Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Laienlinguistik und Sprachpurismus 3
2.1 Laienlinguistik 4
2.2 Sprachpurismus. 7
3 Der metalinguistische Diskurs zum Thema Norm 11
3.1 Beispiel: Das Wort E-Mail. 11
4 Fazit 15
5 Bibliographie. 16
5.1 Sekundärliteratur. 16
5.2 Elektronische Quellen 17
2
Aujourd’hui, une valorisation du discours normatif - surtout s’il s’agit de celui des non-spécialistes - ne peut se faire sans prendre en compte les nouveaux médias qui sont en train de bouleverser nos habitudes de communication. […] En fait, il ne faut être ni linguiste ni Académicien pour juger sur le bon usage et les normes. Il suffit de se brancher sur Internet. 1
1 Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit behandelt das Thema der Norm in Bezug auf die in Frankreich geführten laienlinguistischen und puristischen Diskurse. Auf der einen Seite gehen die Académie française als die Normierungsinstanz schlechthin und sprachpflegerische Werke wie der „bon usage“ dem puristischen Diskurs unterstützend zur Hand. Auf der anderen Seite protegieren Internetforen zur französischen Sprache oder Linguisten, die für Laien publizieren, den laienlinguistischen Diskurs. All diese Diskurse werden inzwischen verstärkt über das Internet ausgetragen und so findet sich auch der Normdiskurs im Internet wieder, der in der heutigen Zeit die neuen, computer- und internettechnischen Termini aufgreift. Aus diesem Grund beleuchtet die vorliegende Hausarbeit nicht nur die Genese und Erscheinungsformen des puristischen und laienlinguistischen Diskurses in Frankreich, die oftmals auch präskriptive Intentionen wie der Normdiskurs zum Ziel haben. Auch sollen die diversen Normvorstellungen hinsichtlich des aus dem Angloamerikanischen entlehnten Wortes E-Mail Raum finden, welches als Beispielterminus für die neuen Medien gelten kann. Anhand des Wortes E-Mail werden die normativen Aussagen aus dem Werk „Le bon usage“, der Académie française sowie aus Forenbeiträgen und einem laienlinguistischen Fernsehbeitrag in Zusammenhang gebracht.
2 Laienlinguistik und Sprachpurismus
Im folgenden Kapitel sollen die Begriffe „Laienlinguistik“ und „Sprachpurismus“ erläutert werden. Es ist wichtig, die Begriffe voneinander abzugrenzen, da ein Laienlinguist theoretisch auch ein Purist und umgekehrt sein kann, auch wenn sie gegenüber der französischen Sprache verschiedene Haltungen einnehmen. Der Laienlinguist beschäftigt sich mit seiner Mutterprache, weil er seine Sprache schätzt. Der Purist hingegen hat eine fundamentalistischere Einstellung zum Französischen. Er strebt nach Reinigung und Klarheit der Sprache, während der Laienlinguist sich zwar auch mit der Normierung, aber vor allem mit alltäglichen Sprachproblemen und ihrer Lösung befasst.
1 Osthus 2008, Kapitel 1, Absatz 3.
3
2.1 Laienlinguistik
Gerd Antos war derjenige, der den Tätigkeiten von größtenteils nicht-akademischen Sprachliebhabern, die sich mit profanen Problemen einer Sprache beschäftigen, einen Terminus zuwies. Im Jahre 1996 kreierte der Sprachwissenschaftler in seiner Schrift „Laien-Linguistik. Studien zu Sprach- und Kommunikationsproblemen im Alltag“ den Begriff der Laienlinguistik, der laut Dietmar Osthus mit linguistique des profanes, linguistique populaire oder laut Marie-Anne Paveau und Laurence Rosier mit linguistique d’amateur ins Französisch übersetzt werden kann.
Zunächst soll nun geklärt werden, auf welcher Basis eine Laienlinguistik entstehen konnte. Antos konstatiert, dass die heutige Linguistik eine Wissenschaft ohne „Verbraucher“ sei. Sie genießt keine Publizität, bietet wenige Berufsfelder und ist in der Öffentlichkeit nicht fixiert 2 . Der akademischen Linguistik fehlen die potentiellen Konsumenten, die indes in einer Gesellschaft existieren in der vorausgesetzt wird, dass sich jeder Einzelne den oralen und schriftlichen Kommunikationssituationen anpassen kann. Dies geschieht beispielsweise indem er ein situationsgerechtes Sprachregister wählt oder eine erfolgreiche Bewerbung schreibt. Dementsprechend „versteht sich die Laien-Linguistik als ein Kompendium von adressatengerechten Hilfestellungen für das sprachliche Handeln von Muttersprachlern“ 3 . Wir können also davon ausgehen, dass es ein großes gesellschaftliches Bedürfnis danach gibt, Wissen darüber zu erlangen, wie Sprache und Kommunikation fehlerfrei gelingen 4 . Die Laienlinguistik antwortet auf dieses Bedürfnis in Form von unzähligen Textsorten zum korrekten mündlichen und schriftlichen Sprachgebrauch. Hier wären beispielsweise Ratgeber zu Vorstellungsgesprächen, Referaten, Diskussionen, Korrespondenzhilfen, Rechtschreibung oder Schreibanleitungen für Zeitungsjournalisten zu nennen 5 . In Frankreich hat sich Ende des 18. Jahrhunderts sogar ein journalistisches Format in der schriftlichen Presse etabliert, das die Leser in Fragen zur Sprache berät und simultan auch noch unterhält: die chronique de langage. Obwohl die Sprachchroniken eher in den Bereich des in Frankreich herrschenden puristischen Diskurses einzuordnen sind, „stellen die Chroniken einen Reflex der kommunikativen Probleme des linguistischen nicht geschulten Laienpublikums dar“ 6 . Auch in anderen europäischen Ländern gab und gibt es laienlinguistische Auseinandersetzungen mit der Muttersprache. Christine Bierbach berichtet in ihrem Beitrag zum deutschen
2 Vgl. Antos 1996, S. 12.
3 Ebenda S. 13.
4 Vgl. ebenda S. 14.
5 Vgl. ebenda S. 14.
6 Osthus 2005, S. 1541.
4
Romanistentag 1985 über eine unterhaltsame Form von „Laien-Sprachtheorien“, die (nicht nur) in Italien im 16. und frühen 17. Jahrhundert ihren Ausdruck im Madrigal fand: [Die Lieder] haben gemeinsam, daß in ihnen Dialekte, Fremdsprachen und “abweichende“ Sprechweisen persifliert werden, und daß diese Persiflagen, über den konkreten Liedinhalt hinaus, den eigentlichen “Textsinn“ darstellen. […] Im Gegensatz zur “hohen“ Madrigalliteratur auf anspruchsvolle poetische Texte […] können sie dem “populären“ Bereich zugerechnet werden[…]; 7
Ziel dieser Lieder war es, möglichst realistische menschliche Sprachweisen auszudrücken und „nicht-standardgemäßes“ Sprechen nachzuahmen 8 . Man kann annehmen, dass das Laienpublikum über Normbewusstsein und gute Sprachkenntnisse verfügte, denn sonst hätten sie die Ironie und die Sprachabweichungen, die der Madrigalschreiber den Lieder zugrunde legte, nicht erkannt und sich nicht amüsiert 9 .
Die bei Bierbach gestellte Frage nach dem Laienpublikum leitet über zu der Frage, wer ein Laienlinguist ist und wer laienlinguistische Texte konsumiert. Antos definiert: „Laien-Linguistik“ ist eine an die breite Öffentlichkeit gerichtete praxisorientierte Sprach- und Kommunikationslehre zur Lösung muttersprachlicher Probleme. Sie ist eine für und bisweilen auch von (gebildeten) Laien betriebene handlungsorientierte Thematisierung des Gebrauchs von Sprache in Kommunikation in Form von bestimmen Publikationen und Lehrangeboten […]. 10
Im Seminar „Laienlinguistik und Historiographie der französischen Sprachwissenschaft“ an der Universität Paderborn wurde anhand von Beispielen deutlich, dass in Frankreich durchaus auch professionelle Sprachwissenschaftler sowie Sprachexperten für Laien publizieren. So kann der Linguist Alain Rey genannt werden, der regelmäßig Sprachchroniken über die Rundfunkanstalt France Inter gesendet hat 11 . Erik Orsenna ist Mitglied der Académie française; er schreibt Romane zu grammatikalischen Phänomenen, wie beispielsweise „La révolte des accents“ 12 . Der Professor für Sprachwissenschaft, Bernard Cerquiglini, kann schlussendlich als Beispiel für die audiovisuelle Lancierung von Laienlinguistik genannt werden. In kurzen Beiträgen erklärt er dem Fernsehpublikum Kuriositäten der französischen Sprache. Die Folgen können überdies jederzeit auf der Internetseite des TV-Senders TV5 Monde abgerufen werden 13 .
Wo die wissenschaftliche Linguistik heute nicht mehr normativ, sondern deskriptiv arbeitet, kann die Laienlinguistik hingegen in einigen Fällen als präskriptive Linguistik betrachtet werden 14 . Aufgrund des deskriptiven Vorgehens werden und wurden alltägliche Probleme im Sprachgebrauch von der Linguistik ausgeklammert. Diese Angebotslücke wurde von der
7 Bierbach 1987. S. 67f.
8 Vgl. ebenda S. 68.
9 Vgl. ebenda S. 81.
10 Antos 1996, S. 13.
11 Vgl. Osthus 2005, S. 1541f.
12 Siehe http://www.erik-orsenna.com/erik_orsenna_livres.php
13 Siehe http://www.tv5.org/TV5Site/lf/merci_professeur.php
14 Vgl. Antos 1996, S. 19.
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Arbeit zitieren:
Elena Fingerhut, 2009, Laienlinguistik und Sprachpurismus: Der metalinguistische Diskurs zum Thema Norm, München, GRIN Verlag GmbH
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