Universität Leipzig
Hausarbeit im Fach Philosophie
Hauptseminar: ,,EURABIA"
Leipzig, 04.04.2008
Westliche Einflüsse in islamischen Ländern
am Beispiel der Demokratie
1
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung
Seite 2
2.
Demokratie in Europa
Seite 3
3.
Islam und Demokratie 3 Betrachtungsweisen
Seite 4
3.1
Islam und Demokratie sind nicht kompatibel
Seite 5
3.2
Islam beinhaltet bereits demokratische Elemente -
Warum unbedingt westlicher Standard?
Seite 7
3.3
Islam und Demokratie sind durchaus kompatibel
Seite 11
4.
Abschlussbetrachtung
Seite 14
5.
Literaturverzeichnis
Seite 16
Onlinequellen
Seite 17
2
1.
Einleitung
In der vorliegenden Arbeit geht es um Demokratie in den Ländern einer Kultur, in der
Demokratie, nach unseren westlichen und ,,aufgeklärten" Vorstellungen, nicht einheimisch
ist. Und dennoch, im Zuge der vielen Einflüsse des Westens, wird von diesem nun auch
erwartet, dass sein politisches Konzept akzeptiert und kopiert wird. Ohne Demokratie, so
heißt es, sei ein Fortschritt und Mithalten in der heutigen Zeit der Globalisierung und
Wettbewerbsgesellschaft nicht möglich.
Schon heute wird die europäische und amerikanische Demokratie als selbstverständlich
angesehen, und man fragt sich allzu oft, wie es in den westlichen Ländern möglich war die
Demokratie einzuführen, während es in den islamischen Ländern überwiegend misslungen zu
sein scheint. Dabei sollte man jedoch nicht vergessen, dass die Demokratie in Europa selbst
noch äußerst jung ist und einen langen, schweren und verlustreichen Weg nehmen musste, bis
sie in der heutigen Form vorzufinden war. In Spanien war noch bis 1975 eine Diktatur
vorzufinden. In Griechenland, dem Land, in dem schon in der Antike erste demokratische
Elemente entwickelt und eingeführt wurden, kehrte der Faschismus von 1967-1974 zurück.
Und nicht zu vergessen, die so genannten ,,Ostblockstaaten", in denen bis 1989 Formen eines
kommunistischen Absolutismus vorzufinden waren.
In der vorliegenden Arbeit möchte ich untersuchen, ob und inwieweit der Islam mit der
Demokratie nach westlichem Standard kompatibel ist.
Bei den Recherchen zum Thema Demokratie in muslimischen Ländern bin ich auf
verschiedene Ansichten zu dieser Problematik gestoßen. Diese Ansichten lassen sich in drei
Hauptgruppen einteilen. Die erste Gruppe argumentiert dafür, dass der Islam und das Konzept
der Demokratie überhaupt nicht miteinander vereinbar sind. Zu dieser Gruppe gehören
größtenteils die radikaleren islamischen Kräfte. Die zweite Gruppe betont, dass im Islam
bereits demokratische Elemente vorhanden sind. Diese Elemente zeichnen sich nur teilweise
durch einen westlichen Charakter aus, aber Vertreter dieser Gruppe sind der Meinung, dass
nicht alles aus dem Westen übernommen werden sollte, sondern man müsse eine eigene Form
der Demokratie entwickelt. Die dritte und letzte Gruppe wird durch die liberal-islamischen
Kräfte bestimmt. Sie sagen, dass der Islam durchaus mit dem westlichen Konzept der
Demokratie vereinbar ist und bringen als Beispiel die Republik Türkei an.
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2.
Demokratie in Europa
Bevor der Schwerpunkt Demokratie in islamischen Ländern untersucht wird, soll vorher noch
auf die Demokratie in Europa eingegangen werden. Wie schon in der Einleitung erwähnt, war
die Einführung der Demokratie in Europa ein langer Weg über mehrere Jahrhunderte. Die
ersten Anzeichen demokratischer Entwicklungen findet man im Antiken Griechenland und
auch die römische Republik entwickelte bereits rudimentäre demokratische Elemente. Mit
dem Untergang der römischen Republik verschwanden diese Ideen jedoch fast vollständig.
Die erste neuzeitliche Demokratie entstand dann im 17. Jahrhundert in England mit der
Einführung der Bill of Rights im Jahre 1689 als Folge eines vorangegangenen Bürgerkrieges.
Ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Demokratie war die europäische Aufklärung.
Während dieser Zeit veröffentlichte Rousseau sein Werk ,,Der Gesellschaftsvertrag" und
führte damit die Idee ein, dass Herrscher und Beherrschte gleichgestellt sind. John Locke und
Charles Montesquieu ist die Idee der Gewaltenteilung in Judikative, Exekutive und
Legislative zu verdanken, die bis heute einen elementaren Bestandteil eines modernen
Rechtsstaates ausmacht. Die verschiedenen politischen Grundideen, die ihre Ursprünge im 18.
und 19. Jahrhundert hatten, passen sich den Erfordernissen des neuen Jahrhunderts an.
Unflexible, d.h. dogmatische, politische Systeme büßen ihren Stellenwert ein. Zu Beginn der
90er Jahre muss auch der Kommunismus diese Erfahrung machen. Andere autoritäre
Staatsformen (Monarchie, Faschismus, Nationalsozialismus) verlieren in Europa ebenfalls an
Bedeutung. Die pluralistischen, weitgehend an Kapitalismus und sozialer Marktwirtschaft
orientierten Demokratien gehen aus jahrzehntelanger ideologischer Konfrontation mit dem
Kommunismus als Sieger hervor.
Trotz der gemeinsamen Vorstellung individueller Freiheitsrechte und dem Recht, dass das
Volk selbst wählen darf, von wem es regiert wird, gibt es doch einige Unterschiede in der
endgültigen Ausführung der Demokratie. Die Regierungsform in Deutschland zum Beispiel
ist eine parlamentarische Demokratie. Das heißt, dass durch eine freie Volkswahl ein
Parlament gewählt wird, welches dann die wichtigsten politischen Entscheidungen trifft. Eine
parlamentarische Demokratie ist nicht nur in Deutschland zu finden. Auch in Ungarn und in
der Türkei wird diese Regierungsform ausgeübt. Doch nicht nur in Republiken wie
Deutschland, Türkei und Ungarn wird diese Form der Demokratie praktiziert, sondern auch in
Monarchien wie in den Niederlanden, Spanien und Norwegen ist sie alltäglich. In der
Bundesrepublik Deutschland findet man jedoch keine reine parlamentarische Demokratie vor,
da der Bundesrat durch die Länderregierungen besetzt wird und Anteil an der Gesetzgebung
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