Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Klärung des Begriffs „Kreativität“ 4
2. Kreativitätsbegriff der siebziger und achtziger Jahre. 4
3. Kreatives Schreiben und aufsatzdidaktische Entwicklungen. 5
4. Charakteristika des kreativen Schreibens. 6
5. Methodengruppen. 7
5.1. Assoziative Verfahren 7
5.1.1. Cluster- Methode. 8
5.1.2. Schreiben zu Reizwörtern 8
5.2. Schreibspiele 9
5.3. Schreiben nach Vorgaben, Regeln und Mustern 10
5.4. Schreiben zu und nach (literarischen) Texten 11
5.5. Schreiben zu Stimuli 11
5.6. Weiterschreiben an kreativen Texten 12
6. Organisation des kreativen Schreibunterrichts. 12
6.1. Die Schreibwerkstatt 13
6.2. Die Schreibecke. 14
7. Vielfältige Lernchancen für alle Kinder 14
8. Die Vermittlung von Schreibprinzipien: 15
8.1. Über die Lehrbarkeit von Schreibfähigkeit: 15
9. Schreibblockaden 16
9.1. Kognitiven Blockaden. 17
9.2. Emotionale Blockaden 18
9.3. Kulturelle Blockierungen 20
10. Kreative Texte bewerten 20
Schluss. 27
Literaturverzeichnis. 28
2
Einleitung
In den letzten Jahren hat sich in der Grundschularbeit vieles verändert. Ein wesentliches Element ist hier die Entwicklung der Schreibdidaktik. Der traditionellen Aufsatzerziehung steht eine Neukonzeption des Texteschreibens gegenüber. Eines der Unterrichtsziele, das bedeutsamer für den Grundschulunterricht geworden ist, ist de Förderung der kindlichen Kreativität, wodurch das kreative Schreiben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat.
In der vorliegenden Hausarbeit wird ein Einblick in das kreative Schreiben gegeben. Zunächst wird auf den Kreativitätsbegriff eingegangen und auf die aufsatzdidaktischen Entwicklungen, die bedeutsam für das kreative Schreiben waren. Anschließend werden verschiedene Methoden des kreativen Schreibens und die Organisationsformen, mit denen die Methoden verwirklicht werden können, dargestellt. Da es eine Vielzahl von Methoden gibt, mit denen kreatives Schreiben durchgeführt werden kann, werden diese zur Übersichtlichkeit in Methodengruppen zusammengefasst. Für den Unterricht ist von Bedeutung, dass beim Texte verfassen Schreibblockaden auftreten können. Um den SchülerInnen dabei Hilfestellungen geben zu können, werden auf die Ursachen und die Überwindung der Blockaden eingegangen. Den Abschluss der Arbeit bildet das Bewerten kreativer Texte, da gerade die Bewertung solcher Texte problematisch ist.
3
1. Klärung des Begriffs „Kreativität“
Etymologisch lässt sich der Begriff „Kreativität“ von den lateinischen Wörtern „creator“ (Schöpfer) und „creatura“ (Schöpfung) ableiten. Nach dem heutigen Verständnis besteht allerdings ein engerer Zusammenhang mit dem amerikanischen Begriff „creativity“, womit die Befähigung, Neues zu schaffen, gemeint ist. Im Duden der deutschen Rechtschreibung wird die Kreativität als „schöpferische Kraft“ 1 erklärt. Jedoch wird unter Kreativität auch die „allgemeine Bezeichnung für die Fähigkeit zur Hervorbringung neuer und origineller Problemlösungen“ 2 verstanden.
Nach Pommerin ist die „Kreativität [] ein Persönlichkeitsmerkmal, für das bei allen Menschen die Disposition vorliegt und das folglich bei jedem Menschen gefördert werden kann“ 3 . Ganz eindeutig kann der Begriff „Kreativität“ nicht definiert werden, da es immer wieder neue Betrachtungsweisen und Akzentuierungen gibt.
2. Kreativitätsbegriff der siebziger und achtziger Jahre
„In den siebziger Jahren ist Kreativität als divergentes Denken verstanden worden, das zu neuen überraschenden Problemlösungen führt.“ 4 In dem zu dieser Zeit bestehenden gesellschaftlichen Fortschrittsglaube wurde das kreative Denken als Voraussetzung für Entdeckungen, Erfindungen, Neuentwicklungen in allen gesellschaftlichen Feldern angesehen. Um weiteren Fortschritt zu erreichen, sollte das divergente Denken systematisch geschult und gefördert werden. Im Deutschunterricht ist der Kreativitätsbegriff besonders auf das „Durchbrechen sprachlicher Normen“ 5 bezogen worden. Typische Unterrichtsverfahren waren das Spielen mit der Sprache, das Verfassen von Unsinntexten, das Verfremden von Textvorlagen, die durch die Kreativitätsdiskussion in den Unterricht integriert wurden und bis heute fortwirken.
In den achtziger Jahren ist eine „Subjektivierung des Kreativitätsbegriffs“ 6 eingetreten. Im Gegensatz zu dem Kreativitätsbegriff der siebziger Jahre, der sich durch den Normenbezug (Kreativität als Durchbrechen von Normen) auszeichnete, wird Kreativität nun vorwiegend als
1 Vgl. Die deutsche Rechtschreibung, 21. Aufl. Band 1, S.434.
2 Vgl. Lexikon der Soziologie. 1973, S.337.
3 Vgl. Pommerin, Gabriele: Kreatives Schreiben: Handbuch für den interkulturellen Sprachunterricht in den
Klassen 1-10, Weinheim 1996, S.50.
4 Vgl. Spinner, Kaspar: Kreatives Schreiben. In Praxis Deutsch, Heft 3, 1993, S.17.
5 Vgl. Spinner, Kaspar: Kreativer Deutschunterricht. Identität - Imagination - Kognition. Seelze 2001, S. 18.
6 Ebd.
4
„Selbstausdruck, Entäußerung der verborgenen inneren Welt, Entwurf einer neuen, subjektbestimmten Wirklichkeit“ 7 verstanden.
Diese Ansicht wurde vor allem in der außerschulischen Schreibbewegung 8 vertreten, die zunehmend bedeutender wurde und starken Einfluss auf die Deutschdidaktik und den Deutschunterricht nahem. Das Aufkommen der Schreibbewegung kann mit den Subjektivierungs- und Intimisierungstendenzen der achtziger Jahre in Verbindung gebracht werden. Indem die Schreibdidaktik diese Bedeutungsverschiebung mitvollzogen hat, unterstütz sie den „Rückzug ins Private“ 9 . In den Vordergrund traten lyrische Gedichte, tagebuchartige Notizen, Erzählungen von Erlebtem und andere autobiografische Ausdrucksformen.
3. Kreatives Schreiben und aufsatzdidaktische Entwicklungen
Bis in die siebziger Jahre war das Schreiben in Theorie und Praxis gleichförmig und starr. „Schreibunterricht war Aufsatzunterricht, und eingeübt wurden die Erzählung, der Bericht, die Beschreibung und die Schilderung sowie die Erörterung“ 10 . Der Aufsatzunterricht wurde in den folgenden Jahren stark kritisiert. Durch das von der Aachener Didaktiker-Gruppe entwickelte Konzept des kommunikativen Aufsatzunterrichts vollzog sich der erste wesentliche Schritt zur Abkehr von traditionellen Vorstellungen. Eingebunden in möglichst reale Schreibsituationen sollten die Schüler nun kommunikative Texte, das heißt „Texte für Leser“ 11 produzieren.
Als weitere Gegenbewegung zum traditionellen Aufsatzunterricht ist das Konzept des freien Schreibens zu sehen, das für die Aufsatzdidaktik der achtziger Jahre kennzeichnend ist. Da nun das „schreibende Subjekt“ 12 in den Mittelpunkt rückte, wird betont, dass die „Interessen und Bedürfnisse“ 13 der Kinder berücksichtigt werden sollen. Im freien Schreiben wird die Reformpädagogik wiederentdeckt mit dem erlebnisorientierten Schreiben, bei dem die Kinder den Zeitpunkt, den Ort, den Inhalt sowie den Umfang frei wählen können. Bei dem freien Texten können spontane Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse, die den Schreiber bewegen,
7 Vgl. Spinner, Kaspar: Kreativer Deutschunterricht. Identität - Imagination - Kognition. Seelze 2001, S. 18.
8 Unter dem Begriff der Schreibbewegung wird das Schreiben von Laien, wie es in Volkhochschulkursen, in der
Jugendarbeit oder in privaten Gruppen praktiziert wurde, zusammengefasst.
9 Vgl. Spinner, Kaspar: Kreativer Deutschunterricht. Identität - Imagination - Kognition, Seelze 2001, S.18.
10 Vgl. Baurmann, J./ Ludwig, O.: Praxis Deutsch und der neuere Schreib- und Aufsatzunterricht. InPraxis
Deutsch (1996), S.11.
11 Vgl. Böttcher, Ingrid: Kreatives Schreiben: Grundlagen und Methoden; Beispiele für Fächer und Projekte;
Schreibecke und Dokumentation. Berlin 1999, S.15.
12 Vgl. Winter, Claudia : Traditioneller Aufsatzunterricht und kreatives Schreiben : eine empirische
Vergleichsstudie . Augsburg : Wißner, 1998, S.11.
13 Vgl. Sennlaub, Gerhard: Spaß beim Schreiben oder Aufsatzerziehung? Stuttgart 1994, S. 18.
5
aufgeschrieben werden. Vor allem Gudrun Spitta hat diesen Ansatz mit dem Aspekt des Besprechens und Überarbeitens von freien und kreativen Texten in Schreibkonferenzen weitergeführt 14 .
Ähnlich dem freien Schreiben entwickelte sich auch das personale Schreiben aufgrund der Unzufriedenheit mit dem herkömmlichen Aufsatzunterricht. Unter dem Begriff des personales Schreibens werden die Tendenzen der achtziger Jahre zusammengefasst, „die die Bedeutung des Schreibens für die Auseinandersetzung mit der eigenen Subjektivität betonen“ 15 . Indem die Schreiberin sich selbst in den Prozess des Schreibens einbringt, wird das Schreiben zu einer „Suchbewegung auf dem Weg zur eigenen Identität“ 16 .
Seit etwa Mitte der achtziger Jahre spielt in der Diskussion um den Aufsatzunterricht bzw. Schreibunterricht eine weitere Konzeption eine bedeutende Rolle. In Anlehnung an die kognitivistische Schreibforschung ist das Schreiben als Prozess bedeutsam geworden. Im Aufsatzunterricht sollen nun stärker als bisher die „Teilhandlungen des Schreibens“ 17 (vom Sammeln der Ideen über den Entwurf und der Niederschrift bis zur Überarbeitung) berücksichtig werden. Nicht nur der fertige Text wird betrachtet, sondern der Weg zu diesem steht im Vordergrund.
Die aktuelle Entwicklung der Aufsatzdidaktik bemüht sich um eine Integration verschiedener Ansätze, so dass eine Verbindung zwischen wesentlichen und notwendigen Aspekten der aufsatzdidaktischen Ansätze hergestellt werden können.
4. Charakteristika des kreativen Schreibens
Spinner charakterisiert die Kreativität einerseits als „Durchbrechen sprachlicher Normen, andererseits als „Selbstausdruck“ 18 und „Aktivierung der Imaginationskraft“ 19 . Daraus hat Spinner drei Grundprinzipein des kreativen Schreibens entwickelt: die Irritation, Expression und Imagination.
Mithilfe von Schreibanregungen wird eine „Irritation geschaffen, die zur Entfaltung neuer Einfälle provoziert“ 20 . Es werden gezielt Normabweichungen ausgelöst, um eingespielte
14 Vgl. Spitta, Gudrun: Schreibkonferenzen in Klasse 3 und 4 : ein Weg vom spontanen Schreiben zum
bewußten Verfassen von Texten. Frankfurt am Main 1992, S.23.
15 Vgl. Spinner, Kaspar: Kreatives Schreiben, S.18.
16 Vgl. Spinner, Kaspar: Kreativer Deutschunterricht. Identität - Imagination - Kognition, S.18.
17 Ebd.
18 Vgl. Spinner, Kaspar: Kreativer Deutschunterricht. Identität - Imagination - Kognition, S.16.
19 Ebd.
20 Ebd.
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Vorstellungsmuster zu durchbrechen. Deutlich wird hier der Bezug zum Kreativitätsbegriff der siebziger Jahre mit der Betonung des ,,divergenten Denkens“ 21 . Die „Expression“ hingegen zielt auf Authentizität. Bei diesem Prinzip lässt sich eine Parallele zum Begriff der achtziger Jahre ziehen, bei dem das Schreiben als „Ausdruck von Subjektivität“ 22 verstanden wird.
Das Prinzip “Imagination“ verbindet die zuvor genannten Prinzipen, da die Imagination einerseits auf die Überschreitung des Gewohnten zielt, andererseits der äußeren Welt etwas gegenüber gestellt wird, was sich das Subjekt ausgedacht hat und in dem seine Ängste und Wünsche Gestalt gewinnen können.
Spinner weist darauf hin, dass nicht jedes Prinzip in jeder kreativen Schreibanregung im gleichen Umfang vertreten ist. Es komme jedoch auf deren Verbindung an, da die Irritation verhindern kann, dass das Schreiben normorientiert erfolgt, die Expression kann vor beliebiger Spielerei bewahren und die Imagination bewirkt, dass nicht nur „leere Worthülsen“ 23 , sondern Vorstellungen entstehen.
5. Methodengruppen
Um kreatives Schreiben in der Schule durchzuführen, gibt es verschiedene Methoden.Die verschiedenen Verfahren werden nach Böttcher in sechs Gruppen unterteilt:
• Assoziatives Verfahren
• Schreibspiele
• Schreiben nach Vorgaben, Regeln und Mustern
• Schreiben zu und nach (literarischen) Texten
• Schreiben zu Stimuli
• Weiterschreiben an kreativen Texten
5.1. Assoziative Verfahren
Assoziative Verfahren ermöglichen „neue persönliche Assoziationen und Abgrenzungen von den Ideen anderer“ 24 . Obwohl dieses Verfahren „spielerisch-experimentellen Charakter“ 25 hat, beinhaltet es auch Planungselemente.
21 Vgl. Spinner, Kaspar: Kreatives Schreiben, S.17.
22 Vgl. Winter, Claudia : Traditioneller Aufsatzunterricht und kreatives Schreiben : eine empirische
Vergleichsstudie, S.22.
23 Vgl. Spinner, Kaspar: Kreativer Deutschunterricht. Identität - Imagination - Kognition, S.16.
24 Vgl. Pommerin, Gabriele: Kreatives Schreiben: Handbuch für den interkulturellen Sprachunterricht in den
Klassen 1-10, S.71.
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Arbeit zitieren:
2006, Kreatives Schreiben im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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