- II -
Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS II
DARSTELLUNGSVERZEICHNIS IV
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS VI
THEMENBEGR ÜNDUNG VIII
VORWORT IX
1 EINLEITUNG 1
1.1.1 Zielsetzung dieser Master-Thesis. 1
1.1.2 Aufbau und Vorgehen dieser Arbeit 1
1.2 DEFINITIONEN UND ARBEITSDEFINITIONEN 2
1.2.1 “Web 1.0 , World Wide Web. 2
1.2.2 “Web 2.0 4
1.2.3 “Web 3.0 , semantisches Web 6
1.2.4 “Web X.0 8
1.2.4.1 Begriffsdefinition des Begriffs „Web X.0 8
1.2.4.2 Das Web-Infinity-Modell 10
2 HAUPTTEIL - THEORIE 12
2.1 FORSCHUNGSFRAGEN UND -THESEN. 12
2.2 THEORIEN, HYPOTHESEN UND VERGLEICHSSTUDIEN. 14
2.2.1 VERGLEICHSSTUDIE „IT VERTRIEB IN DER BANKWIRTSCHAFT“ 15
2.2.2 Vergleichsstudie „Starten statt warten - Auswirkungen des “Web 2.0 auf Finanzdienstleister“ 16
2.2.3 Vergleichsstudie “Web 2.0 von HA Hessen Agentur GmbH. 19
2.2.4 Vergleichsstudie “Web 2.0 von result. 22
2.2.4.1 „Produzenten“ 28
2.2.4.1.1 Definition. 28
2.2.4.1.2 Positionierung und Abgrenzung 29
2.2.4.2 „Selbstdarsteller“ 30
2.2.4.2.1 Definition. 30
2.2.4.2.2 Positionierung und Abgrenzung 30
2.2.4.3 „Spezifisch Interessierte“ 30
2.2.4.3.1 Definition. 30
2.2.4.3.2 Positionierung und Abgrenzung 31
2.2.4.4 „Netzwerker“ 32
2.2.4.4.1 Definition. 32
2.2.4.4.2 Positionierung und Abgrenzung 32
2.2.4.5 „Profilierte“ 33
2.2.4.5.1 Definition. 33
2.2.4.5.2 Positionierung und Abgrenzung 33
2.2.4.6 „Kommunikatoren“ 33
2.2.4.6.1 Definition. 34
2.2.4.6.2 Positionierung und Abgrenzung 34
2.2.4.7 „Infosucher“ 34
2.2.4.7.1 Definition. 34
2.2.4.7.2 Positionierung und Abgrenzung 35
2.2.4.8 „Unterhaltungssucher“ 35
2.2.4.8.1 Definition. 35
2.2.4.8.2 Positionierung und Abgrenzung 36
2.2.4.9 Quantifizierung der Typologie. 36
2.2.5 Vergleichsstudie: „Gewissensfrage des Monats“ 38
2.2.6 Vergleichsstudie „“Web 2.0 und die Generation 50 “ 38
2.2.7 Vergleichsstudie „JIM Studie 2007“ 43
2.2.8 Vergleichsstudien von Gartner Inc. 49
2.3 DIE AUSGANGSLAGE VON “WEB X.0 IN GROßUNTERNEHMEN 51
2.3.1 Corporate Weblogs 51
2.3.2 Podcasts 55
- III -
2.3.3 Social Bookmarking 57
2.3.4 Social Networks 58
2.3.4.1 Firmenspezifische Social Networks. 59
2.3.5 Wikis. 61
2.3.6 Web Services und Mashups. 63
2.3.7 Regulierung der Nutzung durch “Web X.0 -Policy’s 69
2.4 THEORETISCHE THESENVERTEIDIGUNG UND KRITISCHE WÜRDIGUNG DER FORSCHUNGSTHESEN 72
3 HAUPTTEIL - PROJEKTARBEIT UND EMPIRE. 78
3.1 DIE BESCHREIBUNG DER AUSGANGSSITUATION 78
3.2 BESCHREIBUNG DES VORGEHENS. 79
3.3 BESCHREIBUNG DER PROBANDENGRUPPEN. 79
3.4 BESCHREIBUNG DER LABORUMGEBUNG DER „OFFENEN PROBANDENGRUPPE“ 80
3.4.1 Laborumgebung Beispiel 1 DesktopTwo. 81
3.4.2 Laborumgebung Beispiel 2 Google Docs. 81
3.4.3 Laborumgebung Beispiel 3 Zoho 82
3.4.4 Laborumgebung Beispiel 4 Adobe Photoshop Express. 83
3.4.5 Laborumgebung Beispiel 5 Yahoo Pipes 84
3.5 BESCHREIBUNG DER EMPIRE. 85
3.5.1 Allgemeiner Fragenblock mit statistischen Angaben. 85
3.5.2 Spezieller Fragenblock 91
3.6 RESULTATE DER EMPIRE 99
3.6.1 Ergebnisse der Probandengruppe „Connections“ 99
3.6.2 Ergebnisse der offenen Probandengruppe. 108
3.6.2.1 Allgemeiner Fragenblock mit statistischen Angaben. 108
3.6.2.2 Spezieller Fragenblock 109
3.7 DISKUSSION UND KRITISCHE WÜRDIGUNG DER EMPIRISCHEN RESULTATE 116
3.7.1 Probandengruppe „Connections“ 116
3.7.2 Offene Probandengruppe. 134
4 SCHLUSSWORT UND FAZIT 150
4.1 ABSCHLUSSBEMERKUNG ZUR „WEB X.0“-POLICY. 152
4.2 ABSCHLUSSBEMERKUNG ZU MITARBEITER, AUFBAUORGANISATION UND „WEB X.0“-TECHNOLOGIEN IM
ALLGEMEINEN BEZIEHUNGSWEISE „WEB 2.0“ IM SPEZIELLEN. 154
4.2.1 Der Power User 157
4.2.2 Der Fun User 157
4.2.3 Der Critical User 158
4.2.4 Die High Potential User 159
4.2.5 Meta-Modell zur Erfolgsmessung 159
4.3 ABSCHLUSSBEMERKUNG ZU PROZESSORGANISATION UND „WEB X.0“-TECHNOLOGIEN 161
5 LITERATURVERZEICHNIS 169
6 ELEKTRONISCHE INFORMATIONEN. 171
7 QUELLENVERZEICHNIS 176
- IV -
Darstellungsverzeichnis
Darstellung 1: Web-Infinity Modell 11
Darstellung 2: Online-Nutzerverhalten. 23
Darstellung 3: Online-Nutzerverhalten “Web 2.0 24
Darstellung 4: Rollenverhalten “Web 2.0 25
Darstellung 5: Anwendungsfelder “Web 2.0 26
Darstellung 6: Anwender-Typologie “Web 2.0 27
Darstellung 7: Typ Produzent 28
Darstellung 8: Typ Selbstdarsteller. 30
Darstellung 9: Typ Spezifisch Interessierte 30
Darstellung 10: Typ Netzwerker 32
Darstellung 11: Typ Profilierte 33
Darstellung 12: Typ Kommunikatoren 33
Darstellung 13: Typ Netzwerker 34
Darstellung 14: Typ Netzwerker 35
Darstellung 15: Verteilung Nutzertypologie 36
Darstellung 16: Internet-Aktivitäten. 44
Darstellung 17: Verteilung Internetnutzung 46
Darstellung 18: “Web 2.0 -Aktivitäten 47
Darstellung 19: Bekanntheit “Web 2.0 Angebote 48
Darstellung 20: Adobe Photoshop Express Screenshot. 83
Darstellung 21: Lewis Model. 88
Darstellung 22: in Anlehnung Lewis Model mit Cluster 89
Darstellung 23: in Anlehnung Lewis Model mit Cluster 2 90
Darstellung 24: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 1. 99
Darstellung 25: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 2-1. 99
Darstellung 26: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 2-2. 100
Darstellung 27: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 3. 100
Darstellung 28: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 4-1. 100
Darstellung 29: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 4-2. 100
Darstellung 30: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 4-3. 101
Darstellung 31: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 4-4. 101
Darstellung 32: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 6. 101
Darstellung 33: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 7-1. 101
Darstellung 34: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 7-2. 102
Darstellung 35: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 8. 102
Darstellung 36: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 9. 103
Darstellung 37: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 10. 104
Darstellung 38: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 11. 105
Darstellung 39: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 12. 105
Darstellung 40: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 13. 106
Darstellung 41: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 14-1. 106
Darstellung 42: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 14-2. 106
Darstellung 43: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 15-1. 107
Darstellung 44: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 15-2. 107
Darstellung 45: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 16. 107
Darstellung 46: Ergebnis Probandengruppe „Connections“ Frage 17. 107
Darstellung 47: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 1/1 108
Darstellung 48: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 2/1 108
- V -
Darstellung 49: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 3/1 108
Darstellung 50: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 4/1 109
Darstellung 51: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 5/1 109
Darstellung 52: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 6/1 109
Darstellung 53: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 1/2 109
Darstellung 54: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 2-1/2 110
Darstellung 55: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 2-2/2 110
Darstellung 56: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 3/2 110
Darstellung 57: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 4-1/2 110
Darstellung 58: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 4-2/2 111
Darstellung 59: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 4-3/2 111
Darstellung 60: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 4-4/2 111
Darstellung 61: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 5/2 111
Darstellung 62: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 6/2 111
Darstellung 63: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 7-1/2 112
Darstellung 64: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 7-2/2 112
Darstellung 65: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 8/2 112
Darstellung 66: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 9/2 112
Darstellung 67: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 10/2 113
Darstellung 68: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 11/2 113
Darstellung 69: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 12/2 114
Darstellung 70: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 13/2 114
Darstellung 71: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 14-1/2 114
Darstellung 72: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 14-2/2 114
Darstellung 73: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 15-1/2 115
Darstellung 74: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 15-2/2 115
Darstellung 75: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 16/2 115
Darstellung 76: Ergebnis offene Probandengruppe Frage 17/2 115
Darstellung 77: Erwartungshaltung Weiterentwicklungspotential 117
Darstellung 78: Misstrauen gegenüber „Web X.0“-Technologien. 118
Darstellung 79: Datenorganisation Probandengruppe „Connections“ 120
Darstellung 80: Serviceierbarkeit. 123
Darstellung 81: Netzwerkorganisation Probandengruppe „Connections“ 124
Darstellung 82: Aufbauorganisation Probandengruppe „Connections“ 125
Darstellung 83: kommunikationsorientierte Teamrollen nach Belbin. 127
Darstellung 84: Produktivität einzelner Benutzer/gesamte Netzgemeinschaft 131
Darstellung 85: Produktivitätsverlust durch neue Benutzer 132
Darstellung 86: kritische Anzahl neuer Benutzer. 133
Darstellung 87: erwarteter Einfluss nach Positionen im Unternehmen. 135
Darstellung 88: Auffinden von Daten nach Altersgruppen. 137
Darstellung 89: Wahrnehmung der Überwachung nach Positionen im Unternehmen 138
Darstellung 90: Einarbeitungsaufwand nach Geschlechter 139
Darstellung 91: Handhabungsaufwand nach Geschlechter. 140
Darstellung 92: 90-9-1-Regel. 141
Darstellung 93: exemplarische Online-Aktivität „Social Networking“ nach Position 143
Darstellung 94: Erfahrungswerte für Wikis nach Altersgruppen 145
Darstellung 95: Energiebewusstsein der weiblichen Probanden. 146
Darstellung 96: Einschätzung Kontrollmöglichkeiten der IT-Mitarbeiter 148
Darstellung 97: Quantifizierung der Benutzerprofile 156
Darstellung 98: Erfolgsmodell einer Social Software Lösung 160
Darstellung 99: „Web X.0“-basierte Systemlandschaft 162
Darstellung 100 Vergleich herkömmliche Prozessfolge versus CAPI Prozessfolge 167
Weitere Abkürzungen, Fachbegriffe und spezifische Schlagwörter werden glossarisch, direkt und innerhalb dieser Arbeit per Fußnote erläutert.
Weiterführende Informationen, wie Angaben zu Web-Seiten, werden ebenfalls Mittels Fußnote direkt und innerhalb dieser Arbeit angegeben.
Themenbegründung
Die zunehmende Verbreitung und die damit verbundene Durchdringung der Softwarelandschaft mit service-orientierten Web-Anwendungen, wie “Web 2.0” oder “Web 3.0”-Applikationen nimmt immer mehr zu. Unternehmen vermissen jedoch eine adäquate Charakterisierung von Potenzialen und Effekten der propagierten Anwendungen auf die unternehmerische Wertschöpfung.
Hieraus beschließe ich die Themenbegründung dieser Arbeit mit einem ausführlichen Zitat von Thomas A. Stewart zum Einfluss von Kommunikationsstrukturen auf die Organisationsstruktur, dass - meiner Meinung nach - heutzutage noch viel eher und besser zutreffender auf den “Web 2.0”- und “Web 3.0”-Hype - als damals auf die Etablierung der Emails - ist.
“Im Informationszeitalter ist es für einen Manager die größte Herausforderung, ein Unternehmen zu schaffen, in dem Wissen geteilt wird. Mit Netzwerken ist dies möglich, da sie Menschen mit anderen Menschen oder mit Daten verbinden. Dank der Netzwerke können wir Informationen, die früher den Weg von einer Instanz zur nächst höheren und von dort wieder nach unten nehmen mussten, direkt untereinander austauschen. Dieser Austausch zerschlägt den bürokratischen Apparat. Bill Raduchel, EDV-Direktor von Sun Microsystems, meint dazu: “E-Mails sind ein bedeutendes kulturelles Ereignis - sie verändern die Organisationsstruktur eines Unternehmens.” Zum einen untergraben Netzwerke unwiderruflich die Autorität des Management; Sie regen einen informellen Führungsstil an: Das typische Chef-Gehabe, zu dem Vorgesetzte neigen, passt ganz und gar nicht dazu. Menschen, die über ein elektronisches Netzwerk miteinander kommunizieren, sind ihren Vorgesetzten gegenüber weniger ehrerbietig und sagen ihnen auch schon mal die Meinung. “
Thomas A. Stewart, Der vierte Produktionsfaktor, 1996
1 Einleitung
1.1.1 Zielsetzung dieser Master-Thesis
Die zunehmende Verbreitung und damit verbundene Durchdringung der Softwarelandschaft von service-orientierten Web-Applikationen, wie "Web 2.0" oder "Web 3.0"-Applikationen, soll auf Ihre Auswirkungen und Einflüsse hin unter den Fokus von sozialen Aspekten (demographisch, interkulturell, psychologisch,...), Auswirkungen auf Geschäftsprozesse und Aufbauorganisation, wie auch im Bezug auf das Relationshipmanagement zum einzelnen Mitarbeiter von global agierenden Großunternehmen hin wissenschaftlich untersucht werden.
Somit ist die Zielsetzung dieser Master-Thesis konkrete, kritische beziehungsweise sogar erfolgskritische Auswirkungen und Einflüsse wissenschaftlich zu identifizieren und aufzuzeigen. Sofern es im Rahmen dieser Arbeit möglich ist - in Abhängigkeit von der final identifizierten Anzahl an Einflüsse und Auswirkungen - sollen die Erkenntnisse weiter wissenschaftlich quantifiziert und durchdacht werden.
In der Arbeit soll weder im Großen und Ganzen noch im Detail auf die technologischen Möglichkeiten, Risiken, Gefahren und Anwendungsfelder von „Web X.0“-Technologien ohne eine Berücksichtigung von den oben genannten Aspekten eingegangen werden.
Des Weiteren wird in der Arbeit darauf verzichtet auf etwaige Migrationsvoraussetzungen von „Web X.0“-Technologien entsprechend eines Fallbeispiels einzugehen.
1.1.2 Aufbau und Vorgehen dieser Arbeit
Im ersten Abschnitt dieser Arbeit werden die theoretischen Grundlagen für die Durchdringung der Aufgabenstellung gelegt. Im Einzelnen werden hierbei Grundlagen per Definition erläutert.
Im darauf folgenden ersten Abschnitt des Hauptteils dieser Arbeit werden zunächst die zu bearbeitenden Forschungsfragen und -Thesen beschrieben. Die anschließende theoretische Diskussion der Forschungsthesen wird durch die kritische Würdigung eben dieser abgerundet. Zweiter Abschnitt des Hauptteils dieser Arbeit umfasst das wissenschaftliche Projekt - die Empire - dieser Master-Thesis, welches im Einzelnen von der Beschreibung des Vorgehens, der Durchführung der Empire, wie auch den Ergebnissen und der kritischen Würdigung und Diskussion dieser reicht.
Abschließend soll ein Fazit die Arbeitsergebnisse zusammenfassen und gegebenenfalls auf neu aufgeworfene Forschungsfragen dieser Master-Thesis schlussfolgern.
1.2 Definitionen und Arbeitsdefinitionen
Wie oben genannt wird nun im ersten Abschnitt dieser Arbeit die theoretische Basis für die Durchdringung der Problematik gelegt. Im nachfolgenden Abschnitt werden alle für diese Arbeit relevanten Begriffsdefinitionen und Arbeitsdefinitionen erläutert und zum besseren Verständnis genauer beschrieben.
1.2.1 “Web 1.0”, World Wide Web
Das Schlagwort “Web 2.0” suggeriert durch die Versionsbezeichnung „2.0“ bereits die Existenz von Vorgänger-„Versionen“ des Webs. Jedoch, wenn man sich diesen „kleineren, früheren Versionen“ widmet, wie in diesem folgenden Abschnitt, stellt man fest, dass in den Jahren vor “Web 2.0” in der Literatur niemand eine zukünftige Versionisierung des Internets diskutierte. Zwar wird ex nunc im Rahmen der “Web 2.0”-Euphorie, die nachträgliche Versionisierung des Vor-”Web 2.0”-Zeitalters teilweise diskutiert, dies ist aber aus heutiger sachlicher Sicht nur äußerst kritisch zu würdigen.
Das World Wide Web, oder “Web 1.0” im heutigen Verständnis, entstand 1989 als Projekt am CERN 1 in Genf (Schweiz), an dem Tim Berners-Lee ein Hypertext-System
1 Das CERN, die Europäische Organisation für Kernforschung (die Abkürzung CERN leitet sich vom früheren französischen Namen Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire ab), ist eine Großforschungseinrichtung in der Nähe von Genf in der Schweiz. (vgl. Wikipedia (de), CERN, 2008)
aufbaute. Das ursprüngliche Ziel des Systems war es, Forschungsergebnisse auf einfache Art und Weise mit Kollegen auszutauschen. Eine Methode hierzu war auch das „Verflechten“ von wissenschaftlichen Artikeln - also das Erstellen eines Gespinstes. In Berners-Lees eigenen Worten formuliert: “The World Wide Web (W3) is a wide-area hypermedia information retrieval initiative aiming to give universal access to a large universe of documents.” (vgl. Brenners-Lee, 1989)
Das dem Hypertext zugrunde liegende Konzept stammt von früheren Entwicklungen ab, wie Ted Nelsons Projekt Xanadu 2 , Vannevar Bushs „memex 3 “ Maschinenidee und dem Note Code Project. Das World Wide Web unterscheidet sich dagegen von den damaligen Hypertext-Systemen (Note Code benutzte beispielsweise eine einfache und lesbare Syntax und sogar semantische Deskriptoren) eklatant. Das World Wide Web benötigt nur unidirektionale Links statt bidirektionaler, was es jedem ermöglicht, einen Link auf eine Ressource zu setzen, ohne dass deren Besitzer eingreifen muss. Zudem, anders als andere Protokolle wie HyperCard 4 oder Gopher 5 , baut das World Wide Web auf einem freien Protokoll auf, was die Entwicklung von Servern und Clients ohne Beschränkungen durch Lizenzen möglich macht.
Tim Berners-Lee nannte das erste Web-Anzeigeprogramm (das er im Herbst des Jahres 1990 auf einem NeXT-Computer schrieb und das eher ein Browser-Editor-Hybrid war), einfach „WorldWideWeb“. Später benannte er es - um Verwechslungen mit dem World Wide Web (mit Leerzeichen) zu vermeiden - in „Nexus“ um. (vgl. Wikipedia, World Wide Web)
2 Xanadu ist ein 1960 begründetes Hypertext-Projekt von Ted Nelson; durch das nach dem legendären Ort Xanadu benannte Projekt sollte das Docuverse, eine universale Bibliothek mit zahllosen miteinander vernetzten Dokumenten, entstehen. (vgl. Wikipedia (de), Projekt Xanadu, 2008)
3 Der Memex (Memory Extender; auf Deutsch etwa: Gedächtnis-Erweiterer) ist ein als möglichst menschengerechtes, einfach bedienbares Wissens-Findungs- und Verwertungs-System konzipierter Kompakt-Analog-Rechner, der 1945 von Vannevar Bush im Artikel „As We May Think“ (Atlantic Monthly, Juli 1945, S.101 ff.) fiktiv vorgestellt wurde. (vgl. Wikipedia (de), Memex, 2008)
4 HyperCard war eines der ersten kommerziell auf breiter Basis verfügbaren Hypertext-Systeme. (vgl. Wikipedia (de), HyperCard, 2008)
5 Gopher (Englisch für Erdhörnchen) ist ein Informationsdienst, der über das Internet mit Hilfe eines Gopherclients oder eines Webbrowsers abgerufen werden kann. (vgl. Wikipedia (de), Gopher, 2008)
1.2.2 “Web 2.0”
Verwendet man im Internet am 01. November 2008 beispielsweise die Suchmaschine Google 6 für den Begriff “Web 2.0”, erhält man 417.700.000 Ergebnisse. Wiederholt man diesen Versuch nur einen Monat später am 01. Dezember 2008 sind es bereits 421.000.000 Ergebnisse. Das sind 4.3 Millionen Einträge mehr.
Dale Dougherty und Craig Cline gingen schon im Jahr 2004 von einer Vorstellung aus, dass sich das Internet zunehmend verändert und sich durch eine verstärkte Nutzerinteraktion und Beteiligung charakterisieren wird. In diesem Zusammenhang hielten sie 2004 die erste “Web 2.0”-Konferenz ab und identifizierten Kriterien, die das alte “Web 1.0” vom neuen “Web 2.0” unterscheiden. Jedoch erst im Jahr 2005 wurde der Begriff durch Tim O’Reilly in seinem Artikel „What is “Web 2.0”?“ der Onlinecommunity 7 vorgestellt. (vgl. O’Reilly, 2005). Dieser Artikel verhalf, so Alby, O’Reilly auch zu dem zweifelhaften Ruhm, der Vater des “Web 2.0” zu sein. Seit diesem Zeitpunkt hat der Begriff “Web 2.0” insbesondere als Schlagwort für eine Vielzahl unterschiedlicher Anwendungsgebiete einen hohen Stellenwert erworben, was sich natürlich nicht zuletzt mit der fehlenden Eingrenzung beziehungsweise Definition begründen lässt. (vgl. Alby, 2007, S. 19) Nach Alpar, Blaschke und Kessler deutete Begriffe zunächst einfach an, dass es neue Technologien gibt (beziehungsweise geben wird), die sich von der ersten Generation, dem “Web 1.0” der Web-Anwendungen grundsätzlich unterscheiden. (vgl. Alpar et al., 2007, S. 1)
Folgt man dieser Selbstdefinition des neuen Internets, so versteht man unter dem Begriff “Web 2.0” eine Reihe interaktiver und kollaborativer Konstrukte des Internets, speziell des WorldWideWebs, der vor allem durch Tim O’Reilly, geprägt wurde. (vgl. Wikipedia (de), Web 2.0, 2008) Wie Alpar, Blaschke und Kessler ausführen, sind die Grenzen zu älteren Web-Anwendungen, die man als “Web 1.0”-Technologien bezeichnen könnte, nur schwer zu ziehen. Funktionalitäten mancher Websites, die schon lange vor der Entstehung des Begriffs “Web 2.0” existierten, entsprechen den nach O’Reilly
6 http://www.google.de
7 Eine Onlinecommunity (Netzgemeinschaft) ist eine Sonderform der Gemeinschaft; hier von Menschen, die einander via Internet begegnen und sich dort austauschen. (vgl. Wikipedia (de), Onlinecommunity, 2008)
aufgeführten Eigenschaften. (vgl. Alpar et al., 2007, S. 1) Derzeit existiert allerdings noch keine allgemein gültig und anerkannte Definition des Begriffs “Web 2.0” (siehe Haas et al., 2007, S. 215; Karla, 2007, S. 17), weshalb in den folgenden Ausführungen wie Zwicker et al. es beschreibt systematisch durch die Berücksichtigung von subjektbezogenen, funktionalen und teleologischen Aspekten der Begriff “Web 2.0” definiert wird. Das “Web 2.0” bietet verschiedene Webdienste, von denen einige schon lange bestehen, andere als neue Kombinationen aus bestehenden Technologien entstanden sind; so genannte „neue alte Technologien“. (vgl. Zwicker et al., 2007, S. 13)
Die folgenden aufgeführten Definitionen weisen in Bezug auf die subjektorientierten Aspekte alle eine ähnliche Sichtweise auf. Der Plattformgedanke sowie der Einsatz von innovativen Applikationen und Technologien sind als besondere, konstituierende Merkmale des „Web 2.0” in allen Definitionen immanent. Betrachtet man die Funktionen des “Web 2.0”, so fällt einem auf, dass während O’Reilly (vgl. O’Reilly, 2005) die Netzwerkeffekte durch die aktive Partizipation betont, Schachter und Yen (vgl. Schachter und Yen, 2006) sowie Arthur D. Little (vgl. Little, 2006) bereits explizit auf die durch den Nutzer aktiv entwickelten sozialen Netzwerke abstellen. Wirtz (vgl. Wirtz, 2008) und Haas et al. (vgl. Haas et al., 2007) erweitern diese Sicht und verweisen auf ein neues Selbstverständnis des Internets durch die Nutzerpartizipation und Interaktion. Hinsichtlich der teleologischen, also ziel- und zweckgerichteten Aspekten des „Web 2.0” kann konstatiert werden, dass die Definitionen teils deutliche Unterschiede aufweisen beziehungsweise manche gänzlich darauf verzichten. So sieht O’Reilly als Ziel des „Web 2.0” die Vernetzung aller Applikationen und Nutzer, Schachter und Yen stellen dagegen die Informationsverteilung in den Fokus. Als Synthese der Definition und analysierten Aspekte kann festgehalten werden, dass das “Web 2.0” sowohl eine technische als auch eine soziale Komponente vereint, die beiden in die Definition mit einfließen. Auf Basis der vorangegangenen Ausführungen wird damit der Begriff “Web 2.0” nach Wirtz und Ullrich definiert: „“Web 2.0” beschreibt innovative Applikationen und Plattformen im Internet mit hohen Gestaltungspotenzial. Dabei bestimmt die aktive Gestaltung der Inhalte durch die kooperative Partizipation der Nutzer und Anbieter den Aufbau sozialer Netzwerke, mit dem Ziel der permanenten Vernetzung der Nutzer sowie der Verteilung von Inhalten.“ (vgl. Wirtz, Ullrich, 2008) Des Weitern schlägt O’Reilly vor, die Anwendungen
und Technologien nach ihrem „Web 2.0”-Gehalt in Stufen anzuordnen. Auch diese Hierarchie löst letztendlich nicht die Frage, welche Anwendung und Technologie genau zur „Familie “Web 2.0” gehört. Ebenso ist die Zuordnung der Anwendungen zu den Stufen nicht eindeutig. Unabhängig davon besteht aber der Grundgedanke darin, dass mit der Software für “Web 2.0” mehr Kooperation im Unternehmen erreicht werden könnte. Wie es Zwicker et al. demonstriert ist „Web 2.0” eine Idee, eine Vision, die erst durch die nun technischen Vorraussetzungen zum „State of the Art“ werden kann. (vgl. Zwicker et al., 2007, S. 5)
Auch die allgemeine Kritik am Begriff „Web 2.0”, wie sie Alpar et al. übt, soll an dieser Stelle noch erläutert werden, da sie teilweise auch von so wichtigen Internetpionieren wie Tim Brenners-Lee, vorgebracht wird. Die Kritik basiert einerseits auf der schwierigen Abgrenzung des Begriffs und damit einer nicht eindeutigen Identifikation der “Web 2.0”-Technologien, andererseits wird “Web 2.0” ein Neuigkeitsgrad abgesprochen, der eine neue Generationsbezeichnung rechtfertigen würde. Die Technologien des “Web 2.0” haben mit den Bemühungen des „Web 3.0” jedoch bisher wenige Gemeinsamkeiten. (siehe hierzu Kapitel 1.2.3 auf Seite 6), (vgl. Alpar et al., 2007, S. 2 - 3)
1.2.3 “Web 3.0”, semantisches Web
Das Semantische Web (im Englischen Semantic Web) oder „Web 3.0” ist eine Erweiterung des World Wide Web. Nach Tim Berners-Lee beruht der Vorschlag des „Web 3.0” auf einem Konzept von Ihm selbst, dem Begründer des World Wide Web.
Ziel des “Web 3.0” ist es, die Bedeutung (die Relation, die in Zeichen kodiert sind) in maschinenlesbaren Daten formal festzulegen. Informationen sollen dadurch nicht nur von Menschen verstanden werden können, sondern auch von Maschinen interpretiert und weiterverarbeitet werden können. Informationen sollen maschinell ausgelesen werden können, beispielsweise der Sachverhalt, dies ist ein Vorname, ein Nachname, ein Autor, ein Buchtitel, der Name einer Stadt oder eines Unternehmens.
Durch das Semantische Web sollen Informationen durch Maschinen automatisch miteinander in Beziehung gesetzt werden können. Bei einer Reise beispielsweise Wetterdaten und Staumeldungen mit Informationen über Abfahrzeiten von Zügen, Orten, Personen und Terminen. Bei der Verknüpfung der Informationen in einem semantischen Web können völlig neue Zusammenhänge, beispielsweise zwischen verschiedenen Fachwissenschaften entdeckt werden, die zuvor nicht erkennbar waren
Die Realisierung des semantischen Webs erfordert Spezifikationen. Dies sind unter anderen semantische Annotationen, die Metainformationen (zusätzliche Informationen) über die Bedeutung der dargebotenen Inhalte geben. Dies geschieht beispielsweise mittels Mikroformaten oder RDF 8 . Mit Hilfe dieser Beschreibungssprachen kann die Bedeutung von Inhalten bis zu einem gewissen Grad auch für Maschinen interpretierbar gemacht werden. (vgl. Wikipedia (de), Web 3.0, 2008) Wissenschaftler versuchen seit Jahren so Alpar et al., das Web so weiterzuentwickeln, dass die Webseiten auch von Computern mit Hilfe von Programmen gelesen und verstanden werden können. Dazu ist eine formale Festlegung der Bedeutung (Semantik) der Seiteninhalte notwendig, weswegen dieses Ziel als das semantische Web beziehungsweise “Web 3.0” bezeichnet wird. Das würde die automatische Verknüpfung und Weiterverarbeitung von Webinhalten erlauben, zum Beispiel durch Programme, die Arbeiten im Auftrag menschlicher Benutzer ausführen, so genannten Softwareagenten. (vgl. Alpar et al., S. 3) Wie es Brenners-Lee ausführt weist die wortwörtliche Übersetzung aus dem Englischen, „Semantisches Netz“, auf eine Verwandtschaft mit der Theorie der semantischen Netze (semantic networks) hin, es handelt sich jedoch um eine konkrete Spezifikation eines lose verteilten semantischen Netzes. Die Ursprünge des semantischen Webs liegen in dem Forschungsgebiet der künstlichen Intelligenz. (vgl. Tim Berners-Lee et al., 2001)
Der Kommentar von Mark Johnson zur aktuellen Diskussion über das „Web 3.0“ führt aus, dass die nächste Ära des Internet von großen „begreifenden“ Computern geprägt wird. Während das „Web 1.0“ durch das Lesen und „Web 2.0“ durch Lesen und
8 Das Resource Description Framework (RDF, englisch (sinngemäß) „System zur Beschreibung von Bezugsquellen“) ist eine formale Sprache zur Bereitstellung von Metadaten im World Wide Web. (vgl. Wikipedia (de), RDF, 2008)
Publizieren sich auszeichnet, wird sich „Web 3.0“ durch Lesen/Schreiben und intelligentes Verstehen hervorheben. (vgl. Johnson, 2008)
Ansätze von „Web 3.0” sind heutzutage bereits in Form von Web Services und anderen Diensten im Web zu erkennen, die eine direkte Interaktion mit anderen Software-Agenten (Web Services) unter Verwendung XML 9 -basierter Nachrichten durch den Austausch über internetbasierte Protokolle ermöglichen. (vgl. Wikipedia (de), Webservice, 2008)
1.2.4 “Web X.0”
Im folgenden Kapitel wird erst der Begriff “Web X.0” und im Anschluss daran das mit dem Begriff „Web X.0” zusammenhängende Web-Infinity-Modell detailliert erläutert und definiert.
1.2.4.1 Begriffsdefinition des Begriffs „Web X.0”
Der Arbeitstitel dieser Arbeit ist “Web X.0”-Technologien. Aus diesem Grund ist es mehr als nur angebracht diesen vom Autor gewählten Begriff zu erläutern und auch genauer zu definieren. Der Begriff “Web X.0” lehnt sich stark an den aktuell diskutierten und umstrittenen Begriff “Web 2.0” an. Der erste Teil des Begriffs „Web“ assoziiert den Zusammenhang zu dem Begriff „World Wide Web“ im allgemein gültigen und diskutierten wissenschaftlichen Verständnis (siehe hierzu auch Kapitel 1.2.1). Der zweite Teil des Begriffs „X.0“ ist dagegen eine nicht auf den ersten Blick ganz einleuchtende Schöpfung. Das „X“ steht als Platzhalter für den Buchstaben „X“ aus dem englischen Wort „next“. Vermutungen das „X“ könnte für einen allgemein gültigen Platzhalter einer Versionskennzeichnung stehen, wie beispielsweise das „*“ verwendet wird, sind somit widersprochen.
Mit diesem Kontext wird auch die richtige Bedeutung des Begriffs “Web X.0” ersichtlich. „“Web X.0” steht für Web-Technologien der „nächsten (englisch next) Generation“. Somit sind “Web X.0”-Technologien, die Technologien, die vom derzeitig aktuellen Standpunkt
9 Die Extensible Markup Language (englisch für „erweiterbare Auszeichnungssprache“), abgekürzt XML, ist eine Auszeichnungssprache zur Darstellung hierarchisch strukturierter Daten in Form von Textdaten. XML wird unter anderem für den Austausch von Daten zwischen Computersystemen eingesetzt, speziell über das Internet. (vgl. Wikipedia (de), XML, 2008)
als innovativ und futuristisch anzusehen sind. Dass hier eine eindeutige Abgrenzung zum aktuellen Stand der Technik nicht trennscharf zu ziehen ist, versteht sich von selbst. Die Bedeutung des Begriffs „Web X.0” ist an folgendem Beispiel am besten zu erläutern:
Was gestern “Web X.0” war, ist heute „Web 2.0”. So beispielsweise Social Networking 10 -Plattformen wie Xing 11 , die vor wenigen Jahren als die Innovation und neue Web-Idee schlechthin galten, werden heutzutage als „völlig selbstverständliche“ Technologie des “Web 2.0” angesehen.
Was heute „Web X.0” ist, wird morgen vielleicht schon „Web 2.5“ oder „Web 3.0” sein, sofern sich hier ein markanter Unterschied beispielsweise zu „Web 2.0” zeigen wird. Exemplarisch ist hierfür Yahoo! Pipes 12 zu nennen. Yahoo! Pipes 13 , als Mashup 14 -Editor, ist aus heutiger Sicht nicht eindeutig noch dem „Web 2.0” oder schon dem „Web 3.0” zu zuordnen, aber auf jedenfalls ist Yahoo! Pipes 15 eine eindeutige Andersartigkeit zu attestieren. Somit kann man Yahoo! Pipes 16 nach der oben spezifizierten Definition als “Web X.0”-Technologie aus heutiger Sicht zu klassifizieren.
Somit ist „Web X.0” der Web-Darwinismus zum Anfassen und Begreifen. “Web X.0”-Technologien stehen aufgrund ihres hohen Innovationsgrades immer unmittelbar an der Evolutions- und Entwicklungsgrenze des technisch Machbaren und menschlich Begreifbeziehungsweise Anwendbarem im Web.
10 Soziale Netzwerke stehen umgangssprachlich für eine Form von Netzgemeinschaften, welche technisch durch „Web 2.0“-Anwendungen oder Portale beherbergt werden. (vgl. Wikipedia (de), Social Networking, 2009)
11 http://www.xing.com
12 http://pipes.yahoo.com
13 ebenda
14 Mashup (von englisch: „to mash“ für vermischen) bezeichnet die Erstellung neuer Medieninhalte durch die nahtlose (Re-)Kombination bereits bestehender Inhalte. (vgl. Wikipedia (de), Mashup, 2009)
15 ebenda
16 ebenda
1.2.4.2 Das Web-Infinity-Modell
An dieser Stelle wird ein Vergleich zum weiteren Verständnis des nachfolgenden Web-Infinity-Modells gezogen. Man stelle sich vor, die bisher existierenden drei Technologiebereiche „Web 1.0” bis “Web 3.0” entsprechen kosmischen Galaxien. Dann wären die einzelnen Web-Technologien, wie Wikis oder Weblogs, einzelne Sterne, Planeten und Planetensystemen in unterschiedlicher Größe und Ausdehnung innerhalb dieser Galaxien. Diese Galaxien bewegen sich in Abhängigkeit von den drei derzeit existierenden Dimensionen (Innovationsgrad/Zeit 17 ; Interaktionsgrad 18 und Kommunikation 19 ) durch den Web-Kosmos, der wiederum selbst entsprechend den Randbedingungen in den Dimensionen und auch Anzahl der Dimensionen expandiert. “Web X.0” selbst ist nun in diesem Vergleich als kosmische Gas-Wolke am Rande des Universums (explizit immer am Rand der höchsten Ausprägung aller Dimensionen), im Bereich der maximalen Verknüpfung, zu sehen. In dieser kosmischen Gas-Wolke „Web X.0” können sich neue Technologien bilden. Diese wandern in Abhängigkeit ihrer Dimensionierung in die bestehenden Galaxien (Technologiebereiche) oder werden selbst zu einem neuen Technologiebereich. Das ganze Model ist wie auch der real existierende Kosmos ständig in Bewegung. Schon allein aus der Existenz der Dimension „Innovationsgrad/Zeit“ driften allmählich sämtliche Objekte - mit Ausnahme der “Web X.0”-Wolke - von ihrem derzeitigen Standort auseinander. Darüber hinaus können zahlreiche andere Analogien zwischen dem Web-Kosmos und dem Real-Kosmos gezogen werden, beispielsweise. dass Planeten, Galaxien wie auch Web-Technologienwie schon erwähnt neu entstehen können - sich vereinigen, trennen oder gar ganz untergehen, verschwinden können.
17 Die Dimension „Innovationsgrad/Zeit“ erstreckt sich von den Polen „Gegenwart/hoher Innovationsgrad“, bis hin zu „Vergangenheit/niedriger Innovationsgrad“. Bei dieser Betrachtung wird unterstellt das Technologien im Laufe des Lebenszyklus von Zukunft bis hin über die Gegenwart und Vergangenheit im gleichen Maß an Innovationsfähigkeit verlieren, wie dass neue und innovativere Technologien entwickelt werden.
18 Die Pole der Dimension „Interaktionsgrad“ erstrecken sich von rein „betrachtender passiver“ Interaktion, bis hin zur vollkommenen „interaktiven, mitgestaltenden“ Tätigkeiten.
19 Die Dimension „Kommunikation“ definiert sich wie folgt: Das eine Extrem individuell steht für eine reine Kommunikation zwischen zwei Personen (auch „Face-to-Face“ genannt, 1:1-Beziehung). Auf der anderen Seite steht das andere Extrem „öffentlich“ für eine offene Kommunikation in der Gruppe, Gemeinschaft beziehungsweise in der Masse. Es kommuniziert nicht ein einzelne Person in der Gruppe, sondern die gesamte Gruppe untereinander und mit sich selbst (N:M-Beziehung).
Darstellung 1: Web-Infinity Modell
So kann mit Hilfe des „Web X.0”-Begriffs die Evolutions-Theorie des Webs beziehungsweise die so genannten „Web-Infinity“ technologisch, wie auch logisch definiert und begründet werden. Technologien verändern und entwickeln sich, oft werden aber die alten Begriffe so lange weiterverwendet bis ein neuer gefunden wurde, was zu Verwechslungen und Missverständnissen in der späteren Abgrenzung führen kann. Der „Web X.0”-Begriff löst diese Problematik in dem er progressiv aktiv für neue beziehungsweise „in den Kinderschuhen steckenden“ Web-Technologien steht. Wie schon oben genannt ist aus verschiedenen Gründen das gesamte Model der Web-Infinity ständig dynamisch in Bewegung, mit Ausnahme des Bereichs „Web X.0”, welcher statisch zu den Dimensionen und dynamisch zu den kosmischen Objekten gesehen die einzige Konstante in diesem Model ist. Somit ist die Evolutions-Theorie der “Web X.0”-
These - der Web-Darwinismus - mit ihrem Web-Infinity-Modell eine aus heutiger Sicht allgemeine und zeitlos gültige Theorie der Wirtschaftsinformatik anzusehen.
2 Hauptteil - Theorie
2.1 Forschungsfragen und -Thesen
Im nachfolgenden Abschnitt werden vom Autor Forschungsthesen und Forschungsfragen aufgeworfen, die im Rahmen dieser Arbeit theoretisch wie auch empirisch widerlegt beziehungsweise manifestiert werden sollen. Nachfolgende Forschungsfragen und -Thesen wurden nach Einarbeitung in die Thematik dieser Arbeit intuitiv erstellt.
Forschungsfrage und These 1: Der verstärkte Einsatz von “Web X.0”-Technologien führt zu einer direkten persönlichen Verhaltensänderung der Mitarbeiter.
Durch die zunehmende Informations- und Wissenstransparenz und gezielte Prozessorientierung von “Web X.0”-Technologien wird der einzelne Mitarbeiter gläsern. Abgesehen von rechtlichen Restriktionen gegenüber diesem Umstand, impliziert dies unausweichlich eine Verhaltensänderung des Mitarbeiters, um diesem Umstand gezielt entgegen zu steuern.
Forschungsfrage und These 2: Die veränderte Software-Ergonomie von “Web X.0”-Technologien besitzt eine stark divergente Akzeptanz unter demografischen und interkulturellen Gesichtspunkten.
Es ist verstärkt zu beobachten, dass sogar sehr gut in der Informationstechnologie qualifizierte Mitarbeiter ab einem bestimmten Lebensalter erhebliche Probleme mit dem Umgang von “Web X.0”-Technologien haben, jedoch Mitarbeiter im Teenagerbeziehungsweise Twen-Alter auch ohne entsprechende IT-Kenntnisse keineswegs. Moshe Pappoport von IBM Research äußerte sich zu genau diesem Punkt auf der
2. Zürcher „Web 2.0“-Konferenz wie folgt: „Die Kluft zwischen den vor 1970 und nach 1980 Geborenen hinsichtlich IT- und Computernutzung ist enorm. Erstere werden Zeit ihres Lebens digitale Immigranten bleiben“.
Forschungsfrage und These 3: Die rasante Verbreitung von “Web X.0”-Technologien im privat-gesellschaftlichen Umfeld führt zu einer massiven extrinsischen Motivation der Unternehmen diese ebenfalls einzusetzen.
Die immer mehr durch die “Web X.0”-Technologien scheinbar intuitiver werdende Web-Landschaft generiert einen gewissen „Lebensstandard“ den der Benutzer nicht nur im privaten Web sondern auch in den im Unternehmen vorhandenen Web-Technologien einfordert.
Forschungsfrage und These 4: Die scheinbar höhere Usability von “Web X.0”-Technologien korreliert proportional mit den steigenden Anforderungen an die IT-Infrastruktur.
Die erhöhte Gebrauchstauglichkeit welche beispielsweise ein “Web X.0” Dokumentenverwaltung mit sich bringen könnte, führt zwangsläufig zu weitaus höheren Anforderungen an die IT-Infrastruktur, da der Benutzer sich an jedem x-beliebigen Rechner weltweit befinden kann, aber unabhängig davon, das gleiche Aussehen und Handhabung (Look and Feel), wie auch System-Leistung erwartet.
Forschungsfrage und These 5: Der durch “Web X.0”-Technologien generierte Inhalt, führt zu einer veränderten Wissensherrschaft über diesen.
Bisher war die Wissensherrschaft über Daten und Informationen (das Wissen) auf eine einzelne Person unabhängig von deren Speicherung und Verwaltung begründet. “Web X.0”-Technologien zeichnen sich unter anderem da durch aus, dass sie Wissen dezentral generieren, speichern, verwalten oder verteilen. Dem einzelnen Benutzer oder
Systemadministrator erschließt sich aus diesem Umstand daher nur noch eine fraktale Sicht beziehungsweise Herrschaft auf das Gesamt-Wissen.
Forschungsfrage und These 6: Der Einsatz von “Web X.0”-Technologien zwingt Unternehmen zu Prozess-und Organisationsänderungen.
Die soziale Komponente von beispielsweise “Web 2.0”-Technologien führt zwangsläufig zu sozialen Auswirkungen, wie die Bildung von neuen organisatorischen informellen Strukturen. Um nicht an den korrosiven Kräften solcher informellen
Organisationsbildungen Schaden zu nehmen bleibt den Unternehmen nur eine entsprechende Organisation und Prozessänderung entsprechend der informellen Struktur übrig.
2.2 Theorien, Hypothesen und Vergleichsstudien
Im Folgenden werden die aus dieser Situation resultierenden Auswirkungen und Einflüsse und damit sowohl Triebfedern als auch Restriktionen bei der unternehmerischen Anwendung von „Web X.0“ diskutiert. Die Diskussion geht dabei über Möglichkeiten hinaus, die sich durch die Nutzung konkreter Anwendungen ergeben, sie fokussiert vielmehr auf Aspekte des Einbezugs der „Web X.0“-Paradigmen in Geschäftsprozesse und Organisation. Dabei fällt auf, dass bei derzeitigen, zumeist relativ unstrukturierten Ansätzen des Einbezugs von „Web X.0“ in Unternehmensaktivitäten beispielsweise Ideen des „Web 2.0“ teils ad absurdum geführt werden.
Da zu dieser noch jungen Disziplin der Wirtschaftsinformatik, wie es auch schon Herb beschreibt die Übertragung in die Domäne wissenschaftlicher Fachinformationen einiges Kopfzerbrechen bereitet und auch beispielsweise viele Web-Techniken sich für den wissenschaftlichen Kontext als unpassend konzipiert erweisen (vgl. Herb, 2008), es noch keine einschlägige wie auch etablierte Standard-, Primär-, wie auch Sekundärliteratur gibt, jedoch in letzter Zeit verstärkt Studien in diesem Bereich erhoben und durchgeführt werden, fokussiert sich das nachfolgende Kapitel verstärkt auf die Diskussion zu
Vergleichsstudien und die darin enthaltenden Theorien und Hypothesen und weniger auf einschlägige Literaturstellen.
2.2.1 Vergleichsstudie „IT & Vertrieb in der Bankwirtschaft“
Im Rahmen der Studie „IT & Vertrieb in der Bankwirtschaft“ initiiert durch das Bankmagazin und durchgeführt durch das Beratungs- und Softwarehaus PPI AG wurden hier “Web 2.0”-Technologien als mögliche Potenziale für den Unternehmenserfolg mit in die Studie aufgenommen.
Das eindeutige Ergebnis dieser Studie ist, dass 43% der befragten Fach- und Führungskräfte “Web 2.0”-Technologien keine oder nur geringe Bedeutung zu schreiben. 44% dagegen nur eine mäßige Bedeutung beziehungsweise 13% einen starken Einfluss heute. Auch der Blick in die Zukunft, was die Befragten in 3 Jahre erwarten zeigt ein nicht anderes Bild. Hier erwarten rund 22% der Befragten einen starken Einfluss von “Web 2.0”-Technologien gegenüber 78% mäßigen bis gar keinen.
Die wesentlichen Faktoren für diese zurückhaltende Haltung der Bankwirtschaft gegenüber von “Web 2.0”-Technologien liegen nach Angaben der Probanden in den rechtlichen Unsicherheiten, einen noch nicht klar quantifizierbaren Mehrwert und bemerkenswerterweise in kulturellen Konflikten zu den etablierten Vertriebskanälen. (vgl. PPI AG, Banken ignorieren das “Web 2.0”, 2008)
Wie es Krempl auch beschreibt haben bereits andere Unternehmen die Problematik mit den Urheber- und Persönlichkeitsrechten im “Web 2.0” erkannt. Die Tatsache, dass die Benutzer generierten Inhalte nicht mehr auf dem Desktop des Anwenders sondern auf dem Server des Anbieters oder Unternehmens gespeichert werden, verlagern auch die Rechtsproblematik vom Benutzer zum Anbieter und Unternehmen. (vgl. Krempl, 2008) Aus dieser Tatsache kann die Forschungsthese 5 bestätigt werden: Der durch “Web X.0”-Technologien Benutzer generierten Inhalt, führt zu einer veränderten Wissensherrschaft über diesen Inhalt. Es verändert sich nicht nur die Herrschaft über das Wissen im Sinne der Administration und des Benutzers sondern zusätzlich noch aus
einem weiteren, einem rechtlichen (Compliance 20 ) Blickwinkel. Die These manifestiert sich zusätzlich vor dem Hintergrund wie es Monika Ermert beschreibt, dass nach Aussage von Jeff Liebensohn Mitglied der International Association of Entertainment Lawyers es zu einer Verschiebung der Kontrolle von den Inhaltsanbietern zu den Nutzern kommen wird. (vgl. Ermert, 2008). Ebenso ist bei Frank und Kröner die Rede von einem Kontrollverlust der Unternehmen die Rede. Eine der Folgen des “Web 2.0” ist es, dass im Internet die Marketing-Botschaften der Unternehmen immer weniger Gehör finden. Eine regelmäßige Überprüfung der wichtigsten Internet- Quellen kann ein effizientes Frühwarnsystem bilden, das bei einer Häufung kritischer Beiträge Alarm schlägt und zum Handeln auffordert. Tritt ein Unternehmen dann zumindest mit der Bereitstellung von Informationen in einen Dialog mit seinen Nutzern, wird dies sein Bild im Internet sicherlich positiv beeinflussen. Die Vorgänge im Web aber völlig zu ignorieren, kann für Unternehmen gefährlich sein. (vgl. Frank und Kröner, 2008)
2.2.2 Vergleichsstudie „Starten statt warten -Auswirkungen des “Web 2.0” auf Finanzdienstleister“
Eine weitere Studie von Deutsche Bank Research die sich ebenfalls auf den Finanzsektor fokussiert, kommt zu ähnlichen jedoch weit aus detaillierteren Ergebnissen. Die Studie identifiziert drei Kommunikationsebenen des “Web 2.0”, welche ein Unternehmen betreffen:
• Die Kommunikationsarena des Unternehmens zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung
• Die Kommunikation zwischen Privatpersonen und Experten des Unternehmens
• Die Kommunikation mit den Mitarbeitern des Unternehmens intern.
20 In der betriebswirtschaftlichen Fachsprache wird der Begriff Compliance beziehungsweise Komplianz verwendet, um die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien, aber auch freiwilligen Kodizes, in Unternehmen zu bezeichnen. (vgl. Wikipedia (de), Compliance, 2009)
Die Möglichkeiten dieser drei Kommunikationsformen verändern die Organisation der Unternehmen grundlegend und bieten neue Möglichkeiten zur Interaktion mit Kunden und Mitarbeitern. Dieses Ergebnis von Deutsche Bank Research bestätigt ein erstes Mal die Forschungsthese 6, welche von einer Veränderung der Aufbau- und Prozessorganisation ausgeht.
Ein weiterer Aspekt der im Rahmen der Studie deutlich wurde ist hier erneut, wie schon in der vorangegangenen Vergleichsstudie, der Punkt von Rechten der Benutzer und klaren Regeln und Richtlinien (so genannte Policy, aus dem Englischen für Politik). So sind hier Tendenzen erkennbar, die die private, wie auch geschäftliche Nutzung von “Web 2.0”-Angeboten nach Extern sowie Intern im Unternehmen durch die Mitarbeiter reglementieren. Hier müssen die Entscheider des Unternehmens jedoch zahlreiche Aspekte berücksichtigen, dass beispielsweise der „Ton“ von Beiträgen mit der internen Kultur des Unternehmens übereinstimmt. Letzten endlich entscheiden aber Authentizität und Glaubwürdigkeit von Inhalten sowie ein offener Umgang mit kritischen Äußerungen über den Erfolg von “Web 2.0”-Technologien im Unternehmen.
Eine weitere Konsequenz mit der die Befragten Finanzdienstleister kämpfen müssen ist das Faktum, dass durch die erhöhte Transparenz in Form von Preisvergleichen, Produktinformationen und der verstärkte Informationsaustausch in Form von Einschätzungen und Empfehlungen beispielsweise von Bewertungsportalen die Unternehmen sich nicht im direkten Produktvergleich mit einen Mitwettbewerber sehen ,sondern mit den Erfahrungsberichten der Netzgemeinschaft.
Die Bewertungen welche willkürlich, einseitig oder auch schlichtweg falsch sein können beschränken sich inzwischen nicht nur auf das Produkt oder die Dienstleistung an sich, auch der Vertriebs- beziehungsweise der Serviceprozess, der hinter der Dienstleistung und Produkt steht, wird in mitbewertet. Sofern das Unternehmen Zugang und Kenntnis von diesen Bewertungen hat, ist dieser Punkt Chance wie auch Risiko zugleich. Das Unternehmen kann direkt auf die Aussagen der Kunden reagieren und an den internen, wie auch externen Prozessen verbessernd arbeiten. Es besteht sogar die Möglichkeit durch die Erfahrungsberichte ein so genanntes „learning from the best“ zu initiieren, indem man an den Prozessen des Branchenprimus partizipiert. Somit wird hierdurch eine
extrinsisch motivierte Prozessverbesserung und -änderung angestoßen - wie auch eingeleitet - wie sie mitunter in Forschungsthese 6 in Korrelation zu Forschungsthese 3 behauptet wurde.
Abschließendes Fazit der Studie ist das nur die innovationsfreudige Finanzdienstleister den Erfolg für sich beanspruchen können, die heute bereits mit dem Einstieg in die “Web 2.0”-Welt beginnen. Nur der Finanzdienstleister der heute Erfahrung mit “Web 2.0”-Technologien sammelt wird die Potenziale für sich erkennen und vielleicht morgen schon hieraus neue Produkte und Prozesse entwickeln und verbessern. Als exemplarisches Fallbeispiel sei hier die Innovation von P2P 21 -Kreditplattformen genannt. Da per Gesetzt es Privatpersonen nicht gestattet ist gewerbsmäßig Kredite zu vergeben besteht hier die Möglichkeit für einen Finanzdienstleister als Vermittler mit Lizenz tätig zu werden. (vgl. Deutsche Bank Research, 2007)
21 Peer-to-Peer (P2P) Connection (englisch peer für „Gleichgestellter“, „Ebenbürtiger“) und Rechner-Rechner-Verbindung sind synonyme Bezeichnungen für eine Kommunikation unter Gleichen, hier bezogen auf ein Netzwerk von Computern. In einigen Kontexten spricht man auch von Querkommunikation. (vgl. Wikipedia (de), P2P, 2008)
2.2.3 Vergleichsstudie “Web 2.0” von HA Hessen Agentur GmbH
Im nachfolgenden Kapitel werden die zentralen unternehmensrelevanten Aussagen der Studie “Web 2.0” von Alpar, Blaschke, Kessler herausgegriffen und dargestellt.
Nach Alpar, Blaschke, Kessler ist eine zentrale Auswirkung des “Web 2.0” der Druck auf den Unternehmen, die derzeit eingesetzten, relativ schwerfälligen und unflexiblen Informationstechnologien auf die Technologien des “Web 2.0” umzustellen. Dieser prognostizierte und als „consumerisation 22 “ bezeichnete Trend, weil Technologien, die zuerst für private Endverbraucher entwickelt wurden, nun Einzug in die Geschäftswelt halten, ein Prozess, ist der in der Vergangenheit in umgekehrter Reihenfolge ablief (vgl. Alpar et al., 2007, S. 4), immer stärker auf den Unternehmen lastet, erhöht sich hier auch zwangsläufig immer mehr der Druck, diese Technologien „ohne Rücksicht auf Verluste“ (beziehungsweise Sinn) im Unternehmen einzusetzen. Der extrinsische Einfluss geht weit über diese ökonomische Bedeutung hinaus, da es einen signifikanten Einfluss auf die Medienverwendung und vor allem die Meinungsbildung der Nutzer entfaltet, der über das gewöhnliche Internet hinausreicht. (vgl. Alpar et al., 2007, S. 4) In dieser Aussage sieht der Autor die Forschungsthese 3 als bestätigt, die den oben gemachten Ausführungen beipflichtet. In manchen Nutzerkreisen entsteht sogar ein sozialer Druck, solche Anwendungen zu nutzen, weil man sonst nicht „in“ ist. Hier bei ist die Rede davon, das wenn wer die Beiträge anderer Teilnehmer nutzt sich auch oft verpflichtet fühlt, anderen Teilnehmern etwas in Form eigener Beiträge zurückzugeben. Die erwartete oder geleistete Reziprozität kann also ein weiterer Grund für die aktive Teilnahme sein. (vgl. Alpar et al., 2007, S. 11) Hier wird erneut die von O’Reilly (siehe O’Reilly, 2005) genannte soziale Komponente des “Web 2.0” deutlich.
Ein weiterer interessanter Aspekt den Alpar, Blaschke und Kessler ausführen liegt in der Relativierung des oft gelobten Netzwerkeffektes nach O’Reilly (siehe O’Reilly, 2005) von “Web 2.0”-Anwendungen. So wird unter anderem der rasante Zuwachs der Nutzerzahlen von “Web 2.0”-Anwendungen auf das Phänomen des Netzwerkeffektes zurückgeführt. Dieses Phänomen erklärt auch das Wachstum des Internets selbst. Es besagt, dass der Nutzen eines Netzwerks für seine Mitglieder in seiner Größe überproportional wächst.
Das liegt daran, dass ein neuer Teilnehmer potenziell mit jedem bisherigen Mitglied des Netzwerkes kommunizieren und eine Beziehung aufbauen könnte. Die genaue Berechnung des „Netzwerts“, der auf der Anzahl der (potenziellen)
Kommunikationsbeziehungen basiert, ist dem „Metcalfe Gesetz“ 23 mit n² angegeben. Metcalfe, einer der Entwickler von Ethernet 24 , hat jedoch seine Überlegungen, die später als ein „Gesetz“ bezeichnet worden sind, nicht auf menschliche Benutzer, sondern kompatible Geräte bezogen. Wenn jede Verknüpfung zwischen zwei
Netzwerkmitgliedern nur einmal gezählt wird und Kommunikation mit sich selbst nicht betrachtet wird, dann beträgt die Anzahl der möglichen Verknüpfungen unter n menschlichen Teilnehmern n x (n-1)/2. Auf der einen Seite nutzen die meisten Teilnehmer jedoch nur einen kleinen Teil der potenziellen Kommunikationsmöglichkeiten, so dass die Zahl der tatsächlich hergestellten Kommunikationen weit unter der Maximalzahl liegt. Auf der anderen Seite bilden Teilnehmer eines großen Netzwerks auch Gemeinschaften, die nur Untermengen aller Netzwerkmitglieder enthalten. Die Teilnehmer können mehreren solcher Gemeinschaften gleichzeitig angehören, was den Nutzen des Netzwerks für sie speziell, aber auch insgesamt erhöht. (vgl. Alpar, Blaschke et al., 2007, S. 7). Wenn ein einzelner Benutzer “Web 2.0” verwendet, dann besteht für ihn kein inhaltlicher Unterschied zur Verwendung ähnlicher Programme auf dem eigenen Desktop; der Benutzer hat allerdings den logistischen Vorteil, dass er seine Arbeit verrichten kann, wo er über ein Endgerät für den Zugang zum Internet verfügt. Inhaltliche Vorteile kommen erst bei der Zusammenarbeit in verstreuten Gruppen voll zur Geltung. Für das Unternehmen jedoch ergeben sich auf jeden Fall Kostenvorteile. (vgl. Alpar et al., 2007, S. 5). Auch bei Alpar, Blaschke und Kessler wird implizit auf die Problematik mit den - hier - Persönlichkeitsrechten hingewiesen. So kann man im Web verschiedene Identitäten annehmen. In den meisten Fällen verfolgen die Autoren mit der Annahme einer fiktiven Identität keine schlechten, böswilligen oder kriminellen Absichten. Sie suchen einfach in den Netzgemeinschaften die Möglichkeit der freien
22 Die verschwimmenden Grenzen zwischen bisher (fast) ausschließlich privaten, und industriell genutzten Anwendungen. Dieser Prozess wird als “consumerisation” beschrieben. (vgl. Birkenkrahe, 2008)
23 Das Metcalfesche Gesetz ist eine Faustregel, nach der der Nutzen eines Kommunikationssystems mit dem Quadrat der Anzahl der Teilnehmer wächst. Das Gesetz wurde erstmals von Robert Metcalfe in Bezug auf Netzwerke für das Ethernet ausgesprochen. (vgl. Wikipedia (de), Metcalfe Gesetz, 2008)
24 Ethernet ist eine kabelgebundene Datennetztechnik für lokale Datennetze. Sie ermöglicht den Datenaustausch in Form von Datenrahmen zwischen allen in einem lokalen Netz angeschlossenen Geräten (Computer, Drucker und dergleichen). (vgl. Wikipedia (de), Ethernet, 2008)
Persönlichkeitsentfaltung, ohne fürchten zu müssen, dass sie wegen ihrer Beiträge bei der Arbeit, in der Schule oder woanders Missbilligungen erfahren könnten oder belästigt werden. (vgl. Alpar et al., 2007, S. 5). Dieser Drang nach freier Persönlichkeitsentfaltung bestätigt zwar nicht wie in Forschungsthese 1 behauptet eine Verhaltensänderung der einzelnen Mitarbeiter, unterstützt und erleichtert jedoch diese implizit. Wie schon bei Deutsche Bank Research steht hier implizit die Forderung nach einer “Web X.0”-Policy für den professionellen Einsatz von „WebX.0“-Technologien in Unternehmen im Raum.
Wie es Frank und Kröner nennt, kommt es vor allem darauf an, ob die Benutzer die Mechanismen und Gesetze des neuen Internets verstehen lernen und nicht ziellos agieren. Benutzer generierter Inhalt muss identifiziert, bewertet, analysiert und regelmäßig beobachtet werden, um entstehende Risiken professionell einschätzen und die sich bietenden Chancen nutzen zu können. So würde sich das Web auch für Unternehmen von einem reinen Sendemedium zu einem echten Kommunikationskanal wandeln, eben vom „Web 1.0” zum “Web 2.0”. Doch dies setzt sowohl ein grundlegendes Verständnis der Netzkultur als auch eine sorgfältige Identifikation der relevanten Quellen und Meinungen voraus. Auf dieser Basis können dann Maßnahmen entwickelt und Projekte angestoßen werden. Die Bedeutung der zugrunde liegenden Veränderungen ist nicht zu unterschätzen Zusammen mit der Kommunikation der Menschen im Internet ändern sich auch die Anforderungen an Unternehmen. Erst jetzt beteiligen sich Millionen Menschen wirklich aktiv am Internet und wandeln sich von passiven Konsumenten zu aktiven Erstellern von Inhalten. (vgl. Frank und Kröner, 2008) Somit untermauern und bestätigen Frank und Kröner die Forschungsthesen 1 und 6 ein weiteres Mal.
2.2.4 Vergleichsstudie “Web 2.0” von result
Das folgende Kapitel widmet sich der Betrachtung der Ergebnisse der „Web 2.0“-Studie von result der Autoren Trump, Ginger und Gerhards aus dem Jahr 2007.
Im Rahmen der Vergleichsstudie “Web 2.0” von result erlauben es nach Trump, Ginger und Gerhards neue Technologien, das Internet mehr und mehr wie eine Anwendung zu nutzen und Arbeitsprozesse wie Dateibearbeitung im Browser zu erledigen. Dadurch übernimmt im „Web 2.0” das Internet zunehmend Funktionen, die bisher dem lokalen Desktoprechner vorbehalten waren. Dateien wie Fotos und Videos werden in zunehmendem Umfang nicht mehr auf der lokalen Festplatte, sondern direkt im Internet gespeichert - beispielsweise direkt vom eigenen Fotohandy und ohne Umweg über den eigenen PC. Dieser technische Aspekt ist zugleich Mitursache und Wirkung einer gesellschaftlichen Bewegung, innerhalb der immer mehr Nutzer relevante Informationen im Netz erzeugen, ablegen und kommunizieren. (vgl. Trump et al., 2007, S. 14)
Sascha Lobo dazu: „Ich glaube, das ist ein Prozess, der dazu führt, dass die Menschen immer mehr zu Bürgern im Netz werden. Dass Menschen eine Entsprechung im Netz haben und dass diese aus mehr besteht als bloß aus einer Mailadresse. Und dafür steht ”Web 2.0”’.“ (vgl. Lobo, 2007) Dieser soziale Aspekt beschreibt eine Verhaltensänderung beziehungsweise sogar zu einem veränderten allgemeinen Bewusstsein wie es auch in der Forschungsthese 1 implizit wie auch explizit proklamiert wird.
Trump, Ginger und Gerhards folgern weiter daraus, dass das Neue an “Web 2.0” ist, dass es heute einem breiten Publikum immer leichter möglich wird, im Internet nicht mehr nur zu beobachten, sondern mitgestaltend teilzunehmen. Das liegt zum einen an einem hohen Durchsatz von breitbandigen Internetverbindungen, zum anderen an vielen “Web 2.0”-Applikationen, welche die Mitgestaltung im Internet stark vereinfachen. Diese Form der Mitgestaltung vieler im Internet führt zwangsläufig zu einer verstärkten öffentlichen und vernetzten Kommunikation im Internet, die wiederum von “Web 2.0”-Angeboten mit vielen technischen Funktionalitäten unterstützt wird. Die eigentliche Revolution liegt dabei sicherlich schon im Internet an sich begründet. In “Web 2.0” sehen
sie dabei eine neue Qualität der teilnehmenden und öffentlich vernetzt kommunizierenden Internetnutzung, die aufgrund der Möglichkeiten alle beliebigen Medienformate (Text, Bild, Film, Ton) einzubinden die Mediennutzung vieler Menschen bereits grundlegend verändert hat und sich in Zukunft noch weiter verändern wird.
Trump, Ginger und Gerhards betrachten die Onlinenutzung und die Nutzung von “Web 2.0”-Anwendungen und komm hierbei zu den Ergebnissen, dass 47% der Personen ab 14 Jahren seltener als einmal pro Woche eine der Onlineanwendungen wie Wikipedia 25 , Videoseiten, Fotogalerien, Weblogs und Podcasts in 2006 nutzten. 7% der
Gesamtbevölkerung nutzen „Web 2.0”-Anwendungen mindestens einmal in einer Woche, bleiben aber unter der (fast) täglichen Schwelle. 5% der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren schließlich sind „Web-2.0er“ mit (fast) täglicher Nutzung.
Darstellung 2: Online-Nutzerverhalten
(Quelle: T. Trump et al., 2007)
25 http://de.wikipedia.org/
Bezieht man diese Prozentsätze nur auf die Onliner, ergibt sich folgendes Bild: Von diesen Onlinern (59% der Gesamtbevölkerung) fallen 80% in die Kategorie derjenigen, die innerhalb einer Woche keine der beschriebenen Anwendungen nutzen. 11% nutzen “Web 2.0”-Anwendungen ein- oder mehrmals pro Woche, weitere 9% der Onliner nutzen nach den Ergebnissen der Studie “Web 2.0”-Anwendungen (fast) täglich.
Darstellung 3: Online-Nutzerverhalten “Web 2.0”
(Quelle: T. Trump et al., 2007)
Der Durchschnitt der Onliner unterscheidet sich deutlich von den “Web 2.0”-Nutzern. Vergleicht man den durchschnittlichen Nutzer mit den beiden „Web 2.0”-Gruppen, ergibt sich folgendes Bild: In der Gruppe der „Web 2.0”-Nutzer sind überdurchschnittlich stark Männer vertreten (Onliner im Schnitt 54%, „“Web 2.0” mindestens einmal pro Woche 66%, „Web 2.0” täglich 67%). Gemessen am Alter sind die 14- bis 29-Jährigen überdurchschnittlich stark bei den “Web 2.0”-Nutzern vertreten, wie es auch Forschungsthese 2 behauptet. (Onliner im Schnitt 31%, „Web 2.0” einmal pro Woche 46%, “Web 2.0” täglich 49%). Der formale Bildungslevel ist bei den „Web- 2.0ern“ überdurchschnittlich hoch, wie der Anteil der Menschen mit Abitur/Studium
signalisiert (Onliner im Schnitt 29%, “Web 2.0” einmal pro Woche 52%, “Web 2.0” täglich 53%). Bei vergleichbarem Anteil Vollberufstätiger spielt auf der anderen Seite bei den „Web-2.0ern“ der Anteil der in Ausbildung befindlichen Menschen (in Ausbildung, Schüler, Studenten) eine weit überdurchschnittliche Rolle (Onliner im Schnitt 19%, “Web 2.0” einmal 36%, “Web 2.0” täglich 42%). Bleibt schließlich die finanzielle Ausstattung der Haushalte: auch hier deutliche Unterschiede. In der höchsten der in der Studie erhobenen Netto-Einkommensklasse für Haushalte (Haushalte mit 3.000 Euro und mehr) sind „Web-2.0er“ doppelt so häufig vertreten wie die durchschnittlichen Onliner. Die “Web 2.0”-Nutzer der Studie wurden in „aktiv partizipierende Nutzer“ und „passiv partizipierende Nutzer“ unterteilt. „Aktiv partizipierende Nutzer“ sind entweder: „produzierende Nutzer“, die mehr als einmal im Monat Beiträge in mindestens einem Bereich veröffentlichen, und/oder „kommunizierende Nutzer“, die mehr als fünfmal im Monat Kommentare oder Diskussionsbeiträge abgeben. „Passiv partizipierende Nutzer“ sind die übrigen Nutzer von “Web 2.0”-Anwendungen, die seltener oder nie eigene Beiträge veröffentlichen und auf den entsprechenden Websites kommunizieren.
Entsprechend dieser Definition ergab sich folgende Verteilung:
Darstellung 4: Rollenverhalten “Web 2.0”
(Quelle: T. Trump et al., 2007)
Auf die untersuchten Anwendungsfelder verteilt sich die Nutzung innerhalb der „Web 2.0”-Nutzerschaft folgendermaßen:
Darstellung 5: Anwendungsfelder “Web 2.0”
(Quelle: T. Trump et al., 2007)
Der Anteil von 20% Nutzern von “Web 2.0”-Angeboten (12% der Gesamtbevölkerung) unterstreicht, dass es sich bei “Web 2.0” nicht um eine Randerscheinung, sondern um ein auch in Nutzerzahlen betrachtet relevantes Phänomen handelt. Der vergleichsweise ausgewogene Anteil von 57% aktiv und 43% passiv partizipierenden Nutzern zeigt einerseits, dass „Web 2.0”-Anwendungen von der Nutzerschaft überwiegend aktiv im Sinne von Mitgestalten und öffentlich Kommunizieren genutzt werden. Andererseits zeigt sich, dass “Web 2.0”-Angebote auch für passive Nutzer anziehend sind. In der Diskussion um das Potenzial von “Web 2.0” sollten passive, nur betrachtende Nutzer nicht außer Acht gelassen werden, da sie wiederum - in Analogie zur klassischen Medienwelt - als (Mit-)Nutzergruppen der Angebote einen entscheidenden Einfluss auf die Gestaltung der Inhalte haben. (vgl. Trump et al., 2007, S. 15 ff.)
Aus diesen Ergebnissen leiteten Trump, Ginger und Gerhards eine Typologie der Nutzer von “Web 2.0” ab. Dafür haben Sie nach Nutzungsmotiven acht Typen unterschieden.
Darstellung 6: Anwender-Typologie “Web 2.0”
(Quelle: T. Trump et al., 2007)
Bei dieser Darstellung handelt es sich, um eine Abbildung des gesamten digitalen Spektrums über die Dimensionen „Gestaltungsgrad“ 26 und „Kommunikationsgrad“ 27 .
26 Hervorstechendes Merkmal nach Trump et al. von „Web 2.0“-Anwendungen sind die Gestaltungsmöglichkeiten der Nutzer. Deshalb ist zum Beispiel vom „Mitmachweb“ die Rede. Im „Web 2.0“ ist es für jedermann einfach möglich, Inhalte zu veröffentlichen. Eine wichtige technische Voraussetzung für diese Möglichkeiten ist die mittlerweile flächendeckende Verbreitung breitbrandiger Internetanschlüsse. Darüber hinaus ermöglicht eine Reihe von Webangeboten, ohne besondere technische Vorkenntnisse Texte oder Bilder zu publizieren. Häufig verwendetes Schlagwort für diese Möglichkeiten ist der Benutzer generierte Inhalt (englisch user generated content). (vgl. Trump et al., 2007, S. 11)
27 Der zweite zentrale Aspekt wie es Trump et al. ausführt von „Web 2.0“ ist also das Web als Kommunikationsplattform. Idealtypisch ist dadurch „Veröffentlichen von Inhalten“ im „Web 2.0“ gleichbedeutend mit „Kommunizieren“, in dem Sinne, dass durch die Veröffentlichung von Inhalten gleichsam ein Prozess der öffentlichen Kommunikation in Gang gesetzt wird. Beispielsweise besitzen „Web 2.0“-Anwendungen typischerweise einen „Rückkanal“. Benutzer können also nicht nur veröffentlichen, sondern auch in Kommentaren oder Bewertungen
Innerhalb dieses Raumes haben sie die Typen von „Web 2.0”-Nutzern platziert - die Größe der Felder zeigt nicht die Größe der Gruppen, sondern die mögliche Bandbreite der gestaltenden und kommunikativen Involviertheit an.
Die Gruppe der Netzwerker bewegt sich beispielsweise in einem Bereich ausgeprägter öffentlicher Kommunikation mit unterschiedlicher Ausprägung der Mitgestaltung - was nicht bedeutet, dass die Gruppe zahlenmäßig größer ist als die Gruppe der Informations-oder Unterhaltungssucher, die sich in einem Bereich individueller Kommunikation mit gering ausgeprägter Mitgestaltung bewegen.
Diese Darstellung bezieht sich auf die von Ihnen definierte Gruppe der Nutzer von „Web 2.0”-Anwendungen und bildet deren Nutzungsmotive ab. Das schließt nicht aus, dass die Nutzer auch „Web 2.0”-Anwendungen - wie “Web 1.0” - verwenden, betrachtend und nicht-öffentlich kommunizierend.
Im Folgenden werden die einzelnen Typen zunächst definiert und anschließend die Positionen im Modell erläutert. Ein Icon neben der Unterkapitelüberschrift zeigt an, wo Sie den jeweiligen Typus im Diagramm verortet haben.
2.2.4.1 „Produzenten“
2.2.4.1.1 DEFINITION
„Produzenten“ sind Nutzer, denen es in erster Linie darum geht, Inhalte zu veröffentlichen und die dafür „Web 2.0”-Angebote nutzen. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Musiker, Fotografen oder Videokünstler, die auf Foto- und Videosites veröffentlichen. Im Grunde umfassen diese Veröffentlichungen alle Inhalte, die analog auch in der „Offline-Welt“ über andere Medien veröffentlicht werden könnten. Die
Rückmeldungen geben und sich mit anderen Benutzern und den Produzenten über die Inhalte öffentlich austauschen. (vgl. Trump et al., 2007, S. 12)
Arbeit zitieren:
Florian Hutter, 2009, Auswirkungen und Einflüsse von service-orientierten Web-Applikationen auf Mitarbeiter, Auf- und Prozessorganisation von global agierenden Großunternehmen, München, GRIN Verlag GmbH
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