INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung
2
Richard Wagner:
Das Gesamtkunstwerkidee und die Revolution
3
Michelangelo Pistoletto:
Love Difference’ und kreative soziale Transformation
7
Richard Wagner und Michelangelo Pistoletto:
Zwei Kinder ihrer Zeit zwei Eltern einer Sakralität
10
Bibliographie
11
1
Einleitung
Dieser Aufsatz baut weiter auf ein Referat gehalten am 5. Dezember 2007 im Rahmen des Proseminars „Richard Wagner und das (Musik)-Theater.“ Das Thema des Referats war eine umfangreiche Skizze von dem Begriff‚Gesamtkunstwerk.’ Es wurde nicht nur behandelt, wie Richard Wagner diesem Idee prägte im Rahmen seiner Auffassung des Musikdramas und des Festspielhauses, aber gleichfalls wurde die (romantische) Vorgeschichte als auch die (moderne) Nachwirkung in grobe Skizzelinien angesetzt.
Als Handout des Referats wurde ein Schema hergestellt (Siehe Abb. 1), das großenteils zurückgreift auf die Studie „Die Sehnsucht nach dem Gesamtkunstwerk“ von Roger Fornoff 1 . So wie in dieses Schema steht der Totalitätsanspruch zentral steht, werden wir uns auch in dieser Aufsatz auseinandersetzen mit die Frage nach die Gesamtidee und ihre Gegenwärtigkeit im künstlerischen Schaffen überhaupt. Diese umfassende Aufgabe werden wir versuchen zu konkretisieren anhand einer geistigen Konfrontation zwischen einerseits Wagners Gesamtkunstwerkbegriff und die daraus entstandene Revolutionsidee und andererseits Pistolettos zeitgenössische Gesamtkunstwerkprojekt ‚Cittadellarte’ in Biella (Italien) und die Idee der sozialen Transformation. Die entscheidende Fragestellung in diesem Vergleich lautet: wie entwickelt sich aus den Sehnsucht nach dem Gesamtkunstwerk eine Gesellschaftskritik, die in ein nächsten Schritt zu ein Revolutionsbegriff werden kann? Wie steht dieses Revolutionsbegriff zu der menschliche Natur? Auf welche zentrale Begriffe und Metapher baut der Gedanke der gesellschaftlichen Umwandlung als Kunstwerk sich auf? Wo befindet sich genau der Anspruch des Künstlers, sein Werk zu betrachten als ein universelles Universum, das als Modell verstanden werden kann für eine zukünftige Weltordnung? Diese Fragen können - wie wir sehen werden - zurückgeführt werden auf den universellen Verhältnis des Individuums zu der Gesellschaft, und zwar im Rahmen des Kunstbegriffes als Revolutionsansatz, beziehungsweise als soziale Transformation, die für beide Künstler entscheidend sind. Obwohl wir uns davon bewusst sind, dass diese hypothetische Fragestellungen sich entziehen von eine traditionelle Vision des künstlerischen Schaffens, und stattdessen
1 Fornoff, Roger: Die Sehnsucht nach dem Gesamtkunstwerk; Studien zur ästhetischen Konzeption der Moderne, Hildesheim 2004.
2
ein universelles Charakter in die künstlerische Tätigkeit hineininterpretiert, wollen wir uns weit halten von jede mögliche politische Übersetzung von der Gesamtheitsanspruch des künstlerischen Schaffens. In der Nachkriegszeit wurde all zu oft jede Gesamtkunstwerkidee abgelehnt aus Angst für neofaschistische Politisierungspraktiken. Obwohl wir nicht verneinen können, dass es diese Möglichkeit zu Dekadenz gibt (einen Weg, die bei Wagner z.B. nie ganz ausgeschlossen ist), halten wir dieses für außerkünstlerische Phänomene, die uns zwar warnen, sondern nicht zurückschrecken lassen dürfen. Uns handelt es eher über ein Versuch zur Verständnis von ein essentielles schöpferisches Prinzip, dass neben der Mensch als Demiurg (also als spirituelles, selbstbestimmtes Wesen) auch die Synästhesie und die Fähigkeit zu kosmischen Weltbetrachtung als Grundlage hat. Kurz, es handelt sich eher darum, das Kunstbegriff zu ersetzen durch ein soziales Kreativitätsbegriff. Obwohl in äußerliche Erscheinung stark unterschiedlich, verbindet die Sehnsucht nach einer totalen Abstimmung von alle in das Universum lebende und tote Elemente nach einen zentrale kreativen Herzschlag, jede Künstler der Moderne und der Postmoderne.
Die Beziehung zwischen das im vorgenannten Referat dargestellte Gesamtkunstwerkbegriff Wagners und seine Revolutionsvorstellung ist in zwei Texten am scharfesten wiedergegeben, nämlich in „Die Kunst und die Revolution“, und in „das Kunstwerk der Zukunft“, beiden entstanden in das Dresdener Revolutionsjahr 1849. 2 Obwohl er sein theoretisches Magnum Opus, „Oper und Drama“ nur drei Jahre später aufzeichnete, hat er schon in diese zwei kleine Werke sein Grundriss für sowohl das Gesamtkunstwerkidee als die aus der Kunst heraus entstehende Revolution entwickelt. Beide Texte sind ein Versuch, die Kunst seiner universellen Status und damit auch seine Autonomie - ja sogar seine Souveränität wieder zu geben, die sie im Laufe der Geschichte verloren hat. Der Mensch sollte sich damit wieder mit der Natur versöhnen, statt Sklave zu werden von einer überflüssigen Industriegesellschaft. Als Idealbild greift Wagner zurück auf das Beste was die
2 Wagner war aktiv beteiligt an diesen Revolutionsversuch, so wie allgemein bekannt ist. Neben beide genannte Aufsätze schrieb er auch das Traktat „Die Revolution.“
3
klassische griechische Kultur seine Ansicht nach geleistet hat: 3 Einheit des Menschen mit seine eigene innere Natur, freie Demokratie und ein freies Geistesleben, worin die Tragödienfestspiele eine zentrale Rolle spielen könnten sowohl in das kulturelle, das soziale, als das spirituelle Leben. Was in Griechenland nur für einige soziale Klassen verwirklicht werden könnte, muss jetzt für jeden Mensch ganz neu aufgebaut werden. So kann die alte griechische Kunst zu neue, humane und universelle Kunst auswachsen. 4 Nach den Barbarismus der Römer und die Scheinheiligkeit der lebensverneinenden katholischen Kirche, 5 ist der Menschheit heute (also anno 1849) in eine perspektivlose kommerzielle Spirale gefangen. Was früher die mythische Götterwelt hieß, ist jetzt durch einen allgegenwärtigen Industriegott ersetzt. Der Künstler genießt nicht länger den materiellen Schütz von die Kirche oder der Souverän (so wie im Mittelalter und im Neuzeit der fall war), sondern ist ausgeliefert an die Willkür der modernen Handelsgesellschaft, was seine Kunst zu Ware macht und es damit seine Freiheitsanspruch entzieht. 6
Wo liegt denn genau die revolutionäre Kraft der Kunst, wenn sie gerade durch diese Instrumentalisierung alle autonome Kraft entnommen ist? Dafür müssen wir tief in Wagners Kunstbegriff hinein tauchen. Da stellen wir nämlich fest, es handelt sich Wagner um ein sich ständig entwickelndes, nie stillstehendes
Transformationselement, als ein Motor der Gesellschaft: „In der Darstellung dieses großen Entwicklungsprozesses der Natur am Menschen selbst ist nun das menschliche Geschlecht, seit seiner Selbstunterscheidung von der Natur, begriffen. Dieselbe Notwendigkeit ist die treibende Kraft in der großen Menschheitsrevolution, dieselbe Befriedigung
3 Wagner ist sich zwar davon Bewusst, dass die griechische Kultur als ganzes noch gar nicht die Idealzustand erreicht hätte. Ihre Entwicklung stützte sich nämlich auf Sklaventum. Wagner weist nur darauf hin, dass eine bestimmte soziale Klasse sich befreit hatte und in Harmonie lebte, während wir heute wie die damaligen Sklaven gefangen sind in das Netz der Handelskonstellationen.
4 Wagner, Richard, Das Kunstwerk der Zukunft, in: Wagner, Richard: Gesammelte Schriften und Dichtungen (Bd. 3), Leipzig 1887-88, S. 62.
5 Die Auffassung Wagners über die Kirche hat deutlich seine Wurzeln in die Kritik des Christentums von Ludwig Feuerbach, die er intensiv studiert hatte. (Feuerbach, Ludwig: Das Wesen des Christentums, Leipzig 1841.)
6 „Ihr wirkliches Wesen ist die Industrie, ihr moralischer Zweck der Gelderwerb, ihr ästhetisches Vorgeben die Unterhaltung der Gelangweilten. Aus dem Herzen unserer modernen Gesellschaft, aus dem Mittelpunkte ihrer kreisförmigen Bewegung, der Geldspekulation im Großen, saugt unsere Kunst ihren Lebenssaft, borgt sich eine herzlose Anmut aus den leblosen Überresten mittelalterlich ritterlicher Konvention, und lässt sich von da - mit scheinbarer Christlichkeit auch das Schärflein des Armen nicht verschmähend - zu den Tiefen des Proletariats herab, entnervend, entsittlichend, entmenschlichend überall, wohin sich das Gift ihres Lebenssaftes ergießt.“ (Wagner, Richard: Die Kunst und die Revolution, in: Wagner, Richard, op. cit., S. 19.)
4
Arbeit zitieren:
Master of Arts Gawan Fagard, 2008, Revolution und Transformation - In Richard Wagners ‚Gesamtkunstwerk’ und Michelangelo Pistolettos ‚Cittadellarte’, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Gawan Fagard's Text Revolution und Transformation - In Richard Wagners ‚Gesamtkunstwerk’ und Michelangelo Pistolettos ‚Cittadellarte’ ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Gawan Fagard hat den Text Revolution und Transformation - In Richard Wagners ‚Gesamtkunstwerk’ und Michelangelo Pistolettos ‚Cittadellarte’ veröffentlicht
Gawan Fagard hat einen neuen Text hochgeladen
Artists in Exile: How Refugees from Twentieth-Century War and Revoluti...
How Refugees from Twentieth-Ce...
Joseph Horowitz
Reality Marketing Revolution: Transform Your Small Business Into a Mon...
Eric Keiles, Mike Lieberman
The Rhodiola Revolution: Transform Your Health with the Herbal Breakth...
Richard P. Brown, Patricia L. Gerbarg, Barbara Graham
The Political Marketing Revolution: Transforming the Government of the...
Jennifer Lees-Marshment
The Fourth Revolution: Transformations in American Society from the Si...
Robert V. Daniels, Daniels V. Daniels
0 Kommentare