Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung. 1
2) Hernán Cortés und seine Cartas de relación 2
3) Bernal Díaz del Castillo und seine Historia verdadera de la conquista de
Nueva España. 3
4) Fray Bernardino de Sahagún und seine Historia general de las cosas de
Nueva España. 4
5) Schüsselszenen der Eroberung von Mexiko1 4
a) Kommunikation zwischen Spaniern und Mexikanern 5
i. Prophezeiung der Ankunft der neuen Herrscher des
Landes 8
ii. Jerónimo de Aguilar. 11
iii. Malinche 12
iv. Kommunikation zwischen Moctezuma und Cortés 13
b) Beschreibung der noche triste. 15
c) Einnahme Tenochtitláns durch die Spanier. 22
6) Historische Betrachtungsweise der Eroberung Mexikos unter Berück-
sichtigung der verschiedenen Schreibstile der drei Autoren. 29
7) Schluss 31
8) Literaturverzeichnis 33
1) Einleitung
Die Eroberung der Neuen Welt nimmt in der Geschichte einen ganz besonderen Platz ein. Seit jeher dachte man in Europa die Welt zu kennen, Indien war bekannt, ebenso Afrika und auch Asien. Amerika hingegen war noch unbekannt.
Daher war die Überraschung enorm, als Kolumbus 1492 die Neue Welt entdeckte. Ab 1519 wurde diese, speziell Mexiko, von Cortés erobert. Dieser schrieb während seines Eroberungszuges fünf Briefe an seinen Kaiser, Karl V. Neben Hernán Cortés schrieb auch Bernal Diaz del Castillo über diesen Eroberungszug. Er selbst war Soldat unter Cortés und hatte den Anspruch an sich selbst gestellt, eine wahre Geschichte der Eroberung zu schreiben. Die Darstellung von Fray Bernardino de Sahagún beschreibt die Eroberung aus der Sicht der Azteken.
Es gab im gesamten Eroberungszug diverse Schlüsselszenen; ich will mich mit der Kommunikation zwischen den Spaniern und den Azteken, der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 1520 auseinandersetzen, der noche triste, sowie der endgültigen Eroberung Tenochtitláns. Speziell bei der Kommunikation zwischen den zwei Völkern gab es verschiedene Aspekte, die ich erläutern möchte. Ich setze mich zum einen mit den zwei Dolmetschern, Jerónimo de Aguilar und Malinche, und zum anderen mit der Prophezeiung der Azteken über die Ankunft der neuen Herrscher des Landes auseinander.
In einem weiteren Punkt werde ich die Kommunikation zwischen den Spaniern und den Azteken im Generellen, aber auch die Kommunikation von Cortés mit Moctezuma untersuchen.
1
2) Hernán Cortés und seine Cartas de relación
Hernán Cortés wurde 1485 in Medellín, in ein armes, aber adliges Elternhaus, geboren. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaft reiste er 1504 nach La Hispaniola und ließ sich in Azúa nieder. 1511 wurde er Sekretär des Diego de Velázquez. Während seines dortigen Dienstes erwarb er sich durch die Ausbeutung von Goldminen ein beträchtliches Vermögen. Nach zwei gescheiterten Versuchen Mexiko zu erobern, rüstete Velázquez eine dritte Expedition aus und setzte Cortés als Kommandanten ein. Kurz vor Reisebeginn enthob Velázquez ihn jedoch wieder des Amtes, da er befürchtete, dass Cortés zu einflussreich würde; gleichwohl segelte Cortés am 18. Februar 1519 von Havanna aus mit dessen elf Schiffen und einer 670 Mann starken Mannschaft in Richtung Mexiko. Am 21. April 1519 erreichte er Mexiko und begann mit seiner Eroberung bis er am 8. November 1519 Tenochtitlán erreichte. Am 1. Juli 1520 gelang die Flucht aus Tenochtitlán, die wegen der vielen Verluste auf beiden Seiten als noche triste bezeichnet wird. Im April 1521 begannen die Spanier ihre letzte Offensive, in der Tenochtitlán endgültig eingenommen wurde. Aufgrund seiner Taten ernannte Karl V. Cortés zum Gouverneur, Obersten Richter und Generalkapitän von Neuspanien.
1528 kehrte Cortés nach Spanien zurück. Dort wurde ihm ein triumphaler Empfang bereitet; zwei Jahre später schiffte er sich wieder nach Mexiko ein. Nach seiner erneuten Rückkehr nach Spanien 1540 fanden seine Anfragen kein Gehör mehr und Cortés zog sich in die Einsamkeit seines Landgutes in der Nähe von Sevilla zurück. Dort starb er am 2. Dezember 1547. Cortés schrieb insgesamt fünf Cartas de relación an Karl V. Diese Briefe können jedoch keinesfalls als historische Tatsachenberichte gesehen werden. Cortés verfasste die Briefe, um sich die Unterstützung Karls V. zu sichern, da er ohne dessen Genehmigung zu seiner Expedition aufgebrochen war. Um diese nachträglich zu erhalten, fälschte und unterschlug er bewusst Fakten, erfand Situationen und konstruierte Zusammenhänge. In seinen Briefen an Karl V. schilderte Cortés, dass er erhebliche Goldgeschenke erhalten habe und versuchte durch diese Angaben die entstandenen Kosten zu relativieren. 1
1 Vgl. Bennassar, Bartolomé: Cortez der Konquistador. Düsseldorf / Zürich: Artemis &
Winkler 2002.
2
3) Bernal Díaz del Castillo und seine Historia verdadera de la conquista de Nueva España
Bernal Díaz del Castillo wurde um 1483 in Medina del Campo geboren. Er hatte von seinen Eltern eine rudimentäre Bildung erhalten. 1514 schloss er sich der Expedition des Pedrarias Davila an, um in die Neue Welt aufzubrechen. Da Díaz del Castillo mittellos war, verpflichtete er sich als ein normaler Soldat; ihm ist nie eine Beförderung zuteil geworden. 1519 trat er in den Dienst des Hernán Cortés ein und nahm während des folgenden Jahrzehntes an fast allen Eroberungs- und Beutezügen teil. Nach dem Sieg über die Azteken schloss er sich weiteren Feldzügen nach Guatemala und Honduras an.
Als Lohn für seine Verdienste bei der Eroberung Mexikos erhielt Díaz del Castillo verschiedene encomiendas. 1541 ließ er sich endgültig in Guatemala nieder. Nach Meinung Días del Castillos ließ es die spanische Krone den "wahren conquistadoren" an gebührender Anerkennung fehlen; sie erschwerte gar den encomenderos ihre Aufgabe durch Verordnungen und Gesetze, wie etwa durch die Leyes Nuevas. Durch diese Gesetze wurden die Indios der spanischen Krone unterstellt; es sollte somit u.a. der Sklavenhandel unterbunden werden. In der Praxis kamen diese Gesetze aber nie wirklich zur Anwendung und mussten 1545 zurückgenommen werden. Bernal Días del Castillo hatte die Absicht, die Verdienste der anonymen conquistadoren zu bewahren und das Werk von Gómara, der dieses ohne authentischem Hintergrundwissen geschrieben hatte, als überwiegend falsch erscheinen zu lassen. Daher schrieb er von 1522 bis zu seinem Tod um 1580 an seiner historia verdadera. Sein Gedächtnis war dermaßen ausgeprägt, dass er auch dann noch unermüdlich akribische Korrekturen an seinem Manuskript vornahm, als der zur Veröffentlichung bestimmte Text längst in den Archiven des Indienrates lagerte. 2
2 Vgl. Narciss, Georg A.: Nachwort, in: Díaz del Castillo, Bernal (Hg.): Die Eroberung von
Mexiko. Frankfurt am Main. 1982, S. 623-632.
3
4) Fray Bernardino de Sahagún und seine Historia general de las cosas de Nueva España
Bernardino Ribeira wurde um 1499 in León geboren. Er studierte in Salamanca Theologie und schloss sich dem Franziskanerorden an. 1529 brach er zur Mission nach Mexiko auf. Hier bekam er den Auftrag, ein Werk über die besiegten Azteken zu schreiben. Er ließ seine indianischen Schüler, die Nahuatl, Spanisch und Latein beherrschten, die Erzählungen ausgewählter Dorfältester aufschreiben; wobei er selbst auch Nahuatl lernte und später als Experte für die aztekische Kultur und Sprache galt. Aus den Aufzeichnungen schrieb er seine Historia general de las cosas de Nueva España. Sie gilt als herausragendes Beispiel interkultureller Geschichtsschreibung und früher Ethnographie. In der historia finden sich Beschreibungen der Götter, des aztekischen Kalenders, der Astrologie, der Rhetorik und Philosophie, der Geschichte der Azteken, von Handel und Waren, der Tugenden und Sünden der Mexikaner, der Flora und Fauna und Beschreibungen über die Geschichte der Eroberung von Mexiko aus der Sicht der Indios. Das Buch wurde 1569 fertiggestellt; es wurde jedoch nicht veröffentlicht, da befürchtet wurde, dass die Azteken sich angesichts ihrer glorreichen Vergangenheit gegen die spanischen Eroberer erheben könnten. Mit der Zeit geriet das Werk in Vergessenheit und kam auf Umwegen ins Kloster von Tolosa, in dem es 1800 wiederentdeckt wurde. Bernardino de Sahagún starb 91jährig in Tepeopulco. 3
5) Schüsselszenen der Eroberung von Mexiko
Bei der Eroberung von Mexiko könnten viele Ereignisse genauer betrachtet werden; ich werde mich hierbei auf drei bestimmte Ereignisse bzw. Vorgänge beschränken. Zum einen werde ich auf die Kommunikation zwischen den Spaniern und Azteken eingehen. Des Weiteren werde ich mich mit der noche triste, der Nacht der Flucht der Spanier aus Tenochtitlán, auseinandersetzen. Zum Schluss werde ich auf die unterschiedlichen Darstellungen der Eroberung der Hauptstadt der Azteken eingehen.
3 Litterscheid, Claus: Nachwort, in: Sahagún, Fray Bernadino de (Hg.): Aus der Welt der
Azteken. Frankfurt am Main: Insel Verlag 1989, S. 285 - 293.
4
a) Kommunikation zwischen Spaniern und Azteken
Wie die Kommunikation der beiden Völker untereinander stattfand, ist eine zentrale Frage der Eroberung Mexikos.
Es ist auffällig, dass die erste große Aktion von Cortés in Mexiko die Suche nach einem Dolmetscher war. Die Spanier hörten Indianer die spanische Worte „Castilan, castilan“ 4 sprechen; Cortés hoffte daher, unter ihnen auf Spanier zu treffen. Die Hoffnung erfüllte sich, denn die Spanier stießen auf Jerónimo de Aguilar, der die Sprache der Mayas, allerdings nicht das Nahuatl der Azteken, sprach.
Die zweite Person, die als Dolmetscher fungierte, war Malinche, eine adlige Indianerin, die in die Sklaverei verschleppt wurde. Sie sprach das Nahuatl, die Sprache der Maya und später das Spanische und wurde damit zu einer unverzichtbaren Person bei der Kommunikation zwischen Indianern und Spaniern. Laut Todorov wäre ohne sie oder einer anderen Person mit ihren Fähigkeiten die Eroberung von Mexiko utopisch gewesen. 5 Malinche übersetzte nicht nur, sondern sie bewältigte auch die kulturellen Unterschiede und die daraus entstehenden Probleme, d.h. sie übertrug die Wünsche und Vorstellungen der spanischen Welt in die der Azteken und umgekehrt. 6 Cortés selbst nahm sie überall mit hin und vertraute ihr vollkommen. Auch die Azteken erkannten, dass Malinche eine extrem wichtige Rolle spielte, daher gaben sie Cortés den Namen von Malinche.
Dank der gesicherten Verständigung war Cortés nun stets bemüht, neue Informationen zu erhalten. Er befragte bei jeder Gelegenheit die Indianer, um so neue Erkenntnisse zu erlangen: Díaz del Castillo berichtet beispielsweise, dass „Cortés […] preguntó por nuestras lenguas de las cosas de […] Montezuma“ 7 .
Cortés war immer großzügig den Eingeborenen gegenüber, die ihn mit Informationen versorgten, „les mandó dar cuentas azules“ 8 . Viele Indianer
4 Díaz del Casillo, Bernal: Historia verdadera de la conquista de Nueva España. Mexico:
Editorial Porrua. 1966. S. 39.
5 vgl. Todorov, Tzvetan (1985): Die Eroberung Amerikas. Das Problem des Anderen: Frankfurt: Suhrkamp, S. 124.
6 Vgl. León-Portilla, Miguel, Heuer, Renate (Hg.) (1962): Rückkehr der Götter. Die Aufzeichnungen der Azteken über den Untergang ihres Reiches. Köln: Friedrich Middelhauve Verlag, S. 121f.
7 Díaz del Castillo 1966: 96.
8 Díaz del Castillo 1966: 115.
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Arbeit zitieren:
B.A. Fabian Altemöller, 2008, Schlüsselszenen der Eroberung Mexikos - Ein Vergleich der Schriften von Cortés, Díaz del Castillo und Sahagún, München, GRIN Verlag GmbH
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