Inhalt
Einleitung 3
Natur -Mensch Beziehung 3
Abschlie ßender Kommentar 6
Bibliographie 7
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1. Einleitung
Die literarische Strömung der Romantik bildete sich am Ende des 18. Jahrhunderts heraus und betonte unter anderem das Exotische, das Wunderbare, das Sinnliche und die Hinwendung zur Natur der Menschen. Zentral war die Forderung nach einer neuen Mythologie, was einen bedeutenden Unterschied zur Aufklärung darstellt. Nach der Französischen Revolution forderten die Literaten eine Revolution des Denkens und des Schreibens, wobei die Welt romantisiert werden sollte, um den ursprünglichen Sinn des Lebens wiederentdecken zu können. Der Entfremdung des Menschen von seiner Umwelt sollte entgegengewirkt werden. Die Beziehung von Mensch und Natur spielt in diesem Kontext eine tragende Rolle und rechtfertigt eine genauere Betrachtung eben jener Beziehung in Tiecks frühromantischem
Kunstmärchen „Der blonde Eckbert.“ 1
2. Natur-Mensch Beziehung
Tieck stellt in „Der blonde Eckbert“ zwei Räume gegenüber, einerseits die Burg, andererseits die Hütte der alten Frau im Wald. Diese beiden Orte scheinen die Mittelpunkte zweier gegensätzlicher Welten zu sein. Die Burg steht für Isolation, Einsamkeit, Verschlossenheit und
Melancholie, „a life pared back to the barest minimum of joy and warmth.“ 2 Von der Außenwelt ist die Burg durch Ringmauern abgegrenzt, welche Eckbert und Bertha nur selten
verlassen. 3 Dieses Leben spiegelt das bürgerliche Alltagslebens des 18. Jahrhunderts wider, welches geprägt ist von „Abgrenzung gegen den Andern und das Andere, [...] Streben nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit und das ängstliche Hüten des erworbenen bescheidenen
Wohlstands.“ 4
Die Hütte der alten Frau im Wald hingegen scheint Teil ihrer Umwelt zu sein und mit der Natur geradezu zu verschmelzen. Dies wird deutlich in der ersten Nacht, die Bertha in der Hütte verbringt:
1 Vgl. Stephan, Inge: Romantik als Lebens- und Schreibform. In: Metzler Deutsche Literaturgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hrsg. von Wolfgang Beutin et al.. 7., erweiterte Auflage. Stuttgart: Metzler 2008. S. 202-203.
2 Birrell, Gordon: The Boundless Present. Space and Time in the Literary Fairy Tales of Novalis and Tieck. Chapel Hill: The University of North Carolina Press 1979. S. 40.
3 Vgl. Tieck, Ludwig: Der blonde Eckbert. Der Runenberg. Stuttgart: Reclam 2002. S. 3.
4 Freund, Winfried: Lektüreschlüssel. Ludwig Tieck. Der blonde Eckbert. Stuttgart: Reclam 2005. S. 36.
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Ich blieb nicht lange munter, ich war halb betäubt, aber in der Nacht wachte ich einige Mal auf, und dann hörte ich die Alte husten und mit dem Hunde sprechen, und den Vogel dazwischen, der im Traum zu sein schien, und immer nur einzelne Worte von seinem Liede sang. Das machte mit den Birken, die vor dem Fenster rauschten, und mit dem Gesang einer entfernten Nachtigall ein so wunderbares Gemisch, dass es mir immer nicht war, als sei ich erwacht, sondern als fiele ich nur in einen andern noch seltsamern Traum. 5
Der Gesang des Vogels vermischt sich „wunderbar“ mit dem Gesang einer Nachtigall und dem Rauschen der Birken vor der Hütte, ergibt ein Ganzes und kreiert eine Traumwelt, welche die Realität überspielt. Auch wenn der Vogel in dieser Nacht nur einzelne Worte seines Liedes singt, so ist das Lied selbst doch eine eingehende Beschreibung dieses Ortes:
Waldeinsamkeit
Die mich erfreut, So morgen wie heut In ew´ger Zeit, O wie mich erfreut Waldeinsamkeit. 6
Die Einsamkeit im Wald steht konträr zur Einsamkeit in der Burg. Hier ist sie Ausdruck immer wiederkehrender Freude. Wenngleich die alte Frau zwar einsam lebt, so scheint sich ihr Leben durch den Hund als Symbol für Vitalität und den Vogel als Symbol für Phantastisches deutlich vom Leben auf der Burg zu unterscheiden. Weiterhin lebt sie nicht in
Isolation, sondern verlässt die Hütte in einiger Häufigkeit für kleinere Reisen. 7 Die Verbindung der Burg zur Außenwelt und zur Natur ist Eckberts Freund Philipp Walther. Als einziger ist er regelmäßig auf der Burg zu Besuch und ist der Natur als Sammler von Kräutern und Steinen sehr zugetan. Diese Verbindung wird zum Verhängnis aller Figuren. Eckbert fordert Bertha auf, die Geschichte ihrer Jugend zu erzählen. Der Rahmen dieses Abends kündigt schon den weiteren Verlauf der Handlung an: Die Nacht ist neblig, nass und
kalt und „sah schwarz zu den Fenstern herein.“ 8 In der Burg hingegen ist es warm und gemütlich, ein Feuer wird im Kamin entzündet und die Flamme wirft einen hellen Schein. Die Gegenwelten Burg und Natur erscheinen antithetisch und beginnen einen Kampf zu führen, der den Figuren letztendlich zum Verhängnis wird, da sie zwischen den Welten gefangen sind, sich nicht voll und ganz nur einer Welt hingeben können.
5 Tieck, Ludwig: Der blonde Eckbert. S. 11.
6 Ebd. S. 10.
7 Einer ähnlichen Argumentation folgt Birrel, Gordon: The Boundless Present. S. 41.
8 Tieck, Ludwig: Der blonde Eckbert. S. 4.
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Arbeit zitieren:
Matthias Sieberkrob, 2008, Essay zu Ludwig Tiecks „Der blonde Eckbert“ unter der Fragestellung: Welche Beziehung zeigt Tieck zwischen Mensch und Natur?, München, GRIN Verlag GmbH
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