Universität Leipzig
Erziehungswissenschaftliche Fakultät
Institut für Allgemeine und Vergleichende Pädagogik, Schulpädagogik und Pädagogische Psychologie
vorgelegt von: Julia Zabel am: 26.09.2008
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Vorwort
Die Schulpraktischen Studien I (SPS I) fanden vom 25.08.2008 - 19.09.2008 am R* -Gymnasium in Leipzig statt. Die Belegarbeit zu den SPS I beschäftigt sich, basierend auf dem begleitenden Seminar „Subjektive Theorien der Lehrer über Risikoschüler“, mit folgenden Themen:
Welche subjektiven Theorien haben Lehrer über Risikoschüler?
Wie beschreiben Lehrer einen Risikoschüler? Welche Eigenschaften zeichnen einen Risikoschüler aus?
Wie lassen sich die Ursachen eines Risikoschülers identifizieren?
Zur Beantwortung dieser Fragen dient ein problemzentriertes Interview nach Witzel, das mit einem Vertrauenslehrer der Schule am 17.09.2008 durchgeführt wurde. Der dem Interview zu Grunde liegende Leitfaden wurde im Seminar mit den anderen Seminarteilnehmern erarbeitet, musste jedoch an die Gegebenheiten der Schule und an die Interviewperson angepasst werden. Das dokumentierte Interview wird mit der Methode der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen interessante Erkenntnisse, sind jedoch einzelfallspezifisch und schränken die Übertragbarkeit auf die Allgemeinheit ein. Um eine repräsentative Aussage zu erhalten, hätte die Analyse mehrere Fallzahlen erfordert. Jedoch ergeben sich Hinweise auf weitere Forschungsaktivitäten.
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VORWORT.............................................................................................................. 3
1 EINLEITUNG. 5
2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN. 3
2.1 Subjektive Theorien 3
2.2 Risikoschüler. 4
3 DAS PROBLEMZENTRIERTE INTERVIEW NACH WITZEL 6
3.1 Instrumente. 7
3.1.1 Kurzfragebogen. 7
3.1.2 Leitfaden. 7
3.1.3 Aufnahme 8
3.1.4 Postskript. 8
4 AUSWERTUNGSMETHODE 9
5 ERGEBNISSE UND INTERPRETATION. 11
5.1 Kategorie I - Problemvielfalt 11
5.2 Kategorie II Familie als Ursache 13
5.3 Kategorie III Schule als Ursache. 15
5.4 Kategorie IV Gesellschaft als Ursache. 16
5.5 Kategorie V Lösungsansätze 18
5.6 Kategorie VI Häufigkeitsentwicklung 20
6 FAZIT - HYPOTHESEN. 22
LITERATURVERZEICHNIS 23
ANHANG. 24
1) Kurzfragebogen. 24
2) Leitfaden 25
3) Transkribierter Text 26
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1 Einleitung
Forschungsfrage
Welche subjektiven Theorien haben Lehrer über Risikoschüler?
Forschungsschwerpunkt:
Welche subjektiven Theorien haben Lehrer über Risikoschüler?
Welche Probleme treten bei den Schülern auf?
Wie lassen sich die Ursachen eines Risikoschülers identifizieren?
Welche Lösungsansätze sind möglich, diesen Kindern zu helfen?
Die Auswertung des Interviews ermöglicht es, die subjektiven Theorien des befragten Lehrers herauszufinden. Die Analyse zeigt auf, wen er eigentlich alles als Risikoschüler bezeichnet, welche Ursachen er in der Entstehung zum Risikoschüler sieht. Welche Maßnahmen der Hilfestellung in dieser Schule ergriffen werden. Ist Hife überhaupt möglich? Wie hat sich die Anzahl der Risikoschülern über die Jahre hinweg entwickelt - werden es mehr, treten immer häufiger Problemfälle auf? Woran liegt das?
Die Belegarbeit zeigt auf, was man unter subjektiven Theorie und Risikoschülern versteht. Die Vorgehensweise des Problemzentrierten Interviews wird beschrieben und die Methode der Auswertung des Interviews nach Mayring vorgestellt. Zunächst wird die Schule näher betrachtet, aus der eine Lehrerin zum Thema „Subjektive Theorien der Lehrer über Risikoschüler“ interviewt wurde. Die Erkenntnisse der Analyse des transkribierten Interviews sind in der Auswertung zusammengefasst.
R*-Gymnasium
Das vierwöchige Praktikum wurde am R*-Gymnasium (RG) absolviert. Dieses Leipziger Gymnasium ist eine traditionsreiche Schule im Stadtbezirk Leipzig-Lindenau. Die Schülerschaft wird allerdings nicht ausschließlich von diesem Bezik gebildet, sonderen ganz Leipzig und Umgebung stellen das Einzugsgebiet. Die Schule bietet seit diesem Schuljahr 2008/2009 ein Ganztagsprojekt an. Jede Woche gibt es ein umfangreiches Nachmittagsangebot verschiedener Richtungen. Das RG war bisher eine Schule mit musisch - künstlerischer Profilorientierung und Kunst-/ Musik-Leistungskursen in der Sekundarstufe II. Aus dieser Zeit bestehen ein
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Chor für Klassenstufen fünf bis sieben, ein Chor für Klassenstufen acht bis zwöllf, eine Bigband ab Klassenstufe acht sowie in den Klassen fünf und sechs Streicherklassenunterricht.
Über ein konkretes Leitbild verfügt die Schule nicht. Grund ist der Direktorwechsel vor zwei Jahren, sodass ein neues Leitbild noch in Erarbeitung ist. Im sozialen Bereich ist das RG sehr engagiert. Seit dem Jahr 2004 werden so genannte Schülerstreitschlichter ausgebildet. „Dazu haben sie einen 20-stündigen Vorbereitungskurs an der Schule sowie ein 3-tägiges Ausbildungscamp in Frohburg absolviert.“ (o.V. 2008a) Diese Schüler, vorwiegend aus Klassenstufe acht, sorgen gemeinsam mit den Klassenlehrern für ein gutes Klassenklima in den fünften und sechsten Klassen. Sie stehen weiterhin bei Konflikten bis zur Klassenstufe zehn als Helfer bereit und versuchen immer die Lösung „von Konflikten im gegenseitigen Einvernehmen“ zu organisieren.
Seit einigen Jahren wird in der Sekundarstufe I auch das Förderprogramm „Lions Quest - Erwachsen werden“ angeboten. Dabei geht es um die „Förderung sozialer Kompetenzen junger Menschen in der Schule“ (o.V. 2008b) „Das Programm will die Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, ihr Selbstvertrauen und ihre kommunikative Kompetenz zu stärken, Kontakte und Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, Konflikt- und Risikosituationen in ihrem Alltag zu begegnen und für Probleme, die gerade die Pubertät gehäuft mit sich bringt, konstruktive Lösungen zu finden.“ (o.V.2008b)
Die Schule versucht über solche Programme und über das anlaufende Ganztagsprojekt die Schüler auf das spätere Leben gut vorzubereiten und ihre Fähigkeiten zu stärken. Interessen können ausgelebt und schulische Kontakte über solche außerschulischen Projekte gefördert werden. Neben vielen kreativen und sportlichen Angeboten stellt auch die Hausaufgabenbetreuung und Förderung in Mathematik und Deutsch gerade für kleinere Klassenstufen ein umfassendes Hilfsangebot im Rahmen des Ganztagsprojektes dar.
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2 Theoretische Grundlagen
Welche subjektiven Theorien haben Lehrer über Risikoschüler?
2.1 Subjektive Theorien
Theorien sind, allgemein gefasst, wissenschaftliche Betrachtungsweisen oder wissenschaftliches Denken, eine rein gedankliche, abstrakte Anschauung oder Untersuchung (Wahring, Fremdwörterlexikon 2004)
Subjektive Theorien sind wissenschaftlichen Theorien in Struktur und Funktion ähnlich, haben aber eine ganz andere Bedeutung. Sie sind Alltagstheorien oder auch naive Theorien der handelnden Menschen und zeigen, wie sich diese „die Welt und ihr eigenes Handeln darin erklären“ (Gärtner, Holger: S.42). Subjektive Theorien sind also immer personengebunden und oft ungewöhnlich „hoch stabil und sehr veränderungsresistent“ (Gärtner, Holger: S.45). Subjektive Theorien haben einige Gemeinsamkeiten mit wissenschaftlchen Theorie hinsichtlich ihrer Struktur und Funktion. Sie weisen ebenfalls eine „Argumentatiosstruktur wodurch Schlussfolgerungen ermöglicht werden“ (Gärtner, Holger: S.42). Weiterhin kommt es zu einer „Situationsdefinition, der nachträglichen Erklärung bzw. Rechtfertigung von Ereignissen, der Vorhersage bzw. Erwartung von Ereignissen und der Generierung von Handlungsentwürfen“ (Gärtner, Holger: S.42f.). Ein Stammbaum ist in der Grafik dargestellt.
Es gibt elaborierte und handlungsnahe subjektive Theorien. Elaborierte Theorien sind handlungsferner, sie sind also „noch nicht mit direktem Handeln verbunden“ (Gärtner, Holger: S.43). Im Gegensatz dazu stehen handlungsnahe Theorien. Hier erfolgt eine Reaktion in Form von Situations- und Reaktionsprototypen. Das bedeutet, dass auf eine Situation, die einer bereits bekannten Situation gleicht, eine ähnliche Reaktion folgt, die sich bei der bekannten Situation als hilfreich erwiesen hat. Diese Strukturen ermöglichen ein schnelles und effizientes Reagieren, da die Situation bereits früher analysiert wurde. Subjektive Theorien sind kognitive, sehr komplizierte und komplexe Strukturen, die implizit, teilweise aber auch dem Bewusstsein zugänglich sind. Sie sind durch Erfahrungen veränderbar, aber schwierig von Außen oder Außenstehenden zu beeinflussen.
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2.2 Risikoschüler
Eine Definition von Risikoschüler ist sehr schwierig. Nimmt man an, dass die von Olga Graumann definierten Problemkinder die gleiche Gruppe von Menschen darstellen, so ist es dennoch nicht möglich eine einzige Definiton zu finden. Dies liegt an der Tatsache, dass die Definition von vielen individuellen und subjektiven Aspekten und Sichtweisen abhängig ist.
Zunächst ist der Begriff an sich zu klären. Das Wort Problem kommt vom griechischen problema und bedeutet so viel wie: das Vorgelegte, die gestellte Aufgabe. Im dtv Wahrig Fremdwörterlexikon findet man unter dem Wort Problem folgendes: eine „schwierige, ungelöste Aufgabe oder Frage“. Dies beweist auch zum Teil, dass eine Definition von etwas Ungelöstem schwierig ist. Es kann also keine einzige Definition von Problemkind geben.
Um dennoch zu klären, was Problemkinder oder Risikoschüler sind, muss man sich folgende Fragen stellen: „Wer hat das Problem, wie schwerwiegend ist das Problem. Wo und wann zeigt sich das Problem, wodurch wird das Problem ausgelöst, welche Ursachen kommen in Frage, welche Lösungen bzw. Interventionen sind denkbar bzw. Durchführbar?“ (Olga Graumann, S.13). Die Vielzahl der Fragemöglichkeiten lässt erahnen, wie groß die Vielzahl der Probleme der Schüler ist und welche verschiedenen Problemkinder es gibt. Man kann schon eine Aussage treffen, dass Problemkind nicht gleich Problemkind ist.
Weiterhin stellt sich die Frage, ob es überhaupt Problemkinder gibt. Aus Interwies von Lehramtsstudenten der Universität Hildesheim zum Thema „Probleme im Unterricht“ ist zu entnehmen, dass 5 der 23 Befragten Lehrer angeben, dass es keine Problemkinder gibt.
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Eine 26-jährige Hauptschullehrerin antwortete auf die Frage, was für sie ein Problemkind ist, wie folgt: „Das kann ich so nicht beantworten. Da müsste man erstmal klären, wer das Problem überhaupt hat, der Lehrer mit dem Schüler oder der Schüler mit dem Lehrer oder vielleicht der Lehrer mit sich selber? Vielleicht könnte man es ganz allgemein festlegen: Das Problemkind hat immer andere Normvorstellungen als sein Gegenüber,...“ (Olga Graumann, S.23). Um ein Kind als Problemkind zu definieren, muss man also genau analysieren, wo das Problem liegt, ob es eventuell an einem selbst liegt, da man das Kind vorzeitig etikettiert hat. Es muss genau beobachtet werden, wie sich das Problem zeigt bzw. äußert.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ein Problemkind schwer zu definieren ist, aber man allgemein sagen kann, dass es sich um ein Kind handelt, das anders ist als andere Kinder, das von der Norm abweicht. Dieses abweichende Verhalten kann sich aber in verschiedenster Weise zeigen und die Ursachen des Problems sind sehr unterschiedlich und vielfältig sind.
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Arbeit zitieren:
Julia Zabel, 2008, Subjektive Theorien von Lehrern über Risikoschüler, München, GRIN Verlag GmbH
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