Inhaltsverzeichnis
1. E i n l e i t u n g 3
2. Sprachkritik in der Lyrik des Prenzlauer Bergs 3
2.1 S t e f a n D ö r i n g 4
2.2 Bert Papenfuß-Gorek 7
3. Fazit und Ausblick 8
4. Literaturverzeichnis 9
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1. Einleitung
„Die jungen Literaten vom Prenzlauer Berg“ bezeichnen eine alternativ-subkulturelle Künstlerszene, die in den 1980er Jahren ihre Hochphase hatte und unter anderem im Namen gebenden Berliner Bezirk Prenzlauer Berg versuchte, sich von den offiziellen Richtlinien der DDR-Kulturpolitik abzugrenzen. Im Unterschied zu früheren Autoren-Generationen der DDR 1 lebten diese Literaten bewusst am Rand der Gesellschaft und versuchten, aus ihr herauszutreten. Auch der Gegenstand ihres Interesses war ein anderer: Während die älteren Autoren ihren Gegenstand in den Vorgaben des sozialistischen Realismus fanden, wandten sich die jungen Literaten der Sprache zu, da „die strikte ideologische Ausrichtung des Alltags […] nicht vor den Worten halt gemacht“, sondern „sie korrumpiert, zu Propagandazwecken mißbraucht und ihrer ursprünglichen Bedeutung zunehmend entfremdet“ 2 hat. Diese Arbeit steht im Kontext des Seminars „DDR-Literatur“ und lehnt sich an das Referat „Die jungen Literaten vom Prenzlauer Berg“ an, wobei der Aspekt der Sprachkritik vertieft wird. Zunächst stellt sich hierbei die Frage, warum die Literaten Kritik an der Sprache übten. Im Schwerpunkt wird vor allem am Beispiel von Stefan Döring und weiterhin auch bei Bert Papenfuß-Gorek, zwei der bedeutendsten Vertreter dieser Strömung, gezeigt, wie die Literaten ihre Kritik umsetzten und in welchem Maße sich hierdurch neue Assoziationsräume in der Lyrik aufbieten.
2. Sprachkritik in der Lyrik des Prenzlauer Bergs
„Mit dem Blick in die Zeitung verschwanden die Tatsachen. Zurück blieb nur das unbestimmte Gefühl, alles bereits gekannt und schon einmal genau so oder so ähnlich gelesen zu haben - und die paradoxe Ohnmacht beim Zusammenknüllen der Seiten.“ 3
Die Bürger der DDR waren angehalten, die Sprache der Funktionäre zu sprechen. Diese Sprache wird in der Forschung oftmals als eine DDR-Version des Orwellschen „Neusprech“ 4
1 Emmerich unterscheidet vier Generationen von DDR-Autoren, wobei die ersten drei Generationen gemeinsam haben, dass sie sich in der Regel als Sozialisten verstanden, einen moralischen und sozialoperativen Auftrag der Literatur akzeptierten und an einer gesellschaftlichen Utopie festhielten. Die hier behandelte vierte Generation unterscheidet sich von den ersten drei Generationen in dem Punkt, dass sie in den Sozialismus hineingeboren wurde und ihn nicht mehr als Hoffnungsschimmer im Gegensatz zum NS-Regime wahrnahm, sondern vor allem die negativen Seiten der DDR sah. Vgl. hierzu Emmerich, Wolfgang: Kleine Literaturgeschichte der DDR, S. 401-407.
2 Wittstock, Uwe: Von der Stalinallee zum Prenzlauer Berg, S. 228.
3 Thulin, Michael: Die verschwundenen Gegenstände, S. 222.
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bezeichnet. 5 So verdeutlicht das obige Zitat von Michael Thulin (d.i. Klaus Michael) die Enge, die diese Sprache mit sich bringt. Der hauptsächliche Kritikpunkt an der Sprache war, dass sie keinen Bezug mehr zu den Gegenständen hatte und dadurch zu einer botschaftslosen Sprache wurde. 6
„Die Folge […] war die Sprachlosigkeit - oder eine Zweisprachigkeit, deren Sprecher versiert zu wechseln verstanden zwischen der realsozialistischen Offizialsprache und einer völlig abgetrennten Sprache für die Bedürfnisse der privaten Kommunikation.“ 7
Der erste, der versuchte, die Sprache des „realen Sozialismus“ zu hinterfragen, war Gert Neumann. 8 Die junge Literatenszene griff diese Kritik an der herrschenden Sprache auf und fing an, mit ihr zu experimentieren. Es entstanden zahlreiche Variationen und Techniken, mit deren Hilfe die Sprache desorganisiert wird. „Chaotisierung und Verballhornung“ 9 , so Emmerich, lassen die Sprache ihr wahres Potenzial zum Vorschein bringen. Die Literaten sahen in der Sprache also ein Mittel zur Aufrechterhaltung und Festsetzung der Macht. Somit wurde Sprachkritik zur Gesellschaftskritik. Politischer Widerstand oder reformatorische Ansätze kamen für die jungen Literaten nicht in Frage, da sich bei älteren Generationen gezeigt hatte, dass solche diskursiven Bestrebungen scheitern würden und man durch den Diskurs wieder in das Gesellschaftssystem integriert werden würde. 10
2.1 Stefan Döring
Ein Beispiel für die Umsetzung der Sprachkritik der Literaten des Prenzlauer Bergs ist das Gedicht „wortfege“ 11 von Stefan Döring.
4 Orwell, George: 1984, S. 301-315.
5 Vgl. bspw. Wittstock, Uwe: Von der Stalinallee zum Prenzlauer Berg, S. 228 oder Emmerich, Wolfgang: Vom Vorschein der Freiheit im Spiel der Sprache, S. 170.
6 Vgl. Schäkel, Ilona: Sprachgewand(t), S. 9.
7 Emmerich, Wolfgang: Vom Vorschein der Freiheit im Spiel der Sprache, S. 170.
8 Vgl. Neumann, Gert: Die Schuld der Worte.
9 Emmerich, Wolfgang: Kleine Literaturgeschichte der DDR, S. 412.
10 Vgl. Schäkel, Ilona: Sprachgewand(t), S. 11.
11 Döring, Stefan: ‚heutmorgestern’, S. 103.
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Arbeit zitieren:
Matthias Sieberkrob, 2008, Die jungen Literaten vom Prenzlauer Berg, München, GRIN Verlag GmbH
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