Zum Begriff der Freiheit im Lichte von Meinungs- und Pressefreiheit
Gliederung
Abstract 4
1 Freiheit im globalen gesellschaftlichen Diskurs 5
2 Gegenstand und Vorgehensweise. 8
3 Aspekte der Rezeptionsgeschichte 10
3.1 Der Freiheitsbegriff der Antike 10
3.2 Der christliche Freiheitsbegriff 13
3.3 Der Freiheitsbegriff der Aufklärung 14
4 Zum Verhältnis von Freiheit und Wirklichkeit 17
5 Literaturverzeichnis. 19
5.1 Verzeichnis der Internetadressen 21
3
Abstract
Gegenstand, der im Rahmen des Seminars Der Freiheitsbegriff im politischen Kontext erstellten Arbeit ist das der Meinungs- und Pressefreiheit zugrunde liegende Freiheitsverständnis.
Anhand des Karikaturenstreits wird einleitend sowohl auf unterschiedliche Interpretationen des Freiheitsbegriffs als auch auf unterschiedliche gesellschaftspolitische Wirklichkeiten der Freiheit verwiesen. Unter Verweis auf die Bedingungen und Voraussetzungen der Freiheit wird die These formuliert, dass sich im Verlaufe der Zeitgeschichte die Kategorie der Freiheit in Abhängigkeit vom jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Kontext (den realen und ideologischen „Umweltbedingungen“ oder aber auch „konstituierenden Kräften) - zum Teil erheblichen - inhaltlichen Modifikationen unterworfen sieht; dies gilt sowohl für die theoretisch-ideologische und also auch philosophische Rezeption des Begriffs als auch für die die praktisch-politische Dimension bzw. die faktische Erscheinungsweise der Freiheit. Ferner - so die Erweiterung der These - erscheint Freiheit als eine durchaus fragile Kategorie, welche sowohl im Hinblick auf seine paradigmatische Fassung und Interpretation als auch in Bezug auf seine gesellschaftliche Realität und Erscheinungsweise stetem Wandel (steter Infragestellung) unterliegt. Die Überprüfung dieser These erfolgt anhand der Untersuchung einiger Aspekte der Rezeptionsgeschichte zur Kategorie der Freiheit. Es wird Bezug genommen auf umwälzende und nachhaltige politökonomische Transformationsprozesse, welche sich zugleich als ideengeschichtliche Markierung- und geistesgeschichtliche Wendepunkte - die wegweisend auch in die Entwicklung des Freiheitsbegriffes eingeflossen sind - darstellen. Erbracht wird diese Beweisführung namentlich anhand des Freiheitsbegriffs der Antike, des christlichen Freiheitsbegriffs sowie des Freiheitsbegriffs der Aufklärer - welche Begriffe in ihrer Genese, in ihren Ausprägungen und in ihren Übergängen auf die jeweilige gesellschaftliche Verortetheit bezogen werden. Abschließend wird unter Bezugnahme auf die Interpretation und die Durchsetzung der gegenwärtigen Weltordnung die vorgetragene Beweisführung beispielhaft untermauert.
4
1 Freiheit im globalen gesellschaftlichen Diskurs
„Der Karikaturenstreit - Streit der Kulturen? 'Was darf die Satire? Alles.' Kurt Tucholsky. Das ist jedoch nicht überall akzeptiert. So sorgt eine Karikaturen-Serie einer dänischen Zeitung zum Islam, die inzwischen in einigen europäischen Zeitungen veröffentlicht wurde, gerade in Teilen der arabischen Welt für gewalttätige Proteste und Boykott-Aufrufe. In Afghanistan, Libanon, Libyen, Nigeria und Somalia kamen bei den Protesten mehrere Menschen ums Leben. Zehntausende Muslime protestieren weltweit gegen die Karikaturen. Auslöser für die gewalttätigen Proteste war die Veröffentlichung von zwölf Karikaturen in der dänischen Zeitung 'Jllands-Posten' Ende September 2005. Objekt der Karikaturen war der Prophet Mohammed, und was da mit spitzer Feder gezeichnet wurde, war nicht gerade schmeichelhaft und erst recht nicht geeignet, den Frieden zwischen den Religionen zu fördern. [...] Nach massiven Protesten in arabischen Ländern hat sich die dänische Zeitung 'Jllands-Posten' für die Verletzung religiöser Gefühle durch die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen entschuldigt. Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen distanzierte sich zwar von der Veröffentlichung der Karikaturen. Er verwies aber auf das verbriefte Recht der Presse- und Meinungsfreiheit.“ 2
Die gewaltsame Reaktion, welche die zwölf, erstmals im 'Jllands-Posten' erschienen Karikaturen auslösten, ist gewiss nicht allein auf den religiös motivierten und im Grunde auf theologischer Ebene mittlerweile seit vielen Jahrhunderten ausgetragenen Streit zwischen Ikonoklasten und Ikonodulen zurückzuführen 3 - ein Streit, ein kurzer historische Exkurs sei gestattet, bei dem nach heutigem Stand der Forschung, ehedem freilich weit weniger Blut geflossen sein dürfte, als heutzutage immer wieder gerne kolportiert wird 4 -; vielmehr wurden die Mohammed-Karikaturen von ganz bestimmten - durchaus auch bekannten - politischen Kräften und Gruppierungen ausgesprochen zielstrebig und zielsicher instrumentalisiert 5 und, während die „’gemäßigten’ und ’besonnenen’ Stimmen“ im Zuge der nachgerade
3
„Das Christentum bevorzugte feierliche, jederzeit wieder erkennbare Darstellungen, und so ging in
Konstantinopel nicht nur die Kenntnis der Perspektive wieder verloren, sondern auch die Beachtung individueller Details. Selbst die gegensätzlichsten Kaiser gleichen einander auf den Porträts wie ein Ei dem anderen. In Arabien hatte sich daher der persische Stil durchgesetzt. Allein zu Medina lebten vier gut bezahlte persische Porträtisten, und das war ein triftiger Grund, Bilder ganz allgemein zu verbieten. Einen weiteren dürfte Mohammed von dem ihm sonst verhassten Judentum übernommen haben: Schon Moses grenzte seine Gemeinschaft von anderen Religionen wirkungsvoll durch ein Bilderverbot ab. Mohammed erzählte seinen Gläubigen, Gott sähe es gar nicht gern, wenn man sein Schöpferhandwerk durch Malerei nachzuäffen ersuche. Am Jüngsten Tag werde Allah daher alle Künstler dazu verurteilen, ihre Kunstprodukte zu wirklichem Leben zu erwecken. Gelänge dies nicht, hätten die Maler ihr ewiges Leben erwirkt.“ (www.geistigenahrung.org)
4 „Es ist schwierig, Legenden entgegenzuwirken, zumal, wenn sie über Jahrhunderte gepflegt wurden. Und so wird trotz besseren Wissens bis heute in vielen Abhandlungen über die byzantinische Geschichte und deren Kunst der Bilderstreit als ein Bildersturm dargestellt, bei dem nicht nur Kunstwerke zerstört, sondern auch die Anhänger des Bilderkults, die Ikonodulen, reihenweise umgekommen sein sollen. Diese Auffassung wurde dadurch genährt, dass die Ikonodulen nach dem Ende des Bilderstreits alle Schriften der Ikonoklasten, also der Bildfeinde, zerstörten. Als Quellen blieben nur die Schriften der Ikonodulen. Sie waren nicht nur einseitig, sie übertrieben auch maßlos.“ (Reclam, 2004, S.23)
5 Zu geschürten Konflikten und falschen Diskussionen um die Mohammed-Karikaturen vgl. Meier, 2007.
5
hysterischen Aufregung gleichsam sang- und klanglos verhallten und untergingen 6 - als schlagende Belege westlicher Arroganz und Provokation zu einem neuen und nicht hinnehmbaren Kulminationspunkt eines angeblich immerzu wogenden Kulturkampfes zwischen Gläubigen und Ungläubigen stilisiert. 7 Entsprechend fiel auch - dies unisono in Ost und West - die überwiegende öffentliche Rezeption des tatsächlich Vorgefallenen aus. An die Stelle einer differenzierenden Darstellung und um Sachlichkeit bemühten Beurteilung der Geschehnisse traten ganz grundsätzliche Erörterungen; 8 die, festgemacht an den „Aufhängern“ Freiheit der Meinung und Freiheit der Presse - zumindest im so genannten „westlichen Lager“ letztlich eigentlich immer das prinzipielle gesellschaftliche Verhältnis zur Thematik der Freiheit - was verstehen „wir“ unter Freiheit? worauf fußt Freiheit? was beschränkt Freiheit? was leistet Freiheit? was bedroht Freiheit? etc. - kreisten.
6 „Weit weniger konnten sich in der Diskussion differenzierende Stimmen durchsetzen. Dass zum Beispiel auch in Deutschland Satire nicht alles darf und sich auch Kirchen immer wieder gegen Schmähkritik zu wehren versuchen, spielte genauso wenig eine Rolle wie die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Satire und ihren Inhalten. Ebenso konnte in der aufgeheizten Stimmung keine Debatte darüber geführt werden, dass das sog. Bilderverbot im Islam beispielsweise historischen Änderungen unterworfen war, und dass es außerhalb religiöser Räume auch in muslimischen Ländern Darstellungen von Mohammed gegeben hat.“ (www.religion-online.info)
7 „Weit weniger konnten sich in der Diskussion differenzierende Stimmen durchsetzen. Dass zum Beispiel auch in Deutschland Satire nicht alles darf und sich auch Kirchen immer wieder gegen Schmähkritik zu wehren versuchen, spielte genauso wenig eine Rolle wie die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Satire und ihren Inhalten. Ebenso konnte in der aufgeheizten Stimmung keine Debatte darüber geführt werden, dass das sog. Bilderverbot im Islam beispielsweise historischen Änderungen unterworfen war, und dass es außerhalb religiöser Räume auch in muslimischen Ländern Darstellungen von Mohammed gegeben hat.“ (www.religion-online.info)
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Arbeit zitieren:
Andreas Raffeiner, 2009, Zum Begriff der Freiheit im Lichte von Meinungs- und Pressefreiheit, München, GRIN Verlag GmbH
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