S e i t e 2
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis. 3
1. Ein Volk in vier Ländern. 4
2. Die Sami in Schweden. 5
2.1 Indigenes Volk in Europa. 5
2.2 Samipolitik und die Verwirklichung der Minderheitenrechte. 7
2.2.1 19. Jahrhundert.
7
2.2.2 20. Jahrhundert.
9
2.2.3 21. Jahrhundert.
11
2.3 Organisation. 13
2.3.1 Samisches Parlament.
13
2.3.2 Samischer Parlamentarischer Rat.
15
2.3.3 Das Samische Protokoll.
16
2.4 Grenzüberschreitende Zusammenarbeit. 16
2.4.1 Interreg.
17
2.4.2 Interreg IV A.
18
2.4.3 Interreg IV A Nord.
20
3. Samische Zukunft. 22
Darstellungsverzeichnis. 24
Literaturverzeichnis 25
Abkürzungsverzeichnis
EU Europäische Union
ILO International Labour Organisation (Internationale
Arbeitnehmerorganisation)
SPR Samiskt Parlamentariskt Råd (Samischer Parlamentarischer Rat)
UN United Nations (Vereinte Nationen)
1. Ein Volk in vier Ländern
Die Sami sind ein Ursprungsvolk in Nordeuropa. „Gemeinsam für die Ursprungsvölker ist, dass sie im Laufe der Geschichte an ein und demselben Platz gelebt haben, bevor die Länder Invasion oder Kolonisation ausgesetzt waren. Sie haben eine eigene Kultur, eine eigene Sprache und eigene Sitten, die sich von der Gesellschaft rund umher unterscheiden.“ 1 Die Sami leben in der Region Lappland, die sich von Norwegen über Schweden und Finnland bis nach Russland erstreckt. Das Gebiet der Sami erstreckt sich allerdings über das geografische Gebiet Lapplands in südlicher Richtung hinaus. In Norwegen, Schweden und Finnland sind die Sami als indigenes Volk staatlich anerkannt. In Russland stellen sie eine eigene Minderheit dar. „In ihrer eigenen Sprache bezeichnet sich die Bevölkerung der Sami als »sàbme«.” 2 .
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Minderheitenpolitik der Sami in Schweden in der Vergangenheit und Gegenwart. Eingangs wird der Begriff indigenes Volk geklärt und das Volk der Sami und ihr Lebensraum Lappland dargestellt. Im Anschluss wird die schwedische Minderheitenpolitik in Bezug auf die Sami vom 17. bis 21. Jahrhundert beleuchtet, bevor die samische Selbstorganisation und die relevanten Gesetze für die Sami analysiert werden. Die grenzüberschreitende EU- Förderung „Interreg“ mit ihrem Teilprogramm „Sápmi“ bildet den Abschluss der Arbeit, bevor ein Fazit gezogen und ein kritischer Ausblick auf die Minderheitenproblematik der Sami gegeben wird.
In Anbetracht des grenzüberschreitenden samischen Lebensraumes werden auch teilweise die Sami in Norwegen und Finnland thematisiert. Die Literatur fokussiert dabei mehr auf die Sami als ein Volk und weniger auf die Sami in Schweden, weswegen Vergleiche zur Minderheitenpolitik in Norwegen, Schweden und Finnland gezogen werden.
Es gibt in der Literatur unterschiedliche Schreibweisen für die Volksgruppe der Sami - Same, Saame, Sami und Sámi - so dass ich der offiziellen Schreibweise des schwedischen Sami-Parlamentes Sametinget folge und die einheitliche Bezeichnung „Sami“ verwenden werde. Die verwendete Literatur setzt sich sowohl aus Büchern als auch aus schwedischsprachigen Online-Publikationen der schwedischen Ministerien, der Europäischen Union bzw. des samischen Parlamentes in Schweden - Sametinget - zusammen.
1 Ministerium für Landwirtschaft Schweden/ Sámediggi: Sami. Ein Ursprungsvolk in Schweden, Edita Vastra Aros
AB, Västerås, 2007, S.9.
2 Geerlings-Diel, Axel/ Sander, Günther (Hrsg.): Kulturen und Sprachen von Minderheiten in Europa.
Deutschland, Italien, Schweden, Schweiz, Spanien, in: Hamburger, Franz (Hrsg.): Studien zur Vergleichenden
Sozialpädagogik und Internationalen Sozialarbeit, Bd. 13, Gesellschaft, Erziehung und Bildung 48, Schäuble
Verlag, Rheinfelden, Bonn, 1997, S. 51.
2. Die Sami in Schweden
2.1 Indigenes Volk in Europa
Die Sami sind das einzige anerkannte indigene Volk in
Europa; eine ethnische und kulturelle Minderheit, die zum Großteil in ihrer Herkunftsregion - Lappland (samisch: Sápmi) - lebt. Gleichzeitig gehören sie dem Weltrat der Ureinwohner (World Council of Indigenous Peoples) an. 3
Die gängige Definition des Begriffs „indigenes Volk” geht
auf eine präzise Formulierung der ehemaligen Vorsitzenden der „UN-Arbeitsgruppe über indigene Bevölkerungen”
Erika-Irene Daes zurück. Nach ihrer Ausarbeitung und der Vorbereitung des ehemaligen UN-Sonderberichterstatters José Martinez-Cobo, gibt es vier Kriterien, nach denen man ein „indigenes Volk” klassifiziert. Dazu zählen 4 :
a) Indigene Völker bewohnten das Gebiet schon vor Staatsgründung. Sie sind sozusagen die ersten Bewohner des Gebietes.
b) Indigene Völker bewahren freiwillig kulturelle Besonderheiten, wie Sprache, Gesellschaftsorganisation, kulturelle Werte, Produktionsweisen und Institutionen, wodurch sie sich von der Mehrheitsgesellschaft differenzieren.
c) Indigene Völker identifizieren sich selbst mit dem Status des Ursprungsvolkes.
d) Indigenen Völkern ist Unterdrückung, Enteignung, Marginalisierung, Ausschluss oder Diskriminierung widerfahren.
Die vier Kriterien sollen dabei keine absolute Definition darstellen, sondern Spielraum lassen für nationale und regionale Kontexte. In der Praxis soll die Definition einerseits den Status des „indigenen Volkes” absichern und andererseits die Klassifizierung erleichtern. Die Lebensregion der Sami erstreckt sich von der Kola-Halbinsel im Nordosten Lapplands, über Nordnorwegen, Nordschweden und Nordfinnland bis südlich nach Engerdal/ Norwegen und Idre/ Schweden über vier Länder (siehe Abb. Nr. 2).
3 Vgl. Ludwig, Klemens: Ethnische Minderheiten in Europa. Ein Lexikon, Verlag C.H.Beck, München, 1995, S. 81.
4 Vgl. United Nations/ Economic and Social Council: Working Paper by the Chairperson-Rapporteur Mrs. Erica-
Irene Daes on the concept of »indigenous people«, URL:
http://www.unhchr.ch/Huridocda/Huridoca.nsf/e06a5300f90fa0238025668700518ca4/2b6e0fb1e9d7db0fc125
6b3a003eb999/$FILE/G9612980.pdf, 10.06.1996, S. 22, Zugriff 04.03.2009.
rechtliche Grundlage gibt. 6
5 Vgl. Ministerium für Landwirtschaft Schweden/ Sámediggi: Sami. Ein Ursprungsvolk in Schweden, Edita Vastra
Aros AB, Västerås, 2007, S.63.
6 Vgl. Toivanen, Reetta: Minderheitenrechte als Identitätsressource. Die Sorben in Deutschland und die Saamen
in Finnland, in: Kaschuba, Wolfgang (Hrsg.): Zeithorizonte. Perspektiven Europäischer Ethnologie, Bd. 6, LIT
Verlag, Hamburg, 2001, S. 72.
7 Vgl. Europäische Union/ Europäischer Regional- und Entwicklungsfond: Interreg IV A Nord, URL:
http://www.bd.lst.se/publishedObjects/10009827/Interreg%20IVA%20Nord%20rev17_jan.pdf Länsstyrelsen
Norrbotten, Sametinget, 12.12.2007, S. 13.
8 Vgl. Barents Information Centre: Saami in N-W-Russia, in: http://www.barentsinfo.org/?deptid= 14922, Artic
Centre, Europäische Union, The Barents Euro-Artic Region, Kolartic, Zugriff 06.03.2009.
Siedlung ist geprägt von kleinen Bevölkerungszentren. Es existiert keine Statistik darüber, wie die Sami in ihrem Sprachraum oder Sprachgrenzen-überschreitend wandern. Da viele ihrem ursprünglichem Handwerk (Jäger und Fischer) aufgrund der Industrialisierung nicht mehr nachgehen können, vermutet man jedoch eher eine Abwanderung in größere Bevölkerungszentren, um Zugang zu Arbeit und Ausbildung zu bekommen. Die Sami früherer Jahrzehnte und Jahrhunderte waren Nomaden, inzwischen sind viele Halbnomaden geworden. Im Sommer leben sie in Koten 9 , im Winter in Wohnhäusern. 10 Es gibt keine eindeutige juristische Definition, wer Sami ist. Das Gesetz über das Samische Parlament (Sametinget) in Schweden von 1992 führt lediglich auf, dass der-/ diejenige Sami ist, der/ die sich als Sami betrachtet, zu Hause Samisch spricht oder sprach bzw. deren Eltern oder Großeltern Samisch sprechen oder sprachen. Sami kann auch der-/ diejenige sein, der/ die sich selbst als Sami sieht und deren Elternteil in der Wählerliste des Samischen Parlamentes aufgeführt ist bzw. war. 11
In Finnland wiederum geht die Definition sogar so weit, dass sich all jene Sami nennen dürfen, die einst vom „Lappengewerbe“ (Rentierzucht, Jagd, Fischfang) lebten und „Lappensteuern“ (Steuern für Grund und Boden an den König bzw. die Regierung) zahlten. 12 Die ursprüngliche samische Lebensweise wird eng an das Gewerbe von Jagd, Fischfang und Rentierzucht geknüpft.
„Die Sami gehören zur finn-ugrischen Sprachfamilie und ihre Sprache unterteilt sich in neun Hauptdialekte, von denen die nordsamischen am weitesten verbreitet sind.” 13 Man kann daher nicht von einer einheitlichen Sprache sprechen, sondern es gibt regionale Unterschiede. Die Sprache ist verwandt mit Estnisch, Ungarisch und Finnisch.
2.2 Samipolitik und die Verwirklichung der Minderheitenrechte
2.2.1 19. Jahrhundert
Die Ureinwohner Lapplands erlebten ein Schicksal, welches dem der Indianer in Nordamerika stark ähnelt. Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts waren die Sami weder in der Geschichte, noch in der Öffentlichkeit des jeweiligen Landes präsent. „Nie haben sie eine Rolle in der Historie gespielt (das offizielle landeskundliche Handbuch der finnischen
9 Als Koten werden die Zelte, Torf- oder Holzhütten der Sami bezeichnet.
10 Vgl. Europäische Union/ Europäischer Regional- und Entwicklungsfond: Interreg IV A Nord, URL:
http://www.bd.lst.se/publishedObjects/10009827/Interreg%20IVA%20Nord%20rev17_jan.pdf, Länsstyrelsen
Norrbotten, Sametinget, 12.12.2007, S. 13.
11 Vgl. Ministerium für Landwirtschaft Schweden/ Sámediggi: Sami. Ein Ursprungsvolk in Schweden, Edita Vastra
Aros AB, Västerås, 2007, S.5.
12 Vgl. Toivanen, Reetta: Minderheitenrechte als Identitätsressource. Die Sorben in Deutschland und die Saamen
in Finnland, in: Kaschuba, Wolfgang (Hrsg.): Zeithorizonte. Perspektiven Europäischer Ethnologie, Bd. 6, LIT
Verlag, Hamburg, 2001, S. 72.
13 Ludwig, Klemens: Ethnische Minderheiten in Europa. Ein Lexikon, Verlag C.H.Beck, München, 1995, S. 81.
Arbeit zitieren:
Studentin Anett Ludwig, 2009, Die Sami - das indigene Volk Europas, München, GRIN Verlag GmbH
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