VORWORT
In Zeiten, in denen sich die Nachrichten über den Klimawandel überschlagen und die Menschen einer Flut von Fakten und Daten ausgesetzt sind, fragt man sich, inwiefern die propagierten Maßnahmen gegen den globalen Klimawandel und für eine nachhaltige Entwicklung durchgesetzt werden.
Was ist die Agenda 21, wie und wo hat sie in unserem Leben Einzug gehalten? Dieser interessanten Frage gehe ich in meiner Facharbeit „Umsetzung der lokalen Agenda 21 in Wolfsburg“ nach. Die Motivation diesem Thema nachzugehen bestand einerseits darin, nicht irgendwelche Projekte zu beschreiben, die sich fernab des eigenen Lebens abspielen, sondern das Prinzip der Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene zu verfolgen und zu dokumentieren. Andererseits erscheint mir die Aufgabe sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen als erstrebenswert, da es einen Gegenpol zur Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und der globalen Ungerechtigkeit bildet. Das Besondere an der Agenda 21 ist, dass der naive Mensch sein geozentrisches Weltbild, in dem das menschliche Geschlecht im Zentrum des Universums steht, beibehalten kann und ihm immer noch die Möglichkeit eingeräumt wird eine rasante Entwicklung zu vollziehen, doch dies nur unter der Bedingung sich zukunftsgerecht, also nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit, und unter Berücksichtigung der Natur und Umwelt zu verhalten.
Als die Griechen ihren Schiffbau forcierten und dies zu einem regelrechten Abholzungswahn führte, warnte Platon um 400 v. Chr. vor den schädlichen Folgen und appellierte für einen ethischen Umgang mit der Umwelt. Der Wahn, Rohstoffe bedingungslos zu fördern ohne im Einklang mit der Natur zu leben ist geblieben, doch inwiefern hat sich der Geist Platons in den Köpfen der modernen und aufgeklärten Menschen manifestiert?
Liridon Shajkovci Wolfsburg, 21. Sep. 2007
INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 3
1.1 Thema der Facharbeit 3
1.2 Angewandte Methoden zur Erstellung der Facharbeit 3
1.3 Ziel der Facharbeit 4
2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 5
2.1 Einführung 5
2.2 Die Stadt Wolfsburg 5
2.3 Lokale Agenda 21 6
2.4 Verknüpfung: Lokale Agenda 21 in Wolfsburg 7
3. EXPERIMENTELLE DURCHFÜHRUNG 8
3.1 Erklärung 8
3.2 Soziales: Internationale Zusammenarbeit 8
3.3 Ökologisches: Renaturierung der Allerniederung 10
3.4 Ökonomisches: Energie in der Innenstadt 12
4. FAZIT 13
5. ANHANG 14
6. QUELLENVERZEICHNIS 16
6.1 Literaturverzeichnis 16
6.2 Websites 17
6.3 Bildnachweis 17
7. SELBSTSTÄNDIGEKITSERKLÄRUNG 18
1 EINLEITUNG
1.1 Thema der Facharbeit
Think globally - act locally! Übersetzt: Global denken - lokal handeln! Dieser Leitsatz ist für viele Kommunen zu einem Markenzeichen geworden. Auf der Umweltkonferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) wurde 1992 in Rio de Janeiro den Kommunen im Rahmen der Agenda 21 eine wichtige Funktion zugesprochen. Sie sollten unter Berücksichtigung ihrer Gegebenheiten eine eigene „lokale Agenda 21“ (LA 21) erstellen. Die vorliegende Facharbeit aus dem Fach Geoökologie thematisiert die „Umsetzung der lokalen Agenda 21 in Wolfsburg“.
1.2 Angewandte Methoden zur Erstellung der Facharbeit
Zur Erstellung dieser Facharbeit wurde Fachliteratur, die nur im mäßigen Ausmaß vorhanden war, aus der Bibliothek eingeholt. Da diese sich jedoch nur allgemein mit der Agenda 21 auseinandersetzte, wurde zuzüglich Literatur aus dem Rathaus Wolfsburg hinzugezogen. Diese beinhaltete explizite Beispiele die sich auf die Stadt Wolfsburg bezogen. Des Weiteren fand ein Gespräch mit Herrn Dr. Schultz vom Umweltamt Wolfsburg statt, der für den allgemeinen Umweltschutz in der Region Wolfsburg zuständig ist. Ferner erhielt ich von Ingeburg Schoss, Agenda 21 Beauftragte im Umweltamt des Wolfsburger Rathauses, ein Schreiben zur „Wolfsburger Agenda 21“, in dem Ziele und Maßnahmen festgesetzt wurden.
Eine weitere Grundlage bildete das Internet. Dort wurde z.B. die Niederschrift der Agenda 21 vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit runtergeladen und es wurden weitere Websites besucht, um mehr Informationen zu erhalten und um dadurch kompetent und adäquat zu dokumentieren. Bilder und Kartenmaterial wurden sowohl aus dem Internet, als auch von der Stadt eingeholt.
Es stellte sich als sehr schwierig heraus Untersuchungen vor Ort anzustellen, da die meisten Einrichtungen für Privatpersonen nur schwer zugänglich waren. Andere Projekte befanden sich noch in Planung bzw. in der Bauphase. Wiederum andere existieren nicht als physisches Objekt, sondern als gesetztes Ziel, wie z.B. im sozialen Bereich der lokalen Agenda 21.
1.3 Ziel der Facharbeit
Bei Konfuzius heißt es: „Wer das Morgen nicht bedenkt, wird Kummer haben, bevor das Heute zu Ende geht.“ Dieses Zitat ist mit dem Prinzip der Nachhaltigkeit sehr eng verbunden, da es die gleiche Grundeinstellung vertritt. Aus dieser Grundeinstellung bildet sich folgendes Ziel:
Das zentrale Ziel dieser Facharbeit besteht darin, dass man die große Peripherie der Informationen über die lokale Agenda 21 auf drei wesentliche Sektoren reduziert: Der soziale, ökonomische und ökologische Sektor. Ableitend daraus, wird untersucht, ob und wie die Ziele auf den jeweiligen Sektoren in Wolfsburg umgesetzt wurden.
2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN
2.1 Einführung
Aus dem Titel der Facharbeit „Umsetzung der lokalen Agenda 21 in Wolfsburg“ geht hervor, dass zwei Elemente eine tragende Rolle spielen. Einerseits die Stadt Wolfsburg als durchführendes und planendes Element der lokalen Agenda 21, andererseits die übergeordnete Instanz der Agenda 21, die von den Vereinten Nationen (UN) beschlossen und verabschiedet wurde. Vorrangig gilt, diese zwei Elemente zu erklären.
2.2 Die Stadt Wolfsburg
Wolfsburg ist eine kreisfreie Stadt in Niedersachsen mit einer Einwohnerzahl von 120811 (Stand: 30.06.2006) und mit insgesamt 16 Ortschaften und 40 Stadtteilen. Die Fläche beträgt 204,02 km². Oberbürgermeister ist Rolf Schnellecke (CDU). 1 Die Stadt wurde 1938 für den Bau des Volkswagens gebaut und hieß bis 1945 „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“. 2
„Als Hauptproduktionszentrum des Automobilherstellers Volkswagen liegt der Schwerpunkt der Industrie auf dem Automobilbau. Die Fachhochschule Braunschweig-Wolfenbüttel hat die Fachbereiche Maschinenbau, Wirtschaftswissenschaften, Versorgungs- und Elektrotechnik nach Wolfsburg ausgelagert.“ 3
Wolfsburg verzeichnet durch seine vielfältigen Sehenswürdigkeiten jährlich ca. 1,8 Millionen Besucher. Hauptattraktionen sind das Phaeno, die Autostadt, das Schloss, das Kunstmuseum, das Volkswagenwerk, der Allerpark und die City Galerie.
Da Wolfsburg zu den jüngsten Städten Deutschlands gehört und zudem eine wohlhabende Stadt ist, werden viele neue Projekte zu Gunsten der Stadt realisiert. Den Stadtplanern bieten sich viele Möglichkeiten, die Stadt moderner zu machen, ohne dabei ökologische Aspekte außer Acht zu lassen.
1 Wikipedia: Wolfsburg; URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfsburg#_note-0
2 Volkswagen AG: Das Buch. Von Volkswagen. , 1. Aufl. 1988 , S. 28
3 MSN Encarta: Wolfsburg; URL: http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_761570016/Wolfsburg.html
2.3 Lokale Agenda 21
Die Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung hat sich 1992 in Rio de Janeiro mit der Frage beschäftigt, wie man die globale Ungerechtigkeit, Armut und Umweltverschmutzung bekämpfen könne. Dazu hat man ein weltweites Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert aufgestellt, die sogenannte „Agenda 21“. Die Themen sind: Soziale und wirtschaftliche Dimensionen, Erhaltung und Bewirtschaftung der Ressourcen, Stärkung der Rolle wichtiger Gruppen und Umsetzungsmöglichkeiten. 4 Dieses Aktionsprogramm wurde von 179 Staaten unterzeichnet, jedoch besteht keine völkerrechtliche Verbindlichkeit dieses Programm durchzusetzen, so dass die Umsetzung auf freiwillige Initiative erfolgt. Das Prinzip der Agenda 21 ist die Idee einer nachhaltigen Entwicklung (sustainable development) für den Weg ins 21. Jahrhundert. 5
Hauptakteure des Prozesses der nachhaltigen Entwicklung sind die Vertreter der Umwelt-, Wirtschafts- und Entwicklungspolitik. Die Aufgabe der Industrieländer besteht darin, die Agrar-, Energie- und Handelspolitik so anzupassen, dass die Konsumgewohnheiten weiterhin befriedigt, jedoch keine Ressourcen unnötig verbraucht werden. In Entwicklungsländern schließt die Agenda 21 die Armutsbekämpfung, Bildung, Bevölkerungspolitik, Gesundheit, Trinkwasser- und Sanitärversorgung und ländliche Entwicklung mit ein. 6
Im Kapitel 28 der Agenda 21 unter dem Titel „Initiativen der Kommunen zur Unterstützung der Agenda 21“ 7 werden die einzelnen Kommunen der Unterzeichnerstaaten aufgefordert ein lokales Handlungsprogramm aufzustellen. Dieser Handlungsauftrag lässt sich als gemeinsamer Konsultationsprozess der Kommune mit den Bürgern definieren. Aber auch zivilgesellschaftliche Organisationen und die private Wirtschaft sollen in diesem Handlungsauftrag eingebunden werden. Weltweit sind 10000 und deutschlandweit 2600 Kommunen in der LA-21 eingebunden. 8
Auszug aus der Agenda 21 (Kapitel 28, Punkt 28.1): „Da viele der in der Agenda 21 angesprochenen Probleme und Lösungen auf Aktivitäten auf der örtlichen Ebene
4 Umweltbundesamt: Kernpunkte: „Nachhaltige Entwicklung in Deutschland“ , 1. Aufl. 2002 , S.3 - 5
5 Bundesministerium für Umweltschutz (BMU): Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und
Entwicklung; Agenda 21 , 1. Aufl. 1997
6 Wikipedia: Agenda 21; URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Agenda_21
7 Vgl.: BMU
8 Bundeszentrale für politische Bildung: Eick von Ruschkowski, Lokale Agenda 21 in Deutschland: URL:
http://www.bpb.de/publikationen/T1PDFH,2,0,Lokale_Agenda_21_in_Deutschland_eine_Bilanz.html
zurückzuführen sind, ist die Beteiligung und Mitwirkung der Kommunen ein entscheidender Faktor bei der Verwirklichung der in der Agenda enthaltenen Ziele. Kommunen errichten, verwalten und unterhalten die wirtschaftliche, soziale und ökologische Infrastruktur, überwachen den Planungsablauf, entscheiden über die kommunale Umweltpolitik und kommunale Umweltvorschriften und wirken außerdem an der Umsetzung der nationalen und regionalen Umweltpolitik mit. Als Politik- und Verwaltungsebene, die den Bürgern am nächsten ist, spielen sie eine entscheidende Rolle bei der Informierung und Mobilisierung der Öffentlichkeit und ihrer Sensibilisierung für eine nachhaltige umweltverträgliche Entwicklung.“ 9
Ein idealer lokaler Agenda 21 Prozess (LA-21-Prozess) lässt sich in vier Phasen einteilen:
1. Initialphase: Mit der Institutionalisierung durch Ratsbeschluss o. ä. werden formale Regeln für den Prozessablauf sowie die Arbeitsschwerpunkte festgelegt. 2. Arbeitsphase: Beteiligung der Bevölkerung am Agenda-Prozess, Entwurf und Erstellung des Handlungsprogramms.
3. Implementationsphase: Verabschiedung des Handlungsprogramms durch den Rat, Festlegung verbindlicher Ziele und von Indikatoren zur Überprüfung. 4. Evaluationsphase: Kontinuierliche Überprüfung des Status der Umsetzung, bei Nichterreichen Gegenmaßnahmen einleiten. Anpassung und Fortschreibung des Handlungsprogramms. 10
2.4 Verknüpfung: Lokale Agenda 21 in Wolfsburg
Dem Steuerkreis der Wolfsburger Agenda 21 gehören Vertreter der Fachhochschule, Industriediakonie, VW AG, IG-Metall, BUND, Umweltbildungszentrum NEST, diverse Vereine, Bürger und der Stadtverwaltung an. Ein Konzept zur LA-21, das stetig erweitert wird, existiert seit 1997 und dient als Fundament für eine nachhaltige Entwicklung. 11
Die relevantesten Projekte werden auf den folgenden Seiten näher dargelegt.
9 Vgl.: BMU
10 Bundeszentrale für politische Bildung: Eick von Ruschkowski, Lokale Agenda 21 in Deutschland URL:
http://www.bpb.de/publikationen/T1PDFH,2,0,Lokale_Agenda_21_in_Deutschland_eine_Bilanz.html
11 Steuerkreis der Wolfsburger Agenda 21: Wolfsburger Agenda 21 , 1.Aufl. 2006, S.2
3 EXPERIMENTELLE DURCHFÜHRUNG
3.1 Erklärung
Das Wolfsburger Agenda 21 Büro der Stadt Wolfsburg hat zusammen mit den örtlichen Agenda 21 Foren ein Stadtleitbild im Sinne der lokalen Agenda 21 entwickelt. Es wurde in den Schriften „Wolfsburger Agenda 21“ und „Agenda 21 - Wolfsburg auf dem Weg in das 21. Jahrhundert“ publiziert. Wichtige Ziele sind die Energieeinsparung in öffentlichen und privaten Gebäuden und Einrichtungen, ökologisch orientierte Verkehrs- und Bauplanung, Förderung der Müllvermeidung in privaten Haushalten, Verwaltungen und gewerblichen Betrieben im Sinne der Kreislaufwirtschaft, Bürgerbeteiligung durch regelmäßige Gesprächsforen zur Umsetzung einer lokalen Agenda 21, aber auch die Sensibilisierung der Bürger für einen rationalen Konsum und ein ökologisch vertretbaren Lebensstil.
3.2 Soziales: Internationale Zusammenarbeit
Handlungsgrundlage für die internationale Zusammenarbeit zur Beschleunigung nachhaltiger Entwicklung in Entwicklungsländern ist Kapitel 2 der Agenda 21. 12 Dazu gehört die Förderung eines Handelssystems, das den Entwicklungsländern die Möglichkeit gibt, ihre Wirtschaft und ihr Sozialwesen zu verbessern. Der „faire Handel“ soll dazu beitragen, dass neue Marktzugangsmöglichkeiten für Importe und Exporte entstehen und so den Menschen in den Entwicklungsländern ein existenzielles Einkommen garantiert wird.
Die Stadtverwaltung Wolfsburg möchte durch die Unterstützung des fairen Handel eine Vorbildfunktion für ihre Bürger wahrnehmen und die Sensibilität und das Bewusstsein gegenüber der globalen Verantwortung, der internationalen Gerechtigkeit und Solidarität fördern. 13
Als Maßnahme zur Erreichung dieses Ziels, will die Stadt Wolfsburg öffentliche Informationsveranstaltungen, Projekte und Aktionen unterstützen. Auch im öffentlichen
12 UN: AGENDA 21, 1.Aufl. 1992 (siehe beigelegte CD zur Facharbeit)
13 Steuerkreis der Wolfsburger Agenda 21: Wolfsburger Agenda 21, 1.Aufl. 2006, S.1 - 2
Beschaffungswesen werden die Kriterien des fairen Handels berücksichtigt. So wird z.B. beim Einkauf von tropischen Agrarprodukten (Kaffee, Tee, Kakao) und Blumen aus Afrika und Lateinamerika auf ein entsprechendes Qualitätssiegel, z.B. einem Siegel von TransFair, El Puente, gepa fair Handelshaus oder Flower Label geachtet. 14
Ein Bespiel für die Förderung des fairen Handel ist Ausstellung „Blumenwelten“, die vom 24. bis zum 28.01.2005 in der Bürgerhalle des Rathauses Wolfsburg zu sehen war und von Rolf Schnellecke eröffnet wurde. Inhaltlich begleitet wurde die Ausstellung vom Agenda 21 Arbeitskreis „Nord-Süd-Zusammenarbeit“, dem Wolfsburger Fachverband Deutscher Floristen und der Landeskirche Braunschweig. Floristinnen aus Wolfsburg banden an mehreren Terminen Blumen zu kleinen Sträußen, gaben fachliche Tipps und informierten über das FLP-Label. 15
14 Steuerkreis der Wolfsburger Agenda 21: Wolfsburger Agenda 21, 1.Aufl. 2006, S.1 - 2
15 Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen: Globalisierung. Sozialstandards. Kinderarbeit. Fairer
Handel. 1. Aufl. 2005 , S. 18
3.3 Ökologisches: Renaturierung der Allerniederung
Die biologische Vielfalt umfasst die Biozönosen, Biotope und die individuellen Populationen in einem Ökosystem. „Weltweit - auch in Wolfsburg - ist ein Verlust an biologischer Vielfalt zu verzeichnen.“ 16 Ursachen dafür sind insbesondere die Bebauung und Siedlungsentwicklung, Landschaftszerschneidung durch den Ausbau von Straßennetzen, übermäßige Nutzung und Stör- und Schadstoffeinflüsse. In der Agenda 21 Kapitel 15.4 17 werden die Regierungen dazu aufgerufen, mit anderen Organisationen und Einrichtungen eine nationale Strategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und der nachhaltigen Nutzung biologischer Ressourcen zu erstellen.
„Ziel: Durch wirkungsvolle Maßnahmen auf kommunaler Ebene wird die biologische Vielfalt im Wolfsburger Raum erhalten und gefördert. Dazu trägt auch die Verbesserung und Schaffung neuer Lebensräume für gefährdete Tier- und Pflanzenarten bei.“ 18
Zu den Wolfsburger Maßnahmen gehört, dass eine Entwicklung natürlicher Gewässerstrukturen, ihr Schutz und ihre Pflege zum Artenschutz von Wasserlebewesen wie Fischen und Amphibien beitragen soll. Ein Fließgewässerkonzept, das den Richtlinien der EU entspricht, soll erarbeitet und umgesetzt werden. Des Weiteren werden spezielle Entwicklungs- und Pflegepläne erstellt, um ausgewählte artenarme öffentliche Grünflächen zu artenreichen Wiesen zu entwickeln. Die Pläne sollen eine dauerhafte, naturnahe und fachgerechte Bewirtschaftung dieser Flächen sichern. 19
Ein Beispiel für diese Pläne ist das Gemeinschaftsprojekt der Volkswagen AG mit der Stadt Wolfsburg. Sie sind für die Renaturierung der Allerniederung zwischen Kästrof und Warmenau zuständig. Am 16. Dezember 2006 wurde mit den umfangreichen Bauarbeiten auf dem 100 Hektar großen Areal begonnen. Voraussichtlich Ende 2007 soll das Projekt, dessen Ziel die Wiederherstellung der Fließgewässerdynamik eines Flachlandflusses, nämlich der Aller, ist. Auf dem großzügigen Gelände sollen Auen-Biotope und Lebensräume für viele seltene Pflanzen- und Tierarten entstehen.
16 Gespräch mit dem Beauftragten für allg. Umweltschutz der Stadt Wolfsburg: Herrn Dr. Schultz
17 UN: AGENDA 21, 1. Aufl. 1992 (siehe beigelegte CD zur Facharbeit)
18 Steuerkreis der Wolfsburger Agenda 21: Wolfsburger Agenda 21, 1.Aufl. 2006, S. 2 - 4
19 Stadt Wolfsburg: Agenda 21 - Wolfsburg auf dem Weg in das 21. Jahrhundert, 1. Aufl. 2000, S. 6
Im Zusammenspiel mit anderen Naturschutzmaßnahmen, die an der Aller in Wolfsburg geplant sind, wird so zwischen „den großen Naturschutzgebieten Drömling und Barnbruch ein Korridor mit hohem ökologischen Wert und Wanderwegen für Fischotter und Biber entstehen“ 20 . „Indem wir mehrere Flächen und Maßnahmen in einem gemeinsamen Projekt bündeln, können Volkswagen und die Stadt Wolfsburg großflächig Naturschutz betreiben und gleichzeitig Kosten sparen", sagte Günter Damme, Umweltmanagement-Beauftragter von Volkswagen. „Volkswagen hat sich mit der Renaturierung der Allerniederung in einem Projekt engagiert, das bis hin zum niedersächsischen Umweltministerium hohe Anerkennung findet", sagte Werner Borcherding, Stadtrat der Stadt Wolfsburg. „Hier entsteht ein bedeutender Baustein zur Vernetzung des in Norddeutschland verbreiteten Feuchtgrünlands. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird sich hier außerdem ein ausgezeichnetes Erholungs- und Naturerlebnisangebot unmittelbar vor unserer Haustür entwickeln. Wir werden damit wieder unter Beweis stellen, dass Naturschutz und Naherholung kein Widerspruch sein müssen." 21
Der Anlass für die Renaturierung bestand darin, dass die Volkswagen AG und die Stadt Wolfsburg im Rahmen verschiedener Bauvorhaben verpflichtet sind, Ersatzmaßnahmen für beeinträchtigte oder verloren gegangene Feuchtbiotope zu leisten. Nach der Beendigung des Projekts, werden unter der Leitung eines Gebietsbetreuers ortsansässige Landwirte und Gewässerunterhaltungsverbände zuständig sein. (Karte zur renaturierten Allerniederung im Anhang; Abbildung3)
20 Volkswagen AG und Stadt Wolfsburg: Renaturierung Allerniederung, 1. Aufl. 2007, S. 4
21 Volkswagen Media Services; URL: http://www.volkswagen-media- services.com/medias _publish
/ms/content/de/pressemitteilungen/2006/12/12/volkswagen_und_stadt.standard.gid-oeffentlichkeit.html
3.4 Ökonomisches: Energie in der Innenstadt
Energie ist zu einem kostbaren Gut geworden. Sie ist für souveräne Staaten von wirtschaftsstrategischer Bedeutung, weil sie die international Wettbewerbsfähigkeit und einen wohlhabenden Lebensstandard garantiert. Nach Angaben der Weltbank wird der Weltenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 mit 1,4 % jährlich in den OECD-Staaten (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 22 ) und mit 2,6 % jährlich in den Entwicklungsländern 23 wachsen. Die Existenz der Städte in den Industrieländern ist geprägt von einem hohen Ressourcenverbrauch, der die globalen Ökosysteme stark belastet. Kommunen spielen eine bedeutende Rolle bei dem verstärkten Einsatz energiesparender, effizienter Technologien und alternativer Energieträger. Diese These wird auch durch die Agenda 21 Kapitel 7.49 vertreten. 24
In Wolfsburg wird die Energie mittels KWK (Kraft-Wärme-Kopplung) mit hoher Effizienz sichergestellt. Ziel ist es, diese KWK-Technik zu sichern und weiterhin auszubauen. Dadurch trägt die Stadt Wolfsburg auch zu Minderung des CO2- Ausstoßes bei. Weiterhin sollen Solaranlagen gefördert werden, indem die Stadtverwaltung Betriebe und Eigenheimbesitzer informiert. 25
Eine Maßnahme um die Ziele zu erfüllen, ist der Ausbau des Fernwärmenetzes auf geeignete Gebiete. Die Innenstadt, die bereits von der Fernwärme profitiert, wird im Zuge von Gebäudesanierungen die Warmwasserbereitung von elektrischem Strom auf Fernwärme umgestellt. Zur Verringerung des Wärmeenergieverbrauchs, sollen öffentliche Einrichtungen Maßnahmen zum Wärmeschutz umsetzen. Seit Januar 2004 bietet die Verwaltung ein Förderprogramm zur Altbausanierung an. Bislang wurden über 100 Sanierungsvorhaben gefördert, sodass pro Vorhaben ca. 2000 Liter Heizöl jährlich eingespart wurden. Ferner soll der Bau der seit 1992 geförderten thermischen Solaranlagen unterstützt werden. 26 27 „Seither haben private Haushalte ca. 1 Million Euro in diese Form der regenerativen Energieform investiert.“ 28 29
22 Karte der teilnehmenden Staaten im Anhang; Abbildung 5
23 Karte der teilnehmenden Staaten im Anhang; Abbildung 6
24 UN: AGENDA 21, 1. Aufl. 1992 (siehe beigelegte CD zur Facharbeit)
25 Steuerkreis der Wolfsburger Agenda 21: Wolfsburger Agenda 21, 1.Aufl. 2006, S. 4 - 5
26 Umweltamt der Stadt Wolfsburg: Wolfsburger Erklärung über gemeinsames Handeln zum Klimaschutz
- Ein Projekt der lokalen Agenda 21 in Wolfsburg, 1. Aufl. 2005 , S. 8 - 11
27 Stadt Wolfsburg: Agenda 21 - Wolfsburg auf dem Weg in das 21. Jahrhundert, 1. Aufl. 2000, S. 9
28 Gespräch mit dem Beauftragten für allg. Umweltschutz der Stadt Wolfsburg: Herrn Dr. Schultz
29 Fotographisches Beispiel; Abbildung 4
4 FAZIT
Wenn man die theoretischen Grundlagen mit den experimentellen Durchführungen vergleicht, so kommt man zu dem ernüchternden Resultat, dass die lokale Agenda 21 in ihrer Ideologie und Beschaffenheit etwas großartig zukunftsweisendes ist, jedoch die Umsetzung durch die Kommunen eher der Kür, als der Pflicht dient.
Es werden hauptsächlich Ziele und Leitlinien formuliert, doch es mangelt an einer Ausarbeitung und an konkreten realisierbaren Projekten. Wenn Projekte angegangen werden, dann sind es meistens Bereiche, die nicht den Konfliktthemen der Kommunen entsprechen. Bespiele für diese Konfliktthemen wären die Finanzen, Stadtentwicklung, Bildung und Integration. Ein weiterer Kritikpunkt besteht bei der Nichtmobilisierung der Massen für die lokale Agenda 21. Seit dem Bestehen der LA-21 wurde lediglich eine kleine Anzahl von Menschen und Vereinen gewonnen. Eine Lösung dafür könnte eine vorzeitige Bekanntmachung mit der LA-21 in der Schule sein, denn sie dient ja letztendlich den zukünftigen Generationen. Doch auch den Akteuren der LA-21 stellen sich Probleme wie fehlende materielle und ideelle Unterstützung durch Verwaltung und Politik. Es mangelt auch an Bereitschaft, um die brisanten ökologischen, ökonomischen und sozialen Problem zu überwinden. Die nicht vorhandene Verbindlichkeit und die fehlende Wahrnehmung führen dazu, dass die Prozesse nur langsam von statten gehen, wenn dies überhaupt der Fall ist. Der LA-21 ist aber auch viel positives abzugewinnen: 31,8 % aller weltweit ablaufenden LA-21-Prozesse, finden in Deutschland statt. 30 31 Sie dienen einer nachhaltigen Entwicklung und berücksichtigen dabei viele gesellschaftsrelevante Aspekte und global abspielende Prozesse.
Resümierend kann man zu dem Entschluss kommen, dass die Umsetzung der LA-21 in Wolfsburg im internationalen und nationalen Vergleich bemerkenswert abschneidet. Die Kritikpunkte sollten als Verbesserungsvorschläge für die LA-21 angesehen werden, damit man die Prozesse und Wirkung der Agenda verstärken kann. Mit Konfuzius nahm der wissenschaftliche Teil der Arbeit seinen Anfang, mit ihm nimmt sie ihr Ende: Denn er würde über die LA-21 sagen: „Der Weg ist das Ziel.“
30 Bundeszentrale für politische Bildung: Eick von Ruschkowski, Lokale Agenda 21 in Deutschland URL:
http://www.bpb.de/publikationen/T1PDFH,5,0,Lokale_Agenda_21_in_Deutschland_eine_Bilanz.html
31 Tabelle im Anhang vorhanden; Abbildung 7
5 ANHANG
Abbildung 3: Karte der renaturierten Allerniederung
Abbildung 4: Warmwassersolaranlage des Autohaus Wolfsburg
Abbildung 5: OECD Staaten - Die Industrieländer Die Industrieländer
Abbildung 6: Die Entwicklungsländer Abbildung 6: Die Entwicklungsländer - Die ärmsten Staaten der Welt
Abbildung 7: LA-21-Beschlüsse in Deutschland Beschlüsse in Deutschland
6 QUELLENVERZEICHNIS
6.1 Literaturverzeichnis
Primärliteratur:
1. Volkswagen AG: Das Buch. Von Volkswagen. , 1. Aufl. 1988 2. Umweltbundesamt: Kernpunkte: „Nachhaltige Entwicklung in Deutschland“ , 1. Aufl. 2002
3. Bundesministerium für Umweltschutz (BMU): Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung; Agenda 21 , 1. Aufl. 1997 4. Steuerkreis der Wolfsburger Agenda 21: Wolfsburger Agenda 21 , 1.Aufl. 2006 5. UN: AGENDA 21 , 1.Aufl. 1992
6. Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen: Globalisierung. Sozialstandards. Kinderarbeit. Fairer Handel. , 1. Aufl. 2005
7. Stadt Wolfsburg: Agenda 21 - Wolfsburg auf dem Weg in das 21. Jahrhundert , 1. Aufl. 2000
8. Volkswagen AG und Stadt Wolfsburg: Renaturierung Allerniederung , 1. Aufl.
2007
9. Umweltamt der Stadt Wolfsburg: Wolfsburger Erklärung über gemeinsames Handeln zum Klimaschutz - Ein Projekt der lokalen Agenda 21 in Wolfsburg , 1. Aufl. 2005
Sekundärliteratur:
10. Wolfgang Gernert, Karl Janssen: Agenda 21 für die Jugend, 1. Aufl. 1999 11. Bundesverband - Die VerbraucherInitiative e.V.: Initiative Nachhaltig handeln 12. Braunschweigische Landschaft e.V.: Natur zum Anfassen 13. Niedersächsisches Umweltministerium: Förderprogramm Lokale Agenda 21 in Niedersachsen- Dokumentation , 1. Aufl. 2003 14. Ferdinand Schöningh Verlag: Politik 11 , 2. Aufl. 1999 15. Westermann Verlag: Durchblick Erdkunde , 1. Aufl. 2004
6.2 Websites
1. Wikipedia: Wolfsburg; URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfsburg#_note-0 2. MSN Encarta: Wolfsburg; URL:
http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_761570016/Wolfsburg.html 3. Wikipedia: Agenda 21; URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Agenda_21 4. Bundeszentrale für politische Bildung: Eick von Ruschkowski, Lokale Agenda 21 in Deutschland: URL:
http://www.bpb.de/publikationen/T1PDFH,2,0,Lokale_Agenda_21_in_Deutschl and_eine_Bilanz.html
5. Volkswagen Media Services; URL: http://www.volkswagen-media-services.com/medias_publish/ms/content/de/pressemitteilungen/2006/12/12/volk swagen_und_stadt.standard.gid-oeffentlichkeit.html
6.3 Bildnachweis
1. Abbildung 1: Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen: Globalisierung. Sozialstandards. Kinderarbeit. Fairer Handel. 1. Aufl. 2005 , S. 19 2. Abbildung 2: Volkswagen Media Services; Renaturierung Allerniederung: http://www.volkswagen-media-services.com/medias_publish/ms/content/de/pressemitteilungen/2007/05/23/volk swagen_und_stadt.standard.gid-oeffentlichkeit.html 3. Abbildung 3: Volkswagen AG und Stadt Wolfsburg: Renaturierung Allerniederung , 1. Aufl. 2007 , S. 5 - 6
4. Abbildung 4: Stadt Wolfsburg: Agenda 21 - Wolfsburg auf dem Weg in das 21. Jahrhundert , 1. Aufl. 2000 , S. 10 5. Abbildung 5: Wikipedia: OECD; URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:OECD-memberstates.png 6. Abbildung 6: Wikipedia: Entwicklungsländer; URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Weltarmut.png
7. Abbildung 7: Bundeszentrale für politische Bildung: Eick von Ruschkowski, Lokale Agenda 21 in Deutschland: URL:
http://www.bpb.de/publikationen/T1PDFH,2,0,Lokale_Agenda_21_in_Deutschl and_eine_Bilanz.html
7 SELBSTSTÄNDIGKEITSERKLÄRUNG
Hiermit erkläre ich, dass ich die vorliegende Facharbeit selbständig und ohne fremde Hilfe verfasst und keine anderen als die im Quellenverzeichnis angegebenen Hilfsmittel verwendet habe. Insbesondere versichere ich, dass ich alle wörtlichen und sinngemäßen Übernahmen aus anderen Werken als solche kenntlich gemacht habe.
Des Weiteren stelle ich diese Facharbeit der Schule zu Verfügung und erlaube den schulischen Gebrauch.
Wolfsburg, den 20.09.2007 L. Shajkovci
_____________________________ ______________________________ Datum Unterschrift
Arbeit zitieren:
Liridon Shajkovci, 2007, Umsetzung der lokalen Agenda 21 in Wolfsburg, München, GRIN Verlag GmbH
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Irina W. gefällt Umsetzung der lokalen Agenda 21 in Wolfsburg
Irina W. Hast du echt gut geschrieben!;)
am Friday, January 21, 2011
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