Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 2
2 Der Phaidon eine Explikation der Ideenlehre? ... 3
3 Das Liniengleichnis... 4
3.1 Die graphische Darstellung der Linie und das Problem des
Interpretationsspielraums der Unterteilung ... 5
3.2 Die weitere Unterteilung der beiden Abschnitte der Linie und die
Komplexität durch die Mehrdimensionalität des Gleichnisses ... 6
3.3 Das Liniengleichnis eine ,,Programmskizze des platonischen Denkens"? ... 8
4 Der Phaidon: Eine Prüfung des philosophischen Denkens? ... 10
4.1 Betrachtung der Zäsur (Das Gespräch über die ,,Misologie") ... 11
4.2 Die Ideenhypothese im Phaidon ... 13
5 Fazit ... 15
Literaturverzeichnis ... 16
Alle Angaben zu Platons Dialogen in dieser Arbeit folgen der Stephanus- Paginierung.
Die deutschen Platonzitate sind entweder der Übersetzung Schleiermachers oder Apelts
entnommen und entsprechend gekennzeichnet.
2
,,Die Erfassung der Wahrheit ist in einer Hinsicht
schwer, in einer anderen leicht. Dies zeigt sich darin,
dass niemand sie in genügender Weise erreicht, aber
auch nicht ganz verfehlen kann."
A
RISTOTELES
:
Metaphysik 1,1a
1 Einleitung
Platons erkenntnistheoretische Überlegungen stehen in einem engen Zusammen-
hang mit seinem Begriff der Dialektik, der in der Literatur stark diskutiert wird.
Eine Untersuchung der Ausführungen platonischer Dialektik in der Politeia soll
neben einer Besprechung des Phaidon, auch in dieser Arbeit im Fokus stehen.
Ich
1
erhebe dabei ausdrücklich nicht den Anspruch auf Vollständigkeit aufgrund
der Kürze der Schrift, und auch nicht den, zum philosophisch-wissenschaftlichen
Diskurs beizutragen. Vielmehr ist es mein Anliegen die Kerngedanken der platon-
ischen Dialektik, vor allem hinsichtlich der epistemologischen Explikationen kurz
darzulegen.
Stützpfeiler dieser Unternehmung soll die Untersuchung des sogenannten Linien-
gleichnisses sein.
2
Es veranschaulicht meiner Meinung nach den Kern von Platons
Epistemologie und gibt eine, wenn auch vage und deshalb bis heute diskutierte
Definition seines Begriffs der Dialektik. Deswegen ist mein Impetus in dieser Ar-
beit zum Einen auf die Erläuterung und Auswertung dieses Gleichnisses gerichtet,
um die erkenntnistheoretische Bedeutung der Ideenlehre herauszustellen,
3
zum
Anderen soll eine Besprechung des Phaidons zu Beginn und am Schluss der Ar-
beit, den äußeren Rahmen konstituieren. Hierbei will ich der Frage nachgehen,
was das eigentliche Thema des Phaidon ist. Aus dieser Fragestellung heraus will
ich den Dialog mit den Ergebnissen der Untersuchung des Liniengleichnisses in
einen Zusammenhang stellen.
1
Ich folge dem Rat Stitzels, und gebrauche den Terminus ,,Ich", da ich ihm zustimme, dadurch
den Wert einer wissenschaftlichen Arbeit zu erhöhen. Vgl. S
TITZEL
,
M
ICHAEL
: Zur Kunst des
wissenschaftlichen Schreibens; In: F
RANK
,
N
ORBERT
u. S
TARY
J
OACHIM
: Die Technik wissen-
schaftlichen Arbeitens, 11. Aufl., Paderborn 2003, S.137.
2
Politeia (Pol.) 509d-511e.
3
Eingerahmt wird das Liniengleichnis in der Politeia durch das Sonnengleichnis (Pol. 507b-509b)
und Höhlengleichnis (Pol. 514a-519b), welche in dieser Arbeit nicht explizit zur Untersuchung
herangezogen werden.
3
2 Der Phaidon eine Explikation der Ideenlehre?
Der Phaidon gehört neben dem Symposion, dem Phaidros und der Politeia zu den
Dialogen der Reifezeit Platons, in welcher die Entfaltung der Ideenlehre im
Mittelpunkt steht.
4
Es ist jedoch schwierig festzustellen, ob eine Entfaltung der
Ideenlehre in erster Hinsicht auch die Intention für den Phaidon war.
5
Schwierig
deshalb, da im Phaidon Disziplinen der Philosophie, welche heute mehr oder
weniger von einander getrennt werden, in der Beweisführung für eine Unsterb-
lichkeit der Seele zusammenfließen.
6
In der Literatur besteht Einigkeit darin, dass
Platon nicht nur einen Beweis für die Unsterblichkeit der Seele vorführen wollte,
sondern, dass er gezielt jene weiteren Aspekte hat mit einfließen lassen.
7
Meiner Meinung nach können primär zwei Gesichtspunkte hervorgehoben wer-
den, wenn man den Dialog von seinem äußeren Rahmen, der ,,Hinrichtung" des
Sokrates, befreit betrachtet: Zum Einen kann er als eine Anleitung und Auffor-
derung zur philosophischen Lebensführung gesehen werden, und zum Anderen,
als eine Hinführung zur philosophischen Methode des Argumentierens, der
Dialektik.
Frede kommt in ihrer Zusammenfassung der Werkinterpretation zu dem Schluss,
der Phaidon sei im Wesentlichen eine ,,Empfehlung und Rechtfertigung einer an-
gemessenen philosophischen Einstellung zum Leben wie zum Tod."
8
Sie hebt also
den ethische Anspruch des Dialogs hervor.
9
Auch Quarch ist dieser Ansicht,
10
der
auch ich mich anschließen möchte. Als Beleg hiefür können die immer wieder-
kehrenden Empfehlungen des Sokrates für eine seiner Meinung nach richtige Le-
bensführung angeführt werden. Beispielsweise beginnt und schließt die philoso-
phische Argumentation des Dialogs mit einem Plädoyer für eine philosophische
4
Vgl. H
IRSCHBERGER
,
J
OHANNES
: Geschichte der Philosophie, 14. Aufl., Freiburg 1976, S.75.
5
Frede hält in ihrer Werkinterpretation fest: ,,[D]ie Frage der Deutung des Dialogs als ganzem [ist]
nicht gelöst." F
REDE
,
D
OROTHEA
: Platons >Phaidon<, Darmstadt 1999, S.177.
Auch Quarch verweist auf die unterschiedliche Beantwortung der Frage nach dem Thema des
Phaidon in der Literatur. Vgl. Q
UARCH
,
C
HRISTOPH
: Sein und Seele, Münster 1998, S.83.
6
,,Denn mit den Beweisführungen verbindet Platon auch grundlegende metaphysische und er-
kenntnistheoretische Überlegungen über die kosmische Ordnung, die Natur der Seele und die Be-
dingungen des Zugangs zur Wahrheit." F
REDE
: a.a.O., S.175.
7
Ebert vertritt beispielsweise die These, dass Platon den Dialog als ,,Vehikel einer Diskussion mit
zeitgenössischen Philosophen, hier mit den Pythagoreern seiner Zeit" konzipiert habe. Vgl. E
BERT
,
T
HEODOR
: Phaidon, Bd. 14, Göttingen 2004, S.298 f.
8
F
REDE
: a.a.O., S.178.
9
Diese Ansicht wird gestützt durch die Behauptung des platonischen Sokrates im Gorgias und der
Apologie, es gäbe nichts wichtigeres als die Untersuchung wie man leben solle. Vgl. Gorgias
500c; Apologie 30b u. 38a; In: Q
UARCH
: a.a.O., S.83.
10
Vgl. Ebd., S.83 ff.
4
Lebensführung: In einem Vorgespräch plädiert Sokrates für eine Furchtlosigkeit
des Philosophen vor dem Tod als Voraussetzung eines tugendhaften Lebens,
11
und als Konsequenz der Unsterblichkeit der Seele empfiehlt er die Pflege der
Seele der Pflege des Leibes vorzuziehen.
12
Den Phaidon in erster Hinsicht als ein
Werk ethischer Lebensanweisungen zu betrachten, halte ich daher für plausibel.
13
Fredes Ansicht, die Ideenlehre werde nur zur Begründung und zur ,,Erklärung für
die veränderliche Welt und ihre Phänomene"
14
herangezogen, muss meiner
Meinung nach jedoch hinterfragt werden. Zu beachten ist die Konzeption der
Beweisführung, die in einer Explikation der Ideenlehre kulminiert.
15
Entscheidend
hierbei ist vor allem die Komposition des Zwischenspiels, in dem Sokrates das
einzige Mal mit Phaidon selbst redet, um mit ihm die ,,Misologie" zu besprech-
en.
16
In dieser Zäsur der Beweisführung des Sokrates muss meines Erachtens ein
Plädoyer für die Dialektik gesehen werden.
Ich will diesen Aspekt nach einer Diskussion des Liniengleichnisses erneut auf-
greifen, um ihn mit den Ergebnissen der Untersuchung in einen Zusammenhang
zu stellen.
3 Das Liniengleichnis
Das Liniengleichnis ist eine weitere Abstufung der durch das vorangegangene
Sonnengleichnis veranschaulichten Bereiche, hinsichtlich der erkenntnistheore-
tischen, aber auch ontologischen Aspekte.
17
Hierbei wird im besonderen der
Schwerpunkt auf das Erkennen im Verhältnis zum Sein gelegt.
18
Die zuvor getrof-
fene Unterscheidung zwischen Wissen und Meinen
19
wird erneut aufgegriffen und
weiter ausdifferenziert.
11
Vgl. Phaidon (Phdo.) 60b-62c.
12
Vgl. Phdo. 107c-116a.
13
Die Darstellung der Seelenruhe des Sokrates bei seinem Tod, die seine Tugendhaftigkeit zeigen
soll, stützt diese Ansicht. Der Erfolg des Dialogs gründet im wesentlichen auf dieser Darstellung.
14
F
REDE
: Platons >Phaidon<, Darmstadt 1999, S.178.
15
Nämlich in der Wiederlegung des fünften Einwandes des Kebes, nach der alle Zuhörer, sowohl
in Athen wie in Phlius von der Unsterblichkeit der Seele überzeugt sind. Vgl. Phdo. 95b-107b.
16
Phdo. 88c-91c.
17
Im Sonnengleichnis wurde die Idee des Guten als die selbst das Sein überragende Ursache der
Welt eingeführt. Es wird unterschieden zwischen einem superioren Sein und einem inferioren
Werden. Das Sein bezieht sich auf die Ideen, das Werden auf die empirischen Gegenstände. Vgl.
Pol. 507b-509b.
18
Während im Sonnengleichnis das Ziel eine Veranschaulichung der letzten Ursache des Seins ist,
und das Erkennen lediglich als Bezugspunkt zum Zweck der Erläuterung hinzugezogen wird, so
richtet sich der Fokus im Liniengleichnis auf den epistemologischen Aspekt.
19
Pol. 476e-479d; s. hierzu auch Menon (Men.) 97a f.
0 Kommentare