Textanalyse Bouffiers Katze ist aus dem Sack Seite 2
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
2 Analyse Bouffiers Katze ist aus dem Sack 5
2.2. Die Schlagzeile 5
2.2. Der Artikel 6
2.3. Die Schlagzeile im Verhältnis zum Artikel 11
3. Fazit 13
4. Literatur. 15
5. Anhang: Bouffiers Katze ist aus dem Sack 16
Textanalyse »Bouffiers Katze ist aus dem Sack« Seite 3
1. Einleitung
In dieser Arbeit soll der Zeitungsartikel »Bouffiers Katze ist aus dem Sack« aus der Süddeutschen Zeitung vom 1. Dezember 1999 analysiert werden. Dabei soll auf die Methode der Textanalyse im ethnomethodologischen Sinne zurückgegriffen werden, zu der im Folgenden zunächst eine Erläuterungen vorausgestellt werden sollen:
»Die sozialwissenschaftliche Textanalyse in der Tradition von Garfinkel und Smith bemüht sich in der Arbeit am konkreten Material herauszufinden, was sich in und an Texten über deren innere Organisiertheit entdecken lässt« (Wolff 2006: S. 255)
Bezüglich der Analyse von Texten gibt es unterschiedliche Begriffe von Texten, die bis dahin gehen, auch sprachliche Signale oder gar alle nur denkbaren Zeichensysteme als Text zu verstehen (vgl. Wolff 2006: S. 245). Mit der vorliegenden Arbeit liegt indes ein Untersuchungs-gegenstand zugrunde, der allein aus geschriebenem Text besteht.
Die besondere Schwierigkeit bei geschriebenen Texten besteht darin, daß sich der Autor beim Leser nicht in der Weise rückversichern kann, ob seine Texte entsprechend seiner Intentionen verstanden wurden oder nicht. Während im Gespräch die Möglichkeit besteht, vermeintliche Fehler zu korrigieren, besteht bei schriftlichen Texten nicht die Möglichkeit, eventuelle Mißverständnisse aus dem Verhalten der Leser zu ersehen und zeitnahe zu reparieren (vgl. Wolff 2006: S. 266f.).
Indes entstehen noch weitere Probleme bei der Rezeption von Texten: Während einer Studie über Patientenkarrieren bemerkte Harold Garfinkel, daß die Krankenakten offenbar unvollständig, beziehungsweise schlecht geführt waren. In einer folgenden, ethnomethodologisch ansetzenden Dokumentenanalyse stellte Garfinkel fest, daß die Akten nicht etwa schlecht geführt waren, sondern daß es gute Gründe für diese Weise der Aktenführung gab. Sie sind ausreichend für kompetente Leser, also solche, die mit dem Klinikbetrieb vertraut sind (vgl. Wolff 2007: S. 506). Im Rahmen dieser Analyse stellte Garfinkel die These auf, daß »[...] Akten Äußerungen in einem Gespräch ähneln, dessen Beteiligte sich zwar nicht kennen, aber gleichwohl in der Lage sind, Anspielungen und indirekte Hinweise zu verstehen, weil sie bereits wissen, worüber geredet werden könnte« (Wolff 2006: S. 250, Hervorhebung im Original).
Lassen sich diese Schlußfolgerungen auch auf einen Zeitungsartikel übertragen, der nicht einem Personenkreis mit vergleichbarer Vorbildung, sondern einem sehr heterogenen Publikum zugänglich ist? Eine entsprechende Grundannahme wäre, daß es auch dem Autor eines Zei-
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tungsartikels möglich wäre, auf ein entsprechendes sprachliches Instrumentarium zurückzugreifen, bei dem er davon ausgehen kann, daß ein beliebiger Leser in der Lage ist, die Anspielungen zu verstehen und die entsprechenden Lücken aus seinem eigenen Erfahrungsschatz heraus zu füllen.
Harvey Sacks hat ein solches methodisches Instrumentarium entwickelt, und zwar am Beispiel der beiden Sätze »The Baby cried. The mother picked it up.« (Das Baby schrie. Die Mutter hob es hoch. [eigene Übersetzung]). Der unbefangene Leser dieser beiden Sätze wird sie in der Regel so interpretieren, daß ein weinendes Kleinkind von der Mutter hochgehoben wird, eben weil es weint. Und dies, obwohl andere Interpretationen möglich wären, wie zum Beispiel daß es sich bei der Mutter nicht um die Mutter des Kindes handelt, und sie eben nicht das Kind, sondern etwas anderes aufhebt (vgl. Wolff 2007: S. 508). Sacks führt diesen Umstand, daß solche Sätze von unterschiedlichen Lesern in der Regel ähnlich, also bevorzugt nach der ersteren Interpretation, gelesen werden, auf den »Einsatz bestimmter institutionaliserter Kategorisierungs- und Schlußfolgerungsregeln, die er zusammenfassend als membership categorization device bezeichnet« (ebd. S. 509, Hervorhebung im Original) zurückführt.
Dies läßt sich auch an der Schlagzeile »Ehemann begeht Selbstmord, Frau erwacht aus Koma« (Wolff 2006: S. 260) verdeutlichen, bei der die Leser in der Regel schlußfolgern würden, daß es sich bei der Frau, die aus dem Koma erwacht, um die Ehefrau des Mannes, der Selbstmord begangen hat, handelt (vgl. ebd.. S. 260f). Hier werden nicht nur Kategorien gebildet, sondern diese werden auch zu Kollektionen verbunden (vgl. ebd.). Die Kategorisierung zur Kennzeichnung von Personen geht einher mit »bestimmte[n] sozial erwartbaren Handlungsweisen und Attribute[n]« (vgl. Wolff 2006: S. 261, Hervorhebung im Original). So wird also von der Mutter des weinenden Babys erwartet, daß sie sich um ihr Kind kümmert.
Im Folgenden wird nun zu untersuchen sein, ob sich diese Beobachtungen auch in dem Arti- kel von Martin Zips mit der Schlagzeile »Bouffiers Katze ist aus dem Sack« wiederfinden.
Textanalyse »Bouffiers Katze ist aus dem Sack« Seite 5
2 Analyse »Bouffiers Katze ist aus dem Sack«
2.2. Die Schlagzeile
»Bouffiers Katze ist aus dem Sack« - Mit dieser Schlagzeile bezieht sich der Autor des Artikels auf ein Sprichwort, von dem er annehmen kann, daß es seinen Lesern geläufig ist und sie diese Anspielung verstehen. »Die Katze aus dem Sack lassen« ist eine Redewendung, mit der beschrieben wird, daß jemand etwas Unklares klärt, beziehungsweise ein Geheimnis offenbart oder eben eine Tatsache erklärt, um die es im Vorfeld der Erklärung Unklarheit gab. Zudem setzt der Autor offenbar voraus, daß den Lesern seines Artikels bekannt ist, um wen es sich bei »Bouffier« handelt.
Diese Schlagzeile vermag jedoch auch Neugier bei jenen Lesern zu wecken, die sich mit dem im Artikel beschriebenen Sachverhalt noch nicht befaßt haben: Die Ankündigung, daß Bouffiers Katze aus dem Sack gelassen wird, verweist darauf, daß etwas offenbart wird, was bislang im Dunklen lag. Jedoch würde kaum ein kompetenter Leser auf die Idee kommen, daß es sich bei dem nun folgenden Text um eine Erzählung handelt, in der beschrieben wird, wie jemand einen Sack öffnet um die Katze eines gewissen Bouffier herauszulassen. Über den nun folgenden Artikel erfährt der Leser durch die Überschrift, daß das Geheimnis einer Person namens Bouffier offenbart wird. Somit kann der (unwissende) Leser von dem der Schlagzeile folgenden Artikel erwarten, daß ein Sachverhalt oder Tatbestand aufgeklärt wird. Dabei steht die Katze eindeutig im Bezug zu jenem Bouffier, von dem der Leser davon ausgehen kann, daß es sich um den Namen einer Person handelt, die in dem Artikel eine wesentliche Rolle spielen wird.
In Kenntnis des Sachverhaltes um jenen Bouffier wird der wissende Leser zudem ein doppeldeutiges Wortspiel erkennen. Zum einen wird auf das Sprichwort »Die Katze aus dem Sack lassen« Bezug genommen, zum zweiten kann die Schlagzeile durch Kenner des Sachverhaltes auch so interpretiert werden, daß es um jene tote Katze geht, die angeblich vor dem Hause Bouffiers gefunden wurde, sprich, daß deren Identität und möglicherweise die Todesumstände aufgeklärt worden seien.
Für beide Interpreten, also den wissenden und den unwissenden, zeigt indes die Schlagzeile, daß jene Aufklärung, deren Behandlung der Leser im Artikel erwarten kann, im Zweifel ohne Bouffiers Dazutun vonstatten geht, denn eine aktiv handelnde Person wird in der Schlagzeile nicht genannt.
Arbeit zitieren:
Udo Ehrich, 2008, Textanalyse: »Bouffiers Katze ist aus dem Sack«, München, GRIN Verlag GmbH
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