Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
I. Die Kontingenz. Bedeutung und Ursprung 6
„Denn Gott macht die Welt und denkt dabei, es könnte ebenso gut anders sein“ 6
II. Gesellschaftliche Vorgaben der Kontingenzreduzierung 8
„Wen man tun ließe, was er wolle, der könnte sich bald vor Verwirrung
den Kopf einrennen“ 8
III. Der Mann ohne Eigenschaften: Ulrich als Möglichkeitsmensch 10
„Und ihm ahnte doch, daß man es aus dem ganzen Wesen heraus tun oder lassen könnte“ 10
IV. Die kontingenten Methoden der Wahrheitskonstitution 16
„Es würde mir wohl nichts übrig bleiben, als die Wirklichkeit abzuschaffen “ 16
Exkurs. Die kontingente Ordnungsstruktur im Staat Kakanien 22
„Und darin war Kakanien, ohne daß die Welt es schon wusste,
der fortgeschrittenste Staat“ 22
V. Auf der totgeborenen Parallelaktion begegnet der Wirklichkeitssinn dem
M öglichkeitssinn: Paul Arnheim lernt von Ulrich 25
„Dieser Mann besaß noch unverbrauchte Seele “ 25
Res ümee 31
Quellenverzeichnis 34
2
Einleitung
Die Bezeichnung ‚Mann ohne Eigenschaften’ macht zunächst stutzig und führt zu dem Einwand, dass eine Eigenschaftslosigkeit, im wahrsten Sinne, gar nicht vorstellbar sei. Der Vernunft nach besitze jeder Mensch notwendigerweise Eigenschaften, seien sie charakterlicher, optischer, redestilistischer oder sonstiger Natur; selbst die erklärte Bemühung, eigenschaftslos zu sein, wäre eine benennbare Ambition und somit Eigenschaft. Dieser Einwand erscheint berechtigt, erfasst man den Begriff der ‚Eigenschaft’ in seiner alltagssprachlichen Bedeutung.
In Musils Roman indes wird er in andersartiger Weise verwendet und „kommt in vielem dem nahe, was in den modernen Sozialwissenschaften ‚Rolle’ genannt wird.“ 1 Der Hauptprotagonist Ulrich sträubt sich vor jeglichen gesellschaftlichen Fixierungen, die nach seinem Empfinden einem sozialen Gefüge angehören, das eines hinlänglichen Grundes entbehrt. Alles, was sei - so seine allzeit proklamierte Auffassung -, könne ebenso gut anders sein. Diese Ansicht resultiert aus einer Denkweise, die im Roman als „Möglichkeitssinn“ vorgestellt wird, und hinter der sich im Prinzip der moderne Begriff der ‚Kontingenz’ verbirgt.
Die Kontingenz umfasst den Bereich zwischen Möglichkeit und Notwendigkeit, jenes Gebiet, das den Gestaltungsrahmen des Menschen formt und somit seinen direkten Einflussbereich umgrenzt. Dieser Raum ist Ulrichs Lebenswelt, da für ihn die durch die Gesellschaft etablierte Wirklichkeit keinen höheren Stellenwert besitzt als all die alternativ möglichen Wirklichkeiten, die an ihre Stelle treten könnten.
„Das Programm der Eigenschaftslosigkeit ist daher Ausdruck einer Verweigerung; es verstößt gegen die normativen Rollenerwartungen der Allgemeinheit. Aber es verstößt gegen sie […] in einer Weise, welche die Gesellschaft nicht anders als krankhaft stigmatisieren kann.“ 2 Ulrich ist Möglichkeitsmensch in einer von Wirklichkeitsmenschen dominierten Gesellschaft und somit Außenseiter.
Dass Ulrich mit seinem Möglichkeitsempfinden allein dasteht, liegt im Doppelgesicht der Kontingenz begründet, die zwar eine beträchtliche Gestaltungsfreiheit anheim stellt, aber zugleich eine erdrückende Entscheidungslast mit sich bringt. In der Folge ist der Mensch für gewöhnlich bestrebt, seine persönliche Kontingenz zu reduzieren und findet hierzu Gelegenheit, indem er sich in die vorgefertigten Rollen der Gesellschaft fügt. Dass mit diesem
1 Martin Menges: „Abstrakte Welt und Eigenschaftslosigkeit“, Verlag Peter Lang, Frankfurt a.M., Bern, 1982,
23
2 ebd., 23
3
Vorgang eine erhebliche Bevormundung einhergeht, wird gemeinhin ignoriert oder gar nicht bemerkt. Ulrich hingegen erkennt diesen Missstand und verzichtet daher so weit auf eine soziale Integration wie es sein Möglichkeitsspielraum zulässt. Auf diese Weise wird er zum Verfechter der Selbstbestimmung und bewahrt seine wahre Veranlagung und ursprüngliche Seele vor gesellschaftlichen Deformierungen.
Der erste Abschnitt dieser Arbeit wird sich zum näheren Verständnis des Kontingenzgedankens seiner philosophiegeschichtlichen Entstehung annehmen und seine Bedeutungsentwicklung von der Antike bis zur Moderne nachzeichnen. Sodann folgt eine Darstellung des bereits erwähnten Zwiespalts der Kontingenz von Entscheidungsfreiraum und Entscheidungsqual, den zu bewältigen die Menschheit seit jeher bemüht war und bis heute ist. Entsprechende Methoden zur Kontingenzverminderung sollen in diesem Zusammenhang angeführt und erläutert werden.
Nach diesen ‚vorbereitenden’ Kapiteln zur Kontingenz wird das Dargelegte auf den Roman übertragen und eine ausführliche Untersuchung des dort beschriebenen Möglichkeitssinns vorgenommen. Hierbei sollen Ulrichs Vorbehalte gegen gesellschaftliche Sozialisationen anhand einschlägiger Textauszüge herausgearbeitet und erklärt werden. Der anschließende Abschnitt wird sich mit den unterschiedlichen Systemen der Wirklichkeitserfassung auseinandersetzen und im Zuge dessen die wichtige Einsicht herausstellen, dass es nicht nur die eine ‚Wahrheit’ gibt, sondern zahlreiche, unvereinbare Wahrheiten vorhanden sind, die von verschiedenen Interessenkreisen je nach Zweckdienlichkeit und Gebrauch künstlich konstruiert werden. Die Methoden der Wirklichkeitserfassung werden sich vor dem Hintergrund des bis dahin Erarbeiteten als kontingent und somit willkürlich erweisen. Auf diesem Wege wird die Ursachenforschung für Ulrichs Abneigung gegen Gesellschaftsvorgaben ihren Abschluss finden. In einem darauf folgenden Exkurs wird das Problem der kontingenten Wirklichkeitsetablierung am Beispiel der Ordnungsstruktur des Staates Kakanien ergänzend illustriert.
Zum Abschluss der Arbeit soll der Blick auf die Parallelaktion gerichtet und nachgewiesen werden, dass ihr Scheitern aufgrund der Kontingenzproblematik von vornherein feststand. Zugleich wird auf den Kontrast zwischen dem Möglichkeitsmenschen Ulrich und dem Wirklichkeitsmenschen Paul Arnheim eingegangen und gezeigt werden, dass Ulrichs Kontingenzbewusstsein ihn gegenüber dem wirklichkeitsfixierten Arnheim in die überlegene Position hebt.
4
Zuletzt folgt das Resümee, in welchem die Ergebnisse in gebündelter Form zusammengetragen werden, um auf ihrer Grundlage die Skepsis als unerlässliche Grundhaltung gegenüber jeglichen staatlich und gesellschaftlich konstruierten Ordnungsformen darzulegen. In diesem Zusammenhang wird sich Ulrich aufgrund seines ausgeprägten Möglichkeitssinns als Vorbildfigur für den auf Kritik und Vernunft beruhenden Widerstand erweisen. Schließen wird das Resümee mit einem Anreiz auf weiterführende Forschungsansätze bezüglich der Musilschen Auffassung vom Utopiebegriff im Kontext des Kontingenzproblems.
5
I. Die Kontingenz. Bedeutung und Ursprung
„Denn Gott macht die Welt und denkt dabei, es könnte ebenso gut anders sein“
Das Bewusstsein der Kontingenz besteht seit der Antike, als Aristoteles im Rahmen seiner praktischen Philosophie den Handlungsspielraum des Menschen umriss. Seinen Entscheidungsbereich bilde das, was in seiner Macht stehe. Denn
„über das Ewige stellt niemand Überlegungen an, z.B. über die Welt
oder die Inkommensurabilität der Diagonale und der Seite. Auch nicht über das, was im Bereich des Möglichen liegt, aber immer in derselben Weise vor sich geht, sei es aus Notwendigkeit, sei es von Natur oder wegen einer anderen Ursache, wie die Sonnenwenden und Sonnenaufgänge. Ebensowenig über das, was bald so eintrifft, bald anders, wie Dürre und Regen, und das Zufällige, wie das Auffinden eines Schatzes. […] Handlungen, die bei uns stehen, die überlegen wir, und die sind auch allein noch übrig.“ 3
Folglich kann der Mensch nach aristotelischer Auffassung nur in Angelegenheiten entscheiden, die in seinem unmittelbaren Einflussbereich liegen. Hier bietet sich ihm die Möglichkeit des so-oder-anders, die er gedanklich abzuwägen hat. Was darüber hinausgeht, liegt in der Sphäre des Notwendigen, d.h. Unabwendbaren, und ist somit für menschliche Entscheidungsfragen irrelevant.
Wenn auch das aristotelische Kontingenzverständnis bis heute weitgehend tradiert wird, fällt doch bei der Sichtung einschlägiger Forschungsliteratur auf, dass der nunmehr über zwei Jahrtausende alte Gedanke nicht mehr ganz einheitlich vorliegt. Die Vorstellung des Aristoteles, der gemäß nur solche Sachverhalte als kontingent anzusehen sind, die den Gestaltungsrahmen des Menschen berühren, tritt zuweilen die Ansicht entgegen, dass auch (oder insbesondere) Zufälle dem Bereich der Kontingenz angehören. So meint etwa Michael Makropoulos: „Weder notwendig noch unmöglich ist schließlich sowohl das Verfügbare und Manipulierbare als auch das Unverfügbare und schlechterdings Zufällige.“ 4
Ähnlich äußert sich Reinhold Esterbauer:
3 Aristoteles: „Nikomachische Ethik“, Hamburg 1985, III. 5, zitiert nach: Michael Makropoulos: „Kontingenz -
Technisierung - ‚Möglichkeitssinn’“, in: Feger/ Pott/ Wolf: „Terror und Erlösung“, München 2009, 4f.
4 ebd., 3
6
„Für das Vorhaben, Kontingenz als Phänomen inhaltlich zu bestimmen zu versuchen, erscheint es mir sinnvoll, nicht von den heute üblichen Verwendungsweisen des Begriffs ‚kontingent’ auszugehen, weil diese modallogischen Charakter haben und das Phänomen Kontingenz, wie ich es untersuchen möchte, nicht in den Blick bekommen. Deshalb möchte ich den deutschen Begriff ‚Zufall’ als Ausgangspunkt nehmen und ihn […] mit ‚Kontingenz’ synonym verwenden.“ 5
Nach diesem Verständnis gäbe es zwei Formen der Kontingenz: neben der auch von Aristoteles erkannten zeitlich vorwärts gerichteten Kontingenz, welche die bewussten Entscheidungen betrifft, auch eine zeitlich zurück gerichtete Kontingenz des Zufalls, die erst rückblickend nach ihrem Eintreten als solche zu erkennen wäre. Für die Untersuchungen dieser Arbeit ist aber allein das modallogische Verständnis vom Kontingenzbegriff relevant, da dieser ideentheoretisch gleichzusetzen ist mit Musils bzw. Ulrichs Vorstellung vom „Möglichkeitssinn“.
Zur Darstellung der logischen Kontingenzkonzeption sei auf den deutschen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) verwiesen, dessen diesbezügliche Ergebnisse nachfolgend in abgekürzter Form dargestellt sein sollen.
„Das einzige Prinzip, welches nach Leibniz für alle möglichen Welten
und damit für das Reich der notwendigen und ewigen Wahrheiten gilt, ist das Prinzip des Widerspruchs. […] Für die rein logische Unterscheidung von notwendigen und kontingenten Wahrheiten, resp. von Propositionen, welche diese ausdrücken, ist der Begriff des ‚Widerspruchs’ von entscheidender Bedeutung. Die Möglichkeit, resp. Unmöglichkeit von Aussagen wird direkt durch das Kriterium der Widerspruchsfreiheit bestimmt.“ 6
Beruhend auf diesem Prinzip des Widerspruchs formuliert Leibniz eine Reihe von nummerierten Sätzen, aus deren Konsequenz er eine Definition der Kontingenz ableitet.
„[36] Eine Aussage ist dann unmöglich, wenn sie einen Widerspruch enthält. […] [37] Sie ist möglich, wenn sie nicht unmöglich ist. […] [38] Notwendig ist eine Aussage, wenn deren Gegenteil unmöglich ist. […] Damit ergibt sich aus [36] und [38]: [39] Eine Aussage ist notwendig, wenn deren Gegenteil einen Widerspruch enthält.
5 Reinhold Esterbauer: „Kontingenz und Religion. Eine Phänomenologie des Zufalls und des Glücks“, Verband
der wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs (VWGÖ), Wien 1989, 60
6 Josef Estermann: „Individualität und Kontingenz“, Verlag Peter Lang AG, Bern 1990, 203 (Hervorhebung im
Original). Fortan zitiert als „Estermann“.
7
[…] [40] Eine Aussage ist kontingent, wenn sie nicht notwendig ist. […] Und dies heißt nach [39] und [37]: [41] Eine Aussage ist kontingent, wenn deren Gegenteil keinen Widerspruch enthält, also möglich ist.“ 7
Hieraus folgert Leibniz letztlich: „[42] Eine Aussage ist kontingent, wenn sie in (resp. von) mindestens einer möglichen Welt, nicht aber in (von) allen möglichen Welten wahr ist.“ 8 Auf eine einfache Formel gebracht, bezeichnet Kontingenz demnach im logischphilosophischen Sinne Leibniz, der sich mit der aristotelischen Auffassung im Grundlegenden deckt, einen Sachverhalt, der nicht notwendig, aber auch nicht unmöglich ist. Aus diesem Gedanken ergibt sich die Problematik der Entscheidung, deren Furcht die Menschen - wenn auch nicht so klar reflektiert, sondern gemeinhin unbewusst - seit jeher und bis heute in sich tragen.
II. Gesellschaftliche Vorgaben der Kontingenzreduzierung
„Wen man tun ließe, was er wolle, der könnte sich bald vor Verwirrung den Kopf einrennen“
Die Gewissheit, dass etwas Bestehendes ebenso gut anders möglich wäre, oder dass eine für die Zukunft gefasste Absicht ohne weiteres gegen eine andere ausgetauscht und an ihrer Statt verwirklicht werden könnte, bringt den Menschen in eine Konfliktsituation, welche die Redewendung ‚Die Qual der Wahl’ banal, aber treffend auf den Punkt bringt. Zwar verlangt es dem Menschen zeitlebens nach Selbstbestimmung und Autonomie, doch bedeutet ein großer Möglichkeitsraum zugleich eine große Belastung, sodass sich in Wahrheit doch jeder nach einem festen Platz und einer verankerten Ordnung sehnt, die seinen potenziellen Handlungsraum einschränkt und ihm die Last der Entscheidung von den Schultern nimmt. Man stelle sich einen Menschen vor, der als Jugendlicher zu lebenslanger Haft ins Gefängnis gesperrt wird und seither in eine vorgefertigte Ordnungsstruktur eingefügt ist, die seine Tagesabläufe organisiert und ihm sämtliche Entscheidungen abnimmt. Wird dieser Mensch endlich als alter Mann entlassen, so begegnet er einer Welt der, für seine Wahrnehmung, schier unbeschränkten Möglichkeiten, ganz ohne die gewohnte Strukturierung. Einer solchen
7 Estermann, 203f. (Hervorhebungen im Original)
8 ebd., 205 (Hervorhebung im Original)
8
Freiheitlichkeit derart ausgeliefert, weiß er sich vor Entscheidungsqualen bald nicht mehr zu helfen und verliert am Ende jede Orientierung und jeden Halt.
Dies ist die Schattenseite der Kontingenz, die immer schon - ob bewusst oder unbewusstvom Menschen empfunden und gefürchtet wurde und die man seit jeher durch verschiedene Methoden zu bewältigen suchte. Als Paradigma einer Kontingenzreduzierung ist die Religion anzusehen, deren Zweck vornehmlich darin besteht, Lebens- und Verhaltensmuster vorzugeben, nach denen der Mensch sich zu richten verpflichtet, um dem Wahnsinn eines grenzenlosen Entscheidungszwangs zu entgehen.
„Die allgemeine gesellschaftliche Grundform der Religion ist ursprünglich nichts anderes als das Sinngefüge der Gesellschaftsordnung […].“ 9
Darüber hinaus existieren zahlreiche andere Kontingenzbewältigungsmittel, die das menschliche Leben beherrschen. Auch die von Generation zu Generation überlieferte Tradition gibt Anleitungen zu Gebräuchen und Lebensweisen an die Hand, sodass ein Mensch sich nicht stets von neuem fragen muss, wie er sein Dasein zu gestalten habe. Zudem vermindert der Einzelne seine tägliche Entscheidungslast durch gewohnheitsbedingte Abläufe, die er ganz automatisiert durchlebt, ohne ihnen noch mentale Aufmerksamkeit zu widmen. Niemand verwendet jeden Morgen nach dem Aufwachen erneut eine ausgiebige Nachdenklichkeit auf die Entscheidungen, mit welchem Bein er aus dem Bett steigen, ob er die Zahnbürste im oder gegen den Uhrzeigersinn kreisen lassen oder welches Getränk er zum Frühstück zu sich nehmen solle.
Strategien zur Kontingenzbewältigung prägen aber nicht nur individuelle Existenzen, sondern bilden auch die Grundmanifeste einer jeden Gesellschaftsordnung. Ein Mensch, der in eine zufällig ausgestaltete Welt hineingeboren wird, steht irgendwann vor der Frage, was einmal aus ihm werden solle, womit er meint, welche Sinnhaftigkeit er seinem Leben zu verleihen gedenke. Prinzipiell ließen sich unendlich viele Möglichkeiten anführen, eine Lebenszeit zuzubringen, woraus aber eine unerträgliche Entscheidungsqual hervorginge. Um diese Kontingenz zu beschränken, schlüpft der Mensch in eines der vorgefertigten Rollenmuster, aus denen eine Gesellschaft sich zusammensetzt. Berufliche Beispiele solcher Muster sind etwa ‚Arzt’, ‚Mathematiker’, ‚Bäcker’, ‚Postbote’, ‚Politiker’, ‚Verkäufer’, ‚Ingenieur’ usw. Befindet sich ein Mensch in einer solch konstruierten Rolle, sind ihm feste Vor- und Aufgaben anheim gestellt, welche die Kontingenz seiner Lebensgestaltung auf ein erträgliches Maß vermindert. So erweist sich gerade die Einschränkung der persönlichen Freiheit paradoxerweise als Voraussetzung der menschlichen Lebensentfaltung.
9 Thomas Luckmann: „Das Problem der Religion in der modernen Gesellschaft“, Freiburg/ Breisgrau 1963, 36.
Zitiert nach: Esterbauer, 53 (Quelle: s. Anm. 5)
9
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Simon Geraedts, 2009, Zwischen Möglichkeit und Notwendigkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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