Schizophrenie
Studienarbeit
für die Lehrveranstaltung „Medizinische Aspekte“
Fachbereich Sozialwesen
Wintersemester 2002/2003
vorgelegt von
Marco Häusler
Vorwort
Schizophrenie - ein Phänomen, das begrifflich jedem bekannt ist, aber inhaltlich nur wenigen Personen mit Fachwissen. Jedoch bürgerte sich die psychiatrische Vokabel „schizophren“ sukzessive in den Alltagsjargon ein und wird seither für eine ambivalente Handlung oder Einstellung eines Individuums verwendet. Diese Arbeit wird sich aber mit der medizinisch-psychiatrischen Begrifflichkeit und dem Phänomen „Schizophrenie“ auf einer wissenschaftlichen Perspektive nähern.
Ich habe dieses Thema für meine Studienarbeit ausgewählt, um mich primär selbst über diese komplexe psychische Erkrankung zu informieren und mich mit ihr wissenschaftlich auseinanderzusetzen, sekundär hoffe ich inständig den weniger fachkundigen Leser dazu anzuregen sich Gedanken über Schizophrenie zu machen.
Konkret würde ich mir wünschen dazu beizutragen, dass Schizophrene in unserem sozialen Umfeld akzeptiert werden und das Etikett des pathologischen, ja fast aussätzig Kranken schwindet, damit diese als volle Bürger unserer Gesellschaft angesehen werden können. Angeregt, über dieses Thema zu berichten, wurde ich während meiner Zivildienstzeit bei den Barmherzigen Brüdern in Reichenbach, wo ich die Aufgabe hatte zehn geistig behinderte und zwei schizophrene Menschen auf einer Wohngruppe zu betreuen.
Anfangs zurückhaltend und zugegebenermaßen etwas ängstlich im Umgang mit den beiden an Schizophrenie erkrankten Menschen, entwickelte sich beiderseits nach einigen Wochen eine wirklich hervorragende Beziehung zwischen den Bewohnern und mir. Ich lernte diese tiefgründigen Bewohner der Anstalt wertzuschätzen, und zwar in solchem Masse, dass mir der in der Gesellschaft als normal bezeichnete Bürger nach meinem Zivildienst oft als oberflächlich und schon fast gedankenlos vorkam. Nach sechs Monaten wurde ich zur Einzelbetreuung eingesetzt und musste die Freizeit dieser Menschen gestalten. Ich glaube behaupten zu können, dass wir eine schöne Zeit miteinander verbrachten und ich kann mich heute noch an die schönsten Momente erinnern. Es waren diese Momente, als ich die Beiden zu einem herzhaften Lachen anregen konnte und ich somit das Feedback meiner Anstrengungen bekam. Jedoch handelte ich damals ohne jegliches Fachwissen, rein nach Intuition und gutem Gewissen, was für die therapeutische Arbeit mit Schizophrenen nicht optimal, eventuell gar gefährlich werden kann. Ich hoffe, dass sich diese Behauptung durch die nachfolgende Arbeit bestätigt.
Bleibt schließlich nur noch mich bei meiner Mutter für die offene Erziehung zu bedanken, die mir heute ermöglicht jeden Menschen als gleichwertig und auf seine Weise einzigartig und wertvoll zu betrachten.
Walderbach, Dezember 2002 Marco Häusler
INHALTSVERZEICHNIS
1 Der Begriff „Schizophrenie“
1.1 Von Dementia praecox zu Schizophrenie
1.2 Medizinische und psychopathologische Definitionen
2 Ätiologie
2.1. Genetische Ursachen
2.2. Psychosoziale Ursachen
2.3. Biochemische Ursachen
2.4. Vulnerabilitätsmodell
3 Krankheitssymptomatik
3.1 Grundsymptome
3.1.1. Störung des Gedankenganges
3.1.2. Störung der Affektivität
3.1.3. Störung des Ich-Erlebens
3.2 Akzessorische Symptome
3.2.1. Wahn
3.2.2. Halluzinationen
3.2.3. Katatone Symptome
4 Unterformen
4.3 Hebephrene oder desorganisierte Form
4.1 Katatone Form
4.2 Paranoid - halluzinatorische Form
4.4 Andere Formen
5 Diagnose
5.1. Diagnosekriterien der ICD-10 und DSM-III-R
5.2. Diagnostische Leitlinien des ICD-10
5.2. Differenzialdiagnose
6 Verlauf
7 Therapie
7.1. Psychopharmakotherapie
7.2. Psychotherapie
7.3. Soziotherapie
7.4. Allgemeine therapeutische Grundregeln
8 Zusammenfassung
1 Der Begriff „Schizophrenie“
1.1 Von Dementia praecox zur Schizophrenie
1896 fasste Emil Kraepelin, ein deutscher Arzt und Psychiatrieforscher, eine Gruppe von psychischen Störungen, die zu diesem Zeitpunkt noch als voneinander unabhängig gegolten hatten, zu einer nosologischen1 Einheit zusammen. Zuerst teilte er die endogenen Psychosen (= siehe 1.2), zu denen die Schizophrenie gehört, in zwei Gruppen auf:
Er stellte den Zyklothymien2 die sogenannten „Dementia praecox“ gegenüber, wobei er davon ausging, dass die schizophrenen Psychosen zu einer frühzeitigen (=praecox) Demenz führen. Diese Demenz beschrieb er mit einem massiven Abbau der Intelligenz und dem Verlust des Verstandes. Außerdem wollte Kraepelin zeigen, dass diese Krankheit im Gegensatz zur manischdepressiven einen ungünstigen Verlauf hat. Die Ansichten von Emil Kraepelin sind aber heute nur noch von historischem Wert und längst widerlegt (vgl. Cancro, u.a., 1978, S.9). Denn schon im Jahre 1911 schlug Eugen Bleuler, Arzt und Forscher aus Zürich, für diese psychische Erkrankung eine neue Sichtweise vor. Er gab der damaligen Dementia Praecox den Namen „Schizophrenie“, da er von einem Spaltungsirresein ausging ( schizo = ich spalte, phren = Geist). Bleuler stellte des weiteren ein Bindeglied zwischen den verschiedenen Symptomen, beispielsweise paranoiden und hebephrenen Zügen, in Hinsicht auf die psychopathologische (= die erkrankte Psyche betreffend) Struktur her und erkannte der Strukturzusammenhang der Persönlichkeit während der Krankheit verloren geht, was kurzum bedeutet, dass „die elementarsten Störungen in einer mangelhaften Einheit, in eine Zersplitterung und Aufspaltung des Denkens, Fühlens und Wollens und das subjektive Gefühl der Persönlichkeit zu liegen scheinen“ (M.Bleuler, 1983, S. 407).
1.2 Medizinische und psychopathologische Definitionen
Die schizophrenen Psychosen (auch: Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis) stellen eine Hauptgruppe der sogenannten endogenen Psychosen dar. Der Begriff „endogen“ bezieht sich dabei auf die ältere psychiatrische Auffassung und Definition der Schizophrenie, dass die Erkrankung unabhängig von körperlichen und seelischen Komponenten, gewissermaßen von innen heraus, ohne äußere Einflüsse im Körper selbst, entsteht (vgl. Pschyrembel, 1998, S.423).
Schizophrenie ist eine Krankheit, die nicht klar definiert oder empirisch bewiesen werden kann. Eine Diagnose zu Hepatitis B beschreibt einen relativ genauen pathologischen Terminus, während bei Schizophrenie der Zustand lediglich theoretisch umrahmt werden kann. Folglich besteht keine faktisch eindeutige Definition auch aus diesem Grund, da sie organisch einfach nicht erfasst werden kann. Azmur Finzen beschreibt Schizophrenie als die „schillerndste aller psychischen Störungen“. Sie kann leicht oder schwer sein, akut oder dramatisch verlaufen, kürzere Zeit oder ein ganzes Leben andauern, ausheilen oder zur Invalidität führen (vgl. Finzen, 2001, S.20).
Thure von Uexküll spricht von der Geisteskrankheit par excellence, vom menschlichsten aller Leiden, denn genau die Eigenschaften, die den Menschen vom Tier abgrenzen, beispielsweise Denkprozesse und Sprache oder Störung des Selbstgefühls, sind betroffen (vgl. Uexkull, 1990, S.931). Der ICD-10 potuliert eine Mindestdauer der Krankheit, sonst sollte man „lediglich“ von einer schizophrenieformen Störung sprechen; außerdem wird der Ansatz ohne klare psychotische Störungen ausgeschlossen, dies sind „nur“ schizotype Persönlichkeitsstörungen. Darüber hinaus muss ein charakteristisches Symptombild (siehe 5) vorhanden sein (vgl. WHO, 2000, 4.Auflage, S.103-106) Schizophrenie ist also eine „(...) Form der körperlich nicht begründbaren Psychose, die durch ein Nebeneinander von gesunden und veränderten Erlebens- u. Verhaltensweisen gekennzeichnet ist (...)“ (Pschyrembel, 1998, S.419).
2 Ätiologie
[....]
1 Nosologisch bedeutet „Krankheiten systematisch beschreibend“ (Fremdwörterbuch, 1998, S.286)
2 Zyklothymien umschreiben das Phänomen der manisch-depressiven Psychosen (vgl. Peters, 1990, S.595)
Arbeit zitieren:
Marco Häusler, 2003, Schizophrenie, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie
Hauptseminararbeit, 27 Seiten
Der Taylorismus unter besonderer Berücksichtigung des Machtaspekts
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Hausarbeit, 16 Seiten
Gesundheit und sozialer Status - Überlegungen zur projektbezogenen Nut...
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Hauptseminararbeit, 13 Seiten
Demenz und Handlungsmöglichkeiten für die Soziale Arbeit: Angehörigena...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 19 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Arbeits- und disziplinarrechtliche Folgen von Alkoholmissbrauch
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Seminararbeit, 52 Seiten
Die Darstellung von Geschichte in Günter Grass' Roman "Die Bl...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Examensarbeit, 106 Seiten
Die Bindungstheorie nach John Bowlby und Mary Ainsworth
Psychologie - Entwicklungspsychologie
Hauptseminararbeit, 13 Seiten
Wie geht es weiter nach einer Therapie? Untersuchungen von Langzeitver...
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Hausarbeit, 19 Seiten
Frühe Kindheit – Einflüsse, Störungen, Entwicklungsrisiken und daraus ...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Magisterarbeit, 94 Seiten
Vergleich der soziologischen Beiträge von Karl Marx, Emil Durkheim und...
Und: Das Verständnis von Gesel...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Essay, 8 Seiten
Marco Häusler hat den Text Schizophrenie veröffentlicht
Marco Häusler hat einen neuen Text hochgeladen
Gefühlsstrukturen und neuronale Grundlagen bipolarer Störungen
Reinhold Becker, Hans-Peter Wunderlich
Lehr- und Studienbriefe, Krimi...
Wolfgang Huckenbeck, Horst Clages, Klaus Neidhardt, Robert Weihmann
Grundlagen der Rehabilitationswissenschaft
Themen, Strategien und Methode...
Jürgen Bengel, Uwe Koch
0 Kommentare