Philipps-Universität Marburg
Fachbereich: FB 21 Erziehungswissenschaften
Proseminar: Jugendkriminalität in Geschichte und Gegenwart
Wintersemester 2008/2009
Abgabetermin: 30.03.2009
Boot-Camp
- Erziehungslager in den USA -
Vorgelegt von:
Mirka Fuchs
7. Fachsemester
Diplom-Pädagogik
- 1 -
Gliederung:
Seite
1.
Einleitung...2
2.
Definition und Beschreibung des Begriffs ,,Boot Camp"...3
3.
Historischer Hintergrund...4
4.
Theoretische Ansätze...5
4.1.
Theorie der unterschiedlichen Konditionierbarkeit...6
4.2.
Yochelsons und Samenows Persönlichkeitstheorie...6
4.3.
Kontrolltheorie von Hirschi...6
5.
Kriminaltheoretischer Hintergrund...7
5.1.
Strafrechtsystem...7
5.2.
Strafrechtpolitik...7
6.
Auswahl der Insassen...10
6.1.
Vorverurteilungen...10
6.2.
Aktuelle Straftat...10
6.3.
Alter...11
6.4.
Belastbarkeit...11
6.5.
Freiwilligkeit...11
7.
Programmkonzeption...12
7.1.
Struktur...12
7.2.
Tagesablauf...14
7.3.
Militärische Grundstruktur...15
8.
Ziele der Programme...15
8.1.
Systemebene...16
8.2.
Personelle Ebene...16
9.
Rückfallwahrscheinlichkeit und Bewertung...17
10.
Veränderte Einstellung der Boot-Camp Insassen...17
11.
Fazit...18
I.
Abbildungsverzeichnis...21
II.
Literaturverzeichnis...20
- 2 -
1.
Einleitung
,,Der Wille wird gebrochen, um ihn danach wieder aufzubauen"
1
. So lautet dass Ziel der
Boot-Camp Programme in den USA.
In Deutschland wurde die Gesellschaft durch verschiedene Todesfälle in den Boot-Camps
aufmerksam und diskutiert immer noch öffentlich über diesen Ansatz.
Da ich mich vor allem in der Zeit meines Studiums mit dem Thema Straffälligkeit und
Rehabilitationsmöglichkeiten beschäftige, habe ich schon viele Ansätze kennen gelernt
und mich damit auseinander gesetzt. Ein Ansatz, der in den USA sehr weit verbreitet ist
und von der amerikanischen Gesellschaft unterstützt wird, ist das Boot-Camp Programm.
Dort stehen vor allem der militärische Drill und harte, körperliche Arbeit im Vordergrund.
Auf Grund dieser strengen Struktur wäre ein solcher Ansatz in Deutschland gesetzlich
nicht durchführbar und schlägt auch in der Gesellschaft auf harte Kritik.
Was jedoch die genauen Ziele dieser Camps sind, wie sie strukturiert und aufgebaut sind
und vor allem zu welchem Ergebnis sie führen, soll in dieser Arbeit untersucht werden.
Die Basisliteratur, die ich während meiner Rescheren verwendet habe, ist das Buch ,,Boot-
Camp-Programme in den USA" von Norbert Gescher aus dem Jahr 1998. Diese Literatur
ist schon 10 Jahre alt, aber beschreibt trotz dessen die Ziele und Strukturen der
Programme sehr detailiert.
Zunächst werde ich den Begriff ,,Boot-Camp" genauer klären und definieren. Danach soll
der historische Entstehungshintergrund der Camps beschrieben werden. Anschließend
werde ich im dritten Punkt meiner Gliederung die theoretischen Ansätze der Boot-Camps
vorstellen und kurz auf den kriminaltheoretischen Hintergrund in den USA eingehen.
Schließlich werde ich genauer auf die Auswahlkriterien der Insassen und die
Programmkonzeption eingehen und zuletzt Statistiken zur Rückfallquote und sozialen
Veränderungen der Gefangenen vorstellen.
Abschließend werde ich die Ergebnisse zusammenfassen und dabei kritisch hinterfragen.
1
Vgl.
www.Spiegel-online.de
(01.01.2008)
- 3 -
2.
Definition und Beschreibung des Begriffs ,,Boot Camp"
In der heutigen Zeit ist der Begriff ,,Boot-Camp" als Bezeichnung für ein Lager zur
Besserung und Rehabilitation von Straftätern bekannt geworden, insbesondere im
Zusammenhang mit straffällig gewordenen Jugendlichen. Als Alternative zu einer weitaus
längeren Haftstrafe in einem gewöhnlichen Gefängnis können straffällig Gewordene
durch die Teilnahme an einem Boot-Camp Programm nach ca. 120 Tagen wieder in die
Freiheit.
Es gibt sehr unterschiedliche Programme der Boot- Camps in den USA, was sich auf das
föderale System der USA zurückführen lässt. In der Literatur sind verschiedene
Auffassungen über die Einordung und Merkmale von Boot-Camps zu finden, woraufhin
unterschiedliche Einschätzungen über die Anzahl der Camps in den USA entstehen.
Hinsichtlich dieser unterschiedlichen Auffassungen gibt es keine einheitliche Definition
für den Begriff ,,Boot-Camp". Es kann lediglich festgehalten werden, dass allen das Ziel
gemeinsam ist, anhand strenger, militärischer Methoden, Menschen bzw. Straffällige in
ihrem Verhalten zu verbessern.
Mac Kenzie zum Beispiel bezeichnet eine Einrichtung als Boot-Camp, sobald sie die
folgenden vier Merkmale aufweist.
Zum einen stellen die Programme eine Alternative zu einer normalen, längeren
Inhaftierung im Strafvollzug dar. Des Weiteren sind die Programme durch eine Camp
Atmosphäre geprägt, die sich durch strenge Regeln auszeichnet. Das dritte Kriterium,
durch welches sich ein Boot- Camp nach Mac Kenzie auszeichnet, ist die Teilnahme der
Insassen an militärischen Drills und physischen Trainings. Das vierte und auch letzte
Merkmal eines Boot-Camps ist die Trennung der Insassen von denen im normalen
Strafvollzug.
2
2
Vgl. 1. Gescher, Norbert; Boot-Camp Programme in den USA Ein Fallbeispiel zum Formenwandel in der
amerikanischen Kriminalpolitik; Herausgegeben: Dünkel, DR. Frieder; Forum Verlag Godesberg; 1998
- 4 -
3.
Historischer Hintergrund
Die ersten Boot-Camps wurden im November 1983 in Oklahoma eröffnet, obwohl die
Idee der Camps noch weiter zurück geht. Im Folgenden werden verschiedene historische
Programme, die als Vorläufer der Boot-Camp-Programme bezeichnet werden können,
erläutert.
Schon Ende des 19. Jahrhunderts waren militärische Elemente Teil des
Jugendstrafvollzuges.
Ein strenges System von militärischem Drill im Strafvollzug wurde in den USA erstmals
im New Yorker Elmira Reformatory unter der Leitung von Zebulon R. Brockway
eingeführt. Diese Strafanstalt verfolgte einen Ansatz, der über das bloße Einsperren der
Straftäter hinausgehen sollte. Als 1888 jegliches produktive Arbeiten in
Strafvollzugseinrichtungen verboten wurde, führte man militärisches Training als Ersatz
ein. Der Einsatz militärischer Strukturen nahm dann jedoch stetig ab, bis nach dem 2.
Weltkrieg aufgrund der desillusionierten Sicht des Militärs keins dieser Elemente mehr
eingesetzt wurde.
Weitere Vorläufer der heutigen Boot Camps sind die ,,Outward Bound- Schulen", von
welchen die Boot Camp- Programme vor allem das Element der körperlichen
Herausforderung übernommen haben. Das Konzept dieser Schulen geht auf
Trainingsprogramme im zweiten Weltkrieg zurück. Durch besondere physische und
psychische Trainingsprogramme sollte damals die Widerstandsfähigkeit der Soldaten
gestärkt werden. Heute gibt es in den USA noch 7 solcher Schulen, 1964 wurden erstmals
auch delinquente Jugendliche aufgenommen.
Das Konzept findet sich auch in den sogenannten ,,Challenge- Programmen" wieder: Im
Rahmen eines mehrtägigen, alleinigen Aufenthalts in der Wildnis sollten psychische und
physische Grenzen überwunden werden. Dazu gehören auch die ,,Survival" und
,,Wilderness"
Programme.
Ende der 70er Jahre wurden die sogenannten ,,Scared straight- Programme" entworfen,
deren Ziel es ist, Jugendliche durch die Konfrontation mit dem harten Gefängnisalltag von
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