Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Die Motivation des Sportlers zum Doping. 2
3 Körpertechnologisierung per Doping. 4
4 Das Problem der Freiheit des individuellen Körpergebrauchs. 5
4.1 Die Rechte des Körpers. 6
5 Abschlussbetrachtung. 7
Literaturverzeichnis. 8
1
1 Einleitung
Der Bereich des Sports hat sich im letzten Jahrhundert enorm verändert. Galt Sport, hier noch in Form von körperlicher Leibesertüchtigung eher der Erhaltung der Gesundheit, so ist es in unserer heutigen Gesellschaft ein wichtiger Punkt, der sich zu einer eigenständigen Kulturform entwickelt hat, die die Gesellschaft und Wirtschaft durch ihre Prinzipien „Höher, Schneller, Weiter“ bestimmt. Des Weiteren ist durch den enormen Anstieg des Sportes in unserem Alltag eine Art „Körperrevolution“ 1 entstanden. Die derzeitige Sportkultur beruft sich auf die drei großen Fs. Werte wie Fit durch Fun und Fairness. Sieht man jedoch genau hin, steckt leider nicht allzu viel hinter diesen Leitsprüchen. Das Ziel ist nicht mehr nur fit zu sein und den Körper gesundheitlich zu stärken, sondern oft wird ein Selbst-Grenzgang versucht. Fun ist zwar immer noch ein wichtiger Teil unserer Sportkultur, was zur Entwicklung neuer Sportarten und Fitnesstrends führt, aber im Vordergrund steht das „sich anpassen“ an ein von der Gesellschaft und den Medien geschaffenem körperlichen Vorbild. Sportler bestehen auf ihr gutes Recht mit ihrem Körper machen zu dürfen was sie wollen, um in ihrem Beruf oder Hobby bestmögliche Erfolge zu erzielen. Genauso wie ein viel beschäftigter Geschäftsmann sich mit Koffein wach halten und aufputschen kann, möchten die Sportler die Möglichkeit genießen durch leistungssteigernde Mittel an ihre Grenzen zu gehen.
In der folgenden Arbeit soll es nicht um das Problem der Fairness im Hochleistungssport gehen, wenn Sportler durch das Dopingverhalten anderer indirekt zum Doping gezwungen werden, wenn sie weiterhin an der Weltspitze stehen wollen. Im Gegensatz dazu soll vielmehr der intrapersonelle Aspekt betrachtet werden. Wie weit darf der Versuch der Körperneuerschaffung gehen, und hat der Körper an sich Rechte, die durch den Dopenden geachtet und gewahrt werden sollten?
2 Die Motivation des Sportlers zum Doping
Für den Leistungssportler ist der sportliche Erfolg sicherlich ein wichtiges Motiv zum Doping, denn nur durch ihn kann er von seinem Sport leben und ist durch Sponsoren, Werbeverträge, Siegprämien u.a. finanziell abgesichert. Genau wie ein Geschäftsmann sein bestmögliches in seinem Beruf versucht, gibt ein Leistungssportler alles, denn das ist sein Beruf. Es entscheiden sich jedoch auch immer mehr Freizeitsportler zur Einnahme leistungssteigernder Mittel. Es gibt also demzufolge noch eine andere, größere Motivation als
1 Caysa, V.: Körperutopien, S. 227.
2
den Erfolg. Die Sportler wollen ihre persönlichen körperlichen Grenzen austesten, um ihren Körper, gemäß den „gesellschaftlichen Vorgaben“, nämlich nach einem allgemeinen Schönheitsideal, neu zu formen. Noch Anfang des Jahrhunderts wurden sportliche Fähigkeiten und ein durchtrainierter Körper als von Mutter Natur gegeben angesehen. Entweder man war „stark“ oder man war „schwach“. 2 Es war einfach „Schicksal“ zu welcher Sorte man gehörte. Heutzutage lässt sich etwas gegen dieses „Schicksal“ unternehmen. Das wird z.B. dadurch gezeigt, dass jeder wie ein Bodybuilder aussehen kann, und dass nicht nur, weil er die Veranlagung dazu hat, sondern weil es durch bestimmte Hilfsmittel möglich ist. Es ist ein regelrechter Körperfetisch entstanden, bei dem gilt, dass nur schlanke und muskulöse Körper attraktiv sind. Dieser Körperfetisch wird in Fitnesscentern institutionalisiert und in vielen Zeitschriften propagiert. Man kann fast behaupten, dass ein gesellschaftlicher, sozialer Druck auf den Sportlern lastet. Denn nur wer dem Ideal entspricht, wird auch im alltäglichen Leben erfolgreich sein. Im Zuge dieser Körperindustrialisierung wird der eigene Körper zum Kapital, d.h. je näher er am Schönheitsideal ist, desto höher scheint sein Marktwert zu sein. In Bezug auf die freie Verfügungsgewalt über sich selbst und die Freiheit des Körpergebrauchs, sowie die Freiheit der individuellen Selbstgestaltung, wird die Kapitalisierung des Körpers als positiv wahrgenommen.
Die Motivation ist für den Sportler fast immer größer als das Bewusstsein, dass das Verwenden von leistungssteigernden Mitteln viele äußerst gefährliche, gesundheitliche Risiken mit sich bringt. Dem Sportler sind sicherlich die Risiken und Folgen des Dopings bekannt, aber in dem Augenblick der Einnahme vollkommen egal, vor allem wenn er beginnt erste Erfolge im Spiegel zu sehen. Er steigert sich dann in etwas hinein, was dem Apollinischen nahe kommt. Auch wenn das Apollinische meist als die rationelle Ebene angesehen wird, hat es auch etwas Rauschhaftes. Durch die Selbstdisziplinierung, den Zwang des Sportlers noch 5 kg mehr zu stemmen, oder noch mehr Gewicht zu verlieren, versetzt er sich selbst in einen Rausch, um dieses Ziel zu erreichen.
Es kommt hier dem Apollinischen (und nicht dem Dionysischen) gleich, da es auf der Ebene des Körpers, und nicht auf der Ebene des Leibes basiert.
Als Grundlage liegt hier die Leibonthologische Differenz vor. Der Leib ist dem Menschen unverfügbar und befindet sich auf einer Ebene, auf der Sachen widerfahren, die nicht geplant sind (z.B. Gefühle, Affekte). Der Körper hingegen ist für den Menschen instrumentell verfügbar und formbar. Er ist das natürlichste Instrument des Menschen und wird meist als
2 Caysa, V.: Körperutopien, S. 280
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Arbeit zitieren:
Dana Melzer, 2007, Doping und die Freiheit des individuellen Körpergebrauchs, München, GRIN Verlag GmbH
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