INHALT
Vorwort 3
1 Horizontale Fusionen 3
1.1 Begriffserklärung 3
1.2 Effizienzvorteile 4
1.3 Wettbewerbsgefährdung 5
1.3.1 Koordinierte Effekte 5
1.3.2 Unilaterale Effekte 5
2 Kriterien der Fusionskontrolle 7
2.1 Marktabgrenzung 8
2.2 Marktkonzentration 9
2.3 Probleme der Marktabgrenzung und -konzentration 10
2.4 Closeness of Competition 11
2.4.1 Beispiel 11
2.4.2 Elastizitäten 12
2.4.3 Diversion Ratio 14
2.5 Merger Simulation Modells 15
3 Fusionskontrollpraxen im Vergleich 16
Quellen 18
2
Vorwort
Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit stehen die unilateralen Wettbewerbseinschränkungen horizontaler Fusionen. Die Themenbearbeitung gliedert sich in drei Teile (1. Horizontale Fusionen; 2. Kriterien der Fusionskontrolle; 3. Fusionskontrollpraxis). Im ersten Abschnitt wird der Begriff der Fusion in wettbewerbspolitischer und rechtlicher Hinsicht geklärt (1.1). Es schließen sich Betrachtungen der Vor- (1.2) und Nachteile horizontaler Fusionen (1.3) an. Aufbauend auf die Darstellung unilateraler Effekte (1.3.2) werden im zweiten Teil die wichtigsten Kriterien einer Fusionskontrolle erläutert. Im abschließenden Teil wird in Form einer Gegenüberstellung in knapper Weise auf die Fusionskontrollpraxen (3.1) in Deutschland, der Europäischen Gemeinschaft und den USA eingegangen.
1 Horizontale Fusionen
1.1 Begriffserklärung
In der Wettbewerbspolitik bezeichnet der Terminus »Fusion« ein externes Unternehmenswachstum, bei dem sich zwei oder mehrere Unternehmen zu einer neuen Rechts- und Wirtschaftseinheit zusammenschließen. D.h., Fusionen verändern infolge eines Konzentrationsprozesses den marktstrukturellen Zustand insoweit, dass eine Unternehmensverdichtung: 1. zur Marktanteilssteigerung der fusionierenden Unternehmen führt, was wiederum eine Ungleichverteilung aller Marktanteile auf dem Markt bedeutet (relative Konzentration) und 2. die Unternehmensanzahl auf dem Markt reduziert (absolute Konzentration). 1
Je nachdem in welcher Marktbeziehung die fusionierenden Unternehmen zueinander stehen, wird in horizontale, vertikale oder konglomerate Zusammenschlüsse unterteilt. Horizontale Fusionen bedeuten einen Zusammenschluss von Unternehmen gleicher Wirtschaftsstufe - die Unternehmen sind direkte Wettbewerber. Ein Zusammenschluss bei dem sich eines der beteiligten Unternehmen im Vergleich zu dem/den anderen auf einer vor-oder nachgelagerten Produktionsstufen befindet, z. Bsp. Zuliefer-Abnehmer-Beziehung, wird als vertikale Fusion bezeichnet. Fusionieren Unternehmen, die weder in einem horizontalen noch vertikalen Marktverhältnis zueinander stehen, so ist von konglomeraten Fusionen zu reden. 2
1 Marktkonzentrationsgrade können sich durch folgende Konzentrationsvorgänge ändern: 1. externes Wachstum, 2. internes Wachstum (ein Unternehmen wächst aufgrund von Innovationsleistungen oder Behinderung von Konkurrenten), 3. Markteintritte oder Marktaustritte von Unternehmen [vgl. Herdzina, K. (1999: 181ff.); Kerber, W. (2002: 334); Pöll, G. (2002: 5)]
2 vgl. Herdzina, K. (1999: 185f); Kerber,W. (2002: 321); Pöll, G. (2002: 3)
3
Im deutschen Wettbewerbsrecht ist laut §37 des GWB dann von einem Zusammenschluss zu sprechen, wenn ein/ mehrere Unternehmen das Vermögen, die Kontrolle oder Anteile eines anderen Unternehmens vollständig oder zu einem wesentlichen Teil erwirbt/ erwerben, demzufolge es/ sie durch Verträge, Rechte (Eigentums-, Nutzungs-, Stimmrechte o.a.) u.a. mittelbaren oder unmittelbaren Einfluss auf die Tätigkeit des anderen Unternehmens ausübt/ ausüben. Des weiteren liegt ein Zusammenschluss auch dann vor, wenn ein/ mehrere Unternehmen in der Lage ist/ sind direkten oder indirekten wettbewerblichen Einfluss auf ein anderes Unternehmen auszuüben. 3
1.2 Effizienzvorteile horizontaler Fusionen
Zusammenschlüsse sind durch kein per-se Verbot untersagt, da durch sie neben einer Verstärkung/ Schaffung von Marktmacht - wie z. B. im Vergleich zu Verhaltensabsprachen bei Kartellen - auch Effizienzzuwächse erzielt werden können. 4 Dazu zählen u.a.: Synergieeffekte (= Verbundvorteile = economics of scope), Skalenvorteile (= Größenvorteile = economics of scale).
Das Ausnutzen von Größenvorteilen bedeutet im einfachsten Sinne eine Reduktion der Produktions- und Unternehmenskosten. Produktionstechnisch gesehen zeichnen sich diese economics of scale durch einen überlinearen Verlauf der Produktionskosten aus: Bei einer proportionalen Steigerung der Produktionsfaktorenmengen wird die Produktion über-proportional erhöht und die durchschnittlichen Kosten lassen sich demzufolge mit wachsender Outputmenge reduzieren. Fortführend beinhaltet dies eine Fixkostendegression - mit steigender Outputmenge sinken die durchschnittlichen Produktionskosten. Weiterhin können Größenvorteile zu Kosteneinsparungen im Personalsektor (Organisations-/ Managementverbesserungen), beim Güterabsatz (Werbung, Großversand), auf dem Faktorbeschaffungsmarkt (Rabatte durch große Abnahmemengen) u.a. führen. Somit kann durch die Verschmelzung zweier Unternehmen in vielerlei Hinsicht eine Subaddivität der Kosten erreicht werden.
3 Anmerkung: In der Wettbewerbspolitik werden die Begriffe Fusion und Zusammenschluss häufig deckungsgleich verwandt, obwohl laut dem Wettbewerbsrecht eine Fusion lediglich einen Teilaspekt des Zusammenschlussbegriffes darstellt (vgl. Herdzina, K. (1999: 185). In dieser Arbeit wird im weiteren auf die Differenzierung des Zusammenschlussbegriffes verzichtet und sich mit der begrifflichen Gleichsetzung von Fusion und Zusammenschluss begnügt.
4 Kartelle weisen erheblich Instabilitätsprobleme auf, da die Unternehmen trotz Verhaltensabsprachen autonom agieren und sich nicht zwangsläufig an die Absprachen halten. Dies ist u.a. darin begründet, dass Kartellabsprachen nicht einklagbar sind (vgl. Herdzina, K. (1999: 128); Kerber, W. (2002: 127 f.); Knieps, G. (2001: 128).
4
Effizienzvorteile lassen sich jedoch nicht beliebig steigern. 5 Mit zunehmender Unternehmensgröße kann auch der gegenläufige Effekt eintreten, so dass ab einer bestimmten Unternehmensgröße Ineffizienzen (z. B.: Kostenanstieg durch zunehmende Unternehmensbürokratisierung = diseconomics of scale, Fixkostenanstieg) auftreten. 6
1.3 Wettbewerbsgefährdung
Infolge eines horizontalen Zusammenschluss nimmt die Anzahl der Unternehmen auf dem Markt ab, so dass sich die Marktanteile, der auf dem Markt verbliebenen Unternehmen erhöhen. Durch die Reduzierung der auf dem Markt vorhanden Unternehmen verringert sich der Grad des wirksamen Wettbewerbsdrucks zwischen den Unternehmen und schafft Voraussetzungen für wettbewerbsbeschränkende Verhaltensweisen, z. Bsp. koordinierte oder unilaterale Effekte.
1.3.1 Koordinierte Effekte
Koordinierte Effekte (Gefahr der kollektiven Marktbeherrschung) liegen vor, wenn infolge der strukturellen Marktänderungen stille Absprachen (tacit collusion/ tacit co-ordination) ermöglicht werden, die das wettbewerbliche Verhalten der auf dem Markt verbleibenden Konkurrenten weiter reduziert. Folglich kann es zu Preis- oder Mengenabsprachen kommen, die den wirksamen Wettbewerb beschränken oder ausschalten, so dass die koordinierten Verhaltensweisen nichtleistungsbedingte Gewinne ermöglichen und dadurch zu Wohlfahrtsverlusten führen. 7
1.3.2 Unilaterale Effekte
Es wird von unilateralen Effekten gesprochen, wenn die Einschränkung des Wettbewerbs nach einer Fusion nicht durch kooperative Verhaltensweisen bedingt wird. Infolge eines Unternehmenszusammenschlusses wird der Wettbewerbsdruck zwischen den fusionierten Unternehmen aufgehoben, da sie nicht mehr als Konkurrenten, sondern als gemeinsame Unternehmung auf dem Markt agieren. Der sich daraus ergebende Verhaltensspielraum ermöglicht unilaterale Effekte, die zu einer individuellen Marktbeherrschung führen können. Kennzeichnend für diese ist, dass es für Unternehmen nach einem Zusammenschluss
5 Die sich daran anschließende Frage nach der volkswirtschaftlich optimalen Größe (mindestoptimale Größe MOG) kann nicht eindeutig beantwortet werden, denn die MOG variiert von Markt zu Markt (vgl. Herdzina, K. (1999: 43).
6 vgl. Kerber, W. (2002: 336f); Herdzina, K. (1999: 40ff.); Pöll, G. (2002: 4f); Ivaldi, M./ u.a. (2003: 63 ff.)
7 vgl. Bishop, S./ Walker, M. (2002: 263; 271); Dubow, B./ u.a. (2004: 114); Budzinski, O./ Christiansen, A. (2004: 4).
5
Arbeit zitieren:
Dipl.-Soz. Julia Dittrich, 2004, Wettbewerbswirkungen horizontaler Fusionen, München, GRIN Verlag GmbH
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