I. Inhaltsverzeichnis I
I. Inhaltsverzeichnis
I. INHALTSVERZEICHNIS I
II. ABBILDUNGSVERZEICHNIS. IV
III. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS V
1. EINLEITUNG 1
1.1. Hintergrund, Zielsetzung und Relevanz der Diplomarbeit 1
1.2. Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes. 3
2. GRUNDLAGEN DER TOURISMUSINDUSTRIE UND DER
UMWELTPROBLEMATIK. 4
2.1. Tourismusindustrie 4
2.1.1. Bedeutung der Natur für den Tourismus 5
2.1.2. Touristische versus natürliche Ressourcen 6
2.2. Umwelt 7
2.2.1. Umweltproblematik 8
2.2.2. Umweltbewusstsein, Umweltwissen und Umweltverhalten 10
2.2.3. Umweltpolitik und Umweltschutz. 12
3. NEGATIVE UMWELTEINWIRKUNGEN DER
TOURISMUSINDUSTRIE UND ÖKOLOGISCHE FOLGEN. 15
3.1. Wasserverbrauch und Gewässerbelastung. 15
3.2. Küstenveränderung und Zerstörung küstennaher Ökosysteme 19
3.3. Artengefährdung, Vegetationsgefährdung, Flächenverbrauch und
Landschaftszerst örung 22
3.4. Abfallaufkommen 30
I. Inhaltsverzeichnis II
3.5. Energieverbrauch, Luftbelastung und Treibhauseffekt. 33
4. RELEVANTE AKTEURE IM TOURISMUS. 37
4.1. Politik 37
4.1.1. Bundesregierung. 38
4.1.2. Bundesländer 40
4.1.3. Kommunen 41
4.1.4. Europäische Gemeinschaft 42
4.2. Privatwirtschaft 44
4.2.1. Reiseveranstalter 44
4.2.2. Beherbergungs- und Gastgewerbe. 45
4.2.3. Verkehrs- und Transportunternehmen. 46
4.3. Nichtregierungsorganisationen 48
5. VERBRAUCHER- UND INDUSTRIESCHUTZ VERSUS
UMWELTSCHUTZ. 49
5.1. Ursachen für das Fehlverhalten touristischer Akteure und erste Lösungsansätze bei
umweltrelevanten Themen. 49
5.1.1. Tourismusbranche. 50
5.1.2. Staat und Gesetzgebung. 57
5.1.3. Reisende 59
5.2. Wertestruktur der Gesellschaft im Hinblick auf die Umwelt 63
5.2.1. Konsumverhalten- und Konsumveränderung im Tourismus. 65
5.2.2. Touristenschutz versus Umweltschutz. 68
6. BEDINGUNGEN FÜR EIN UMWELTMANAGEMENT VON
REISEVERANSTALTERN 71
6.1. Umweltbeauftragte und Umweltbetriebsführung 71
6.2. Umweltmanagement- und Umweltinformationssysteme 72
6.3. Kooperationen und Verhaltenskodizes 75
6.3.1. Potentiale und Chancen von Verhaltenskodizes. 76
6.3.2. Schwächen von Verhaltenskodizes 78
I. Inhaltsverzeichnis III
6.4. Bestrebungen verschiedener Akteure hinsichtlich umweltorientierter
Tourismuskodizes und eines umweltgerechten Tourismushandelns 79
6.4.1. World Wide Fund For Nature 80
6.4.2. „forum anders reisen“ 85
6.4.3. Tour Operators Initiative 87
6.4.4. Viabono. 88
7. UMSETZUNG UND ENGAGEMENT VON REISEVERANSTALTERN
IM UMWELTMANAGEMENT. 90
7.1. TUI - Touristik Union International. 92
7.2. REWE Touristik 99
7.3. Studiosus Reisen München GmbH 104
7.4. FTI Touristik 108
7.5. Schlussfolgerungen und Kritik zu den Bestrebungen der Reiseveranstalter. 109
8. INVESTITIONEN IN TOURISMUSFORSCHUNG UND
MONITORING 112
9. RESÜMEE UND ZUKUNFTSAUSBLICK 114
IV. ANHANG. VII
V. LITERATURVERZEICHNIS. IX
VI. RECHTSPRECHUNGSVERZEICHNIS XXVIII
II. Abbildungsverzeichnis
II. Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Die größten Umweltprobleme unserer Zeit
Abbildung 2: Einfluss der flugbed. Emissionen auf die Atmosphäre
Abbildung 3: Konsequenzen des Treibhausgasausstoßes
Abbildung 4: Radiative Forcing Index (RFI)
Abbildung 5: TUI Umwelt-Zone.
Abbildung 6: Die Erderwärmung bezogen auf die Reisestrecke
Abbildung 7: Die Erderwärmung bezogen auf die Reisezeit
Abbildung 8: Bewertungsdetails / Mindeststandards TUI Umwelt Champions
III. Abkürzungsverzeichnis V
III. Abkürzungsverzeichnis
a. a. O. am angegebenen Ort
AG Amtsgericht
akte Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung
Anm. d. Verf. Anmerkung des Verfassers
AWPA Animal Welfare and Protection Association
B.A.U.M. Bundesdeutscher Arbeitskreis für Umweltbewusstes
Management e.V.)
BDIH Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunter-
BfN Bundesamt für Naturschutz
BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
CITES Convention on the International Trade in Endangered
Species of wild fauna and flora
D.A.R.T. Dortmunder Arbeitskreis Raumplanung und Tourismus
DANTE Die Arbeitsgemeinschaft für Nachhaltige Tourismus
Entwicklung
DNWE Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik
DRV Deutscher Reisebüro und Reiseveranstalter Verband e. V.
ebd. ebenda
ECPAT End Child Prostitution, Child Pornography and the
Trafficking of Children for Sexual Purposes
EFRE Europäischer Fonds für regionale Entwicklung
III. Abkürzungsverzeichnis VI
e. g. lat. exempli gratia (zum Beispiel)
EMAS Eco-Management and Audit Scheme
et al. lat. et alii (und andere)
EUROPARC European Charter for Sustainable Tourism in Protected
Areas
EWG Europäische Wirtschaftsgemeinschaft
f. folgende
ff. fortfolgende
F.U.R. Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V.
FCKW Fluorchlorkohlenwasserstoffe
FEE Foundation for Environmental Education
FFH Flora-Fauna-Habitat
GATE Gemeinsamer Arbeitskreis für Tourismus und Ethnologie
GRD Gesellschaft zur Rettung der Delphine
ICAO International Civil Aviation Organization
IPCC Intergovernmental Panel on Climate Change
KATE Kontaktstelle für Umwelt & Entwicklung
LG Landgericht
M.E.E.R. Mammals - Säugetiere, Encounters - Begegnung,
Education - Bildung, Research - Erforschung
nfi Naturfreunde Internationale
NGO Non-governmental Organization
NJW Neue Juristische Wochenschrift
OLG Oberlandesgericht
Ö.T.E. Ökologischer Tourismus in Europa (Bonn)
III. Abkürzungsverzeichnis VII
OECD Organisation for Economic Co-operation and Development
ÖKOPROFIT ÖKOlogisches PROjekt Für Integrierte UmweltTechnik
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr
RTH REWE Touristik Hotels & Investments GmbH
TIES The International Ecotourism Society
TOI Tour Operators Initiative
TRAFFIC Trade Records Analysis of Flora and Fauna in Commerce
TUI Touristik Union International
UNEP United Nations Environment Programme
UNESCO United Nations Educational, Scientific
and Cultural Organization
UNWTO World Tourism Organization (United Nations)
VCD Verkehrsclub Deutschland
viz. lat. videlicet (namentlich)
VuR Verbraucher und Recht
WTTC World Travel and Tourism Council
WWF World Wide Fund For Nature
1. Einleitung 1
1. Einleitung
1.1. Hintergrund, Zielsetzung und Relevanz der Diplomarbeit
Bereits zu Beginn meines Studiums war mir bewusst, dass ich mich während dieses durch entsprechende Seminararbeiten und sodann auch bei der Verfassung meiner Diplomarbeit mit einem ethischen Aspekt des Tourismus ausei-nandersetzen möchte. Zwar war mir die folgende Problematik als Tier- und Umweltschützerin nicht gänzlich unbekannt, jedoch wollte ich diesbezüglich mein Wissen vertiefen.
Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit zwei größeren Themen: Zum einen mit der Problematik der tourismusinduzierten negativen Umwelteinwirkungen und deren ökologischen Folgen, zum anderen mit dem Wandel hin zum umweltgerechten Handeln bzw. Umweltmanagement touristischer Akteure, die bemüht sind, die negativen Einwirkungen des Tourismus auf die Umwelt zu minimieren oder zu kompensieren. Beide Themen werden ausführlich erörtert und mit wichtigen Hintergrundinformationen, wie den unterschiedlichen touristischen Akteuren, deren Fehlverhalten hinsichtlich Umweltbeeinträchtigungen und möglichen Verbesserungsansätzen, ergänzt. Es soll aufgezeigt werden, ob die neuen Herausforderungen seitens Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Tourismusbranche effizient angegangen werden und wie die Tourismusindustrie mit diesen umzugehen vermag.
Um die Aktualität der Diplomarbeit gewährleisten zu können, muss neben wissenschaftlichen Fachbüchern- und Fachzeitschriften aufgrund der gegenwärtigen themabezogenen Diskussionen ebenso auf Internetquellen zugegriffen werden.
Nicht zuletzt durch den Klimawandel und die damit einhergehenden Auswirkungen ist das ökologische Verständnis der Reisenden in den letzten Jahren ge- wachsen und die negativen Einwirkungen der Tourismusindustrie in das Be-
1. Einleitung 2
wusstsein eines Jeden gerückt. Die globalen Umweltprobleme werden bereits seit den 80ern stärker diskutiert. Viele Jahre, Studien, Konferenzen und Veröffentlichungen später, wurde, so Müller, die heutige Generation in eine heikle Lage versetzt, denn wir könnten nun nicht mehr behaupten, nicht gewusst zu haben, wie groß die Konsequenzen unseres Handelns sind. 1
Im Jahre 2007, durch die Veröffentlichung des vierten Sachstandsberichtes des „Intergovernmental Panel on Climate Change“ IPCC (deutschsprachige Zusammenfassung: „Klimaänderung 2007“) über die Folgen des weltweiten Kli-mawandels, kam es zu großem Aufsehen, da der dringende Handlungsbedarf der Menschheit bezüglich des Klimawandels und dessen Umweltauswirkungen verdeutlicht wurde. Aber auch der erfolgreiche Dokumentarfilm des früheren USA-Präsidenten Al Gore „Eine unbequeme Wahrheit“, für den er den Friedensnobelpreis erhielt, rüttelte die Gesellschaft auf. Seit dem IPCC-Bericht häufen sich ähnliche Veröffentlichungen fast täglich. So spricht der WWF (World Wide Fund For Nature) in seinem „Living Planet Report 2008“ (eine der international bedeutendsten Studien über den allgemeinen Zustand der Erde) davon, dass, falls der Verbrauch an natürlichen Ressourcen weiter vorangeht wie bisher, bis zum Jahre 2035 zwei Planeten Erde benötigt werden, um den Bedarf an Energie, Nahrung und Fläche zu decken. Der „Living Planet Report 2008“ kommt weiterhin zum Ergebnis, dass der Raubbau an der Erde immer dramatischere Formen annimmt und so groß ist, wie nie zuvor. Hauptverantwortlich dafür sind vor allem der steigende Ressourcenverbrauch, Entwaldung, der von Menschen verursachte Klimawandel, die Umweltverschmutzung und Überfischung. Hieraus resultierend würden wichtige Ökosysteme zerstört, Arten ausgerottet und Wasserreserven verknappt. 2 Der Natur-schutzdirektor des WWF Christoph Heinrich führt hierbei aus: „Die ökologische Krise wird uns um ein Vielfaches härter treffen als die aktuelle Finanzkrise […]“. „Wir nehmen ökologische Schulden auf, indem wir uns über die Grenzen hinwegsetzen. Dadurch untergraben wir die Stabilität der Lebensräume und ge-
1 Vgl. Müller,H. R., Tourismus und Ökologie, 2. Aufl., 2003, S. XVIII.
2 WWF „Living Planet Report 2008“, WWF International, Schweiz (Hrsg.), Oktober 2008, 48 Seiten
sowie Pressemitteilung WWF vom 29.10.2008, www.wwf.de/presse/details/news/living_planet_
report_2008/ (Stand 31.10.2008).
1. Einleitung 3
fährden letztendlich unser eigenes Wohlergehen. Denn jede Schuld muss irgendwann mit Zinsen zurückgezahlt werden - auch bei der Natur.“ Klaus Tonner, Jurist und Professor für Bürgerliches und Europäisches Recht, führte bereits im Jahre 1992 in der juristischen Fachzeitschrift „Verbraucher und Recht“ unter dem Titel „Reiserecht und Umweltschutz“ aus, dass, wenn sehr viele Menschen das Ziel Reisen als Gegenpol zur industrieller Arbeit zur gleichen Zeit in der gleichen Gegend suchen, zwangsläufig die Voraussetzungen für das, was sie suchen, zerstören. 3 Da die Natur die Basis des Tourismus darstellt - und nicht nur deswegen müssen negative Effekte des Tourismus verhindert werden -, werden auch in der Tourismusbranche immer mehr Vorschläge entwickelt, wie man die negativen tourismusinduzierten Umweltauswirkungen minimieren bzw. vermeiden, reflektive, wie man die Umweltverantwortung stärken kann, denn es gilt schließlich auch in der Tourismusbranche das Ziel der langfristigen Sicherung der Unternehmen.
1.2. Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes
Es versteht sich von selbst, dass der Tourismus nicht der Hauptschädigende der Umwelt bzw. nicht allein für den Klimawandel verantwortlich ist. Tourismus bringt nicht nur Negatives mit sich. Vielerorts wird er als Notanker und Retter gesehen, indem er Einkünfte für die lokale Bevölkerung sichert, die es indes unnötig machen, Wälder zu roden und somit den Lebensraum der Tiere zu zerstören und Wilderei zu betreiben. So sind die Erlöse aus dem Tierbeobachtungstourismus vor allem in den Entwicklungsländern oft eine wichtige Finanzierungsquelle für Naturschutzprojekte und den Erhalt von Schutzgebieten. Gleichzeitig werden durch den Tourismus oft Forschungsarbeiten zum Naturschutz finanziert.
Jedoch konzentriert sich die vorliegende Diplomarbeit ausschließlich auf die negativen Einwirkungen des Tourismus auf die Umwelt.
3 Vgl. Tonner, K., Reiserecht und Umweltschutz, In: Verbraucher und Recht, 1992, S. 13.
2. Grundlagen der Tourismusindustrie und der Umweltproblematik 4
Weiterhin können an dieser Stelle nicht alle Umweltschäden, die der Tourismus verursacht, beleuchtet werden. Einerseits reicht hierfür der vorgegebene Umfang der Diplomarbeit nicht aus, andererseits sind längst nicht alle Tourismusauswirkungen auf die Natur tatsächlich erforscht bzw. empirisch belegt, oder es fehlt der direkte Zusammenhang zwischen dem Tourismus und den umweltschädigenden Wirkungen, da touristische Umweltbelastungen sehr schwierig isoliert zu messen und zu bewerten sind.
2. Grundlagen der Tourismusindustrie und der Umweltproblematik
2.1. Tourismusindustrie
Unter dem Begriff Tourismusindustrie werden alle Organisationen und Unternehmen verstanden, die ausschließlich oder teilweise für Touristen Leistungen für die Vorbereitung, den Ortswechsel oder den Aufenthalt vor Ort erbringen. Dazu zählen sowohl Gastronomiebetriebe, Transportunternehmen, Unterkunftsbetriebe, Reisebüros und Reiseveranstalter, Museen, Fremdenverkehrsvereine, als auch Bäcker und Friseure etc., die einen Teil ihrer Waren und Dienstleistungen an Touristen verkaufen. 4
70 % des weltweiten Tourismusgeschäftes liegt in der Hand mittlerer und kleiner Unternehmen, so die Schätzungen des WTTC (World Travel and Tourism Council). Dominiert wird das Tourismusgeschehen jedoch von den großen Konzernen der Tourismusindustrie. Die drei deutschen Reisekonzerne TUI, Thomas Cook und Rewe Touristik führen die Top-50-Liste der europäischen Touristik an.
Das Jahr 2007 war für den internationalen Tourismus erneut ein „Rekordjahr“. Insgesamt wurden im Jahre 2007 weltweit 898 Millionen Auslandsreisen unternommen. Dies sind 6 % mehr als noch im Jahre 2006. 5 Für die internationalen Reisen wurden im Jahre 2007 insgesamt 682 Milliarden US Dollar ausgegeben,
4 Vgl. Freyer, W., Einführung in die Fremdenverkehrsökonomie, München, Wien, 2001, S. 17 f.
5 Vgl. Deutsche Zentrale für Tourismus e. V., Jahresbericht 2007, Deutschland Das Reiseland, 2007,
S. 11.
2. Grundlagen der Tourismusindustrie und der Umweltproblematik 5
das sind mehr als 2 Milliarden pro Tag. Rechnet man die Transportkosten der internationalen Reisen von 130 Milliarden US Dollar hinzu, belaufen sich die Einnahmen der internationalen Tourismusindustrie auf über 800 Milliarden US Dollar. Im Vergleich dazu, wurden im Jahre 1950, weltweit „nur“ 25 Millionen internationale Reisen registriert, für die gerade einmal 2,1 Milliarden US Dollar ausgegeben wurden. 6 Laut UNWTO werden sich die internationalen Reisen bis zum Jahre 2020 auf 1,56 Milliarden verdoppeln und die Ausgaben dafür sogar auf 2 Billionen US Dollar vervierfachen. 7
2.1.1. Bedeutung der Natur für den Tourismus
Tourismus galt lange Zeit als die „weiße Industrie“ und somit waren die ökologischen Auswirkungen lange nicht angesprochen worden, obwohl bereits in den 70ern Kritik in dieser Hinsicht ausgeübt wurde.
Die Natur hat im Tourismus ohne Zweifel eine enorm hohe Attraktivitäts- und Erholungsfunktion und stellt die Grundlage von Freizeit- und Tourismusaktivitäten dar. Egal ob Baden, Schwimmen, Tauchen oder Surfen in Gewässern, Wandern, Skifahren, Bergsteigen, Mountainbiken, Paragliden und Deltasegeln auf Hügeln und Bergen. 8 Gästebefragungen belegen immer wieder die große Bedeutung der Natur für den Tourismus. Daran wird sich wohl auch in den nächsten Jahren nichts ändern, so Müller, denn die Prognosen deuten daraufhin, dass Reisende „zu grünen Zielen“ tendieren und die Zukunft denjenigen Ferienwelten gehört, wo die Natur intakt, sowie die Landschaft sauber ist. 9 Nicht zuletzt durch den erhöhten Stress im Berufsleben, ist das Bedürfnis nach Naturnähe immer größer. Daraus folgt zweifellos auch die Nachfrage nach naturbewusstem Reisen. Hierbei kommt man jedoch nicht umhin, sich zu fragen, wie diese gegensätzlichen Tendenzen, einerseits der Naturgenuss, und
6 Vgl. UNWTO, Facts & Figures, www.unwto.org/index.php# (Stand 30.11.08).
7 Vgl. ebd.
8 Vgl. Müller, H. R., Tourismus und Ökologie, a. a. O., 2003, S. 4.
9 Vgl. Müller, ebd., S. 5.
2. Grundlagen der Tourismusindustrie und der Umweltproblematik 6
andererseits die negativen Einflüsse auf die Umwelt durch die Erholung in der Natur, in Einklang zu bringen sind.
So wurde in einer Untersuchung der Uno-Universität in Tokio im Jahre 2001 der Tourismus in einem Atemzug mit der generellen Umweltverschmutzung, dem Abholzen der Wälder etc., als Hauptgefahr bezeichnet. 10 Es kann nicht mehr bestritten werden, dass Reisen zu vielfältigen Umweltbelastungen führt. Gerade dadurch, dass der Tourismus, wie wohl keine andere Wirtschaftsform, auf eine intakte Natur angewiesen ist, sind die Tourismuseinwirkungen auf die Umwelt umso gravierender. Umweltbelastungen reduzieren den Erholungs- und den Attraktivitätswert der Natur. Dies führt wiederum zu noch billigeren und wertschöpfungsschwächeren Tourismusformen. Es ist ein Teufelskreis, der aufzeigt, dass sich der Tourismus durch diesen selbst zerstört. 11 Die Verletzlichkeit der Umwelt und deren Unwiederbringbarkeit ist jedoch in dem Bewusstsein der Reisenden noch nicht so verankert, wie die Einsicht, dass eine intakte Umwelt das Kapital des Tourismus darstellt.
2.1.2. Touristische versus natürliche Ressourcen
Ressourcen sind endlich. Sie werden seit jeher von Menschen genutzt. Im Gegensatz zu heute, befriedigten die Menschen früher ihre Bedürfnisse ohne den Bestand der für sie wichtigen natürlichen Ressourcen zu gefährden. In der Tourismusbranche wird oft von touristischen Ressourcen und natürlich auch davon, dass diese das Kapital des Tourismus darstellen, gesprochen. So heißt es in Reisebeschreibungen nicht selten, ein Tourismusort wäre reich an touristischen Ressourcen. Problematisch ist hierbei jedoch, dass es laut Kritikern, wie dem Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE), touristische Ressourcen
10 Vgl. Müller, ebd.
11 Vgl. Müller, ebd., S. 7,.
2. Grundlagen der Tourismusindustrie und der Umweltproblematik 7
gar nicht gibt. 12 So gibt es nur natürliche Ressourcen, die durch den Tourismus genutzt werden, wobei laut DNWE auch im Tourismus [wie in jeder anderen Wirtschaftsbranche] 13 alles produziert wird, was sich absetzen lässt. 14 Unter natürlichen Ressourcen versteht man indes alle vom Menschen ökonomisch oder kulturell in Wert gesetzten Teile der Natur. 15 Es gibt mehrere Arten von natürlichen Ressourcen: Solche, die nicht erneuerbar sind, weil sie in so großen Zeiträumen entstehen, dass sie sich innerhalb menschlicher Zeithorizonte nicht erneuern können, solche, die recyclebar sind, z. B. Mineralien und Metalle und solche, die durch die Nutzung zerstört werden, wie fossile Brennstoffe und das Grundwasser. Indes basieren erneuerbare Ressourcen meist auf Sonnenenergie oder Erdwärme. Andere natürliche Ressourcen sind z. B. die Schönheit und der Erholungswert einer Landschaft. 16 So wären in einer Tourismusregion Beispiele für natürliche - und nicht touristische - Ressourcen die Wasservorkommen, die biologische Vielfalt der Arten und die Lebensraumtypen bzw. Biotope mit ihren unterschiedlichen Funktionen, energetische Ressourcen etc.
Die immer größeren Konsumansprüche der Menschheit - auch im Tourismussprengten längst die Regenerationsfähigkeit der natürlichen Ressourcen mit bedrohlichen Folgen für die Umwelt und rückwirkend auch für die Menschheit selbst.
2.2. Umwelt
„Umwelt“ als Begriff ist geprägt durch die anthropogene Sichtweise der Menschen. Dieselbige ist als die, die Menschen umgebenden Medien (Wasser,
12 Vgl. Fuchs, H. / Kamp, C., Deutsches Netzwerk Wirtschaftsethik, Forum Wirtschaftsethik,
9. Jahrgang/Nummer 3-4, Dezember 2001, ISSN 0947-756X-Konstanz, Wohin geht die Reise?
Ethische Problemlagen im Tourismus und Ansätze zu ihrer Lösung, www.dnwe.de/forum/
h2001_3/01.htm (Stand 22.10.08).
13 Anm. d. Verf.
14 Vgl. Fuchs, H., et al., a. a. O.
15 Vgl. Department of Geography at the University of Zurich, Prof. Dr. H. Haefner: Natürliche
Ressourcen - Potenzial und Begrenzung, Bearbeitungsstand: 12.10.99, www.geo.unizh.ch/
~uruetsch/ggzf/Ressourcen.html (Stand 15.01.2009).
16 Vgl. ebd.
2. Grundlagen der Tourismusindustrie und der Umweltproblematik 8
Boden, Luft etc.) und aller darin lebenden Organismen, definiert. Den Begriff einer neueren Umwelt führte der baltische Biologe und Nobelpreisträger Jakob Johann von Uexküll, späterer Professor in Hamburg und Gründer des Institutes für Umweltforschung, 1921 als Ökologie-Zentralbegriff ein. 17 Aus der Überlegung heraus, dass die Menschen nur mit der Natur überleben können, wäre laut Experten der Begriff „Mitwelt“ angebrachter. 18 Jedoch wird „Umwelt“ heute oft auf die Umwelt des Menschen sowie seine Auswirkungen auf das Ökosystem beschränkt. Die unterschiedliche Betrachtung der Umwelt und die entsprechend sektoralen Maßnahmen sind nur einige Gründe, warum trotz vielfältiger Maßnahmen und Aktivitäten eine Trendwende in der Umweltzerstörung indes noch nicht absehbar ist. Hierfür ist insbesondere ein Umdenken im menschlichen Verhalten gegenüber der Umwelt notwendig. 19 Menschen sind die einzigen Lebewesen, die die Umwelt auf der Erde tatsächlich aktiv und in größerem Umfang verändern bzw. schädigen.
2.2.1. Umweltproblematik
Die Belastung und Zerstörung von Ökosystemen schreitet stets fort und ein Rückgang der Artenvielfalt ist weltweit zu beobachten. 20 Umweltverschmutzung und Ressourcenverbrauch gehören zu den größten Problemen unserer Gesellschaft. Jeder wird feststellen können, dass Diskussionen über die Klimaveränderung, das Artensterben, Luft- und Wasserverschmutzung etc. immer mehr Einkehr in unser Leben finden und schon lange nicht nur die Wissenschaftler beschäftigen. Die Ursache der Umweltproblematik liegt in unserem Handeln. Eine Befragung von 200 Experten durch die UNEP im Jahre 2000 auf die Frage
17 Vgl. Hofer, S., Die Ökologie der Literatur, Eine systemtheoretische Annäherung, Transcript Verlag,
2007, S. 128.
18 Vgl. Institut für angewandte Umweltforschung Katalyse, Umweltlexikon Online,
www.umweltlexikon-online.de/fp/archiv/RUBrechtmanagement/Umwelt.php (Stand 10.01.09).
19 Vgl. ebd.
20 Vgl. Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.), Biodiversität und Tourismus, Konflikte und Lösungsansätze
an den Küsten der Weltmeere, Springer Verlag Berlin-Heidelberg, 1997 a, S. 4.
2. Grundlagen der Tourismusindustrie und der Umweltproblematik 9
nach den größten Umweltproblemen des 21. Jahrhunderts ergab folgende Ergebnisse (Abb. 1):
Befragung von 200 Experten: Die größten Umweltprobleme unserer Zeit Befragung von 200 Experten: Die größten Umweltprobleme unserer Zeit
Anzahl Nennungen in % Anzahl Nennungen in %
50 50 40 40 30 30 20 20 10 10 0 a w a n d e l a w a n d e l ü l l d e p o n i e n ü l l d e p o n i e n V e r s t ä d t e r u n g V e r s t ä d t e r u n g i k a l i e n i k a l i e n z o n l o c h z o n l o c h ü s t e n b i l d u n g ü s t e n b i l d u n g u t z u n g u t z u n g E n e r g i e v e r b r a u c h E n e r g i e v e r b r a u c h B o d e n e r o s i o n B o d e n e r o s i o n a s s e r k n a p p h e i t a s s e r k n a p p h e i t V e r l u s t d e r A r t e n v i e l f a l t V e r l u s t d e r A r t e n v i e l f a l t e u t z u n g u t z u n g k o s y s t e m k o s y s t e m
C h e m C h e m L u f t v e r s c h m L u f t v e r s c h m a s s e r v e r s c h m a s s e r v e r s c h m O K l i m K l i m
d e r Ö d e r Ö M
W
W
S t ö r u n g S t ö r u n g
W Umweltprobleme Umweltprobleme
Abbildung 1: Die größten Umweltprobleme unserer Zeit
Quelle: Eigene Erstellung, angelehnt an UNEP 2001.
Auch, wenn nachgewiesen ist, dass unser Handeln zu Umweltzerstörungen führt, ist die Diskrepanz zwischen dem Umweltbewusstsein und dem Umweltverhalten sehr groß. Hierüber entscheidet laut Grob unser Wertesystem. Er hat bereits im Jahre 1991 ausgeführt, dass das Verhalten im Umweltbereich stark von den persönlichen Werthaltungen abhängt und dass diese sogar wichtiger sind, als unser Umweltwissen. 21 In der Realität würde dies bedeuten, dass die Menschen die falschen Werthaltungen haben und nur eine „richtige“ Werthaltung dazu führen würde, die Umweltprobleme zu lösen, denn nur in diesem
21 Vgl. Grob, A., Meinungen, Verhalten, Umwelt, Ein psychologisches Ursachennetz-Modell
umweltgerechten Verhaltens, Bern: Lang, 1991, S. 199.
2. Grundlagen der Tourismusindustrie und der Umweltproblematik 10
Falle würden wir, trotz unseres schon jetzt vorhandenen Wissens, wirklich erkennen, dass man sich nicht umweltschädlich verhalten darf. 22
2.2.2. Umweltbewusstsein, Umweltwissen und Umweltverhalten
Umweltbewusstsein umfasst nach Hirsch vier Einstellungen: Umwelterleben bzw. Umweltbetroffenheit, Umweltwissen, umweltbezogene Wertorientierungen und umweltrelevante Verhaltensintensionen. 23 Das Umweltbewusstsein wird durch die gefühlsmäßigen Komponenten „Umwelterleben“ bzw. „Umweltbetroffenheit“ dargestellt. Beim Umweltwissen geht es um das Verständnis ökologischer Zusammenhänge. Umweltbezogene Wertorientierungen stellen die persönliche Haltung gegenüber der Umwelt dar und die umweltrelevanten Verhaltensintentionen sind Absichten hinter bestimmen Handlungen, die die Umwelt betreffen. 24 So zeigen viele Untersuchungen, dass das Umweltbewusstsein der Gesellschaft zwar einerseits hoch ist, andererseits das Verhalten mit diesem Umweltbewusstsein in keinster Weise korreliert. Das Umweltbewusstsein von Touristen zeigt sich zwar daran, dass ein großer Teil Umweltprobleme an ihrem Urlaubsort wahrnimmt, jedoch bedeutet dies nicht, dass es sodann zu entsprechenden Verhaltensänderungen kommt. Hierbei kann man auch nicht annehmen, dass das Umweltverhalten nur vom Umweltbewusstsein abhängig ist. 25 Diekmann führte seinerzeit aus, dass dieses Phänomen in der so genannten Kollektivgutproblematik besteht, denn eine intakte Umwelt (z. B. die Luft zum Atmen) stellt ein Kollektivgut dar, was bedeutet, dass niemand bei der Benutzung ausgeschlossen werden kann 26 und der
22 Vgl. ebd.
23 Vgl. Hirsch, G., Wieso ist ökologisches Handeln mehr als nur eine Anwendung ökologischen
Wissens? Überlegungen zur Umsetzung ökologischen Wissens in ökologisches Handeln, in: GAIA,
Jg. 2, 1993, H. 3, S. 141-151.
24 Vgl. Müller, H. R., 2003, a. a. O., S. 47 f.
25 Vgl. Liebe, U., Zahlungsbereitschaft für kollektive Umweltgüter : Soziologische und ökonomische
Analysen, VS Verlag, 2007, S. 58.
26 Vgl. Diekmann, A. / Franzen A. (Hrsg.), Kooperatives Umwelthandeln. Modelle, Erfahrungen,
Maßnahmen, Rüegger Verlag, Chur/Zürich, 1995, S. 49.
2. Grundlagen der Tourismusindustrie und der Umweltproblematik 11
Umgang für den Menschen aufgrund dessen noch keine gebührende Rolle einnimmt.
Den Widerspruch zwischen dem Umweltbewusstsein des Menschen und seinem Verhalten formulierte der im Jahre 2003 verstorbene Tourismusforscher und Ökologe Krippendorf schon vor mehr als zwei Jahrzehnten folgendermaßen: „Um von Homo oeconomicus zum Homo oecologicus zu kommen, muss die unerklärliche Kluft zwischen Umweltbewusstsein und Handeln beseitigt werden. Fast die Hälfte der Umweltbewussten versäumen aus Bequemlichkeit, sich aktiv zu engagieren; gerade in diesem Bereich darf man sich jedoch nicht auf die globale Politik verlassen, sondern muss bei sich selbst beginnen.“ 27 Krippendorfs Lösung: „Sanktionen, Verbote und Vorschriften sind für ein Umdenken notwendig.“ 28
Auch Opaschowski ist der Meinung, dass die Kluft zwischen Moral und dem (umweltbewussten) Verhalten der Touristen zu groß ist. Die Mehrheit der Touristen will die Verantwortung für Umweltschäden nicht übernehmen und jeder reiche die Zeitbombe wie einen Wanderpokal weiter. 29 Seine Lösung ist das Ansprechen des Verstandes und der Gefühle, damit aus seiner Sicht- eine Lebensweise wird. 30
Mit der im Abstand von zwei Jahren (zuletzt im Jahre 2008) durchgeführten Studie des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit „Umweltbewusstsein in Deutschland - Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage -„ wurde auch 2008 deutlich, dass das Umweltbewusstsein der Deutschen auf einem hohen Niveau liegt. Für 91 % der Bevölkerung ist der Umweltschutz wichtig. 31 Im Jahre 2006 waren es 93 %. 32 Ebenso ist laut der Studie das Problembewusstsein für die Risiken sowie Folgen des Klimawandels
27 Krippendorf, J., Die Landschaftsfresser. Tourismus und Erholungslandschaft - Verderben oder
Segen?, Hallwag Verlag, 1982, S. 42.
28 Ebd.
29 Opaschowski, H., Das gekaufte Paradies, Tourismus im 21. Jahrhundert, Germa Press, 2001, S. 47-48.
30 Opaschowski, H., ebd., S. 49.
31 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.), Umweltbewusstsein in
Deutschland 2008, Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage, 2008, S. 6.
32 Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.), Umweltbewusstsein
in Deutschland 2006, Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage, 2006, S. 6.
2. Grundlagen der Tourismusindustrie und der Umweltproblematik 12
hoch, denn weit über 80 % der Befragten gaben an, auf Deutschland hohe Kosten für die Beseitigung von Schäden bzw. zum Schutz vor den Folgen des Klimawandels zukommen zu sehen. 33 Über 50 % der Befragten wünsche sich, dass die Bundesregierung mehr für den Umweltschutz tut. 34 Jedoch dürfe der Umweltschutz nicht auf Kosten der sozial Benachteiligten gehen. 35 In Steuererhöhungen zugunsten der Umwelt oder strengeren Vorschriften im Bezug auf die Schadstoffbelastung von Kraftfahrzeugen sehen fast 90 % der Bevölkerung eine Benachteilung von sozial Schwächeren. 36 Weiterhin macht die Studie deutlich, dass der Umweltschutz nicht nur von gehobenen Gesellschaftssegmenten gefordert wird, sondern dass auch der Mainstream (die bürgerliche Mitte) hohe Erwartungen diesbezüglich an die Politik hat. 37 Jedoch kann man auch an dieser Stelle ableiten, dass das Umweltbewusstsein zwar vorhanden ist, man aber die Verantwortung hierfür nicht unbedingt bei einem selbst sieht, sondern z. B. bei der Politik. Dieses Studienergebnis korreliert somit auch mit den Ausführungen im Kapitel 2.2.1. (Umweltproblematik). 38
2.2.3. Umweltpolitik und Umweltschutz
Unter Umweltpolitik wird die Gesamtheit aller Maßnahmen, die notwendig sind, um dem Menschen eine Umwelt zu sichern, wie er sie für seine Gesundheit und ein menschenwürdiges Dasein braucht, um Boden, Luft und Wasser, Pflanzen-und Tierwelt vor nachteiligen Wirkungen menschlicher Eingriffe zu schützen und um Schäden oder Nachteile aus menschlichen Eingriffen zu beseitigen, verstanden. 39 Der Umweltschutz selbst beinhaltet sowohl den Schutz der Landschaft und des Landschaftshaushaltes, als auch den Boden-, Gewässer-, Luft-,
33 Vgl. Umweltbewusstsein in Deutschland 2008, 2008, S. 6.
34 Vgl. ebd., S. 8.
35 Vgl. ebd., S. 52.
36 Vgl. ebd.
37 Vgl. ebd., S. 56.
38 Vgl. Kapitel 2.2.1. Umweltproblematik.
39 Vgl. Bundesdeutsches Umweltprogramm 1971.
2. Grundlagen der Tourismusindustrie und der Umweltproblematik 13
Strahlen- und Lärmschutz, sowie den Schutz der Organismen vor „Ausrottung“ durch den Menschen und den Erhalt ihres Lebensraumes. Der Umweltschutz unterliegt der Gesetzgebung der jeweiligen Staaten, erfordert jedoch auch internationale Zusammenarbeit (z. B. beim Schutz bedrohter Arten). Diese können effektiv nur durch Handelsverbote, wie sie z. B. im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES = Convention on the International Trade in Endangered Species of wild fauna and flora) geregelt sind, sowie durch den Schutz der Lebensgrundlagen in ihren Heimatgebieten, überleben. 40
Umweltschutz wird als Wirtschaftsfaktor immer wichtiger, denn mehr als 5 % der Industriegüterproduktion in Deutschland entfiel im Jahre 2007 auf Umweltschutzgüter - und dies bei großen Steigerungsraten -. 41 Für den deutschen Arbeitsmarkt nimmt der Umweltschutz somit eine immer größere Bedeutung ein. Die Auslöser hierfür sind das Wachstum der erneuerbaren Energien, der steigende Export von Umweltschutzgütern sowie die Zuwächse bei den um-weltorientierten Dienstleistungen. 42 Umweltschutz führt weiterhin dazu, dass geringere Kosten für die nachfolgenden Generationen für die Folgen von Umweltschäden entstehen. 43 „Damit deutsche Unternehmen weltweit und dauerhaft erfolgreich sein können, müssen sie in ihren Unternehmensstrategien berücksichtigen, dass die Ökologie zur Ökonomie des 21. Jahrhunderts wird. Umweltpolitik ist heute auch Innovations-, Investitions-, Beschäftigungs- sowie vorausschauende Standortpolitik.“ 44 So heißt es in dem Umweltwirtschaftsbericht 2009 weiter: Wenn ein Unternehmen langfristig erfolgreich sein will, muss es sich früh genug auf neue Herausforderungen, wie den Klimaschutz, sowie die immer knapper werdenden natürlichen Ressourcen, einstellen. Im Zuge dessen muss die Umweltpolitik diesen Prozess beschleunigen, indem sie Umweltinnovationen
40 Vgl. Ein- und Ausfuhr gefährdeter Arten, Bundesamt für Naturschutz,
www.bfn.de/0305_regelungen.html (Stand 23.11.08).
41 Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.), Umweltbundesamt
für Mensch und Umwelt, Umweltwirtschaftsbericht 2009, Berlin, Januar 2009, S. 13.
42 Vgl. ebd., S. 14.
43 Vgl. ebd.
44 Ebd., S. 9.
2. Grundlagen der Tourismusindustrie und der Umweltproblematik 14
fördert, sowie Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten umweltfreundlicher Produkte und Techniken beseitigt, so die Schlussfolgerung des Berichtes. 45 Viele Kommunen, Regionen, Staaten sowie die Europäische Union unterstützen und fördern Umweltschutzprojekte der Tourismusbranche finanziell. Die Unterstützung erfolgt bei der Nutzung regenerativer Energien, bei Weiterbildungen, bei Initiativen zur Abwasserreinigung etc. Viele Hotels bzw. Hoteliers können z. B. durch solche Hilfen Anlagen „bauen“, die sie unter normalen Umständen nie hätten finanzieren können.
Die Bundesregierung setzt indes in der Umweltpolitik neben Klimaschutzmaßnahmen zum Schutze der Umwelt, auch auf die Stärkung des Inlandstourismus und fördert umweltfreundliche, naturnahe Tourismuszweige sowie die Erhöhung umweltorientierter Tourismusangebote. 46 Sie gibt weiterhin an, dass durch die praktizierte Umweltvorsorgepolitik die Umweltbelastungen bereits nachweislich zurückgegangen sind, und dass auch der Tourismus von dieser Umweltqualitätsverbesserung profitiert. Die Verbesserungen wurden durch die Umweltgesetzgebung erreicht: Beispielsweise sowohl durch das Inkrafttreten der EU-Feinstaubrichtlinie 47 (Umweltzonen seit Januar 2008) in vielen deutschen Städten 48 , als auch durch das freiwillige politische Instrument im Tourismusbereich Viabono, gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reak-torsicherheit. Viabono definiert strenge Kriterien für seine Mitglieder (Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Ferienhäuser, Jugendunterkünfte, Campingplätze etc.) und garantiert so eine attraktive sowie intakte Umwelt und Natur, eine regionale Küche, Naturmaterialien in Architektur und Zimmerausstattung sowie einen umweltfreundlichen Umgang mit Energie und Wasser (vgl. Kapitel 6.4.4. Viabono).
Inwieweit in der Praxis ein fehlender Umwelt- und Ressourcenschutz negative Effekte hervorruft, wird im folgenden Kapitel 3. ausführlich erläutert.
45 Vgl. ebd., S. 18 ff.
46 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (Hrsg.), Tourismuspolitischer Bericht der
Bundesregierung, 16. Legislaturperiode, Berlin, Februar 2008, S. 31.
47 Vgl. EU-Feinstaubrichtlinie Richtlinie 1999/30/EG des Rates vom 22. April 1999 über Grenzwerte für
Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Stickstoffoxide, Partikel und Blei in der Luft (in deutsches Recht
umgesetzt mit der Verordnung über Immissionswerte für Schadstoffe in der Luft - 22. Bundes-
Immissionsschutzverordnung (BImSchV) vom 11. September 2002).
48 Vgl. Kapitel 4.1.3.
3. Negative Umwelteinwirkungen der Tourismusindustrie und 15 ökologische Folgen
3. Negative Umwelteinwirkungen der Tourismusindustrie und ökologische Folgen
Die negativen Umwelteinwirkungen durch den Tourismus sind gravierend. Hierbei ist der Tourismus nicht nur Verursacher, sondern gleichzeitig der Betroffene. Vor allem Aktivitäten, die in der freien Natur stattfinden, führen zu großen Umweltbeeinträchtigungen. Tourismus verursacht Müll, Abwasser- und Verkehrsprobleme, nutzt lokale natürliche Ressourcen wie Wasser und Energie und verändert durch Infrastrukturmaßnahmen das Landschaftsbild am Zielort und greift in die natürlichen Systeme dieser Orte ein. 49 Touristische Einrichtungen werden meist in landschaftlich besonders reizvollen und empfindlichen Lebensräumen entwickelt und zerstören infolge dessen das Kapital, von dem sie leben. Die ökologischen Folgen des Tourismus sind weitreichend. Mit jährlich steigenden Tourismusankünften werden natürliche - nicht vermehrbare sowie nicht beliebig belastbare - Ressourcen unkontrolliert genutzt und zunehmende Umweltbeeinträchtigungen registriert.
3.1. Wasserverbrauch und Gewässerbelastung
„Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss.“ 50 Laut BUWAL leben auf der Erde ca. 1,2 Milliarden Menschen ohne Trinkwasser in ausreichender Qualität und Quantität. Bei dem vorherrschenden und gleich bleibenden Bevölkerungswachstum werden in 11 Jahren, also im Jahre 2020, schon ca. 40 % der Menschen unter akutem Wassermangel leben müssen, 51 denn die Nachfrage nach Wasser in ausreichender Qualität und Quantität steigt
49 Vgl. Tourismuspolitischer Bericht, a. a. O., S. 32.
50 Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 23. Oktober 2000 zur
Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik,
Abs. (1), Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften, 22.12.2000, S. 327/1.
51 Vgl. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL, Wasser im Fokus, Direktion für
Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA, Staatssekretariat für Wirtschaft seco (Hrsg.), Schweiz,
2003, S. 3.
3. Negative Umwelteinwirkungen der Tourismusindustrie und 16 ökologische Folgen
permanent in allen Anwendungsbereichen, weshalb auch die Gewässer der Europäischen Gemeinschaft einem wachsendem Druck ausgesetzt sind. 52 Wir [Mitteleuropäer] verbrauchen ca. 180 l Wasser pro Tag, während einem Einwohner von Nairobi gerade einmal 5 l Wasser pro Tag zur Verfügung stehen. 53
Auch viele beliebte touristische Destinationen in südlichen Ländern verfügen über sehr knappe Wasserressourcen. Hier wird Wasser für die Touristen oft mit Tankschiffen und Pipelines transportiert, mit sehr kostenintensiven Entsalzungsanlagen aus dem Meer gewonnen, oder es wird sich sogar der Grund-wasservorräte bedient. 54 Da die Touristen meist aus Ländern stammen, in denen keine Wasserknappheit herrscht, wollen sie im Urlaub auf heimische Gewohnheiten wie Duschen und Baden auch nicht verzichten. Die Folgen sind umso gravierender, weil die Reisenden an ihrem wasserarmen Urlaubsziel, z. B. auf Lanzarote, in der Regel bis zu 40 % mehr Wasser verbrauchen als in der Heimat. 55
Falls aber einem deutschen Pauschalurlauber zu den gewohnten Zeiten am Urlaubsort kein Wasser zum Duschen zur Verfügung steht, hat dieser auch das Recht auf eine Reisepreisminderung, unabhängig davon, an welchem Urlaubs-ort er sich befinden mag. 56 Bei einer, vom Reiseveranstalter unvorhersehbaren, Wasserknappheit hat das Amtsgericht Düren eine 25prozentige Minderung des Reisepreises vorgenommen. 57 Das AG Frankfurt am Main hat für eine Strom-und Wassersperre von 11:00 bis 01:00 Uhr werktags ebenso eine Minderung in Höhe von 25 % vorgenommen 58 , sowie für einen völligen Wasserausfall eine Minderung von 50 %. 59
Indes haben im Gegensatz zu den Touristen die Einheimischen selbst, wie an entsprechender Stelle noch ausgeführt wird, oft gar kein Wasser zur Verfügung
52 Vgl. Richtlinie 2000/60/EG, a. a. O., Absatz (4).
53 Vgl. Baud, R., Tourismus und Wasserverbrauch, in: SSR Reisen 1997: Reisen und Umwelt Nr. 5,
Zürich, September 1997, S. 4.
54 Vgl. Müller, a. a. O., 2003, S. 147.
55 Vgl. Baud, a. a. O., 1997, S. 5.
56 Vgl. LG Duisburg, Reisemangel wegen Wasserausfall, Urteil vom 24.11.2005, Az.: 12 S 26/05.
57 Vgl. AG Düren, 25 % Minderung bei Wasserausfall, Urteil vom 27.02.1978, Az.: C 671/78.
58 Vgl. AG Frankfurt am Main, FVE ZivR 1980, Nr. 254.
59 Vgl. AG Frankfurt am Main, FVE ZivR 1981, Nr. 278.
3. Negative Umwelteinwirkungen der Tourismusindustrie und 17 ökologische Folgen
Weiterhin führt die touristische Infra- und Suprastruktur, z. B. durch Pools, Golfplätze und Grünanlagen zu einem erhöhten Wasserverbrauch. Man geht sogar soweit, Golfplätze in der Wüste Tunesiens zu errichten. Auch in Südspanien, Portugal, den Kanarischen Inseln sowie Mallorca und Ibiza ist die Wassersituation höchst bedenklich, da für die Versorgung der Inseln aufgrund von Tourismussiedlungen sowie Golfplätzen schon lange Tankschiffe eingesetzt werden müssen, da das Grundwasser längst versiegt ist. 60
Eine Kolumne im Nachrichtenmagazin Cambio 16, verfasst von der 2001 ver-storbenen spanischen Autorin Carmen Rico-Godoy (zitiert nach Zimmer, da die Primärquelle nicht mehr zur Verfügung steht), bestätigt die Problematik: „Wir haben eine Billigtourismusindustrie aufgezogen, der zuliebe wir Landschaft und Küsten ruiniert haben. Die Milliarde Peseten, die die Regierung jetzt für die dürregeschädigten Landwirte aufzuwenden hat, muß [!] sie aus den Tourismuseinnahmen dieser Saison bestreiten. Es wird der Tag kommen, an dem wir Einheimischen in der Scheiße schwimmen, während das wenige Wasser den Touristikzentren zugute kommt. Und wie in einem Alptraum naht der Tag, da wir uns als Touristen verkleiden, um einmal zu duschen, und unsere Kinder in der Schule Golf lernen, damit sie ihren Fuß einmal auf echtes Gras setzen können.“ 61
Die Situation in Goa (Indien) ist seit langem ebenso prekär. Während die Touristen der Luxushotels rund um die Uhr im Überfluss versorgt werden, haben die Einheimischen häufig täglich nur noch eine Stunde Zugriff zum Wasser. 62
Der Betrieb von Hafenanlagen führt weiterhin vielerorts zum erhöhten Anfall von Motorenöl und Fäkalien. Aufgrund fehlender Infrastruktur werden diese oft unmittelbar in die Gewässer entsorgt. 63 Dabei kann bereits harmloses Schwimmen und Baden die Gewässer belasten. Über Sonnenöle wird zum einen das
60 Vgl. Fierz, G., Golf und Tourismus, Zum vierten internationalen Anti-Golf-Tag vom 29. April 1996,
Basel, 1996, S. 2.
61 Vgl. Zimmer, D., Dürre, hausgemacht, in: ZEIT Magazin, Nr. 30, 1995, S. 6-12.
62 Vgl. Müller, a. a. O., 2003, S. 148.
63 Vgl. Bundesamt für Naturschutz 1997 b, Wieviel Umwelt kostet uns das Reisen? Auf dem Weg zu
einem nachhaltigen Tourismus, Bonn, 1997 b, S. 52.
3. Negative Umwelteinwirkungen der Tourismusindustrie und 18 ökologische Folgen
Wasser verschmutzt und zum anderen auch der Nährstoffeintrag erhöht. 64 Geschieht dies in hohen Mengen, trägt dies zur Eutrophierung (Überdüngung) der Wasserpflanzen bei. Es kommt zum Anstieg der Gewässerfauna, was durch die Erhöhung der toten organischen Masse wiederum eine erhöhte Verschmutzung des Gewässers zur Folge hat und schließlich durch Abbauprozesse zum Sauerstoffmangel im Wasser führt.
„Viele Autoren gehen davon aus, dass die Verschmutzung durch Abwässer eines der größten Probleme des Tourismus ist, da sie räumlich, insbesondere im Meer, kaum einzugrenzen ist und durch die Veränderung der Nährstoffverhältnisse weitreichende Schäden in den betroffenen Lebensräumen anrichtet.“ 65 Obwohl organische Verunreinigungen schnell abgebaut werden, führt die Nährstoffanreicherung zu vermehrtem Algenvorkommen, die bekanntlich große Probleme hervorrufen kann. 66
Die problematische Situation von verschmutztem Wasser ist spätestens seit den Berichterstattungen aus dem Mittelmeerraum, bekannt. Die Algenbelastung führte seinerzeit zu hohen saisonalen Einbrüchen in der Tourismusbranche. Laut Müller sind aber Gewohnheiten zumeist stärker als die entsprechenden Informationen, was zur Folge hat, dass z. B. Spanien, mit seinen relativ stark verunreinigten Stränden, und vielerorts noch großer Abwasserproblematik, immer noch eines der beliebtesten Reiseziele Europas ist. 67 Andererseits führt Müller weiterhin aus, „dass der Tourismus in besonderer Weise von der Reinheit der Gewässer abhängig ist […] und somit „ müssen die Touristiker [vor allem die großen Reiseveranstalter und Hotelketten] 68 selbst im Kampf gegen die Wasserverschmutzung aktiv werden.“ 69 „Wenn daher die örtliche Meeresverschmutzung durch Abwässer, Algenrückstände oder Öl so stark wird, dass eine konkrete Gefährdung der Reisenden oder des gebuchten Reisezwecks vorliegt, hat der Veranstalter eine eigenständige Informationspflicht aus dem Gesichtspunkt der Fürsorge für seine Kunden, die sich ihm anvertrauen.“ 70 Weiterhin haben Reisende, wenn
64 Vgl. Müller, a. a. O., 2003, S. 112.
65 Biodiversität und Tourismus, a. a. O., 1997 a, S. 58.
66 Vgl. Müller, a. a. O., S. 112.
67 Vgl. Müller, ebd., S. 150.
68 Anm. d. Verf.
69 Müller, a. a. O., S. 150.
3. Negative Umwelteinwirkungen der Tourismusindustrie und 19 ökologische Folgen
die sich ihm anvertrauen.“ 70 Weiterhin haben Reisende, wenn ein Hotel seine Abwässer ungeklärt in das Meer einleitet und es am Strand dementsprechend riecht, einen Reisepreisminderungsanspruch in Höhe von 5 %. 71 Der Schutz der Gewässer muss jedoch ohne Zweifel stärker in die politischen Maßnahmen der Europäischen Gemeinschaft integriert werden 72 und eine wirksame Wasserpolitik müsste der Empfindlichkeit von aquatischen Ökosystemen, die sich in der Nähe von Küsten, Ästuarien, großen Meeresbuchten oder relativ abgeschlossenen Meeren befinden, Rechnung tragen, da deren Gleichgewicht durch die Qualität der in sie fließenden Binnengewässer stark beeinflusst wird. 73
3.2. Küstenveränderung und Zerstörung küstennaher Ökosysteme
Mit etwa einer Million Kilometer ist die Küste eine der weit verbreitetsten Landschaftstypen der Erde als Übergangsbereich zwischen dem Meer und dem Land. Bei diesen Gebieten handelt es sich um ein empfindliches ausbalanciertes Ökosystem. 74
Die bevorzugten touristischen Standorte sind Sandstrände und Dünen. Dort finden sich meist aber auch wertvolle Ökosysteme, die durch Überbauung beeinträchtigt oder unmittelbar zerstört werden. 75 So werden in zahlreichen Ländern Hotelanlagen in direkter Nähe „der Hochwassermarke von Sandstränden und/oder in den dahinter liegenden Dünengürtel gebaut. Im westlichen Mittelmeergebiet wurde ein Großteil der Küstendünen auf diese Weise zer- 70 Führich,E., Reiserecht, Handbuch des Reisevertrags-, Reiseversicherungs- und Individualreise-
rechts, 5., neu bearbeitete Aufl., C. F. Müller, Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm GmbH,
Heidelberg, 2005, S. 195.
71 Vgl. AG Bad Homburg, Hotelabwasser im Hotelstrand, Urteil vom 12.07.2004, Az.: 2 C 150/04.
72 Vgl. Richtlinie 2000/60/EG, a. a. O., Absatz (16), S. 327/2.
73 Vgl. ebd., Absatz (17).
74 Vgl. Glaeser, B. (Hrsg.), Küste, Ökologie und Mensch, Integriertes Küstenmanagement als
Instrument nachhaltiger Entwicklung, Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Humanökologie
(DGH), Edition Humanökologie, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), 2001,
S. 271-272.
75 Vgl. Biodiversität und Tourismus, a. a. O., 1997 a, S. 57.
3. Negative Umwelteinwirkungen der Tourismusindustrie und 20 ökologische Folgen
stört.“ 76 Auch die Marinas, die meist an flachen Küsten (in Lagunen oder Flussmündungen) gebaut werden, da sie so vor dem offenen Meer geschützt werden, stellen ein großes Problem dar, denn die Wassertiefe dort ist oft nur unzureichend, so dass oft „gebaggert“ werden muss, was die dortigen Ökosysteme im großen Maße schädigt. 77 Mancherorts (bspw. Fidschi) wurden sogar Korallenriffe gesprengt, um Bootspassagen zu errichten. 78
Der europäische Tourismus trägt fast 2/3 des Welttourismus, so dass der Druck auf die Küsten Europas außerordentlich groß ist. Dies hat zur Folge, dass die Artenvielfalt in den europäischen Staaten stetig abnimmt und ein Verlust an intakten Lebensräumen überall zu beobachten ist. 79 „Viele von uns sorgen sich um den Amazonas oder die Antarktis. Vergessen wir darüber nicht die letzten naturnahen Landschaften vor der eigenen Haustür! Denn ganz geräuschlos vollzieht sich hier eine ökologische Katastrophe. An keiner Küste der Welt ist die Umweltbelastung so stark wie in Europa.“ 80
An der Côte d´Azur kam es bspw. aufgrund der touristischen Nutzung, verbunden mit der großen Überbauung in den Küstengebieten, zu einer starken Degradation der Küstendünen. 81 So wurden die Grenzen natürlicher Erosionen vielerorts überschritten, weswegen viele Küstenorte an starken Erosionsprozessen leiden (z. B. La Baule, Arcachon und Saint-Jean de Luz in Frankreich). 82 Seinerzeit wurden im Zusammenhang mit Erosionsproblemen so gut wie keine wissenschaftlichen Untersuchungen durchgeführt und man handelte erst, als die Erosionsprozesse nicht mehr länger ignoriert werden konnten. 83
Jedoch hat in den vergangenen Jahrzehnten auch die französische Regierung versucht, die touristische Entwicklung besser zu steuern, um die Umwelt zu
76 Ebd., S. 57.
77 Vgl. ebd. S. 57 f.
78 Vgl. ebd. S. 58.
79 Vgl. ebd., S. 75.
80 EUCC - European Union for Coastal Conservation, Die Küste: Eine große Aufgabe für Europa,
Leiden, Netherland, 1992, S. 3.
81 Vgl. Biodiversität und Tourismus, a. a. O., 1997 a, S. 149.
82 Vgl. ebd., S. 149.
83 Vgl. ebd.
3. Negative Umwelteinwirkungen der Tourismusindustrie und 21 ökologische Folgen
schützen. Dies geschah unter anderem mit dem Küstengesetz „Loi Littoral“ aus dem Jahre 1986 zur Regulierung der Tourismusentwicklung. 84 Hierbei geht es unter anderem um die Forschung im Küstenbereich, sowohl hinsichtlich der Wasserqualität, als auch hinsichtlich des Schutzes vor Naturgefahren, wie bspw. der Erosion, der Erhaltung der Artenvielfalt und der Standorte, und nicht zuletzt um die Entwicklung der Wirtschaft. Das Loi Littoral legt dar, welche Bestimmungen an der Küste nötig sind, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Aufbau, dem Naturschutz und der Erschließung der Küstenräume gewährleisten zu können. 85
Das wohl schwerwiegendste Ereignis hinsichtlich Küstenveränderung und Zerstörung der Ökosysteme, an dem auch der Tourismus eine Mitschuld trägt, ist der Tsunami im Jahre 2004. Schon lange zuvor warnten Experten vor den erheblichen Folgen der Zerstörung der Küstenregionen zugunsten des Tourismus und marktorientierter Industrien wie Aquakulturen. Einer dieser Wissenschaftler war seinerzeit Prof. Dieter Uthoff, Universitätsdozent des geographischen Instituts in Mainz. Bereits vor 18 Jahren (13 Jahre vor dem verheerenden Tsunami) mahnte Prof. Uthoff die zu schnell wachsende und unkoordinierte Entwicklung des thailändischen Tourismus am Beispiel der Insel Phuket. Er führte aus, dass das schnelle Wachstum und das große Volumen des Tourismus nicht ohne Einfluss auf die Küsten der Insel bleiben werden. 86 So wurden die Lagunen zunächst vollständig mit Hotels, Restaurants und anderen touristischen Einrichtungen bebaut und schließlich wurde auf Hänge expandiert. Dazu kam es zu Rodungen, Planierungen und Terrassierungen. Für den Tourismus wurde der tropische Baubestand vernichtet und Biotope wie Strandseen und Mangrovensümpfe zerstört. Der Boden wurde durch die verdichtete Bebauung weiterhin versiegelt. Die Erosionsgefährdungen durch die Entwaldung wurden indes genauso ignoriert, wie die Warnungen der Experten vor einer verheeren-
84 Vgl.Loi Littoral, Küstengesetz Nr. 86-2 vom 3. Januar 1986, Frankreich.
85 Vgl. La Documentation Française, Bilan de la loi Littoral et des mesures en faveur du littoral,
www.ladocumentationfrancaise.fr/rapports-publics/074000695/index.shtml (Stand 23.02.09).
86 Vgl. Uthoff, D., Tourismus und Küstenveränderung auf Phuket, Südthailand, in: Brückner, H. &
Radtke (Hrsg.): Von der Nordsee bis zum indischen Ozean, Stuttgart, 1991, S. 237-251.
3. Negative Umwelteinwirkungen der Tourismusindustrie und 22 ökologische Folgen
den Umweltkatastrophe. 87 Glück im Unglück infolge des Tsunami hatten indes diejenigen, die sich zu diesem Zeitpunkt an einer bewaldeten Küste aufhielten, denn vor allem die Mangroven (bis zu 30 Meter hohe Bäume und Sträucher) sind es, die die Wucht des anrollenden Wassers stark bremsen. 88
Die Ausmaße des Tsunami zeigen indes, so ein Artikel aus dem Jahre 2005 im Südostasien-Magazin, „dass der Mensch nicht soviel Zeit zum „Umdenken“ hat, wie er sich immer vormacht.“ 89
3.3. Artengefährdung, Vegetationsgefährdung, Flächenverbrauch und Landschaftszerstörung
Der Flächenverbrauch des Menschen geht fast immer mit der Beeinträchtigung der Biodiversität einher. 90 Sehr viele Lebensräume der Tiere werden durch menschliche Aktivitäten zerstört oder stark reduziert. Es heißt, dass jährlich 27.000 Tierarten durch Menscheneinfluss „ausgerottet“ werden. Allein der Tourismus trägt zur Gefährdung von 112 Pflanzenarten bei. Das Aussterben von auch nur einer dieser Pflanzenart, führt gleichzeitig zum Aussterben von 10-20 Tierarten, da diese Tiere von den Pflanzen ökologisch abhängig sind. 91
Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen 92 bildet gemeinsam mit der Vogelschutzrichtlinie 79/409/EWG des
87 Vgl. ebd.
88 Vgl. Lighthouse Foundation, Stiftung für die Meere und Ozeane, www.lighthouse-foundation.org/
index.php?id=191 (Stand 05.01.09).
89 Beierlein, C., Und immer wieder Warnungen, Experten sahen die Katastrophe kommen - Tsunami und
eine intakte Natur, Südostasien 01/05, 2005, S. 16.
90 Vgl. Öko-Institut e.V., Institut für Angewandte Ökologie, Umwelt und Tourismus, Grundlagen für
einen Bericht der Bundesregierung, Umweltforschungsplan des Bundesministeriums für Umwelt,
Naturschutz und Reaktorsicherheit, F+E/Vorhaben 200 87 112, Dezember 2001, S. 22.
91 Vgl. Opaschowski, H., Das gekaufte Paradies, 2001, S. 63.
92 Vgl. FFH-Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen
Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen.
3. Negative Umwelteinwirkungen der Tourismusindustrie und 23 ökologische Folgen
Rates vom 2. April 1979 93 die zentrale Rechtsgrundlage für den Naturschutz in der Europäischen Union, dessen Ziel es ist, alle für Europa typischen wildlebenden Arten und natürlichen Lebensräume „in einen günstigen Erhaltungszu-stand“ zu bringen. Somit dient die FFH-Richtlinie dem Erhalt der biologischen Vielfalt in der Europäischen Union, die zwei Strategien verfolgt: Einerseits werden für bestimmte Arten und Lebensräume FFH-Schutzgebiete ausgewiesen, andere Arten werden durch unmittelbare Bestimmungen, unabhängig davon, ob sie sich in einem Schutzgebiet befinden, flächendeckend geschützt. 94
Oft sind aber gerade Gebiete, die eine intakte Natur und besondere Tierarten bieten, die bevorzugten Reiseziele von Touristen und gerade in diese drängt der Tourist immer tiefer ein und reduziert so den Lebensraum der Tiere.
So werden z. B. im ecuadorischen Regenwald in der Reserva Cuyabeno die niedrigen Bereiche des Überschwemmungswaldes, in denen die dortigen Zigeunerhühner bzw. Hoatzins, - auch Stinkvogel genannt -, brüten, regelmäßig von Touristen mit lauten Motorbooten befahren. Die Biologen Müllner und Pfrommer haben bei ihrer Arbeit in der Reserva Cuyabeno festgestellt, dass der Gesamtbruterfolg der Hoatzins in den Kontrollgewässern, die als Forschungszonen dienen bzw. in welchen sich keine Touristen aufhalten, deutlich höher ist. Ebenso zeigte sich bei der Aufzucht der Küken bis zum erwachsenen Hoatzin, dass die Anzahl der Nestlinge, die überlebten, im Tourismusgebiet deutlich geringer war. Junge Hoatzins, die noch nicht die Möglichkeiten hatten, sich an die Tourismusaktivitäten zu gewöhnen, springen oft aus Angst vor Gefahr aus ihren Nestern ins Wasser, was eine erhöhte Mortalität zur Folge hat. 95
Auch bei Tourismusbesuchen von Pinguinen in der Antarktis, die nur im antarktischen Sommer, der fünf Monate dauert, stattfinden, sind Probleme vorprogrammiert. Denn gerade zu diesem Zeitpunkt findet die Brut- und Fellwechsel-
93 Vgl.Richtlinie des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten
79/409/EWG.
94 Vgl. ebd.
95 Vgl. Müllner, A. / Pfrommer, A., Biodiversitätsstudie Arten- und Biotopenschutz. Regenwaldtourismus
und sein Einfluss auf ausgewählte Wildtierarten am Río Cuyabeno, Ecuador, Deutsche Gesellschaft
für technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH Eschborn, 2002, S. 33-46.
Arbeit zitieren:
Glorija Razlag, 2009, Negative Einwirkungen der Tourismusindustrie auf die Umwelt und das Engagement der Reiseveranstalter im Umweltmanagement, München, GRIN Verlag GmbH
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