Der Vertiefungsentwurf orientiert sich an den Regeln der neuen Recht- schreibung. Begriffe werden aus Gründen des Leseflusses nur in männli- cher Form verwendet, welche die weibliche selbstverständlich mit ein- schließt.
Zur Zitierweise:
Befindet sich eine Quellenangabe am Ende eines Abschnitts hinter dem abschließenden Satzzeichen, so bezieht sich die Quellenangabe auf den gesamten vorangegangenen Textabsatz. Befindet sich die Quellenangabe vor dem abschließenden Satzzeichen, so bezieht sich die Quellenangabe nur auf den vorangegangenen Satz beziehungsweise die vorangegangene Aussage.
Gliederung 3
Gliederung
1 Einleitung 4
2 Tourismus 6
2.1 Definition des Begriffs Tourismus 6
2.2 Auswirkungen des Tourismus 7
2.2.1 Der nachhaltige Tourismus 9
2.3 Fazit 10
3 Das Offene Forum Tourismus 11
3.1 Vorbereitungen für die Durchführung eines OFT 12
3.2 Die Phasen des Offenen Forum Tourismus 13
3.3 Exkurs: Das Produkt Urlaub 15
3.4 Die Akteure des Offenen Forum Tourismus 16
3.5 Ablauf des Offenen Forum Tourismus 21
3.6 Fazit 22
4 Möglichkeiten der Einbindung von OFT-Ergebnissen in die
Planung 23
4.1 Formelle und informelle Instrumente der Planung 23
4.1.1 Formelle Instrumente auf Landes- und Regionalebene 24
4.1.1.1 Einbindung der OFT-Ergebnisse in die Raum-
ordnungspläne der Länder und Regionen 25
4.1.2 Formelle Instrumente auf Gemeindeebene 26
4.1.2.1 Einbindung der OFT-Ergebnisse in die Bauleitplanung 27
4.2 Beispiele für informelle Planungsinstrumente 28
4.3 Einbindung der OFT-Ergebnisse in informelle Planungs-
instrumente 29
4.4 Fazit 30
5 Fazit und Perspektiven 31
6 Quellenverzeichnis 32
6.1 Literaturverzeichnis 32
6.2 Gesetzestexte 34
6.3 Graue Literatur 34
7 Abbildungsverzeichnis 34
8 Anhang 35
1 Einleitung 4
1 Einleitung
Trotz Wirtschaftskrisen und politi- In den bisher durchgeführten Of-
scher Unruhen ist der Tourismus fenen Forum in Deutschland wa-
weiterhin einer der wachstums- ren Planer nur selten vertreten.
stärksten Wirtschaftszweige welt- Die Ergebnisse wurden zwar oft-
weit. Neben seinen positiven öko- mals als Tourismuskonzepte bzw.
nomischen und kulturellen Effek- -leitbilder veröffentlicht, allerdings
ten ist aber darauf zu achten, fand keine Verknüpfung mit for-
dass der Tourismus in seiner Aus- mellen und informellen Instru-
prägung die altgewachsenen kul- menten der Planung statt.
turellen Bräuche einer Destination
nicht überprägt und die natur- Thema dieses Vertiefungsent-
räumlichen Besonderheiten auf wurfes ist es, die Möglichkeiten
Dauer gefährdet. Spätestens seit der Verknüpfung aufzuzeigen, um
der Rio-Konferenz 1992 gilt der die Inhalte der Tourismuskon-
Grundsatz der Nachhaltigkeit auch zepte durch Instrumente der Pla-
für den Tourismus. Dieses Be- nung zu sichern. Dabei geht es
wusstsein erfordert ganzheitliche einerseits um die verbindliche
Tourismuskonzepte, die die posi- Festsetzung in den Raumord-
tiven Effekte nutzen und dabei die nungsplänen der Länder, der Re-
negativen Auswirkungen vermei- gionen und der Kommunen, an-
den. dererseits aber auch um die Ver-
bindung mit informellen Instru-
Das Offene Forum Tourismus menten zur Entwicklung des ge-
(OFT) bringt alle relevant am wählten Raumes (z. B. Regionale
Tourismus beteiligten Akteure zu- Entwicklungskonzepte).
sammen an einen Tisch, um mit
Ihnen ein mittel- bis langfristiges Da die Offenen Foren ein verhält-
Konzept zu erarbeiten. Dabei sol- nismäßig neues Instrument der
len einerseits die negativen Ef- Tourismusentwicklung ist, stellte
fekte des Tourismus vermieden sich die Literaturrecherche als
werden, andererseits bietet diese schwierig heraus. Die Darstellung
Kommunikationsplattform aber des OFT basiert im wesentlichen
auch Möglichkeiten, die positiven auf der Veröffentlichung „Neues
Auswirkungen weiter auszubauen, Denken im Tourismus“ aus dem
indem Synergieeffekte genutzt Jahr 1989. Hier wurde das Offene
werden. Forum Tourismus jedoch aus-
schließlich als ökonomisches In-
1 Einleitung 5
strument zur Optimierung des Um einen Überblick über die bis-
Tourismus verstanden. Der nach- her durchgeführten OFT zu
haltige Charakter dieses Forums erstellen, wurden die Tourismus-
wurde hier (noch) nicht erkannt. verbände der Länder kontaktiert.
Da in einigen Verbänden das Of-
Weitere Informationen wurden fene Forum Tourismus unbekannt
von den Unternehmen zur Verfü- war, wurde mehrfach nach den
gung gestellt, die die bisherigen Ergebnissen dieses Vertiefungs-
OFTs in Deutschland moderiert entwurfs gebeten. In der Annah-
haben. An dieser Stelle sei Ihnen me, dass den meisten Mitarbei-
allen nochmals gedankt, insbe- tern die Planungsinstrumente
sondere der Geyer & Bauer Un- nicht bzw. weniger vertraut seien,
ternehmensberatung GmbH in I- habe ich daher die Planungsin-
sernhagen, der FUTOUR Umwelt-, strumente etwas ausführlicher
Tourismus-, und Regionalbera- vorgestellt, als es für diese Ver-
tung GmbH & Co. KG in München tiefungsstudie notwendig wäre.
sowie der BTE Tourismusmana-
gement, Regionalentwicklung in Nils Jagnow, September 2002
Hannover für ihre ausführlichen
Informationen.
2 Tourismus 6
2 Tourismus
Im folgenden Kapitel wird der rismus aufgezeigt. Abschließend
Begriff Tourismus näher definiert. wird der Ansatz der nachhaltigen
Aus ihm wird das Produkt Urlaub Tourismuskonzepte vorgestellt,
und seine Komponenten abgelei- durch die die negativen Auswir-
tet. Im Anschluss daran werden kungen des Tourismus reduziert
sowohl die positiven als auch die bzw. vermieden werden können.
negativen Auswirkungen des Tou-
2.1 Definition des Begriffs „Tourismus“
Der Begriff „Tourismus“ wird in Personen ergeben, für die der
der deutschen Sprache synonym Aufenthaltsort weder hauptsächli-
zu den Begriffen Touristik, Frem- cher und dauernder Wohn- noch
den-, Gäste- und Reiseverkehr Arbeitsort ist" (ARL 1995: 337).
verwendet, wobei sich „Touris- Eine Reise ist dabei die „Fahrt
mus“ immer weiter in Literatur nach Orten außerhalb des ständi-
und Praxis durchsetzt. Da der gen Wohnsitzes zwecks Erholung,
Begriff in der Literatur unter- Erlebnis, Sport, Bildung, Kultur,
schiedlich angewendet wird, fällt Vergnügen, geschäftlicher oder
eine eindeutige Definition schwer. beruflicher Betätigung oder aus
Neben der Begriffsbestimmung als Anlass familiärer Ereignisse.“
einfacher Ortswechsel gibt es De- (Opaschowski 1996: 24)
finitionen über die Motivation des
Aufenthaltes bis hin zur Reisedau- Der Begriff „Tourismus“ kann
er und -entfernung (vgl. Freyer durch die gewählten Schwer-
1995: 1 f. und Kaspar 1991: 16). punkte der Reise in die Erschei-
Gemeinsam ist ihnen aber immer nungsformen Ferienaufenthalts-
die Berücksichtigung des natio- tourismus, Ausflugs- und Wo-
nalen und internationalen Reise- chenendtourismus, Passantentou-
verkehrs. (vgl. Opaschowski rismus sowie speziellen Formen
1996: 19) Geschäftstourismus, Sporttouris-
mus oder Bildungstourismus un-
Häufig findet sich die Definition tergliedert werden (vgl. Baum-
nach Kaspar: "Fremdenverkehr ist gartner et. al. 1998: 10). Die
die Gesamtheit der Beziehungen Grenzen zwischen den einzelnen
und Erscheinungen, die sich aus Tourismusformen sind dabei flie-
der Reise und dem Aufenthalt von ßend.
2 Tourismus 7
Tourismus ist heutzutage gekenn- Prognose der World Tourism Or-
zeichnet durch die „Massenhaftig- ganisation (WTO) wird sich die
keit des zur Gewohnheit gewor- Anzahl der Touristen bis zum
denen Reisens, die (scheinbare) Jahre 2020 weltweit verdreifachen
Zweckfreiheit des Reisens und die (vgl. WTO 1997: 1).
Bewegungsrichtung vom Zentrum
in die Peripherie" (ARL 1995: Im folgenden Abschnitt wird das
337). Mobilität, Einkommen und Produkt „Urlaub“ und seine ein-
freie Zeit der Menschen sind in zelnen Komponenten beschrieben.
den letzten Jahren kontinuierlich Dadurch wird die einzelnen
gestiegen, gleichzeitig wächst das Raumauswirkungen des Touris-
Angebot an Pauschal- und All- mus näher verdeutlicht.
Inclusive-Angeboten. Nach einer
2.2 Auswirkungen des Tourismus
Tourismus hat sowohl positive als nennen. Eine Vielzahl an Arbeits-
auch negative Auswirkungen auf plätzen in Tourismussektor be-
die Destination, wobei diese in steht nur während der Saison, die
ökonomische, soziokulturelle und von dem jeweiligen Tourismusge-
ökologische Auswirkungen unter- biet abhängig ist. Außerhalb der
teilt werden können. (vgl. Tourismussaison sind daher ein
Kirstges 1995: 10 f.) Großteil die Arbeitnehmer ar-
beitslos oder gehen anderen Be-
Als positive Aspekte bringt der schäftigungen nach. Oftmals
Tourismus unter anderem die kommt es innerhalb einer Desti-
Schaffung von Arbeitsplätzen, nation zu einer Kommerzialisie-
Förderung der Wirtschaft im Ur- rung der Kultur, indem kulturelle
laubsort und -land sowie die Stei- Besonderheiten aus ihrem Kon-
gerung des Bekanntheitsgrades text gerissen werden, um den
im In- und Ausland mit sich. Urlaubern vorgeführt zu werden.
Durch die Bildung touristischer
Als ökonomische und soziokultu- Monostrukturen entsteht eine
relle Probleme sind vor allem die wirtschaftliche Abhängigkeit, die
Schaffung von Saisonarbeitsplät- während einer Periode sinkender
zen, die Kommerzialisierung der Touristenzahlen immense Auswir-
Kultur, die Entwicklung von tou- kungen auf die wirtschaftliche Si-
ristischen Monostrukturen sowie tuation der Destination haben
die Zersiedlung der Landschaft zu kann.
2 Tourismus 8
Durch die Zersiedlung der Land- Auch der Einfluss des Tourismus
schaft zu Erholungszwecken sowie auf die Bevölkerung ist nicht zu
der ökologischen Belastung der verachten. Er kann unter Um-
Umwelt durch das Verhalten der ständen gravierende Auswirkun-
Urlauber, insbesondere dem An- gen auf die Lebensformen und
und Abreiseverkehr, sind einige Wertvorstellungen, Sitten und
ökologische Probleme gegeben. Traditionen, Rechtsordnungen und
(vgl. Kirstges 1995: 10 f.) Familienbindungen haben. So
führt die rasante Entwicklung e-
Die Beeinträchtigung des Land- hemaliger Entwicklungsländer
schaftsbildes sind die sichtbarsten durch den Tourismus zu einer di-
Auswirkungen der Reiseverkehrs rekten Konfrontation mit den In-
und daher zumeist auch die ers- dustriestaaten, woraus Spannun-
ten, die auffallen. Vor allem die gen und Konflikte resultieren kön-
Umwandlung von Freiflächen in nen.
Ferienanlagen bzw. -wohnungen
für Touristen sind hier zu nennen. Aus diesen Erfahrungen des Mas-
„Ob sich der Ausverkauf der sentourismus ist ein Prozess des
Landschaft wenigstens in Mark Umdenken angestoßen worden,
und Pfennig bezahlt macht, ist der zu einem differenzierten Ver-
mittlerweile auch nicht mehr si- ständnis von Tourismus aber auch
cher. Einige einfallsreiche Bauun- von Touristen geführt hat. Der
ternehmer zwar machen gute Ge- „neue“ Tourist ist demnach ein-
schäfte und kurzfristig wird oft sichtig, konsumkritisch, genüg-
erfreulich viel Geld verdient. Ob sam und anpassungsbereit; er
das Glück jedoch langfristig an- nimmt Rücksicht und setzt sich
hält, ob sich die Investitionen für eigene Einschränkungen beim
die Infrastruktur letztlich lohnen, Reisen. Der Urlauber ist experi-
das bleibt oft fraglich. [...] In ei- mentierfreudig, kreativ und lern-
nigen Regionen wird das Geschäft bereit. (vgl. Opaschowski 1996:
mit den Urlaubsgästen zur Mono- 48)
kultur. Welche Folgen hier eine
touristische Rezession oder gar Der Prozess des Umdenkens fin-
eine ernste Krise hätte, kann man det sich vor allem in nachhaltigen
sich leicht vorstellen. Auch volks- Tourismuskonzepten wieder. Der
wirtschaftliche Schäden sind also folgende Abschnitt beschreibt die-
nicht auszuschließen.“ (Fromme sen Ansatz der Tourismusent-
et. al. 1988: 46) wicklung.
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Nils Jagnow, 2002, Das Offene Forum Tourismus - Möglichkeiten der Einbindung in formelle und informelle Instrumente der Planung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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