Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis......................................................................................... 2
1. Einleitung 3
2. Entwicklung des Mönchtums 3
3. Zweck des Anachoretentums 7
4. Die Apophthegmata Patrum 9
5. Darstellung der Dämonen - die Wüste als Kampfgebiet 12
5.1 Der Kampf gegen die Leidenschaften 12
5.2 Methoden des Kampfes 19
5.3 Die athleta christi 22
6. Fazit 26
7. Anhang 27
8. Quellenverzeichnis: 28
9. Literaturverzeichnis: 28
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1. Einleitung
In dieser Seminararbeit möchte ich die Darstellungen von Dämonen aus Sicht der Wüstenväter behandeln. Textgrundlage sollen hierbei die Apophthegmata Patrum 1 sein. Ich werde sie aus der deutschen Übersetzung zitieren; die griechische, lateinische und koptische Fassung ist im Quellenverzeichnis bibliografiert.
Die Apophthegmata Patrum liefern in vielerlei Hinsicht Zeugnisse ab über das Leben der Wüstenväter. Schwerpunktmäßig möchte ich mich mit dem Thema der Dämonendarstellung beschäftigen und werde deshalb die gegeben Zitate nicht in ihrer gesamten Dimension interpretieren können. Ich beginne diese Arbeit mit einer kleinen Einführung in die Entwicklung des Mönchtums und das Leben der Anachoreten, ehe ich auf die Apophthegmata Patrum zu sprechen komme. Nach einem kurzen Einblick in die Überlieferungsgeschichte des Textes werde ich dann ausführlich die Definition der Wüste als Kampfgebiet und Darstellung der Dämonen behandeln.
2. Entwicklung des Mönchtums
Das Wort Mönch stammt ab von dem kirchenlateinischen Begriff monachus, welcher soviel wie ‚Einsiedler‘ bedeutet. Der Mönch bzw. sein weibliches Pendant, die Nonne, ist ein asketisch lebendes Mitglied einer Religion, das sich zeitweise oder auf Lebenszeit in den Dienst seines Glaubens stellt. Das Selbstverständnis des frühen christlichen Mönchtums war ein Leben als vita evangelica oder vita apostolica. 2 Die ersten Mönche lebten als Anachoreten bzw. Eremiten. 3 Der Begriff Eremit, der aus dem Griechischen stammt (eremita, eremus) und soviel wie ‚stille Einöde‘ oder
1 Apophthegmata Patrum, übers. Miller, Bonifaz (Sophie. Quellen östlicher Theologie Bd. 6), Trier 1998.
2 Vgl. Von Lilienfeld, Fairy: Art. Mönchtum II, in: TRE, Bd. XXII,S. 150-193, S. 159.
3 Anm.: Griech. anachōreō - zurückziehen. Die Anachoreten lebten im Gegensatz zu den in klösterlichen Gemeinschaften lebenden Koinobiten zurückgezogen. Vgl. Frank, Karl Suso: Art. Einsiedler, in: LThK, Bd. 3, S. 558.
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‚Einsamkeit‘ bedeutet, wurde zunächst als Synonym für Mönch gebraucht. Erst in späterer Zeit bekam er die Bedeutung ‚Einsiedler‘. 4 Eine bedeutende Gruppe der Eremiten/Anachoreten waren die Wüstenväter. Dies waren Mönche, die zur Zeit der christlichen Spätantike in der Einsamkeit der Wüste lebten. Der Auszug in die Wüste begann im 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. in Ägypten. Dieses Menschen wurden ‚Entsager‘ genannt, christliche Asketen, welche sich unter anderem aufgrund der Christenverfolgung unter Diokletian und des sozialen Elends der Zeit in die sketische Wüste zurückzogen. 5 Die Sketis wurde mit der Zeit zu einer Art „heroischem Vorposten“ 6 der ägyptischen Asketen. Die Wüste war im Allgemeinen für die Ägypter eigentlich aufgrund ihrer menschenfeindlichen Gegebenheiten ein Ort des Todes. 7 Die Anachoreten aber sahen in der Wüste einen Ort großer Gottesnähe, an dem sie abgeschieden von der restlichen Welt ein asketisches und gottgefälliges Leben führen konnten. Der Gang in die Wüste war eine Weltflucht in die Einsamkeit. Darüber hinaus galt die Wüste aber auch als besonderer Sitz Satans und seiner Dämonen und wurde somit zum Kampfgebiet für den athleta Christi.
Das Leben der Wüstenväter fand zu einem großen Teil in Einsiedlerkolonien statt. Hier konnte der Einzelne zwar das Ablegen aller Leidenschaften in Armut und Stille üben, war aber nicht ohne Hilfe seiner Brüder und auch Schwestern, sollte er in Bedrängnis kommen. Die meisten der Wüstenväter lebten in Höhlen und Hütten, aber auch in Gräbern, ehemaligen heidnischen Tempelanlagen und Felsspalten. 8 Die Behausung wurde Kellion (Pl. Kellia) genannt. 9 Des Schutzes wegen, waren diese oft nur Steinwurf- oder Rufweite voneinander entfernt. Die Einsiedlerkolonien bildeten sich zumeist aus der Ansammlung von Schülern um einen Wüstenvater. 10 Lebensmittel erwirtschafteten die Wüstenväter durch die
4 Vgl. Von Lilienfeld, Mönchtum II, S. 152.
5 Anm.: Die sketische Wüste, in den Apophthegmata Patrum oft als Sketis bezeichnet, liegt ca. 80 km von Alexandria entfernt, auf der Westseite des Nils. Karte siehe Anhang.
6 Brown, Peter: Die Keuschheit der Engel. Sexuelle Entsagung, Askese und Körperlichkeit am Anfang des Christentums, übers. v. Martin Pfeiffer, München; Wien 199, S. 229.
7 Vgl. Brunner-Traut, Emma: Die Kopten. Leben und Lehre der ägyptischen Christen in Geschichte und Gegenwart, München 4 1993, S. 24.
8 Vgl. Von Lilienfeld, Art. Mönchtum II, S. 155.
9 Vgl. Miller, Apophthegmata Patrum, S. 8.
10 Vgl. Von Lilienfeld, Art. Mönchtum II, S. 155.
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Bearbeitung eines kleinen Stückes Land oder indem sie Waren auf den Märkten tauschten. Ihre Kleidung war sehr ärmlich und bestand zumeist aus Tierfellen. 11
Als erster Anachoret, der den Rückzug in die Wüste antrat, gilt Antonios der Große, auch Antonios abbas oder Antonios eremita genannt. 12 Sein Ruf als erster und berühmtester der Wüstenväter ergibt sich aber auch durch die Popularität seiner Vita, der Vita Antonii. 13 Weitere wichtige Wüstenväter sind Makarios der Ägypter, Poimen, Arsenios der Große und Ammon, um nur Einige zu nennen. Vor ihren Namen setzte man die Bezeichnung abbas, welche das griechische Wort für Abt ist und sie als Altväter der Wüste auszeichnet.
Bereits vor Antonios soll es Einzelfälle von Eremiten gegeben haben, als Beispiele sind hier Bischof Narkissos von Jerusalem (um 212) und Novatian von Rom (um 250) zu nennen. Dies belegt die recht frühe Aufgeschlossenheit der frühen Christen für ein zumindest zeitweiliges Leben als Eremit. Mit der Entstehung und Entwicklung des christlichen Mönchtums wurde der Eremit später dann zur weit verbreiteten Erscheinung. 14
Es waren zumeist Männer, die das gottgefällige Leben in der Wüste antraten, aber es gab auch einige Frauen. Diese sogenannten ‚Wüstenmütter‘ existierten in Ägypten ab dem 4. Jahrhundert. Sie waren Anachoretinnen, die als spirituelle Mütter sowohl jüngere Mönche als auch weiteres Publikum belehrten, ebenso wie ihre männlichen Pendants. 15 Bisher gibt es nur wenig Forschungsliteratur über sie, aber die Apophthegmata Patrum liefern ein Zeugnis ihrer Existenz und ihres Handelns ab. Bei ihnen steht der Begriff amma anstelle von abbas vor dem Namen. In den Apophthegmata Patrum finden sich drei Wüstenmütter, Amma Theodora, Amma Sarrah und
11 Vgl. Miller, Apophthegmata Patrum, S. 8.
12 um 251?; † 356.
13 Vgl. Athanasius: Vita Antonii, hrsg. v. Adolf Gottfried, Leipzig 1987. Eine deutsche Übersetzung der Vita findet sich in der Onlineversion der Bibliothek der Kirchenväter unter der Adresse: http://www.unifr.ch/bkv/werk.php?bandnr=131.
14 Vgl. Frank, Art. Einsiedler, S. 557.
15 Vgl. Müller, Barbara: Der Weg des Weinens. Die Tradition des „Penthos“ in den Apophthegmata Patrum (Forschungen zur Kirchen- und Dogmengeschichte Bd. 77), Göttingen 2000, S. 51.
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Amma Synkletika. 16 Amma Sarrah soll inmitten von Wüstenvätern gelebt haben; Theodora und Synkletika hingegen waren vermutlich Vorsteherinnen asketischer Frauenklöster. 17
Ab dem 4. Jahrhundert kam es zur Einführung des Koinobions; des gemeinsamen Lebens (griech. koinos bios) der Mönche, eingeleitet durch Pachomios 18 , welcher als Gründer der ersten christlichen Klöster gilt. Pachomios rief zum Zusammenschluss von Anachoreten zu einer Art klösterlicher Verbände in der Wüste auf. Das erste Kloster der Koinobiten entstand um 320 am Nil in Oberägypten. 19 Die Nachricht, dass er nach göttlichem Auftrag handelte und die neuartige Struktur des Koinobions zog Menschen von weither nach Ägypten. 20
Eine weitere bedeutende Rolle in der Entfaltung des Mönchtums spielte Basilius von Caesarea 21 , der der Einsamkeit in der Wüste die ländliche Einsamkeit entgegen setzte. Er lehnt das Eremitentum ab und fordert Einsamkeit zu Mehreren. 22
Um die sich entwickelnden Spannungen zwischen Koinobitentum und Eremitentum zu lösen, wurde festgelegt, dass „Interessenten“ zuvor lange im Kloster geschult werden mussten, ehe sie den Rückzug in die Einsamkeit antreten durften. 23 Trotz des basilianischen Anspruchs blieben die Eremiten über lange Zeit gegenwärtig, allerdings verlangte die kirchliche Gesetzgebung mit der Zeit längere Prüfungszeiten. Hierzu steht in der Regula Benedicti:
„Deinde secundum genus est anachoritarum, id est heremitarum, horum qui non conversationis fervore novicio, sed monasterii probatione diuturna, qui didicerunt contra diabulum multorum solacio iam docti pugnare, et bene extructi fraterna ex acie ad singularem pugnam heremi, securi iam sine consolatione alterius,
16 Anm.: Amma Theodora: Apophthegmata Patrum Nr. 309-315, Amma Sarrah: Nr. 884-891, Amma Synkletika: Nr. 892-909. Ein weiteres Zeugnis für eine Amma findet sich in Nr. 1022.
17 Vgl. Müller, Der Weg des Weinens, S. 52.
18 um 292/298 in Esneh, Ägypten; † 346 in Pbow)
19 Vgl. Miller, Apophthegmata Patrum, S. 8.
20 Vgl. Brunert, Maria-Elisabeth: Das Ideal der Wüstenaskese und seine Rezeption in Gallien bis zum Ende des 6. Jahrhunderts (Beiträge zur Geschichte des Alten Mönchtums und des Benediktinertums Bd. 42), Münster 1994, S. 111.
21 um 330 in Cäsarea, Kappadokien; † 1. Januar 379. Er war Asket, Bischof und Kirchenlehrer.
22 Vgl. Frank, Art. Einsiedler, S. 558.
23 Vgl. Jaspert, Bernd: Askese VI, in: TRE, Bd. IV, S. 229-239, S. 230.
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sola manu vel brachio contra vitia carnis vel cogitationum, Deo auxiliante, pugnare sufficiunt.“ 24
Neben Benedikt verfasste auch Franz von Assisi „Regeln für Einsiedeleien“ (Regula pro eremitoriis data), die dem Leben der Brüder einen Rahmen geben sollten:
„Illi, qui volunt religiose stare in eremis sint tres fratres vel quattuor ad plus; duo ex ipsis sint matres et habeant duos filios vel unum ad minus. Isti duo, qui sunt matres, teneant vitam Marthae et duo filii teneant vitam Mariae (Lk 10,38-42) et habeant unum claustrum, in quo unusquisque habeat cellulam suam, in qua oret et dormiat. “ 25
Athanasius hatte in seiner Vita Antonii den Prototyp des christlichen Anachoreten beschrieben: Der Eremit lebt in der Wüste, fernab von besiedeltem und kultiviertem Land und begründet seinen Auszug biblisch. Trotz dieses biblischen Anspruches sind die hellenistischen Einflüsse im Leben der Anachoreten relativ deutlich. Zu nennen ist hierbei die asketische Grundstimmung; praktisch alle Philosophenschulen der Spätantike waren asketisch gestimmt. 26
3. Zweck des Anachoretentums
Das Eingedenksein Gottes ist ein wichtiges Bedürfnis der frühen Mönche. Dafür braucht es Ruhe, Sammlung, Einsamkeit und Schweigen. Den Anachoreten ging es um das ‚Ablegen der Welt‘ und die Befreiung von ihrem alten Leben. Dies bedeutet vor allen Dingen Askese, aber nicht um des Selbstzwecks willen, sondern um sich frei zu machen, von dem Menschen, der man vorher war. Dennoch kam es unter den Einsiedlern zum Teil zu einer Art Wettstreit um die rigoroseste Askese, welche aber von den weisen Altvätern verdammt wurde. 27
24 Benedictus: Regula Benedicti, übs. v. Basilius P. Steidle: Die Benediktus-Regel, Beuron 1975, 1,3ff.
25 Franziskus von Assisi: Regula pro eremetoriis data, , in: http://www.franciscanos.org/esfa/reger.html, Stand November 2007.
26 Vgl. Von Lilienfeld, Art. Mönchtum II, S. 158.
27 Vgl. Von Lilienfeld, Art. Mönchtum II, S. 154.
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Dem asketischen Leben liegt zumeist die Vorstellung zugrunde, dass das Körperliche ‚dem Geistigen‘ untergeordnet sei. Zweck der Askese kann die Selbstkontrolle sein, aber auch die Festigung des Charakters und die relative Unabhängigkeit von bestimmten lebensnotwendigen Dingen spielen hierbei eine Rolle. 28 Sehr strikte und konsequente Askese beruht fast ausnahmslos auf einer Vorstellung, bei der der Körper als „Gefängnis“ oder „Grab“ aufgefasst wird und aus diesem Grund infolgedessen nicht nur gestraft, sondern letztendlich vernichtet werden muss (mortificatio). Dieses Denken führte die Asketen bis zur Verstümmelung von Gliedern, Begräbnis bei lebendigem Leib oder auch Selbstkastration. 29 Diese körperfeindliche Form der Askese lässt sich neutestamentarisch begründen. Es finden sich zwar auch im Alten Testament diverse Formen asketischen Handelns, wie z.B. Fasten, Enthaltung vom Wein bei bestimmten jüdischen Gruppierungen und sexuelle Enthaltsamkeit, aber diese Handlungen geschahen nicht um ihrer selbst willen, sondern dienten einer bestimmten Gelegenheit oder einem bestimmten Zweck. 30 Anders gestaltet sich dieses im Neuen Testament. Hier finden sich asketische Gestalten wie Johannes der Täufer oder auch Jesus. Jesus erregt zwar auf der einen Seite durch die Freiheit, die seine Jünger gegenüber asketischen Gebräuchen hatten, bei den Johannesjüngern gewisses Aufsehen (Mt 11,18ff., Mk 2,18f.), aber auf der anderen Seite bewunderte er die Selbstzucht Johannes‘ und war in der Lage, sie nachzuahmen (Mt 4,2).
Betrachtet man nun den Anfang der christlichen Askese im Mittelalter, so stellt man fest, dass ihr kein asketisches Lehrbuch zugrunde liegt, sondern die Regula Benedicti. 31 Sie liefert zwar keine ausdrückliche Definition der Askese, dafür aber genaue asketische Bestimmungen. Die Anachoreten versuchten, durch ihre asketische Lebensart das Leben im Reich Gottes schon auf Erden zu verwirklichen. Sie wollten durch jeglichen Verzicht zu engelsgleichen Wesen werden. 32 Die Ablehnung jeglicher Art von Sexualität sollte das Leben von Anachoreten und Anachoretinnen noch engelsgleicher machen. Die Entwicklung sollte hinführen zu einem „dritten,
28 Vgl. Bergman, Jan: Art. Askese I, in: TRE, Bd. IV, S. 195-198, S. 196.
29 Vgl. Bergman, Art. Askese I, S. 196.
30 Vgl. Markert, Ludwig, Art. Askese II, in: TRE, Bd. IV, S. 198-199, S. 198.
31 Vgl. Jaspert, Art. Askese VI, S. 229.
32 Vgl. Von Lilienfeld, Art. Mönchtum II, S. 154.
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2007, Der Anachoret als 'athleta christi', München, GRIN Verlag GmbH
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