1. Einleitung
Nur ein kleiner Teil der Menschheit kann von sich behaupten die Pole der Erde bereist und erkundet zu haben. Doch für Andere scheint dies trotz dessen kein unbekanntes Gebiet zu sein, denn durch diese Erkundungen konnten Beschreibungen und Bilder auch dem Rest der Welt diese entlegenen Punkte zugänglich machen. Jedoch war unter anderem das Gebiet des Südpols vor circa 150 Jahren gerade erst als letzter Teil der Erde durch Expeditionen erkundschaftet worden. Je nach dem wie weit die vorangegangen Reisen in unbekanntes Gebiet vordringen konnten, musste über das, was noch weiter entfernt lag noch spekuliert werden.
Diese Spekulationen boten gerade Schriftstellern dieser Zeit viel Material für Mutmaßungen und somit für abenteuerliche Geschichten. In dieser zeit nutzte auch Edgar Allan Poe diese ‚Chance’ und schrieb auf Anraten eines Freundes seinen ersten aber auch einzigen Roman mit dem Titel „Die Abenteuer des Arthur Gordon Pym“. 1 Jedoch gab sich Poe nicht völlig seinen Vermutungen hin, denn an verschiedenen Stellen nutzt er nachweisbar wichtige Expeditionsaufzeichnungen seiner Zeit. Die fiktiven Elemente überwiegen aber im Roman und machen ihn an vielen Stellen unglaubwürdig, so zum Beispiel wenn von Menschen die Rede ist, die gänzlich schwarze Haut sowie schwarze Zähne, aber auch große Angst vor allen weißen Dingen haben.
Dieser Kontrast der Farben schwarz und weiß soll in dieser Arbeit im Vordergrund stehen. Zunächst soll jedoch kurz auf die Aspekte der Schifffahrtsmetapher und der fraglichen Authentizität eingegangen werden, die bei diesem Buch angewendet werden kann. Darauf aufbauend werden die einander entgegen gesetzten Farben auf ihre mögliche Symbolik hin untersucht.
1 Frank Zumbach: Edgar Allan Poe, München 1999, S. 80.
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2. Die Schiffsreise als Reise durch den Text
2.1. Die Frage der Authentizität
Die Geschichte über Arthur Gordon Pyms Abenteuer ist von einem Paratext umgeben, das heißt dem Ganzen ist ein Vorwort vorangestellt sowie eine Art Epilog, der keinen Titel trägt angehängt. Dass es sich dabei aber auch um Fiktion handelt, wird deutlich, da zum Beispiel das Vorwort mit dem fiktiven Namen des Protagonisten unterzeichnet ist und somit von ihm geschrieben sein soll.
In diesem Vorwort ist die Rede davon, dass Arthur Gordon Pym es zunächst nicht vorsah, seine Erlebnisse, die auf See stattfanden, niederzuschreiben. Dies wurde ihm aber schon von mehreren Seiten angetragen. Jedoch stand ihm dabei das Hindernis im Weg, dass er während seiner Seereisen keine Aufzeichnungsmöglichkeiten mit sich führte, ob er damit aber auch die Zeit auf der ‚Jane Guy’ meint, wird nicht deutlich. Doch als Pym die Schluchten der Insel festhalten will, heißt es im Text: „Zum Glück hatte ich ein Notizbuch und einen Bleistift bei mir, die ich auch während einer langen Reihe nachheriger Abenteuer stets sorgsam aufbewahrte […].“ 2 Im Vorwort aber spricht er lediglich von Gedächtnisleistungen, die er aufbringen musste, um den ‚Bericht’ schreiben zu können. Da sich hierbei schon die Frage nach der Wahrheit stellt, ist es umso erstaunlicher, dass Pym in den nachfolgenden Zeilen behauptet, sich der Wahrheit verschrieben zu haben.
Letztendlich bringt ihn jedoch ein Mann wieder auf die Idee seine Abenteuer zu verschriftlichen, der als „Mr. Poe“ 3 betitelt wird. Dabei handelt es sich mit Sicherheit um den Autor des eigentlichen Buches selbst, zumal Angaben folgen, die mit dem damaligen leben Edgar Allan Poes größtenteils übereinstimmen. Zu der Zeit der Entstehung des Buches, das heißt circa 1837, wurde er tatsächlich endgültig aus den Diensten des ‚Southern Literary Messenger’ entlassen. Es entspricht ebenfalls der Wahrheit, dass Thomas Wylke White den Messenger gründete, der seinen Sitz unzweifelhaft auch in Richmond hatte. Die Übereinstimmungen passen weiterhin dazu, dass Poe zu dieser zeit nicht mehr unter Mr. White arbeitete, der ihm in den Jahren von 1835 bis 1837 einen Arbeitsplatz bot. Poe wird aber durch sein eigens verschuldetes Handeln gekündigt. 4
Wie bereits erwähnt wurde, begann E.A. Poe auf Anraten eines Freundes mit dem Schreiben seines einzigen Romans und Pym schreibt im Vorwort, dass Poe ihm riet, seine Abenteuer nun doch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Unter Umständen könnte demnach angenommen werden, dass Poe in diesen Zeilen zu seinem eigenen Leben Bezug nimmt.
2 Edgar Allan Poe: Die Abenteuer des Arthur Gordon Pym, Wien 1976, S. 205.
3 Ebd. S. 6.
4 Zumbach: Edgar Allen Poe, München 1999, S. 71ff.
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Diese Vermutung wird dadurch gestützt, dass es durchaus Autoren gibt, die in dem gesamten Buch nahezu eine Autobiographie sehen. 5 Dieser Poe, von dem im Vorwort die Rede ist, hat ihn ebenfalls davon überzeugt, dass durch die Art des Schreibens und demnach gerade durch die phantastischen Elemente im Bericht, eine gewisse Glaubwürdigkeit geschaffen wird. Um Pym davon zu überzeugen, kommt es zu einem Vorschlag Poes, dass er auf der Grundlage der Erzählungen des Abenteurers dessen Erlebnisse niederschreibt und an den ‚Southern Literary Messenger’ schickt. Doch im weiteren Verlauf treten etliche Fragen auf, denn diese ‚Probegeschichten’ werden absichtlich mit Poes Namen abgedruckt. Doch Die Reaktionen von Lesern suggerieren, dass diese dan Abdruck trotz des Namens für glaubwürdig halten. Das würde heißen, dass Poes Name letztendlich immer für Fiktion stehen würde, ansonsten wären nicht derartige Leserbriefe erwähnt. Eine Frage wäre demnach, ob ein anderer Namemöglicherweise der Pyms- das Gegenteil bewirkt hätte, nämlich dass der Bericht von Anfang an als wahr angesehen wird. An dieser Stelle des Vorwortes steht bereits die Frage nach der Authentizität des gesamten Buches. Doch auch im Roman selbst wird dieses Problem immer wieder von Pym angesprochen, so zum Beispiel, wenn er sich um die Glaubhaftigkeit sorgt und zu deren Unterstützung Tatsachenberichte aus Expeditionen dieser Jahre verwendet werden. Dieses Prinzip wird an mehreren Stellen genutzt, doch besonders deutlich tritt es zutage, als Pym von der Entdeckung einer Inselgruppe berichtet und dazu bekannte Schriften als ‚Zeugen’ heranzieht: „Im Jahre1794 fuhr die spanische Korvette „Atrevida“ mit dem Ziel aus, die genaue Lage der Inseln zu erkunden, und in einer Denkschrift der Könglichen Hydrographischen Gesellschaft zu Madrid vom Jahre 1809 heißt es […]“ 6 . Jedoch meldeten sich Leser auf den Fiktionsanspruch Poes mit dem Einwand, dass dies mit Sicherheit eine wahre Begebenheit sein muss und erst diese Tatsache bewog Pym letztendlich dazu, seine Geschichte niederzuschreiben. Das heißt, lediglich ein paar Zuschriften konnten ihn davon überzeugen, dass die Leserschaft seinen Bericht als einen wahren liest. Die vermeintliche Authentizität, mit der im Text immer wieder gespielt wird, beruhigt ihn. Doch im Roman selbst kommt er immer wieder auf dieses Thema zurück, so finden sich zum Beispiel etliche Entschuldigungen, wenn es um die Richtigkeit von tagebucheinträgen geht. 7 Das Vorwort schließt damit ab, dass Pym mitteilt, dass ein Teil des Buches von Poe selbst geschrieben wurde und dass dieser Unterschied aufgrund unterschiedlicher Stile merklich festzustellen sei. Es wird demnach nicht nur die Frage nach der Glaubwürdigkeit und Echtheit aufgeworfen, sondern auch um die Autorschaft.
5 Zumbach: Edgar Allan Poe, München 1999, S. 81.
6 Poe: Die Abenteuer des Arthur Gordon Pym, Wien 1976, S. 153.
7 Vgl Edgar Allan Poe: Die Abenteuer des Arthur Gordon Pym, Wien 1976, S. 219.
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Arbeit zitieren:
Anne Gißke, 2009, Zur metatextuellen Schiffsreise und dem Verhältnis der Farben Schwarz und Weiß in Edgar Allan Poes "Die Abenteuer des Arthur Gordon Pym", München, GRIN Verlag GmbH
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