INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 2
2. DIE ENTSTEHUNG DER FEMINISTISCHEN LINGUISTIK 2
2.1 DIE NEUE FRAUENBEWEGUNG. 2
2.2 HYPOTHESENENTWICKLUNG ZUR FRAUENSPRACHE. 4
2.2.1 Die Defizithypothese. 4
2.2.2 Die Differenzhypothese. 5
2.2.3 Die Code-switching-Hypothese 5
3. FEMINISTISCHE SPRACHKRITIK 6
4. GESCHLECHTSTYPISCHE GESPRÄCHSSTILE 7
4.1 THEMENKONTROLLE UND GESPRÄCHSARBEIT 8
4.2 ANALYSEKRITERIEN ZUR GESPRÄCHSKONTROLLE 9
4.2.1 Unterbrechungen 9
4.2.2 Verzögerte oder ausbleibende Minimalreaktionen 11
4.2.3 Redezeit, Anzahl und Dauer der Redebeiträge 12
4.2.4 Steuerung des Gesprächsthemas 13
4.3 ANALYSEKRITERIEN ZUR THESE DER GESPRÄCHSARBEIT 15
4.3.1 Herstellen von Bezügen 15
4.3.2 Minimalbestätigungen. 16
4.3.3 Fragen statt Aussagen. 17
4.3 WEIBLICHER UND MÄNNLICHER GESPRÄCHSTIL IN ÖFFENTLICHEN
KOMMUNIKATIONSSITUATIONEN NACH ULRIKE GRÄßEL 18
4.4.1 Weiblicher Gesprächsstil in öffentlichen Kommunikationssituationen. 19
4.4.2 Männlicher Gesprächsstil in öffentlichen Kommunikationssituationen 19
5. FAZIT. 20
6. LITERATURVERZEICHNIS 21
Feministische Linguistik - Geschlechtstypische Gesprächsstile
1. Einleitung
Die Sprache gilt als eines der wichtigsten Instrumente unserer sozialen Interaktion. Sie dient zur Durchsetzung gesellschaftlicher und persönlicher Interessen. Somit ist die Sprache, wenn man sie beherrscht und weiß, wie sie einzusetzen ist, ein „Machtinstrument“. Voraussetzung für die sprachliche Kommunikation ist das Wissen von der Wirkung und Handhabung der Sprache. Wie begrenzt man mit der Sprache umgehen kann, erfährt man bereits beim Erlernen einer Fremdsprache. Die Sprache ist nicht nur von den Sprachkonventionen, sondern auch von der Betonung, der Redegeschwindigkeit, der Stimmlage etc. beeinflusst. Ähnliche Hürden bestehen offensichtlich auch innerhalb einer Sprachgemeinschaft zwischen den verschiedenen Geschlechtern - Frauen und Männer unterscheidet also nicht nur das Geschlecht, die Stimme, der Gang und die Kleidung, sondern auch die sprachliche Kommunikation.
Durch diese Feststellung entstand ein neues Forschungsgebiet in der Linguistik, die feministische Linguistik.
In diesem Zusammenhang sollen in dieser Arbeit die feministische Linguistik und die geschlechtstypischen Gesprächsstile thematisiert werden.
Im folgenden Kapitel stelle ich zunächst komprimiert die Vorläufer und die Entstehung der feministischen Linguistik vor, um dann näher auf die Hypothesenentwicklung zur Frauensprache einzugehen. Im anschließenden Kapitel möchte ich versuchen, die feministische Sprachkritik näher zu beleuchten um im Anschluss daran auf das Thema geschlechtstypische Gesprächsstile einzugehen.
Vorab möchte ich noch erwähnen, dass ich als Verfasserin dieser Hausarbeit, keineswegs praktizierende Feministin oder gar „Emma“ Leserin bin. Trotzdem interessiere ich mich für diesen Bereich der Linguistik, da sich durch diesen Zweig der Forschung bereits ein Wandel in unserem Sprachsystem vollzogen hat, der auch einen Bedeutungswandel mit sich zog.
2. Die Entstehung der feministischen Linguistik
2.1 Die neue Frauenbewegung
Ihre Anfänge findet die feministische Sprachreflexion in der neuen Frauenbewegung der Bundesrepublik, die von der 1968er Generation eingeführt wurde. Innerhalb der damaligen Studentenbewegung wurde neben dem politischen Geschehen auch das
Feministische Linguistik - Geschlechtstypische Gesprächsstile
Geschlechterverhältnis zueinander diskutiert. Die feministische Suche nach „weiblichen Ausdrucksformen im Gegensatz zur männlichen Redekultur“ 1 begann. Die Frauenbewegung in Deutschland besteht aus zwei zeitlich aufeinanderfolgenden Phasen. Die erste Phase umfasst den Zeitraum von etwa 1840 bis 1933. In dieser Zeit kämpften die Frauen um ihre soziale, kulturelle, politische und ökonomische Gleichberechtigung und schlossen sich zu bürgerlichen und proletarischen Vereinen und Interessensverbänden zusammen. Der „Bund deutscher Frauenvereine“ löste sich 1933 eigenständig auf, um einer Gleichschaltung mit nationalsozialistischen Organisationen zu entgehen. Erst nach 1945 gab es wieder eine eigenständige Frauenbewegung, nachdem sich einige der alten Verbände wiedergegründet und zum „Deutschen Frauenrat“ zusammengeschlossen hatten. Die zweite Phase der Frauenbewegung, auch „Neue Frauenbewegung“ genannt, hat ihre Anfänge in der Studentenbewegung und der außerparlamentarischen Opposition (APO) 1967/68 genommen. Die außerparlamentarische Opposition hat sich als Gegengewicht zur großen Koalition zwischen CDU und SPD die 1967 gebildet.
Eine weitere Triebkraft war 1968 die Studentenbewegung, welche von den Ereignissen und dem Protestklima in den USA beeinflusst war. Die Lebensbedingungen ethnischer Minderheiten wurden dort diskutiert. In Anlehnung an den Begriff Rassismus wurde der Begriff Sexismus gebildet, der die Unterdrückung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts impliziert.
Die Frauen der Neuen Frauenbewegung begannen die Strukturen der Gesellschaft kritisch zu hinterfragen und wollten es nicht hinnehmen, dass sie bei politischen Diskussionen und Visionen zur Umgestaltung der Gesellschaft ausgeschlossen wurden. In der Neuen Frauenbewegung bestand die Auffassung, dass die sprachlichen Ausdrucksmittel von männlichem Empfinden und Denken geprägt waren. Somit erschien den Frauen die weibliche Existenz als Produkt männlicher Zuschreibung, so dass sie nun das authentisch Weibliche, welches sich nicht selbst entfremdet sein sollte, suchten. Schließlich wurde die Sprache und das Sprechen in das Zentrum der weiblichen Selbstfindung gestellt. „Das Thema ‚weibliche Identität‘ verknüpfte sich mit dem Thema Sprache der Frauen.“ 2 Die Frauen erkannten, dass auch die gebräuchlichen, vorherrschenden sprachlichen Ausdrucksmittel von männlichem Denken geprägt waren.
Um dies zu ändern und auch der Sprache weiblichen Ausdruck zu verleihen, wurde sowohl im schriftlichen als auch im mündlichen Sprachgebrauch eine Veränderung angestrebt.
1 Samel, Ingrid: Einführung in die feministische Sprachwissenschaft. Berlin 2000, S. 16.
2 Samel, Ingrid: Einführung in die feministische Sprachwissenschaft. Berlin 2000, S. 19.
Feministische Linguistik - Geschlechtstypische Gesprächsstile
Argumentiert wurde zu jener Zeit damit, dass das vom allgemeinen (allgemein = männlich) Sprechen abweichende weibliche Sprechen defizitär sei. Aus diesem Grund wurde von den feministischen Linguistikerinnen das weibliche Sprechen als positiv deklariert. Das weibliche Sprechen war gegenüber dem männlichen Sprechen nicht mangelhaft, sondern das andere Sprechen im Sinne von Differenz zum männlichen Sprechen.
So beendete auch Senta Trömel-Plötz an der Universität Konstanz ihre Antrittsvorlesung Ziel vorgebend:
„Frauensprache bedeutet: Frauen reden mit Selbstvertrauen und Sicherheit, mit Autorität, mit Gefühl, mit Zärtlichkeit, entwickeln ihre eigenen Stile, literarische, alltagssprachliche, professionelle, poetisch, werden hörbar, hören sich gegenseitig und werden gehört. Frauensprache heißt Veränderung.“ 3
Wichtig für den Bezug zwischen der Neuen Frauenbewegung und der feministischen Sprachwissenschaft ist, dass die Neue Frauenbewegung mit ihrem Streben nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten der Frauen und ihrer grundlegenden Gesellschaftskritik der Ausgangspunkt für die feministische Auseinandersetzung mit dem Thema „Sprache und Geschlecht“ war. Das Vorbringen dieses Schwerpunkts an die Wissenschaft führte Ende der 1970er Jahren zu der feministischen Sprachwissenschaft.
2.2 Hypothesenentwicklung zur Frauensprache
2.2.1 Die Defizithypothese
Der Gedanke, dass es eine typisch weibliche Sprache geben könnte, ist nicht auf die Frauenbewegung zurück zu führen, sondern wurde von dieser nur aufgegriffen. Der Ursprung liegt in der anthropologisch-ethnologischen Forschung und in Reiseberichten letzter Jahrhunderte.
Zwei Vertreter der älteren Beschreibung von Frauensprache in Europa waren Otto Jespersen und Fritz Mauthner. Während sich Jespersen (1922) mit Wortschatz und Syntax beschäftigt, setzt sich Mauthner (1921) mit dem Gesprächsverhalten von Frauen auseinander. Die Unterschiede im Sprechen zwischen Männern und Frauen sieht Mautner vor allem in sozialen Belangen wie Stand und Bildung begründet. Für ihn sind Frauen nicht in der Lage, die Männersprache zu erlernen. Festzuhalten ist, dass solch eine Aussage keinerlei Allgemeingültigkeit beansprucht, da sie auf individuellen Beobachtungen beruhen. Jespersen, welcher von der anthropologischen Tradition eingenommen ist, geht in seiner Hypothese
3 Samel (2000), S. 21; zit.n. Trömel-Plötz (1982), S.76.
Feministische Linguistik - Geschlechtstypische Gesprächsstile
davon aus, dass Frauen unvollständige Sätze bilden, da sie auch ihre Gedanken unvollständig ausführen.
Danach sprechen Männer häufiger in Satzgefügen von Haupt- und Nebensätzen (hypotaktisch) und Frauen in Satzverbindungen (parataktisch). Weiterhin stellt Jespersen fest, das Frauen redegewandter seien als Männer, da ihr Wortschatz kleiner ist. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sowohl Jespersen als auch Mauthner davon ausgehen, das die Frauensprache keine eigenständige Sprache ist, sondern eine minderwertig abweichende Form der Männersprache. Damit sind Jespersen und Mauthner eindeutige Vertreter der „alten Defizithypothese“. Im Anschluss an Jespersen und Mauthner wurde von den Frauenforscherinnen der ersten Dekade (Mary Ritchie Kay, Robin Lakoff, Senta Trömel-Plötz) die „neue Defizithypothese“ aufgestellt. Der Unterschied zur Bewertung der Frauensprache durch Jespersen besteht darin, dass bei Kay, Lakoff und Trömel-Plötz vor allem die soziale Stellung der Frau als Ausgangspunkt der defizitären Sprache gesehen wird: „Nicht weil die Frau so ist, wie sie ist, benutzt sie das weibliche Register oder eine sogenannte Frauensprache, sondern weil die gesellschaftlichen Verhältnisse sie dazu zwingen, ihr Sprachverhalten darauf abzustimmen, daß sie trotz ihrer untergeordneten Stellung Gehör findet.“ 4
2.2.2 Die Differenzhypothese
Die Differenzhypothese geht von der Andersartigkeit der weiblichen Sprechweise aus, ohne das „anders sein“ negativ zu bewerten. Nach Fern L. Johnson drückt die Differenzhypothese zwei Richtungen aus. Zum einen wird festgestellt, dass Autorinnen es ablehnen die Geschlechtsrollen als Voraussetzungen für die Differenzierung von Frauen- und Männersprache zu sehen und zum anderen besagt die Hypothese, dass die Frauensprache angemessen sei und als Variante der Männersprache nicht weiterentwickelt werden muss. Strikt abgelehnt wird vor allem die Annahme, einen Vorteil darin zu sehen, die Männersprache zu imitieren. Als Grund für die verschiedenen Sprachen wird der kulturelle Unterschied zwischen der Frauen- und der Männerwelt gesehen.
2.2.3 Die Code-switching-Hypothese
Bei der Code-switching-Hypothese wird weder von der einfachen Andersartigkeit der weiblichen Sprechweise, noch von einem Mangel ausgegangen. Die Hypothese behauptet, dass Frauen situationsabhängig von einer Sprache in die andere Sprache wechseln können,
4 Samel, Ingrid: Einführung in die feministische Sprachwissenschaft. Berlin 2000, S. 36.
Arbeit zitieren:
Christine Nisters, 2006, Feministische Linguistik - Geschlechtstypische Gesprächsstile, München, GRIN Verlag GmbH
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