Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 2
2. Entwicklungsgeschichte Burmas bis zum Fall des Pagan-Reiches. 3
2.1 Die drei großen Zäsuren Burmas 7
2.1.1 Das erste Birmanische Reich unter König Anawrahta. 7
2.1.2 Das zweite Birmanische Reich. 7
2.1.3 Die Alaungpaya-Dynastie 10
2.2 Die Ankunft der Engländer und die drei Anglo-Burmesischen Kriege 13
3. Unter britischer Herrschaft. 16
3.1 Die Idee der Unabhängigkeit. 17
3.2 Der Zweite Weltkrieg in Burma. 19
3.2.1 Die 30 Kameraden und die Burma Independence Army 20
3.2.2 Der Kampf um die Burma Road und die Rückeroberung durch die Briten. 22
4. Die Jahre 1945-1946 in Burma - Kurz vor „Independence“ 23
4.1 Das Aung San - Clement Atlee Abkommen 1947 in London 25
4.2 Das Panglong-Agreement und seine Folgen 27
4.3 Die Unabhängigkeit am 04. Januar 1948 28
5. Ergebnis und Ausblick 30
6. Quellen- und Literaturverzeichnis. 33
1
1. Vorwort
Burma, ein Land, das auf eine Jahrtausend alte Geschichte zurückschaut und mehrere Zäsuren erlebte, soll Thema dieser Arbeit sein. Es wäre vermessen zu behaupten, dass alle Daten, Protagonisten und Ereignisse in diese Ausarbeitung mit aufgenommen werden können. Daher wird im ersten Kapitel die Entwicklungsgeschichte Burmas bis zum Ende des Pagan-Reichs dargestellt. Das zweite Kapitel wird sich mit den drei großen Zäsuren für Burma beschäftigen. Knapp und dennoch ausführlich werden diese aufgezeigt, da sie wesentlich für Burmas spätere Evolution sind. Auch wird die Kolonialisierung durch die Briten inkl. der drei Anglo-Burmesischen Kriege Erwähnung finden.
Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit soll dennoch auf dem langen Weg zur Unabhängigkeit im Jahr 1948 im dritten Kapitel gerichtet werden. Eine Frage die sich somit ergibt, lautet: Wie verlief der Weg in die Unabhängigkeit Burmas? Setzt man sich etwas näher mit den Unabhängigkeitsbestrebungen Burmas auseinander, eröffnet sich einem ein weiteres Problem. Warum konnte diese neu erkämpfte Unabhängigkeit nicht aufrecht gehalten werden und wurde stattdessen durch ein kommunistisches System Anfang der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts ersetzt? Um diese Forschungsgegenstände beantworten zu können, ist es von Bedeutung die wichtigsten Protagonisten der Unabhängigkeit in einem Gesamtüberblick der Umbruchszeit des Zweiten Weltkrieges kurz vorzustellen und ihre Errungenschaften zu erwähnen und auszuwerten. Ebenfalls von Wichtigkeit sind die äußeren und inneren politischen Verhältnisse Burmas. Ferner wird es einen Einblick in die verschiedenen ethnischen Bevölkerungsgruppen geben, die bei dem Kampf um die Unabhängigkeit eine herausragende Rolle spielten.
Die Literatur bietet zum Thema Burma eine große Auswahl, bedarf allerdings einer sorgfältigen Erwählung. Thant Myint-U lieferte mit seinem Buch „The River of lost Footsteps“ 1 eine Ausarbeitung die auf einerseits eigenen Erfahrungen beruht, jedoch andererseits eine Vielzahl von historischen Hintergrundinformationen liefert. Ein weiteres Werk wird in dieser Arbeit Des Öfteren Verwendung finden. Frank N. Trager lieferte bereits im Jahr 1966 mit seinem Werk „Burma From Kingdom to Republic“ 2 einen tiefen Einblick in die Entwicklungsgeschichte des Landes. Ferner wird Klemens Ludwig mit seinem Werk „Birma“ 3 aus dem Jahr 1997 häufig Erwähnung finden, da er sich sehr detailliert mit den
1 Myint-U, Thant: The River of lost Footsteps. New-York, 2006.
2 Trager, Frank N.: Burma From Kingdom to Republic. A historical and political Analysis. New-York, 1966.
3 Vgl.: Ludwig, Klemens: Birma. München, 1997.
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einzelnen Bevölkerungsgruppen auseinandersetzte und ebenfalls eine knappe burmesische Geschichte schrieb, die allerdings viele Parallelen zu Frank Trager aufweist. Befragt man das Internet zum Thema Burma, erscheint eine Vielzahl von Angaben, jedoch müssen diese zum Teil sehr kritisch betrachtet werden. So liefert beispielsweise die Burmesische Regierung auf ihrer Internetseite Informationen zu den einzelnen ethnischen Gruppen, jedoch sind diese so dürftig, dass keine Auswertung oder Darstellung durch sie geschehen kann. Es zeigt sich bereits am Aufbau der Internetseite, dass die ethnischen Minderheiten des Landes bis zum heutigen Tag, als eher „lästig“ [C.T.] angesehen werden, da sie entweder der Opposition angehören oder von geringer Bedeutung für das Land sind. 4 Ein weiterer Punkt der hier einer Anmerkung bedarf, ist, dass die Weltöffentlichkeit den Landesnamen von Burma zwar mit Einschränkungen als Myanmar 5 anerkennt, er aber einer Vielzahl von Menschen entweder als Birma oder Burma bekannt ist. Welche Bezeichnung gewählt wird, hängt von der jeweiligen Epoche ab, mit der sich ein Autor beschäftigt. Allerdings, und dieses erscheint nicht unerheblich, bedeutet die heutige Bezeichnung „Union Myanmar“, auch eine Abgrenzung zur Außenwelt. Hiermit wollte das Militärregime, das bis heute sein Unwesen treibt, eine Art Selbstbehauptung darstellen. 6 Mit der Umbenennung des Landes im Jahr 1989 7 wird seitens der Militär-Junta eine Überwindung der Kolonialzeit demonstriert, die seines gleichen sucht. Dieses geschah ohne jegliche Wahlen oder Volksabstimmungen, was bis zum heutigen Tage von Beobachtern des Landes bemängelt wird.
Die Autorin dieser Arbeit wird allerdings aus Respekt vor den bis heute unzähligen Opfern den Namen Burma verwenden. Die Willkür herrscht allerdings bis heute im Land zwischen Indien, China, Laos, Bangladesh und Thailand.
2. Entwicklungsgeschichte Burmas bis zum Fall des Pagan-Reiches
Wie bereits im Vorwort erwähnt, blickt Burma auf eine lange Traditionsgeschichte zurück. Bereits im 11. Jahrhundert gründete der König Anawrahta 8 das erste birmanische Reich. Anawrahta führte das Land aus dem bisher vorherrschenden Ari-Buddhismus zum Theravada-Buddhismus. 9 Gerade der Buddhismus in seinen verschiedenartigen Ausprägungen spielt bei
4 Vgl.: http://www.myanmar.com/people/kayin.html. (letzter Zugriff: 10.02.2009)
5 Vgl.: Ludwig, Klemens: S. 11.
6 Vgl.: Nohlen, Dieter; Nuscheler, Franz: Handbuch der Dritten Welt. Bd. 7. Südasien und Südostasien. Berlin, 1994. S. 259.
7 Vgl.: Ludwig, Klemens: S. 11.
8 König Anawrahta vereinigte als Erster die verschiedenen Reiche Burmas. Er herrschte in der Zeit von 1044 bis 1077 im Reich der Bagan. Vgl.: Dumoulin, Heinrich; Maraldo, John C.: Buddhism in the Modern World. Virgina, 1976. S. 39 ff.
9 Vgl.: http://www.theravadanetz.de/frameset.html. (letzter Zugriff: 10.02.2009)
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der Entwicklungsgeschichte Burmas eine entscheidende Rolle. Bereits Klemens Ludwig schrieb: „Der Buddhismus ist in Myanmar mehr als „nur“ eine Religion, er ist eine Lebensform.“ 10
Die Herrschaft Anawrahtas kam allerdings nur durch den Sieg über die Pyu und die Mon zu Stande. Das Reich 11 der Pyu, eines der ersten ethnischen Bevölkerungsgruppen, hielt eifrige Handelsbeziehungen und verzeichnete einige große Handelsstätte. Nicht wie fälschlicherweise bis heute zahlreich dargestellt, hat der indische Einfluss die Städteentwicklung vorangetrieben, sondern bereits die Pyu lebten zumeist in Handelsstätten. Dieses Reich wurde allerdings schon im Jahr 830 vollständig zerstört. 12 Allerdings ist es wahrscheinlich den Pyu zu verdanken, dass es eine Alphabetisierung der Bevölkerung zur damaligen Zeit gab, denn sie errichteten als erste in ihrem Reich Klöster in denen sie Kinder unterrichteten. Weiterhin entwarfen sie schon früh Kanalanlagen und förderten und bearbeiteten Bodenschätze in ihrer Region. 13 Nicht umsonst bezeichnet man die Pyu noch heute als eine der ersten Hochkulturen Südostasiens. 14 Die Pyu entwickelten die erste Silberwährung. Diese im 5. Jahrhundert gefundenen Geldstücke wurden allerdings nicht nur als Zahlungsmittel, sondern auch als Schmuck getragen. „Many of these coins have had a small hole punched along their perimeter so that the coins may have been used as much for amulets as for trade.” 15 Abschließend zur Pyu Bevölkerung ist zu sagen, dass sie zuerst den hinduistischen Glauben vertraten und erst später im zweiten und dritten Jahrhundert den Buddhismus als Glaubensrichtung übernahmen.
Auch die Mon, eine weitere Bevölkerungsgruppe, spielten bei der Errichtung des ersten Birmanischen Reiches eine entscheidende Rolle. Sie waren nachweislich die erste Bevölkerungsgruppe des heutigen Burma. „The first Indianized peoples in Burma were the Mons.“ 16 Ursprünglich kamen die Mon aus China, Indien und Kambodscha und besiedelten nach und nach das südliche Burma. Erst im Laufe der Jahrhunderte bevölkerten sie auch die Mündung des Irrawaddy-Deltas. „This area was first known as Suvannabhumi ("land of gold") and later as Ramannadesa ("Land of Ramanna"); Ramanna being the word for Mon people.” 17
10 Ludwig, Klemens: S. 98.
11 Pyu wurde wahrscheinlich nur von einem König namens Maharaja beherrscht. Das Land der Pyu wurde durch zahlreiche Kriege geschwächt und konnte somit von den Burmesen übernommen werden. Vgl.: Luce, G. H.: The Ancient Pyu. In The Fifthieth Anneversary Publications No. 2. Burma, 1960. S. 318.
12 Ebenda. S. 35.
13 Vgl.: http://www.seasite.niu.edu/burmese/cooler/Chapter_2/Chapter_2.htm. (letzter Zugriff: 10.02.2009)
14 Ludwig, Klemens: S. 35.
15 Ebenda.
16 Vgl.: http://www.seasite.niu.edu/burmese/cooler/Chapter_2/Chapter_2.htm. (letzter Zugriff: 10.02.2009)
17 Ebenda.
4
Sie waren wie auch die Pyu anfänglich einfache Reisbauern und lebten von dem was sie rund um ihre Hütten anbauten. Allerdings haben die Mon, wie auch die Pyu eine eigene Schriftsprache entwickelt die der Bevölkerung auch den Namen verlieh. 18 und sich ebenfalls schon früh mit der Errichtung von Bewässerungsanlagen beschäftigt. Im Jahr 573 gründeten die beiden Prinzenbrüder Thamala 19 und Wimala 20 das Königreich Mon mit der Hauptstadt Hongsawadi. 21 Diese und die Stadt Thaton waren für sie von außerordentlicher Bedeutung für das Handeltreiben mit beispielsweise Indien. „Schon vor mehr als 2000 Jahren siedelten sie an den Mündungen der großen Flüsse Chao Phraya, Sittoung und Thanlwin, und dominierten von dort den Handel zwischen Indien und Südostasien. Münzfunde konnten sogar Kontakte mit Rom belegen.“ 22 Aufgrund von einem 1000jährigen brutalen Umschwung in der Geschichte wurde 1057 Bago von den Birmanen vollständig zerstört. 23
Der Einfluss durch Indien führte dazu, dass die Mon sehr frühzeitig in ihrer Entstehung den Buddhismus als Glaubensrichtung besaßen. Die Vernichtung des Königreichs hatte zur Folge, dass bedeutende Tempelanlagen vollständig dem Erdboden gleichgemacht und schriftliche Aufzeichnungen unwiederbringlich zerstört wurden. Die Opfer waren ebenfalls zahlreich. Daraufhin flohen die Überlebenden (Mönche, Bauern etc.) nach Thailand und nur wenige verblieben im Land. Diejenigen, die im Land geblieben sind, mussten noch einige Male flüchten. Heute leben die meisten Mon „zwischen Bago und Mawlamyaing“ 24 Sie haben sich den Birmanen sehr angepasst und ihre Kultur zumeist auch übernommen. Auch findet man unter ihnen noch eine Vielzahl von Reisbauern. Als dritte wichtige Bevölkerungsgruppe müssen hier die Birmanen Erwähnung finden um die weitere geschichtliche Entwicklung Burmas zu verstehen.
Die Birmanen gründeten am Irrawaddy ihre ersten Siedlungen und bauen die Stadt Pagan, die bereits durch die Pyu gegründet wurde, weiter aus. Um die Stadt wurde eine Befestigung gezogen und Invasoren hätten es schwer gehabt, Pagan zu erobern. Weiterhin nutzten die
18 Vgl.: Bechert, Heinz; Gombrich, Richard: Der Buddhismus. Geschichte und Gegenwart. München, 2000. S. 169.
19 In einigen Literaturangaben auch als Samala benannt. Vgl.: Halliday, Robert: The Mons of Burma and Thailand. Bangkok, 2000. S. 154.
20 Ebenda.
21 Später wurde die Stadt in Bago umbenannt. Seit 1989 wurde mit der Umbenennung des Staates Burma in Myanmar auch Pegu wieder umbenannt in Bago. Vgl.: Zöllner, Hans-Bernd: Birma zwischen "Unabhängigkeit zuerst, Unabhängigkeit zuletzt". Die birmanische Unabhängigkeitsbewegungen und ihre Sicht der zeitgenössischen Welt am Beispiel der birmanisch-deutschen Beziehungen zwischen 1920 und 1948. Hamburg, 2000. S. 32.
22 Klinkmüller, Volker; Markand, Andrea; Kuhnhenne, Markus; Peiker, Andrea; Petrich, Martin: Myanmar. (Birma). Köln, 2003. S. 432.
23 Vgl.: http://www.asiatour.com/myanmar/d-04bago/dm-bgo11.htm. (letzter Zugriff: 10.02.2009)
24 Klinkmüller, Volker: S. 433.
5
Birmanen die Handelswege der Pyu und somit strömten immer mehr Birmanen ins Pagan-Reich (Bagan), dass von 1044-1077, wie vorab schon erwähnt, von Anawrahta beherrscht wird. 25 Die Pagan-Dynastie war über zwei Jahrhunderte die bestimmende Macht und vereinigte die Pyu und Mon gewaltsam. Im Jahr 1057 wird die Mon Stadt Thaton erobert und ca. 30.000 Personen gefangen genommen. „Although the exact founding date of Thaton and the extent of its kingdom has yet to be discovered, it is known that Thaton fell under Burmese control during the 11th century when the first great King of Pagan, Anawrahta, sacked the city and returned to Pagan with Thaton’s King Manuha as his captive.“ 26 Gleichzeitig wurden alle heiligen Schriften mitgenommen. Die Mon Schrift wurde jedoch von Anawrahta übernommen und es entwickelte sich ein rapider wirtschaftlicher und kultureller Aufstieg des Pagan-Reiches. 27
Nach Anawrahtas Tod übernahm sein Sohn den Thron. Er war für den Bau vieler Tempel im Pagan-Reich verantwortlich und betrieb einen regen Handel mit Sri Lanka und Indien. Das Hauptexportgut war Reis. 28
Im 13. Jahrhundert verfiel das Pagan-Reich zusehends. Eine Folge von „schwachen Königen“ und vielen Landschenkungen an Mönche, die keine Steuern zahlen mussten, schwächten das Reich. Auch die Baukosten für die neuen Tempelanlagen überforderten den jeweils regierenden König. 29 Damit veränderte sich auch die politische Situation zusehends. Hierfür waren allerdings nicht nur die innenpolitischen sondern vermehrt auch externe Faktoren von Bedeutung, wie beispielsweise der Eroberungsfeldzug der Mongolen und im Speziellen des Kublai Khan. 30 Dieser Stand 1287 vor den Toren Pagans und man übergab ihm die Stadt kampflos. 31
Zu Burmas Bevölkerung zählen noch weitere Volksgruppen, die in einem der folgenden Kapitel näher beleuchtet werden. Um aber die Entwicklungsgeschichte und damit auch die erkämpfte Unabhängigkeit Burmas im Jahr 1948 zu verstehen, ist es von entscheidender Bedeutung die drei großen Zäsuren Burmas zu erwähnen und kurz darzustellen.
25 Vgl.: Zöllner, Hans-Bernd: S. 55.
26 http://www.seasite.niu.edu/burmese/cooler/Chapter_2/Chapter_2.htm. (letzter Zugriff 11.02.2009)
27 Ebenda.
28 Ihm folgte der Soldatenkönig Kyansitta (1084-1113). Vgl.: http://www.lakehouse.lk/mihintalava/gaya03.htm. (letzter Zugriff: 10.02.2009)
29 Vgl.: http://www.seasite.niu.edu/burmese/cooler/Chapter_2/Chapter_2.htm. (letzter Zugriff: 11.02.2009)
30 Kublai Khan war der Enkel des berühmten Dschingis Khan. Er errichtete ebenfalls die Yuan-Dynastie in China und übertrug buddhistischen Mönchen die Verwaltung von Tibet. Vgl.: hierzu: Rossabi, Morris: Khubilai Khan: his life and times. Berkeley, London, New York 1988.
31 Ray, N. R.: Theravada Buddhism in Burma. Calcutta, 1946. S. 38.
6
2.1 Die drei großen Zäsuren Burmas
Für Burmas Geschichte und damit auch den Weg in die Unabhängigkeit, ist die Darstellung der drei größten Zäsuren des Landes entscheidend. Im Folgenden sollen diese kurz erläutert werden. Auch hier muss vorab erwähnt werden, dass große Zeitsprünge unternommen werden, die allerdings für die Entwicklung Burmas entscheidend waren.
2.1.1 Das erste Birmanische Reich unter König Anawrahta
Die Erste große Zäsur ist um das Jahr 1000 v. C. mit dem damals regierenden König Anawrahta anzusiedeln. Er gründete das erste Birmanische Reich 32 und zwang vier entscheidende Bereiche unter seine Herrschaft. Zum einen wäre hier das feuchte Südbirma zu nennen, dessen Hauptstadt Pagan von ihm weiter ausgebaut wurde. Weiterhin stützte sich Anawrahta auf die Birmanen als herrschendes Volk und brachte die Gebiete um den Küstenkorridor und das Irrawaddy-Delta unter seine Kontrolle. Wie vorab schon erwähnt konnte das erste Birmanische Reich sich nicht lange halten, da Kublai Khan die Unterwerfung der Burmesen ab dem 13. Jahrhundert anstrebte um sein Mongolisches Imperium zu erweitern. 33 Die Burmesen wollten sich allerdings nicht unterwerfen lassen und ermordeten die erste eintreffende Infanterie. Erst mit dem Eintreffen der zweiten Infanterie ergab sich Anawrahta und übergab die Stadt Pagan kampflos. 34 Nach über 250 Jahren löste sich somit Burma wieder in seine einzelnen Bestandteile auf, was bedeutete, dass die Mon (Flood-Farmers) ihren eigenen Staat (Mon-Staat) im Süden errichteten und die Arakanesen 35 aufgrund ihrer Lage im Hochlandgebirge ebenfalls wieder eigenständig wurden und jeden am Zutritt hinderten.
2.1.2 Das zweite Birmanische Reich
Die zweite Zäsur des Landes ist in die Mitte des 16. Jahrhunderts einzuordnen. Gemeint ist die Errichtung des 2. Birmanischen Reiches. Zwei der wichtigsten Protagonisten dieser Zeit sind König Tabinshwehti (Regierungszeit von 1531-1550) und Bayinnaung 36 (Regierungszeit von 1551-1581). „He started by pushing south to the Irrawaddy delta in 1535; Pegu was
32 Vgl.: Klinkmüller, Volker: S. 98.
33 Ebenda. S. 123.
34 Vgl.: Rossabi, Morris: S. 102 ff.
35 Die Arakanesen hatten einen eigenen Staat namens Arakan. Heute ist es der Rakhinestaat, der unter birmanischer Kontrolle verwaltet wird. Vgl. hierzu: Fleischmann, Klaus: Arakan. Konfliktregion zwischen Birma und Bangladesh: Vorgeschichte und Folgen des Flüchtlingsstroms von 1978. Michigan, 1981. S. 68.
36 Bayinnaung heißt wörtlich übersetzt: Der ältere Bruder des Königs. Diesen Namen erhielt er von Tabinshwehti, dem Begründer des 2. Birmanischen Reiches. Vgl.: Gerroldt; Dieter: Politik und Monarchie in Thailand. Die Macht des Königs und seiner Elite. Buch 2. Berlin, 2008. S. 58.
7
surrounded, but not taken until 1539, thanks to a Portuguese ship that aided the defenders.” 37 Tabinshweti wurde 1531 Herrscher von Toungoo und führte von dort aus erneut viele Einigungs- und Vorsorgekriege um Burma wieder unter einer Herrschaft zu vereinen. 38 „In 1538 after first taking the western delta region […] Tabinshwehti overcame the defences of Pegu and occupied the capital of the Mon kingdom.“ 39 Bereits 1544 hatte er die Kontrolle über Zentralburma und krönte sich zum König von Pagan. „After crowning himself king of Burma at Pagan, Tabinshweti returned to Pegu, crowned himself king of the Mons, and announced that Pegu would become his permanent capital.” 40
Eine weitere Veränderung in Burma brachten die Portugiesen mit sich. Die Portugiesen die sich seit 1520 ein Mogulreich in Indien aufgebaut hatten, was unter dem Namen “Estado da India” 41 bekannt wurde, segelten bereits 1498 auch nach Burma um einerseits Zivilisationsversuche, aber vorrangig ihren eigenen Handelsraum (für Gewürze) zu erweitern. 42 Klinkmüller berichtet, dass die Portugiesen anfänglich eher als Piraten die Küste von Bengalen unsicher machten, bevor sie Burma für sich entdeckten. 43 Ebenfalls entstand mit der ‚Estado da India’ auch ein neues „Gunpowder-Imperium“ 44 , was die mitgebrachte Waffentechnik der Portugiesen bezeichnet. Allerdings „[…] was (it) [C.T.] Nicoto di Conti (1435) [C.T.], a Venetian, who was the first European to encounter Burma. […] In 1498, the Portugeuse Vasco de Gama found a sea route to India, opening wide the path to Asia. Soon the Portugeuse had a colony in India at Goa, which they used as a base for eastern trade. De Gama's countryman Anthony Correa made the first trade agreement in Burma with the viceroy of Martaban in 1519.” 45
Da die Portugiesen auf ihrem Weg durch Asien auf der Suche nach neuen Handelsbeziehungen und Gewürzen auch ihre eigene Mannschaft ins Land brachten, gab es somit auch die erste Mischlingsgesellschaft in Burma, die bis ca. ins 16. Jahrhundert anhielt. Viele Burmesen versprachen sich durch einen portugiesischen Namen mehr Ansehen in der Gesellschaft. Weiterhin war es für die Portugiesen interessant „in southern Burma was a well placed to be Malacca´s northern counterpart, and from a Burma-based fleet, the Portuguese would be able to control all the trade from Bengal to Malaya as well as the inland trade of
37 http://www.guidetothailand.com/thailand-history/burma2.php. (letzter Zugriff: 12.02.2009)
38 Vgl. hierzu: http://www.britannica.com/EBchecked/topic/600714/Toungoo-dynasty. (letzter Zugriff: 12.02.2009)
39 Lieberman, Victor B.: Europeans, Trade, and the Unification of Burma. 1540-1620. London,1980. S. 209.
40 http://www.guidetothailand.com/thailand-history/burma2.php. (letzter Zugriff: 12.02.2009)
41 Vgl.: Lutz, Heinrich; Kohler, Alfred: Reformation und Gegenreformation. München, 2002. S. 60.
42 Ebenda.
43 Vgl.: Klinkmüller, Volker: S. 124.
44 Vgl.: Charney, Michael W.: Southeast Asian Warfare. 1300 - 1900. Leiden, 2004. S. 160ff.
45 http://www.geographia.com/myanmar/. (letzter Zugriff: 12.202.2009)
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B. A. Catharina Trost, 2009, Der lange Weg Burmas bis zur Unabhängigkeit im Jahr 1948 , München, GRIN Verlag GmbH
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