Inhaltsverzeichnis:
Einleitung 2
Rechtliche Verankerungen des Multikulturalismus 3
Bilingualismus und Sprachpolitik in der Erziehung 7
Diversity Konzeptionen im kanadischen Bildungswesens 10
Zusammenfassung 14
Literatur 16
1
Einleitung
Kanada ist ein klassisches Einwanderungsland, mit einer langen Einwanderungsgeschichte und damit einer langen multiethnischen Tradition sowie einem Selbstverständnis als inklusive Staatsnation und strukturell vergleichsweise gut platzierten Minderheiten 1 . Trotz der historischen Entwicklungen, in denen Kanada als die jüngste unabhängige Nation auf dem Nordamerikanischen Kontinent hervorging, stellen Multikulturalismus und Integration von Minderheiten seit Jahrzehnten besonders für dieses Einwanderungsland ein zu bewältigendes Problem aber auch eine Chance dar. Aufgrund dessen wurden in der Vergangenheit die verschiedensten politischen Maßnahmen ergriffen um die verschiedenen Spannungen innerhalb der Gesellschaft zu regulieren beziehungsweise zu lösen. Ein wichtiges Mittel zur Integration von Einwanderern bildet dabei das Bildungswesen, wobei darauf wertgelegt wird das sich jede Ethnie und Minderheit beispielsweise sprachliche und kulturelle Eigenheiten bewahren kann und damit Diversität stärker gefördert wird, als in den anderen klassischen Einwanderungsländern.
Im Folgenden werde ich insbesondere auf einige der wichtigsten rechtlichen Verankerungen des Multikulturalismus sowie auf den Bilingualismus in der Sprachpolitik und der Erziehung eingehen, und abschließend einige Diversity Konzeptionen im kanadischen Bildungswesen kurz umreißen.
1 S. Geißler, Rainer: Multikulturalismus in Kanada - Modell für Deutschland?, 2003, S. 24
2
Rechtliche Verankerungen des Multikulturalismus
Im Folgenden soll auf einige der wichtigsten rechtlichen Verankerungen des Multikulturalismus in Kanada eingegangen werden, wobei dies nur Überblicksartig und keinesfalls erschöpfend geschieht, da eine vollständige Auflistung sämtlicher Artikel und Paragraphen des Öffentlichen- und des Privatrechts den Rahmen der Arbeit sprengen würde.
Die kanadische Politik des Multikulturalismus in ihrer Ausprägung als Sozial- und Kulturpolitik stellt eine Form staatlich gesteuert- und geförderter Ethnizität dar. Dabei wird dem Bildungswesen, obwohl es regionalisiert ist, eine bedeutende Rolle zugeschrieben. Die Provinz Ontario, mit der am stärksten diversifizierten Bevölkerung, übernahm dabei eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung multikultureller und antirassistischer Programme, denn sie hat bereits 1944 den Racial Discrimination Act, eine Antidiskriminierungsgesetzgebung etabliert 2 . Insgesamt stellt die Immigration historisch bedingt ein wesentliches Kennzeichen des kanadischen Gemeinwesens dar, denn durch die seit 1900, bedingt auch durch die Industrialisierung, ansteigende Immigration sah sich die kanadische Regierung dazu gezwungen 1978 den Immigration Act zu beschließen um damit jährlich Einwanderungsquoten, nach einer Kombination aus demographischen, ökonomischen und politischen Kriterien festlegen zu können. “Während die Quotierung zunächst als Mittel zur künstlichen Verringerung der Einwanderung gedacht war, wurde sie ab Mitte der 80er Jahre eingesetzt, um die stark gesunkenen Immigrantenzahlen angesichts einer negativen Geburtenrate wieder anzuheben. Die neue Gesetzgebung scheint unter dem Stich-wort qaulification recognition in erster Linie auf die verstärkte Zuwanderung von gut ausgebildeten Personen zu setzen, die leichter in den kanadischen Arbeitsmarkt zu integrieren wären 3 .“ Am 17. April 1982 trat das gemeinsam von Kanada und
2 S. Hormel, Ulrike/Scherr, Albert: Bildung für die Einwanderungsgesellschaft: Perspektiven der Auseinandersetzung mit struktureller, institutioneller und interaktioneller Diskriminierung, 2004, S. 85
3 S. Rausch, Ulrike: Multikulturalismus in Kanada: Immigration als Herausforderung an den modernen Staat in: Behr, Hartmut/ Siegmar Schmidt (Hrsg.): Multikulturelle Demokratien im Vergleich, Westdeutscher Verlag, Wiesbaden, 2001, S. 178 f.
3
Großbritannien verabschiedete Verfassungsgesetz Constitution Act in Kraft und bildet mit der Charter of Rights and Freedoms einen ausführlichen Grundrechtekatalog. Mit dem Constitution Act verzichtete das britische Parlament auf sein Recht, für Kanada Gesetze zu erlassen, womit Kanada vollständig unabhängig wurde. Diese Verfassung machte auch den Multikulturalismus in Artikel 27 zum Staatsprinzip und sollte die Aufnahme der in jüngerer Zeit eingewanderten MigrantInnen erleichtern. Des Weiteren fanden Regelungen zu Gebrauch der beiden offiziellen Sprachen Eingang in die Charter 4 . Die „stille Revolution“ in Quebec, das Aufkommen von separatistischen Bewegungen von Frankokanadiern und einzelne terroristische Anschläge in den Jahren 1963 bis 1970 haben bereits die kanadische Regierung Anfang der 1970er Jahre zum handeln veranlasst. Auf Seite der an Vielfalt und Zahl zunehmenden anderen ethnischen Gruppen wuchs die Forderung nach staatlicher Unterstützung und Annerkennung, was eine direkte Folge des Official Languages Act 1969 zum Schutz und zur Gleichberechtigung der französischen Sprache war 5 . Bereits in der Einleitung zum 1971 erlassenen Multikulturalismus-Gesetz wird angeführt, dass „die Regierung Kanadas die Verschiedenheit der Kanadier bezüglich ihrer Hautfarbe, ihrer nationalen oder ethnischen Herkunft sowie Religion als wesentliches Merkmal der kanadischen Gesellschaft anerkennt. Die Regierung bekennt sich zu einer Politik des Multikulturalismus, die dazu bestimmt ist, das multikulturelle Erbe Kanadas zu bewahren und zu fördern. Gleichzeitig steht sie dafür ein, dass die Gleichwertigkeit aller Kanadier in wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Leben unabdingbar ist und erlangt werden muss 6 .“ Hier ist anzumerken das allerdings die kanadische Verfassung, deren Verabschiedung einen Wendepunkt im Nationalitätsverständnis Kanadas darstellt, bis heute nicht von Quebec unterzeichnet worden ist, da die Provinz in nicht genügendem Umfang den Schutz ihrer Einzigartigkeit innerhalb des kanadischen Gemeinwesens garantiert beziehungsweise gefördert
4 S. Haselbach, Dieter: Multiculturalism in a World of Leaking Boundaries, 1998, S. 35
5 S. Rausch, Ulrike: Multikulturalismus in Kanada: Immigration als Herausforderung an den modernen Staat in: Behr, Hartmut/ Siegmar Schmidt (Hrsg.): Multikulturelle Demokratien im Vergleich, Westdeutscher Verlag, Wiesbaden, 2001, S. 186
6 S. Steiner-Khamsi, Gita: Multikulturelle Bildungspolitik in der Postmoderne, 1992, S. 192
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Arbeit zitieren:
B.A. Tobias Thomas, 2008, Diversity Konzepte im kanadischen Bildungssystem, München, GRIN Verlag GmbH
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