INHALT
Einleitung 4
1 Adornos Medientheorie 5
1.1 Ideologie der Kulturindustrie - Masse 5
1.2 Zwangsanpassung und Betrug 6
1.3 Ideologische Medien und Regression 8
1.4 Der Sieg des technischen Fortschritts 9
1.5 Vergnügungsindustrie 11
2 Baudrillards Medientheorie 13
2.1 Simulation und die Ideologie des Codes 13
2.2 Demokratie der fraktalen Komponenten 14
2.3 Das Frage-Antwort-Spiel der Medien 15
2.4 Die hyperreale Macht der Medien 16
2.5 Bildschirm, Bildschirm an der Wand 18
3 Vergleichende Gegenüberstellung 20
3.1 Theoretische Grundgesinnung 20
3.2 Marxistisch orientierte Medientheorie? 21
3.3 Manipulierter oder Manipulierer? 22
3.4 Die Bedeutung der technologischen Medien 24
4 Quellenangaben 27
5 Anhang 28
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Einleitung
In den Sozialwissenschaften ist die Frage nach dem Verhältnis von Gesellschaft und Kultur seit je ein zentraler Betachtungs- und Ausgangspunkt für eine Vielzahl unterschiedlicher Theorien und Analysen.
Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass eine bestimmte Gesellschaftsform durch eine bestimmte Kulturform gekennzeichnet ist; beide durchdringen und bedingen einander. Eine Kultur legt mit ihren Werten und Weltauffassungen die Grundlage für soziale Normen, Rollen, Traditionen und Verhaltensweisen, sie stellt gewissermaßen eine (legitimierte) Orientierung für ein gesellschaftliches Zusammenleben dar. Vor diesem Hintergrund ist es zwangsläufig, dass eine Auseinandersetzung mit Kultur/ Gesellschaft Überlegungen zu den jeweiligen zur Verfügung stehenden (und sich wandelnden) Medien nach sich zieht, denn durch sie vermittelt (und verändert) sich Kultur/ Gesellschaft. So wie Sprache an sich schon Kultur hervorbringt, so begründet jedes neue (Kommunikations-)Medium einen neuen, einzigartigen kulturellen Diskurs und gesellschaftlichen Wandel, denn es stellt neue Denk- und Ausdrucksformen zur Verfügung. Hierbei sei hervorgehoben, dass es »gleichgültig« ist welcher Medien wir uns bedienen (Wort, Buch, Bild, Musik, Uhr, Radio, Fernsehen usw.), stets ist unser Denken und Handeln davon eingefärbt. Mit anderen Worten: unsere Weltauffassung wird durch sie reguliert und kontrolliert, ohne dass wir uns über den dahinter verborgenen Mechanismus, geschweige denn einer etwaigen Denk- und Verhaltensänderung, bewusst sind. Im Großen und Ganzen nehmen wir doch jegliches Medium nur als Gebrauchsgegenstand war und über seinen Gebrauch bemerken wir nicht (wollen nicht bemerken?), dass wir dafür den Preis einer Wandlung bezahlen.
Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit den medientheoretischen Überlegungen der Gesellschaftstheorie von Theodor W. Adorno und Jean Baudrillard. Konzeptionell ist die Arbeit in drei Teile gegliedert. Zuerst werden die medientheoretischen Betrachtungen der Kultur-/ Gesellschaftstheorie von Adorno (Teil 1) und Baudrillard (Teil 2) dargestellt, die eine Grundlage für die abschließende Gegenüberstellung (Teil 3) liefern. 1
1 Zitate und Textvergleiche, die sich auf Primärquellen Adornos bzw. Baudrillards beziehen, sind mit A. bzw. B. Angegeben. Der Quellennachweis B. 2004 gründet sich nur auf den von mir angefertigten Notizen zu Baudrillards Vortrag „Die poetische Übertragung der Situation“ vom 27.02.2004 (Kassel), die in den Anhang gestellt sind.
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1 Adornos Medientheorie
1.1 Ideologie der Kulturindustrie - Masse und Profit
Neben der Geschichtsphilosophie naturverfallener Naturbeherrschung und einer Antisemitis-mustheorie ist die Theorie der Kulturindustrie ein Hauptelement der Gesellschaftstheorie Adornos, die auf der Dialektik der Aufklärung basiert. Der Terminus »Kulturindustrie« wurde von Adorno (und Horkheimer) bewusst gewählt, um die darin enthaltende Gesellschaftskritik nicht dem verharmlosenden Charakter des Begriffs »Massenkultur« zu überlassen. Insbesondere die Kulturen fortschrittlicher Industrienationen sind nicht das spontane Ergebnis einer gesellschaftlichen Masse, sondern sind als mehr oder minder bewusst produziertes Massengut anzusehen. Das innenwohnende Motiv aller Kulturgüter/ -produkte ist das des Profits - es wird für die Masse produziert und der Konsum orientiert sich an ihr (vgl. Wiggershaus 1987: 85f). Diesbezüglich kann die Ideologie der Kulturindustrie an zwei wesentlichen Punkten festgemacht werden, welche wiederum Ursprung für weitere ideologisch verklärte Kultur-/ Gesellschaftsmechanismen sind: zum einen die Masse - „die augenfällige Einheit von Makrokosmos und Mikrokosmos“ (A. 2003: 128) - als Leitbild von Kulturmodellen und zum anderen die „Suche nach neuen Verwertungsmöglichkeiten des Kapitals“ (A. 1963: 203), welche sich unter anderem im „Lob des technischen Fortschritts“ (A. 2003: 128) offenbart.
Unter dem Banner des allgegenwärtigen Profitmotivs wird der Mensch als Kunde seiner Subjektivität enthoben und von der Kulturindustrie zum reinen Objekt stereotypisiert, die ihn somit leichter in die Masse der gemeinsam Ohnmächtigen integrieren kann. Das dahinterstehende Interesse ist die Erzeugung von Stabilität im Sinne von Standardisierung und Vereinheitlichung. Dies offenbart sich allein schon in der gesellschaftlichen Tendenz der Status-quo-Bekräftigung auf Seiten der Produktion und der damit einhergehenden Konsumtion (vgl. A. 1970b: 70). So wie der Einzelne in der ganzen Apparatur als Abnehmerobjekt des Immergleichen fungiert, so ist er auch „Anhängsel der [produzierenden] Maschinerie“ (A. 1963: 202) und leistet seinen (‚wichtigen’) Beitrag zur steten Reproduktion des Vorhandenen, das er nach getaner Arbeit konsumieren kann um sich von seinem Arbeitstag zu ‚erholen’ und die Interessen der Kulturindustrie zu bekräftigen. Ist die Kultur in die rationalisierte Regie des ökonomischen Prinzips genommen, so trägt sie dadurch nur umso nachdrücklicher ihrem eigenen Verfall bei. Die Unterdrückung der Spontanität und Autonomie des Einzelnen zugunsten einer ganzheitlichen Beständigkeit der
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Masse und des Systems wird - laut Adorno - langfristig gesehen nur die Früchte ihrer selbstinitiierten Regression ernten können, welche das Produkt der widerstandslosen Übertragung der materiellen Motive auf den Geist eines jeden mit Ich-Schwäche geschlagenen Gesellschaftsmitglieds ist (vgl. A. 1963: 202f).
1.2 Zwangsanpassung und Betrug
In ihrem ganzen Wesen ist Kulturindustrie totalitär (vgl. A. 2003: 144). Der Ideologiestempel dient der Manipulation, die rückwirkend die gewünschten Bedürfnisse/ Ergebnisse des Ähnlichen und Immergleichen hervorbringt. Der Zwangscharakter der Anpassung ersetzt das Bewusstsein; das fungible Einzelteil geht als Abbild des Ganzen in der Ordnung auf. Dies ist das Zeitalter der „Anti-Aufklärung“ (A. 1963: 208), in dem das herrschende System der technischen Rationalität seinen „Feind [...], das denkende Subjekt“ (A. 2003: 158) unaufhörlich bekämpft, bis dieses seine Autonomie an die fortwährende Wiederholung der ideologischen Ordnung verliert und sich nahtlos einfügt. Es wird die Auflösung des Individuums betrieben, das in seiner (hergestellten) Serienqualität des (Da)Seins, die Individualität unterm „Lob des stählernen Rhythmus“ (ebd. 128) vor dem Altar der Pseudoindividualität zu Grabe trägt.
Die duale Ordnung des kapitalistischen Systems von Arbeit und Vergnügen dient letztendlich der verwertbaren Einteilung eines jeden in die Kategorien Produzent und Konsument. D.h., „die sogenannte übergreifende Idee ist eine Registraturmappe und stiftet Ordnung, nicht Zusammenhang“ (ebd. 134). Sofern man sich dieser Ordnung anpasst und der Ubiquität des Kapitalismus zunickt, wird man mit offenen Armen empfangen und an seinen vorgesehenen Platz gebracht. Diesbezüglich ist Individualität eine wichtige Hilfestellung; die Idee des eigenen Wesens dient der Ergänzung der „Hierarchie von Serienqualitäten“ (ebd. 131), so dass jeder Konsument das auf ihn zugeschnittene Produktlevel ohne Nachzudenken erwerben kann. Originalität - so auch die individuelle - ist Teil des Geschäftsprinzips und bekräftigt die Ideologie (vgl. A. 1963: 204).
Der Konsument ist insofern wichtig für die Kulturindustrie, als dass sie ihn als Zahl, als „statistisches Material“ (A. 2003: 131) in die endlosen Reihen ihrer Tabellen einordnen kann, auf welche sie dann verweist, wenn ihre standardisierten Produktketten in Frage gestellt werden. Angesichts von Massen an Nachfragern und ihren Bedürfnissen, sei es unabdingbar, dass man sich einerseits Reproduktionsverfahren bediene, damit andererseits die Standardbedürfnisse der Masse befriedigt werden können (vgl. ebd. 129). Darüber wird nur vergessen,
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dass gerade die Kulturindustrie mit ihrer Ideologie diesen Tatbestand hervorgebracht hat. Alles ist Geschäft, alles muss sich eingliedern und berechenbar sein. Die Bedürfnisse und Wünsche des Einzelnen werden nur erfüllt, wenn er sie an den Gegeben-heiten der Kulturindustrieapparatur ausgerichtet sind und das Subjekt für das System so nur noch als Objekt erfahrbar ist, zudem es ihn gemacht hat (vgl. ebd. 150). In seiner widerstandslosen Akzeptanz der kapitalistischen/ kulturindustriellen Umstände und Ordnungen ist der „Mensch als Gattungswesen hämisch verwirklicht“ (ebd. 154), er stellt nicht mehr als ein vollkommen austauschbares Teilchen für die gesamte Maschinerie dar. Die Objektivierung des Kunden und die Herstellung von Standardgütern ermöglichen es der Kulturindustrie die Irrationalität jedes einzelnen Gesellschaftsmitglieds in das Schema der rationalisierten Vernunft zu packen. Folglich braucht der Kunde die Warenangebote auch nicht mehr klassifizieren, denn sie sind es ja schon (vgl. ebd. 132). Kultur ist zur absoluten Ware verkommen, die in Form von „fertige[n] Clichés, [...] völlig definiert durch den Zweck, der ihnen im Schema zufällt“ (ebd. 133), feilgeboten wird. Dies bedeutet, dass Kultur neben dem Waren- auch einen Reklamecharakter besitzt. Um sich als Ware zu verkaufen und Profit zu erwirtschaften, muss sie quasi in aller Munde sein - Kultur ist zur Werbung für ihre Waren geworden (vgl. ebd. 171). In diesem Sinne gehen Betrug und Ersatzbefriedigung Hand in Hand, denn die angebotene und konsumierte Gewissheit über die Ordnung der Welt ist eine Suggestion, durch welche die Kulturindustrie die Menschen um das bringt, was sie ihnen anbietet (vgl. A. 1963: 208). Grund für diese Versagung von Befriedigung ist die angebetete Ideologie - der Rhythmus der mechanischen Produktion und Reproduktion stellt sich im universalen Sieg der Konformität des Kulturinventars dar (vgl. A. 2003: 142), welcher in „gefrorenen Formtypen“ (ebd.) die „traumlose Kunst fürs Volk“ (ebd. 133) produziert. Das von der Kulturindustrie angepriesene Glück, die Erfüllung der eigenen Wünsche usw. ist, angesichts der untersagten Entfaltung des einzelnen Individuums, Zynismus und trägt trotzdem zu ihrem Sieg bei. „Was sie als Wahrheit draußen auslöscht, kann sie drinnen als Lüge beliebig reproduzieren“ (ebd. 143). Angeboten werden Waren, die lediglich „Nachbilder des Arbeitsvorgangs“ (ebd. 145) sind. So wie das Leben im System in Arbeit und verdientes Vergnügen eingeteilt ist, so beschränkt sich dieses Vergnügen (bspw. als Kino- oder Theaterbesucher) nur auf die Reproduktion eben dieser ideologischen Einteilung. Neben der daraus resultierenden „Heroisierung des Durchschnittlichen“ (ebd. 165), wodurch die ganzheitliche Systemparole repetiert wird, werden Einzelfälle willkürlich herausgegriffen (vgl. ebd. 155), die den Menschen das eigene Schicksal um so deutlicher vor Augen führen.
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1.3 Ideologische Medien und Regression
„Das Wort Medien, das für die Kulturindustrie sich eingeschliffen hat, verschiebt [...] den Akzent ins Harmlose“ (A. 1963: 202), denn Masse, Kulturwaren, Kommunikationstechniken dienen allein der Ideologieverbreitung. Die Medien verdoppeln unablässig den alten Slogan. Somit „erfüllt [Kulturindustrie] höhnisch den Begriff der einheitlichen Kultur“ (A. 2003: 139), indem sie alle geistigen Gebilde dem Prinzip der materiellen Produktion unterstellt (vgl. A. 1963: 203) und die „Stabilisierung autonomiefeindlicher gesellschaftlicher Verhältnisse“ (Wiggershaus 1987: 85) zum übergeordneten Motiv erhebt. Standardisierung, Homogenisierung und die daraus hervorgehende Mentalität tragen der allgemeinen Tendenz des gesellschaftlichen, kulturellen und geistigen Verfalls bei - die ideologisch erwünschte Vermassung ist gekennzeichnet von der Regression. „Nicht umsonst stammt das System der Kulturindustrie aus den liberaleren Industrieländern, wie denn alle ihre charakteristischen Medien, zumal Kino, Radio, Jazz und Magazin, dort triumphieren“ (A. 2003: 140). Was sich als Neuerung bzw. (technischer) Fortschritt darstellt, ist stets Charakteristikum der Massenreproduktion. Technische Verbesserungen sind ein euphemistischer Ausdruck im Zeichen der Produktion des Immergleichen, sie sind lediglich optimalere Verbreitungs- und Verdopplungsmöglichkeiten der ideologischen Ordnungsparolen (vgl. ebd. 144). Die „Macht der Monotonie“ (ebd. 156), die sich alle Differenzen einverleibt und durch Prominenz/ Erfolg mit sich aussöhnt, hat dazu geführt, dass das Allgemeine das Besondere ersetzten kann und umgekehrt (vgl. ebd. 138ff.). Sofern überhaupt noch von einem Stil der Kulturindustrie gesprochen werden kann, ist es „die Negation von Stil“ (ebd. 137). Das Nivellieren der Extreme kennzeichnet den Tatbestand, dass alles Integrierte Mittel zum Zweck ist. Eine Kultur, die jedes Produkt als Propaganda und zur Repetition der Systemidee verwendet und allen Stoff aus ihr bezieht, ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Barbarenkultur (vgl. ebd. 136f). Kurzgeschichte, Sketch, Drama, Kriminalfilm, Schlager, Cartoon usw. sind die Stereotypen der Kulturindustrie, die, mit Hilfe der technischen Apparatur wie Radio, Kino und Fernsehen, ohne Unterlass unter die Menschen gebracht werden. Sie „hämmern [...] die alte Weisheit in alle Hirne, dass die kontinuierliche Abtreibung, die Brechung allen individuellen Widerstandes, die Bedingung des Lebens in dieser Gesellschaft ist“ (ebd. 147). Im „herrschaftlich organisierten Kapitalismus“ (Wiggershaus 1987: 75) geht es um das Funktionieren des Menschen. Die Individuen ihrer Autonomie enthoben und „durch die ökonomische Abhängigkeit und die
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Soz. Julia Dittrich, 2004, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Adornos und Baudrillards Medientheorien, München, GRIN Verlag GmbH
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