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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Umsetzung der Reifentänze 4
2.1 Form und Aussehen 4
2.2 Aufführung und Rezeption 5
3 Entstehung der Reifentänze 6
3.1 Konzeption der Bauhaustänze 6
3.2 Entwicklung der Reifentänze 8
4 Erfüllung der Bauhaustänze 10
4.1 Erfüllung der primären Ziele Schlemmers 10
4.2 Weitere Ergebnisse 11
5 Schlussfolgerung 12
Bibliografie 13
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1 Einleitung
Oskar Schlemmer (1888-1943) war ein Künstler, der in vielen Bereichen tätig war, ob als Maler, Bildhauer, Bühnenbildner, Regisseur oder auch selbst als Darsteller beschäftigte ihn jedoch stets das Verhältnis zwischen dem menschlichen Körper und den ihn umgebenden Raum. In Schlemmers Zeit als Lehrer am Bauhaus in Dessau entstanden in den Jahren 1926 bis 1929 unter seiner Leitung auf der Bauhausbühne eine Reihe von experimentalen Tänzen, die genau jenes Verhältnis erforschen und darstellen sollten. 1 Diese so genannten Bauhaustänze bilden „neben dem Triadischen Ballett die Grundlage zu Schlemmers bühnentheoretischem System“ 2 . Es sind pantomimische Tänzen und auch kleinen Szenen, die in der Regel bei experimentellen Bewegungsabläufen verbleiben. Eine wichtige Rolle spielen hierbei die Materialien, umgesetzt in Bühnenbild und Kostümen, und die Weise, wie diese die Bewegungen der Darsteller beeinflussen.
Die Bauhaustänze wurden erstmals auf der Bauhausbühne in Dessau aufgeführt, später ging Schlemmer aber auch mit ihnen auf Tour und präsentierte sie in weiteren Städten Deutschlands. Das Repertoire der Tänze reichte von elementaren Tänzen (z.B. der Raumtanz) über Narrereien (z.B. der Frauentanz) bis hin zu Materialtänzen, d.h. Licht- (z.B. der Glastanz) und Formspielen (z.B. das Baukastenspiel). Zu letzterem zählen auch die Reifentänze, welche das Zusammenspiel von Licht, Reifen und Schatten, sowie die zahlreichen Möglichkeiten der Darstellerin, sich mit verschiedenen Anzahlen von Reifen, in verschiedenen Größen, im Raum zu bewegen, zeigen.
In dieser Arbeit sollen als Beispiel für einen der Bauhaustänze die Umsetzung und Entstehung der Reifentänze sowie die Erfüllung des zugrunde liegenden Konzepts Oskar Schlemmers untersucht werden. Hierzu werden zuerst das konkrete Aussehen der Aufführungen der Reifentänze und deren äußerer Rahmen beschrieben. Anschließend werden Oskar Schlemmers Ziele und Absichten bezüglich der Bauhaustänze allgemein erläutert und schließlich die Entwicklung der Reifentänze dargelegt. Zu guter Letzt wird diskutiert, inwiefern die Umsetzung der Reifentänze die von Schlemmer formulierten Intentionen erfüllt haben, und zu welchen weiteren Erkenntnissen sie führten.
Als Materialgrundlage für diese Arbeit dienten sowohl bildliche als auch textliche Quellen. Auf visueller Ebene wurde auf Fotos von Aufführungen sowie Zeichnungen von Oskar Schlemmer zur Konzeption der Tänze zurückgegriffen. Auf textlicher Ebene wurden Schriften von Schlemmer selbst und Sekundärliteratur zu Schlemmer verwendet.
1 Die folgende Einleitung zu den Bauhaustänzen stützt sich auf Scheper 1988, S. 185.
2 Scheper 1988, S. 185.
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2 Umsetzung der Reifentänze
2.1 Form und Aussehen
Wie für alle Bauhaustänze, gibt es auch für die Reifentänze keine verfügbaren Aufnahmen von Originalaufführungen. Offen zugreifbar sind heute nur noch Fotos von Aufführungen, Zeichnungen Schlemmers und textliche Beschreibungen der Bauhausaufführungen. Doch in einer Auseinandersetzung mit den Reifentänzen ist eine Vorstellung dessen, was sich auf der visuellen Ebene abspielte, unabdingbar. Im Vergleich zu anderen Bauhaustänzen liegt zu den Reifentänzen noch relativ viel aussagekräftiges Material und insbesondere auch Bildmaterial vor, weshalb diese für eine Auseinandersetzung mit einem der Bauhaustänze besonders gut geeignet sind. Daher soll im Folgenden anhand der weiter oben aufgeführten Ressourcen eine Idee von Form und Aussehen der Reifentänze vermittelt werden. Bei der Betrachtung von überliefertem Fotomaterial 3 wird sofort deutlich, dass trotz zahlreicher Reifen auf der Bühne nicht etwa ein Durcheinander, sondern ein geordnetes System der Reifen vorlag. Die Reifentänze bestanden aus vier Teilen, drei Tänzen sowie einem Zwischenspiel, und dauerten insgesamt vier Minuten. Einzige Requisiten und Bühnendekoration der Tänze waren weiße Holzreifen in verschiedenen Größen. 4 Die Bühne, auf der die Reifentänze aufgeführt wurden, war im Idealfall in schwarz, ansonsten in anderen dunklen Farben gestaltet. Beleuchtet wurde die Bühne von seitlichen und ab dem dritten Reifentanz vorderen Scheinwerfern, durch deren Ein- und Abblenden Anfang und Ende eines jeweils neuen Reifentanzes markiert wurden. Im ersten Reifentanz schwang eine schwarz gekleidete Tänzerin fast akrobatisch auf einer ansonsten leeren Bühne einen Reifen in alle Richtungen umher. Sie beendete ihren Tanz und im hinteren Teil der Bühne wurde ein Vorhang aus aneinanderhängenden kleineren Reifen heruntergelassen. Die Tänzerin begann den zweiten Reifentanz mit fünf Reifen unterschiedlicher Größe, welche sie am Ende des Tanzes in die Kulisse warf. Es folgte ein Zwischenspiel, während welchem auf der Bühne zwei spiralenförmige Marionetten, von denen die rechte eine weibliche und die linke eine männliche Figur andeutete, auf den Boden gelegt und dann im mittleren Bereich der Bühne aufgehängt wurden. Zugleich wurden in der Mitte und im vorderen Bereich der Bühne zwei weitere Reifenvorhänge herunter gelassen. Im dritten Reifentanz hantierte die Darstellerin mit zehn Reifen in fünf unterschiedlichen Größen, die sie am Ende des Tanzes auf der Bühne
3 Siehe Schlemmer 1929, S. 14.
4 Die folgenden Darlegungen zum Ablauf der Reifentänze stützen sich auf Scheper 1988, S. 197ff..
Arbeit zitieren:
Theresa Hartig, 2009, Umsetzung und Konzeption der Reifentänze Oskar Schlemmers, München, GRIN Verlag GmbH
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