Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Die Femme fatale - eine Begriffsdefinition. 3
3. Der kleine Herr Friedemann - eine frühe Erzählung 4
3.1 Wichtige Daten und inhaltlicher Überblick 4
3.2 Das Motiv der 'Heimsuchung' 5
4. Das Apollinische versus das Dionysische. 6
4.1 Friedemanns Weltbild 6
4.2 Auftreten der Gerda von Rinnlingen. 7
4.3 Einbruch der Leidenschaft in Friedemanns Leben 8
4.3.1 Die erste Begegnung. 8
4.3.2 Der Theaterbesuch. 9
4.3.3 Der Besuch bei Gerda von Rinnlingen 11
4.3.4 Der Parkspaziergang. 11
5. Fazit oder Friedemanns Untergang oder der Sieg der Femme fatale 13
6. Literaturverzeichnis 15
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1. Einleitung
„Die Amme hatte die Schuld.“ So beginnt die Novelle „Der kleine Herr Friedemann.“ Schon jetzt ist klar - der unschuldige Held ist bemitleidenswert. Sein durch Frauen geprägtes Leben ist bestimmt von Verzicht und unterdrückter Sehnsucht. Schon als Jugendlicher der Liebe abgeschworen, verlor er im jungen Erwachsenenalter seine Mutter. Sein Herz sollte von da an nur noch für schöngeistige Dinge, wie Theater, Literatur und Musik, schlagen. Einst verletzt und nun unbeachtet von der Frauenwelt, lebt Friedemann seine eigene Illusion von Glück und Erfüllung. Doch gilt es, eine Frau in Friedemanns Leben ganz besonders hervorzuheben: Gerda von Rinnlingen. So plötzlich wie die Frau des neuen Bezirkskommandanten in Friedemanns Leben getreten ist, so verheerend demolierte sie dieses Leben. Die Arbeit beschäftigt sich mit den Frauendarstellungen in den Erzählungen bei Thomas Mann. Insbesondere soll auf den Typus der Femme fatale, am Beispiel der Gerda von Rinnlingen, eingegangen werden. Dazu muss zunächst geklärt werden, was man überhaupt unter Femme fatale versteht und welche Kriterien von Gerda erfüllt werden müssen. Des weiteren sollen wichtige Daten und ein inhaltlicher Überblick über die Novelle gegeben werden. Neben der Femme fatale-Problematik wird zudem noch kurz auf das Motiv der Heimsuchung und seine Verwendung in der Novelle eingegangen. Das Grundmotiv, was noch in vielen späteren Werken Thomas Manns zu finden ist, wird hier erstmals genutzt. Um zu klären, ob Gerda von Rinnlingen eine Femme fatale darstellt, müssen außerdem Sachverhalte, wie ihr äußerliches Auftreten oder Friedemanns Weltbild und Lebensphilosophie betrachtet werden. Im weiteren Verlauf der Arbeit soll dann Gerdas Verhalten bei den Aufeinandertreffen mit Friedemann analysiert werden. Aus all den gesammelten Informationen ergibt sich dann eine Frage. Ist Gerda eine typische Femme fatale? Diese Frage soll in der Arbeit bearbeitet und beantwortet werden.
2. Die Femme fatale - eine Begriffsdefinition
Um herauszufinden, ob Gerda von Rinnlingen dem Bild einer Femme fatale entspricht, soll nun erst einmal die Betrachtungsgrundlage geschaffen werden. Dazu wenden wir uns zunächst der 'typischen' Femme fatale zu. Schon der aus dem Französischen kommende Name - Femme Fatale steht für verhängnisvolle Frau - verheißtnichts Gutes. Dieser Frauentypus ist vor allem durch seine duale Wirkung
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auf Männer zu charakterisieren. Für Männer erscheint eine Femme fatale offensichtlich als attraktive, verführerische und kluge Frau. Sie ist anders, indem sie sich über gesellschaftlich geltende Normen hinwegsetzt und den Mann so in einen erotischen Bann zieht. Aber auch das Bedrohliche, die Gefahr, die von ihr ausgeht, bleibt keineswegs unbemerkt. Nur ist dies für den Mann, wenn er ihr erst einmal verfallen ist, kaum noch realisierbar. Der von der Hoffnung auf Liebeserfüllung benebelte Mann wird von der Femme fatale manipuliert und ausgenutzt, was im fatalen Ende - meist der Tod des Mannes - gipfelt. So fasste Carola Hilmes in einem 'Steckbrief' zusammen: „Die Femme fatale lockt, verspricht und entzieht sich. [...] Die Femme fatale repräsentiert die permanente Verführung, die ebenso sehr gewünscht 1 Das wohl bekannteste Beispiel der Femme fatale liefert die wie gefürchtet wird.“
Bibel. Eva verführt Adam zum Biss in den verbotenen Apfel, was die Verdammnis aus dem Paradies zur Folge hat. Allerdings muss man sagen,dass sich das Bild der typischen Femme fatale erst in der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts herausgebildet hat. Hier einzureihen wären außerdem Claudia Chauchat aus „Der Zauberberg“ oder die Amra aus „Luischen“.
3. Der kleine Herr Friedemann - eine frühe Erzählung
3.1 Wichtige Daten und inhaltlicher Überblick
Erst unter dem Arbeitstitel „Der kleine Professor“, später dann als „Der kleine Herr Friedemann“, sollte diese Erzählung der Durchbruch des erst 21-jährigen Thomas Mann werden. Am 29. 11. 1894 schickte Mann die Novelle „Der kleine Professor“ an den deutschen Schriftsteller und Dichter Richard Dehmel, zudem auch Mitbegründer der Literaturzeitschrift Pan. Allerdings kam es nie zur Veröffentlichung, da die Novelle von den Zeitschriften Pan, Die Gegenwart und Moderne Kunst abgelehnt wurde. Im Spätsommer 1896 beendete er die Arbeit an „Der kleine Herr Friedemann“, vermutlich eine Überarbeitung von „Der kleine Professor“ und schickte diese an die Neue deutsche Rundschau. Dort wurde die Novelle im Maiheft des Jahres 1897 gedruckt, was wohl auch als Grundstein der Zusammenarbeit mit dem S. Fischer Verlag gesehen werden kann. 2 „Der kleine Herr Friedemann“ erzählt in fünfzehn Kapiteln die Lebensgeschichte des buckligen Johannes Friedemann. In seiner
1 Blänsdorf, Jürgen: Begriff und Umfang des Themas femme fatale, in: ders.: Die femme fatale im Drama.
Heroinen - Verführerinnen - Todesengel, Tübingen 1999, S.8
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frühen Kindheit von der betrunkenen Amme vom Wickeltisch fallen gelassen, musste sich Friedemann mit seinem Schicksal des Anderssein abfinden. Von seiner Umwelt hinter unsichtbare Grenzen gesperrt, indem sie ihm mit Befangenheit entgegen tritt, entwickelte Friedemann eigene Interessen und Vorlieben, wie zum Beispiel das Geigenspiel, die Literatur, das Theater, ja die Kunst überhaupt. Er lebt mit seinen drei Schwestern, die den Haushalt führen, und der kranken Mutter unter einem Dach. So verlief alles in Friedemanns Dasein in geordneten Bahnen, bis zu dem Tag als Gerda von Rinnlingen, ihrerseits Gattin des neuen Oberstleutnant der Bezirkskommandantur, in sein Leben trat. Sie weckte neben Angst vor ihrer Dominanz auch Gefühle und Sehnsüchte in Friedemann, denen er eigentlich als Jugendlicher abgeschworen hatte. Jede Begegnung mit ihr demütigt und degradiert Friedemann, was letztendlich den Selbstmord des 30- Jährigen im Park des Oberstleutnant von Rinnlingen zur Folge hat.
3.2 Das Motiv der 'Heimsuchung'
In „Der kleine Herr Friedemann“ wird erstmals das Motiv der 'Heimsuchung' angewendet. Thomas Mann bezeichnet es als „Grundmotiv“ seines Gesamtwerks und äußerte sich über die Erzählung folgendermaßen:
„Die Hauptfigur ist ein von der Natur stiefmütterlich behandelter Mensch, der sich auf eine klugsanfte, friedlich-philosophische Art mit seinem Schicksal abzufinden weiß und sein Leben ganz auf Ruhe, Kontemplation und Frieden abgestimmt hat. Die Erscheinung einer merkwürdig schönen und dabei kalten und grausamen Frau bedeutet den Einbruch der Leidenschaft in dieses behütete Leben, die den ganzen Bau umstürzt und den stillen Helden selbst vernichtet.“ 'On Myself' - Vortrag in zwei Teilen, gehalten am 2. und 3. Mai 1940 in der Princeton University
Die Heimsuchung ist für Friedemann wie eine Droge. Er erfährt einen Zustand von Schwindel, Trunkenheit, Sehnsucht und Qual, der ihm dann auch zum Verhängnis werden soll. Maßgebend für die Entstehung dieses Motivs seien zwei Namen zu nennen: Nietzsche und Sacher-Masoch. Nietzsches „Geburt der Tragödie“ beeinflusste Mann dahingehend, dass er das Formprinzip des 'Apollinischen' und 3 Leopold von das Rauschprinzip des 'Dionysischen' übernahm und verarbeitete.
2 vgl. Heine, Gert/Schommer, Paul(Hg.): Thomas Mann Chronik, Frankfurt am Main 2004, S.15 - 17
3 vgl. Rudloff, Holger: Pelzdamen. Weiblichkeitsbilder bei Thomas Mann und Leopold von Sacher-Masoch,
Frankfurt am Main 1994, S. 52
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Arbeit zitieren:
Josie Reuter, 2008, Frauendarstellungen in den Erzählungen bei Thomas Mann, München, GRIN Verlag GmbH
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