Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Ausgangssituation 3
3. Wandel 4
4. Fazit. 8
5. Quellenverzeichnis: 10
6. Literaturverzeichnis: 10
2
1. Einleitung
In der folgenden Hausarbeit werde ich die Machtverschiebung in der Beziehung von Georg Bendemann zu seinem alternden Vater thematisieren. Da Kafkas Erzählung „Das Urteil“ schon unzählige Male interpretiert wurde, werde ich sie unter einem bestimmten Gesichtspunkt betrachten. Ich stelle die Frage, inwiefern die Veränderung des beruflichen Verhältnisses von Georg und seinem Vater zu einem Wandel der beziehungsinternen Hierarchie führte. Ein wichtiger Aspekt wird sein, die Art und Weise der Darstellung von gesprochenen Worten und von Gedanken zu betrachten und inwiefern hierbei eine Entwicklung im Laufe der Erzählung zu beobachten ist und wie sich dieses wiederum auf das Kräfteverhältnis von Georg und seinem Vater auswirkt.
Zitieren werde ich die Erzählung aus der Reclam-Ausgabe: „Kafkas »Urteil« und die Literaturtheorie. Zehn Modellanalysen“ 1 .
2. Ausgangssituation
Der Text beginnt mit einem Erzählerbericht, welcher dem Leser eine Übersicht über den Protagonisten und den Ort der Handlung liefert. „Es war an einem Sonntagvormittag im schönsten Frühjahr. Georg Bendemann, ein junger Kaufmann, saß in seinem Privatzimmer im ersten Stock eines der niedrigen, leichtgebauten Häuser, die entlang des Flusses […] sich hinzogen.“ Auf diesen Erzählerbericht folgt ein Bewusstseinsbericht, welcher die interne Fokalisierung auf Georg Bendemann deutlich macht. Die anfängliche Übersicht wechselt folglich zu einer „Mitsicht“, eingeleitet durch die Passage: „und sah dann [...] aus dem Fenster auf den Fluß, die Brücke und die Anhöhen am andern Ufer mit ihrem schwachen
Grün.“ 2 Die Darstellung im Folgenden ist trotz der Verwendung der dritten Person und des epischen Präteritums an die Wahrnehmung Georg Bendemanns gebunden.
„Er dachte darüber nach, wie..“ 3 leitet einen weit über die Grenzen eines Satzes hinausgehenden Bewusstseinsbericht ein, der das Erzählte in einem persönlich gefärbten Licht präsentiert.
Der Leser erfährt, dass Georg nach dem Tod seiner Mutter vor zwei Jahren selbstständig und erfolgreich im väterlichen Betrieb arbeitet. Er erscheint selbstsicher und motiviert 4 , nach eigenen Worten legt er seit dem Tod der Mutter „größere Entschlossenheit“ 5 an den Tag.
1 Vgl. Kafka Franz: Das Urteil, in: Jahraus, Oliver; Neuhaus, Stefan [Hrsg.]: Kafkas »Urteil« und die Literaturtheorie. Zehn Modellanalysen, Stuttgart 2002, S. 7-20.
2 Das Urteil, S. 7.
3 Das Urteil, S. 7.
3
Sein Vater hat sich in den letzten zwei Jahren zurückgezogen. Zu Lebzeiten der Mutter hatte er den Betrieb geleitet und Georg hatte wahrscheinlich nicht die Freiheit, dort eigenständig agieren zu können. 6 Allerdings fand durch den Tod der Mutter und das fortschreitende Alter des Vaters eine Verschiebung statt.
In einem Brief, den Georg an seinen in St. Petersburg wohnenden Freund schreibt, erzählt er, dass er als Geschäftsmann erfolgreicher ist, als es sein Vater jemals war. Georg schreibt, er habe sogar das Personal verdoppeln müssen, der Umsatz habe sich verfünffacht und „ein
weiterer Fortschritt stand zweifellos bevor“ 7 . Georg erscheint selbstsicher, motiviert und zuversichtlich.
3. Wandel
Auch der zweite Teil beginnt ruhig und sachlich. Georg geht in das Zimmer seines Vaters, um ihm den Brief zu zeigen.
Ein Erzählerbericht leitet den zweiten Teil ein 8 , weswegen der Leser nichts über Georgs Motivation, seinen Vater aufzusuchen, erfährt. Diese Distanz wird aber durch den anschließenden Bewusstseinsbericht und die häufige direkte Rede schnell wieder reduziert. Der Leser erfährt etwas über die derzeitige Lebenssituation des Vaters. Der Vater lebt in
einem kleinen Hinterzimmer, in dem Georg schon seit Monaten nicht mehr gewesen war. 9 „Georg staunte darüber, wie dunkel das Zimmer des Vaters selbst an diesem sonnigen Vormittag war. Einen solchen Schatten warf also die hohe Mauer, die sich jenseits des schmalen Hofes erhob.“ 10 Im Gegensatz dazu steht die Schilderung von Georgs Zimmer. Er hat von seinem Schreibtisch aus einen scheinbar freien Blick nach draußen, auf einen Fluss und eine belebte Straße. 11
Als Georg das Zimmer betritt, erhebt sich sein Vater von seinem Platz und geht auf ihn zu. Die Wirkung, die er auf Georg hat, wird hierbei schnell deutlich: „›Mein Vater ist noch
immer ein Riese‹, sagte sich Georg.“ 12 Zu Beginn ist die Kommunikation zwischen Vater und Sohn noch nachvollziehbar. Sie unterhalten sich über den Brief und Georgs Freund in St.
4 Vgl. Ort, Claus-Michael: Sozialgeschichte der Literatur und die Probleme textbezogener Literatursoziologie anlässlich von Kafkas Das Urteil, in: Jahraus, Oliver; Neuhaus, Stefan [Hrsg.]: Kafkas »Urteil« und die Literaturtheorie. Zehn Modellanalysen, Stuttgart 2002, S.101-125, hier S. 114. 5 Das Urteil, S. 9.
6 Vgl. Palm, Christine: „Wir graben den Schacht von Babel“ oder Kafkas „Urteil“. Versuch einer semasiologisch-textlinguistischen Analyse (Acta Universitatis Upsaliensis. Studia Germanistica Upsaliensa 30), Uppsala 1989, S. 44.
7 Das Urteil, S. 9.
8 ab S. 11 „Mit diesem Brief…“.
9 Vgl. Das Urteil, S.11.
10 Das Urteil, S.12.
11 Vgl. Das Urteil, S.7.
12 Das Urteil, S.12.
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Arbeit zitieren:
2007, Die Machtverschiebung in der Beziehung von Georg Bendemann und seinem Vater in Franz Kafkas Erzählung "Das Urteil", München, GRIN Verlag GmbH
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