1. Einleitung 1
2. Diskurs und Diskurstheorie bei Siegfried Jäger und Jürgen Link 2
3. Spezialdiskurs vs Interdiskurs 3
3.1 Spezialdiskurse und ihre Wirkung auf den Interdiskurs über Arbeit 4
4. Die Verschränkungen des Diskursstrangs Arbeit mit anderen Diskurssträngen 6
5. Diskursive Ereignisse 8
6. Kollektivsymbole im Diskurs über Arbeit 10
6.1 Die Funktion von Katachresen 13
7.Der Diskurs über Arbeit und seine hegemonialen Züge 14
8. Gegendiskurse 15
9. Schluss 17
Literaturverzeichnis
Internetquellen
1. Einleitung
Bereits die Erfassung der Diskurse fördert eine kritische Perspektive zu Tage, indem dabei die impliziten und nicht gesagten Voraussetzungen und als Wahrheiten vertretenen Setzungen oder zu Unrecht Konsens beanspruchenden Aussagen oder falsche Verallgemeinerungen und dementsprechende Fluchtlinien etc. sichtbar gemacht werden können. Diskursanalyse zeigt also, mit welchen Mitteln und für welche „Wahrheiten“ in einer Bevölkerung Akzeptanz geschaffen wird, was als normal und nicht normal zu gelten habe, was sagbar (und tubar) ist und was nicht. (Jäger 2004: 223) In diesem Zitat umreißt Siegfried Jäger die Ziele der Diskursanalyse. Vereinfacht ausgedrückt geht es der Diskursanalyse darum, das sichtbar zu machen, was für den Einzelnen unsichtbar ist. Ziel dieser Arbeit ist es, den Interdiskurs über Arbeit darzustellen und mit den zentralen Analysekategorien der Kritischen Diskursanalyse zu untersuchen. Hierzu möchte ich in der Art und Weise vorgehen, dass ich zunächst die zentralen Kategorien der Kritischen Diskursanalyse Schritt für Schritt erläutere um sie anschließend direkt auf Diskursfragmente mit dem Thema Arbeit anzuwenden. Da der Begriff Diskurs inzwischen von einer großen Anzahl von Theorien verwendet wird und sich je nach spezifischem theoretischen Hintergrund stark unterscheidet, soll nach dieser kurzen Einleitung unter 2. zunächst das Verständnis von Diskurs bei Siegfried Jäger erläutert werden, dessen an Michel Foucault orientierten Ansatz ich im Rahmen meiner Arbeit anwenden werde. Unter 3. werde ich zunächst die Unterscheidung zwischen Spezialdiskursen und Interdiskurs näher erläutern, bevor ich dann unter 3.1 den Einfluss der verschiedenen Spezialdiskurse auf den Interdiskurs über Arbeit beschreibe. Anschließend soll die Verschränkung des Diskurses über Arbeit mit anderen Diskursen aufgezeigt werden. Weiter soll unter 5. die Wirkung diskursiver Ereignisse dargestellt und anhand eines speziellen diskursiven Ereignisses beispielhaft erläutert werden. Unter 6. möchte ich die Wirkungsweise von Kollektivsymbolen näher erläutern und ihre Bedeutung im Diskurs über Arbeit aufzeigen. Kapitel 7 soll einer kurzen Zusammenfassung meiner zentralen Ergebnisse zum Interdiskurs über Arbeit dienen, um der Frage nachzugehen, ob dieser hegemoniale Züge trägt. In einem Schlussteil möchte ich dann abschließend kurz ein Fazit bezüglich der Ergebnisse meiner Arbeit ziehen und darauf eingehen, inwiefern sich die Kritische Diskursanalyse im allgemeinen und diese Analyse des Diskurses über Arbeit im speziellen dem kommunizierten Anspruch genügen kann, eine kritische wissenschaftliche Analyse darzustellen.
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2. Diskurs und Diskurstheorie bei Siegfried Jäger und Jürgen Link
Da sich das Diskursverständnis von Siegfried Jäger am besten in Abgrenzung zu anderen Diskurstheorien verstehen lässt, möchte ich zunächst in aller Kürze auf einige unterschiedliche Diskursbegriffe eingehen, um die Diskurstheorie nach Siegfried Jäger und Jürgen Link näher zu beschreiben.
Der Diskursbegriff von Jürgen Link und Siegfried Jäger lässt sich sehr gut vom Diskursbegriff Habermas' abgrenzen. Nach Habermas ist die Sprachfähigkeit das entscheidende Merkmal des Menschen, denn erst durch die der Kommunikation innewohnende Rationalität wird auch der Mensch rational. Damit die Ergebnisse eines Diskurses aber rational sind, muss der Diskurs frei von Verzerrungen durch Macht und Hierarchien ablaufen: Betont werden bei Habermas die dialogischen, interaktionistischen Elemente des Diskurses. Eine ideale Kommunikation würde eine ideale Sprechaktsituation erfordern, die alle Verzerrungen ausschließt und durch folgende Kriterien gekennzeichnet ist:
• gleiche Chancen auf Dialoginitiation– und -beteiligung
• gleiche Chancen der Deutungs- und Argumentationsqualität
• Herrschaftsfreiheit, sowie
• keine Täuschung der Sprechintentionen.
(Vgl. Hetzel 2001: 249 ff.) Siegfried Jäger betont, dass Habermas unter dem Terminus Diskurs „eine möglichst herrschaftsfreie, rational argumentierende, öffentliche Debatte über bestimmte Gegenstände fasst, also einen rationalen und machtneutralen Diskursbegriff propagiert“. (Jäger 2004: 127) Jürgen Link bezieht sich dagegen auf das Diskursverständnis Foucaults, das diametral zu Habermas' Ansatz steht. Insbesondere Foucaults Position zu der Frage, in welchem Verhältnis Diskurs und gesellschaftliche Praxis stehen, greift Link auf:
Michel Foucaults „Diskurs"-Begriff versteht sich operativ und betont besonders die folgenden Aspekte: [...] „Diskurs“ ist stets lediglich die sprachliche Seite einer „diskursiven Praxis“. Unter „diskursiver Praxis“ wird dabei das gesamte Ensemble einer speziellen Wissensproduktion verstanden: bestehend aus Institutionen, Verfahren der Wissenssammlung und –verarbeitung, autoritativen Sprechern bzw. Autoren, Regelungen der Versprachlichung, Verschriftlichung, Medialisierung. (Link/Link-Heer 1990: 90) Der Diskurs stellt in diesem Verständnis also die institutionalisierte gesellschaftliche Redeweise dar. In Berufung auf Foucault geht Link davon aus, dass der Diskurs nicht etwa gesellschaftliche Realität widerspiegelt, sondern zweckorientierte gesellschaftliche Praxis
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ist. In diesem Sinne betont Link die Kopplung des Diskurses mit Handlungen, die eine
Der Diskurs ist eine institutionell verfestigte Redeweise, insofern eine solche Redeweise schon Handeln bestimmt und verfestigt und also auch schon Macht ausübt. (Link 1983a: 60) Jägers Rezeption des Diskursbegriffs bei Jürgen Link problematisiert, dass nicht genauer definiert wird, ob und wann ein Diskurs als geregelt und verfestigt gelten kann und schlägt in diesem Kontext einen anderen Ansatz vor:
Der Diskurs ist, ganz allgemein formuliert, ja nichts anderes als der Fluß von Wissen durch die Zeit; und wenn dies so ist, dann ist davon auszugehen, daß der Diskurs immer schon mehr oder minder stark strukturiert und also fest und geregelt (im Sinne von konventionalisiert bzw. sozial verfestigt) ist. (Jäger 2004: 129) Nach Jäger werden Bedeutung und Wissen also erlernt und institutionalisiert. Dieses Wissen lässt sich diskursabhängig in zugelassenes (richtiges) Wissen und abgelehntes (falsches) Wissen aufteilen, hat also eine wahrheitskonstituierende Funktion. Die zentrale Funktion der Diskursanalyse sieht er daher darin, offen zu legen, mit Hilfe welcher Mittel welche Wahrheiten konstituiert werden, um dieses als wahr attribuierte Wissen und die institutionellen Regelungen, die es stützen, kritisch hinterfragen zu können. (Jäger 2004: 223) Zur Entwicklung zentraler Analysekategorien lehnt sich Jäger dabei stark an Jürgen Links diskurstheoretische Positionen an und differenziert diese in weitere analytischen Kategorien wie Diskursstrang, Diskursfragment und Diskursebene aus. (Vgl. Jäger 2004: 159)
3. Spezialdiskurs vs. Interdiskurs
Ein wichtiges Element der Diskurstheorie von Jürgen Link ist die Unterscheidung zwischen Spezialdiskursen und dem Interdiskurs. In früheren Schriften betont Link dabei eine thematische Abgrenzung, indem er den Interdiskurs im engeren Sinne als die „Gesamtheit diskursiver Elemente“ definiert, die „nicht diskursspezifisch (etwa spezifisch medizinisch), sondern mehren Diskursen gemeinsam sind“. (Link 1983b: 16) Als Beispiel nennt er den Topos Fairness in Sport, Ehe, Krieg, Recht, Politik usw.) In späteren Schriften geht er dann genauer auf die charakteristischen strukturellen Unterschiede zwischen Spezialdiskurs und Interdiskurs ein:
[...] aus den verschiedensten spezialdiskursen sammelt sich nun in den redeformen mit totalisierendem und integrierendem charakter (z.b. journalismus, z.b. populärwissenschaft und populärphilosophie [...]) ein stark selektives kulturelles allgemein-wissen, dessen gesamtheit hier interdiskurs genannt wird. der interdiskurs ist nicht wie die spezialdiskurse explizit geregelt und systematisiert, ihm werden keine definitionen abgefordert, keine widerspruchsfreiheit usw.. bildlich haben wir den interdiskurs als „fluktuierendes gewimmel“ zu kennzeichnen gesucht. (Link 1986: 5)
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Jäger merkt in diesem Zusammenhang allerdings kritisch an, dass einerseits auch im Alltag rational und systematisch gedacht werde und dass umgekehrt auch in wissenschaftlichen Texten Widersprüche und bildhafte metaphorische Sprache zu finden seien. Darum, so Jäger weiter, seien in diesem Punkt zwischen Interdiskurs und Spezialdiskursen nur graduelle Unterschiede festzustellen. (Vgl. Jäger 2004: 132) Link geht es bei der Differenzierung allerdings stärker um die Art der Verwendung und die Funktion der Symbole; daher betont er an anderer Stelle die besondere Verwendung von Bildbrüchen (Katachresen) im Interdiskurs:
Die Verwendungsweise der Symbole variiert allerdings je nach der Besonderheit einzelner Diskursarten, wobei besonders zwischen Diskursen elementaren und institutionalisierten Spezialwissens, zwischen Diskursen mit funktionsspezialisierten und integrativem Status zu unterscheiden ist. Während die integrativen Diskurse des Alltags (z.B. der Presse) durch vielfältige Katachresen die Synchronie des Systems ständig offen legen, bemühen sich besonders die wissenschaftlichen und philosophischen Diskurse um möglichst widerspruchsfreie (nicht durch Katachresen belastete) Verwendungsweise der Symbole als explikativer Symbole mit Tendenz zu Analogiemodellen. (Link 1984: 65) Auf die hier angesprochene Funktion dieser Katachresen möchte ich unter 6.1 noch genau eingehen und dies anhand von Diskursfragmenten zum Thema Arbeit illustrieren.
3.1 Spezialdiskurse und ihre Wirkung auf den Interdiskurs über Arbeit
Um dieses „fluktuierende Gewimmel“ (Link 1986: 5), als das Link den Interdiskus bezeichnet zu entwirren, möchte ich zunächst darstellen, welche diskursiven Ebenen mit welcher Diskursposition, (d. h., mit welcher ideologischen Position) auf den Interdiskurs einwirken: Jäger bezeichnet Diskursebenen als „die sozialen Orte [...], von denen aus gesprochen wird“ und die „aufeinander einwirken, sich aufeinander beziehen, einander nutzen etc.“.(Jäger 2004: 163) Auf den Interdiskurs über Arbeit wirkt zunächst der wirtschaftswissenschaftliche Spezialdiskurs ein, der die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge und Prozesse in einer Gesellschaft untersucht und so z. B. aus wissenschaftlicher Perspektive aufzeigen will, wie Arbeitsplätze entstehen. Die Wirtschaftswissenschaft betrachtet Arbeit als einen der drei Produktionsfaktoren neben Kapital und Boden, dessen konkrete Ausprägung sich auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Systems niederschlägt. Der starke Einfluss des wirtschaftswissenschaftlichen Spezialdiskurses zeigt sich an der Oberfläche insbesondere durch die Verwendung einer Vielzahl von Fachtermini im Interdiskurs:
Zum anderen wäre mit erheblichen Ausgabensteigerungen beim Staat zu rechnen, da die Eigendynamik des politischen Prozesses zwangsläufig darauf ausgelegt ist, Lohnsubventionen zu erhöhen und in der Anwendung auszudehnen. Schließlich müssten die vermehrten Ausgaben für Lohnsubventionen auch durch höhere Lohnsteuern finanziert werden, da anders die
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Arbeit zitieren:
M.A. Tobias Köbberling, 2006, Der Diskursstrang "Arbeit", München, GRIN Verlag GmbH
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