Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Utopie 3
2.1 Zum Begriff der Utopie im Allgemeinen. 3
2.2 Archistische Utopien 5
2.3 Anarchistische- oder bon-sauvage-Utopien 6
3. François Fénelon: „Les Aventures de Télémaque, fils d’Ulysse“ 9
3.1 Baetica. 10
3.2 Salent. 11
3.3 Vergleich 11
4. Literaturverzeichnis: 13
2
1. Einleitung
In dieser Ausarbeitung werde ich einen Einblick in die utopische Literatur des 16. - 18. Jahrhunderts liefern. Ebenso wie in meinem Referat stütze ich mich hierbei in erster Linie auf die Publikationen von Richard Saage und Hans-Günter Funke. Aus dieser Sekundärliteratur ergibt sich die Fokussierung innerhalb meiner Arbeit auf französische Texte. Hans-Günter Funke folgend differenziere ich die Utopien in archistische und anarchistische Utopien, wobei die anarchistischen Utopien synonym zu den bon-sauvage-Utopien stehen. In dieser Differenzierung liegt der Schwerpunkt meiner Ausarbeitung. Funke behandelt in seinem Buch Reise nach Utopia: Studien zur Gattung Utopie in der französischen Literatur 1 Texte aus der Zeit der französischen Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts. Von diesen etwa 90 Texten sind nur fünf dem anarchistischen Typus zuzurechnen. Zu diesen bonsauvage-Utopien gehören auch die so genannten Südseemythen, welche im ausgehenden 18. Jahrhundert entstanden sind. Der exemplarische Text für einen Südseemythos ist Denis Diderots Supplément au Voyage de Bougainville (1775) (Nachtrag zu Bougainvilles Reisen). Mein Primärtext wird allerdings François Fénelon: „Les Aventures de Télémaque, fils d’Ulysse“ sein, da er sowohl archistische als auch anarchistische Gesellschaften konstruiert.
2. Utopie
2.1 Zum Begriff der Utopie im Allgemeinen
Übersetzen ließe sich der aus dem altgriechischen stammende Begriff Utopie als „Ohne Ort“ oder „Nicht-Ort“ 2 . Thomas Morus, der mit seinem Roman Utopia aus dem Jahr 1516 zum Namensgeber der literarischen Gattung geworden ist 3 , weist auf eine Doppeldeutigkeit des Begriffes hin. Das Präfix ou- wird im Englischen eu- ausgesprochen, woraus sich der Begriff Eutopia ergibt, welcher mit Gut-Ort übersetzbar ist. Dies zeigt, dass von Anbeginn der literarischen Gattung der Utopie die Fiktion einer idealen Gesellschaft die zentrale Idee war. 4
Utopische Literatur stellt in ihrem Kontext die Welt so dar, wie sie sein sollte. Der realen Gesellschaft, in der sich der Autor befindet, wird eine ideale Gesellschaft als Opposition
1 Hans-Günter Funke: Reise nach Utopia: Studien zur Gattung Utopie in der französischen Literatur. Münster:
LIT Verlag 2005 (= Politica et ars 7).
2 Der Begriff setzt sich wie folgt zusammen: ou- (nicht) und topos (Ort). Hans Ulrich Seeber weist allerdings
darauf hin, dass dieses keine grammatikalisch korrekte Form ist. Vgl. Hans Ulrich Seeber: Die Selbstkritik der
Utopie in der angloamerikanischen Literatur. Münster: LIT Verlag 2003 (= Politica et ars 5), S. 55.
3 Vgl. Urs Bitterli: Die »Wilden« und die »Zivilisierten«. Grundzüge einer Geistes- und Kulturgeschichte der
europäisch-überseeischen Begegnung. München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1982, S. 392.
4 Vgl. Seeber (2003): Die Selbstkritik der Utopie, S. 55.
3
gegenüber gestellt. Ziel dieser konstruierten idealen Gesellschaft ist das Zusammenspiel der gesellschaftlichen Kräfte zum Wohl der Allgemeinheit. Diese Idee findet sich bereits in Platons Schrift Politeia, welche Richard Saage als Urmuster der archistischen Utopie bezeichnet. 5 Die utopischen Orte befinden sich in den meisten Werken der literarischen Utopie auf weit entfernten Inseln oder fremden Welten. Als Beispiel kann hier Thomas Morus’ Utopia herangezogen werden; die ‚Utopier’ leben auf einer abgelegenen Insel und sind durch geografische Gegebenheiten vor der Außenwelt geschützt. Diese Darstellung des Unerreichbaren ist ein typischer Aspekt für die literarischen Utopien der Zeit. Weitere Vorläufer der utopischen Literatur sind, neben Morus, Tommaso Campanellas Der Sonnenstaat (1623), Johann Valentin Andreaes Christianopolis (1619) und Francis Bacons Nova Atlantis (1627). 6 Großen Einfluss auf die neuzeitlichen Utopien übte aber auch die authentische Reiseliteratur nach Übersee aus. Zentrale Figur ist hierbei der deutsche Naturforscher Georg Forster, der bereits als 17jähriger an der zweiten Weltumsegelung James Cooks teilnahm und seine Beobachtungen in einem wissenschaftlichen Bericht veröffentlichte. Oftmals kam es in den literarischen Utopien zu einer Verschmelzung von fiktiver und authentischer Reiseliteratur, da viele Autoren ihre Utopien als authentische Reiseberichte ausgaben (z.B. Denis Veiras: Histoire de Sévarembes, 1677-79 und Bernard le Bovier de Fontenelle: Histoire de Ajaoïens, ca. 1682).
Hans-Günter Funke teilt die utopische Literatur in sieben Untergattungen ein und arbeitet deren literarische ‚Prototypen’ heraus. Er benennt die Reiseutopie (Denis Veiras: Histoire de Sévarembes, 1677-79), den pseudohistorischen Reise- und Bildungsroman (François Fénelon: Les Aventure de Télémaque, 1699), den philosophischen Dialog (Baron de Lahonton: Dialogues curieux entre l’auteur et un sauvage de bon sens qui a voyagé, 1703), den Reise-und Abenteuerroman mit utopischen Episoden (Simon Tyssot de Patot: Voyages et aventures de Jacques Massé, 1714), das utopische Drama (Pierre Carlet de Marivaux: L’Ile de esclaves, 1727), den politisch-ökonomischen Verfassungs- und Reformplan (Ètienne-Gabriel Morelly: Code de la nature, 1755) und die Uchronie oder Zeitutopie (Louis-Sébastien Mercier: L’An 2440, 1771). Bis auf das Werk Merciers sind diese Utopien alle Raumutopien, d.h. die utopischen Orte wurden nicht etwa in die Zukunft gelegt, sondern waren durch einen räumlichen Abstand von der eigenen Realität getrennt. Die Untergattung der Zeitutopie
5 Vgl. Richard Saage: Utopische Profile, Band I: Renaissance und Reformation. Münster [u.a.]: LIT Verlag 2001
(= Politica et ars 1), S. 27.
6 Ausführlich zu Morus, Campanella, Andreae und Bacon: Saage (2001): Utopische Profile.
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Arbeit zitieren:
2008, Die bon-sauvage-Utopien und der Südseemythos, München, GRIN Verlag GmbH
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