjektivs deutsch reicht bis ins Indogermanische zurück. Laut Weisgerber stellt das indogermanische Substantiv *teuta, das vor allem in Mitteleuropa verbreitet war, die Ausgangsform der Weiterentwicklung zu dem germanischen Adjektiv *peudiskaz dar. Das Substantiv *teuta war zudem neben den
1 Im Germanischen Germanen auch bei den Kelten, Italikern und Balten zu finden. entwickelte sich dann aus indogermanisch *teuta das germ. *peudo. Sowohl *teuta als auch *peudo bedeuteten hauptsächlich ‚Volk’ bzw. ‚Stamm’. Die althochdeutsche Entsprechung heißt diot(a), die mittelhochdeutsche diet und die gotische Variante piuda. 2 Im 15. Jh. stirbt dieses eigenständige Wort jedoch aus und ist nur noch in
3 Wie Weiterentwicklungen wie deutsch oder in Eigennamen wie Dietrich anzutreffen. schon erwähnt, entwickelte sich aus dem indogermanischen Substantiv *teuta das germanische Adjektiv *peudiskaz. Diese neue Wortverbindung entstand durch das Aufeinandertreffen von germ. *peudo und des germanischen Suffix -iska. Dieses Suffix -iska zeigte eine Zugehörigkeit an. Weisgerber beschreibt dies genauer so: „Das kann in allgemeinem Sinne die Zugehörigkeit bezeichnen[…], oder die besondere Übereinstimmung in der Art[…] oder die Verbundenheit durch Art und
4 Demnach lautet die Übersetzung von dem germanischen *peudiskaz Herkunft[…].“
‚zum Volk bzw. Stamm gehörig’ 5 , ‚das Volk betreffend’ 6 und ‚volklich’ 7 . Die späteren Wortformen treten in den unterschiedlichsten orthographischen Varianten auf, bedingt durch den geographischen Raum. So gibt es die mittellateinischen Formen theodiscus, theotiscus und teudiscus. 8 Im mittelhochdeutschen sind diutisch, tiutsch, tiusch und diutsch bekannt. Die gotische Entsprechung heißt piudisko und im
1 vgl. Weisgerber, Joh. Leo: Der Sinn des Wortes Deutsch, Göttingen 1949, S. 30
2 vgl. Weisweiler, Josef: Deutsche Frühzeit, in: Maurer, Friedrich/Stroh, Fritz(Hrsg.): Deutsche Wortgeschichte. Bd. 1: Vorgeschichte- Germanentum- Deutsche Frühzeit-Höfisches Rittertum- Spätes Mittelalter, Berlin 1943, S. 140; vgl. auch: Tschirch, Fritz: Geschichte der deutschen Sprache. Erster Teil: Die Entfaltung der deutschen Sprachgestalt in Vor- und Frühzeit(=Grundlagen der Germanistik, 5), Berlin 1983(3., durchgesehene Aufl., bearb. v. Werner Besch), S. 165
3 vgl. Weisgerber (1949), S. 30
4 Weisgerber (1949), S. 30f.
5 vgl. Tschirch (1983), S. 165 ; vgl. auch: Ehrismann, Otfrid: Deota/Diutisk. Zur frühen Semantik des Wortes deutsch, in: Grosse, Rudolf(Hrsg.): Sprache in der sozialen und kulturellen Entwicklung. Beiträge eines Kolloquiums zu Ehren von Theodor Frings(1886-1968)(=Philologisch-historische Klasse Bd. 73, Heft 1), Berlin
1990, S. 293-303; vgl. auch: Thomas, Heinz: Der Ursprung des Wortes theodiscus, HZ 247 (1988), S. 297
6 vgl. Tschirch (1983), S. 165
7 vgl. Thomas (1988), S. 297
8 vgl. Moser, Hugo: Deutsche Sprachgeschichte. Mit einer Einführung in die Fragen der Sprachbetrachtung, Tübingen 1969(6., überarb. Aufl.), S. 99
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9 Zusammenfassend ist zu sagen, Althochdeutschen heißt es theudisk oder diutisk.
dass sich das heutige Wort deutsch aus dem germanischen *peudiska über das althochdeutsche diutisk und das mittelhochdeutsche diutsch entwickelt hat. Diese geradlinig anmutende Entwicklung ist jedoch gezeichnet durch die verschiedensten Erscheinungsformen des Wortes deutsch.
2.2 Besonderheit des Wortes deutsch
Das Wort deutsch weist eine außergewöhnliche Besonderheit auf. Die etymologische Betrachtung hat bereits erwähnt, dass das Adjektiv deutsch eine Sprachform und erst später ein Volk bzw. ein Land bezeichnete. Das heißt, die semantische Weiterentwicklung in Bezug auf Länder- und Volksname ist sekundär
10 Denn das vom Adjektiv deutsch erfolgt und geht von einem Adjektiv aus.
substantivierte Deutsche als Volksname und das lediglich von deutschem Land zusammen gerückte Deutschland als Landesname scheiden aus als Ausgangspunkt der Entwicklung. So ist die Trias Sprachadjektiv, Volksname und Landesname mit deutsch, Deutsche, Deutschland zu besetzen. Damit fällt das Wort deutsch aus dem sonst gebräuchlichen Muster, wenn es um die Bildung von Sprachadjektiven, Volksnamen und Landesnamen geht. Herkömmlich verbreitet ist nämlich die Entwicklung des Sprachadjektivs und des Volksnamens aus dem Ländernamen oder die Entwicklung aus dem Volksnamen. So geschehen zum Beispiel bei Italien, Italiener, italienisch oder Amerika, Amerikaner, amerikanisch. Noch deutlicher wird die Verschiedenheit der Bildung, wenn man das bei deutsch genutzte Muster zum Beispiel auf das Wort polnisch anwendet. So müsste die Trias Sprachadjektiv, Volksname, Ländername -polnisch, Polnischer, Polnischland- lauten. Das gängige Bildungsmuster nutzt also Suffixe, um den semantischen Gebrauch zu verdeutlichen. Bei der Genusanzeige der Volksnamen zeigt sich noch heute wie ungewöhnlich der deutsche Volkname ist. Während das Maskulinum Deutscher gängig auf -er endet, so heißt es im Femininum Deutsche und nicht wie sonst üblich Dänin oder Russin auf das Suffix -in. Eine weitere Besonderheit ist die Entwicklung des Ländernamens Deutschland. Diese Form ist noch sehr jung und wurde lange Zeit nur als syntaktische Fügung von Adjektiv plus Substantiv ausgedrückt. So beginnt ein Auszug aus der auf mhd. verfassten Vita Heinrich Seuses, einem Mystiker und Theologen aus Konstanz, mit: „Es waz ein brediger in tiutschem lande, von geburt
9 vgl. Ehrismann (1990), S. 298; vgl. auch: Thomas (1988), S. 299
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Josie Reuter, 2008, Ausgewählte Forschungsansätze zur Entwicklung des Wortes deutsch, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Funktion und Bedeutung der Verweisungen auf transzendente Mächte in &q...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 37 Pages
Formulare als ein Mittel der Verständigung zwischen Amt und Bürger
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 22 Pages
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 15 Pages
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