Inhalt
1. EINLEITUNG 3
2. PLOT 4
3. ALLEGORIE UND ZEICHEN 5
4. THE PILLOW BOOK - VON DER ALLEGORIE ZUM ZEICHEN 7
4.1. DIE SCHAUPLÄTZE 8
4.2. NAGIKO 9
4.2.1. DIE KÖRPERBÜCHER 11
4.3. JEROME 12
4.4. DER VERLEGER 14
5. SCHLUSSFOLGERUNG 14
6. LITERATUR 16
2
1. Einleitung
Greenaways Kino will nicht erzählen, es will sich vielmehr von der „vermeintlichen Tyrannei der Narration“ 1 lösen - was will es also? Diese Frage lässt sich klären mit einem Blick auf das System der Filme Peter Greenaways: Einer Enzyklopädie gleich arbeiten sie die verschiedenen Kulturbereiche ab, von den bildenden Künsten über das Theater bis hin zur Kultur des Essens. Mit The Pillow Book ist Greenaway mit seinen Beobachtungen in der Schrift- und Schreibkultur angelangt. 2 Die vorliegende Arbeit will Greenaways Film The Pillow Book als eine Art Reflektion der westlichen und östlichen Schrift- und Schreibkultur lesen. Sie geht der Fragestellung nach, wie Greenaway dem (implizit 3 westlichen) Zuschauer den „Osten als einen Spiegel des Westens“ vorhält und dadurch über zwei unterschiedliche Systeme von Schrift und Sprache reflektiert. Dementsprechend lese ich Greenaways Film als ein „al-legorische[s] Arrangement grundlegender Problemkonstellationen“. 4 Der Film wird somit zur künstlerisch bildhaften Veranschaulichung eines Abstraktums, in diesem Fall der Sprache beziehungsweise der Schrift.
Nach einer Übersicht des Plots, möchte ich zunächst die Begriffe der Allegorie und des Zeichens (nach de Saussure) für diese Arbeit definieren. Ich werde hierbei auf Definitionen aus dem Bereich der Literaturwissenschaft zurückgreifen, da ich diese für (weitestgehend) auf den Film übertragbar erachte. Das darauf folgende Kapitel wird den Film aus seiner Allegorie lösen, indem ich die (Haupt)Figuren und die Schauplätze aus der Bildhaftigkeit in das eigentlich Gemeinte, die Repräsentation von Zeichensystemen, überführe.
Meine Analyse wird den gesamten Film berücksichtigen, allerdings nur explizit auf die Szenen eingehen, welche zur Beantwortung der Fragestellung beitragen. Zitate aus dem Film entnehme ich Greenaways Drehbuch, sonstige Angaben zu Handlung oder Szenerie beziehen sich auf den Film. Zudem wird diese Arbeit auch schlaglichtartig filmästhetische Aspekte (wie beispielsweise Inszenierung, Licht usw.) berücksichtigen, allerdings liegt die filmische Umsetzung Greenaways Allegorie nicht im Fokus dieser Arbeit. Unzulänglichkeiten auf diesem Gebiet mögen also entschuldigt werden, obwohl
1 Begemann, S. 1
2 Vgl Begemann, S. 1
3 Hier sowie im weiteren Verlauf der Arbeit verwende ich das Konzept des ‚impliziten Zuschauers’ in
Anlehnung an Isers Konzept des „impliziten Lesers“ (vgl. Iser, Wolfgang: Der Akt des Lesens. München,
1976.)
4 Begeman, S. 1
3
eine tiefere Analyse der filmästhetischen und filmtechnischen Umsetzung der Allegorie von Schrift und Zeichen in The Pillow Book an anderer Stelle sicher lohnenswert wäre.
2. Plot
Greenaways Film The Pillow Book beschreibt den Weg der Protagonistin Nagiko zur Autorschaft. Sie wächst in Kyoto in weitestgehend patriarchalen familiären und gesellschaftlichen Strukturen auf. Ihr Vater ist Autor und muss sich regelmäßig von seinem Verleger sexuell missbrauchen lassen, damit jener sein neues Buch veröffentlicht - dieser Akt fällt jedes Jahr mit Nagikos Geburtstag zusammen. Ebenfalls zu jedem Geburtstag des Mädchens wiederholt der Vater symbolisch den göttlichen Akt der Schöpfung, indem er Nagikos Gesicht mit Schriftzeichen schmückt und sie durch das Unterzeichnen mit seinem Namen auf ihrem Hals jedes Jahr erneut in ihrer Identität, als seine Tochter und als Nagiko, bestätigt. Aufgrund dessen und weil ihr Vater sie früh und sorgfältig die Zeichenschrift lehrt, hat Nagiko von frühester Kindheit an eine enge Beziehung zu Schrift und Schreiben, besonders zur Kaligraphie, der Kunst des Schreibens, in welcher es mehr auf die Ästhetik der Schrift als auf deren Inhalt ankommt. Nach einer gescheiterten Ehe, verlässt Nagiko Japan, um in Hong Kong ein neues Leben zu beginnen. Sie arbeitet erfolgreich als Model, fühlt aber dennoch, dass etwas Entscheidendes in ihrem Leben fehlt: die Schrift als Teil ihrer Identität, welche sie (noch) nicht aus sich selbst heraus begreifen kann. Nagiko füllt diese Lücke, indem sie sich Kaligraphen als Liebhaber nimmt und ihren Körper von diesen mit Schriftzeichen beschreiben lässt. Bezeichnenderweise im ‚Café Typo’ trifft sie schließlich auf den englischen Übersetzer Jerome. Sie lässt sich auch von ihm ‚beschreiben’, ist mit dem Ergebnis allerdings mehr als unzufrieden und wirft ihm vor, er sein kein „writer“, sondern bloß ein „scribbler“. 5 Auf seine Aufforderung hin, sie möge auf ihm schreiben und ihm zeigen, wie es gehe, verlässt Nagiko, sichtlich entrüstet und überfordert, das Café. Im Anschluss an diese Begegnung ändert sich jedoch das Verhalten der Protagonistin und sie beginnt mit ersten eigenständigen ‚Schreibversuchen’, zunächst nur auf einem Spiegel mit Wasserdampf, dann auf ihrem eigenen Körper. Schließlich schreibt sie auf die Haut eines schlafenden Ausländers, der östliche Sprachen weder lesen noch schreiben kann. Sie lässt ihr Werk von einem befreundeten Fotographen festhalten und überträgt es schließlich auf Papier, um es just jenem Verleger zu schicken, der damals ihren Vater erpresst hat. Als ihr Text vom Verleger brüsk abgelehnt wird, macht Nagiko sich per- 5 Vgl.Greenaway [Drehbuch], S. 67
4
sönlich auf den Weg zu ihm und findet heraus, dass Jerome dessen Geliebter ist. Sie beschließt, über Jerome zum Verleger zu gelangen. Nagiko nimmt zunächst Jeromes Dienste als Übersetzer in Anspruch, aus der geschäftlichen Beziehung entwickelt sich jedoch schnell eine Liebesbeziehung. Jerome unterstützt Nagiko in ihrem Bestreben, Autorin zu werden - welches er de facto überhaupt erst in ihr wachgerufen hat. Er verhilft Nagiko dazu, eine eigenständige Identität zu entwickeln und zu behaupten (unter anderem dadurch, dass er schließlich den Geburtstaggruß ihres Vaters wiederholt) und bietet sich zudem schließlich selbst als Vermittler zwischen ihr und dem Verleger an. Diese Funktion erfüllt er sehr wörtlich, da Nagikos erstes Buch auf Jeromes Körper verfasst ist und auch vom Verleger angenommen wird, er lässt es abschreiben. Da Jerome sich in der Folge jedoch wieder mehr dem Verleger zuwendet, beschreibt Nagiko weitere Männer und schickt diese mit ihren Texten auf dem Körper zum Verleger. Es entspinnt sich ein Eifersuchtsdrama, welches im Selbstmord Jeromes endet. Nagiko schreibt das Book of the Lover auf Jeromes toten Körper und er wird in diesem Zustand begraben. Nagiko reist zurück nach Japan, während der Verleger Jeromes Körper exhumieren und häuten lässt, um aus der Haut das tatsächliche Book of the Lover binden
zu lassen. Nagikos weiß um diese Tatsache und schickt dem Verleger weitere „Bücher“ in der Form von Männern, um in einer Art Tausch ihr Book of the Lover zurückzuerhalten. Das dreizehnte Buch schließlich, The Book of the Dead, bringt dem Verleger den Tod und das Buch aus Jeromes Haut zurück zu Nagiko. Der Film schließt damit, dass Nagiko den Geburtstagsgruß ihres Vaters an ihrem Kind, welches mit Jerome entstand, wiederholt.
3. Allegorie und Zeichen
In diesem Kapitel möchte ich zunächst die Konzepte der Allegorie und des (sprachlichen) Zeichens erläutern, da diese für eine Analyse von Greenaways The Pillow Book zentral sind.
Der Begriff der Allegorie lässt sich, nach Kurz, etymologisch erläutern als „anders als offen oder öffentlich sprechen (gr.: allos + agoreuein, ungefähr: anders als auf dem Marktplatz, der Agora reden).“ 6 Kurz führt weiter eine Definition der Allegorie nach Johann Jakob Bodmer, einem schweizerischen Philologen, an:
Die Allegorie ist demnach eine doppelsinnige Schreibart, welche auf einmal zween Sinne mit
sich führet, einer ist geheim, verborgen, allegorisch, der andere ist bloß äußerlich und histo-
6 Kurz,S. 30
5
Arbeit zitieren:
Vera Meister, 2007, Über Peter Greenaways "The Pillow Book", München, GRIN Verlag GmbH
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