1. Einleitung
Am 3. März 1845 wird Florida zum 27. Bundestaat der United States of America ernannt. Im Jahre 1513 von Spaniern entdeckt und 1562 unter anderem von französischen Hugenotten besiedelt, entwickelt sich von da an ein Staat, welcher an der Politik der USA ab Mitte des 19.Jahrhunderts partizipieren wird. Nach siebenjährigem Krieg zwischen Spaniern und Briten steht Florida 1763 unter britischer Herrschaft. Bis 1767 erweitern sich die Grenzen des Territoriums bis zu den heutigen Bundestaaten Mississippi und Alabama (West- und Ostflorida). Im Zuge der seit 1810 beginnenden amerikanischen Eroberung, erhält Florida die Grenzen wie im Status quo. 1 Die größten Städte sind Jacksonville, Miami und Tampa und Floridas Hauptstadt Tallahassee. Mit 18 014 927 Bürgern ist diese Halbinsel der viertbevölkerungsreichste Bundestaat der Vereinigten Staaten. 2 Der Anteil an Weißen beträgt 78,0%, gefolgt von Hispanos und Latein-Amerikanern (16,8%) sowie Dunkelhäutigen und Afroamerikanern (14,6%). Die Altersgruppe von 65 und älter ist zu 16,9% in der Bevölkerung vertreten (U.S.-Durchschnitt 12,5%). Auf Grund der einkommenssteuerfreien Situation siedeln sich viele Unternehmen an. Amtierender Gouverneur ist derzeit der Republikaner Charlie Crist.
Wie verhält sich die Wählerschaft des Bundesstaates Florida mit einer signifikant hohen Bevölkerungsdynamik bei der Präsidentschaftswahl? Darüber Aufschluss gibt das Phänomen des Swing-States, welches in dieser Arbeit weiter ausgeführt wird. Welchen Einfluss die Altersstruktur der Votanten hat, wird ebenfalls thematisiert. Ein wichtiges Ereignis des Jahres 2000 wird erläutert, bei dem Florida eine Schlüsselrolle beim Ausgang der Wahl des US-Präsidenten hatte. Weiterhin wird erwähnt, welche Bedeutung der Sonnenscheinstaat für Kandidaten der Präsidentschaft allgemein hat. Den dritten Schwerpunkt bildet die Analyse der diesjährigen Präsidentschaftswahl. Betrachtungspunkte sind die Vorwahlergebnisse sowie die Resultate der Hauptwahl. Die Stimmenvergabe einzelner Bevölkerungsgruppen ist ein weiterer Gesichtspunkt dieses Abschnittes. Zur Schlussbetrachtung folgt eine hypothetische Sicht auf die zukünftige Rolle Floridas.
1 Florida Fakten und Geschichte. http://www.florida-verzeichnis.de/cgi-bin/links/jump.cgi?ID=1184 (18.12.2008).
2 U.S. Cenus Bureau: U.S. Census Bureau, 2005-2007. American Community Survey. http://factfinder.census.gov
(16.12.2008).
3
2. Florida und seine Bedeutung als Swing-State
Bei der Präsidentschaftswahl 1848, an der erstmals auch Florida teilnahm, wurden gerade einmal drei Wahlmänner gewählt. 2008 sind es 27 Wahlmänner, die in das Electoral College entsandt werden. Diese Anzahl übertreffen momentan nur die Bundesstaaten California mit 55 Wahlmännern sowie Texas mit 34 zu entsendenden Vertretern des Volkes. Im Vergleich zu anderen Bundesstaaten, von denen die Mehrzahl nur eine einstellige Anzahl an Wahlmännern entsendet, ist der Gewinn Floridas für jeden Kandidaten ein mächtiger Schritt Richtung Weißes Haus. Wer Florida gewinnt, hat fast 10% der 271 nötigen Stimmen, um Präsident zu werden. Demnach ist Florida bei der Wahl ein sehr bedeutender Staat. „Florida gilt als Zünglein an der Waage und wurde bislang fast immer von den Republikanern erobert […] “ 3 , sagt Markus Ziener im Handelsblatt. Verglichen mit den vergangenen Präsidentschaftswahlen gewann die republikanische Partei öfter als die demokratische. Seit 1992 sind die Ergebnisse immer sehr knapp ausgefallen und keine Partei gewann hoch überlegen. Daher ist es in Florida immer spannend wer gewinnt, denn keiner Partei kann eine strukturelle Mehrheit zugeschrieben werden. Einen solchen Staat nennt man Swing-State oder auch Battleground-State. Florida ist „the nation’s fourth populous state. It differs from other major states in that it is not dominated by a single metropolitan area such as Chicago in Illinois or New York City in New York. Instead, its people are distributed among several regional centers that differ from one another with respect to both the composition and voting preferences of their populations.” 4
3 Ziener, Markus: Applaus von allen Seiten. In: Handelsblatt 201 (2008).
4 Dover, Edwin D.: The disputed presidential election of 2000. Connecticut; London: Library of Congress-in-Publication Data 2003. S. 16.
5 Vgl. Leip, David: Atlas of U.S. Presidential Elections. http://uselectionatlas.org/RESULTS/ (17.12.2008).
4
Das Diagramm (Abbildung 1) verdeutlicht, wie dicht die Demokraten und Republikaner bei den Wahlen von 1992 bis 2008 lagen. Vor allem 2000 entschied Florida maßgeblich mit, wer die damals noch 25 Wahlmännerstimmen gewinnen würde.
Swing-States, wie Florida, Ohio, New Mexico, Pennsylvania, Wisconsin und Nevada, sind Bundesstaaten in denen das Wahlergebnis als knapp eingestuft wird. Die wahlberechtigten Bürger im Swing-State wählen in etwa zur Hälfte demokratisch und zur anderen Hälfte republikanisch. An dieser Stelle soll aber der Korrektheit wegen erwähnt werden, dass es auch noch diverse andere Parteien gibt, die bei der Präsidentschaftswahl ihren Präsidenten und Vizepräsidenten aufstellen. Jeder US-Wahlkampf für die angestrebte Präsidentschaft legt für gewöhnlich ihren Schwerpunkt auf Swing-States. Bei der Wahl der Senatoren lässt sich ein Anhaltspunkt finden, der einen Swing-State erkennen lässt. Jeder Staat entsendet je zwei Senatoren. In den Staaten in denen für gewöhnlich die strukturelle Mehrheit einer Partei auszumachen ist, wie zum Beispiel Nebraska mit vorrangig republikanischer Wählerschaft, werden auch zwei Senatoren der gleichen Partei gewählt. Bei Swing-States ist das Verhältnis meist eins zu eins. Ein republikanischer Senator (Bill Nelson) und ein demokratischer Senator (Mel Martinez) wurden jedoch bei der letzten Senatorenwahl von der Wählerschaft des Swing-States Florida entsandt.
Da Florida eine solche bedeutende Rolle spielt, muss der Wahlkampf bestimmte Themen aufgreifen, um viele Wähler für sich gewinnen zu können. Mit der derzeitigen republikanischen Regierung wird auch die eingetretene Wirtschaftskrise, die sich unter anderem durch die erhöhten Mieten und Grundstückspreise zu erkennen gibt, konnotiert. Der Wunsch nach Neuanfängen ist in ganz Amerika und somit auch in Florida präsent. Vor allem junge Leute sind innovativen Schritten der Politik gegenüber erwartungsvoll eingestellt. Die Republikaner hingegen profitieren bisher vor allem von der breiten, älteren und weitgehend monetär gutgestellten Bevölkerungsschicht. Alte Leute sind oft zufrieden mit der momentanen Situation und sehen nicht immer eine Notwendigkeit für Veränderungen. Ein Beispiel hierfür ist Olga Willis aus Florida. Nachdem sie mit ihrer „fabulous gold handbag“ sich bei der McCain Kabine einschrieb, sagte sie: „Barack Obama says he will take from those who have too much. What is too much?“ 6 Gewissermaßen sind ihr die Pläne Obamas nicht eindeutig genug formuliert.
6 o. A.: A struggle in the sunshine. John McCain has to win Florida, but may not. In: The Economist (4.10.2008). S.
49.
5
Veteranen galten bei vergangenen Wahlen nahezu zwangsläufig als Wähler der Republikaner. „Ich mag lieber John McCain“, sagt die 79-jährige Pat McCafferty „er ist ehrlich, und er ist ein Kriegsheld […].“ 7 In diesem Jahr schaffte man es aber, vielen republikanischen Stammwähler den Wechsel zu den Demokraten nahezulegen. Im Handelsblatt sagt die 82 Jahre alte Margel „Vielleicht gebe ich ihm [Barack H. Obama] meine Stimme […]“ 8 und signalisiert damit, dass auch ältere Leute erwägen, 2008 demokratisch zu wählen. „Dass eine republikanische Stammwählerin in Florida den Seitenwechsel überhaupt erwägt, ist ein enormer Erfolg für den Demokraten.“ 9 , meint Zienke weiter. Relativ fest steht, dass Exil-Kubaner (Cuban-Americans) erfahrungsgemäß eher republikanisch wählen. Denn „nach dem Sieg Fidel Castros 1959 flohen über 500 000 Kubaner in die USA und verwandelten Miami und andere Städte Floridas innerhalb kurzer Zeit in zweisprachige Metropolen“ 10 und sorgten somit für einen enormen Anstieg der Bevölkerung. Florida ist ein Staat, welcher von Einwanderern geprägt wird. In den gesamten Vereinigten Staaten von Amerika, so schätzt man, haben sich in den frühen 1990er Jahren jährlich 1,25 Millionen Immigranten in dem Sonnenscheinstaat niedergelassen. 11 Immigration findet hauptsächlich (90%) in den Staaten California, Florida, Illinois, New Jersey, New York und Texas statt. Den Versuch der Eisenhower-Regierung 1960 (Operation Mongoose) das Fidel Castro-Regime zu bekämpfen, schätzen viele Cuban-Americans und teilen die antikommunistische Position der republikanischen Partei. 12 Entscheidend ist außerdem die jüdische Bevölkerungsgruppe. Die sogenannten jewish votes stehen wiederum in Verbindung mit älteren Bürgern Floridas. In der Berichterstattung der Presse über die Wählerschaft im Sonnenscheinstaat konnte man oft lesen, dass vor allem junge Leute und Schwarze sehr entscheidend für den Wechsel seien. Die Vorwahl im Januar diesen Jahres gab zu erkennen, dass 250 000 Wähler mehr demokratisch wählten und nur 80 000 Wähler mehr für die Republikaner. Swing-States allgemein und speziell Florida sind von äußerster Wichtigkeit bei der Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Die ansteigende Bevölkerungsanzahl Floridas „dessen Einwohnerzahl sich im selben Zeitraum [von den 1990er Jahren bis 2003] von 2,8 Millionen auf
7
Morris, Ruth: Florida im US-Wahlkampf. Umworbene Senioren.
http://www.sueddeutsche.de/politik/838/314734/text/ (30.11.2008).
8 Ziener, Markus: Applaus von allen Seiten. In: Handelsblatt 201 (2008).
9 Ebd.
10 Heideking, Jürgen: Geschichte der USA. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Tübingen: UTB 2003. S. 375. 11 Vgl. Wilson, James Q.; John J. Dilulio: American Government. S. 541.
12 Vgl. Simkin, John: Fidel Castro. http://www.spartacus.schoolnet.co.uk/COLDcastroF.htm (28.11.2008).
6
Arbeit zitieren:
Tom Kräplin, 2009, Die Wahl in Florida, München, GRIN Verlag GmbH
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