Inhalt
1. Einleitung 3
2. Begriffsklärung Sustainable Development (SD) 4
3. Zur Historie - Der Brundtland-Bericht 7
4. Exkurs - Voraussetzungen und Spezifika von Nachhaltigkeitsforschung 11
5. Zur Kritik an einem herrschaftlichen Diskurs in einem kapitalistischen Weltsystem 14
6. Fazit 16
7. Literaturverzeichnis 17
8. Anhang 18
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1. Einleitung
Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung soll das inter- und intragenerative Überleben weltweit langfristig schützen bzw. überhaupt erst ermöglichen. Es soll den Grundstein legen, um aktuelle Katastrophen zu bekämpfen und zukünftige zu verhindern - auf globaler Ebene. Die wachsende Diskrepanz zwischen den Armen und Reichen des Planeten erfordert schnelles, zielgerichtetes Handeln. Doch wie kann nachhaltige Entwicklung aussehen und welchen Macht- und Herrschaftsverhältnissen unterliegt sie? Welche Anforderungen stellt ihre konsequente Umsetzung an die Wissenschaft?
Die vorliegende Seminararbeit behandelt das Thema Sustainable Development (SD) und den mit diesem Konzept einhergehenden neuen Forschungstypus, die Nachhaltigkeitsforschung. Nach der Begriffsklärung wird zunächst die Historie des Konzepts vorgestellt und auf den aus ethnorelativistischer Perspektive umstrittenen Inhalt des dem Konzept zugrundeliegenden Brundtland-Reports verwiesen. Nach einem Exkurs über die Konsequenzen von Sustainable Development für wissenschaftliches Arbeiten folgt eine kritische Betrachtung der Grundannahmen des Konzepts aus Perspektive von Wallersteins Systemtheorie. Die Arbeit stellt somit eine Übersicht der komplexen Thematik auf, zeigt die wichtigsten Streitpunkte auf und widmet sich exemplarisch einigen Teilaspekten in der Tiefe. Die Kapitel 1, 2 und 4 wurden primär anhand des Buches Nachhaltigkeit und Macht - Zur Kritik von Sustainable Development (Eblinghaus und Sticker, 1996) erarbeitet, Kapitel 3 entstand nach Sichtung des Buchs Nachhaltige Entwicklung und Transdisziplinarität (Brand, 2000).
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2. Begriffsklärung Sustainable Development (SD)
Der Begriff Sustainable Development oder das deutsche Pendant "Nachhaltige Entwicklung" begegnet einem in vielerlei Zusammenhang. Ob internationale Entwicklungsagenturen wie die Weltbank, Umweltgruppen, politische Parteien, transnationale Konzerne, Naturwissenschaftler oder Soziologen - alle benutzen dieses Synonym in ihrem individuellen Sinn und diskutieren über seine Inhalte. Doch wo kommt dieser Begriff eigentlich her? Eine Zerlegung des Begriffs:
Das deutsche Adjektiv „nachhaltig" leitet sich von dem Substantiv „Nachhalt" ab, was laut Duden etwas bezeichnet, "das man für Notzeiten zurückbehält". Die Forstwirtschaft nutzte das Prinzip der Nachhaltigkeit erstmals im 16. Jahrhundert, doch erst 200 Jahre später fand der Begriff systematische Verwendung. Aufgrund exzessiver Rodungen und Zerstörung großer Waldflächen während des 30jährigen Krieges musste ein Konzept entwickelt werden, das eine langfristige ökonomische Nutzung des Waldes ermöglichen sollte. Dieses besagte schließlich, dass nur so viele Bäume geschlagen werden dürfen, wie in einem bestimmten Zeitraum wieder nachwachsen oder gepflanzt werden (vgl. Nutzinger & Radke 1995). Das Prinzip wurde von anderen Staaten übernommen und stetig erweitert, beispielsweise um den Schutz vor Bodenerosion. In den 1970er Jahren wurde der Begriff im Zusammenhang mit der Diskussion um fossile Energieträger verwendet.
Da sich das Prinzip der Nachhaltigkeit stets auf die Nutzung erneuerbarer Ressourcen bezog, die industrielle Produktion aber ein Absinken der Ressourcenmengen zur Folge hat, ist eine Übertragung auf die industrielle Weltwirtschaft, wie sie nun erfolgt ist, eigentlich nicht zulässig. Dieses Problem wird mittels der Annahme umgangen, dass durch technischen Fortschritt in künftigen Generationen Wohlstand - mit geringerem Verbrauch von nichterneuerbaren Ressourcen als heute - möglich ist. Doch wie lassen sich die Wertmaßstäbe künftiger Generationen voraussagen?
Der Begriff der Entwicklung kann, je nach Bezugspunkt, verschiedene Bedeutungen haben. Allgemein lässt sich sagen, dass „Entwicklung" einen Prozess beschreibt, der zu einem als besser empfundenen Zustand führt. An dieser Definition wird bereits deutlich, dass die Ausprägung einer Entwicklung stets subjektiv ist. Ob eine Entwicklung positiv oder negativ bewertet wird, hängt vom Betrachter ab. Welche Entwicklungswege verfolgt werden sollen, ist somit u.a. von normativen Festschreibungen abhängig.
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Dies führt zu der grundlegenden (sprach)philosophischen Frage, ob der Entwicklungsbegriff etwas Gegenteiliges braucht, um verstanden werden zu können, nämlich den der Unterentwicklung. Die soziale Konstruktion der Wirklichkeit setzt demnach einen Begriff mit gegenteiligem Inhalt voraus.
Der Begriff der „unterentwickelten Gebiete", „Entwicklungsländer“, „Dritte Welt-Länder“ usw. fasst im allgemeinen Sprachgebraucht die Vielfalt der Lebensformen im südlichen Teil des Globus handlich in eine einzige Kategorie zusammen. Diese Art des ethnozentristischen Denkens stellt Prozesse als linear und eindimensional vor und führt, worauf in Kapitel 4 noch näher einzugehen sein wird, im gesamten grundlegenden Konzept von Sustainable Development zu Problemen (vgl. Eblinghaus und Sticker 1996).
Bei Sustainable Development handelt es sich um ein Leitbild, um ein Konzept, an dem sich oben genannte Institutionen orientieren. Letztlich ist es aus dem Diskurs um Umwelt und Entwicklung hervorgegangen. Globale ökologische und weltweit wachsende Armutsprobleme werden hier als systematisch miteinander verknüpfte Krisenphänomene wahrgenommen, als Teil einer einzigen Krise der Moderne. Ökonomische, soziale und ökologische Entwicklungen werden als innere Einheit gesehen (siehe das sog. Nachhaltigkeitsdreieck). Das Konzept beruht auf der optimistischen Annahme, dass ökologische und Armutsprobleme keine grundsätzliche Grenze für die Entwicklung der Moderne darstellen, sondern dass die „über den Kopf gewachsenen" Probleme mit neuen Strategien wieder in den Griff zu bekommen sind (vgl. Hauff, 1987). Umsetzungsversuche nachhaltigkeitsorientierter Projekte sollen durch offizielle Papiere, wie z.B. die Agenda 21 (siehe Auszug im Anhang), auf lokaler und institutioneller Ebene politischen Rückenwind und erhöhte Legitimität bekommen. Letztlich steht im Fokus der Nachhaltigkeit die Befriedigung und langfristige Sicherung menschlicher Bedürfnisse. Der Begriff Sustainable Development wurde durch den Brundtland-Bericht (1987) populär (siehe Kapitel 2), von dem das Leitbild abgeleitet wurde.
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Arbeit zitieren:
Christoph Behrends, 2001, Reichweiten und Grenzen des Konzepts der Nachhaltigen Entwicklung / Sustainable Development, München, GRIN Verlag GmbH
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