Inhaltsverzeichnis
A. Abbildungsverzeichnis
B. Tabellenverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Wasser als Lebensgrundlage 2
3. Süßwasserressourcen der Erde 3
4. Nutzung der Süßwasserressourcen 5
5. Problem der Süßwasserverknappung 6
5.1 Ursachen der Wasserknappheit 8
5.1.1 Klimatische Verhältnisse 8
5.1.2 Bevölkerungswachstum und steigender Wasserbedarf 10
5.1.3 Verschwendung 12
5.1.4 nicht kostendeckende Wasserpreise 15
6. Problem der Wasserverschmutzung 17
6.1 Ursachen der Wasserverschmutzung 17
6.1.1 Landwirtschaft 19
6.1.2 Urbanisierung 20
7. Folgen der Wasserknappheit 24
7.1 Konflikte um Wasser 24
7.2 Gesundheitsgefährdung 25
7.3 Verschärfung der Situation 26
7.4 Unterernährung 30
8. Konsequenzen für nachhaltigen Umgang mit Süßwasser 31
9. Lösungsansätze 34
9.1 Dargebotsausweitung 34
9.1.1 Meerwasserentsalzung 35
9.1.2 Wassertransport 36
9.2 Steuerung der Wassernachfrage 38
9.2.1 Steuerung der Bevölkerungsentwicklung 39
9.2.2 Effizienzsteigerung des Wasserverbrauchs in der Industrie 39
9.2.3 Effizienzerhöhung der Wassernutzung in der Landwirtschaft 40
9.2.3.1 effizientere Bewirtschaftungsmethoden 41
9.2.3.2 Wassereinsparpotentiale bei der landwirtschaftlichen Nutzung
42
9.2.3.2.1 Handel mit virtuellem Wasser 42
9.2.3.2.2 Methoden des Water Harvestings 43
9.2.4 Wassereinsparungen im Privathaushalt 44
9.3 politische Steuerungsmöglichkeiten des Wasserverbrauchs 45
9.3.1 Preisbildung und Privatisierung 45
9.3.2 Bildung 47
9.3.3 Internationale Kooperation 48
10. Fazit 50
C Literaturverzeichnis
A. Abbildungsverzeichnis
Abb.1: Wasserressourcen der Erde………………………………………………………….. 3 Abb.2: Der Wasserkreislauf…………………………………………………………………. 4 Abb.3: Wassernutzung sektoral, regional 2000……………………………………………... 5 Abb.4: Verfügbarkeit von Süßwasser 2000…………………………………………………. 6 Abb.5: Globale Verteilung der Niederschläge………………………………………………. 9 Abb.6: Verteilung globale Süßwasserressourcen und Bevölkerung………………………… 9 Abb.7: Bevölkerungsentwicklung nach Erdteilen 1900-2050………………………………. 10 Abb.8: Anstieg Wassernutzung und -verbrauch je Sektor………………………………….. 11 Abb.9: Wasserverbrauch in Industriehaushalt………………………………………………. 12 Abb.10: Anteil der bewässerten Flächen an gesamter Anbaufläche eines Landes…………… 14 Abb.11: Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu sauberem Trinkwasser…………………….. 17 Abb.12: jährlich abgeführte Sedimentfracht je Region………………………………………. 19 Abb.13: Nitratkonzentrationen in großen Flüssen 1991-2000………………………………... 20 Abb.14: BOD in jeweiligen Regionen………………………………………………………... 20 Abb.15: Entwicklung urbaner Bevölkerung 1975-2015……………………………………… 21 Abb.16: globale Wasserver- und Entsorgung im urbanen und ländlichen Raum…………….. 22 Abb.17: Wasserver-/ entsorgung in Afrika 2000……………………………………………... 23 Abb.18: Länder mit Wassermangel 1995 und 2050………………………………………….. 27 Abb.19: Einfluss Klimaänderung auf verfügbare Wassermenge……………………………... 29 Abb.20: Anteil unterernährter Menschen an Gesamtbevölkerung……………………………. 30 Abb.21: Verlauf der Friedenspipeline; Türkei als Wasserlieferant im Mittelmeerraum und Nahen Osten…………………………………………………………………………. 37 Abb.22: Vergleich von Bewässerungsmethoden……………………………………………... 41
B. Tabellenverzeichnis
Tab.1: Funktionen des Süßwassers…………………………………………………………. 2 Tab.2: Wasserentnahme Sektoren 1995 nach Kontinenten in %............................................ 5 Tab.3: Wasserdargebot ausgewählter Länder in m3 pro Kopf und Jahr……………………. 8 Tab.4: Ursachen der Wasserknappheit……………………………………………………… 8 Tab.5: Effizienz der Wassernutzung in der Bewässerungslandwirtschaft in ausgewählten Regionen……………………………………………………………………………... 15 Tab.6: Länder, die besonders auf exogene Wasservorräte angewiesen sind……………….. 25 Tab.7: Auswirkungen verbesserter Wasserqualität und sanitärer Einrichtungen auf verschiedene wasserbezogene Krankheiten………………………………………… 26 Tab.8: Länder, deren Wasserverbrauch 1990 erneuerbare Wasservorräte überstieg………. 28 Tab.9: primäre Ziele nachhaltiger Wassernutzung in Industrie- und Entwicklungsländern.. 32 Tab.10: jährlicher Nettohandel mit virtuellem Wasser zw. Kontinenten ( Durchschnitt der Jahre 1995-1999)…………………………………………………………………….. 43
Preis für 1 m 3 Wasser in US $...................................................................................... 46 Tab.11:
1. Einleitung
Das Bild unseres blauen Planeten täuscht darüber hinweg, dass das existenziell wichtige Süßwasser eine knappe Ressource ist. Die nutzbare Menge an Süßwasser, die der Wasserkreislauf jedes Jahr aufs Neue bereitstellt, ist seit Millionen von Jahren konstant. Es muss demzufolge einen Zusammenhang zwischen der heutigen Lebensweise der Menschen und der Aktualität des Problems geben. Das Menschen schon vor langer Zeit in Teilen der Erde mit einem knappen Wasserangebot kämpfen mussten, ist unbestritten. Jedoch die damals eher lokale und höchstens regional aufgetretene Wasserknappheit ist heute ein globales Problem, dem immer mehr Menschen machtlos gegenüber stehen. Dennoch erlangte Wasser erst an der Schwelle zum 21. Jh. eine seiner Bedeutung angemessene internationale Beachtung. Die lange vorherrschende Meinung, dass Wasser im Überfluss vorhanden sei, und nie ein Problem aus der Wasserverfügbarkeit entstehen könnte, wurde für immer größere Teile der Menschheit zur Illusion. Spätestens seit dem großen Umwelt-Gipfel in Rio 1992 werden die Verknappung und die Verschmutzung von Süßwasser als ein Kernproblem globaler Umweltveränderungen angesehen. Rodda 1 schreibt zu diesem Problem: „As the 21st century commences, the world’s water is under more pressure from more directions than at any time during the existence of this planet. Whether this water, […], is regarded as a natural resource, a means of producing power, a component of industrial or agricultural production, a natural hazard, an essential part of the environment, or simply as something to drink, it is surrounded by a far greater number of problems than ever before.”. Der hier verwendeten Literatur ist gemein, dass sie die Wasserkrise und das Problem der Wasserverfügbarkeit als das bedeutendste globale Problem des jetzigen Jahrhunderts ansieht. Die stetig wachsende Weltbevölkerung ist eine der Hauptursachen dafür. In diese Richtung tendiert auch Hoffmann 2 , obwohl er das Problem noch nicht als ubiquitär bezeichnet. Jedoch hat auch er die Gefahr der welt-weiten Streuung des Wasserproblems, u.a. durch stetig steigende Bevölkerungszahlen, erkannt.
Aufgrund der Abhängigkeit des menschlichen Lebens von dem in seiner Menge begrenzt verfügbaren Wasser, der sich der Mensch jetzt und auch zukünftig nicht entziehen kann, erwächst die Bedeutung der Beachtung der Ressource.
Die Arbeit will einen Einblick in die Ursachen der Wasserkrise geben, Beispiele bereits eingetretener negativer Folgen aufzeigen und Lösungsansätze beleuchten.
1 Rodda, 2001, 841.
2 siehe Hoffmann, 2002, 8.
1
2. Wasser als Lebensgrundlage
Wasser ist neben Sauerstoff der wichtigste Rohstoff zur Sicherung der Existenz der Menschheit und der natürlichen Ökosysteme. Es ist eine der wichtigsten Schlüsselressourcen für die Nahrungsmittelherstellung in der Landwirtschaft sowie die Erzeugung industrieller Produkte. Es ist für das Wohlergehen des Menschen bezüglich der Gesundheit und der nötigen Hygiene unabdingbar. Die vielfältigen mit Wasser erfüllbaren Bedürfnisse der Menschheit machen das Leben eigentlich erst lebenswert. Das Problem daran ist, dass dies nur auf die Menschen zutrifft, die nicht mit dem Problem der Wasserknappheit zu kämpfen haben. Gerade dieser Aspekt ist es doch, der den Menschen in den wasserarmen Regionen der Erde einen großen Teil ihrer Lebensqualität raubt. Der Kampf um die nötigen Mengen an Wasser, dem über eine Milliarde Menschen Tag für Tag ausgesetzt sind, ist für uns in den Industrienationen gar nicht erfassbar.
Hier erfüllt das Wasser so viele unterschiedliche soziale, ökonomische und ökologische Bedürfnisse, dass es nicht augenscheinlich ist, dass die Ressource eigentlich ein knappes Gut ist. Vielmehr vermitteln die Nutzungs-, Regelungs-, Kultur- und Lebensraumfunktionen des Wassers den Eindruck eines ubiquitären, in ausreichenden Mengen vorhandenen Rohstoffs. Tab.1: Funktionen des Süßwassers
Durch die menschlichen Aktivitäten wird die verfügbare Wassermenge verringert, sei es durch Verbrauch oder Verschmutzung. Der enorme Druck auf die Ressource entsteht durch die nicht mögliche Substitution des Wassers durch andere Stoffe. Das stellt gleichzeitig auch die größte Gefahr bei Süßwasserknappheit dar, denn folglich ist diese durch nichts als durch Bereitstellung ausreichender Wassermengen selber wieder korrigierbar.
2
3. Süßwasserressourcen der Erde
Der überwiegende Teil des Wassers auf der Erde ist Salzwasser, das wegen des hohen Salzgehaltes von durchschnittlich 3,5 % nicht als Trinkwasser und nur bedingt für andere menschliche Nutzungen in Frage kommt. Mit 35 Mio. km 3 kann nur ein kleiner Bruchteil von den 1,4 Mrd. km 3 Wasser als Trinkwasser genutzt werden. Davon wiederum ist der größte Teil (ca. 69 %) nicht direkt für den Menschen nutzbar, da es in den Gletschern und der permanenten Schneedecke am Nord- und Südpol sowie in den Hochgebirgen gespeichert ist (ca. 24 Mio. km 3 ). Der zweitgrößte Süßwasservorrat lagert in Grundwasseraquiferen, die mehr oder weniger gut zugänglich sind. Flüsse und Seen als direkt zugängliche und nutzbare, oberflächliche Süßwasserquellen sind mit 0,26 % nur ein Bruchteil der weltweit verfügbaren Süßwassermenge (vgl. Abb.1). Aus Gründen der einfachen Zugänglichkeit und Erschließbarkeit ist es nicht verwunderlich, dass diese kleine Menge am stärksten vom Menschen
Abb.1: Wasserressourcen der Erde
Quelle: www.unep.org /vitalwater/images
Würde der natürliche Wasserkreislauf nicht jedes Jahr eine konstante Menge an Süßwasser neu zur Verfügung stellen, wären die Vorräte der Erde längst aufgebraucht. Durch ihn wird Süßwasser zur erneuerbaren Ressource. Der hydrologische Kreislauf bezeichnet die „Zirkulation des Wassers durch die natürlichen Systeme der Erde, und zwar von einer Höhe von bis zu fünfzehn Kilometern über dem Erdboden bis zu einer Tiefe von ungefähr fünf Kilometern; ein sich selbst regulierendes chemisches System in einem quasi gleich bleibenden Zustand, das Wasser in komplexen Kreisläufen aus einem Reservoir ins nächste befördert“ 3 . Jedoch ist nur eine gewisse Menge des Wassers in den Kreislaufprozess eingeschlossen. Diese zur Erneuerung bestimmte Menge stammt aus der Verdunstung der Meeres- und Landoberflächen. Abb. 2 verdeutlicht das Prozess-schema des Wasserkreislaufes, die Mengenangaben des in den einzelnen Prozessen involvierten Wassers sind mit Vorsicht zu genießen.
3 Villiers, 1996, 53.
3
Durchschnittlich wird von etwa 40.000 km 3 jährlich neu zur Verfügung stehenden Wassers ausgegangen. Das hieße theoretisch, jeder Mensch könnte jährlich 7.400 m 3 verbrauchen, ohne dem Ökosystem zuviel Wasser zu entziehen. Für diese Annahme müsste aber vorausgesetzt sein, dass erstens die Bevölkerungszahl konstant bleibt, und zweitens auch wirklich die gesamte Menge an erneuertem Wasser auch dem Menschen zugänglich ist. Beides ist in der Realität nicht gegeben, die Bevölkerungszahl steigt weltweit ständig an und der größte Anteil des erneuerten Wassers fällt als Niederschlag über unbewohnten Festland oder dem Ozean und ist somit nicht zugänglich und bleibt ungenutzt. Zudem fallen Niederschläge u.a. dort, wo sie innerhalb kürzester Zeit wieder verdunsten und so nicht verfügbar sind. Diese Faktoren führen dazu, dass die reell nutzbare Menge an der jährlich neu bereit gestellten Menge auf höchstens 9.000 km 3 schrumpft. Das bedeutet gleichzeitig, dass jeder Mensch nur noch etwa 1.800 m 3 im Jahr zur Verfügung hätte. Dass auch diese Annahme nicht der Wirklichkeit entspricht wird in einem nachfolgenden Punkt noch näher erläutert.
4
4. Nutzung der Süßwasserressourcen
Der größte Süßwasserverbraucher ist die Landwirtschaft. Ihr Anteil an der Wasserentnahme beträgt knapp 70 %. Ein Blick auf Abb. 3 zeigt in welchen Regionen der Erde diese Art der Wassernutzung dominiert. Sie ist in agrarisch strukturierten Staaten sehr hoch. Es dient dort der Nahrungsmittelproduktion, die aufgrund der klimatischen Verhältnisse hauptsächlich auf bewässerten Ackerflächen durchgeführt wird. In den trockenen Regionen ist der Verbrauch besonders hoch, da die Ackerflächen ganzjährig bewässert werden müssen (vgl. Tab.2). Der Grund ist im Entwicklungsstand, der Wirtschaftsstruktur und dem Klima zu suchen. In hoch entwickelten Industrienationen stattdessen die Industrie der Hauptverbraucher. Es dient dort überwiegend der Energieproduktion, wird aber auch in vielen anderen industriellen Produktionsprozessen als Rohstoff oder zur Kühlung verwendet. Der industrielle Gebrauch macht im globalen Durchschnitt nur knapp ein Viertel der gesamten Wasserentnahme aus, wird in den Industrienationen Europas o. in Nordamerika aber deutlich übertroffen. Auch ein deutlicher Unterschied in der Nutzung des Wassers im Haushalt und öffentlichen Einrichtungen ist zu erkennen. Auch hier liegt der Schwerpunkt wieder bei den höher entwickelten Nationen. Anders als in den Entwicklungsländern kann dort jeder Haushalt durch die flächendeckenden Wasser-versorgungsnetze und dem gesicherten Zugang zu Wasser auf das Wasser zugreifen und verbrauchen.
Tab.2: Wasserentnahme Sektoren 1995 nach Kontinenten in %
5. Problem der Süßwasserverknappung
Das Problem der Wasserknappheit ist nicht neu, schon immer gab es Regionen in denen Wasser aufgrund der klimatischen Verhältnisse knapp war. Jedoch wird die natürliche quantitative Grenze von Wasser in zunehmenden Maße von anthropogen verursachten Problemen überlagert, so dass immer mehr Regionen mit dieser Gefahr konfrontiert sind. Es wird auch in Zukunft nicht alle Regionen betreffen, aber die regionalen Krisen werden in solch einem Maße zunehmen, sich gegenseitig verstärken und somit für ganze Völker lebensbedrohend werden 4 .
Aus Abb. 4 ist erkennbar, dass v.a. Afrika und Asien, aber auch Mittel- und Osteuropa bereits heute mit Wassermangel zu kämpfen haben. Die Knappheit an Wasser drückt das Missverhältnis von Wasserangebot zur Wassernachfrage aus. In Afrika und Asien ist es überwiegend von Natur aus knapp, in Europa hingegen wird es erst durch den hohen Verbrauch, die hohe Verschwendung und Verschmutzung zum knappen Gut gemacht. Von Natur ist es dort in ausreichenden Mengen vorhanden, da die Niederschlagsmenge genügend hoch ist.
Die Diskrepanz zwischen Wasserangebot und -nachfrage ist in immer mehr Regionen zu beobachten. Es ist nicht nur die Tatsache, dass weltweit über eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, die weltweite Wasserkrise zeigt sich sehr differenziert in ihren Ausprägungen. Villiers (2000) hat einige Anzeichen aufgelistet 5 : u.a.
§ zunehmende Entleerung fossiler Grundwasserleiter
§ Ausdehnung der Sahara
§ Absenkung des Grundwasserspiegels
§ häufigere und länger andauernde Dürreperioden
§ zunehmende Konfliktpotentiale zwischen mehreren Staaten.
Daraus lassen sich schreckliche Zukunftsszenarien ableiten, die viele Experten zu folgenschweren Einschätzungen kommen lassen. Beispielsweise sieht Engelmann (2000) in der Wasserversorgung das brisanteste Problem überhaupt: „Von allen sich erneuernden Ressourcen unseres Planeten ist
4 vgl. Jägersküpper, 1996, 20.
5 vgl. Villiers, 1996, 35ff.
6
Süßwasser vielleicht die problematischste“ 6 , Boutros Boutros- Ghali, einst Generalsekretär der Vereinten Nationen, sagte: „Die Kriege des 21. Jahrhunderts werden Kriege um das Wasser sein.“ 7 . Zur Definition von Wasserknappheit werden Knappheitsindikatoren herangezogen. Die von der schwedischen Hydrologin M. Falkenmark entwickelten sind weltweit am gebräuchlichsten. Bei der Entwicklung ihres Wasserknappheitsindexes hat sie ein ungefähres jährliches Mindestniveau an pro-Kopf verfügbarem Wasser in Höhe von 36,5 m 3 festgelegt, dem je nach Entwicklungsstand noch der 5- 20fache Verbrauch für Landwirtschaft, Energieerzeugung und Industrie hinzuaddiert wird. Daraus ergibt sich ihre Interpretation von Wasserknappheit: liegt das Wasseraufkommen pro Jahr und Kopf unter 1.700 m 3 spricht sie von einer angespannten Wasserlage (entspricht periodischer oder regelmäßiger Wasserknappheit), unterschreitet die verfügbare Menge die 1.000 m 3 - Grenze leidet das Land an chronischem Wassermangel, und absoluter Wassermangel existiert, wenn die Bevölkerung eines Landes weniger als 500 m 3 pro Kopf und Jahr zur Verfügung hat. Schon ab einer verfügbaren Menge von weniger als 1.000 m 3 kann es zu Beeinträchtigungen der wirtschaftlichen Entwicklung, der Gesundheit sowie der Lebensqualität kommen. Gleick sieht bei 1.000 m 3 „das ungefähre Minimum für eine angemessene Lebensqualität in einem mäßig entwickelten Land“ 8 .
Solche Knappheitsindikatoren dienen der Abschätzung der Aktualität von Problemen, die aus Wassermangel entstehen. Darüber hinaus sagen sie etwas über die vor Ort vorhandene und prinzipiell nutzbare Wassermenge aus. Jedoch klären sie nicht, ob die Menschen wirklich Zugang zu Wasser haben, d.h. über Mittel und Technik verfügen, sich die verfügbaren Wasservorräte nutzbar zu machen. Wendet man den Index von Falkenmark auf die heutige Situation an, leiden heute bereits 26 Staaten unter Wasserknappheit oder -mangel, in ihnen leben 505 Millionen Menschen und der tägliche Bevölkerungszuwachs beträgt 34.000 9 . In Tabelle 3 sind einige Staaten aufgelistet, die bereits heute nur über knappe Wasserressourcen verfügen.
6 Engelmann, 2000, 8.
7 zitiert in: Villiers, 1996, 34.
8 Engelmann, 2000, 26.
9 vgl. Engelmann, 2000, Abschnitt 3.3.
7
Arbeit zitieren:
Daniel Sehnert, 2005, Das Problem der Süßwasserverknappung, München, GRIN Verlag GmbH
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